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lässig ist (sog. unpfändbare Sachen). Dies bedeutet jedoch (zu vergleichen hierzu den § 9 der Reichsab­gabenordnung) nicht, daß zum Zwecke der Beitrei­bung von Steuern ohne weiteres in alle Gegen- stände vollstreckt werden kann, die nicht zu den un­pfändbaren Sachen gehören. Vielmehr ist stets, be­vor Vollstreckungcmoßnahmen ergriffen werden, forgfält g «bzuwägen, ob die Einbuße, die ein Steuerpflichtiger durch Vollstreckungsmaß- nahmen erleidet, in einem angemessenen Verhält­nis zu dem für den Fiskus zu erwartenden Doll- ftreckunasergebnis steht. Dies wird z. B. dann nicht der Fall sein, wenn zum Zwecke der Beitreibung eines Steuerrückstandes von beträchtlicher Höhe Gegenstände des Hausrats, ober Betriebsmittel ge­pfändet werden, deren Wert nur einen ganz gering­fügigen Bruchteil des Steuerrückstandes ausmacht, deren Versteigerung aber, obwohl es sich nicht um unpfändbare Gegenstände handelt, den Steuerpflich- tigen sehr empfindlich treffen würde. Wo bei An­wendung dieses Grundsatzes die richtige Grenze zu ziehen ist, wird nur von Fall zu Fall nach vernünf­tigem Ermessen beurteilt werden können. Leitender Gesichtspunkt muß dabei sein, daß unnötige Härten vermieden werden müssen. Daß jeder Gesichtspunkt nicht etwa dazu führen darf. Luxus- gegenstände, üppige Wohnungseinrichtungen, kost­bare Schmucksachen u. dgl. dem Zugriff des Voll- streckungsbeamten zu entziehen, bedarf keiner nähe­ren Ausführung."

Don den schon von Gesetzes wegen un pfänd­baren Gegenständen (ZPO. §811) seien er­wähnt: die Kleidungsstücke, Betten, Wäsche, Haus- und Küchengerät, die für den Steuerschuldner seine Familie und sein Gesinde auf vier Wochen erforder­lichen NahrungS', Feuerungs- und Beleuchtungs- Mittel oder soweit diese Vorräte auf zwei Wochen nicht vorhanden sind und auf anderem Wege nicht beschafft werden können, der hierzu erforderliche Geldbetrag, bei Handwerkern, gewerblichen Arbei­tern und anderen Personen, die aus persönlichen Leistungen ihren Erwerb ziehen, diezur per- n l i ch e n Fortsetzung der Erwerbs- tätigteit unentbehrlichen Gegen­ständ e". In letzterer Hinsicht entscheiden die Ver­hältnisse im einzelnen Fall! in der Praxis wird über die Arbeitsmittel hinausgegangen. Auch ein Fahrrad z. B., mit dem der Steuerschuldner zur Ar­beitsstätte gelangt, oder das er zur Belieferung fei­ner Kunden benötigt, kann dazu gehören.

Gegen zuweitgehende Maßnahmen des Finanz- amts ist Beschwerde einzulegen, über die das Landesfinanzamt entscheidet, der >edoch das Finanz­amt auch selbst obhelfen kann. Die Beschwerde ist grundsätzlich beim Finanzamt selbst einzureichen: eine Eingabe zugleich an beide Stellen kann in dringenden Fällen zweckmäßig fein.

