Verhandllmg hinter verschlossenen Luven zu Ge- fängnigftrafen verurteilt. Gleich zu Beginn der Verhandlung beantragte der Anklagevertreter Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatssicherheit. Die Verteidigung widersetzte sich dem Antrag mit dem Hinweis dar.ruf. daß die öffentliche Sittlichkeit und auch die Sicherheit des Staates durch die öffentliche Verhandlung nicht gefährdet werden würden. Das Gericht verkündete den Beschluß, die Oeffentlichkeit bis zur Llrteils- verkündungvoll st ändigauszuschlie- h e n. Der Zuhörerraum, der von zahlreichen Vertretern der Jugendbewegung dicht besetzt war. sowie der Pressetisch wurden daraufhin geräumt.
Annahme des Verkehrsetats im Reichstag.
Die 9!ot des besetzt gewesenen Hessens.
Berlin, 20. Febr. (VDZ.) Präsident Lobe teilt bei Eröffnung der Sitzung mit, daß nachträglich vom Abg. G r a e f - Thüringen (Dntl.) ein Urlaubsgesuch auf 14 Tage wegen dringender Geschäfte eingegangen sei. (Heiterkeit.) Dem Gesuch wird stattgegeben. Die zweite Beratung des Haushalts des R e i ch s v e r k e h r s Ministeriums wird fortgesetzt.
Abg. Groß (Z.) begrüßt die Vereinheitlichung der Verkehrswerbung. Die Reichsbahn werde wegen ihrer schlimmen Finanzlage die Hilfe des Reiches in Anspruch nehmen müssen. Unter den jetzigen Verhältnissen sei eine Tarifsenkung bei der Reichsbahn unmöglich. Die Reichsbahn sei im Gegensatz zu früher zu einem kapitalistischen Ausbeutungsobjekt geworden. Der Minister sollte auch für die Reichsbahn den Weg der Kreditaufnahme beschreiten, um die notwendigen Unterhaltungsarbeiten nicht am Geldmangel leiden zu lassen. Was die Reichsbahnverwaltung in ihrer Personalpolitik an Abbaumaßnahmen und an Lohnverschlechterung im Wege des Etats geleistet hat, das verstößt wider Treu und Glauben. (Hört! Hört!) Die willkürliche Schließung von Eisenbahnwerkstätten liegt auf derselben Linie. Mit diesem System muß endlich Schluß gemacht werden. (Sehr richtig!) Die W e g e - Unterhaltung belastet die Gemeinden zu stark zugunsten der Automobilbesitzer. Die Kraftfahrzeugsteuer sollte möglichst bald erhöht werden. Es ist bedauerlich, daß die Reichsbahnverwaltung den Schenker-Vertrag heimlich ohne Fühlungnahme mit dem Ministerium abgeschlossen hat. Sie hat nicht einmal alle Mitglieder des Verwaltungsrates verständigt. (Hört! Hört!) .
Abg. Scheffel (S.) verurtellt gleichfalls das Verhalten der Reichsbahnverwaltung beim Abschluß des Schenkervertrages. Dieselbe Selbstherrlichkeit und Rücksichtslosigkeit wie in diesem Falle habe die Reichsbahnverwaltung schon oft bewiesen, wenn es gegen das Personal ging. Die bürgerlichen Parteien hätten in solchen Fällen nicht die gleiche Erregung gezeigt wie jetzt beim Schenkervertrag. Die Arbeitsbedingungen bei der Reichsbahn verdienten die schärfste Kritik. Eisenbahnarbeiter müssen zum Teil 57 Stunden, wöchentlich arbeiten, bei einem Stundenlohn von 55 Pfennigen. Anten wird rücksichtslos abgebaut, aber die Zahl der oberen Beamten wird vermehrt, und die leitenden Beamten haben viel höhere Bezüge als die Beamten in anderen Verwaltungen.
