Nr. M Erstes Blatt
18t. Jahrgang
Mittwoch, 20. Mai 1931
Lrsch eint lügt,ch,außer Sonntags and Feiertag» Beilagen: Die Illustriert«
Bietzen«! FamilienblLtta Hermal im Bild Die Scholle
Monalr-Vezugsprets.
2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt.
Hernsprechanschlüsse anterSammelnummer225L Anschrift für Drahtnach» richten. Snjeiger Siehe».
poSscheckfonto:
Sranffnrtam Main 11686.
Gietzemr Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vn«r und Verlag: vrühl'sche Uittverfilätr-Vuch. und SteindruSeret L Lange ht Sietzen. Schnftlettung und Geschäftsstelle: Zchulsttatze r.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher, preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re» klameanzcigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20*/„ mehr.
Chefredakteur.
Dr. Friedt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen.
Der Stapellauf des Panzerkreuzers „Deutschland".
3m Kriegshasen Kiel.
Die Flotte schmückt sich zum Ltapcllauf.
Kie-l, 19. Mai. Die alte Marinestadt Kiel steht im Zeichen des Panzerschiffes A. Seit Wochen bildet es in allen Kreisen das Hauptgesprächsthema. Seit Tagen zieht es auf der gegenüberliegenden Wasser-Allee unwiderstehlich die Blicke aller aus sich, seit Stunden sind Zehntausende aus den Deinen, um Zeuge zu sein, wenn das Schiss seinem Clement übergeben wird. Denn nach jahrelanger Dorarbeit ist es nun soweit: Das erste deutsche Panzerschiff nach dem Kriege wird heute vom Stapel gelassen. Eine besondere Weihe wird dieser historische Augenblick durch die Gegnwart des Reichspräsidenten v. Hindenburg erhalten, der gekommen ist, um persönlich die Taufe dieses Meisterwerks deutscher Schiffsbaukunst vorzunehmen. Die Einheiten der deutschen Flotte, soweit sie nicht auf Auslandsreise begriffen, sind im Hafen versammelt. Zn einer Reihe liegen die wuchtigen Linienschiffe neben den schlanken Kreuzern an den Dosen inmitten der Förde, flankiert von dem graziösen Segelschul- schiff „Riobe" und den Schulschiffen „Deutschland" und „Elisabeth" des Deutschen Schulschiffvereins. Seit den Morgenstunden haben die Schiffe Flag- g e n - D a l a angelegt. Auch die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser der Stadt, durch deren Straßen eine festlich gestimmte Menge wogt, tragen reichen Flaggenschmuck. Schon in den frühen Morgenstunden beginnt der Anmarsch der S ch a u l u st i g e n zum S t a p el- lau f p l a h in den Deutschen Werken. 56 000 Karten sind von der Werft und der Marine aus- gegeben worden. Lieber 1500 Kraftwagen müssen auf kleinem Raume untergebracht werden — für die Polizei eine schwere Aufgabe, die aber dank einer gut funktionierenden Organisation ohne Reibung bewältigt wird.
Auf der Werst.
25 000 Schaulustige füllen die Tribünen.
Schon bald, nachdem die Werft um 9.30 Llhr ihre Tore geöffnet hatte, begannen sich die zu beiden Seiten des Schiffes befindlichen, etwa 25 000 Personen fassenden Publikumsplähe zu füllen. Später trafen die Krieger- und Militärvereine mit ihren Fahnen, die studentischen Korporationen in Wichs und etwa 1 0 0 00 Schulkinder ein, denen besondere Plätze zugewiesen wurden. Auch das Reichsbanner und der Stahlhelm sind mit größeren Formationen vertreten. Besondere Plätze hat das Marineoffizierskorps mit seinen Damen inne. Auf der Tribüne der Ehrengäste sieht man den Reichsminister Trevira- n u s, Staatssekretär Dr. P ü n d e r, Mitglieder des R e i ch s r a t s und des Reichstags, die Befehlshaber der Wehrkreise 1 und II, die Generalleutnants v. Blomberg und S ch n i e - w i n d t, von der alten Marine die Admiräle Bachmann, Schmidt, v. Krosigk, Meurer und Bartels. Bor der Damentribüne nimmt eine Ehrenkompanie Ausstellung. Mehrere tausend Werft- und Marineangehörige vervollständigen den Kreis der Zuschauer. Auch der Hafen ist dicht besät mit Schiffen aller Größen, und auf dem gegenüberliegenden Förde-Llfer drängt sich Kopf an Kopf.
