Nr. 42 Zweites Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Donnerstag, 19. $ebruar MI
Rund 17000 Arbeitsuchende in Oberhessen
Oer Bericht des Arbeitsamts Gießen über die Arbeitsmarktlage Ende Januar.
Der Beschäftigungsgrad hat im Monat Januar eine weitere Verschlechterung erfahren. Dies ist hauptsächlich auf Einstellen der Aufzenarbeiten wegen Frost und Schnee zurückzuführcn. Eine leichte Besserung für den Arbeitsmarkt brachte der Rückruf von Arbefts- kräften durch die Tabakindustrie mit sich, der ober durch Zugang von Arbeitsuchenden aus anderen Berufen gegen Ende des Monats ausgeglichen wurde. Am Ende des Berichtsnwnats standen dem Arbeitsmarkt
16 922 Arbeitsuchende jur Verfügung gegenüber 13741 des Vormonat» und 11956 des Vorjahre».
An Zugängen waren 6391 Personen zu verzeich- nen. 3n Arbeit gingen ohne unsere Mitwirkung 2156 Personen. 230 Arbeitsuchende wurden durch den früheren Arbeitgeber zurückgerusen und 776 Arbeitsuchende wurden von uns in Arbeit vermittelt. Aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung wurden 10157 Personen unterstützt gegenüber 9181 des Dormonats und 6664 des Vorjahres. Krisenunter st ühung erhielten 159b Personen gegenüber 12CO des Vormonats und 237 des Vorjahres. Mit R o t - standsarbeiten wurden 101 Personen beschäftigt. Aus dem Gesamtergebnis der Vermitt- lungstätigkeit des Arbeitsamts Gießen im Jahre 1930 geht hervor, daß aus dem Vorjahre ein Rest von 9790 Arbeitsgesuche übernommen worden ist. Veumeldungen von Arbeitsgesuchen waren im Laufe des Jahres 48 852. 28 224 Arbeitsgesuche erledigten sich ohne unsere Mitwirkung. Vermiftelt wurden 15 077 Personen.
Aus len einzelnen De^ufsgr ppen ist wie folgt zu berichten:
Land- und Forstwirtschaft.
In der Landwirtschaft ist eine Belebung noch nicht zu verzeichnen. Vereinzelt wurden Melker, Gefpannführer und Tagelöhner, die melken können, angefordert. Ein Teil der oberhessischen Förstereien hat Waldarbeiter wegen Beendigung der Holzhaucrarbeiten zur Entlassung gebracht. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 641 gegenüber 544 des Vormonats und 439 des Vorjahres.
Bergbau.
Die Marktlage des oberhessischen Bergbaues hat durch die Stillegung einer Grube eine weitere Verschlechterung erfahren. 90 Bergarbeiter kamen z r Entlassung. Zahlenmäßig wird sich die Verschlechterung erst im kommenden Derichtsmonat auswirken, da sich die Bergarbeiter erst am 2. Februar 1931 arbeitslos gemeldet haben. Dem Arbeitsmarkt standen im Berichtsmonat 113 Bergarbeiter zur Verfügung gegenüber 105 deS Vormonats und 238 des Vorjahres.
Industrie der Steine und Erden.
Die Lage hat sich weiter verschlechtert. Ein Dasaltwerk bat 80 Steinarbeiter wegen ArbeitS- mangcl entlassen. Ein Steinbruch wurde still- gclegt: zwei Steinbrüche haben Arbeitskräfte an- gcfordert, da sie ihren Betrieb versuchsweise wieder eröffnen wollen. Die oberhessischen Ziegeleien klagen über Absatzmangel. Dem Arbeitsmarkt standen 1930 Arbeitsuchende zur Verfügung gegenüber 1657 des Vormonats und 1429 des Vorjahres.
Metallindustrie.
Die Beschäftigungsmöglichkeiten haben sich weiter verschlechtert. Der größte Teil der Betriebe klagt über Absahmangel. Es wurde uns mitgeteilt, daß ein größerer 'Betrieb im Rkonat Februar wegen Auftragsmangel die Fabrikation ein stellen und die Arbeitskräfte entlassen wird. Rur vereinzelt wurden Schlosser und Fabrikarbeiter zurückgerufen. Wir zählten am Ende der Berichtszeit 2378 Metallarbeiter gegenüber 2155 des Vormonats und 931 des Vorjahres.
holzgcwerbe.
