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Sreitag, 18. Dezember 1951

Eriche in > c, g Ii ch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte

Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche UniversttSlr-vuch- und Zteindruckeret R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.

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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.THyrioi, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biegen.

Billigung des Hoovenuoraloriums im Finanzausschuß.

Die erste Etappe. Große Mehrheit im Finanzausschuß des Repräsentantenhauses.

Vorbehalt gegen jede Schuldenstreichung.

Washington, 16.Dez. (WTV.) Der Finanz- ousfchuh des Repräsentantenhauses nahm das Hoover-Moratorium an und faßte dazu folgende Entschließung:

hiermit wird ausdrücklich erklärt, daß es der Politik des Kongreffes zuwiderläufl, irgend­welche Schuldenverpflichtungen aus­wärtiger Länder an die vereinigten Slaaten irgendwie zu streichen oder herabzusehen. In dieser Entschließung darf nichts als Anzei­chen einer gegenteiligen Politik ge­beutet oder als Ausdruck dafür aufgefaht werden, daß man zu irgendeiner Zeit einen Wechsel dieser Politik in wohlwollende Erwägung ziehen würde.

Die Annahme des Gesetzentwurfs erfolgte m i f 21 gegen 4 Stimmen. Der Mehrheit und der Minderheitsbericht werden noch heute abend ein­gereicht Am Freitag wird den ganzen Tag i m Plenuni des Repräsentantenhauses darüber be­raten werden, und man hofft, am Samstag­abend bie Abstimmung vornehmen zu kön­nen. Ob allerdings auch der Senat noch vor den Weihnachtsferien über den Gesetzentwurf abstimmen kann, ist zweifelhaft, da der gemeldete Zusatz gegen eine Herabsetzung der alliierten Schulden d i e Lage kompliziert hat.

Herold Tribüne" sagt in einem Leitartikel, daß Mac Fadden mit seinem Angriff auf Hoover jeden­falls sich selbst mehr Schaden getan habe als dem Präsidenten. Im übrigen treffe es allerdings zu, daß das amerikanische Volk e u r o p a = müde sei; Amerika denke, daß es s i ch bie Fin­ger verbrannt habe und daß es nichts mehr hören möchte, was nach Konzessionen klinge, son­dern sein Geld hoben und mit der ganzen Sache fertig fein wolle. Diese Haltung sei ver­ständlich, helfe aber zu wenig zum besseren Ver­ständnis der Tatsachen, deren erste und wichtigste die sei, daß ein großer Teil der deutschen Reparationen nicht einziehbar und infolgedessen auch bie Kriegsschuldenzah- lungen ber Alliierten unmöglich seien.

3n Bafel.

Tie Berichte der Ausschüsse.

Basel, 17. Dez. (WTB.) Eine Bollsitzung des Beratenden Sonderausschußes nahm heule abend bie Berichte der Unterausschüsse ent­gegen. Der Bericht des Statistischen llnteraud- schusses kommt zu der mit allein Borbehalt ge­machten Feststellung, daß Deutschland aus Aus - londguthaben im Jahre ll.32 etwa 300 bis 400 Millionen Mark Einnahmen zieht. Die Derzinsungs- und Tilgungslast der ausländischen lang- und kurzfristigen Anlagen in Deutschlono wird bei dem gegen­wärtigen Zinssätze mit 1600 bis 1850 Millionen Mark für 1932 beziffert. Die deutschen Gut- haben im Auslande, ohne das sogenannte Fluchtkapital, werden mit 8 4 Milliarden, wie be­reits für Juli ermittelt, angegeben. 3n dem Bud» getbericht werden namentlich die großen An­strengungen hervorgehoben, die Deutschland insbesondere in der jüngsten Zeit macht, um den Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Besonders erwähnt wird die starke Kürzung derBeamtengehälterimletzen Jahre D e zur Tilgung der schwebenden Schuld geplanten Maßnahmen werden als besonders schwere Belastung in der jetzigen Krisenzeit anerkannt, gleichzeitig aber auch betont, daß es wichtig sei, denjenigen Teil der schwebenden Schuld jetzt abzutragen, der aus Fehlbeträgen früherer Haushalte entstanden sei. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt, in der voraussichtlich ter Bericht des Reichsbahnunfer- ausschusses behandelt wird.

