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DasReichskabinettnimmtseineArbeitenwiederaus

Oer Kürienprozeß in Düsseldorf

3d) habe gesehen, wie in Como ein Bischof inthronisiert wurde. Er ging am

Sees, sensi-

neuer Ende

polierte: Canova spürt den Genius dieses und das Wasser des Äsers spiegelt den tivsten der Bildhauer.

Der stille Fjord nach Südosten, der Lago di Lecco heißt, und auch der nordwärts bringende

Nach -em Osterurlaub.

Das Programm der ersten Kabinettssitzung

Berlin, 20.2Ipril. (. Funkspruch.) Die zur Zeit noch von Berlin abwesenden R e i ch s - m i n i st e r werden am 22. d. QIC. abends bzw. am 23. April vormittags in Berlin zurück- erwartet. Der Reichskanzler hat alle Minister gebeten, sich für den 23. April zu einer Ka­binettsbesprechung zur Verfügung zu halten. Rach einer Unterredung zwischen dem Reichskanzler und dem amerikanischen Botschafter dürste noch am 23. April diese erste Kabinetts- sihung ftattfinden, in der neben dem Arbeits­programm der nächsten Wochen auch die land­wirtschaftlichen Zollfragen besprochen werden sollen, die der Reichsernährungsminister erneut zur Debatte gestellt hat. Man rechnet hin­sichtlich der Zollsragen mit einer schnellen Ent­scheidung des Rcichskabinetts und erwartet auf jeden Fall, daß die Dinge bis Ende dieses Mo­nats getlärt sind. Zweifelhaft ist nach wie vor, ob bis Ende des Monats auch die bevorstehende Entscheidung für die Reuregelung des Ar­beitsmarktes und die Reform der So­zialversicherungen gefällt werden kann. Allerdings soll auch dieser Fragenkreis möglichst noch in der ersten Kabincttssihung erörtert wer­den. Vor der Abreise des Reichsaußen­mini st ers nach Genf zur Tagung des Eu­ropa-Komitees und der Tagung des Dölter- bundsrates wird selbstverständlich auch noch eine Sitzung des Reichskabinetts sich mit den schwe­benden außenpolitischen Fragen befassen.

Gegen -en Mißbrauch der Notverordnung in Preußen.

Ein neuer Runderlatz Severings.

Berlin, 20. April. (CRB.) 3m Zusammen­hang mit der Handhabung der Notver­ordnung durch die örtlichen Polizei­behörden hat der preußisch« 3nnenminister durch Funkspruch am 15. April an sämtliche Poli-

s s e l d o rf, 20. April. (WTB.) 3mKürten- Prozeh wurde die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Der Untersuchungsrichter referierte ausführlich über die Geständnisse Kürtens, der mit größter Offenheit in der Hauptverhandlung ein bis in die Einzelheiten gehendes Geständnis abgelegt habe. Kürten habe ein höchst eigenartiges Dop­pelleben geführt. Von 3nteresse sei, daß er das ursprüngliche Geständnis seiner Verbrechen am 24. 3uni, als er seiner Frau gegenübergestellt wurde, widerrief. Er wiederholte auch vor dem Untersuchungsrichter, daß er nicht der Mör­der sei. Zwei Monate lang betritt er alle Morde. Es folgte eine Zeit scharfen Ringens mit Kürten, der eine weit über seine Bildung hinaus- g<ende 3ntellig?nz an den Taz legte. 3m August kam es endlich zu einem neuen Geständnis. Die Hebcrlegung gab Kürten bis auf den Fall Klein (1913) zu. Später wollte er die Geständ­nisse einschränken. Er versuchte auch, sich durch Äebertreibungen den Schuh des Paragraphen 51 zu sichern. Die Frage der Verteidiger, ob auch ohne ein Geständnis eine Äeberführung Kürtens möglich gewesen wäre, bejaht der Zeuge mit der Einschränkung, daß der Beweis in einzelnen Fäl­len vielleicht nicht restlos hätte erbracht werden können. Gerichtsrat Dr. Koch erklärt hierauf, er habe mit Kürten auf dem Polizeipräsidium eine Unterredung gehabt, in der der Angeklagte ausführte, daß die Herren Sachverständigen sich seinetwegen nicht zu bemühen brauchten. Er habe die freie Willensbestimmung wie jeder andere gehabt. Bei der Vollstreckung des Todesurteils werde er mit keiner Wimper zucken.