Die oberhessische Ho.zindustrie klagt ebenfalls über schlechten Geschäftsgang. Hauptsächlich die Sägewerksbetriebe haben wenig Absatzmöglichkeit, da der Hauptabnehmer, das Baugewerbe, zur Zeit ruht. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1151 gegenüber 847 des Vormonats und 635 des Vorjahres. ____________
Nahrung»- und Genußmiltelgewerbe.
In dcr Derulsgruppe Rahrungs- und Genuß- mitielgewcroe ist in unserem Bezirk die Labak- Industrie von besonderer Bedeutung. Die Zahl der Arbeitslosen aus dieser Industrie war bis Mitt« des Monats Januar aus 2054 an gestiegen. Dies dürfte, falls die zurückgerufcnen Talab» arbeitet: nich: e.neut arbeitslos werden, der Höhepunkt dcr winterlichen Belastung dieser Derufs- gruppe sein. De einzelnen Zigarrenfabriken Haven einen Teil ihrer Belegschaft zurückgeru en zwecks Anfertigung von neuen Mustern. Wie lange die Beschäftigung dauert, steht z. Z. noch nicht fest. Der ügaar wurden am Ende des Dc- richtsmonats 1739 Arbeitsuchende gegenüber 1620 des Vormonats und 95 des Vorjahres.
Bekleidungsgewerbe.
Im obcrhessisehen Dctleidungsgewerbe, Fabrik wie Handwerk, wird über Absatzstockungen geklagt. Bei einer Schuhfabrik dagegen war es durch Hereinbringung von neuen Aufträgen möglich. daß ein großer Teil der Belegschaft wieder Beschäftigung linden konnte. Wir zahlten am Schlüsse der DerichtSzeit 458 Arbeitslose gegenüber 356 des Vormonats und 309 des Vorjahres.
Baugewerbe.
Das Baugewerbe liegt sehr darnieder. Aufträge für Reubauten sind kaum zu verzeichnen. Die noch tn>rgenommenen Reparaturarbeiten sind infolge der kalten Witterung eingestellt worden. Weiter lehrten Bauarbeiter aus dem Holzwald wegen Beendigung der Arbeiten zurück, so daß die Zahl der Arbeitsuchenden auf 3546 an gestiegen ist gegenüber 2568 des Vormonats und 3549 deS Vorjahres.
veriehrsgewerbe. •
Die Marktlage hat keine Besserung erfahren: da die Reichsoahn die notwendigen Qlroeitai mit dcr verringerten Zahl von Slammarbeitern vornimmt und mit einer Reueinstellung von Zeitarbeitern vorerst nicht zu rechnen ist, dürfte sich auch die Lage im kommenden Monat nicht wesentlich verändern. Die Reichspost hat ebenfalls Aushilfen zur Entlassung gebracht. Die Arbeitsucheirdenzahl betrug 499 gegenüber 405 des Vormonats und 385 des Vorjahres.
Lohnarbeit wechselnder Art.
Die Beschäftigungsmöglichkeit für die Angehörigen dieser Berufsgruppe ist sehr gering. Arbeiter, die im Holzwald vermittelt waren, sind wegen Beendigung der Arbeiten zurückgekehrt, andere, die mit Straßenbauarbeiten beschäftigt waren, sind wegen Eintritts des Frostwetters entlassen worden. Die Zahl der Ar. beitsuchcnden ist auf 2704 Mark angestiegen gegenüber 1973 des Vormonats und 3061 des Vorjahres.
Angestelltenberufe.
Die Arbeitsmarktlage für Angestellte hat sich im Januar durch erhebliche Zugänge, besonders in der Tabakindustrie, weiterhin verschlechtert. Obwohl die Vermittlungsmöglichkeit gegenüber den Vormonaten besser war, reichte sie zum Ausgleich des starken Ncuangebots nicht aus. Die Zahl der Arbeitsuchenden erhöhte sich auf rund 800; sie besteht zu 75 v. H. aus männlichen und zu 25 v. H. aus weiblichen Stellensuchenden. Zur Zeit laufen zwei Kurse zur beruflichen Fortbildung von stellenlosen Angestellten, einer für Zehnfinger-Maschinenschreiben und einer für Reichskurzschrift.