Was die Versteigerung gepfändeter Sachen betrifft, so sind Zeit und Ort der Verstei­gerung öffentlich bekanntzumachen. Der Name des Steuerschuldners darf in der Bekanntmachung nicht angegeben werden, sondern lediglich Straße und Hausnummer, falls sich der Schuldner überhaupt mit der Vollstreckung in der Wohnung einverstan­den erklärt. Bon der üblichen öffentlichen Versteige­rung kann aber nach neueren ministeriellen Richt- Ilnien (P II/III 20 672;IIle 1743) auch abgesehen werden wenn es der Schuldner beantragt, ober wenn Zweckmäßigkeitsgründe es ratsam erscheinen lassen. Solche Gründe sind vorhanden, wenn auf einen kleinen Abnehmerkreis gerechnet werden kann, wenn Waren einen bestimmten Markt­oder Börsenpreis haben wenn zu erwarten ist, daß sich nur wenige Steigerungslustige finden usw. Zutreffendenfalls wird der Steuerschuldner beim Vorsteher des Finanzamts einen entsprechen- den, möglichst ausführlich begründeten Antrag stel­len. Dieser hat bann barüber zu entscheiden, ob die gepfändeten Sachen freihändig verkauft, oder durch einen privaten Auktionator versteigert werden sol­len, ob die Verwertung an einem anderen, für das voraussichtliche Ergebnis aünftigeren Ort vorgenom­men werden darf usw. unter Umständen kann er auch den Schuldner selbst ermächtigen, als Verkäufer aufzutreten und den Erlös nach erfolgtem Verkauf abzuführen. Bemerkenswert Ist noch, daß noch der Verfügung die Versteigerung größerer Warenposten nicht zu einer Schädigung des ortsansässigen Han­dels und Gewerbes führen darf.

3m Wirbel Chikagos.

Einfahrt in die tollste Stadt der Welt.

Don Heinrich Hauser.

Zweihundert Me len vor Chikago beginnen die Schilder der Hotelrek.amen. In der hundertfünzlg Meilenzone spürt man, wie alle Straßen sich nach Ehikago hin gufamme iVe^en. Hundert Meilen vor der Stadt begegnen mir die ersten Ehikagoer Po­lizeipatrouillen auf Motorrädern. Sie fahren im­mer zwei und zwei nebeneinander so gleicymäßig, daß sie auSsehen wie ein Fahrzeug. Eine Pa­trouille saust an mich heran, nimmt mich in die Mitte un im Fahren erklären sie mir ganz freundlich, ich wäre über den schwarzen Strich gefahren. Ich sollte das nicht wieder tun.

Hatte geplant, heute nicht biS nach Chikago zu fahren, sondern nördlich am Lake Michigan zu übernach.en. In Ken sha, sechz g Meilen nördlich, bog ich ab von der Hauptstraße, um Chikago zu umschleichen w c eine Katze den heißen Brei. Aber ich konnte nicht Haltmachen. Ich geriet einfach in den Sog der grojen Stadt, konnte mich nicht los- lösen au» der Jagd der Autokolonnen.

Don Äcnofba ab beginnt daS Aasen. In Vierer­reihen sausen die Autoloionnen nebeneinander, über die brc.ten Asphaltstraßen, die wie Aenn- bahnen sind mit er.pbten Kurven. Doppelte und dreifache Hochspannungsleitungen lau en neben der Straße her, und Schienen von Schnelloahnen, Straßenkreuzungen sind w e wecke Zcmentsclder mit enor . cn Tankstellen an allen vier Seien.

Dann kommen dreißig Meilen unbe­bautes Land: Bauplätzel Das Gelände ist schon ungeteilt, von S.raßen durchzogen, mit Aamenschildem versehen, aber daS Land ist wüst und leer. Die Spekulation hat den Boden an sich gerissen. Ackerbau lohnt sich nicht mehr.

Dorstai. t^äuser trop en voroei, dann zieht sich am Horizont b.e lange weiße Linie von Aeihen- baulcn, mit einem Male engen sich die Straßen wie Trichter, daS Tempo der Autokolonnen ver­langsamt sich, geht zurück von fünfzig auf dreißig Stuntenmeilcn. Die Bordsteine säumen sich mit re- parkten Wagen. Die erste Elektrische zerteilt die Fahrbahn, und nun ist alle« au-3 eingeklemmt hinter ihr, stoppend mit jeder Haltestelle geht die Kolonne ruckweise vorwärts.