Reichsverkehrsminister v. G u e r a r d: Die bei der Reichsbahn gezahlten Leistungszulagen halte ich nach Form und Art für unerträglich. (Beifall.) 2d> habe immer den Wunsch geäußert, daß bei Straßenbauten nur deutsches Material verwandt wird. Einen Zwang kann ich auf die Anterhaltungspslichtigen nicht ausüben. Das Kraftfahrzeug ist heute nicht «nur durch die Steuer, sondern auch durch die Brennstoffzölle und durch den Beimischungszwang l belastet.
y. Abg. Haat (Lv.) fordert Fertigstellung der z vielen Eisenbahnlinien, die halb oder dreiviertel v fertig sind. Die Wegela sten der Gemeinden seien durch die übermäßige Beanspruchung der Straßen durch den gesteigerten Lastwagenverkehr unerträglich hoch geworden. Für Zuchtvieh müßten verbilligte Sondertarife auf der Reichsbahn gewährt werden, ebenso für Obst und Wein. Der Etat des Reichsverkehrsministeriums wird in zweiter Beratung angenommen. Einstimmig angenommen wird eine Entschließung Dr. Breitscheid (S.), die die E i n - führung von verbilligten Fünftage - Arbeiterwvchenkarten auf der Reichsbahn verlangt. Angenommen wird eine kommunistische Entschließung, die die kostenfreie Beförderung aller Schwerkriegs- und Schwerunfallverletzten in der Polst erklaffe verlangt.
Angenommen wird ferner ein Antrag der Christlich-sozialen, der eine Gleichstellung der Gehälter der leitenden Beamten der Reichsbahn mit denen der entsprechenden Reichsbeamten fordert.
Es folgt die zweite Beratung des Haushaltes für die Kriegslasten
Abg. Ritzel (Soz.) erklärt, daß die Rot im ehemals beseht gewesenen Gebiet noch sehr groß ist und daß die Bevölkerung enttäuscht sei, daß nur 5 Millionen dafür in den Etat eingestellt sind. Gegen eine vernünftige Ost- Hilfe könne kein vernünftiger Mensch etwas ein* wenden, aber im Westen habe die notleidende 'Bevölkerung auch ein Anrecht auf Berücksichtigung. Mit Reinlandfeiern ist der Bevölkerung nicht geholfen. Der Versailler Vertrag hat dem deutschen Westen ganz besondere Rot zugefügt. Das Steueraufkommen ist ganz gering. Der Rückgang der Industrie, des Gewerbes und der Handwerksbetriebe ist in Hessen prozentual sehr viel stärker als im Durchschnitt des ganzen Reiches. Der hessische Weinbau kann seinen Wein nur zu Schleuderpreisen absehen. Die Städte Mainz, Worms usw. stehen vor der Katastrophe. Sie können ihre Aufgabe aus eigenen Mitteln nicht mehr erfüllen. Ein so schwer betroffenes Gebiet muh Hilfe vom Reich erhalten.
Weiterberatung: Samstag.
Asta-Wahlen an der Universität Jena.
Die Wahlen zum Allgemeinen Studeirtenaus- schuh (Asta) der Thüringer Landesuniversität in Jena hatten folgendes Ergebnis: Dational- sozialisten und Stahlhelm 1334, Rationale Studentinnen 81, Deutscher Studentenverband (Republikanische Studenten) 375, Rationale Studenten 365 Stimmen. Somit entfallen auf die vereinigten rechtsstehenden Studentenverbände acht Sitze, während die republikanischen Studenten zwei Sitze erhalten,
Attentat auf dm König von Albanien.
Revolveranschlag vor der Wiener Oper. - König Zogu unverletzt. Oer Adjutant getötet. - Oie Attentäter verhaftet.
Wien, 20.Febr. (WTV.) König Zogu von Albanien, der zur Zeit in Wien weilt, hatte am Freitagabend mit einigen Herren seines Gefolges der Aufführung von „Bajazzo" in der Wiener Staatsoper beigewohnt. Rach Schluß der Vorstellung gegen 23.30 Ahr verlieh König Zogu das Gebäude. Während sich der König mit einigen Herren seiner Begleitung noch von der Oper unterhielt, bestiegen sein persönlicher Adjutant Rlajor Llesh T o p p o l a j und ein zweiter Hofbeamter ein Auto auf einem Seitengange in der Opern- gaffe. Kaum sahen sie in dem Auto, als sich zwei elegant gekleidete junge Männer dem Auto näherten und auf die Insassen mehrere Revolvers chüsse abgaben. Der Adjutant fiel sofort tot in den Sih zurück, während der zweite Beamte, obwohl selbst schwer verletzt, einen Revolver ziehen und auf einen der Täter mehrere Revolverschüsse abgeben konnte.