Be ufsb raiung.
Die Abteilung Berufsberatung wurde sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber bim gleichen Monat im Vorjahre viel stärker, und zwar 416 mal von 217 Ratsuchenden (129 männlichen, 88 weiblichen) in Anspruch genommen, von denen 39 (24 männliche, 15 weibliche) aus höheren Lehranstalten, die übrigen aus Volksschulen kamen. 31 Ratsuchende waren f*on ältere Schulentlassene, die entweder vor erneuter Berufswahl standen oder überhaupt erst in eine Berufsausbildung eintreten wollten. Zwölf Knaben, welche die Berufsberatung in Anspruch nahmen, stehen unter Jugendfürsorge. — Zur besseren Feststellung-der wahrscheinlichen Berufseignung wurden 18 Knaben und 6 Mädchen einer
Goethes Mutter.
3u hrem 200. Gebur Stage.
Don Ernst Liffauer
Wielmrd schreibt: „Ich hab' inzwischen von Frau Aja einen großen Brief erhalten, der mich auf etliche Tage guter Laune gemacht hat. Es geht in der Welt nichts über die Weiber von dieser Art, um sich von Poeten und Propheten gefangen nehmen zu lassen... Frau Aja ist die Königin aller Weiber, die Herz und Sinnen des Verständnisses haben." So wirkten die Briese der Frau Rat überhaupt, und so wirkte ihre Person: ihre Erscheinung, ihr Stehn und Gehn, ihr Dasein machte die Menschen froh. Goethe verdankte feiner Mulle* viel mehr als „die Frvhnatur" und „die Lust zum Fabulieren": man muß zumindest diese Worte in weit tieferer Bedeutung erfassen, als es gemeinhin geschiehll Gr empfing von der Mutter die lebendige Kraft des Bmtes. den Sturm und Drang, wie ihn der Vater die ordnende Kraft vererbte, welche diese Mächte dämmte und bannte. Als die Mutter ihr zurief, daß der schwergeborene Knabe, der zu sterben schien, lebe, da, so erzählte ftc Bettina von Arnim noch in ihrem fünfund- siebzigsten Jahr, „da erwachte mein mütterliches Herz und lebte seitdem in fortwährender Begeisterung bis zu dieser Stunde!" In diesem Satz sind eigentlich die mittelsten Kräfte ihrer Ratur enthalten: das mütterliche Herz, die fortwährende Begeisterung. Goethe, der immer das Wesentliche sieht, bemerkt in der „Aristeia der Mutter", wie in ihr „das allgemeine Muttergefühl gegen einen Sohn, gegen ihren Erstgeborenen, sich in eigentümlicher Weise hervortat": sie ist ein Urbild der Mütterlichkeit. Goethe und seine Freunde haben das schon früh empfunden, sie gaben ihr den *21 amen „Frau Aja", nach der Mutter der vier „Haünonskinder" in dem deutschen Volksbuche.
Eine überströmende, ausstrahlende Ratur. „Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten", heißt es bei Goethe: ihre große Tat ist, daß
sie diesen Sohn geboren, erzogen, wohl auch in den Zwisten mit dem schwierigen Vater gedeckt bat; Lust und Liebe sind die Kräfte, mit denen sie ein volles, breites, noch jetzt nachleuchtendes Dasein lebt. Der geborene Briefschreiber ist oft ein heimlicher, ein unentfalteter Dichter ohne eigentlich gestaltende Kraft, und diese Frau Aja, ihre Briefe bezeugen es allenthalben hat ein gu.es Teil solcher dichtcrllch bildenden Kraft von Ratur mitbekommen. Als ihr Haus verkamt werden soll, schreibt sie an ihren Sohn: „Zweytens muh ich vor allen Dingen meinem Stand und meinen Würden gemäß ein Logic haben — daß ich mich in meinen letzten Lebens Jahren nicht zu guterletzt herunter sehe. Denn im 51 en Act soll ablautirt und nicht gepfeissen werden." Vor allem: sie hat Humor. Ein großer Teil ihrer Briefe spritzt und füttert von Lustigkeit, von ilebermut, der aus dem Geblüt stammt, das Lachen flieht ihr aus Herz und Wesen unmittelbar in die Feder. Briefe schreiben, fröhlich schreiben, das ist ihr wie Atmen und Sprechen, und ein großes Teil ihrer Bilder und Gleichnisse, Berichte und Erzählungen glänzt von der Heiterkeit ihrer Ratur. Drei Zentner Papiere hat sie durchsucht: „Hercules mistete einmahl einen Stall aus, und wurde vergöttert — gemistet habe ich — aber mit der Vergötterung Wils noch nicht so recht fort."