Manchmal gelingt e« einer Wage, k tte, durch- »ubrechen. vorbei an c ncr schleudernden, dröhnen­den Sisenwand. aber nur, um sich IDO Meter vor- aus wieder hilflos hinter der nächsten Trambahn festzuklemmen.

Holland in der Krisis.

Sorgen des reichen Mannes. Oer Staat muß sparen. Oer Gulden zu 80 Prozent durch Gold gedeckt. Oie dänische Konkurrenz zwingt zu Schutz­zöllen. Kritische Lage in den Kolonien.

Don unserem r.-Derichterftatler.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Amsterdam, November 1931.

Die Weltwirtschaftskrise hat auch Holland nicht oer. schont. Dieses Land, desfen Neutralität während des Krieges sich so hoch bezahlt gemacht hatte, und das infolgedessen so wohlhabend wie wenige andere ge- worden war. ist eben keine 9n[eL 9m Gegenteil, die Tatsache, daß die Holländer ja vor allen Dingen Händler sind, die den Zwischenhandel zwischen England und Deutschland, Deutschland und Frank­reich und besonders den 9mport von Kolonialpro­dukten noch Europa pflegen, hat das Land emp- findlicher als manches andere treffen lassen. Doch werden die Schwierigkeiten Hollands im Auslande mißverstanden. Holland ist im Grunde ge­nommen durchaus gesund geblieben, und die Krisenzeichen, die sich auch hier bemerkbar machen, gehen nicht so tief daß deswegen etwa die ganze Wirtschaft bedroht sein könnte. Es sind, wenn man das so sagen darf, Sorgen des reichen Mannes, der eben in der Krise wie alle anderen auch Geld verliert und mit Recht darüber klagt.

Das Ueberraschendste für den Beobachter der euro. päifchen Lage ist vielleicht, daß Holland auch F i - nanzforgen hat. Die Einnahmen des Staates gehen eben auch hier zurück, weil der Umsatz der großen Handelshäuser kleiner geworden ist, und die Gewinne sich zum Teil verflüchtigt haben. Allerdings ist das Defizit des holländischen Staates nicht grog. Es beläuft sich nur auf etwa fünf Millionen Gul­den, ein Betrag, der durch einfache Einsparung von Sachousgaben hereinzuholen ist

Trotzdem hat man sich gezwungen gesehen, d i e Petroleum st euer z u erhöhen, so daß also auch hier die übliche Welle der Steuererhöhungen eingesetzt hat. Schwieriger ist hingegen die Frage zu beantworten, ob es hiermit sein Bewenden hat, da inzwischen neue Löcher im Staatssäckel entstanden sind, die in der Hauptsache durch die wachsende Zahl der Arbeitslosen hervorgerufen wer­den. Die Ausgaben hierfür sind bis jetzt gering, können jedoch im Laufe bcs Winters noch stark wachsen. Ebenso machen Städte Sorge. Eine Stadt wie Rotterdam hätte um ein Haar Ihre Zah­lungen einstellen müssen, und ist nur durch eine Hilfs, aftion der Regierung gerettet worden: Zustände also, die lebhaft an deutsche erinnern können.

Man kann es verstehen, daß diese Dinge zusammen mit dem englischen Pfundsturz zu Gerüchten geführt hatten, die wissen wollten, daß auch der Gulden bald entwertet werden würde. Das hat sich aber als falsch herausgestellt. Die Niederländische Staatsbank hat sich im Gegenteil rücksichtslos zur Goldwäh­rung bekannt und ist zur effektiven Goldwäh- rung übergegangen, ebenso wie es in Frankreich der Fall ist. sie hat Gold in großen Mengen a u f g e f a u f t und die Golddeckung ihrer Noten so erhöben können, daß diese fast zu 8 0 o. H. mit Gold gedeckt sind, also fast besser als das in Frankreich der Fall ist. Das ist erklärlicherweise nicht ohne Beunruhigung vor sich gegangen, war aber eben nur eine Vorsichtsmaßnahme, die sich daraus erklärt, daß Holland mit aller Energie an der Gold­währung festhält und eine Deflationspolitik betreibt. Etwas anderes würde ja auch der Stimmung der Bevölkerung nicht entsprechen. Der Holländer würde eine Regierung daoonjagen, die seine Ersparnisse und Vermögensanlagen entwerten ließe ...