ohne ihn jedoch zu treffen. Beide Täter wurden von der Menge fest gehalten und der Polizei übergeben. Außer ihnen wurden noch zwei weitere Albanier verhaftet, die an dem Attentat beteiligt sein sollen. Ihre Identität konnte noch nicht festgestellt werden. Es handelt sich aber zweifellos um albanische Emigranten. Der verletzte Hoffunktionär ist der hof- minister L i b s h o v a. Er erhielt einen Steckschuß ins Bein und wurde, nachdem man ihn verbunden hatte, in ein Sanatorium gebracht. Dem Adjutanten drang eine Kugel ins Kleingehirn und führte feinen sofortigen Tod herbei. König Zogu war Zeuge des Attentates. Er ging in das Operngebäude zurück und begab sich erst später in fein Hotel. Vizekanzler Schober suchte noch spät abends den König im Hotel auf, um ihm das Bedauern der Regierung über die Tat auszusprechen.
Kunst und Wissenschaft.
Kunst in Not.
Staatspräsident: Dr. Adelung empfing am Freitagnachmittag eine Reihe von führenden Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Wirtschaft,Presse, um sie über die Rot der Kunst zu informieren. Professor Wilhelm Michel sprach über das Thema „Kunst in Rot". Das Merkmal der Lage sei dcrs Zusammentreffen einer Wirtschaftskrise, die der Kunst den Markt nehme, mit einer geistigen K u n st k r i s e, die der Kunst den „Kurswert", dir lebendige Schätzung neben anderen Gütern beschränke. Diese geistige Kunstkrise finde ihren Ausdruck zum Beispiel in der ungemein erhöhten Geltung der technischen Form, ja in einem generellen Kunstzweifel, der oft die Züge einer Kunstfeindschaft annehme. Diese geistige Kunstkrise sei es eigentlich, die verhindere, daß innerhalb der heutigen Armut noch „so viel als möglich" für die Kunst geschehe: die Parole lautet vielmehr „so wenig als möglich für die Kunst". — Man könne für kein einziges Kunstwerk die Unentbehrlichkeit beweisen: aber unentbehrlich und lebensnotwendig sei ürnerhalb einer Volkskultur die „Funktion Kunst" — eben weil sie mit ihrem Rebeneinander und Ineinander von Leben und Deutung dem Rebeneinander von Geist und Vitalität im Menschen entspreche und so in einer bestätigenden Weise dessen „Bild" trage. Es sollten sich Männer oder Kreise finden, die gerade auch dem Privatmann (Sammler, Bauherr usw.) das Gewissen für den geistes- biologischen Wert der Kunst scharfen. Die geistige Problemattk kann man der Kunst heute nicht nehmen: aber die Leichtherzigkeit, mit der der Künstler in seiner doppelten und dreifachen Rot im Sttch gelassen wird, kann bekämpft werden.
Die Flöie
Friedrichs des Großen wird nicht versteigert.
Bei der Fortsetzung der Versteigerung auf Schloß Glienicke zeigte es sich mehr und mehr, daß viele Gebote, die im Ramen von Kommissionären abgegeben wurden, als Auftraggeber 6en Geheimrat Gall von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten als Urheber haben. Die in feinem Auftrage ersteigerten Stücke werden also in den ehemaligen Königsschlössern und in staatlichen Museen, an die sie weitergegeben werden, auftauchen. Es ist jetzt ganz sicher, daß die Flöte Friedrichs des Großen nicht zur Versteigerung kommen wird. Prinz Friedrich Leopold (Vater) hat sie aus der Auktton endgültig zurückziehen lassen. Weiter wurde verkündet, daß die Gipsmaske der Königin Luise nach dem Rauchschen Sarkophag aus Pietätsgründen gleich'alls von der Versteigerung zurückgezogen würde. — Der 84 3äpre alte Haushofmeister des Prinzen FriÄnich Leopold Conrad Mendel ist in seinem Zimmer in Schloß Glienicke aus Gram über die Auflösung des alten Fürsten-
Schwere Lawinenkatastrophen in Graubünden und OstiiroT.
