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Ür. 192 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 19. August (951

MitHindenburg nach Dietramszell

Des Reichspräsidenten Sommerurlaub im bayrischen Oberland.

Don Dr. Alfred Dttig, München.

Sin knappes Stündlein fährt man von Mün­chen dem ODagcn nach jenem Ort. der Hmden- butaA liebster Erholungsau'en'.halt geworden Nt. Zum neunten Mal« nahm er Heuer diesen Weg in seinen Urlaub, in einer hohen und etwa» alt­modischen Limousine der LandeSpvlizet. bei der Bequemlichkeit Trumps ist. Schon manche» Mal aaben auch w.r ihm da» Geleire, indem Wir stlllvergnügt hinterdrein fuhren, und e» war

Landschaftsbild, man spürt den Atem de» nahen Hochgebirge».

3n Holzkirchen verlassen wir die breite Deton- ftrahc und biegen ab in den tiefen Forst, der un» zehn Kilometer weit bi» nach Dietramszell begleilet Der Reichspräsident ist am Ziel, der Urlaub beginnt. Am Schloßeingang steht die Vastgeberin. Frau von Schilcher mit

Link»: Der Reichspräsident beim Spaziergang. Rechts: Das Herrenhaus von Dietramszell.

K J

jedesmal ein lieber Vormittag, unsere Fahrt mit dem Reichspräsidenten nach DietramSzell. Um neun Uhr früh kommt er an. mit dem Ber­liner Rachtzug. Atoci Tage nach der Verfassungs- feicr; am Bahnhof Jubel und Begeisterung der anhänglichen Münchener, aber auf ausdrücklichen Wunsch keine offizielle Feier, und um elf ist er an Ort und Stelle. SS ist iedes Jahr dasselbe Reiseprogramm für diese Uebersiedlung nach Oberbayern, so zuverlässig, daß die Einheimi­schen in den Dörfern am Wege es genau kennen. Seil Hindenburg Reichspräsident ist. weih jode» K.nd hierzulande, das) er zwei Tage nach dem 11 August quer durch Oberbayern fährt, und darauf freut sich alles schon lange vorher.

Zuerst geht e» durch die Stadt hindurch an Menschenmauern vorbei, di« sich nur langsam lockern, hinüber über die Wittelsbacher Drücke zur Teg. rnseer Landstraße Wie Bälle auf einem Bil­iar a gleiten wir aus dieser ..Renommierstrahe" Dauern» dahin, die als Versuchsstraße für den modernen Straßenbau angelegt wurde und auf der wir zweiundzwanzig Bauweisen in höchster Dollkommenheit kennen lernen. 3n Unterhaching, in Sauerlach, in Lanzenhaar. in Otterfing, kurz in allen Dörfern am Wege dasselbe Bild. Schul­kinder. Sommerfrischler und Einheimische stehen am Wege und w.nken. Winken, lreudig erregt, während weiß-blaue Fahnen im Winde flattern. Sogar die Maibäume werden festlich geschmückt. Kurz vor Holzkirchen, am sogenannten TeuselS- graben, beginnt das Land wellig zu werden, die Recker hören fast ganz auf. die kräftigen Farben von Wald und Wiese beherrschen da»

Tochter und Sohn, steht ein Freund deS Hause», General Hemmer, und dann erwarten nur noch der Bürgermeister und der Lehrer des Ortes sowie der Dezirksamtmann von Bad Tölz den hohen Gast zu einer kurzen, herzlichen Begrü­ßung. Man merkt es leicht, daß Hindenbura hier zu Hause ist und sich hier zu Hause fühlt. Er freut sich über den Strauß Feldblumen, der ihm überreicht wird, genau so herzlich wie über die blühenden Geranien, die in den Fenstern seiner Zimmer im zweiten Stock unter der alten Son­nenuhr stehen, und er erkundigt sich gleich nach Mensch und Tier, nach der Ernte und dem Stand der Erntearbeiten. Der erste Gang aber führt jedesmal zum Grabe seines vor einigen Jahren verstorbenen freundes von Schilcher auf dem nahen Friedhof.