Eine Zeugin, Frau Gundlack, erklärt, daß Kürten ihre Mutter und auch sie selbst oft be­droht und geängstigt habe. Er war mit 16 3ahren schon s o, wie er heute ist. Ein Vorarbeiter aus der Firma, wo Kürten während

zeiverwaltungen einen neuen Erlaß heraus­gegeben, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Notverordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschrei­tungen erlassen worden sei. Sie dürfe auf keinen Fall zur Beschränkung der politischen Freiheit führen. Der Mi­nister mißbilligt die vorgekommenen Fälle einer falschen Auslegung der Notverordnung und macht die Leiter der einzelnen Polizeiverwaltun- gcn persönlich haftbar für eine ord­nungsmäßige Handhabung der Not­verordnung.

3n Ergänzung des Ministerialerlasses vom 1. April, in dem die Richtlinien zur Handhabung der Notverordnung enthalten waren, ordnet der preußische 3nnenminister an, daß für die Zu­lassung von Plakaten und Flug­blättern politischen 3nhalts in Zu­kunft außer den Ortspolizeiverwaltern auch die Landräte, Regierungspräsidenten und Oberpräsi­denten zuständig sind, je nach der Art der Ver­breitung des vorgelegten Plakates oder Flug­blattes im Orte, Kreise, im Regierungsbezirk oder in der Provinz. Die Oberpräsidenten, Re­gierungspräsidenten und Landräte werden weiter angewiesen, von ihrer Entscheidung in jedem einzelnen Falle die untergeordneten 3 n - stanzenzu unterrichten, um zu vermeiden, daß zugelassene Plakate oder Flugblätter von einer untergeordneten Stelle be­schlagnahmt werden.

Oie Siahlhelmzeitung nur noch bis l.HJloi verboten.

Berlin, 20. April. (CNB.) Die Bundespresse­stelle des Stahlhelms teilt mit, daß das Bundesamt des Stahlhelms soeben durch den Vierten Strafsenat des Reichsgerichts folgende Nachricht über seinen Einspruch gegen das Verbot der Stahlhelmzeitung erhalten habe:Die Be­schwerde wird mit der Maßgabe verworfen, daß die Verbotsdauer auf die Zeit bis zum 1. Mai 19 31 einschließlich beschränkt wird."

der Mordtaten angestellt war, sagt, daß Kürten ziemlich träge war und oft geistesabwesend zu sein schien. Als Sachverständiger führt Ge­richtsarzt Professor Dr. Berg, Düsseldorf, aus, daß im Charakter Kürtens «ine Unklarheit vor­handen sei, die durch schwere erbliche Be­lastung entstanden sei. Dazu kommen noch ein erheblicher femininer Hang, weibliche Minder­wertigkeit, sadistische Veranlagung und übertrie­benes Geltungsbedürfnis. Der springende Punkt sei, ob ein planvolles Handeln vor und nach den Taten nachgewiesen werden könne. Die Be­obachtungen hätten bestätigt, daß eine all­gemeine Geistesstörung im Sinn«des §51 bei Kürten nicht vorhanden sei. Cs sei zuzugeben, daß bei bewußt eingeleiteten Handlungen das Zwangsmäßige und Unwider­stehliche auf ihn so eingewirkt habe, daß all« Hemmungsvorstellungen dadurch ausgeschlossen wurden. Daß es aber im Grunde genommen feine Gewohnheit gewesen sei, daß er nur an den Abenden ausging, an denen seine Frau nicht zu Hause war, oder daß er die Feiertage bevorzugte, um seine Opfer zu finden, ließe doch erkennen, daß er planmäßig gehandelt habe. Die klare lleberlegung würde auch da­durch bewiesen, daß er stets bereit und auch in der Lage gewesen sei, sich in Sicherheit zu bringen. Kürten habe ein fabelhaftes Gedächtnis, doch müsse et dem Angeklagten einen Qlffett- zustand einräumen.