Sir Malter Sagten, der das eigentliche Gut­achten versaht, nachdem der Redaklionsausschuß bie Grundlinien des an bie Regierungen und die DIZ abzugebenden Berichtes festgelegt hat, arbeitete fast den ganzen Donnerstag über an der Fertigstellung des Entwurfs. Es verdichtet sich mehr und mehr bie Auffassung, daß ber Bericht von befonberen Empfehlungen hin­sichtlich der lün tigen Gestaltung ber Tributpolitik absehen und dies ber fommenben Kon­ferenz ber Regi.rungen überlassen wird.

Günstiger Verlauf der SNUHalteverhandlungen?

Gründung einer TreuhandgefeUschaft.

Berlin, 17. Dez. (TU.) Wie bie Telegra- phen-Union von besonderer Seite erfährt, neh­men bie Berliner Stilchalteverhanblungen einen nicht ungünstigen Verlauf. Sie steuern auf ein Kompromiß zwischen bem bekannten Vorschlag Francquis und dem von Geheimrat Schmitz zu. Die Entscheidung dürfte schon in allernächster Zeit sollen. Man kann also wohl damit rechnen, bah eine Treuhandgesellschaft ge­gründet wirb, der bie Gläubige r ihre Forderungen übertragen werben. Die deutschen Schuldner werden bann innerhalb von 10 Jahren ihre Schulden an diese

Treuhandgesellschaft in gleichen Jahres­raten zurückzahlen, während bie Gläubiger von ber Treuhandgesellschaft Bonbs erhalten sol­len, bie sie toieberum bei ben Banken ihres Lanbes biskontieren können, um in ben Besitz von Dargelb zu kommen. Aus­genommen von biefer Regelung sollen jeboch bie Rembours-Krebite werben.

Frankreich sperrt sich gegen den Import.

Paris, 17- Dez. (WTB.) Ministerpräsibenk Laval toanbte sich in einer Ansprache vor ber Vereinigung bes französischen Kleinhandels mit Rachbruck gegen eine üeberflutung des französischen Marktes mit aus- ländischen Erzeugnissen, zu ber bie Kaufkraft, sowie bie Zahlungsfähig!! unb auch bie

Stabilität ber Währung Frankreichs gerabezu herausfordere. Um die durch diese Massenein­fuhr gefährdete Wirtschaft zu schützen, habe Frankreich, da erhöhte Zollsätze keine genügende Schranke für die Einfuhr bil­deten und sogar durch Preissteigerung auf dem inneren Markte die Krise verschärften, zur Me­thode der Kontingentierung gegriffen, die allein eine rationelle Ueberwachung ermög­liche und trotz der Proteste des Auslandes unerläßlich sei. Laval wies auf die günstigen Ergebnisse dieser Politik hin unb betonte zum Schluß, bah gewissenhafte Beob­achtung ein gegangener Verpflich­tungen Voraussetzung für bie Sicherheit im Privatleben unb in ben internationalen Be­ziehungen sei

England fordert eine endgültige Regelung.

Die Antwort auf die französische Reparationsdenkschrist.

Landon, 18. Dez. (WTB. Funkspruch.)Times" glaubt, über den Inhalt der britischen Ant­wortnote auf die französische Repa- rationsdenkschr ist mitteilen zu können, daß die Rote bie Lage In Deutschland als Schlüssel der europäischen Krisis ansieht; ihr zu begegnen, mache die britische Regierung sich die Argumente zu eigen, die dafür sprechen, Deutsch­land in die Lage zu bringen, seine kur ; sristi - gen Anleihen z u bezahlen. Um die Wege Zu bezeichnen, auf denen das Problem gelöst wer­den könne, werde der Wiggin-Berichl angeführt. Die britische Rote soll sich auch mit der französischen These befassen, daß die Reparationsschulden einen Ueberschuh zur Bezahlung der Kriegs­schulden abroerfen müßten, würde dieser Grund­satz akzeptiert werden, dann würde Frankreich unter Umständen nur in eine Herabsetzung der Repara­tionszahlungen um einen solchen Betrag einwilligen, der Frankreich oon feinen Schulden erlassen wird. Ein solches verfah­ren würde Frankreich einen neuen vorteil bringen.

In der Rote soll bei der Erörterung der wirt­schaftlichen Lage Deutschlands als ein neu erschei­nendes Argument daraus verwiesen werden, daß Deutschland während der letzten Jahre durch A n - leihen aus Großbritannien am Leben erhalten und in den Stand gesetzt würde, Reparationszahlungen ; u tei­lten und eine günstige Handelsbilanz zu erzielen. Großbritannien habe einen gewaltigen Teil der wirtschaftlichen Lasten des übrigen Europas aus feiner eigenen Tasche bezahlt. Allein

Großbritannien sei nicht mehr imstande, sich eine solche Politik leisten zu können. Die Rote betone die Dringlichkeit des Kriegsschulden- und Repa­rationsproblems und fordere nachdrücklich eine endgültige Regelung, vorübergehende und halbe Maßnahmen genügten nicht mehr.