Wie ist es zu verstehen, daß Hindenburg seit fast einem Jahrzehnt immer wieder dieses Fleck­chen Erde aussuchl. daß er heuer zum neunten Male leinen Urlaub hier verbringt und all die ungezählten Einladungen nach den schönsten Plätzen Deutschlands ausschlug? Es sind die Menschen und die Landschaft, die ihn gleicher­maßen anziehen, es ist die vornehme Einfachheit des Lebens auf diesem Schlohgut des bayerischen Oberlandes, es ist vor allem das Wissen, daß hier wirklich gar keine Umstände gemacht werden, daß cr als Mensch unter lieben Menschen weilen kann, dah cr hier Erholung im besten Sinne, fern von Repräsentation, Zeremoniell und aller Amtspflicht, zu finden vermag. Rur die Reichs­fahne. die während der Anwesenheit Hinden­burgs über dem in einem gegenüberliegenden

Orplid im (Stillen Ozean.

Don Prof. Or. Walter Dehrmann, Frankfurt.

Unter den vielen Inseln Polynesiens ist uns Deutschen Samoa, einst unser schönster Kolonial­besitz, als die Perle der Südsee besonders ans Herz gewachsen. Malerische Formen der hohen Vulkanberge, schweigender dunkler Urwald, wilde, erfrischende Wasserläufe, ein erquickender Wind bei warmer Lust. daS Rauschen der Kokospalmen am Strande und der Gischt der Brandung an den Korallenfelsen, alles vereinigt sich, um dem Glücklichen, der dieses Südseebild genießen konnte, bis an sein Lebensende die Sehnsucht nach dem einsamen Erdensleck wach zu halten.

Sine lebensfrohe Bevölkerung, welche im Gleichmaß ihrer Glieder selbst dcm Künstler er­freut, empfängt und bewirtet voll edler Sitten den Fremdling. Ehrenjungfrauen bieten den Fcst- trant dar, der aus der Kawawurzel bereitet ift Stolz sind die Herrscher auf eine alte, ruhmreiche Geschichte. Wohlgepflegte, ausgedehnte Pflanzun­gen zeugen vom Wohlstand der wagemutigen Europäer. So etwa war das Bild, das man ohne Ucbertreibung von der Inselgruppe am Ende der gesegneten, deutschen Berwaltung entwerfen muy.

Heute hat es sich leider in wesentlichen Punkten geändert Zwar kann selbst die schlechteste Ver­waltung die Ratur des LandeS kaum ändern, die Schönheit des Lüdseebildes ist die gleiche ge­blieben, auch sind die Pflanzungen herangewach- sen. so daß eine erhebliche Steigerung der Kopra- auSfuhr ftattfanb, die Bevölkerung aber hat unter der Mandatsherr schatt der Reuseeländer derartig gelitten, daß die Polynesier durch eingeführte Seuchen dezimiert wurden. Die Benvaltung hat die Bekämpfung der Krankheiten sträflich ver­nachlässigt. Die leicht lenkbaren, kulturell hoch­stehenden Eingeborenen sind so wenig verständ­nisvoll behandelt, daß es bei den gutmütigen Leuten sogar, durch Verzweiflung getrieben, zu blutigen Aufständen kam. Zahlreiche Aeußerun- gen aus ihren Kreisen lassen die Sehnsucht nach den alten Zuständen deutlich erkennen.

Die jetzt leider stark zusammenge'chmolzene Be­völkerung stellt den edelsten Typ der Polynesier bar. Unter Königen lebten die Adligen, Freien und Hörigen, neben dem Staatsoberhaupt regierte cm Sprecher", der wie ein Hausmeier die Macht an sich riß. Prächtige, felbftgcfcrtigtc Webstoffe ober mit schönen Farben bedruckte Rindenstoffe kleideten die Männer, die zmn Zeichen einer hohen Würde mit schön geschnitzten Fliegen­wedeln ausgeftattet waren. In der hohen Politik

wohl bewandert, haben sie selbst bei europäischen Verwicklungen eine Rolle gespielt, bis die Insel­gruppe 1900 durch einen Vertrag zwischen Deutsch­land, England und Amerika aufgefcilt wurde, wobei England durch Inseln der Salomonen ent­schädigt wurde.

Die Häuser der Samoaner bestehen aus einer lichten Säulenhalle, di« mit Palmenblättern oder Zuckerrohr gedeckt ist. Auf dem Festplah des Dorfes empfängt die edelste der Jungfrauen den Fremden. Zum Tanz schmücken sich die schön gestalteten Menschen mit hohem Kopsausputz. Schmuxk lieben sie, und sei es nur eine bunte Blüte, die sie ins Haar stecken. Bei Festen feiern sie die Taten der Vergangenheit in ihren Ge­sängen. Diese bilden ein geschichtliches Doku­ment. das sich mündlich überliefert hat.