Der 71jährige Vater des Kürten wird nunmehr auf Wunsch Kürtens in dessen Abwesenheit ver­nommen. Er sagt, daß er Kürten nur gezüchtigt habe, wenn er es verdiente. Er wisse von Straßen- räubereien, aber nichts von der Ermordung der Spielkameraden. Kürten sei von seiner Mutter bevorzugt worden. Zeugin Marie Budlis, die die Polizei auf die Spur Kürtens gebracht hat, hatte sich, wie sie bekundete, mit einer Freundin

Das neue rumänische Kabinett.

Ein deutscher Minderheitenminister im neuen Kabinett.

Bukarest, 18. April. (WTB.) Professor Ni­kolaus 3 o r g a wurde vom König mit der Bil­dung des Kabinetts beauftragt, nachdem Titu- Iefcu sein Kabinett nicht hatte bilden können. 3orga hat darauf ein Kabinett gebildet, das vom König gutgeheiben wurde. Die Mit­glieder der neuen Regierung werden noch heute dem König den Treueid leisten. Der neue Mi­nisterpräsident nannte sich einen Anhänger des Königs. 3nner» und außerpolitisch werde die neue Regierung an dem alten festhalten. Neuwahlen seien nicht nötig, auch denke die Regierung nicht an eine Diktatur. Man wolle auch keine neuen Gesetze schaffen, sondern nur die alten prüfen und Unverwendbares streichen. Die Frage einer Zollunion ließ er unberührt. 3m übrigen wird die Opposition aller Parteien gegen die Regierung 3orga zu er­warten sein. Wie weit sich diese Opposition aus- ' wirkt, werden erst die nächsten Tage, wenn 3orga dem Parlament gegenübertritt, zeigen.

Ministerpräsident 3 o r g a erklärte, er werde fein besonderes Augenmerk auf die kultu­relle Entwicklung der Minderheiten im Rahmen des rumänischen Staates richten und werde alles tun, um ein gutes Ein­vernehmen zwischen Minderheit und Mehrheit des Volkes herbeizuführen. Als Zeichen dafür bot er dem deutschen Abgeordneten Rudolf Brandf ch das Unterst aatssekretariat im Ministerpräsidium mit dem Referat für die Minderheiten an. Brandsch ist i> e r e r ft e deut- sche Minister und erste Minister der Minder­heiten Rumäniens überhaupt.

einer langen Prozession durch die Stadt, lächelte, segnete, blickte klug, heiter,laros, und die Menge applaudierte mit klatschenden Händen. Der Comersee ein wunderbares Theater, in dem nur der Beifall herrscht. Man gibt ihn lebhaft kund. Doch wie man ihn auch kund­geben mag: man hat ihn immer kundgegeben. Als ein im orbis terrarum erfahrener Mann des klassischen Altertums die Stelle suchte, an der er am besten würde lächeln können und am ge­wissesten, da geschah» daß Plinius sich auf jenes Vorgebirge setzte, von dem man die beiden süd- 1 lichen Arme des Sees und auch den nördlichen