Ein Gasthof verschüttet.
Sieben Todesopfer in einer Familie.
D i s e n t i s (Graubünden), 20. Febr. 2m Me- delsertal hat sich Freitagfrüh gegen 7.15 Uhr ein schweres Lawinenunglück ereignet. Durch eine große Lawine wurde das Ga st Haus zur Po st in Blatta verschüttet. Das geräumige Haus wurde auf der West- und Rordseite eingedrückt. Es war bewohnt von dem betagten Ehepaar W e n z i n und ihren beiden verheirateten Söhnen mit Kindern. Das Lawinenunglück hat 7 Todesopfer gefordert. Tot sind die Großmutter Wenzin, von der Schreinerfamilie Vater, Mutterundvier Kinder. Das vierte Kind starb kurz nach der Rettung an den erlittenen Verletzungen. Gerettet sind der Großvater Wenzin, sein älterer Sohn und seine zweite Tochter mit ihrem zwölfjährigen Töchterchen. Der Sohn Martin der Schreinerfamilie war außerhalb des Hauses beim Viehfüttern, blieb also verschont. Der Großvater und fein Sohn Alexander sind schwer, die Tochter Anna leicht verletzt, während ihr zwölfjähriges Töchterchen mehrere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen davontrug. Alle verfügbaren Kräfte in Platta waren den ganzen Tag mit Aufräumungsarbeiten beschäfttgt. Auch aus Curaglia war Hilfe gekommen, ebenso aus Disentts. 2m Laufe des Rachmittags gingen zwischen Platta und Curaglia noch zweigröhere Lawinen nieder. Die Luckmanier-Strahe ist 15 Meder hoch verschüttet.
Acht Tage ohne Nahrung in einer Alpenhütte.
Ein gewisser Earl Frankensteiner unternahm am 9. Februar eine Skitour auf den Hahnen kämm bei R e u t t e, von der er nicht mehr zurückkehrte. Die Gendarmerie suchte tagelang vergeblich nach dem
Vermißten. Am 15. Februar fand der Aufsichtsjäger in einem leeren Heustapel den völlig ermatteten halberfrorenen Frankensteiner, der sich verirrt hatte und in eine Staublawine geraten, schließlich ermattet in die Hütte geflüchtet war, wo er fast acht Tage ohne Nahrung zubrachte. Lawinenkatastrophe in Osttirvl.
Der Bauer und sechs Kinder getötet.
Eino furchtbare Lawinenkatastrophe hat am Freitag den Ort 2nnervillgr<rten im Bezirk Lienz in Osttirol heimgesucht. Durch eine Lawine wurde das Haus des Bauern 2oseph Mayr verschüttet. Cs wurden der Dauer und seine sechs Kind er getötet, während die Frau des Bauern noch lebend geborgen wurde. — Der Dergbauernhof des 2osePh Mayr liegt ungefähr 2,5 Kilometer hinter 2nnervill- graten einsam auf einer Höhe von 1400 Meter. Er war auch von Touristen stark besucht. Auf dem Hofe lebten der Bauer mit seiner Frau und sieben Kindern. Am Freitag um 8.20 Ufjr kam plötzlich aus dem Talgraben, an dessen Ausgang der Hof liegt, eine mächtige Lawine. 2n den letzten Tagen hatte es stark geschneit, doch hatte der Reuschnee auf der gefrorenen Unterlage keinen festen Halt, so daß er ins Rutschen kam und die Lawine bildete. Die Schneemassen stürzten über das Haus, das völlig zerstört wurde. Die Frau wurde von den Schneenrassen zur Seite geschleudert, so daß sie bald aufgefunden werden konnte. Sie wurde schwer verletzt. Die Rachgrabungen wurden sofort aufgenommen. Bis zum Abend konnten die Leichen des Dauern und sechs seiner Kinder geborgen werden, während das siebente Kind noch unter den Schneemassen begraben liegt. Auch der gesamte Viehbestand wurde von der Lawine verschüttet.
sihes gestorben. Der seit 56 Fahren im Dienste der prinzlichen Familie stehende Mann hatte schon vor Wochen geäußert, daß er die Auktion der Möbel und Wertsachen nicht überleben würde. 2n den letzten Tagen hatte ihn eine Grippe auf das Krankenlager geworfen. Die Aufregung über die vielen fremden Menschen, die sich in den letzten Tagen in dem Schloß einfanden und über den Abtransport von Wertsachen gab dem alten Mann den Todesstoß.