Gerade das Festhalten am Golde aber ist ja auch geeignet, die handelspolitischen Schwierigkeiten der Holländer zu verschärfen, seitdem sich die Pfundkrise so stark bemerkbar gemacht hat. Goldpreise wirken eben für den Auslandabsatz hemmend. Holländisches Obst und holländisches Gemüse, bas ja schon schwer in Deutschland abzusetzen ist, wird nun auch immer schwieriger in England abzusetzen sein, während zu- gleich die dänische Konkurrenz (da Däne­mark die Krone dem Pfund hat folgen lassen) in Milch, Butter. Eiern und Fleisch sich unangenehmer

Es ist Aacht geworden, d e kreisenden Acklame- lichter von Kinos und Tanzhallen sausen vorbei, blenden in die Augen, und dann ist wieder schwarze Aacht: Keine Straßenbeleuchtung! Schatten tanzen in der Dahn der Sche'nwerser wie wirbelnde Mücken: Jungens, die RollsHuh lau'en, Kinder, die Ball spie'en. scharenweise, nicht ach­tend der Lebensgefahr, die sie ständig umgibt. Ich fuhr überwach und doch wie im Traum, über­staunt und überwältigt, alle paar Meilen hielt ich. fragte nach der City. »Immer gerade aus" hieß es.

Kam durch Straßen, geschmückt mit wehenden Flaggen, gebadet im Scheinwerferlicht, durch Straßen mit Girlanden von Glühlampen und dann wieder durch Straßen mit schwarzen Schächten. Blickte nach dem H mmel, sucht: den roten Schein über dem Zentrum jeder großen Stadt. Aber der Himmel blieb dunkel und blau. Dann kam eine Reihe von jähen Stößen, die mich säst aus dem Wagen warfen, das waren die Löcher neben den Trambahnschienen, in den Zement gemahlen von dem Strudel der Räder, mörderisch wie Fallgru­ben und unsichtbar. Ich bewachte die Schluß- laierae dcS WagenS vor mir. sein Aummerschiid, seine schnappenden Federn. Aus dem Tanz der Federn suchte ich die Löcher zu erraten und zu umfahren.

AIS ich dachte, sie käme nie, da wuchs auf ein­mal die City vor mir auf. Ein Gewitter von blitzartigen, tollen Ausblicken. Durch das Gitter­werk hallender Brücken schossen die Wolkenkratzer in den Himmel wie Lanzen. Einige waren weiß angcstrahlt von Scheinwerfern, andere schwarze Schatten, aber alle waren sie gekrönt vom Licht: strahlend« goldene Türme, grüne Kuppeln, blaue Kuppeln, rote Lichtbahnen im Himmel kre-send. Die Straßen schienen zu wandern, bedeckt mit Autodächern. Derkehrspolizisten auf tänzelnden Bferden schienen die Wagenströme anzusaugcn wie Magneten und schleuderten sie mit heiligen Bewe­gungen von sich ab. AuS schrägen Tunnels un­ter der Erde krochen Trambahnzüge. Ich tauchte ein in ein feierliche-, hallendes Dröhnen. Die Stimme Chikagos.