Die Urbanität des Comersees ist ein Erbe der Antike. 3n dieser Luft haben schon die hanseatisch feinen Nerven der städtegründenden Etrusker sich verwöhnen lassen. Griechen haben feine Ufer bewohnt verbannte Griechen, wie man sagt; ach, sie wären ins Glück hinein verbannt ge­wesen I Auch nannten sie den SeeLaros, den heiteren. Kosmopolitisch vergleichende Römer, die einen hortus deliciarum suchten, schmückten ihn mit Landhäusern, wie mit Agraffen. Goten, Lango­barden der Völkerwanderung müssen den groben Drang ihrer südwärts pulsenden Wünsche in seinem Hauch beschwichtigt haben: das freund­liche, das ftille Genie der Sitte mag ihnen dort zuerst begegnet sein, und es ist unmöglich, daß sie es nicht rasch begriffen! So alt ist die Urbani­tät des Comersees. Sie besitzt den Reiz der Pattna: er ist aufs edelste mit ihr beschlagen. Und ohne historisches Gehabe bekennt man sich an diesem See zum Alter einer Ueberlicferung, in welcher dieser See recht mit sich eins ge­worden ist. Den Villen ist aufs natürlichste bis zu diesem Tag die Haltung der Antike eigen. Die Renaissance, das Barock großer Familien hat sich mit besonnener Pracht um ihn her niedergelassen: das maßvolle Empire hat ihn gefunden und geliebt, und alles, alles war ein einziger Ton, der alte, feine. 3n der Billa Car- lotta küßte Amor die Psyche: eS ist der urbane Stein des Canova, der alabasterweiße, subtile,

Bote stehenden Mitteln nicht nur Militärspiv- nage, sondern auch Wirtschaftsspio­nage treibt, well es für das Arland eben- alls wichtig ist, zu wissen, wie weit unsere Wirt- chaft mit bet Landesverteidigung in Verbindung teht und in welchem Ausmaße sie als Reserve m Dienste einer neuzeitlichen Sicherung gegen etwaig« Überraschungen durch unsere schwer­bewaffneten Nachbarn in Frage kommen kann.

Stärkstes Befremden in der Berliner presse.

Wann werden Attache und Konsul abberufcn?

Berlin, 21. April. (TU.) Zu der Tatsache, daß ine drei französischen Offiziere von ihrer Regierung die Anweisung erhalten haben, Ost­preußen und Deutschland sofort au verlassen, nehmen vorläufig nur wenige Berliner Blätter Stellung. Di«Vossische Zeitung" stellt fest, das bedauerlichste an der Angelegenheit sei, daß die französischen Offiziere anscheinend ge­glaubt hätten, auf deutschem Boden ohne Gefahr Dinge tun zu dürfen, die jedenande- ren in sehr unangenehmer Weise mit dem Strafgericht in Konflikt gebracht haben würden. Vielleicht sei es in diesem Fall das Best«, daß di« französischen Herren schnell und lautlos verschwänden. DieDA Z." sagt, die Anweisung an die französischen Offiziere, sofort den deutschen Boden zu verlassen, sei eine Selbstverständlichkeit, die bei der Schwere des vorliegenden Falles nicht ausreicht. Cs sei zu fordern, daß die französische Regierung den Gehilfen des Militärattaches an der Ber­liner Botschaft und den Königsberger Konsul abberufe, die sich beide zum mindesten der Spionagevergünstigung verdächtig gemacht hätten.

Di« Tat, bie den Offizieren zur Last zu legen ist, wird in Deutschland mit Zuchthaus be­droht. Die Reichsregierung scheint jedoch trotz der Schwere des Deliktes sich mit dem Ver­schwinden der Schuldigen aus Deutsch­land begnügen zu wollen, obwohl in einem umgekehrten Fall e deutsche Offiziere oder Personen, die sich in gleicher Weise schuldig ge­macht hätten, in Frankreich sofort festgesetzt, vor ein Kriegsgericht gestellt und zweifellos aufs schwerste bestraft worden wären.