Die Eingeborenen leben eigentlich nur am Strande und scheuen den Urwald des Innern. An der Küste gedeihen ihre Kokosnüsse. Bananen und der Taro. Das Riss bietet ihnen manche Rahrung. Einmal im Jahre ist ihr Tisch reich gedeckt, wenn bei Oktober- oder Rovember-Voll- mond der eigenartige Dorstenwurm Palolo seine Hochzeit feiert und in ungeheuren Mengen ge­fangen wird. Auch sonst wissen die Samoaner eigenartige Speisen zu bereiten. Aus der Kawa- wurzel, die früher die Jungfrauen mit dem Munde zerkauten, bereiten sie ein berauschendes Getränk.

Heute sind alle Samoaner zum Christentum bekehrt. Trotzdem haben sie alte Anschauungen noch nicht aufgegeben. Das Tabu gilt noch heute, durch das ein Häuptling oder Priester das Berühren oder Benutzen eines Gegenstandes und eines Feldes verbieten konnte. Vertrauensvoll nahmen sie den mächtigen Gott der Weihen an, sind aber heute im Innern entzweit, wo sie unter den schweren Schicksalsschlägen der letzten Zeit zu leiden hatten.

Für die europäischen Pflanzungen allerdings waren und sind die Samoaner, wie alle Poly­nesier. nicht gut zu verwenden, ihnen fehlt die Ausdauer zur Arbeit, auch wohl die Kraft, die sie auf ihrer fruchtbaren Insel nicht zu stählen brauchten. So mußten bereits die Deutschen als Pflanzungsarbeiter durch Femwerbung Mela­nesier heranziehen. Die billigen Chinesen wurden ins Land geholt, die sich aber nur zu oft selb­ständig machten und als kleine Gewerbetreibende fein erfreuliches Element im sozialen Ausbau der Insel darstellten. Zahlreiche Mischlinge der schönen Samoanerinnen und der Europäer bilden eine Zwischenstufe beider. Die Pflanzungen find besonders auf der Insel älpolu ausgedehnt, wo

die deutsche Handels- und Plantagengesellfchaft der Südsee, die Rachsolgerin des Hamburger Hauses Godeffroy, weite Kokosnußpflanzun­gen neben anderen besah. Reben jener Frucht wird Kakao, Tabak, Zuckerrohr und etwas Kaut­schuk angepflanzt und ausgeführt, die Melone, Apfelsine. Mango und Banane dienen mehr dem Bedürfnis der Inselbeyölkerung. Unter der Man­dat »Herrschaft hat die Ausfuhr zugenommen trotz aller Fehlschläge der Verwaltung, da die Pflan- zungeir herangewachsen find. Die Ausfuhr nach Deutschland steht immer noch an Awei ter Stelle hinter England, übertrifft die nach USA , Austra­lien und Reuseeland zusammengenommen um das Doppelte.

Obwohl die Inseln im Mittelpunkt des Stillen Ozeans liegen, und gerade deswegen in der euro­päischen Politik der Vergangenheit eine Rolle spielten und wohl noch spielen werden, war der Schiffahrlsverkehr zu ihnen gering. Selbst die deutsche Post mußte mit kleinen Fahrzeugen nach Pago-Pago gebracht werden, von wo aus sie mit englischen und amerikanischen Dampfern weiter­befördert wurde, da eine Linie des Norddeutschen Lloyds von Sidney aus sich nicht rentierte. Heute sind sie enger an Reuseeland geknüpft, aber immer mehr zieht der amerikanische Hasen Pago- Pago den Verkehr an sich. Da aber auch Japan immer mehr in der Südsee vordringt, ist hier neuer politischer Konfliktstoff ausgespeichert.

Der vorstehende Beitrag ist eine Lese­probe aus dem soeben fertiggestellten Bande .Australien, Ozeanien und Antarktis" des .Handbuchs der geographischen Wissen­schaft". (Athenaion-Verlag, Potsdam W 5.)

Heilkraft der Farben.