Lind sie kannte sich, ihren Wert, ihre Kraft, öfters spricht sie von sich, ganz unbefangen, völlig naiv: „Doch da mir Gott die Gnade gethan, daß meine Seele von Jugend aus keine Schnürbrust angefriegt hat, sondern daß sie nach Herhens lüft hat wachsen und gedeihen, ihre Aeste weit ausbreiten können u. s. w. und nicht wie die Bäume in den langweiligen Zier Gärten zum Sonnensächer ist verschnitten und verstümmelt worden: fo fühle ich alles was wahr, gut und brav ist. mehr als villeicht Tausend andre meines Geschlechts." Tumult hat fie in sich, Ungeduld. Leidenschaft vibriert in ihr. Als Goethe seinen Besuch ankündigt, schreibt sie ihm in aller Freude diese weisliche Rachschrift: „Well aber deine Vorsätze sich öffters wunderbahr verändern .. , fo lasse mich ja nicht vergeblich warten — so waS Ian ich durchaus nicht vertragen." Lind fo gebt
psychologischen Eignungsuntcrsuchung. sowie acht Knaben und fünf Mädchen einer besonderen ärztlichen Untersuchung unterzogen. Auf ausdrücklichen Wunsch von Arbeitgebern sind neun Knaben und fünf Mädchen auf ihre voraussichtliche Berufstaug- lichkeit begutachtet worden. Die 129 männlichen Ratsuchenden äußerten 51, die 88 weiblichen 21 verschiedene Berufswünsche. Verhältnismäßig am Meisten begehrt sind bei beiden Geschlechtern immer noch die kaufmännischen Berufe. Alsdann kommt die große Zahl derjenigen Knaben und Mädchen, die überhaupt nicht wissen, was sie werden sollen. Be- sonders bevorzugt wurden von Knaben noch die Berufe des Elektrikers, Autosch'ossers, Malers und Weißbinders, auch Schuhmachers und die Lebensmittelberufe, Metzger und Bäcker, von den Mädchen vor allem der Beruf der Schneiderin. Im allgemeinen sind infolge des schwach m Lehrstellenmarktes die geäußerten Berufswünsche nicht immer recht beständig. Aus Angst, keine Lehrstelle zu bekommen, ändern viele Jugendliche allzuleicht ihre Berufs- wünsche.
Neue offene Lehrstellen kamen 47 zur Anmeldung, 39 für Knaben und 8 für Mädchen. 38 Knaben und 5 Mädchen konnten in Lehrstellen vermittelt werden. Wegen der schlechten Wirtschaftslage halten viekd Ar beitoeber immer noch mit der Lehrstellenanmeldung zurück. Rur für Schmiede-, Schreiner und Schneider lehrstellen ist das Angebot größer als die Nachfrage.
In den Außenbezirkssprechstunden (Friedberg Bü, dingen, Alsfeld, Lauterbach und Schotten) fanden 92 erft" und mitherholte Deratunoen für männliche und 71 für weibliche Ratsuchende stift Zwölf Knaben und ein Mädchen wurden in Lehrstellen vermittelt.
Oberhessen.
Landkreis Girtzen.
Y Watzenborn-Steinberg, 18. Febr. Der Kirchengesangverein hielt im Saale des Gasthauses „Zum grünen Daum" einen Fa- milicnabenb ab. Der Chor brachte mit gewohnter Sicherheit und Präzision einige Lieder zu Gehör und hinterließ damit den besten Eindruck. Der Ortsgei st liche hielt einen fesselnden Lichtbildervortrag über .Den Hur" (Die Tage des Messias). 3m zweiten Teil deS Abends schuf Lehrer Philipp mit seinen humorvollen Darbietungen die frohe Stimmung. Dem Leiter deS Chores, Finanz'ekretär Sommer, und dem Lehrer Philipp wurde der Dank des Vereins in besonderer Form zuteil.
