nr.92 Erster Blatt
18t Jahrgang
Dienstag. 21 April (YZ(
Er|d)ctm läglich.crutzn Sonntag» and Fe,erlag»
Beilagen:
Vie Illustrierte Gietzener FamilienblLtte, Heimat im Bild Die Scholle
Monalr-Vezugroretr: 2.20 Reichsmark und 30 Retchspfennig für Träge» lohn, auch bei Richter- scheinen emzelnerNummern mfolg» höherer Gewalt.
Zernlprechanlchlüste anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben.
Postscheckkonto: Srai’ffurtamlHain 11686.
GiehenerAnMger
General-Anzeiger für Gberhessen
Vrvck und Verlag: vrühl'sche llniverfitS1§-vuch. und SteindruSerei B. Lange in Sietzen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: §chulstratze7.
Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mnc Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20 \ mehr.
Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Ein königlicher Kaufmann.
Es hat einen etwas peinlichen Beigeschmack, daß die wiederholten Anfragen, welche finanziellen Bedingungen zwischen dem Deutschen Reich und dem ehemaligen Zaren der Bulgaren bestehen, noch immer keine offene Antwort erhalten haben. Der Finan^rninister hat zwar näheve Auskünfte für den Auswärtigen Ausschuß zugesagt, der Ausschuß ist aber bisher nicht bemüht worden. Dafür haben nach den Kommunisten auch die Sozialdemokraten Alarm geschlagen, und nachdem nun einmal mancherlei von diesem unerfreulichen Zwischenspiel durchgesickert ist, hat schließlich das deutsche Volk ein Recht darauf, zu erfahren, wie die Dinge eigentlich liegen. Zu vertuschen ist kaum etwas inehr.
Die Anfänge sind bekannt: Als Bulgarien in den Krieg eintrat, hat sich der Zar Ferdinand die Zusicherung geben lassen, daß er dabei sein Vermögen nicht verliert. Das klingt an sich unschön, läßt sich immerhin aber doch verteidigen. Er hatte «inen großen Teil seines Vermögens in der Dank von England liegen. Diese Gelder gingen ihm bei Kriegsausbruch verloren. Er hätte sie deshalb vorher zurückziehen können, dadurch aber hätten die Engländer vorzeitig Wind bekommen von den deutschen Plänen. Das Geld mußt« also geopfert werden. Unö da die Fürsten des Hauses Coburg immer gute Kaufleute gewesen sind, hat auch Zar Ferdinand s i ch den Ausfall vom Deutschen Reich garantieren lassen. Er hat auch schon vor der Inflation 1921 eine Summe von 23 Millionen erhalten und dafür schriftlich bescheinigt, daß damit alle Zusagen der Reichsregierung von 1915 abgegolten seien. Rach der Inflation aber hat er sich dann wieder gemeldet und ist des öfteren mit neuen Anforderungen gekommen, die von den verschiedenen Kabinetten auch erfüllt worden sind. Als Entschädigung erhielt er 1924 vom Kabinett Marx-Luther «ine Million und 1925 vom Kabinett Luther-Schlieben noch einmal den gleichen Betrag. Aber das genügte ihm noch nicht. Er hat darüber hinaus noch «ine Rente auf Lebenszeit von über 1 00 000 Mark vom Kabinett Marx-Köhler bekonrmen. Außerdem wahrscheinlich auch noch weitere Barzahlungen bis in die jüngste Zeit hinein, so noch im Februar dieses Iahres vom Kabinett Brüning-Dietrich einen Reichsbankscheck auf 500 000 Mark.
Das scheint uns doch etwas reichlich, gerade gemessen an den schweren Opfern, die das ulgarische Volk ebenso wie das deutsche Volk gebracht haben. Es ist deshalb mehr als Reu- gierde, wenn man zu wissen wünscht, auf welchen Verpflichtungen die Zahlungen nach der Inflation beruhen und aus welchem Fonds sie geleistet sind. Denn schließlich hat auch die deutsche Regierung ein Interesse daran, den Eindruck zu vermeiden, als ob der frühere König von Bulgarien sich den Eintritt in den Krieg oder den Verlust seiner Krone von Deutschland bezahlen läßt.
Der protestantische Kirchenverirag.
Der Kirchenfenat empfiehlt der Generalsynode Annahme des Vertrags.
