Ausgabe 
21.2.1931
 
Einzelbild herunterladen

Verhandllmg hinter verschlossenen Luven zu Ge- fängnigftrafen verurteilt. Gleich zu Beginn der Verhandlung beantragte der Anklage­vertreter Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatssicherheit. Die Ver­teidigung widersetzte sich dem Antrag mit dem Hinweis dar.ruf. daß die öffentliche Sittlichkeit und auch die Sicherheit des Staates durch die öffentliche Verhandlung nicht gefährdet werden würden. Das Gericht verkündete den Beschluß, die Oeffentlichkeit bis zur Llrteils- verkündungvoll st ändigauszuschlie- h e n. Der Zuhörerraum, der von zahlreichen Vertretern der Jugendbewegung dicht besetzt war. sowie der Pressetisch wurden daraufhin ge­räumt.

Annahme des Verkehrsetats im Reichstag.

Die 9!ot des besetzt gewesenen Hessens.

Berlin, 20. Febr. (VDZ.) Präsident Lobe teilt bei Eröffnung der Sitzung mit, daß nachträglich vom Abg. G r a e f - Thüringen (Dntl.) ein Ur­laubsgesuch auf 14 Tage wegen dringender Geschäfte eingegangen sei. (Heiterkeit.) Dem Gesuch wird stattgegeben. Die zweite Beratung des Haushalts des R e i ch s v e r k e h r s Ministe­riums wird fortgesetzt.

Abg. Groß (Z.) begrüßt die Vereinheitlichung der Verkehrswerbung. Die Reichsbahn werde wegen ihrer schlimmen Finanzlage die Hilfe des Reiches in Anspruch nehmen müssen. Unter den jetzigen Ver­hältnissen sei eine Tarifsenkung bei der Reichsbahn unmöglich. Die Reichsbahn sei im Gegensatz zu früher zu einem kapitalistischen Ausbeutungsobjekt geworden. Der Minister sollte auch für die Reichs­bahn den Weg der Kreditaufnahme beschrei­ten, um die notwendigen Unterhaltungsarbeiten nicht am Geldmangel leiden zu lassen. Was die Reichsbahnverwaltung in ihrer Personalpoli­tik an Abbaumaßnahmen und an Lohnverschlechte­rung im Wege des Etats geleistet hat, das verstößt wider Treu und Glauben. (Hört! Hört!) Die will­kürliche Schließung von Eisenbahnwerkstätten liegt auf derselben Linie. Mit diesem System muß endlich Schluß gemacht werden. (Sehr richtig!) Die W e g e - Unterhaltung belastet die Gemeinden zu stark zugunsten der Automobilbesitzer. Die Kraftfahrzeug­steuer sollte möglichst bald erhöht werden. Es ist be­dauerlich, daß die Reichsbahnverwaltung den Schenker-Vertrag heimlich ohne Fühlung­nahme mit dem Ministerium abgeschlossen hat. Sie hat nicht einmal alle Mitglieder des Verwaltungs­rates verständigt. (Hört! Hört!) .

Abg. Scheffel (S.) verurtellt gleichfalls das Verhalten der Reichsbahnverwaltung beim Ab­schluß des Schenkervertrages. Dieselbe Selbstherr­lichkeit und Rücksichtslosigkeit wie in diesem Falle habe die Reichsbahnverwaltung schon oft bewie­sen, wenn es gegen das Personal ging. Die bür­gerlichen Parteien hätten in solchen Fällen nicht die gleiche Erregung gezeigt wie jetzt beim Schen­kervertrag. Die Arbeitsbedingungen bei der Reichsbahn verdienten die schärfste Kritik. Eisen­bahnarbeiter müssen zum Teil 57 Stunden, wöchentlich arbeiten, bei einem Stundenlohn von 55 Pfennigen. Anten wird rücksichtslos abgebaut, aber die Zahl der oberen Beamten wird vermehrt, und die leitenden Beamten haben viel höhere Be­züge als die Beamten in anderen Verwaltungen.