Mitten in dem Gewitter der Derkchrslichter schrie ein Polizist mit etwa- zu: Ich durste nicht weitersahrcn, trotz grünem Licht. 3m gleichen Augenblick fuhr der Hintermann krachend in mich hinein. Ich verlor den Kopf, bog rechts unter die Bogen einer Hochbahn. DaS Dröhnen der sausen­den Züge stürzte wie ein Hammerschlag auf meinen Kops. Elektrische Bahnen und Auto- schienen von allen Seiten auf mich loSzustürzen, ein Staub­

bemerkbar macht Werben doch dänische Produkte sogar in Holland selbst billiger verkauft als die ein­heimische Ware. Die holländische Landwirtschaft be­ginnt daher schwer zu leiden und fordert von der Regierung energischere Maßnahmen, um zumindest die Einfuhr aus Ländern zu drosseln, die durch ihre Währung bevorzugt sind. Diesem Druck hat die '.Re­gierung denn auch nicht widerstehen können. Sie hat ein Gesetz erlassen, bas bestimmte 3oU ton fin­gen te für die Einfuhr von solchen Waren vor­sieht: ein Beweis dafür, baß man auch im sreihand- 1 «rischen Holland nicht mehr ohne Schutzzollgefetz- gebung auszukommen glaubt So sehr ändern sich eben die Zeiten!

Doch haben die Holländer noch größere Soraen, die aus der Wirtschaftslage ihrer Kolonien her- rühren. Die Kolonien sind ja Rohstosfprodu- z e n t e n , die also unter der Weltwirtschaftskrise am allerschärfsten leiden. Dor allem leiden die Produ­zenten von Gummi, Kaffee, Kakao, Petroleum und Jute unter den niedrigen Preisen aufs schwerste, da sich zu den gegenwärtigen Weltwirt­schaftspreisen eben kaum wirtschaftlich mit Verdienst arbeiten läßt. All die großen holländischen Handels­gesellschaften sind gezwungen, ihre Kapitalreseroen einzusetzen, nur um sich halten zu können. Bisher ist das zwar gut gegangen, und große Pleiten sind ver­mieden worden^ doch ist kaum daran zu zweifeln, daß sie doch noch eines Inges kommen können. Zeigt doch z. B. der Effektenmarkt, wie stark das Publikum heute bereits feine guten nationalen Papiere unterbewertet. Hier liegt ja überhaupt mit der empfindlichste Punkt in Holland, da der Holländer fein im Handel mit England, Frankreich und Deutschland verdientes Geld Aum großen Teil in nationalen Papieren, d. h. eben in Kolonialaktien, anzulegen pflegte. Dazu kommen betrübliche Nachrichten über ein Fortfchreiten der kommunistischen Propaganda in den Kolonien, die natürlich angesichts der wirt­schaftlichen Schwierigkeiten auch politisch nicht ganz so leicht zu regieren sind wie bisher. Was soll aber werden, wenn auch diese letzten Reserven der Hol­länder angeknabbert werden?

Die ganze Hoffnung der Holländer richtet sich daher darauf, daß die Dinge in Europa sich wieder bessern, b. h. man hofft eben auf bie Englän­der und Deutschen, wobei natürlich bie größte Sympathie denEngländern gehört. Deutsch, freundlich ist der Holländer ja nie gewesen, und an gewissen Erscheinungen der deutschen Wirt­schaft glaubt er eben besonders herbe Kritik üben zu dürfen besonders jetzt, wo er selbst von den Aus- Wirkungen betroffen wird. Aber darüber sollte man in Deutschland doch nicht vergessen, daß bie Hallänber jedenfalls zu den wenigen Leuten gehören, die sich ihre wirtschaftliche Vernunft nicht durch politische Er­wägungen haben trüben lassen. So sehr sie auf deutsche Zölle und deutsche Devisenverordnunnen schimvfen mögen in einer Frage gehen sie Zweifel- los mit uns durch d i ck und dünn: Das ist die Tributfrage. Wenn iraendwo ein Land er- könnt hat. baß nur die restlose Beseitigung der Tributzahlunnen die Weltwirtschaftskrise zu stoppen vermag, so ist bas in Hollanb ber Fall, bas ja vom Handel lebt. Daß bie Tribute ben Welthandel ruiniert und bas Pfund geworfen haben diese Er- fenntnis braucht man in Hollanb nicht erst zu n-*r- breiten. Sie ist wohl Allgemeingut der Massen. Man verfolgt hie deutsche Entwicklung mit einem gewissen Wohlwollen, soweit eben ein Holländer überhaupt für ben Anoebörigen eines fremden Staates ein der­artiges Gefühl aufzubringen vermag. Auch der Aus­länder bekommt das von den Holländern gern und deutlich zu hören, wie ja überhaupt ein Teil des Meinungsumschwungs in England, wo so viele Söhne Hollands in prominenten Stellungen sitzen, imeifellos auf holländische Einflüsse zurückzuführen ist. 3n Holland also hat bie Krise zuminbest für uns ein Gutes gehabt. Sie hat viele von den alten Dor­

