Ur. «5 Erstes Blatt
181. Jahrgang
Dienstag, 19. Mai 1931
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen.
Randnoten.
Nun hat auch die französischen Militärflieger der Ruhm ihrer polnischen Kollegen nicht schlafen lassen. Sie haben gleichfalls eine Spazierfahrt über die deutsche Grenze tief nach Deutschland unternommen und haben in Schweinfurt notlanden müssen, wobei sie samt ihren Maschinen erst einmal festgenommen wurden. Gleich drei an der Zahl mit Flugzeugen, wie sie uns verboten sind: Maschinengewehre und alle Schikanen sind natürlich vorhanden, wenn auch die Munition fehlte. Die Aussagen der Herren klingen so phantastisch, dah es schwer wird, sie zu glauben. Sie haben danach von Lyon nach Straßburg oder Colmar gewollt, gerieten aber dann über den Vogesen in Rebel und haben schließlich jede Orientierung verloren, so dah siedenMainmit dem Rhein ver- wechselten. Sine für ausgebildete Flieger immerhin überraschende Feststellung. Man sieht, — da auch photographische Apparate an Bord fehlten und die Landung offensichtlich wegenMan- g e l anDrennstofs erfolgte, — nicht recht ein, welchen Zweck eine solche Expedition, falls sie unfriedlicher Art gewesen sein oder Spionagezwecken gedient haben sollte, haben könnte, und muh deshalb geneigt sein, so schwer es auch fällt, tatsächlich an ein Versehen zu glauben. Wie es aber möglich ist, dah ausgebildete Fliegeroffiziere sich so verfließen und auf der Landkarte gleich um mehrere Breitengrade irren — schliehlich liegt Schweinfurt in der Luftlinie 250 Kilometer von Strahburg entfernt — bleibt unerfindlich. Man mühte dann schon annehmen, dah die Bedingungen, unter denen in Frankreich die Militärs ihr Pilotenei-amen ablegen dürfen, lächerlich lejcht sind .
Die Würfel sind gefallen! Das Internationale Olympische Comite hat sich jetzt endlich entschlossen, der Stadt Berlin als Vertreter Deutschlands die Austragung der Olympischen Spiele für das Jahr 1936 anzftvertrauen. Dieser Beschluß der darüber entscheidenden Stelle ist keineswegs auf den ersten Anhieb hin gefallen, vielmehr hat Deutschland sich schon seit dem Jahre 1907 um die Spiele beworben, muhte aber für das Jahr 1912, nachdem es den Zuschlag erhalten hatte, zugunsten Stockholms verzichten, da man damals bei uns noch keine geeigneten Anlagen hatte, die eine sichere Gewähr für eine’ ordentliche Abwicklung der Spiele leisteten. Dann kamen wir für das Jahr 1916 in Frage, doch machte uns hier der Weltkrieg einen groben Strich durch die Rechnung, er warf uns sogar aus dem Rennen, dah wir noch nicht einma. 1920 an den Olympischen Spielen in Paris teilnehmen tonnten.
Bei den Pariser Spielen sind es allerdings hauptsächlich die Franzosen gewesen, die nicht zuliehen, dah die deutschen Sportler an der Olympiade teilnahmen, angeblich, weil sie nicht sehen wollten, wie die deutsche Spvrtmannschaft an der Spitze aller Staaten in das Stade de Colombes einmarschieren sollte, da die Satzungen es so vorsehen, dah die Rationen nach dem Alphabet des gastgebenden Landes in die Olympiastätte cinziehen müssen. Auch für die Jahre 1926 und 1932 fielen wir unter durchsichtigem Vorwande aus, aber, aufmerksam gemacht durch die außerordentlich großen Erfolge unserer Sportler, muhten die verschiedenen Lander- Vertretungen in dem Internationalen Olympischen Comitö schliehlich doch einsehen, dah es jetzt ihre Pflicht sei, die durch den Krieg gelockerten Sportbeziehungen Deutschlands zu den anderen Staaten wieder herzustellen. Das Comite hat jedenfalls zugesagt und damit — nicht ohne innere Hemmungen — dem deutschen Sport die Hand zur Versöhnung gereicht.