Reichsverkehrsminister v. G u e r a r d: Die bei der Reichsbahn gezahlten Leistungszulagen halte ich nach Form und Art für unerträglich. (Beifall.) 2d> habe immer den Wunsch ge­äußert, daß bei Straßenbauten nur deutsches Material verwandt wird. Einen Zwang kann ich auf die Anterhaltungspslichtigen nicht aus­üben. Das Kraftfahrzeug ist heute nicht «nur durch die Steuer, sondern auch durch die Brennstoffzölle und durch den Beimischungszwang l belastet.

y. Abg. Haat (Lv.) fordert Fertigstellung der z vielen Eisenbahnlinien, die halb oder dreiviertel v fertig sind. Die Wegela sten der Ge­meinden seien durch die übermäßige Bean­spruchung der Straßen durch den gesteigerten Lastwagenverkehr unerträglich hoch geworden. Für Zuchtvieh müßten verbilligte Sondertarife auf der Reichsbahn gewährt werden, ebenso für Obst und Wein. Der Etat des Reichsverkehrs­ministeriums wird in zweiter Beratung ange­nommen. Einstimmig angenommen wird eine Entschließung Dr. Breitscheid (S.), die die E i n - führung von verbilligten Fünf­tage - Arbeiterwvchenkarten auf der Reichsbahn verlangt. Angenommen wird eine kommunistische Entschließung, die die kostenfreie Beförderung aller Schwerkriegs- und Schwerunfallverletzten in der Pol­st erklaffe verlangt.

Angenommen wird ferner ein Antrag der Christlich-sozialen, der eine Gleichstellung der Gehälter der leitenden Beamten der Reichsbahn mit denen der entsprechenden Reichsbeamten fordert.

Es folgt die zweite Beratung des Haus­haltes für die Kriegslasten

Abg. Ritzel (Soz.) erklärt, daß die Rot im ehemals beseht gewesenen Gebiet noch sehr groß ist und daß die Bevölkerung ent­täuscht sei, daß nur 5 Millionen dafür in den Etat eingestellt sind. Gegen eine vernünftige Ost- Hilfe könne kein vernünftiger Mensch etwas ein* wenden, aber im Westen habe die notleidende 'Bevölkerung auch ein Anrecht auf Berücksich­tigung. Mit Reinlandfeiern ist der Bevölkerung nicht geholfen. Der Versailler Vertrag hat dem deutschen Westen ganz besondere Rot zugefügt. Das Steueraufkommen ist ganz gering. Der Rück­gang der Industrie, des Gewerbes und der Hand­werksbetriebe ist in Hessen prozentual sehr viel stärker als im Durchschnitt des ganzen Reiches. Der hessische Weinbau kann seinen Wein nur zu Schleuderpreisen absehen. Die Städte Mainz, Worms usw. stehen vor der Kata­strophe. Sie können ihre Aufgabe aus eigenen Mitteln nicht mehr erfüllen. Ein so schwer be­troffenes Gebiet muh Hilfe vom Reich erhalten.

Weiterberatung: Samstag.

Asta-Wahlen an der Universität Jena.

Die Wahlen zum Allgemeinen Studeirtenaus- schuh (Asta) der Thüringer Landesuniversität in Jena hatten folgendes Ergebnis: Dational- sozialisten und Stahlhelm 1334, Rationale Stu­dentinnen 81, Deutscher Studentenverband (Re­publikanische Studenten) 375, Rationale Stu­denten 365 Stimmen. Somit entfallen auf die vereinigten rechtsstehenden Studentenverbände acht Sitze, während die republikanischen Studen­ten zwei Sitze erhalten,

Attentat auf dm König von Albanien.

Revolveranschlag vor der Wiener Oper. - König Zogu unverletzt. Oer Adjutant getötet. - Oie Attentäter verhaftet.

Wien, 20.Febr. (WTV.) König Zogu von Albanien, der zur Zeit in Wien weilt, hatte am Freitagabend mit einigen Herren seines Gefolges der Aufführung vonBajazzo" in der Wiener Staatsoper beigewohnt. Rach Schluß der Vor­stellung gegen 23.30 Ahr verlieh König Zogu das Gebäude. Während sich der König mit einigen Her­ren seiner Begleitung noch von der Oper unterhielt, bestiegen sein persönlicher Adjutant Rlajor Llesh T o p p o l a j und ein zweiter Hofbeamter ein Auto auf einem Seitengange in der Opern- gaffe. Kaum sahen sie in dem Auto, als sich zwei elegant gekleidete junge Männer dem Auto näherten und auf die Insassen mehrere Revol­vers chüsse abgaben. Der Adjutant fiel so­fort tot in den Sih zurück, während der zweite Beamte, obwohl selbst schwer verletzt, einen Revolver ziehen und auf einen der Täter mehrere Revolverschüsse abgeben konnte.