entbehren nicht einer bedeutenden Ursprünglich- I feit. Der eigentliche, Lago di Como geheißene, der nach Südwesten, ist eine mit allen -3aubtry der Zivilisation gesegnete Landschaft. Um keinen südlichen See her sind die Ufer so köstlich besiedelt mit Villen, Dörfern, kleinen Städten, so liebens­würdig ausgebildet mit paradiesischen Gärten. Die natürliche Beschaffenheit der Gegend, einer Ge­gend, wo Wein stocke und Oliven mit der wuchern­den Natürlichkeit des Unkrautes gedeihen, be­günstigt die pflegenden Hände: aber es ist, als hätten erst sie das Entscheidende getan oder zum mindesten besteht ein inniges Gleichgewicht zwischen dem fünften Werk der pflegenden Hände und den unbefangenen Herrlichkeiten einer ver­bindlichen Natur: einer Natur, die in der Tat die Verbindlichkeit eines höflichen Menschen hat: einer Natur, die Natur ist und dennoch erzogen! Läßt sich das Paradoxe denken: eine urbane Natur? Hier unten ist sie! Dem Menschen ist sie in die Hand hinein gewachsen: es war ihr Ent­zücken, dies zu tun und freilich war es auch das Entzücken des Menschen, sie aufzunehmen um Landhäuser her, in Parken und Blumen­beeten. Am Ende ist es nicht mehr möglich zu sagen, was den Ausschlag gegeben hat: ob der zivilisierend« Mensch, ob die Natur, die hier nicht herrlich sein konnte, ohne ich wage es zu sagen: elegant zu sein. Elegant im größeren antifen Sinne des Wortes, das vonelegantia kommt. Die kompakten Siedlungen bis hoch hinaus, Weiler so geschlossen, so fest und großräumig wie Städte, ob sie zugleich auch winzig sind, scheinen Kakteen und Agaven, die der unbegreif­liche Genius der Natur aus den Felsen hervor­trieb wie aus einem Vorrat: sie scheinen ge­wachsen, so klar gebaut sie auch sein mögen. Hoch droben läuft das unabsehbare Band einer Straße: sie ist weiß wie Marmor mitten im Grü­nen, Bräunlichen: und es ist kein Zweifel, daß man einer langen Kunst durch viel kurze Leben hin bedurfte, um sie zu machen. Aber wie sie letzt vollendet hinläuft, ist sie ein Ornament, das die Landschaft sich selber geschenkt hat und den Menschen ja fast noch mehr den Augen der Menschen als ihren Sohlen ober den Rädern ihrer eilenden Wagen... 3n diesem Maße Kultur zu sein, ohne die Fülle der Reize des Natürlichen einzubühen, ist das Privileg des Comersees: di« anderen kommen ihm darin nicht gleich.

Comersee.

Don Wilhelm Kausenstein.

Er ist schmal, die hohen Berge rücken nahe zu­sammen um ihn; er streckt sich in drei Fjorden hin zweien nach Mittag, einen nach Mitter­nacht. 3n stellen Gefällen stürzen Felsen zum Wasser, das dunkelgrün daliegt und mit braunen Reflexen des Herbstes. Es gibt jetzt Nebel: sie sind von der Sonne vergoldet, aber auch so dicht, daß die Ämrisse naher Steingebirge vergehen und schatttge Wände in der Nachbarschaft ohne Zeichnung stehen stumpf, gestaltlos. Der Rei­sende, der mit dem Schiff den langen wunderbaren Weg von Como her kommt, sieht jenseits der Punta von Bellsgis die Landschaft nördlich wer­den, auf den Höhen Schnee tragen ... Aber das Nördliche ist zart gewoben, wie ein Traum, und die Wolken dcs nicht mehr warmen Morgens, die Nebel des kühlen Vormittags können sich noch jetzt nach Essenszeit auflösen in einen silbrig- lauen Duft, der dem Leib dieser Landschaft das Ansehen einer in den leichtesten Volle ge­kleideten Frau gibt einer Frau, die liebt, deren Scharm unendlich ist. Sie steht in ge­schmeidigen Lichtem, uno das Dunkle in ihrem Kreis ist ohne Härte.