sturm fegte den Tunnel entlang: Krach, sah ich mit dem Wagen an einer Eisensäule. Das Merkwürdige beim Ford ist, daß feine eigene Leichtigkeit die Wucht der Zusammenstöße mil­dert. Die Stoßstangen tun den Rest, und so war dem Wagen nicht viel geschehen. Das zweite Merkwürdige ist, daß kein Mensch aus einer sol­chen Sache in Chikago etwas macht. Aach einer Schreckenssekunde fuhr ich einfach weiter, schüttelte mich wie ein Hund, der aus dem Wasser kommt.

Dann stockte der Verkehr in einer der tiesstcn Straßenschluchten. Es verstummten die hundert schrillen Polizistenpseisen und alle Lichter standen auf Rot. In langsamer Fahrt kamen Autobusse gefahren, zehn, zwanzig, fünfzig. Ihre Dächer waren bedeckt von Menfchen und alle diese Men­schen fangen. Auf jedem Dach stand ein Diri­gent: alle Dirigenten vollführten die gleichen Be­wegungen im Takt und alle Menfchen sangen im Takt: Aecker voll schwarzer Gesichter mit ausgc- rissenen Mündern, weihen Zähnen, und die Luft voll ungeheurer Laute. Diele hielten Megaphone an die Münder. Sie feiern eine Festwoche in Chikago, dreitausend Heger-Sänger fahren hier durch die Stadt. Gedrängt voll Menschen sind die Straßenränder, alle Gesichter auswärts ge­richtet, übcrtan)t von den Lichtern der Reklame. Wie Wogen schreben sich die fahrenden und gehen­den Menschen aneinander.

Kostbare Druckfehler.

Das teuerste Buch der Literatur der letzten 100 Jahre ist zweifellos die (Erftaucgabe derPickwick Papers von Dickens, und zwar öie vollständige Serie der 20 Originallieferungen, die alle 14 Tage zwischen dem April 1836 und dem November 1837 erschienen. 1929 wurde für ein gut erhaltenes Exem­plar auf der Kern-Derstelgerung in Neuyork die Summe von 130 000 Mark gezahlt. Die große Sel­tenheit dieser Lieferungsausgabe liegt vor allem darin, daß von den ersten 3 Heften nur 400 St ck gedruckt wurden. Erst als mit dem 4. Heft der ur­komische Sam Weller seinen Einzug in bas Reich Pickwicks hielt, da setzte der groß« Erfolg em, der nun zu einem regen Neudruck der 3 ersten Lieferun­gen führte. Eineabsolut erste" Ausgabe ist aber wohl nur die, die die 3 ersten Lieferungen wirtlich im Erstdruck enthält. Es ist dem unermüdlichen Elser mancher Sammler gelungen, die Lieferungen, die Ihnen npd) fehlten, bei langjährigem Suchen auf- zutreiben aber ein solches Exemplar wird nie jenen höchsten Wert darstcllen, den ein von Anfang an zusamengehöriges Stück besitzt. Es ist eine ganze

Heilungen beseitigt und die Atmofphäre oeretnlgt Wird man es in Deutschland verstehen, diese Loge zu nutzen und sich den Holländer zum Freund zu machen?