Berlin, 20.April. (WTB.) Die preußische Generalsynode trat heute zu ihrer außerordentlichen Tagung zusammen, um die endgültige Entscheidung über den Kirchenvertrag mit dem preußischen Staat zu fällen. Der Eröffnungssitzung ging ein Gotesdienst in der Matthäi- kirche voraus, an dem die Mitglieder der Generalsynode geschlossen teilnahmen. In der ersten öffentlichen Sitzung erklärte Präsident l). Winckler, der Kirchensenat habe sich nicht entschließen können, die Verantwortung für den Abschluß des Vertrages allein zu übernehmen; denn in dem entscheidenden Punkte, der politischen Klausel hätten die Verhandlungen zu einem Ergebnis geführt, das mit der Stellungnahme der letzten Generalsynode nicht voll überein st imme. Deshalb habe der Kirchensenat einstimmig beschlossen, die Generalsynode um ihre Entscheidung anzurufen. Nach eingehender und gewissenhafter Prüfung sei er aber in seiner Mehrheit zu dem Ergebnis gekommen, daß die Vorteile des Vertrages die Nachteile überwiegen. Einigkeit herrsche darüber, daß über diese für den deutschen Protestantismus entscheidende Frage nur nach kirchlichen Gesichtspunkten entschieden werden könne.
Veichsparieiiag der Volksrechipariei.
Leipzig, 20. April. (Täl.) Der Reichsparteitag der Volksrechtpartei ergab den einmütigen Protest gegen das Redeverbot gegenüber ihrem Mitkämpfer, dem ehemaligen englischen Generalstabshauptmann Divian S t r a n - d e r s. Diese Regierungsmahnahme sei gleichbedeutend mit der wesentlichen Erschwerung des Kampfes der Volksrechtpartei gegen die Kriegsschuldlüge und gegen die Entschuldungslüge, den beiden Voraussetzungen der untragbaren Lasten des Boungplanes. Die Unterstützung des Stahlhelm-Volksbegehrens in Preußen wurde gebilligt.
Die Volksrechtpartei verlange ein Gesetz zur Bestrafung derer, die die deutsche Währung absichtlich zerstört urcd dadurch das gesamte deutsche Volk dem Profiitinteresse des internationalen Kapitals ausgeliefert hätten.
Oie französische Spionage in Ostpreußen.
Was die französischen Offiziere in Königsberg photographierten. - Oer Botschafter greift ein. Wo bleibt das Gerichtsverfahren wegen Spionage?
Berlin, 20.April. (OB.) „Tempo“ berichtet zu dem Zwischenfall in Königsberg, wo, wie gemeldet, französische Offiziere Aufnahmen im Kasernengelände gemacht hatten, daß es sich bei den drei Offizieren um französische General st äbler handele, die der zweiten Abteilung des Kriegsmlnisteriums, also der Spionageabtei l u ng angehörten, und daß die Bildausnahmen, die sie bei einer Hebung der Reichswehrartillerie gemacht haben, sicherlich einem ganz bestimmten Zweck dienen feilten. Die Vorgänge, die die französischen Offiziere im kafernenhof verfolgten und die sie durch ein Gitter, das die Kaserne von der Außenwelt ab- schlieht, filmten, stellten eine Hebung über die Anwendung eines neuen Zielin- strumentes dar, das auf den Geschützen aufgesetzt wird und eine bessere Zielmöglichkeit schaffen soll. Die Aufnahmen haben, so schreibt das Blatt, offenbar den Zweck gehabt, Art und Verwendung dieses Instrumentes kennenzulernen. Die beschlagnahmten Filme sind in Königsberg bereits entwickelt worden und befinden sich auf dem Wege nach Berlin. Die Offiziere befinden sich noch in O st - p r e u fj e n. von einem Besuch der Festung Pi11au, den sie in Aussicht genommen hallen, haben sie zwar Abstand genommen, sind jedoch gestern in Gumbinnen zum Besuch der dortigen Schlachtfelder gewesen und heule nach Allen- sl e i n roeifergereiff, um von dort aus das Tannenbergdenkmal zu besichtigen Wie wir erfahren, ist soeben eine Weisung der französischen Botschaft in Berlin an die Offiziere ergangen, daß sie so schnell wie möglich Ostpreu- hen und Deutschland zu verlassen haben.