Der Täufling selbst, der bereits das graue Kleid seiner Artgenossen trägt, glänzt im Schmuck grünen Laubgewindes und zahlloser Flaggen. Der langgestreckte, nicht sehr hohe Dau bietet mit seinen eigenartigen Konturen einen unvergeßlichen Anblick. Roch trägt der Reubau keinen R a m e n, da dieser nach der Tradition der Kriegsmarine erst bei der Taufe bekanntgegeben wird. Ohne jede Stühe ruht der Körper des Schiffes jetzt allein auf der schrägen Gleitbahn, gehalten nur von einigen Bremsklötzen, ungeduldig die erste Fahrt anzutreten.
0er Reichspräsident trifft in Kiel ein.
Die Marine begrüßt ihren obersten Kriegsherrn.
Reichspräsident v. Hindenburg traf mit dem fahrplanmäßigen Zuge aus Hamburg auf dem Kieler Hauptbahnhos ein. empfangen auf dem Bahnsteig vom Chef der Marinestativn der Ostsee. Bizeadmiral Hansen. Mit dem Einlaufen des Zuges setzte der an der Scharnhorst- Brücke in der Wik liegende Kreuzer „König s b e r g“, auf dem Hindenburg während seines Kieler Aufenthaltes Wohnung nehmen wird, di« Standarte des Reichspräsidenten. die von allen im Hafen liegenden Kriegsschiffen und der Salutbatterie Friedrichs- ort mit 21 Schuh salutiert wurde. Dom Zubel der in der Bahnhofshalle Dersammelten begleitet, begab sich der Reichspräsident in den Empfangsraum des Bahnhofs, wo ihn die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden Kiels erwarteten. Der Reichspräsident verweilte dort kurze Zeit, um dann in Begleitung des Stationschefs im Automobil, gefolgt von den Herren seiner Llmgebung, die Fahrt nach den Deutschen Werken anzutreten. Dor dem Hauptbahnhos und in den Straßen, die die Fahrt berührte, bildeten. Schulkinder und «ine
dichte Menschenmauer Spalier. Auf der ganzen Fahrt wurde der Reichspräsident mit jubelnden Hochrufen begrüßt.
0er Giapellauf.
Bei dem schönen Sonnenwetter war die Zahl der Zuschauer inzwischen immer mehr angewachsen. Äeber der bunten froh bewegten Menge frei» fen Flugzeuge. Um 11.40 Uhr verkündeten Hochrufe vor den Werfttoren die Ankunft des Reichspräsidenten. Rach Begrüßung durch den Reichskanzler, den Reichswehrminister Dr. Groener und den Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Daeder, die schon früher in Kiel eingetroffen waren, nahm der Herr Reichspräsident die Meldung des Flottenchefs, Vizeadmirals Oldelop. entgegen, um sich
Lautsprecher auf den ganzen Platz und das gegenüberliegende Förde-Ufer und durch den Rundfunk auf Deutschland und Oesterreich übertragen wurde. Er führte u. a. aus:
Ein stolzes Werk wird heute seiner Vollendung entgegengeführt. Heiße Kämpfe haben sie lange gefährdet. Um so mehr ist es in dieser feierlichen Stunde für uns ein Gebot, zu bekennen, was uns der Dau dieses stolzen Schiffes bedeutet und aus welcher Gefinnung es geschaffen wurde. Durch diese Feier zeigt das deutsche Volk in aller Offenheit der Welt, daß es auch unter den ihm auferleglen Beschränkungen und auch in allergrößter wirtschaftlicher Rot die Kraft findet, den Frieden zu sichern und feine Ehre zu wahren.
Was unsere stolze Flotte einst bedeutet hat, als «in reiches, freies Volk sie sich geschaffen, ist unvergessen. Heute sind wir arm. aber wir wissen, daß gleiche Pflichttreue und Tapferkeit und gleicher Erfindungsgeist auch heute noch im Rahmen der Verträge, die wir loyal erfüllen, uns mit den geringen Mitteln eines verarmten Volkes unsere Flotte z u höch st « n Leistungen befähigen.