Oberhessen.

Landkreis Wieweit.

= Lang-GönS, 17. Aov. In ben letzte, Wochen wurden in unserer Gemeinde jur Linde»! rung der Aot mehrere Sammlungen ver­anstaltet, die einen recht guten Ertrag brachte*! und dem Opfersinn unserer Bevölkerung ein : schönes Zeugnis auSstellen. Für die Anstalten m , Bethel wurden 100 Zentner Kartoffeln, ebenso! für Arnsburg 30 Zentner Äartof ein und 20 Zent» | ncr Gemüse gesammelt. Für Aieder-Ramstadt 1 (Epileptiker-Anstalt) kamen 35 Zentner Obst zu­sammen, außerdem für eine besondere Sammlung 160 Zentner Kartoffeln. Für die WinternothilfoZ gingen ein: 98 Zentner Kartoffeln, 71 Körbe Ge­müse, 40 Körbe Obst, 6 Pfund Hülsenfrücht^ ] 19 Pfund Mehl, 19 Pfund Fleischwaren, 17 Pfund j Fett und 22,50 Mark bar. Sin Teil wird für die hiesigen Bedürftigen verwandt, der Hauptteil j aber wird der KreiSsürsorge zur Verfügung ge­stellt werden.

-r Grünberg. 17.Aov. Am vergangen« Samstag sand hier die Gesellenprüfung ihren Abschluß An zwölf Lehrlinge, die sich mit Erfolg der Prüfung unterzogen, konnte der Ge­sellenbrief ausgehändigt werden. Es waren dies ein Zimmermann: Reinhard Schmidt, Lauter; drei Maurer: Richard Kühn, Lindenstruth, Aug. Ellrich und Karl Stamm, Groß-Eichen: zwei Weißbinder: Emil H o r st, Aieder-Ohmen, und Albert Schmidt, Lauter: zwei Schlosser: Hein­rich Feldbusch, RüddingShausen, und Rudolf D i e r h e 11 e r, Flensungen: ein Spengler und Installateur: Karl Dörr, Lehnheim: ein Schrei­ner: Wilhelm Bork, Groß-Eichen: zwei Metzger: Rudolf Merkel, Elpenrod, und August Reitz, Aieder-Ohmen. Die äleberreichung der Gesellen­briefe erfolgte durch den Vorsitzenden des Prü­fungsausschusses, Lehrer Wenzel, und den Vor­sitzenden des Ortsgewerbevereins, Fabrikant Heim rieb Schmidt II.

X Rabertshausen, 17. Aov. Das am Sonntag abgehaltene Erntedankfest, das von den hiesigen Gemeindegliedern, wie auch von auswärtigen Gästen stark besucht war, nahm einen schönen Verlaus. Mehrere zweistimmige Chordar- bietungen, ein Srntefestspiel. Gedichtvorträge und Einzelgesänge unterhielten die Zuhörer. Im Mit­telpunkt der Veranstaltung, die auf Veranlassung von Lehrer Roth stattfand, stand eine sinnvolle Grntefestbetrachtung.

Hl reis Friedberg.

Pb. Butzbach. 17. Aov. Der diesjährige Ra* tharinenmarkt, der gestern und heute abge­halten wurde, erfreute sich infolge deS günstigen Wetters eines sehr guten Besuches. Schaubuden ; auf dem Marktplatz sorgten für Unterhaltung der Menge, währendzahlreiche VerkaufSstände in der Wetzlarer und Weiseler Straße zum Kaufe an­lockten. Die Tanzlokale waren vom Spätnach­mittag an stark besucht. Am heutigen zweiten Tag war Ferkelmarkt. Aufgetri«en waren 551 Ferkel. Es wurden bezahlt für Ferkel bis sechs Wochen alt 7 biS 9 Mark, von sechs biS acht Wochen 9 biS 12 Mark und von acht biS zwölf Wochen 12 bis 16 Mark. Der Handel war mitt* mäßig. eS verblieb ein kleiner Uebcrftanb.