Die merkwürdige und oft so starke Einwirkung der Farben auf Seele und Gemüt des Menschen ist stets beobachtet und von Goethe in seiner Farbenlehre" in klassischer Weife dargestellt worden. Aber eine systematische Verwertung die­ser Heilkraft hat man erst in neuerer Zeit in die Wege geleitet. Besonders waren es die Ameri­kaner und Engländer, die Versuche über diese Heilwirkung anstellten, und schon vor 20 Jahren machte der amerikanische Arzt Dr. Zeller zu Perra im Staate Illinois aufsehenerregende Farben-Kuren", inbem er die Geisteskranken dem Einfluß bestimmter Farben ausfetzte und da­mit sehr günstige Erfolge erzielte. Schwermütige Frauen z. B. wurden durch einen Aufenthalt

Hause provisorisch eingerichteten Postamt weht. daS die ständige Verbindung mit Berlin ficher- stellt, er.nnert daran, daß selbst hier die Sorgen und Pflichten nicht ganz ausgeschaltet sind.

So entspricht dies« Anhänglichkeit an ein HauS, das cr eimal liebgetoann. als er es durch Zu­fall im Jahre 1922 kennen lernte, einem liefen Charakterzug des Reichspräsidenten. Damals, in der Inflationszeit, hatte der Schloßherr auf Anregung des Forst rate» E s ch e r i ch dem in Hannover lebenden Feldmarschall D.etramSzell zu einem Erholungsaufenthalt angeboten, und seitdem blieb cr Dietramszell treu. Die Un­berührtheit dieses oberländischen Waldesidyll» von der Hast unserer Tage tut dem Reichs­präsidenten wohl. Alle Bahnlinien liegen zwet und drei Stunden entfernt, und auf einer der einsamen Landstraßen verkehrt heute noch eine gelbe Postkutsche von jenem altbayerischen Schlag, der im Aussterben begriffen ist. Dor leinen Fen­stern begegnen sich in ihren einfachsten Symbolen friedlich die alle und bi« neue Zeit, beten sinn­volle Verbindung Hindenburg selbst am besten verkörpert, wenn nämlich an jedem Mittag vor der Schlohschenke in DietramSzell Postkutsche und Omnibus nebeneinander auf der Straße stehen, chre Fahrgäste erwarten und der nach Benzin und Oel duftend« Chauffeur die Hupe bedient, während der Postillon in seiner malerischen weiß- blauen Tracht kunswoll die Peitsche knallt ober das Horn bläst.

Di« Landschaft um DietramSzell ist der Heber- gang von der nahen Hochebene zum Hochgebirge. Die hochstämmigen Wälder ringsum bergen einen gewclltigen Reichtum an Wild, und das Land wird bewohnt von einem Menschenschlag, äußer­lich derb und rauh, und doch wieder, wie die ganze Ratur, von einer ehrlichen Einfachheit, Offenheit und Freundlichkeit, die zum Herzen spricht. Di« Bauern tragen ihre altbayerische Tracht und haben in ihren Stuben Bilder hän­gen von ihrer Militärzeit, auf die sie stolz sind, von König Ludwig und von General Epp, dem Befreier Münchens von der Räteherrfchaft. Es sind di« Rachkommen jener Dauern, die unter

dem Schmied von Kochel im spanischen Erbfolge- krieg nach München zogen, um die Hauptstadt des Landes von Kroaten und Panduren zu be­freien und den oertriebenen Kurfürsten zurück­zuholen. Don hier stammten von jeher die Kem- truppen der bayerischen Armee. Hindenburg ver­läßt nur selten während feiner Hrlaubswochen das Schloßgut Dietramszell, da» taufend Jahre lang, bis 1803. ein Auguftinerkloster toar; höch­stens wenn er zur Gemsjagd in die Hinterriß oder in die Jachenau fährt und dabei Bad Tölz, helfen Ehrenbürger er ist. einen Besuch abflattet, oder wenn er seinen Freund Escherich in 3icn aussuchl.