Wie wir weiter erfahren, ist die Antersuchung der Angelegenheit noch im Gange. Sie wird angesichts der Wichtigkeit, die die Angelegenheit anzunehmen scheint, mit aller Sorgfalt weitergeführt. An den maßgebenden deutschen Stellen kann man sich eigentlich noch nicht recht vorstellen, daß wirklich mit solcher Plumpheit Spionage betrieben worden sein soll. Sollte sich aber Herausstellen, was an Hand der beschlagnahmten Photographien möglich sein kann, daß der verdacht wirklich begründet ist, so würden von deutscher Seite die gegebenen Konsequenzen gezogen werden, d. h. also, daß die französische Regierung gebeten würde, den Königsberger Konsul und den ebenfalls in die Angelegenheit verwickelten Hilfsattache an der französischen Botschaft abzuberusen.
Die Königsberger Spionageaffäre hat sich doch als wesentlich ernster herausgestellt, es hat sich ergeben, daß die französischen Offiziere, die sich in Begleitung des Berliner Militärattaches und des Königsberger Konsuls befanden, Dinge photographiert haben, die im Interesse der Landesverteidigung geheim zu halten waren. Selbstverständlich handelt es sich hierbei nicht um Angelegenheiten, die von so unerhörter Wichtigkeit sind, daß durch ihr Dekanntwerden unser ganzes Verteidigungsshstern in Einordnung gebracht oder gar der Gegenseite das Signal gegeben worden ist, über uns mit schweren Vorwürfen wegen angeblicher Verletzung des Versailler Detrages und wegen einer geheimen Aufrüstung herzufallen. Daß wir nicht mehr Geschütze, Maschinengewehre und Gewehre besitzen,
als uns die Feinbundmächte zugestanden haben, weiß man im Ausland sehr genau, wissen vor allem auch die bei dem verbotenen Photographieren erwischten Herren, die zur Abteilung 2B des französischen Kriegsministeriums gehören, die die Zentrale des französischen Spionagedienstes darstellt.
Die Erfahrungen der Kriegs- und Rachkriegs- zeit haben auch uns veranlaßt, uns der modernen Kampfweise nach Möglichkeit anzupassen, also mit den uns erlaubten Waffen so umzugehen, wie das im Interesse von Volk und Ration erforderlich ist. Selbstverständlich müssen alle Errungenschaften auf dem Gebiete der Landesverteidigung geheimgehalten werden, selbst wenn sie noch so unbedeutend sind. Verständlich ist es, daß namentlich die Franzosen fortlaufend wissen wollen, was wir aus unserem Hunderttausend-Mann-Heer herausholen und nach welchen Grundsätzen es ausgebildet wird. Die Reichswehr sucht sich zwar nach besten Kräften gegen den ausländischen Kundschafterdienst zu schützen, leider stehen ihr ausreichende Geldmittel für eine Abwehr nicht zur Verfügung, so daß immer wieder beim Reichsgericht in Leipzig Spionagefälle zur Verhandlung stehen. Der Königsberger Fall läßt aber fast die Vermutung
Oer Kall Strasburger.
Das Niicktrittsgesuch des General- kommijsars nicht angenommen.
Warschau, 18. April. (WTB.) Außenminister Z a l e s k i hat dem polnischen Generalkommissar für Danzig, Minister Strasburger, schriftlich mir- geteilt, daß die polnische Regierung, da Minister Strasburger ihr vollstes Vertrauen genieße, sein Demisfionsgesuch nicht annehme. Za- leski betont, daß die polnische Regierung die von Strasburger angeführten Motive seiner Demission zwar vollkommen würdige, jedoch überzeugt sei, daß die Tatsachen, die Strasburger in seinem Demissionsgesuch berühre, unabhängig von seiner Tätigkeit entstanden seien und vor den zuständigen Organen des Völkerbundes eine entsprechende Lösung finden würden.
Worüber Polen sich beschwerte Uebermäßige Aufbauschungen belangloser Harmlosigkeiten.
Danzig, 20. April. (TU.) Der Präsident des Danziger Senats, Dr. Z i e h m, erstattete im Hauptausschuß des Danziger Volkstages ausführlichen Bericht über die Vorgänge, die zu dem demonstrativen Rücktrittsgesuch des Ministers Strasburger Anlaß gegeben haben. Es handele sich außer um den Fall Gengerski um weitere fünf Vorkommnisse, die zum Teil recht harmloser Natur und nur von den Polen übermäßig aufgebauscht worden seien, so um eine Schlägerei zwischen Mitgliedern einer polnischen Studentenverbindung und Mitgliedern des Sportvereins der Schutzpolizei, bei der keine erheblichen Verletzungen vorgekommen seien.