(D ©rüningen, 18. Febr. Der Gesangverein „Eintracht" hielt am Sonntag fein diesjähriges Winteroergnügen ab. Die bargebotenen Chöre bewiesen, daß der Verein gesanglich auf beachtlicher Höhe steht. Im Mittelpunkt des Abends standen vier Theaterstücke, die mit viel Sorgfalt aufgeführt wurden und großen Beifall fanden. Die Hauskapelle des Vereins unter der bewährten Leitung des Kaufmanns Ferdinand Heß bestritt den musikalischen Teil der Veranstaltung. Frohe Geselligleit und Tanz beschlossen den Abend.
wr. O d e n h a u s e n , 18. Februar. Der hiesige Kriegerverein veranstaltete bei Kamerad Bel- ling einen Familienabend. Die Kapelle Schweitzer leitete mit Musik den Abend ein, der Vorsitzende Weber begrüßte Mitglieder und Gäste und Kamerad Becker von Kesselbach hielt im Anschluß daran einen Vortrag über die mannigfaltigen Schönheiten des Rheines, der Mosel und der Nahe. Der interessante Vortrag wurde unterstützt durch eine Reihe schöner Lichtbiwer. Im weiteren Verlauf des Abends hielt der gleiche Redner eine kurze vaterländische Ansprache. Der übrige Teil des Abends wurde aus- gefällt durch musikalische Darbietungen der Kapelle, vaterländische Gedichtvorträge: Einzelgesänge und gemeinsam gesungene Volkslieder wechselten miteinander ab. Der Vorsitzende sprach dem Redner des Abends, dem Musillchrer Schweitzer und den übrigen Mitwirkenden den Dank des Vereins aus.
Q ©obclnrob, *8. Febr Der Radfcrhrer- Verein .Lieber Berg imb Tal" veranstaltete bei Gastwirt Schultheiß einen Theaterabend. Rach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden H. J ä g e r brachte der Chor drs Gesangvereins zwei Lieder zu Gehör. Das Programm brachte außerdem zwei lebende Bilder aus dem Radsport. Jm Mittelpunft des Abends stand die Aufführung eines dreiaktigen Lustspiels, das bei der guten Wiedergabe herzlichen Beifall auslöfte.
sie aus innerster Rotwendigkeit häusig ins Theater: „Bey meiner Lage, b:y der stille, die um mich herum herschk, ists nölhig, ists Wohl- that, wenn mir was vor die Seele gefielt wird, das sie aufzieht, in die höhe spant, daß sie ihre anziehende kraft nicht verlichrt." Lind so ist sie in ihrem Element, „wenn ich im Sturm, und Drang meines Herhens im Hamlet vor innerlichen Gefühl und Gewühl nach Luft und Odem schnappe".
Unu was hat diese Frau für ein sicheres menschliches Gefühl! Die Epieiwarenindustrie der Rcvv ulionszeit berferLgie wie Kanonen und Bleisoldaten auch kleine ©uillotinen, Goethe erbittet ein solches Ding von ihr, worauf sie schreibt: „Lieber Sohn' Alles was ich dir zu gefallen tbun Ian, geschieht gern und macht mir selbst Freude — aber eine solche infame Mordmaschine zu kaufen — das th-e ich um keinen preih — wäre ich Obrigkeit, die Verfertiger hätten an Halseißen gemußt — und die Maschine hätte ich durch den Schinder ofsendtlich verbrennen laßen — was! die 3 '.endt mit so etwas abscheuliches spielen zu 1 jen — ihnen Mord und Blutvergießen als einen Zeitvertreib in die Hände geben — nein, da wird nichts draus." Dor allem aber: sie fühlte, was Christiane für ihren Sohn bedeutete. Goethe scheint sich bei einem Besuch mit ihr über seine Geliebte ausgesprochen zu haben, und fortan erkennt sie seine ungetraute Hausgenossin als Tochter an. Sie unterzeichnet sich „Ihre Freundin" und „Dero treue Freundin und Mutter Goethe". Ja, die vornehme Frau Rat läßt sich von der illegitimen Schwiegertochter besuchen. Es ist ihr genug, „daß mein Hätschelhanb vergnügt und glücklicher als in einer fatalen Che ist". Bei allem Unterschied der Bildung, der seelischen Ebene: die Daturen der beiden Frauen, von Goethes Mutter und Goethes Frau, verstanden sich, zogen sich an. Und während die Weimarer Gesellschaft Christ anens Tanzlust bekrittelt, schreibt die einundsiebzigjährige Rätin: „Sanken Sie immer liebes Weibgen. Tantzen Sie — fröüge Menschen die mag ich gar zu gern — und wenn sie zu meiner Familie gehören, habe ich sie doppelt und dreyfach lieb." Ein Prachtkerl, diese Frau, Ratur durch und durch!