Obwohl wir nun glücklich zwanzig Jahre warten muhten, bis uns die Austragung einer Olympiade übergeben wurde, wissen wir es jetzt um so mehr zu schätzen, was man uns in die Hände gelegt hat. Wir können bestimmt nicht so pompös die Stätten für die Spiele ausrichten, wie es etwa Frankreich. Holland und Amerika vermocht haben, wir können aber dafür bürgen, dah bei uns alles getan wird, um dem elften neuzeitlichen Olympia einen enl» sprechenden Rahmen zu schaffen. Schon heute, kurz nach dem Bekanntwerden der Entscheidung des Olympischen Komitees haben alle in Betracht kommenden Stellen, nicht zuletzt Reichs- und Staatsregierung, ihrer Bereitwilligkeit Ausdruck gegeben, an dem großen sportlichen und völkerverbindenden Werk mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln mitzuarbeiten. Wir werden allen anderen Sportnationen 1936 zeigen, daß man auch mit bescheidenen Mitteln eine würdige Olympiade aufziehen kann.
Die Polen haben wirklich ein Schweineglück: Die politische Atmosphäre Europas ist im Augenblick mit Elektrizität derartig geladen, dah die Zu stände in Oberschlesien, die um die Jahreswende einen, richtigen Völkrrbrmdsskandal bildeten, fast in Vergessenheit geraten sind. Wir erinnern uns noch daran, daß damals die deutsche Regierung eine vom Deutschen Volksbund eingereichte Beschwerde unterstützte, dah über die Methoden, wie Polen seinen Verpflichtungen zum Schutze der deutschen Minderheit nachkommt, allgemeine Entrüstung herrschte und daß die Polen gerade noch mit einem blauen Auge wegkamen, als ihnen auferlegt wurde, bis zur Mai-Tagung des Rates einen ausführlichen Bericht vorzulegen, in dem sie genau mitteilen sollten, was inzwischen geschehen sei, um diesen unerhörten Zuständen ein ®nbe zu machen. Dabei war ausdrücklich bestimmt wor-
Oie Zollunion vor dem Völkerbundsrat.
Hendersons Antrag.
Einholung eines Rcchtsgutachlens des Haager Schiedsgerichts.
Genf, 18.Mai. (211.) Dr. Curtius eröffnete heute in seiner Eigenschaft als Präsident des Völkerbundsrates die Verhandlungen über das deutsch-österreichische Zollabkommen. Er leitete die Verhandlungen in deutscher Sprache. Der englische Auhenminister Henderson als Antragsteller führte etwa folgendes aus: Ich möchte zunächst vor dem Völler- bund klar feststellen, dah ich in keiner Weise die Absichten weder der deutschen noch der österreichischen Regierung in Zweifel zu stellen beabsichtige. Ohne Zweifel waren die beiden Regierungen von der ernsten wirtschaftlichen Lage, vor der sie stehen und tat dringenden Rotwendigkeit der Ergreifung von Maßnahmen beeinfluht, die ihrer schweren finanziellen und wirtschaftlichen Lage Erleichterungen bringen können. Aus der unmittelbaren Fühlungnahme mit meinen Kollegen in Paris ergab sich, daß Zweifel an der Vereinbarkeit des Zollprotokolls mit den Bestimmungen gewisser internationaler Instrumente vorhanden seien. Ich sah es daher als meine Pflicht an, als damaliger Präsident des Dölker- bundsrates dem Generalsekretär des Völkerbundes .mitzuteilen, daß der Völkerbund, unter dessen Aufsicht das Protokoll von 1922 abgeschlossen wurde, die hierbei aufgetauchten rechtlichen Probleme prüfen müsse. Rach meiner Meinung werden bedeutungsvolle wirtschaftliche und auch politische Fragen hierdurch aufgerollt. Jedoch ist die Frage, mit der sich der Dölkerbundsrat zu befaflen hat, entschieden rechtlicher Ratur. Aus diesem Grunde ist die Einholung eines Re ch t s g u t a ch t e n s durch den Internationalen Haager Schiedsgerichtshof notwendig.
Henderson legte sodann dem Völkerbundsrat folgenden Entschliehungsentwurf vor:
„Der völkerbundsral hat die Ehre, den Inter, nationalen Haager Gerichtshof zu ersuchen, auf Grund des Artikels 14 des Dölkerbundspaktes ein Gutachten zu erstatten, ob die Zollunion nach dem deutsch-österreichischen Protokoll vom 19. Ulärj 1931 vereinbar ist mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain und dem ersten Genfer Protokoll von 1922. Der völkerbundsral ersucht den Haager Gerichtshof, diese Frage in dringendem Verfahren zu verhandeln. Der Generalsekretär wird beauftragt, sich dem Haager Gerichtshof zur Verfügung zu stellen und sich bei den Verhandlungen vertreten zu lassen."