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ttreis Büdingen

Aidda, 17. Aov. Das am Marktplatz gelegene Hotel3 um Ster n". eines der älte­sten Gasthäuser unserer Stadt, ist eingegan­gen und soll künftig zu Wohnzwecken Verwen­dung finden. Das HauS wechselte in den Icnt.n Jahren öfter« seine Pächter, war auch der Stadt zum Kauf angeboten.

Aidda, 17. Aov. Seit einigen Tagen sind hier die Preise für Milch. Butter und sonstige Molkereiprodukte infolge Konkurrenz einer auswärtigen Molkerei wesentlich gesun­ken. Der Liter Milch wird für 16 Pf.. daS Pfund Tafelbutter für 1,40 Mk.. das Pfund Matte für 25 Pf. angeboten.

Wissenschaft um die Erhaltung dieser Erstausgabe entstanden, und ein ganz vollständiges Exemplar, das jetzt bei Sothebn's in London versteigert werden soll, wird auf 4 Seiten des Kataloges mit allen bei ihm vorhandenenPunkten" beschrieben Darunter befinden sich nicht nur die sämtlichen Umschläge, Anzeigen und Beilagen, sondern auch die Druck« ! fehler, die für die Bewertung besonders wichtig sind. Die ersten Lieferungen des Romanes des jungen i Dichters wurden recht nachlässig gesetzt und gedruckt: es wimmelt daher von Fehlern, und der Satz ist sehr unregelmäßig Man kann geradezu lagen, daß je breiter die Zwischenräume auf den Seiten sind, desto früher der Druck ist, und daher haben die Exemplare mit den schlechtgesetzten Zeilen den größ­ten Wert. Man sieht daraus, daß auch Druckfehler sehr kostbar sein können.

Löwen auf dem Bahnsteig.

Dutzende von Löwen und Rhinozerossen machen jetzt die Eisenbahnstrecke zwilchen Mombasa und Nai- rooi (Ostafrika) unsicher und bereiten den Reisenden^ manch? Aufregung. Besonders des Nachts vcrsam-i mein sich die Löwcn an den kleinen Urwaldstationes» und drangen sich mit Brüllen und Fauchen um die schmutzige Flüssigkeit, die sich auf dem Grund der Wasserbehälter b. findet. Das Auftreten dieser Raub-' ttere ist durch die furchtbare Trockenheit hervor»^ gerufen, die In verschiedenen Teilen der Ebenen von Kenja herrscht. Die vom Durst gepeinigten Tiere sind zu einer beträchtlichen (Befahr geworden. Die Bahn-k liofsvorsteher an den kleinen Stationen der LiniW Voi'Taoeta wagen sich nachts nicht nvhr aus IhreW Bureaus, da die L wen auf den Bahnsteigen herum« wandeln, und nur wenn die Züge einlaufen, komme« sie heraus und ooüführcn ein m glichst lautes Ge- raffel mit Konservenbüchsen und Pct'olcum'anncill um auf diese Weise bie Bestien zu erschrecken und zu verscheuchen. Die Reisenden wagen nicht mehr, an den Stationen auszusteigen.

Öodtfd'ulnfldiritf'fen

Dr. phil. Walter Fuchs In Berlin ist zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in A a ch e berufen worden.

Amtlich wird die Ernennung des nichtbcamtetrsz ao. Professors Dr. Mar 9 e ß n e r in Breslsu zum oröcnLidjen Proftn'or für Hautkrankheiten in der medizinischen Fakultät der dortigen Unioersitäl. als Nachfolger von Geheimrat 9os. 9adassohn be­stätigt.

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