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fung der Äouflraft und deS Binnenmarktes, für rückiichtslcfe Durchführung der ungeordneten Preislenkung. Die Re^arationslasten Huben keine rechtliche und moralische Grundlage und sind ein Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung der Welt. Ohre Beseitigung und damit die Befreiung der Reichsbahn von den politischen Lasten sind ein unbedingtes Gebot staatsmännischer Einsicht."
Diese Kundgebung wurde einstimmig angenommen. Die Sprecher der Reichsbeamten, der hessischen Staatsbeamten, der Polizeibeamten, der Lehrer und der hessischen Gemeindebeamten, sowie des Hessischen Pensionärvereins schlossen sich den Ausführungen deS Vorsitzenden vollinhaltlich an.
Anschließend hielt Universitatsprosessor Dr. Lukas (Tübingen) seinen Dortrag über die Weltwirtschaftskrise.
Rotlage der Beamtenschaft, namentlich ht den sozial schwachen Schichten, und wirksamen Schuh gegen die noch immer wütende Beamtenhetze. Sie sordern ReichZeinheitlichkeit In Recht und Besoldung und Beseitigung jeder Ausnahmestellung in einseitiger Belastung. Sie fordern. Schluß mit den Rotverordnungen, Rückkehr zu den verfassungsmäßigen Grundlagen, im besonderen Gewährleistung der nach Artikel 133 der Beamtenschaft zugestandenen Dercinigungssreiheit und die Anerkennung ihrer gewerkschaftlichen Drrtretung. Die organisierte Beamtenschaft erwartet, daß der Reichstag und die Reichsregicrung und der neu- gewählte Hessische Landtag und die neue hessische Regierung die anerkannten Deamtenverbände vor jeder wichtigen Entscheidung in Beamtensragen zu Rate ziehen. DaS Landeskartell tritt ein für eine plan- und sinnvolle Wirtschaft, gegen verbrauch- verteucrnde Preisbindungen jeder Art, für Siär-
Fußball der Gießener Mannschaften.
Der gestrige Sonntag brachte eine große Ueber- raschung. Die Liga der Spielvereinigung 1900 verlor in ihrem gestrigen Berbandsspiel gegen Breidenbach die Punkte. Entgegen jeder Erwartung vermochten sich die leiste aus dem fremden Boden der Spieloereinigurg 1900 mit 1:0 als Sieger zu behaupten. Die 1900er ließen eine Anzahl zwingender Chancen aus. Der Sieg der Breiden- bacher war ober nicht unverdient. Die 1. Jugend der Spieloereinigung trat vor dem Ligaspiel gegen die 1. Jugend des Sportvereins Wetzlar an. Mit einem Unentfch eben von 1:1 trennten sich die Mannschaften. Die 2. Jugend vermochte gegen die 2. Jugend des Lokalgcgners einen hohen Sieg zu erringen. 6:0 lautete das Ergebnis für die Blau- weißen.
Don den Ergebnissen in der 1. Bezirksklosse ist noch die Niederlage des Sportvereins Wetzlar gegen Wallau erwähnenswert. Wallau siegte mit 4:1 Toren.
Die Liga des DfB. war gestern auch nicht von Glück begünstigt. Die Hiesigen konnten nur mit 10 Mann antrcten und mußten nicht zuletzt infolge- besten eine Niederlage von 4:1 hinnehmen. Die erste Jugend des VfB. blieb über Hermannstein mit 3:0 überlegener Sieger; die 2. Jugend verlor, wie bereits erwähnt, gegen die 2. Jugend von 1900 mit 0:6. — Die Handballmannschaft des VfB-, die gestern ihr erstes Spiel absolvierte, hatte einen guten Start. Die Mannschaft trat gegen Wieseck an und vermochte ein sehr ehrenvolles Ergebnis zu erzielen. Lediglich mit dem Resultat von 3:4 vermochten die Wiesecker erfolgreich zu bleiben.
Fußball in Hessen-Hannover.
Erbitterte Kämpfe aus der ganzen Linie.