Der englische Auhenminister erllärte sodann: Er hoffe, die österreichische Regierung werde sich verpflichten, bis zum Vorliegen der Entscheidung, die der Dölkerbundsrat auf Grund des Gutächtens des Haager Gerichtshofes fassen werde, keinerlei weitere Schritte zur Schaffung der vorgesehenen Zollunion zu tun.
Schober nimmt den Antrag an
Keinerlei Verhandlungen bis zur Entscheidung im Haag.
Der österreichische Auhenminister Schober st i m m t e dem An trag Hendersons zu. Es handele sich bei der Rechtsfrage um das Genfer Protokoll von 1922. Oesterreich habe sich dabei verpflichtet, sich seiner llnabhängigkeit nicht zu begeben, diese Verpflichtung jedoch nur darum eingegangen, weil sie identisch sei mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain. Er müsse sich g e g e n j ed e extensive Auslegung, die zu einer Beeinträchtigung führe, verwahren. Dah Oesterreich sich tatsächlich feiner Unabhängigkeit durch den Abschluß der geplanten Zollunion nicht begeben würde, ergebe sich aus einer ganzen Reihe von Grundsätzen, die in Richtlinien niedergelegt seien. Jede der beiden Reglerungen und jedes der beiden Parlamente sei unabhängig von einander zur Feststellung der Zolltarife zuständig. Aenderungen bedürften der Zustimmung beider Parlamente. Auch die Annahme, dah ein kleiner Staat von dem ihm eingeräumten Recht einer Zollunion gegenüber seinem mächtigeren Partner nicht Gebrauch machen könne, widerspreche allen von Oesterreich bei Zollunionen gemachten Erfahrungen.
Die österreichische Regierung verhandele jetzt mit mehreren Rachbarstaaten über neue Verträge, die am 1. Juli in Kraft treten sollen. Oesterreich
den, dah der Bericht möglichst frühzeitig eingereicht werden sollte, um eine eingehende Prüfung vor der Ratstagung zu ermöglichen. Darum haben die Polen sich gedrückt, ihr Bericht, 60 Seiten stark, ist erst im letzten Augenblick dem Rat zugeleitet worden, in der selbstverständlichen Erwartung, dah dadurch die Möglichkeit einer eingehenden Prüfung von vornherein abge- schnitten war.
Inwieweit diese Berechnung richtig ist, bleibt abzuwarten. Unverkennbar besteht ja die Gefahr, daß die Tagesordnung des Rates viel zu überlastet ist, und infolgedessen am Ende der Woche für diesen Spezialfall keine Zeit mehr bleibt. Es bliebe in dem Fall kaum etwas anderes übrig als eine Vertagung. Aber man wird doch wenigstens erwar-
und Deutschland seien bereit, jeder für sich mit dritten Staaten über die Angleichung von handelspolitischen Verträgen und über die Herstellung eines freien Handelsverkehrs zu verhandeln. Alles dies beweise, dah Oesterreich seine handelspolitische Unabhängigkeit nicht aufgebe. Es könnten auf Grund des Genfer Protokolls gegen den geplanten Vertrag keine Einwendungen erhoben werden. Auf keinen Fall sei es zulässig, dah Schobers Besprechungen mit Dr. Curtius als eine Verletzung des Genfer Protokolls bezeichnet würden. Einer der wichtigsten Teile der Souveränität sei sein Recht, mit anderen Staaten zu verhandeln. Eine extensive Auslegung des Genfer Protokolls würde die Sorge des Auslandes um unsere Unabhängigkeit zu weit treiben. Das Genfer Protokoll verpflichte Oesterreich nicht nur zur Wahrung der Unabhängigkeit, .sondern auch zur Respektierung der Verträge. Am Schluß erllärte sich Dr. Schober nochmals vorbehaltlos mit den Ausführungen Hendersons einverstanden.
Henderson rkhlele an Schober die ausdrückliche Anfrage, ob die österreichische Regierung feinen Vorschlag annehme, den Status quo bis zur Entscheidung des Internationalen Haager Gerichtshofes aufrechtzuerhalten. — Schober erwiderte darauf lediglich mit dem Hinweis auf feine Erklärung, nach der Oesterreich den Vorschlag Hendersons annehme. Die österreichische Regierung hat sich damit verpflichtet, bis zu dem vorliegen des Haager Gutachtens und der Entscheidung des Völkerbundsrates keine endgültige Tatsache auf dem Gebiet der deutschösterreichischen Zollverhandlungen zu schaffen.