Aus aller Welt.
Schlagwetterexplosion in Eschweiler.
Eschweiler, 21.Febr. (WTV. Funkspruch.) Auf der im Rokhberg bei Eschweiler gelegenen Grube „Eschweiler Reserve" fand heule früh eine Schlagwetterexplosion stall. Rach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten handelt es sich um eine örtliche Schlagwellerenlzündung. Bisher sind vierzehn Mann als tot und mehrere als verletzt gemeldet, 13 sind noch eingeschlossen.
Schreckschüsse im Reichstag.
In der Wandelhalle des Reichstags ereignete sich am Freitagnachmittag ein Zwischenfall. Ein Besucher, der sich später als Vertreter der bayerischen Rentner ausgab, gab plötzlich aus einem Revolver drei Schüsse ab, die niemand trafen. Der Abgeordnete Külz von der Staatspartei, der zufällig in der Nähe des Schützen stand, hielt diesen, als er gerade auf Külz anlegen wollte, fest und führte ihn mit Hilfe mehrerer Reichstagsbeamter in das Hauptbüro. Die Kriminalpolizei nahm den Täter in Gewahrsam. Es handelt sich um einen gewissen Schmidt aus Würzburg, der sich zur Zeit in einem Berliner Hospitz aufhalt. Er ist Vertreter verschiedener Rentnerorganisationen. Er erklärte, daß er im Laufe der letzten Tage mit mehreren Abgeordneten der verschiedenen Parteien im Reichstag gesprochen habe. Es sei ihm Berücksichtigung seiner Wünsche versprochen worden, er hätte jedoch nicht den Eindruck gehabt, daß diese Versprechen gehalten werden würden. Er habe die Schreckschüsse — es handelt sich bei der Waffe, wie festgestellt wurde, um eine Schreckschußpistole — abgegeben, um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich zu lenken.
Nachlaßzwang für Ehemänner in England.
Das Unterhaus befaßte sich mit den Ehe- männeni, die es vorziehen, in ihrem Testament ihr Geld und persönliche Habe allen möglichen anderen Personen und Einrichtungen zu vermachen, anstatt hinreichend für die überlebende Witwe und die Kinder zu sorgen. Miß Rathbone hatte gegen diese Ehemänner ein Gesetz eingebracht. Es sieht vor, daß die Witwe mindestens 5 0 v. H. der persönlichen Habe des verstör denen Ehemannes erhalten soll. Ferner fallen ihr mi« dem Kapital mindestens 20000 Mark oder
falls diese Sunmre höher als 50 v. H. des Kapitals ist, die Hälfte des Kapitals zufallen. Endlich soll die Witwe ein Anrecht auf 50 v. H. deS zinsmähigen Einkommens aus der Hinterlassenschaft im Falle einer kinderlosen Ehe, andernfalls aber 33Vs v. H. erhalten, wobei für die Kinder entsprechende Sicherungen getroffen werden sollen. Miß Rathbone verteidigte das Gesetz mit starkem Temperament, und trotz des scharfen Widerspruches mehrerer konservattver Abgeordneter gelang es ihr in der zweiten Lesung 149 gegen 28 Stimmen für das Gesetz zu eichalten. Den Abgeordneten war noch das Testament des bei dem Anglück des „R 101“ verstorbenen Luftmarschalls Sir Softon Brawker in frischer Erinnerung, der sein ganzes Geld einer ihm befreundeten Dame vermacht hatte, so daß seine Witwe und sein Sohn leer ausgingen.
Reuland am Südpol entdeckt.