ohne ihn jedoch zu treffen. Beide Täter wurden von der Menge fest gehalten und der Polizei übergeben. Außer ihnen wurden noch zwei weitere Albanier verhaftet, die an dem Attentat beteiligt sein sollen. Ihre Iden­tität konnte noch nicht festgestellt werden. Es han­delt sich aber zweifellos um albanische Emi­granten. Der verletzte Hoffunktionär ist der hof- minister L i b s h o v a. Er erhielt einen Steckschuß ins Bein und wurde, nachdem man ihn verbunden hatte, in ein Sanatorium gebracht. Dem Adjutanten drang eine Kugel ins Kleingehirn und führte feinen sofortigen Tod herbei. König Zogu war Zeuge des Attentates. Er ging in das Operngebäude zurück und begab sich erst später in fein Hotel. Vizekanzler Schober suchte noch spät abends den König im Hotel auf, um ihm das Bedauern der Regierung über die Tat auszusprechen.

Kunst und Wissenschaft.

Kunst in Not.

Staatspräsident: Dr. Adelung empfing am Freitagnachmittag eine Reihe von führenden Per­sönlichkeiten aus Politik, Kunst, Wirtschaft,Presse, um sie über die Rot der Kunst zu informieren. Professor Wilhelm Michel sprach über das ThemaKunst in Rot". Das Merkmal der Lage sei dcrs Zusammentreffen einer Wirtschafts­krise, die der Kunst den Markt nehme, mit einer geistigen K u n st k r i s e, die der Kunst denKurswert", dir lebendige Schätzung neben anderen Gütern beschränke. Diese geistige Kunst­krise finde ihren Ausdruck zum Beispiel in der ungemein erhöhten Geltung der technischen Form, ja in einem generellen Kunstzweifel, der oft die Züge einer Kunstfeindschaft annehme. Diese geistige Kunstkrise sei es eigentlich, die verhindere, daß innerhalb der heutigen Armut nochso viel als möglich" für die Kunst geschehe: die Parole lautet vielmehrso wenig als möglich für die Kunst". Man könne für kein einziges Kunstwerk die Unentbehrlichkeit beweisen: aber unentbehrlich und lebensnotwendig sei ürnerhalb einer Volkskultur dieFunktion Kunst" eben weil sie mit ihrem Rebeneinander und Inein­ander von Leben und Deutung dem Rebenein­ander von Geist und Vitalität im Menschen ent­spreche und so in einer bestätigenden Weise dessen Bild" trage. Es sollten sich Männer oder Kreise finden, die gerade auch dem Privatmann (Samm­ler, Bauherr usw.) das Gewissen für den geistes- biologischen Wert der Kunst scharfen. Die geistige Problemattk kann man der Kunst heute nicht neh­men: aber die Leichtherzigkeit, mit der der Künst­ler in seiner doppelten und dreifachen Rot im Sttch gelassen wird, kann bekämpft werden.

Die Flöie

Friedrichs des Großen wird nicht versteigert.

Bei der Fortsetzung der Versteigerung auf Schloß Glienicke zeigte es sich mehr und mehr, daß viele Gebote, die im Ramen von Kommis­sionären abgegeben wurden, als Auftrag­geber 6en Geheimrat Gall von der Ver­waltung der Staatlichen Schlösser und Gärten als Urheber haben. Die in feinem Auftrage ersteigerten Stücke werden also in den ehemaligen Königsschlössern und in staatlichen Museen, an die sie weiter­gegeben werden, auftauchen. Es ist jetzt ganz sicher, daß die Flöte Friedrichs des Großen nicht zur Versteigerung kommen wird. Prinz Friedrich Leopold (Vater) hat sie aus der Auktton endgültig zurückziehen lassen. Wei­ter wurde verkündet, daß die Gipsmaske der Königin Luise nach dem Rauchschen Sarkophag aus Pietätsgründen gleich'alls von der Versteigerung zurückgezogen würde. Der 84 3äpre alte Haushofmeister des Prinzen FriÄnich Leopold Conrad Mendel ist in seinem Zimmer in Schloß Glienicke aus Gram über die Auflösung des alten Fürsten-

Schwere Lawinenkatastrophen in Graubünden und OstiiroT.