Curtius spricht.
Oesterreichs Souveränität bleibt unberührt.
Reichsauhenminister Dr. Curtius stimmte ebenfalls dem Anträge Hendersons zu, legte jedoch energisch Verwahrung gegenüber der Behauptung ein, daß die Unabhängigkeit Oesterreichs durch das deutsch-österreichische Zollabkommen in irgendeinem Punkte verletzt werde. Curtius hob besonders die Zollunion zwischen Belgien und Luxemburg hervor, bei der Luxemburg auch als ein schwächerer Staat ein Zollabkommen mit einem stärkeren Staat abgeschlossen habe. Wenn man aber Deutschland und Oesterreich das Recht abstreite, gemeinsam ein wirtschaftliches Abkommen abzu-
schliehen, dann wolle man sie offenbar damit a l S Staaten minderen Rechtes behandeln. Die deutsche und die österreichische Regierung hätten übereinstimmend beim Abschluß des Zollprotokolls eröärt, dah der Plan ausschließlich aus wirtschaftlichen Erwägungen abgeschlossen sei und ausschließlich wirtschaftliche Zwecke verfolge. Deutschland und Oesterreich hätten ein Recht, zu verlangen, daß man ihren Erklärungen glaube. Die deutsche Regierung bestreite entschieden, daß der Vertrag von St. Germain auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit Oesterreichs einschränke. Dieser Vertrag garantiere sicherlich die politische Unabhängigkeit Oesterreichs, sollte er jedoch auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit Oesterreichs ein* schränken, wie behauptet werde, so würde die deutsche Regierung keinerlei Bedenken haben, daß diese Frage vor dem Haager Gerichtshof geklärt würde. Die im Zusammenhang mit dem Zollabkommen aufgeworfenen wirtschaftlichen Fragen mühten in dem Europaausschuß erörtert werden. Wenn durch den Haager Gerichtshof die Rechtsfragen geklärt seien, kämen sämtliche anderen aufgeworfenen Fragen damit endgültig inWeg- f a II. Denn wohin würde man gelangen, wenn man im Völkerbundsrat in Zukunft internationale wirtschaftliche Verträge nur unter dem Gesichtspunkt behandelte, ob sie dem einen oder anderen Staat genehm und günstig seien?
Briands Standpunkt.
Driand gab eine schriftlich festgelegte Erklärung ab, in der gesagt wird: Eine Unterscheidung zwischen der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit Oesterreichs sei nicht möglich, da die Unabhängigkeit Oesterreichs gleichmähig im Vertrage von Versailles, von St. Germain und im Genfer Protokoll von 1922 garantiert sei und diese Bestimmungen untrennbar wären, eine Verletzung einer dieser Bestimmungen gleichzeitig die Verletzung sämtlicher Bestimmungen der Verträge audlöfe. Briand erkannte schliehlich uneingeschränkt den Vorschlag Hendersons an, nunmehr ein Rechstgutachten des Haager Gerichtshofes ein- auholen. Zunächst handele es sich lediglich um den rechtlichen Charakter dieses Problems, aber das Problem trage auch eine politische Seite, die nunmehr aufgerollt sei und die der Dölkerbundsrat prüfen müsse. Mit großer Befriedigung habe er von der Erklärung der österreichischen Regierung Kenntnis genommen, den Status.quo bis zur Entscheidung des Internationalen Haager Gerichtshofes aufrecht zu erhalten.
Das Ergebnis der Ratsdebatte.
Uebenveisung an den Haager Gerichtshof. - Zn der Zwischenzeit keine Zollverhandlungen.
Was nun?
Berschleppungsgefahren —Soll Oesterreich unter Druck gesetzt werden?