Die Spiele der Bezirksliga in Hessen-Hannover brachten am Sonntag durchweg erbitterte Kämpfe um Führung und Derbleib in der obersten Klasse. Meist gab es die erwarteten Siege, aber auch die lleberraschungen blieben nicht aus. Dafür sorgte in der Eüdgruppe Kurhessen Kassel, die sich in Marburg von Germania mit 3:2 schlagen ließen. EC. 03 Kassel schlug Germania Fulda 3:1 und Borussia Fulda blieb mit dem gleichen Ergebnis über Hessen 09 Kassel erfolgreich. Die Borussen führen klar mit 20' 4 Punkten vor Germania Marburg (17:7), Hessen 09 Kassel (15:7) und SC. 03 Kassel (14: 10 Punkten).
In der Rordgruppe holte sch Spielverein Kassel in Gölt'.ng:n bei der Spvg. den erwarteten 5 2-S'.eg, Sport Kassel schlug Grone 7:2, Hessen HerLfeld Einbeck 4:0 und Hermannia Kassel Rorthe'.m 9:1. Tura Kassel unterlag knapp gegen Groß-Almerode 2:3 Güttingen führt nach wie vor unangefochten mit 20: 2 Punkten vor Spiel
verein Kassel, Sport Kassel und Hessen Hersfeld, die es auf je 17:7 Punkten gebracht haben.
punfffämpfc in der Gruppe Main.
Rok weiß erneut geschlagen.
In der Spitzengruppe der mainischen Dezirksliga gab es diesmal eine neue Klärung. Der Tabellenführer Eintracht gewann in Heusenstamm sein Spiel sehr sicher 6:0 (2:0) und ebenso sicher siegte der Fußballsportverein zuhause üier Hanau 92 mit 4:1 (2:0). Dagegen wurae der Tabellcnzweite Rot- Weiß erneut geschlagen, er verlor sein Spiel auf dem gefährlichen Gelände in Bieber mit 0:1. Dadurch hat auf der einen Seite die Eintracht ihren Dorsprung derart vergrößern können, daß ihr der Meistertitel nun noch kaum zu nehmen ist. Auf der anderen Seite aber sind die Chancen des Fußballsportvereins, Zweiter der Maingruppe zu werden, weiter gestiegen. Die Bornheimer stehen, nach Derlusipunkten gerechnet, heute schon um einen Punkt günstiger als die Rot-Weißen. Auch in der Abstiegszone ist die erste Entscheidung gefallen. Germania 94 verlor sein Spiel in Reu-Isenburg glatt mit 0:4 (0:2) und ist damit endgültig dem Abstieg in die zweite Klasse verfallen. Die Mannschaft von Griesheim lieferte diesmal gegen die Offenbacher Kickers ein recht gutes Spiel und konnte auch zu einem verdienten Unentschieden von 1:1 kommen.
Oer Hessen-Handballmeister.
In der Gruppe Hessen kam am Sonntag endlich der mit großer Spannung erwartete Kampf der alten Darmstädter Rivalen, des süddeutschen Meisters Sportverein 98 und des Polizeisport- bereind zum Austrag. Die in letzter Zeit durchweg besseren Ergebnisse der Polizisten hatten dem Kampf der relativ punktgleichen Tabellenführer 4000 Zuschauer zugeführt, die eines der schönsten und spannendsten Spiele zu sehen bekamen, die bisher in der Hochburg Darmstadt abgetojckÄt wurden. Die Polizisten lieferten eines ihrer besten Spiele der ganzen Saison und beugten sich erst dem Endspurt der 98er, der deren verdienten Sieg ergab.
Zuerst führten die Polizisten, bann erzielten die 98er zwei Treffer. Zwei Treffer der Polizei brachten diese wieder in Führung. Rach erfolgtem Ausgleich führte d e Polizei nochmals, dann fielen aber noch zwei Treffer für den Meister, die das Spiel auf 5:1 (2:1) für ihn stellten. Mit 26:2 Punkten hält der SD. 98 Darmstadt vor den Polizisten (22:4) die Spitze und ist wiederum Meister. Alemannia Worms verzichtete zugunsten der Wormser Polizei auf die Punkte. Der Meister bat bereits am kommenden Sonntag in Wiesbaden zum ersten Spiel um die Dezirksrneister- schaft anzutreten.
Handball der höheren Schufen.