Ein Gasthof verschüttet.

Sieben Todesopfer in einer Familie.

D i s e n t i s (Graubünden), 20. Febr. 2m Me- delsertal hat sich Freitagfrüh gegen 7.15 Uhr ein schweres Lawinenunglück ereignet. Durch eine große Lawine wurde das Ga st Haus zur Po st in Blatta verschüttet. Das geräu­mige Haus wurde auf der West- und Rordseite eingedrückt. Es war bewohnt von dem be­tagten Ehepaar W e n z i n und ihren beiden ver­heirateten Söhnen mit Kindern. Das Lawinen­unglück hat 7 Todesopfer gefordert. Tot sind die Großmutter Wenzin, von der Schreiner­familie Vater, Mutterundvier Kinder. Das vierte Kind starb kurz nach der Rettung an den erlittenen Verletzungen. Gerettet sind der Großvater Wenzin, sein älterer Sohn und seine zweite Tochter mit ihrem zwölfjährigen Töchter­chen. Der Sohn Martin der Schreinerfamilie war außerhalb des Hauses beim Viehfüttern, blieb also verschont. Der Großvater und fein Sohn Alexander sind schwer, die Tochter Anna leicht verletzt, während ihr zwölfjähriges Töchter­chen mehrere, aber nicht lebensgefährliche Ver­letzungen davontrug. Alle verfügbaren Kräfte in Platta waren den ganzen Tag mit Aufräu­mungsarbeiten beschäfttgt. Auch aus Curaglia war Hilfe gekommen, ebenso aus Disentts. 2m Laufe des Rachmittags gingen zwischen Platta und Curaglia noch zweigröhere Lawinen nieder. Die Luckmanier-Strahe ist 15 Meder hoch verschüttet.

Acht Tage ohne Nahrung in einer Alpenhütte.

Ein gewisser Earl Frankensteiner unternahm am 9. Februar eine Skitour auf den Hahnen kämm bei R e u t t e, von der er nicht mehr zurückkehrte. Die Gendarmerie suchte tagelang vergeblich nach dem

Vermißten. Am 15. Februar fand der Aufsichtsjäger in einem leeren Heustapel den völlig er­matteten halberfrorenen Frankensteiner, der sich verirrt hatte und in eine Staublawine geraten, schließlich ermattet in die Hütte geflüchtet war, wo er fast acht Tage ohne Nahrung zubrachte. Lawinenkatastrophe in Osttirvl.

Der Bauer und sechs Kinder getötet.

Eino furchtbare Lawinenkatastrophe hat am Freitag den Ort 2nnervillgr<rten im Be­zirk Lienz in Osttirol heimgesucht. Durch eine Lawine wurde das Haus des Bauern 2oseph Mayr verschüttet. Cs wurden der Dauer und seine sechs Kind er getötet, wäh­rend die Frau des Bauern noch lebend geborgen wurde. Der Dergbauernhof des 2osePh Mayr liegt ungefähr 2,5 Kilometer hinter 2nnervill- graten einsam auf einer Höhe von 1400 Meter. Er war auch von Touristen stark besucht. Auf dem Hofe lebten der Bauer mit seiner Frau und sieben Kindern. Am Frei­tag um 8.20 Ufjr kam plötzlich aus dem Tal­graben, an dessen Ausgang der Hof liegt, eine mächtige Lawine. 2n den letzten Tagen hatte es stark geschneit, doch hatte der Reu­schnee auf der gefrorenen Unterlage keinen festen Halt, so daß er ins Rutschen kam und die Lawine bildete. Die Schneemassen stürzten über das Haus, das völlig zerstört wurde. Die Frau wurde von den Schneenrassen zur Seite geschleudert, so daß sie bald aufgefunden werden konnte. Sie wurde schwer verletzt. Die Rachgrabungen wurden sofort aufgenommen. Bis zum Abend konnten die Leichen des Dau­ern und sechs seiner Kinder gebor­gen werden, während das siebente Kind noch unter den Schneemassen begraben liegt. Auch der gesamte Viehbestand wurde von der Lawine verschüttet.

sihes gestorben. Der seit 56 Fahren im Dienste der prinzlichen Familie stehende Mann hatte schon vor Wochen geäußert, daß er die Auktion der Möbel und Wertsachen nicht überleben würde. 2n den letzten Tagen hatte ihn eine Grippe auf das Krankenlager geworfen. Die Aufregung über die vielen fremden Men­schen, die sich in den letzten Tagen in dem Schloß einfanden und über den Abtransport von Wertsachen gab dem alten Mann den Todes­stoß.