England

Hai die Reparationen satt.

London, 18. Dez. (WTB. Funkspruch.)Fi­nancial Rews" führt in einem Leitartikel aus: Wenn die Aeußerungen im amerikanischen Kon­greß einen Schluß aus die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten zulassen, so wäre man in Amerika entschieden gegen eine Verlän­gerung des Hoover-Moratoriums. Wenn das richtig ist, dann muß das richtig und unzwe d.'utig gesagt w rden, daß die ameri­kanische Oessentlichte t überhaupt keine Fühlung mit den Tatsachen hat. Jeder neue Tag deutet immer dringender auf die Rot­wendigleit nicht nur einer Verlängerung des Moratoriums, sondern auch einer radikalen Reduktion der Reparationen und Kriegsschulden hin."

Sir Walter Garton, Redakteur desEco- nomist" und Mitglied des Baseler Sonderaus­schusses, soll nach einem Bericht derJournee Industrielle" gestern dem Leiter einer großen Fabrik folgendes erklärt haben: England h a t bie Reparationen satt. Wir werden das Pfund S.erling solange nicht ft ab ilifie- ren, solange die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas durch den Druck der Repara­tionen paralysiert wird.

Aalien und Amerika nicken zusammen.

Das Ergebnis des Grandi-Besuches in Washington.

Genf, 17. Dez. (TU.) In einer römischen Meldung derReuen Z ü richer Zeitun g", die hier ein gewisses Aufsehen erregt hat, wer­den interessante Mitteilungen über das bisher streng geheim gehaltene Ergebnis der Ver­handlungen Grandis mit der ameri­kanischen Regierung gemacht. Danach soll eine Annäherung zwischen Rom und Washington zustande gekommen sein, wie sie in diesem Maße noch nie zuvor zwischen den Vereinigten Staaten und einem europäischen Staat bestanden habe. Der italienischen Regie­rung sei eine weitgehende finanzielle Hilfe Amerikas zugesagt worden, falls Ita­lien in Zukunft Mittel brauche, um seine Wäh­rung und seine Industrie zu stützen. Die italie­nische Regierung habe sich ihrerseits völlig die amerikanische Auffassung über den Vorrang der Privatkredite Deutschlands vor den Tributzahlungen zu eigen gemacht. Ferner soll die italienische Regierung in Wa­shington eine bedeutende außenpolitische Rückenstärkung erfahren haben, so daß sie lauter denn je die bekannte Forderung auf Revi­sion der internationalen Verträge geltend mache. Hieraus könne gefolgert werden, daß die dem Ministerpräsidenten Laval in Washington angeblich eingeräumte freie Hand in den europäischen Angelegenheiten nur Pa­pi e r w e r t habe. Die amerikanische Bundes­genossenschaft könne ein neues unvorhergesehenes Kapitel in der weiteren politischen Entwicklung eröffnen, insbesondere, da Italien vorläufig sei­nen Erfolg keineswegs rücksichtslos oder unvor­sichtig auszunutzen gedenke. Die neue Betonung des faschistischen Revifi onismus stelle ein starkes Band zwischen Rom und Berlin dar.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Südamerika.

Gleiche Jmere.sen der Schuldnerländcr.

London, 17. Dez. (TU.) In Montevideo wurde am Mittwoch eine Wirtschaftstagung eröffnet, auf der Uruguay, Brasilien und Argen- tinien vertreten sind. Der Präsident oon Uruguay, Terra, drückte die Hoffnung aus, daß es den öiei Nationen gelingen werde, eine einzige wirr- schaftliche Einheit zu bilden, so daß Wett­bewerbe und wirtschaftliche Eifersüchteleien in Zu­kunft vermieden würden, damit der Weg zu einer neuen Wohlfahrt eröffnet werde. Die Verhandlungen werden sich zunächst auf gemeinsame Fragen der Er- zeuguirg und des Absatzes erstrecken. Man hofft, das Monopol der Fleischausfuhrfir- m e n zu brechen. Zolltarife stehen ebenfalls zur Erörterung, wobei man Verträge auf der Grund- löge gegenseitiger Meistbegünstigung im Auge hat. Endlich hoffen die drei Länder, die als Schuld­nerländer besondere gemeinsame Interessen hoben und dauernd neuen Schwierigkeiten bei Er­füllung ihrer finanziellen Verpflichtungen gegenüber, stehen, einen Weg zum gemeinschaftlichen Handeln in dieser wichtigen Frage zu finden.