Trotz aller Rot und Entbehrungen wird das deutsche Volk jedes Opfer für seine Ehre wie für die Idee einer Gerechtigkeit für alle Völker der Welt bringen. Deutschland kann mit großem Recht und mit tiefem Ernst von sich sagen, daß es in der gewissenhaften Erfüllung seiner Ab- rüstungsoerpslichtungen nichts von dem versäumt hat, was ihm die Verträge auserlegten. Daß wir aber bemüht sind, unserem Volke das geringe Maß von Sicherheitzu verbürgen, das uns die Verträge zugebilligt haben, ist selbstverständlich. Auch das liegt im Interesse Europas und der Welt. Richt dadurch dient man dem Frieden, daß man Völker zweierlei Rechts und zweierlei Sicherheit schafft. Rur eine Gemeinschaft freier, gleichberechtigter Völker, ihre Zufriedenheit, ihr eigenes verant-
Nach dem Stapsllauf fand im Werkskasino ein Essen statt, an dem Reichspräsident v. Hindenburg mit den Herren seiner Begleitung teilnahm. Im Verlaufe des Essens hielt der Reichswehrminister eine Rede, in der er zunächst b?r Schiffe der Reichsmarine gedachte, die in früheren Jahren den Namen „Deutschland" getragen haben. Der Minister fuhr u. a. fort: Ein arbeitsames, tapferes, bis aufs Letzte ausgeplündertes Volk kämpft einen übermenschlichen heroischen Kampf um seine Ehre, feine Freiheit und seinen wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Diese junge „Deutschland", die jetzt auf dem Meere schwimmt, bedeutet für die Deutschen aller Gaue, aller Parteien, aller Richtungen und Fraktionen: „Kämpft diesen Kampf um Deutschlands Zukunft!" Nicht etwa mit Kanonen, über die wir nicht verfügen, wohl aber mit aller Kraft des Geistes und des Charakters. Um diesen höchsten Lebenswillen der deutschen Nation Ausdruck zu geben, sind die beiden Persönlichkeiten, die an erster Stelle Führer des deutschen Volkes sind, nach Kiel gereist, unser all- verehrter Herr Reichspräsident und der Reichskanzler Dr. Brüning. Ihnen dankt die deutsche Reichsmarine, daß sie sich eingesetzt haben für den Wiederaufbau der deutschen Flotte. Und es soll dem Herrn Reichskanzler von der Marine nicht vergessen sein, wie er sich eingesetzt hat für die Lebensnotwendigkeiten unserer kleinen aber tüchtigen Flotte. Wenn nun das Schiff über kurz oder lang hinausfährt, so Jagt sein Name den Deutschen im Auslande, unseren Pionieren in fremden Ländern: „Wir denken an euch, wir richten uns auf an euerer Arbeit, und ihr sollt von diesem Schiff und diesem Namen neue Stärke gewin-.
sodann den Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Deutschen Werke, Staatssekretär a. D. Dr. Fischer, und die Direktoren des Werkes, Serno und Löf- lund, vorstellen zu lassen. Runmehr begab sich der Reichspräsident zu Fuß nach dem Stapel - lauf platz. Eine Woge der Begeisterung brandete ihm entgegen, während auf der Taufkanzel die Präsidentenstandarte emporstieg. An den Abordnungen der Kriegervereine und Studentenverbände vorbei, deren Fahnen sich zum Gruße neigten, schritt der Reichspräsident unter den Klängen des Deutschlandliedes die von der Marineschule Friedrichsort gestellte Ehrenkompanie ab, um sich dann unverzüglich auf die mit der Rational- und Reichskriegsslagge geschmückte Tauf- kanzel zu begeben. Dann nahm die eigentliche Feier ihren Anfang.
wortungsgefühl und ihre freiwillige Unterordnung unter den Gedanken friedlichen Ausgleiches können eine sichere Bürgschaft für den Welt- frieden sein.
Zn dieser feierlichen Stunde strecken wir in tiefster Wahrhaftigkeit jenen die Hand entgegen, di« uns gleiches Recht zugestehen wollen, wie sich selbst. Wie leicht kann vergessen werden, wenn uns die anderen gleicheDaterlands- liebe und gleichen nationalen Stolz zubilligen, wie sie dies« für sich und ihr eigenes Land in Anspruch nehmen. Für solche Gesinnung möge das stolze Schiff, das jetzt von der Hand des Herrn Reichspräsidenten feine Weihe empfangen wird, Sinnbild und Bürgschaft werden.
0ie Taufe.
„Du sollst Deutschland heißen".