Aus aller Welt.

Schlagwetterexplosion in Eschweiler.

Eschweiler, 21.Febr. (WTV. Funkspruch.) Auf der im Rokhberg bei Eschweiler gelegenen GrubeEschweiler Reserve" fand heule früh eine Schlagwetterexplosion stall. Rach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten handelt es sich um eine örtliche Schlagwellerenlzündung. Bisher sind vier­zehn Mann als tot und mehrere als verletzt gemeldet, 13 sind noch eingeschlossen.

Schreckschüsse im Reichstag.

In der Wandelhalle des Reichstags ereignete sich am Freitagnachmittag ein Zwischenfall. Ein Besu­cher, der sich später als Vertreter der bayerischen Rentner ausgab, gab plötzlich aus einem Revolver drei Schüsse ab, die niemand trafen. Der Ab­geordnete Külz von der Staatspartei, der zufällig in der Nähe des Schützen stand, hielt diesen, als er gerade auf Külz anlegen wollte, fest und führte ihn mit Hilfe mehrerer Reichstagsbeamter in das Haupt­büro. Die Kriminalpolizei nahm den Täter in Ge­wahrsam. Es handelt sich um einen gewissen Schmidt aus Würzburg, der sich zur Zeit in einem Berliner Hospitz aufhalt. Er ist Vertreter verschiedener Rentnerorganisationen. Er erklärte, daß er im Laufe der letzten Tage mit mehreren Abgeordneten der verschiedenen Parteien im Reichs­tag gesprochen habe. Es sei ihm Berücksichtigung seiner Wünsche versprochen worden, er hätte jedoch nicht den Eindruck gehabt, daß diese Versprechen gehalten werden würden. Er habe die Schreckschüsse es handelt sich bei der Waffe, wie festgestellt wurde, um eine Schreckschußpistole ab­gegeben, um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich zu lenken.

Nachlaßzwang für Ehemänner in England.

Das Unterhaus befaßte sich mit den Ehe- männeni, die es vorziehen, in ihrem Testament ihr Geld und persönliche Habe allen möglichen anderen Personen und Einrichtungen zu ver­machen, anstatt hinreichend für die über­lebende Witwe und die Kinder zu sor­gen. Miß Rathbone hatte gegen diese Ehe­männer ein Gesetz eingebracht. Es sieht vor, daß die Witwe mindestens 5 0 v. H. der per­sönlichen Habe des verstör denen Ehe­mannes erhalten soll. Ferner fallen ihr mi« dem Kapital mindestens 20000 Mark oder

falls diese Sunmre höher als 50 v. H. des Kapi­tals ist, die Hälfte des Kapitals zufallen. Endlich soll die Witwe ein Anrecht auf 50 v. H. deS zinsmähigen Einkommens aus der Hinterlassen­schaft im Falle einer kinderlosen Ehe, andernfalls aber 33Vs v. H. erhalten, wobei für die Kinder entsprechende Sicherungen getroffen werden sollen. Miß Rathbone verteidigte das Gesetz mit starkem Temperament, und trotz des scharfen Wider­spruches mehrerer konservattver Abgeordneter ge­lang es ihr in der zweiten Lesung 149 gegen 28 Stimmen für das Gesetz zu eichalten. Den Abge­ordneten war noch das Testament des bei dem Anglück desR 101 verstorbenen Luftmarschalls Sir Softon Brawker in frischer Erinnerung, der sein ganzes Geld einer ihm befreundeten Dame vermacht hatte, so daß seine Witwe und sein Sohn leer ausgingen.

Reuland am Südpol entdeckt.

Das norwegische Außenministerium erhielt ein drahtloses Telegramm des Kapitäns Ruser L a r - s c n von der norwegischen Südpolexpedition, wonach Larsen vom Flugzeuge aus ein neues Land am Südpol entdeckt habe. Das Neu­land erstreckt sich von 70:30 Grad südlich und 24:15 Grad östlich bis zu 68:40 Grad südlich und 33:30 Grad östlich. Larsen hat die norwegisch« Flagge unb zugleich ein Dokument über die Besitzergreifung im Namen des norwegischen Staates über dem Neu­lande abgeworfen. Mit Zustimmung-Les Königs hat das neuentdeckte Gebiet den NamenPrin­zessin Ragnhild-Land" erhallen.