Der BoikswirtsKastsplan der Sowjetunion für dasIahr 1932.

M o stau, 17. Dez. (Telegraphen-Agentur der Sowjetunion.) Der Beschluß des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion über die Kontrollziffern für das Jahr 1932 wurde gestern ver­öffentlicht. Der Beschluß schlägt dem Rat der Volks­kommissare vor, bei der endgültigen Festlegung der Kontrollziffern der gesamten Volkswirtschaft für 1932 von ver Notwendigkeit auszugehen, die Haupt- Wirtschaftszweige, vor allem Heizmaterial, Hüttenwesen und Maschinenbau, zu all-

feüiger Entfaltung zu bringen und dabei die voll­ständige Durchführung des Fünfjahresplanes i n vier Jahren, d. h. bis Ende 1932 im Auge zu haben. In Verbindung damit wird der Kapital­aufwand für die gesamte Volkswirtschaft mit 21 Milliarden Rubel gegenüber 16 Milliarden >m Jahre 1931 festgelegt, und zwar sind vorgesehen für die I n d u st r i e 10 700 Millionen Rubel gegen­über 8200 Millionen im Jahre 1931, für den sozia- listischen Sektor ber Landwirtschaft 4360 Mil­lionen Rubel gegenüber 3600 Millionen Rubel, für Eisenbahnen, Schiffahrt und Lufi­sch i f f a h r t 3300 Millionen Rubel gegenüber 2720 Millionen Rubel im Jahre 1931. Die Zunahme der industriellen Gütererzeugung soll im Jahre 1932 3 6 v. H. betragen gegenüber einer Zunahme oon 21 o. H. im Jahre 1931.

Aadowy vertritt Deutschland aus der Abrüstungskonferenz.

Berlin, 17. Dez. Das R e i ch s k a b i n e t t, das heute vormittag zu einer Sitzung zusammen­getreten ist, beschäftigte sich neben laufenden Ange­legenheiten auch mit der Zusammensetzung der deutschen Delegation für bie A v - rüstungskonferenz. Wie bie Blätter erfahren, dürfte ber b e u t f d) e Botschafter in ber Türkei, Nabolny, als Führer ber Delega­tion in Aussicht genommen sein.

Zum viertenmal Bundespräsident der Schweiz.

Bern, 17. Dez. (WTB.) Die Vereinigte Bundesversammlung bestätigte heute sämt­liche sieben Mitglieder der obersten Landesbehorde, des Bundesrates, auf die Dauer von vier Jahren und wählte zum Bundespräsidenten für 1 93 2 den Vorsteher des politischen Departements Bundesrat Dr. G. Mo 11 a , zum Vizepräsi­denten den Vorsteher des Volkswirtsch.rftsbeparte» ments E. Schu 11hes. Dr. Giufeppe Motta, der der katholisch-konservativen Partei angehört, hat dieses Amt vorher bereits dreimal inne gehabt. Er begeht am 29. Dezember seinen 60. Geburtstag.

Oie Oeutschnationalen lehnen die Notverordnung ab.

Berlin, 17. Dez. ($H.) In der Donners- tagssihung der deutschnationalen Reichstagsfrak­tion erstattete zunächst Dr. Obersohren Be­richt über die letzte Rotverordnung. Die Fraktion begründete dann ihre scharf ablehnende Haltung u. a. wie folgt: Die Notverordnung sei ein bisher nicht dagewesener unerhörter Eingriff in die Rechts- und Vec­tra g^ ve rh ä 11 n i s s e , sowie in die persön­liche Freiheit des einzelnen Staatsbürgers. Sie stelle eine offensichtliche Förderung st a a t s - sozialistischer und Planwirtschaft- licher Jdeengänge dar und bedeute gleich­zeitig eine unerhörte Lieberspannung der S t a a t s b ü r o k r a t i e. Wenn man die Einzel­heiten der Rotverordnung gegeneinander abwäge, komme im Endeffekt zweifellos eine starke Reu- belastung aller Stände heraus. Das Hilfswerk für die Landwirtschaft sei Stückwerk und zur Erfolglosigkeit verurteilt.

Freiherr von Frcvtagh-Loringhoven und Dr. Quaatz sprachen über die auhe npo-