3m zweiten Fall solle ein Danziger namens Rekowski einen zehnjährigen polnischen Schüler, der im Eisenbahnabteil die Mitfahrenden belästigte, geschlagen haben, was Rekowski aber entschieden in Abrede stellte, der dritte Fall beträfe eine Schlägerei zwischen
aufkommen, als ob in Ostpreußen der französisch-polnische Agentendienst doch nicht nach Wunsch funktioniert, so daß sich Offiziere des französischen Krreasministeriums veranlaßt gesehen haben, selbst einmal an di« Arbeit zu gehen.
Sie haben auch mit sicherem Blick das in Erfahrung gebracht, was für sie wissenswert schien. Sie sind dabei mit einer erstaunlichen Frechheit aufgetreten, weil sie sich nicht mit älnrecht sagten, daß sie dabei am schnellsten zum Ziele kommen würden. Rur der Aufmerksamkeit der Kasernenwache ist es zu verdanken, daß die Offiziere festgenommen wurden. Sie sind aber bedauerlicherweise wieder freigelassen worden; doch darf man erwarten, daß schleunigst ein Gerichtsverfahren angekurbelt, und daß vor allem dem französischen Botschafter in Berlin in aller Deutlichkeit auseinandergeseht wird, wie unerwünscht uns di« Anwesenheit des französischen Militärattaches und des Königsberger Konsuls auf deutschem Boden ist. Mögen auch diese beiden Herren von der Bildfläche verschwinden, so dürfen wir uns doch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß in Deutschland ein riesiges Heer ausländischer Kundschafter am Werke ist, das mit allen zu Ge-
Mitgliedern der NSDAP, und fünf polnischen Eisenbahnbeamten in einem Eisenbahnabteil auf der Strecke Danzig-Zoppot, wobei aber nicht fest st ehe, wer provoziert habe und bei der auch niemand erheblich verletzt worden sei. Es hab« sich damals unter den Polen ein Mann befunden, der schon einmal wegen Beleidigung des Danziger Senats bestraft werden mußte und a l s polnischer Fanatiker bekannt fei. Viertens behaupte die polnische diplomatische Vertretung, daß ein polnischer Zollinspektor von einem Danziger Händler beschimpft und geschlagen worden sei. Dieser Fall liegt so harmlos, daß die Staatsanwaltschaft nicht habe einschreiten können. Endlich beschwere sich Strasburger darüber, daß der Täter, der den polnischen Briefkasten in der Straße „Reitbahn" beschädigt hätte, durch gerichtliches Urteil freigesprochen worden sei. Es sei den Polen mitgeteilt worden, daß die Staatsanwaltschaft von sich aus das gesetzliche Rechtsmittel eingelegt habe, und daß die Entscheidung des Gerichts also überhaupt noch abgewartet werden müsse.
Dr. Ziehm erklärte, es handele sich in allen Fak- len um Streitigkeiten, die man bedauern müsse, die aber i n jedem Staate, sicherlich auch in Polen, vorkämen. Die Ermittlungen seien durchweg sehr sorgfältig geführt worden, wie sich auch bei der gründlichen Nachprüfung durch den «Senat ergeben hätte. Die Danziger Regierung hab« es vermiede n, ihrerseits solche Bagatellen zum Gegenstand einer diplomatischen Vorstellung zu machen, obwohl Danzig sehr wohl in der Lage wäre, an einer erdrückenden Menge von Fällen, unter denen sich auch recht schwerwiegende Vergehen polnischer diplomatischer Beamten, Offiziere und Soldaten befänden, nachzuweisen, daß trotz der verhältnismäßig sehr geringen Zahl der Polen in Danzig polnische Angriffe auf Danzi- ger Leben unb Eigentum sowohl nach Zahl wie Schärfe ganz erheblich die Angriffe von Danziger Staatsangehörigen gegen polnisches Leben und Eigentum überträfen.
9er Konflikt zwischen Danzig und polen.