Aushebung einer Falschmünzerwerkstatl.

. Der Kriminalpolizei ist cs gelungen, in einem Reubau in Ottenhausen bei Saarbrücken eine Falschmünzerwerkstatt auszuheben, die .von 2talienern betrieben wurde. Landjäger­beamten fiel an der Zollstelle ein 2taliener auf. Bei der körperlichen Untersuchung wurde ein um, den Körper gewickelter A u t o s ch l a u ch gefuw den, in dem sich 500 Mark in falschen Zwei- und Fünfmarkstücken befanden. Der Bursche war auf der Reise ins Reichsgebiet begriffen, um dort sein Falschgeld abzusehen. So kam man der Falschmünzerbande auf die Spur. Bei der Durchsuchung der Falschmünzerwerkstatt fielen der Kriminalpolizei die zur Herstellung des Falschgeldes verwendeten Pressen und Formen sowie verschiedene Chemikalien in die Hände. Ein 2taliener wurde sestgenommen, der seit Monaten nicht mehr arbeitete, jedoch stets im Besitze grö­ßerer Geldmittel war.

Raubüberfall auf einen Lohnbuchhalter.

2n Frechen bei Köln wurde der Lohnbuch­halter Hamm, der in Begleitung eines Lehr­lings 4600 Mark Lohngelder von der Bank zum Bureau seiner Firma bringen wollte, von drei Männern überfallen und durch einen Becken- schuß schwer verletzt. Auch auf den Lehr­ling gaben die Räuber einen Schuß ab, der aber fehlging. Die Täter flüchteten mit dem geraubten Gelde in einem kleinen DKW-QIuto, das um die Mittagszeit herrenlos in.n-Rippes aufgefun­den worden sein soll.

Eapablanca

fordert Alechin um den Schachweltmeistertitel.

Der vormalige Schachweltmeister Capa- blanca hat den jetzigen 2nhaber des Welt* meistertttels Dr. Alexander Alechin formell zum Kampfe um den Titel herausgefordert. Sollte Alechin dieser Forderung nicht nachkommen, so beabsichttge Eapablanca, den Titel für sich in Anspruch zu nehmen.

Die Wetterlaae.

Jan

U<

W-

<lermoni^enf

T 1 O Xq

>2 f'laQenf.

*r*'*jw

*r Paris _~>ranl

->1 uai

lirrnS)

(g

O Wolkenlos. O netter <>haiD oeoecet »woikiq. eoedem »Kefleii * Schnee c. Graupein e «eoet K Gewitter.® Windstille. O leichter Ost 5* *na$S|oer SüdsüdwestS stürmischer «ordwes» Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stenenden Zaft» len oeDen d>e Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichet^ auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Die 2slandstörung, welche ursprünglich eine südöstliche Zugrichtung nach dem Rordmeer ein­genommen hatte, bewegt sich jetzt in entgegen* gesetzter Richtung über dem Altmeer fort. Jedoch haben die Ausläufer an der Südseite bis auf dem Festland Platz genommen und unter Drehung der Winde nach Süden zu warme Luft vorgeschoben. Wohl lagen in unserem Dezirk während der ver­gangenen Rächt die Temperaturen noch etwas unter dem Gefrierpunkt, jedoch sind sie in den heutigen Morgenstunden schon etwas über Rull angestiegen. Die Staffel milderer Luft hat ihren Vorüberzug noch nicht beendet, so daß sich die Werte vorerst etwas über Rull halten werden: vereinzelte Riederschläge treten außerdem in ihrer Begleitung auf. Der Kaltlufteinbruch an der Rückseite des Fallgebietes, welcher über 2sland Temperatursturz bis 16 Grad unter Rull ge­bracht hat, dürfte mit Beginn der neuen Woche auch auf dem Konttnent wieder zu Frost führen. 2m Laufe des morgigen Tages werden nach dem Vorüberzug der Warmluft die Winde mehr nach Westen zu drehen und zu auffrischenderem und mehr wechselnd wolkigem Wetter führen.

Aussichten für Sonntag: Roch dunstig und bewölkt mit vereinzelt geringen RiederschlL- gen, mehr wechselnd wolkig und wieder auf- frischend.