Im Entscheidungsspiel in der Hrndballrunste deS hessischen PhllologenvereinS, das am Freitag in Friedberg zwischen der Obe.rea.schu e Lkfcen u.b dem Realgymnasium Darmstadt aiügctragen wurde, endete mit einem 8 4-Sieg für bic Ober- rcalschule Ließen. Das Hessenbanner geht damit in den Besitz der Anstalt über.
Mercedes-Benz rennmüde.
Die Gerüchte, daß sich die Daimler-Denz-Werke im kommenden Iah c nicht mehr an Rennen beteiligen, haben sich bewah.heitet. Die beiden fest verpflichteten Rennfahrer Rudolf Caracciola und Hans Stuck müssen sch nunmehr nach einem neuen Tätigie tsfe.d umsehen. Caracciola unterhandelt mit einigen italienischen Firmen und es ist möglich, daß der Europa-Bergmeister der beiden letzten Iahre 1932 am Dolant eines Maseratioder Alfa-Romeo-Wagens sitzen wird. Sein Kollege Stuck begibt sich in den ersten Tagen des 3anuar mit zwei Mercedes 58K.-Wagen noch Südamerika, um dort Rennen zu bestreiten. Mercedes-Benz begründet seine Maßnahme damit, daß keine neue Type gebaut würde und für die alte, den SSK., in der abgelaufenen Saison die Rennen den nötigen Beweis von der Qualität des Erzeugnisses geliefert hätten.
Kurze Sportnotizen.
Walter Flinsch, der zehnfache Weister- rüderer, hat an der Fliegerschule Braunschweig die Derkehrsflieger-Prü ung bestanden.
Mit 4:00,2 Minuten stellte der 1. Magdeburger Damen Schwimmilub a n Donnerstag einen deutschen Rekord über 3 .100-Mctcr-Crawl auf.
Die Hockehelf des 6 8. 80 Frankfurt besiegte die führende westdeutsche Mannschaft des Essener Turn- und Fechtllubs mit 2:1 (2:0).
Im Spiel um die Deutsche Wasser- ballmeisterschaft trennten sich in Berlin Hellas Magdeburg und Weißensee 93 mit einem Unentschieden von 4:4 (3:3), so daß ein zweites Entscheidungsspiel notwendig ist.
Eine schwere Schlappe erlitt Berlins Fußballelf im Städtekampf gegen Paris. Im Bus- falo-Stadion siegten die Pariser auf völlig auf- geweichtem Boden und bei starkem Rebel hoch mit 6:1 (3:1).
ImFußball-LänderkampfIrland- Spanien stellten die Spanier ihr durch die schwere Schlappe gegen Enaland stark'ramponiertes Ansehen wieder etwas her, sie fiepten bei dem in Dublin ausgetragenen Treffen überlegen mit 5:0 (3:0,.
Dom Büchertisch des Sportlers.
— .Segelfliege n“. Dorschläge für die Einrichtung von Segelflugaruppen. Don S udienrat B. Zinnecker DeicI s ungf r.ge.toart des Deutschen Luftfahrverbandes. „‘-Lügerei für L ibes- übungen". Derlag Quelle & Meyer in Leipzig. (416.) — Das Buch will dazu helfen, dem gesunden, mutstählenden Sport in der Iugend neue Anhän- ger zu werben. Es wendet sich an die Turnlehrer, DereinSleiter und Eportwarte und majt sie vertraut mit den amtlichen Bestimmungen, den Möglichkeiten der Teschastung von Fluggcrät u. d Tflug- gelande und den Voraussetzungen einer F.ug- schulung.
Taten für Montag 4 Dezember.
1546: der Astronom Tycho Brahe in Knudstrup geboren; — 1799: George Washington in Mount Vernon gestorben; — 1849: der Komponist Äonrabin Kreutzer in Riga gestorben; — 1911: Roald Amund- sen erreicht den Südpol.
Obertieffen.