Während der Reichskanzler seine Rede beendete, setzte sich das Schiff bereits in Bewegung und glitt erst langsam, dann immer schneller ins Wasser unter Hurra- und Hochrufen und dem Zubel der Massen. Der eigentliche Stapellauf ging damit etwas vorzeitig, aber glücklich von* statten. Dann trat wieder Stille ein, als Reichspräsident v. Hindenburg mit folgenden Worten den Taufakt vollzog:
„Und nun gleite in dein Element und zieh« hinaus auf das weite Meer! Tue dort deine Pflicht und Schuldigkeit, fei es um Zeugnis abzulegen von deutscher Arbeit und deutschem Können, fei es zum Schuhe des vaterlandesk halte deine Flagge stets rein und hoch in Ehren! Dann wirst du deines Ramens immer würdig fein, den ich dir gebe: Du sollst .Deutschland' heißen."
Den Worten des Herrn Reichspräsidenten folgten erneute Zubelrufe, die nicht enden wollten. Dann klang das Deutschlandlied auf. Die Ehrenkompanie präsentierte. Während die „Deutschland" an den Baukai der Werft bugsiert wurde, verließ der Reichspräsident die Kanzel und nahm den Vorbeimarsch der Ehrenkompanie ab.
nen für eure Arbeit zum Wohle unseres Heimatlandes.
Der Reichswehrminister schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Reichspräsidenten. Reichspräsident o.Hindenbura erwiderte: „Lassen Sie uns in Einigkeit Zusammenhalten. Uebcr den Parteien steht das Vaterland, das dürfen wir nie vergessen!"
Nachtübungen der Flotte.
Ter Reichspräsident an Bord des Kreuzers „Königsberg".
Rach Beendigung des Zmbisses im Kasino der Deutschen Werke begab sich der Reichspräsident an Bord des Kreuzers „Königsberg", wo er für die Dauer seines Kieler Aufenthaltes Wohnung genommen hat. Wiederum wurden dem Reichspräsidenten auf der Fahri von der Spalier bildenden Schuljugend und einer begeisterten Menge lebhaft« Ovationen dargebracht. Rach kurzer Ruhe stattete der Reichspräsident dem Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral H a n- fen, in der neuen Seeburg einen Besuch ab, um anschließend an der Eröffnung eines WohltätigkeitsfestesdesKreiskrie- gerverbandes Kiel in der Waldwies« teilzunehmen. Auch hier war der Reichspräsident Gegenstand begeisterter Huldigungen. Gegen 19 Tlhr kehrte der Reichspräsident zur „Königsberg" zurück, die kurz darauf den Kieler Hafen verlieh. Der Kreuzer „Köln", der ebenfalls aus dem Hofen ausllef, veranstaltete auf der Höhe von Schleimünde Rachtschießübungen, die der Reichspräsident, in dessen Begleitung sich Reichs
wehrminister Groener, der Chef der Marinelei- tung Dr. h. c. Raeder und der Flottenchef Vizeadmiral Oldekop befanden, von Bord der „Königsberg" aus verfolgte. Dann führte die zweite Torpedobootsslotille Angriffe auf die Kreuzer „Köln" und „Königsberg" aus. Rach Beendigung der Hebungen ging die „Königsberg" gegen Mitternacht in der Strander Bucht vor Anker. Am Mittwoch wird nördlich vom Stoller Grund eine Flvttenpar ade vor dem Reichspräsidenten stattfinden.
0er Gang zum Haag.
Die Genfer Verhandlungen über die Zollunion haben mit einem Kompromiß gendet. Darauf waren wir von Anfang an eingestellt. Aber die Formen, unter denen dieses Kompromiß zu- ftanbegetommen ist, sind doch für die Machtvertei- lung im Rat außerordentlich kennzeichnend. Herr Henderson hat sich kaum die Mühe gegeben, den Oesterreichern gegenüber die üblichen äploma- tischen Rücksichten zu nehmen. Er ist mit Herrn Schober umgefprungen wie ein Lehrer mit einem störrischen Schüler, hot sich schließlich sogar zum Wortführer der französischen Erpressertaktik gemacht und fo die Zusage erlangt, daß b i e Verhand - lungen zwischen Berlin und Wien bis zum Spruch bes Haager Schiebsgerichts still- gelegt werben würben.