Der Gardasee öffnet sich nach Süden ins Weite, Meerhafte. Der Lago Maggiore ist zwischen sei­nen Bergen ins Mächtige gedehnt. Nach diesen Seen hat man den Comersee intim gefunden. Er ist es; doch auch ihm ist das Heroische gegeben! Mit gewaltigen Wölbungen, riesigen Beulen stehen die Gebirge gegen den Himmel an, und Riffe von der Wüstheit jenseitiger Alpen brechen aufwärts in die ruhige Bläue ein. Das Pathos des oberbayrischen Königsees ist nicht roman- ttscher als die Kühnheit der steinernen Abgründe da und dort um den Lago di Como. Doch wieder­um bleibt wahr: er liebt die Soirne, die das Wachs­tum hervorholt und besänftigt. 3etzt liegt ihr Schein auf einer Hohe, den hohen Fels begütigt ein weicher Teppich von Gras; es ist auf herbst­liche Weise olivgrün und wird geweiht durch eine Glorie aus Rosa und Fliederlila. Der Comersee ist vollständig, er hat alles, wie das Märchen.

verabredet, bei ihr zu nächtigen, sei aber von der Freundin im Stich gelassen worden. Sie hätte dann Kürten getroffen, der ihr feine Wohnung an- geboten hätte. Sie sei auch mit ihm mitgegangen, als er dann.aber zudringlich geworden fei, hatte sie gedroht, um Hilfe zu rufen. Dann hat sie mit Kürten das Haus verlassen, um in einem Mädchenheim zu schlafen. Kürten hätte sie begleitet; sie aber statt nach dem Heim in den Gräfenberger Wald geführt, wo er sich an ihr zu vergehen versucht hätte, worauf er verschwun­den sei. Der Vorsitzende unterbricht die Ausführun­gen der Zeugin und streift den weiteren Verlauf der Dinge bis zur Verhaftung Kürtens. Die Zeugin erklärt zwar, daß sie noch viel auszusaaen habe, doch laßt der Vorsitzende weitere Ausführungen nicht mehr zu. Sodann werden drei Zeugen über die Brandstiftung in Hubbelrath vernommen, wobei sich die Nichtigkeit der Kürtenschen Angaben bestätigt. Ebenso gibt Kürten auf eine Frage des Staatsanwaltes zu, im November 1929 im Hof- garten einem Schwan den Hals durch­schnitten zu haben.

Internationale Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

Tie Vorschläge von Albert Thomas für den Europaansschutz.

Der Direktor des 3nternatiionalen Arbeits­amtes, Albert Thomas, hat dem zur Zeit ta­genden Verwaltungsrat des 3n t er - nationalen Arbeitsamtes als Grund­lage für die Vorschläge, die der VerwaltungSratz imEuropa-Ausschuß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit machen soll, eine Denkschrift ein­gereicht, in der bemerkenswerte Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit behandelt wer­den. Albert Thomas macht zunächst den Vor­schlag, unverzüglich eineCuropa-Arbeits- b ö r f e zu schaffen. Es soll sich dabei um eine ArtClearing"-Haus zur Unterbringung der europäischen Arbeitslosen handeln. Was für den Kauf und Verkauf bestimmter 3ndustrieerzeug- niss« möglich sei, müsse ebenso für di« Unter­bringung der Arbeitslosen und für die Schaffung geeigneter Arbeitsbedingungen möglich sein. (Sinei fol<f>e europäische Arbeitsbörse würde die euro­päischen Völker daran gewöhnen, die Frag« der Unterbringung der Arbeitslosen alsein« all - gemeine europäische Frag« zu betrach­ten. Die europäische Arbeitsbörs« könnte un­verzüglich geschaffen werden. Sie toihbe sich durch­aus im Rahmen der Gesetze der einzelnen Län­der halten, in denen der Arbeitsmarkt vor einem nicht gewünschten Zufluß fremder Arbeitskräfte geschützt werde.