Gememderat in Büdingen.
x. Büdingen 13.Dez Aus der jüngsten ®e- meinkeratssitzung ist solgendes zu berichten: Bevor in die Tagesordnung eingetreten wurde, stellte Ratsmitglied Knaf ben Antrag, über die Beschäftigung von Arbeitslosen bei der Feldbereini- gung zu verhandeln. Der ©emcinberat nahm diesen Antrag an. Rach längerer Aussprache wünschte der Oemeinöcrat, daß Die bei den Feld- bereinigungSarbeiten beschäftigten Miltelgrün- daucr Arbeiter entlassen werden. Der Gemeinderat habe die Pflicht, vor allen 'Dingen für die Beschäftigung der Düd.n^er ArbeitSlo'en zu sorgen. — Die Angelegenheit .Winterhil e‘ wu.de eoen- sallS außerhalb der Tagesordnung bestandet. Der Bürgermeister wurde ersucht, sich mit P'arrer Adam ins 'Benehmen zu setzen und demnächst dem Gemeinderat über daS Ergebnis Kenntnis zu geben. — In der Angelegenheit der von der Sta^t erhobenen Reklamationen im Feldbe- reinigungSverfahren wurde tem Ce- meinderat Kenntnis gegeben. Der Gemeinderat stimmte der vom Bürgermeister getätigten Verhandlung zu, versagte jedoch in einzelnen Punkten die Genehmigung. Bei dieser Gelegenheit wurde daS bereits früher vorhandene Pro ekt der Einführung einer Straße nach dem neuen Marktplatz zwischen den Hofreiten des Obfl- und ©arten* bauvereinS und der Friedrich Schön Witwe auf- gegriffen. Der Bürgermeister wurde b^au trast bei der Feldbereinigungsgefellschast Antrag auf nachträgliche Zuziehung des in Frage kommenden Geländes und Ausscheidung an die Stadt Büdingen zu stellen. — Die Prüsung der ©e- meinderechnung für 1 929 wurde vertagt. — Verschiedene Anträge von Bewohnern städtischer Hu.er auf Herabsetzung der Miete wurden abgelehnt. — Die Abrechnung über den Umbau der Herberge sand die Genehmigung. — Der Wasserein- h e i t S p r e i s für die Betriebe der Molkerei und der Obstwerke wurde auf 20 Pfennig pro Kubikmeter festgesetzt.
Landkreis Gictze«.
£ Wieseck, 13. Dez. Die Dresch gesell- schäft hielt am Samstagabend ihre diesjährige Generalversammlung bei Gastwirt Richard Deller ab. Der Vorsitzende ging in seinen Ausführungen auf die seinerzeit notwendige Anschaffung der Dreschmasch.ne ein. Er stellte fest, daß die Dresch- gefellschaft trotz mancher Schwierigkeiten gut über die ersten Jahre ihres Bestehens hinwcggr'ommen sei. So konnten an der Maschine die einen Anfchaf» fungswcrt von 15 000 Mark ausweist, bereit» 5000 Mark abgeschrieben werden. Dem Ansinnen einiger ausgeschiedener Mitglieder, sie von der Haftung zu entd.ndcn und den Geschäftsanteil zuruckzuzahlen, konnte nicht entsprochen werden. Rach einer regen Aussprache konnte die Versammlung mit Dank an die Mitarbeiter geschlossen werden.
t Rödgen, 14 Dez. Bei der aestrlgen Bürgermeister.Stichwahl machten von SCO Wahlberechtigten 487 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Es erhielt der Kandidat Philipp Becker IL 251 Stimmen und ist somit gewählt. Sein Gegenkandidat Ferdinand Schmidt erhiell 227 Stimmen. 9 Stimm.n waren ungültig.
+ Grünberg, 13. Dez. Heute veranstaltete da« hiesige Landwirt sch astsamt einen vor- tragskurs im Gasthaus „vum Rappen", der recht zahlreich besucht war. Dircllor Trautmann, der Leiter des hiesigen Landwirtlchastsamte», sp.ich zuerst über „Fcldsutterbau". Den zweiten Dort, g hielt Oberveterinärrat Dr. R o ß k o p s (Gieß...) über „Das freiwillige Tuberkulosc.Tilgungrverfahrei' in Helsen". Ergänzt wurde dieser Vortrag durch *-* Vorführung eines Films, der in anschaulicher Welse die Bekämpfung der Tuberkulose unter den Rind- Viehbeständen zeigte. Eine rege Aussprache schieß sich an.
WessenKindbinich?
Jxoman von $r. Lehne.