Das norwegische Außenministerium erhielt ein drahtloses Telegramm des Kapitäns Ruser L a r - s c n von der norwegischen Südpolexpedition, wonach Larsen vom Flugzeuge aus ein neues Land am Südpol entdeckt habe. Das Neuland erstreckt sich von 70:30 Grad südlich und 24:15 Grad östlich bis zu 68:40 Grad südlich und 33:30 Grad östlich. Larsen hat die norwegisch« Flagge unb zugleich ein Dokument über die Besitzergreifung im Namen des norwegischen Staates über dem Neulande abgeworfen. Mit Zustimmung-Les Königs hat das neuentdeckte Gebiet den Namen „Prinzessin Ragnhild-Land" erhallen.
Aushebung einer Falschmünzerwerkstatl.
. Der Kriminalpolizei ist cs gelungen, in einem Reubau in Ottenhausen bei Saarbrücken eine Falschmünzerwerkstatt auszuheben, die .von 2talienern betrieben wurde. Landjägerbeamten fiel an der Zollstelle ein 2taliener auf. Bei der körperlichen Untersuchung wurde ein um, den Körper gewickelter A u t o s ch l a u ch gefuw den, in dem sich 500 Mark in falschen Zwei- und Fünfmarkstücken befanden. Der Bursche war auf der Reise ins Reichsgebiet begriffen, um dort sein Falschgeld abzusehen. So kam man der Falschmünzerbande auf die Spur. Bei der Durchsuchung der Falschmünzerwerkstatt fielen der Kriminalpolizei die zur Herstellung des Falschgeldes verwendeten Pressen und Formen sowie verschiedene Chemikalien in die Hände. Ein 2taliener wurde sestgenommen, der seit Monaten nicht mehr arbeitete, jedoch stets im Besitze größerer Geldmittel war.
Raubüberfall auf einen Lohnbuchhalter.
2n Frechen bei Köln wurde der Lohnbuchhalter Hamm, der in Begleitung eines Lehrlings 4600 Mark Lohngelder von der Bank zum Bureau seiner Firma bringen wollte, von drei Männern überfallen und durch einen Becken- schuß schwer verletzt. Auch auf den Lehrling gaben die Räuber einen Schuß ab, der aber fehlging. Die Täter flüchteten mit dem geraubten Gelde in einem kleinen DKW-QIuto, das um die Mittagszeit herrenlos in Kö.n-Rippes aufgefunden worden sein soll.
Eapablanca
fordert Alechin um den Schachweltmeistertitel.
Der vormalige Schachweltmeister Capa- blanca hat den jetzigen 2nhaber des Welt* meistertttels Dr. Alexander Alechin formell zum Kampfe um den Titel herausgefordert. Sollte Alechin dieser Forderung nicht nachkommen, so beabsichttge Eapablanca, den Titel für sich in Anspruch zu nehmen.
Die Wetterlaae.
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Wettervoraussage.
Die 2slandstörung, welche ursprünglich eine südöstliche Zugrichtung nach dem Rordmeer eingenommen hatte, bewegt sich jetzt in entgegen* gesetzter Richtung über dem Altmeer fort. Jedoch haben die Ausläufer an der Südseite bis auf dem Festland Platz genommen und unter Drehung der Winde nach Süden zu warme Luft vorgeschoben. Wohl lagen in unserem Dezirk während der vergangenen Rächt die Temperaturen noch etwas unter dem Gefrierpunkt, jedoch sind sie in den heutigen Morgenstunden schon etwas über Rull angestiegen. Die Staffel milderer Luft hat ihren Vorüberzug noch nicht beendet, so daß sich die Werte vorerst etwas über Rull halten werden: vereinzelte Riederschläge treten außerdem in ihrer Begleitung auf. Der Kaltlufteinbruch an der Rückseite des Fallgebietes, welcher über 2sland Temperatursturz bis 16 Grad unter Rull gebracht hat, dürfte mit Beginn der neuen Woche auch auf dem Konttnent wieder zu Frost führen. 2m Laufe des morgigen Tages werden nach dem Vorüberzug der Warmluft die Winde mehr nach Westen zu drehen und zu auffrischenderem und mehr wechselnd wolkigem Wetter führen.
Aussichten für Sonntag: Roch dunstig und bewölkt mit vereinzelt geringen RiederschlL- gen, mehr wechselnd wolkig und wieder auf- frischend.