Ein flotter Einakter und Tanz beschlossen btt Veranstaltung.
- Grünberg, 18. Febr. Bei der dritten Holzversteigerung im bic.igen Stadtwal de waren die Preise auf der gleichen Höbe wie früher. Die Durchschnittspreise für Vacheirholz waren folgende: Scheiter 12 Mk., Knüppel 9 ML. und Stöcke ob re Warze. 9 Mk. je ein Raummeter. Duchen-Knüppelrnsig w„r e je nach Güte n.i. 1,50 bis 4 Mk. pro Raummeter bezahlt.
L Donnenroth. 18. Febr. Die Zimmermeister-Zwangsinnung Stadt- und Landkreis Gießen hielt hier eine Innungsversammlung ab. Rachdem Obermeister Rinker (Ronncnrothl üt*r die allgemeine wirtschaftliche Lage und die Rot im Zimmerhand- werk gesprochen hatte, berichtete Geschäf Obrer Kirchner iGießen) über die Tätigkeit der Innung im abgelaufenen Jahre. Der Rechenschaftsbericht zeigte eine Einnahme von 572,95. eine Ausgabe von 649,61 Mark. Der in Ginn ahnte und Ausgabe mit 625 Mark abschließende Voranschlag wurde genehmigt. Bei den Wahlen tourte Obermeister Rinker to’.ebcrg wählt, a s Vorstams.nitglied tour Je Zimmermeister Lemin c r (Mainzlar) neugewählt. In der Aussprache wurde auf die WicqtigkKt der Belebung deS Daumarltes und die Rotwendigkeit der Sicherung der Bausorderungen hingewiesen. Auch die durch die starke Arbeitslosigkeit überhandnehmende Schwarzarbeit und ihre Auswirkung auf das selbständige Handwerk wurde einer eingehenden Besprechung unterzogen.
Krcis Schotten.
# Freienseen, 16. Febr. Am Samstag hielten der G e s a n g v e r e i n und der Turnverein gemeinsam einen Familienabend in der Turn. Halle ab. Die Veranstaltung verlies in bester Stimmung. Die Kapelle Hö ge 1 (Laubach) bestritt den musikalischen Teil. Der Gesangverein brachte unter der Leitung seines Dirigenten Lehrer Rorwig mehrere Chorlieder zu Gehör, die sehr beifällig ausgenommen wurden. Die aktiven Turner und Turnerinnen sowie die Jugendlichen fanden mit ihren turnerischen Darbietungen ebenfalls starken Beifall. Den Höhepunkt des Abends stellte eine Vorführung der Turner in bunten Kostümen dar. Zwei humorvolle Einakter, Gedichtvorträge und Tanz sorgten für weitere Unterhaltung.
Ober-Schmitten, 17. Febr. Der hiesige V f B. veranstaltete am vergangenen Sonntag an Stelle seines sonst üblichen Maskenballs einen Theaterabend, dcr überaus stark besucht war. Reben einem heiteren Einakter kamen zwei ernste Volksstücke zur Darstellung, die alle beste Wiedergabe sanden. Verdienter Beifall lohnte die Darsteller, die sich trefflich in ihren Rollen zurechtgefunden hatten.
Kreis Alsfeld.