Einmal jedoch, am Dritten Sonntag im August, wenn Die Dteiramszeller ihre Kirchweih feiern, kommt Die ganze Umgebung an Den Som­mers itz de» Reichspräsidenten. und auf Diesen Tag freut sich alt und jung schon Da» ganze Jahr. Die Kriegervereine und Die vaterländischen Verbände marschieren in kurzer Wichs im Schloß­hof auf. um ihrem Feldmarlchall au huldigen, der Dann an jeden einzelnen ein freundliches Wort richtet AinD Die alten Soldaten nach ihren Krtegs- er'.ebnissen fragt. Den Höhepunkt aber bildet Dann ein Vorbeimarsch vor dem Reichspräsi­denten! Im übrigen aber übt Die Bevölkerung eine taktvoll« und weise Zurückhaltung. unD es bedarf keines Hinweise», daß Deputationen, gut gemeinte Ständchen und ähnliche Dinge während Der UrlaubÄjeit Durchaus unangebracht sind. Man gönnt gerne Dem Reichspräsidenten die kurze, wohlverdient« Ruhe, die Freude an Wald und Wiese, an den stillen Moorweihem ringsum, und vor allem an Dem wunderschönen Blick auf die nahe Kette Der Alpen, die täglich und stünd­lich ihre Farbe ändert, und immer wieder ein neues Bild darbietet.

Taten für Mittwoch, IS. August.

14 n. Thr.: der römische Kaiser Augustus in Nola gestorben: 1662: der französische Philosoph Blaise Pascal gestorben; 1780: der Dichter Jean de- rangcr in Paris geboren; 1819: James Watt, der Verbesserer der Dampfmaschine in Heathsield ge­storben.

Die Kinder von Dietramszell begrüßen den Reichspräsidenten.

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in roten Zimmern von ihrer Melancholie gehellt, während ander« Patienten in schwarzen Zimmern untergebracht und dadurch günstig beeinflußt wurden. In England gründete man 1916 ein« Internationale Hochschule für Farbenheilung" bei Rervenkranken. In neuester Zeit sind diese Versuche nun aus allgemeinerer Grundlage fort­geführt worden, wie Dr. Helmuth R i n n « b a ch in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" berichtet. Man will nicht nur die Gemüts- und Geisteskranken, sondern alle Patienten und sogar auch die Gesunden, an dem Segen einer sorg­fältig gewählten Farbenwirkung teilnehmen lassen. So hat der Chefarzt des größten Stockholmer Krankenhauses. Dr. Holmgren, die Wände der Krankensäle, Korridore uill) Operationszimmer in verschiedenen Farben anstreichen lassen: sonnige Räume sind in Grün und Grau, sonnenarme in Gelb und Grün gehalten. Während man für die eigentlichen Kranken gedämpftere Farben wählte, erfreut man die Rekonvaleszenten und di« War­tenden durch lebhafte und helle Farben. Rach den Beobachtungen Holmgrens ist die Farben­wirkung bei Kranken wesentlich stärker als bei Gesunden. Sie werden auch von Kunstwerken intensiver ergriffen. Zusammen mit einem der führenden Künstler Schwedens, Forseth, ar­beitet Holmgreen an einer klug durchdachten Bild und Farbentherapie. Kürzlich ist auch der Vorschlag gemacht worden, die Amtsstuben durch bunten Anstrich freundlicher zu gestalten, denn man weih, dah Räume, in denen sich di« Arbeitenden wohlsühlen, chre Leistung verbessern, und die Beamten könnten ebensogut eine Auf­munterung und Erheiterung ihreS Gemüt» brauchen wie die vielen, die in den Amts­stuben ihre Beschwerden und Klagen anbringen. ..Wir Aerzte, vor allem Rervenärzte, wissen", sagt dazu Dr. Frch Edinger,wie bedeutsam für uns selbst und für unsere Patienten Sprech- und Wartezimmer finD. Wir wissen aber auch, in welchem Rervenzustand sich oft Menschen be­finden. die ein Amt aufsuchen, abgehetzte Ge­schäftsleute. Erwerbslose, Leute, die sich irgendwie geschädigt oder ungerecht behandelt glauben. Ob Farben und Bildet Dagegen helfen? Natürlich nicht an sich. Aber sie sollen ja nur Symbol« einer neuen Zeit und eines neuen Geistes sein." Dah es Farben gibt, wie Blau, die beruhigend, und solche, wie Rot, die erregend toirten, ist allgemein bekannt, ebenso der Einfluß Der sog. warmen unD kalten Farben. Man hat z. D. nicht nur Hautkrankheiten mit blauem Finsenlicht erfolgreich behanDelt, fonDern sogar die Anästhe­sierung gegen Schmerz durch blaues Licht erreicht.