Das ist ein sehr weitgehenbes Entgegenkommen; auf welche Grünbe es zurückzuführen ist, vielleicht barauf, baß Herr Schober bie Nuancen ber englischen Sprache nicht hinreichend beherrscht unb dadurch überrumpelt worden ist, mag im Augenblick dahingestellt bleiben. Jedenfalls müssen die Dispositionen, die bisher in Wien und Berlin bestanden, geändert werden. Es kann nicht davon die Rede sein, wie ursprünglich in Aussicht genommen war, daß im Juni bie beiden Delegationen s i ch treffen und den eigentlichen Vertrag s t e x t festzustellen suchen. Auch die Franzosen sind ja im Klaren darüber, daß selbst mit dieser Formulierung praktisch nicht viel gewonnen ist. Man wird eben inoffiziell weiter verhandeln, wenn es offiziell nicht möglich ist, entweder durch Mittelsmänner oder auch in Privat- besprechungen. Aber die Linie, die bisher von uns verfolgt wurde, hat dadurch doch einen Knax er- hallen, es kommt eine gewisse Unehrlichkeit in das ganze Thema hinein, die sehr leicht zu diplomatischen Weiterungen führen kann, sobald es den Engländern oder Franzosen paßt, an der Tatsache solcher Ge- heimkonventikel Anstoß zu nehmen.
Wir haben zwar den Trost, daß dieser Umweg natürlich zumZieleführen kann, sogar so weit, daß alles ins Reine gebracht wird und bann, wenn der Spruch des Haager Gerichtes oorliegt, nur noch die Unterschriften der Delegierten unter das Schriftstück gefetzt zu werden brauchen; nur daß eben nie- mand weiß, wie weit die Dinge allgemein-politisch gesehen, bis zum Herbst gediehen sind, denn für die Franzosen ist die Ausrüstung des Haager Schiedsgerichts nur ein Mittel, um eine vorläufige Vertagung zu erzwingen und inzwischen den Widerstand auszuhöhlen. Die mit Recht sehr scharfe Erklärung von Dr. Curtius hat zwar gleichzeitig die Grenze gezogen und Klarheit darüber geschaffen, daß der Rat sich nur mit den juristischen Voraussetzungen zu beschäftigen hat, also auch später nicht mit politischen Bedenken kommen kann. Indessen der Haager Weltgerichtshof ist nicht so sehr eine juristische wie eine politische Behörde, in ber Deutfchlanb mit einer von fünfzehn Stimmen vertreten ist, unb es könnte uns schon geschehen, baß hier ein Gifttrank gebraut wirb, ber wenigstens ben Versuch machen soll, die Energien für die Zollunion endgültig zu lähmen.
Genfer Abgesang.
Beendigung der Aolldcbatte
. im Bölkerbundsrat.
Genf, 19. Mai. (WTD.) 3m Völkerbunds* rat sprach heute ber tschechoslowakische Außenminister Dr. Bene sch über die Zollunion. Er erklärte sich mit der Anregung Hendersons vollkommen eirwerstanden, daß ber Rat sich im Augenblick nur mit bet juristischen Seite der Frage zu befassen habe, versucht« aber mit der juristischen Frage auch politische unb wirtschaftliche Aspekte zu verbinden unb die ganze Angelegenheit als einen Konflikt bar* zustellen, ber in seinen ganzen Auswirkungen zur Zustänbigkeit bes Völkerbunbsrats gehöre. Er bemühte sich bann um ben Rachweis, bah «ine beutsch-österreichisch« Zollunion für bie Tschechoslowakei eine schwere Bedrohung nicht nur in wirtschaftlicher, svn- bern auch in politischer Hinsicht bebeuten würbe, bei ber bie Tschechoslowakei baburch vor allem hinsichtlich ihres Zuganges zum Meere in «inen Zustanb ber Abhängigkeit von ber Union geraten würbe.
Roch deutlicher als Dr. Denesch unternahm der jugoslawische Außenminister Marinkowitsch ben Versuch, den Beratungsgegenstand nach ber politischen Seite hin zu erweitern. Keine Macht, vor allen Dingen keine Großmacht, habe das Recht, eine Frage als ihre ausschließliche Angelegenheit in Anspruch zu nehmen und dem Bölkerbundsrat zu entziehen. Dr. Curtius betonte seinerseits, die deutsche Regierung erwarte nicht, daß eine Frage, in die gewiß Wirtschaft und PoliM hineinspielten, nur vom
Die Taufrede des Reichskanzlers.
Oeutschlands 2Red)f auf Sicherheit. — Oie Gleichberechtigung der Völker die sicherste Bürgschaft für den Weltfrieden.
Reichskanzler Or. Brüning
hielt die Taufrede, die durch zahlreiche, meterhohe
Ein Trinkspmch Groeners.
Oer Dank der Marine an den Reichskanzler.