Gens, 18. Mai. (TU.) Das Ergebnis der großen Aussprache im Dölkerbundsrat über das deutsch-österreichische Zollabkommen kann dahin zusammengesaht werden, dah nunmehr in beschleunigtem Verfahren der Haager Gerichtshof ein Rechtsgutachten über die Vereinbarkeit des Zollabkommens mit dem Vertrag von St. Germain und dem Genfer Protokoll von 1922 erstatten wird. Aus Grund dieses Rechtsgutachtens wird sodann der Dölkerbundsrat auf.seiner Septembertagung endgültig über die Rechtsfrage der Zulässigkeit des Protokolls des Zollabkommens entscheiden. Ferner hat die Derhandlung des Rates am Montag ergeben, dah unter dem Druck der englischen und der französischen Regierung die österreichische Regierung zuge standen hat, bis zur vorliegenden Rechtsentscheidung d i e Verhandlungen zum Abschluß der Zollunion nicht fortzuführen und den Status quo ausrecht zu erhalten. In unterrichteten Kreisen besteht übereinstimmend die Auffassung, dah dieses Zugeständnis Oesterreichs nur unter dem stärksten Druck der Gegenseite erzielt worden Ist. Die Verhandlungen haben ergeben, daß die englische Re gierung, wie stets in den letzten Jahren der militärischen Vorherrschaft Frankreichs in Europa, sich den französischen Wünschen angeschlossen hat.
Die Zwischenzeit, in der die deutsch-österreichischen Verhandlungen ruhen, wird ohne Zweifel
von französischer und tschechoslowakischer Seite ausgenuht werden, um den Druck auf die österreichische Regierung zu verschärfen und durch Zusicherung von Einzelvorteilen Oesterreich zum A u f g e b e n des Zollplanes zu bewegen. Ferner bietet die gegenwärtige Regelung den alliierten Mächten die Möglichkeit, auf der Septembertagung durch Verschleppen der Verhandlungen eine neue Verschiebung der endgültigen Entscheidung herbeizuführen, selbst wenn das Rechtsgutachten des Haager Gerichtshofes bereit« vorliegt. Von französischer und englischer Seite wird das vorläufige Ruhen- lassen der deutsch-österreichischen Zollverhandlungen als der erste Schritt zur endgültigen Deseitt- gung des Zollplanes angesehen. Die Zukunft des deutsch-österreichischen Zvlluniongedankens hängt jetzt allein von der Festigkeit und Entschlossenheit der deutschen und der österreichischen Re-
, gierung ab.
Enttäuschung und Besorgnis.
Tas Echo der Berliner Presse.
Berlin, 19. Mai. (TU.) Eine Reihe Berliner Blätter nimmt zu dem Ergebnis der Aussprache im Bölkerbundsrat über die Zollunion Stellung. Die „Börsenzeitung" bezeichnet den Verlauf der Aussprache als einen schweren Schlag für die Zollunion. Die Wendung der Dinge zuungunsten Deutschlands und Oesterreichs sei durch das Verhalten des Vertreters der englischen Arbeiterregierung herbeigeführt worden. — £ie „Deutsche Allgemeine Zeitung" weist auf die großen Gefahren hin, die die Verpflichtung, bis zur Entscheidung im Haag keine Verhandlungen
ten dürfen, daß von deutscher Seite ein kleines bischen in den polnischen Bericht hineingeleuchtet wird, denn er ist in der Art der Tatsachenoerdrehung wirklich ein besonders starkes Stück. Danach müßte in Oberschlesien eigentlich alles in schön st er Ordnung sein. Die Gemüter sollen sich beruhigt haben, die Rechte der deutschen Minderheiten stehen angeblich unter dem besonderen Schutze der Regierung, vor allem wird von dem „großen Vertrauen" der deutschen Sejmmitglieder zum Wojwoden gesprochen und schließlich der Terror, unter dem die Deutschen standen, bagatellisiert; in über hundert Fällen hätten die Geschädigten keine Klage erhoben, 22 Fälle seien außerdem niedergeschlagen, ganze fünfzig Fälle haben zu einer Verurteilung geführt.
Das mag zahlenmäßig richtig sein, wir kennen aber das polnische System inzwischen gut genug, um zu wissen, worauf es zurückzuführen ist, daß in über hundert Fällen von den Deutschen, auch wenn sie halbtot geschlagen wurden, keine Klage erhoben ist. Sie haben eben gegen den polnischen Terror keine Mittel. Mit solchen Fälschungen wird also nichts genützt. Woraus es ankommt, ist, daß der Woiwode Graczinsky der Vertrauensmann der Aufständischenorganisation, immer noch auf seinem Posten ist, daß auch alle Beweise für eine Lösung der Verbindung zwischen den polnischen Bebörden und den Aufständischen fehlen. Solange diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, kann der Rat seine Sefriebigungsarbeit in Oberschlesien nicht als erfüllt ansehen.