3n der Denkschrift wird ferner zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die Vergebung gro­ßer öffentlicher Arbeiten in gemein­samer Zusammenarbeit der europäischen Re­gierungen vorgeschlagen. Die Vergebung solcher Arbeiten würde im 3n1eress« der einzelnen Län­der liegen, da damit große Aufträge an die einzelnen 3ndustrien verbunden wären. Ferner würde ein solches Vorgehen den großen moralischen Vorteil haben, eineneuro­päischen Geist" zu schaffen. Zunächst konnte zum Beispiel ein großes europäisches Str a- tz e n n e tz geschaffen werden, um den Anforderun­gen des europäischen Kraftwagenverkehrs zu ent­sprechen. Cs könnten direkte Auto mobil­st raß en zwischen ParisWienAthen, ferner ParisBerlinWarschauMoskau, eine Der- kehrsstraße über die Alpen sowie eine Verkehrs­straße zwischen dem Balkan und den baltischen Ländern geschaffen werden. Weiter wird die Erweiterung des europäischen Fluß­netzes durch Herstellung einer Verbindung zwi­schen dem Rhein und der Rhone sowie ein An­schluß des norddeutschen Flußnetzes an die Donau empfohlen. Diese Verbindungen würden zweifel­los günstige Rückwirkungen auf die Entwicklung des europäischen Handels zwischen Nordeuropcr und Zentraleuropa haben. 3n der Denkschrift wird auch die Frage einer internationa­len Verteilung der elektrischen Energien berührt. Zum Schluß wird hervor­gehoben, daß die bereite feit langem erörterte Frage der Einführung der automati­schen Kupplung im Cisenbahnver-

sehen kann man hat nur den Kopf zu drehen. Ollitten im Kranz der heiteren Orte, die heiterer sind als Griechenland, süßer als das Land und Wasser um Neapel, mitten drin in diesem Preis- "ranz, den rings Cadenabbia, Tremezzo, Mo- naggio und all die angenehmen Orte mit den schönen Kadenzen der Namen ausmachen, dort liegt heute am Fuß des Vorgebirges Bellagio, die entzückende kleine Stadt, naiv wie ein Dorf, fest wie eine Gitta, gepflegt wie Baden-Baden. Heber Treppen oder auf der Straße kommt man bald in den Park der Villa Serbelloni. Nord­wärts wandelnd findet man sich zwischen Kiefern wie daheim, und so ersteigt man wohlig erfrischt die Hohe. Von dort sieht man den Norden des Sees, und man erkennt, daß man nur einen Teil der Wahrheit sagte, als man von einem Fjord erzählen wollte; denn jetzt an der Zusammenkunft der südlichen Arme mit dem nördlichen hat der See die Majestät der Breit«. Aus der Kuppe stehen die Reste der antiken Villa, die dem Plinius gegeben wird. Von dort hätte er die Ahnung des Nordens angeschaut. Don dort hätte er aber auch die Fülle des Südens erblickt mit einem einzigen, ja einzigen Blick. Den lang­gestreckten Südhang des Vorgebirges nieder- wandelnd, stehst du mit einemmal im Angesichte des ganzen, ganzen Südens! Zwischen den silber- grünen Olivenbäumen ist die Erde locker und rötlich wie in Toskana. Reben wachsen ver­schwenderisch; Palmen stehen mit Stämmen, die schwer sind wie Säulen und grau wie Elefanten; Feigen, Oleander, Agaven, Bambus sind mit Selbstverständlichkeit vergeudet und doch mit Ruhe zugemessen; und es ist nicht eine einzige Herr­lichkeit des Südens, die hier nicht zu den übrigen elysäisch versammelt wäre. Es ist die Kunst des Gärtners, die dies seit zweitausend 3ahren und länger getan hat; aber es ist die Natur, die dies nicht nur erlaubte, sondern auch wollte. Den kunstreichen Garten hat die Natur ihr selbst gewidmet; sie hat ihn geschenkt ihr selbst und ihm.

Die Puntcr von Bellagio ist der Kopf des 3anus. Er lächelt den Süden an, der ihn be­strahlt; doch gegen Norden schaut er nicht grim* mig denn der Norden ist hie» nur noch ein leises Wagnis der milden Natur.