D«m Bauspärwesen, den Baugenossenschaften, Siedlern, Schrebergärtnern, der Sportbewegung und der Iugendbewegung wolle die Volksrechtpartei politische Vertretung sein. Hierzu trete die Gründung eigener Sparkassen des Sparerbundes, um die deutschen Spargelder selbst zu verwalten. Die Volksrechtpartei erblicke in den neuen Plänen weiteren Abbaues der Gehälter der Beamten und Dehörden-Angestellten eine weitere Kauf- krastvernichtung, die den neuen Zusammenbruch von Mittel st and zur Folge haben müsse. Der Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit, also die Lösung der sozialen Frage, dürfe nicht durch den Sozialismus, sondern müsse durch eine Sozialreform erfolgen. Auf kulturellem Gebiet werde e i n Christentum der Tat gefordert. DieDolks» rechtjugend erklärte, daß sie die durch die Generation ihrer Eltern abgeschlossenen Derklavungs- Verträge nicht als bindend anerkennt.
Oie Ergänzung des Thüringer Kabinetts.
Einigung der Parteien. — Zustimmung des Landtags wahrscheinlich.
Weimar, 20. April. (TU.) Wie zuverlässig verlautet, sind die Verhandlungen über die Er- gänzungsvorschläge für das Thüringer Kabinett
nunmehr abgeschlossen. Dem Landtag soll am kommenden Mittwoch folgender Vorschlag zur Entscheidung unterbreitet werden:
An Stelle des ausscheidenden Staatsrates Marsch le r (RS.) wird der Abg. Krause (Wirtsch.-P.), ter bereits einmal Staatsrat war, vorgeschlagen. Für Meiningen tritt an Stelle des ausscheidenden Staatsrates Kien (dn.) der Landbundführer D ö b r i ch. Für Reuß tritt an Stelle des Staatsrates P o r t h (Landvolkpartei) Generaldireltor Daumgärtke - Zeulenroda (DVP.), für Rudolstadt scheidet Staatsrat Fürth (WP.) aus. An seine Stelle tritt der Hauptgeschäftsführer des Thüringer Landbundes, Maceldey. Für Sondershausen verbleibt der bisherige volksparteiliche Staatsrat Dauer im Kabinett.
Die Thüringer Regierung fetzt sich demnach künftig aus zwei Ministern und fünf Staats- räten zusammen, lieber die Ressortverteilung der fünf Ministerien verlautet, daß Minister Baum zum Finanzministerium das Wirtschaftsministerium übernimmt, während Minister K ä st - ner die Ministerien für Volksbildung, Iustiz und Inneres verwalten wird. Rach Lage der Dinge darf es als feststehend angenommen werden, daß diese Kandidatenliste im Landtag am kommenden Mittwoch durch Stimmenthaltung der Sozialdemokraten eine Mehrheit findet. In der Opposition werden lediglich die Kommunisten, die Rational- sozialisten und die Deutschnationalen stehen.
Oie Flamen melden sich. GefährlichcFolgcrungcn aus den Vorgängen in Spanien.
Brüssel, 20. April. (TU.) Die Ereignisse in Spanien, für die die kulturellen Autonomiebestrebungen im Sinne einer Auflockerung des starren Staatsprinzips mindestens ebenso bezeichnend sind, wie das Verschwinden der Monarchie, finden in der flämischen Presse einige charakteristische Kommentare. So vermerkt das katholisch^lämische Blatt „De Standaard", daß die flämische Bewegung große Fortschritte mache und daß, falls die Flamenfrage im Laufe dieses Iahres nicht einer Lösung zugeführt werde, sichgefährlicheEr- eignisse daraus ergeben könnten. Das Blatt erinnert daran, daß die Wahl in Antwerpen im Fahre 1929 für den Flamenführer Borms 83 000 Stimmen ergeben habe, und fügt hinzu, daß die spanischen und katalanischen Ereignisse dieflä - mische Iugend stark beeinflußt hätten. Die flämischen Minister sollten, dem Mut des Grafen Romanones nacheifernd, die Regierung darauf aufmerksam machen, daß für das belgische Regime große Gefahr im Ver- zuge sei. — Die extremistische Zeitung „De Schelde" sagt ganz offen, daß, wenn die Verhältnisse in Belgien nicht zu Gunsten der Flamen geändert würden, die belgische Dynastie ebenso wie die spanische Dynastie verschwinden müsse.