(lltb berschutz durch C. Ack-.rmann. Rcrnanzentrale Stuttgart)
28 Fortietzung Rachdruck verboten
Ein tiefer, zitternder Atemzug, einem Seufzer gleich, glitt über Angelas Lippen.
Der Pfarrer heftete seine großen Augen mit dem seltsam hellen, durchdringenden D.ick auf daS Gesicht der Tochter, und leise, in eigenartig drängendem Tone, fragte er:
.Wein Kind, hast du mir gar nichts zu sagen?"
Den Dater nicht gleich verstehend, blickte Angela ihn eine Sekunde fragend an — dann aber lad sie deutlich auf seinem schmerzerfüllten Gesicht, daß er ihr Geheimnis erraten! Schneebleich wurde sie.
.Dater!"' wimmerte sie; sie stürzte zu seinen Füßen, die Stirn fast bis zum Boden geneigt.
Pfarrer Elurm stand da, den Kops erhoben, die Augen in weite Fernen gerichtet — seine Tochter — war es möglich, daß sie daS hatte tun können?
Wie ein Richter erschien die hohe, nur leicht vom Alter gebeugte Greisengestalt.
.Mein Kind, wie konntest du so schwere Schuld auf dich laden, ein dir von Gott g:lieheneS Gut — wegzuwerfen? Solch eine Sünde ist nicht zu verzeihen I"
.Doch, Dater, Gott hat sie mir verziehen! Denn tote durch ein Wunder hat er mir mein Kind wieder zugeführt —." Angela hob das tränen- überströ.nte Gesicht zum Dater empor, .dieses Zusammentreffen mit Gbba war mehr als Zufall: eS war von Gott gewollt, und darum, Dater, mußt auch du mir verzeihen —"
Er schwieg.
War hier sein Schweigen sein Urteil? — .Dater —I“ flehte fic, und ihre Lippen preßten sich auf seine Hand.
.Lasse mich erst in dieser Wirrnis zurechtsinden. Doch stehe auf, Angela, und sage mir, waS dich dazu bewoaen hatte?"
Sie erhob sich und ließ sich schwer in den Lehnstuhl fallen. Ihre Augen suchten am Boden, als sie leise sagte:
.Ich weiß es jetzt nicht mehr! GS war. alS ob ich unter einem sremden Willen stand! Was mein Mann wollte, mußte ich tun — ich habe euch ja von ihm erzählt —**
.— und als er wünschte, daß du dich deines Kindes entäußertest, hast du auch dieses Ungeheuerliche getan! Richt allein die £ ern hast du ausgegeben, sondern auch dein Fleisch und Blut — so ebne Widerrede — ohne daran zu denken, was auS dem hilflosen Würmchen werden könnte — o mein Kind — vor einem Rätsel stebe ich — welche Abgründe in eines Menschen Seele —"
.Dater, ich weih es selbst nicht! Sein Wille, er war so groß, so mächtig! Wie unter einem Zwang stand ich, wenn er etwas wünschte!" wiederholte sie, .jetzt ist mir selbst so vieles in meinem Tun unerklärlich. Ganz frei bin ich erst wieder seit seinem Tode! Sein Wille tötete jeden Widerstand und meinen eigenen Willen! Als ob ich in einer stündigen, mir selbst unbewußten Hypnose an seiner Seite während all der Iahre gelebt hätte! älnd dennoch war ich so glücklich! Die Geburt des Kindes, die ich mit Tränen begrüßt, war ihm in seinen Plänen hinderlich. Seine alte Ruhelosigkeit packte ihn — er wollte nach dem Wunderlande Indien! Er redete in mich hinein, bat mich, mitzukommen, als ich sagte, deS Kindes wegen müßten wir auf alle Pläne vernichten! And dann schläferte mich wieder dieser seltsame Wille ein — ich dachte mit seinen Gedanken, sah mit seinen Augen! Eines Tages stand ich vor der vollendeten Tatsache! Er war mit dem Ärcfttoagen forigefahren, al 3 ich an einer schweren Erkältung mehrere Taae das Brtt hüten mußte und daS Kind nicht sehen durfte. Heimlich hatte er es der Wärterin abgenommen mit dem Bemerken, es zu seinen Verwandten zu bringen, da man auf einer Seereise ein so kleines Kind nicht haben könne. Rie hat er mir gesagt, wohin er daS Kind geschasst hat. Rur. es sei gut au'ge- hoben I Weiter zu fragen und zu denken, wagte ich nicht, konnte ich nicht — ich war wieder ein- geschläfert! ülnd dann verließen wir für lange Iahre Europa! Dater, ich kann dem allen nicht die richtigen Worte geben! Weil alles doch keine Entschuldigung ist. Denn aus jedem Wort formt sich eine Anklage für mich! Glaubst du, ich habe keine Sehnsucht nach meinem Fleisch und Blut gehabt? Und je älter ich wurde, desto größer wurde die Sehnsucht! Unerhört habe ich gefehlt, doch unerhört auch bin ich bestraft — jet>t kommt mir dies voll zum Bewußtsein! Oder ist es keine Strafe, wenn Ebba niemals erfahren darf, daß ich die Frau bin, die sie geboren — daß sie mich niemals mit dem Worte ,Mutter< nennen wird?"