I Kirtorf, 18. Febr. In einer Zusammenkunft der Vorstände aller hiesigen Vereine und des Gemeinderats wurde beschlossen, sich an der Gefallenengedenkfeier am kommenden Volkstrauertcvg sowohl im GedäHtniszvttesdienst, als auch am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof gemeinsam zu beteiligen. In diesem Jahre wird diese Feier erstmalig am allgemeinen deutschen Volkstrauertag gehalten, anstatt wie seither am Totensonntag. — In einer hiesigen Metzgerei konnte man in diesen Tagen eine angenehme Abwechselung auf der alltäglichen Speisekarte bemerken. Ein zweiundeinhalb Zentner schwerer Keiler wurde von Förster Leyerer aus Ober-Gleen aufgespürt und von Hil'S- förster Winter aus Wahlen mit mehreren« Treibern glücklich zur Strecke gebracht. Der Schwarzkittel war aus dem großen Romrödev Waldrevier herübergewechselt.
Kreis Lauterbach.
A Lauterbach, 18. Febr. Beim Rodelsport ereignete sich am Sonntagnachmittaa hier ein Unglürfsfall mit tödlichem aus« gang. Der 19 Jahre alte Schlossergeselle Karl Wolff, Sohn des hiesigen Weißbindermeisters Wilhelm Wolff sauste beim Rodeln mit dem Schlitten gegen einen Baum. Der Anprall war so heftig, daß der bedauernswerte junge Mann schwere innere Verletzungen erlitt und sofort dem hiesigen Krankenhaus zugefährt werden mußte. Er wurde alsbald einer Operation unterzogen, seine Verletzungen waren aber fo schwer, daß er am Montagabend leider verstarb
Sich selbst getreu bis zum Letzten: sie ordnet persönlich ihr Leichenbegängnis, bestimmt die Weinsorte, die Größe der Brezeln, mjt denen die Begleiter erquickt werden sollten. Llrbild eines Bürgerin, wie es Goethe in einem Briese an Zelter formuliert: „In jeder ihrer Zeilen spricht sich der Charatter einer Frau aus. die in alt* testarnentlichcr Gottesfurcht ein tüchtiges Leben voll Zuversicht auf den unwandelbaren Dollsund Familiengott zubrachte."
E!n neugefundenes Gemälde Dürers?
Dieses Gemälde stellt einen älteren bartlosen Mann von durgerssc^m Anziehen mit tcäft.g gebogener Rase, glatt über die Ohren herabfallendcm Haar mit breitem, braunem Pelzkragen dar. Es befindet sich in der Renyorker Galerie Bachstitz. Eine Gewalt des Stils tritt uns in diesem Bild entgegen, wie sie uns innerhalb der deutschen Kunst damaliger Zeit nur in Dürers Bildnissen begegnet. Die Größe und Schlichtheit der Anlage zeugen durchaus für Dürers Erfindung. Wenn fcstzustcllen wäre, roann und wo das Gemälde entstanden ist, wäre die Urheberschaft Dürers ohne Zweifel klarer. Bei dem auf der Rückseite der Holztafel befindlichen Wappenschild handelt es sich nach sachverständigem Urteil um das Wappen der ftaufbeurer Familie Hermann oder Hoermann. Es wird vermutet, daß dieses Bildnis eine Vorstufe zu Dürers großartigem Porträt des Kaisers Maximilian ist, das heute zu den Schätzen der Wiener Gemäldegalerie gehört. Die eingehende und interessante Begründung, warum dieses Gemälde Dürer zuzuschreiben ist, ist kennzeichnend für die lebendige Art, in der die bekannte Monatsschrift „Pantheon" (neuerdings mit dem „Cicerone" vereinigt: Verlag F. Bruckmann AG , München) kunsthistorische Dinge auch dem Laien in verständlicher Form näherbringt. In dem gleichen Heft werden zu den Werken Pieter Bruegels interessante Para.clea gezogen, die durch gute Abbildungen und Ausschnitte aus mehreren feiner Gemälde illustriert sind. Einen besonderen Schmuck erfährt das Heft durch das farbig wiedergegebene Bildnis einer Venezianerin, das als charakteristisches Werk des Dittore Carpaccio öob* gestellt wird,