Ein Ausdruck unsagbaren Leide- la? auf dem schönen Gesicht der Frau, al- sie die tränenumflorten Augen zum Dater hob und nach kurzem Schweiaen sortsuhr:
.— Denn wenn Ebba die Wahrheit erführe, würde sie sich voll Haß und Verachtung von mir wenden! Ich kenne ihre Ansicht über ihre Mutter, und tief und schmerzhaft brennt mir im Herzen, waS sie über sie gesagt! Rein! Ich muh mich mit den Almosen der Liebe, die sie mir. alS ihrer Wohltäterin, entgegenbringt, bescheiden und mich reich wie ein König fügten, weil ich da- schon nicht verdiene! Den einen Wunsch habe ich nur noch, den Lebensweg meines Kinde- so sonnig wie möglich zu gestalten — und gottlob, dah ich e- kann! Ich könnte ihr sogar den Mann ihrer Liebe geben —"
.Wie willst du da- ermöglichen?*
.Lasse mich noch nachdenken, Dater! Es steht alles bei Ebba. Oder wenn sie vorzieht, Künstlerin, von der die Welt spricht — in ihr steckt ein außergewöhnliches Talent —"
.Ich bitte dich, Angela, nein! Richt die Bühne! Meine Tochter habe ich an die Bühne verloren — meine geliebte Enkelin soll ihr fernbleiben — ich verlange es jetzt von dir, Angela —I Es ist die erste Ditte, die ich an dich richte —I Diese- Kindes Seele, die ich mit gebildet, in die ich die Samenkörner des Guten und Schonen gelegt, die soll unS bleiben! Ach! dieses holde Kind, untere Enkelin — wir haben eS geliebt, weil eS unS immer an dich erinnerte — dein Kind war in den allerbesten Händen —“
Die Stimme des alten Herrn bebte vor Erregung.
Angela hielt die Hände vor dem Gesicht, und naß quoll es zwischen ihren schlanken Fingern hervor.
.Dater, kannst du mir um dieses Kinde- willen verzeihen?" stammelte sie unter ihren Tränen.
.Ich kann eS; ich vergebe dir, was du gefehlt! Gott, der Herr hat deine Wege wunderbar geführt, und ich danke ihm für feine große Güte! Wir müssen alle durch L:id und Tränen, und wie vielen bleibt der versöhnende AuSgang vor- entfoaltcn!"
Angela neigte sich über deS DaterS Hand.
.Ich danke dir, Dater! Lind der Mutter sagst du eS, wenn du es für richtig hältst! Sie fall sich ihre- Enkelkindes von Herzen freuen können! Sie wird mir auch verzeihen — — denn eine Mutter vergibt das Schwerste, da- Unmöglichste! lind sie vergibt mir auch, dah ich bisher noch ein Geheimnis vor euch hatte —"
.Roch ein Geheimnis? Hieltest du unS deines Vertrauens nicht für würdig?" fragte der P.arrer voll Bitterkeit.
.Rein, Dater, nur ich selbst legte so wenig Wert daraus! Da ich aber in Ebba meine Tochter erkannt, muß ich ihretwegen Gebrauch davon machen! Ich hatte euch erzählt, daß mein Wann von vornehmer Abstammung war, hatte euch aber feinen Ramcn nicht genannt: er hieß Alerander Graf Rein-Hagen — — Ebba ist also auch eine Komteffe Rein-Hagen wie ihre Freundin 3ma.“
»WaS sagst du da, Angela? Drr Sonderling, der ältere Bruder vom Grafen Rein-Hagen, war dein Gatte — SbbaS Dater —? Der alle Herr war außer sich vor Staunen, .ich habe viel im Dorfe von ihm sprechen hören —"
.— morgen werde ich dir noch mehr erzählen! Ich werde dir die Paviere zeig?n, au- denen du ersiehst, dah der große Besitz im Grunde Gbba gehört —“
.Angela! Du willst doch nicht etwa —“
Der Pfarrer war erschrocken. Rein. waS er in diesem Augenblick befürchtete, da- deckte sich nicht mit seinen Begriffen von Gerechtigkeit und Recht!
.Beruhige dich, Dater, nein! Ich habe nicht
die Absicht, da dieS durchaus nicht im Sinne meine- verstorbenen ManneS wäre! Und wenn ich es wollte--SbbaS wegen könnte ich nichts
offiziell unternehmen; denn dann würde sie erfahren, WaS ihr doch verborgen bleiben soll! Genug jetzt--morgen mehr, Dater! Ich höre
Ebba kommen!"
Lebhaft trat da- junge Mädchen ein —:
.Die Frau Pfarrer ist jetzt erst eingeschlafen! Ich mußte ihr noch viel vom Schloß erzählen —**
AIS sie die ergriffenen Gesichter der beide« sah, hielt sie inne, fragend von einem -um andern blickend.
.Ich habe eben mit meiner Tochter verabrede^ daß ich mit euch nach RrinShagen fahre! Ich möchte meinen jungen Amtsbruder und feine Cltcrn bei dieser Gelegenheit Wiedersehen."
Wie sich die Sböa freute!
Es rührte ihn.
In leiser, zärtlicher Liebkosung strich er über ihr Haar, und voller Gluck dachte er: .Wein Enkelkind, mein geliebte- Enkelkind!"
Und über Ebba- blondem Scheitel trafen sich seine Augen mit denen der Tochter.
17.
Aus Schloß Rein-Hagen war e< nicht mehr tote sonst; Inga- fröhliches Lachen war verstummt; ernst, nur das Rötigste sprechend, verbrachte fit ihre Tage, grwi'fenhaft die ihr übertragenen Pflichten er üllend.
Durch ihr verändert:- We'en wurde eine frostige Atmosphäre geschaffen; selbst Hanno war nicht unempfindlich dagegen. Seine frohe Ratur brauchte einen Widerhall, wie er ihn bisher in der zärtlich geliebten Schwester gc unben.
Wer Inga hatte ihren Sisenkopf — für fle gab es kein Rachgeben — sie heiratete nur den Mann ihrer Liebe, und da- war nicht der Baron Drandeck, sondern Christian Lenz, der jung; Pfarrer
In der ihr eigenen entschlossenen Art hatte sie eS der Mutter endlich gesagt, einmal mußte eS feini Sie kam nicht um ein Geständnis ihrer L ebe, auch wenn sie wartete und schwieg. Kä npse hatte es immer gekostet? Ihrer geraden ehrlichen Ratur widerstrebten Heimlichkeiten Dem ersten Zorn und Entsetzen der Eltern hätte sie immer stand- halten müssen--also Mut gezeigt! Sinsperren
und inS Kloster stecken konnte man sie nicht, wie sie mit leisem Lächeln dachte.
Ratürlictz war die Gräfin über dieses Geständnis außer sich gewesen; ist re gan;e vornehme Ruhe war dahin. Sie tobte sörmlich, verfiel in Weinkrämpfe. Auch der Graf war sehr ungehalten. — .Schlage dir eine solche Phantasterei auS dem Kopfe, Inga! Rie gebe ich meine Einwilligung."
.Es wird die Zeit kommen, wo ich mündig bin!" ver'etzte Inga ruhig.
.Ah — wie fein ihr da- abgekartet habt!" (Fortsetzung folgt.)


