Ausgabe 
14.9.1931
 
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Nr. 214 Erstes Blatt

181. Jahrgang

Montag, 14. September (931

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Dmd und Verlag: vrühl'fche Univerfilülr-Vuch- und Steinöruderet H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulltraße 7.

Annahme dor Snjeiaen für die Tageinumm« bi» zum Nachmttlag vorher.

Preis für 1 mm höht für Anzeigen von 27 mm Breite örlhd) 8, auswärts 10 Reichrpsennig; für^e- hlameameigtn von 70 n m Treitt 35Htidispfennig, Plotzvorschrisl 20" . mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Perantroortlid) für Volmli Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.IKyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max FiU«, fämllid) in (Biehen.

Crfcheint 1 üglich, außer Sonntags und Feiertags.

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Die Illustrierte Gießener Familien blätter

Heimat im Bild Die Scholle.

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5ernfpre(danfchlüffe enterSammeinummer2251. Anfchrift für Drahtnach« richten Anzeiger Gießen.

Poftfchecktonto:

Sranffurlam Main 11686.

Kommunistisches Attentat auf den II-Zug Budapest-Wien.

Budapest, 13. Sept. (WTB). Bei Bia Torbagy (etwa 20 Kilometer von Budapest) explodierte auf einem Eifenbahnviadukt eine Höllenmaschine, während der D-Zug Budapest-Wien-Passau-Köln die Brücke passierte. Oie Lokomotive und sechs Wagen stürzten 30 Meter in die Tiefe. Bis seht sind 24 Tote geborgen worden. Es wird mit mindestens 50 Verwundeten gerechnet. Oie Neiiungsarbeiien gestalteten sich äußerst schwierig.

Am Schauplatz der Katastrophe.

Das Unglück wurde zuerst von einem Gepäck­träger der Station Bia Torbagy wahrgcnommen, der sofort Feuerwehr und Gendarmerie alarmierte. Der Schauplatz der Katastrophe war im Dunkel der Nacht schon von weitem sichtbar, da mehrere Waggonteile lichterloh brannten. 3n einer Tiefe von etwa 30 Meter lagen die vollständig zertrümmerte Lokomotive und dis Waggons, während auf dem Gleise selbst noch fünf losgerissene Wagen standen. Durch die Stille der Nacht hallten Wehruse in verschieden­sten Sprachen und aus den Trümmern wurden blutende Derletzte hervorgeholt.

Die Bewohner von Bia Torbagy erzählten, sie leien um 0.15 Uhr durch eine furchtbare Detonation aus dem Schlafe geweckt worden, und unmittelbar darauf schien es, als ob ein Schrapnell durch die Luft fauste. Durch die Ex« f'losion ist nämlich ein langes Schienen« lück herausgerissen worden, dos bis nahe an die fast 7 Kilometer von der Unglücksstelle ent­fernt licaenbe Gemeinde Torbagy geschleudert wurde. Das Sausen dieses Eisenstückes war es, das die Bevölkerung an das Geräusch eines Schrapnells erinnerte.

Die Unglücksfielle ist von Militär und Gendarme- rle abgesperrt. Hinter der von der Absperrungs« Mannschaft gezogenen Kette standen weinend die Frauen und Kinder der nahen Dörfer. Kleine Bauernwagen, daraus je ein brauner Holzsarg, reihen sich aneinander, um die geborgenen Leichen fortzuführen. Der Zug war wenig von.internatio­nalem Publikum besetzt. Unter den bisher geborge­nen Toten befindet sich kein Ausländer. Iden- tisiziert werden konnten bisher der Zugführer, zwei Eisenbahnbedienstete und drei Frauen. Unter den Verletzten Hot man bisher vier Ausländer fest­gestellt, und zwar eine Amerikanerin, einen Lon- boner, einen Pariser und einen Wiener. Alle Ver­wundeten wurden nach Budapester Krankenhäusern gebracht.

Schon die ersten Feststellungen ergaben eine ausfällige Liebereinstimmung des ver­brecherischen Anschlages mit den Atten­taten in Südslawien sowie dem Jü­terboger Attentat. (38 besteht Grund zu der Annahme, dast, als die Explosion erfolgte, der dritte oder vierte Wagen entgleiste und sofort vom Viadukt obstürzte, mehrere andere Wagen, sowie die Lokomotive mit sich reißend. Die letzten fünf Wagen, in denen sich die meisten Passagiere befanden, waren noch nicht bis zum Viadukt gelangt, sie rissen ab und blieben auf dem Bahnkörper stehen. Während der Der- aungsarbeiten wurde ein Mann in blauem Anzug von den Gendarmen dem Leiter der politischen Polizei vorgeführt mit der Angabe, dieser Mann sei nach dem Attentat die Gleise entlang in Richtung Budapest gelau­fen. Angeblich sei er ein Ingenieur, es stellte sich heraus, daß er nur ein Bauarbeiter ist. Cs bestehen viele Verdachtsmomente gegen ihn. Er und ein ebenfalls verdächtig erscheinender Fabrik­arbeiter werden verhört werden. Heute morgen verhaftete die Szegeder Polizei den aus Budapest eingetroffenen Universitätshörer Peter Buchholz, der die Eisenbahnbrücke photographierte. Er gab an, daß er den Sonnenaufgang photographieren wollte. Da ver­schiedene Verdachtsgründe aufgctaucht sind, ist die Szegeder Polizei mit Budapest in Fühlung getreten.

Oas Ergebnis der Untersuchung.

Tas Attentat einer internationalen Uonnnunistcngruppc

Rach Feststellungen der Polizei ist das Lisen- bafjnaltentat bolschewistischen Ursprungs. Ls ist wahrscheinlich von mehreren Tälern verübt worden.

Roch den Feststellungen des Kommandanten der Pionierabteilung, Hauptmann Nagy, der gleich­zeitig Explofionssachverständiger ist. bestand die Höllenmaschine aus einem kleinen Vulkansiberkoffer, der mit ein bis zwei Kilo Nitroglyze­rin oder Dynamit gefüllt und an dem eine Zündschnur angebracht war, die durch zwei ge­wöhnliche kupferdrähle mit einem elektri­schen Taschenlampenelement in Ver­bindung stand. Die Drähte waren so ange­bracht, dah sie durch den über sie hinwegfahrenden Zug in Kontakt tarnen, wodurch Kurzschluß entstand, de? die Zündschnur in Brand setzte und den Zündstoff zur Explosion brachte. Zünder, Zündschnur und Explosivstoff der Höllenmaschine sind deutsches Fabrikat, das elektrische Ele­ment aber polnischen oder englischen Ur­sprungs, infolgedessen scheint es klar, dah das

Attentat von einer internationalen Kom - muniflengruppe verübt worden ist, die in den letzten wahren eine Reihe von Attentaten in aus­ländischen Staaten verübte. L» wurde auch festge­stellt, datz die Höllenmafchine nicht mit einem Uhr­werk verbunden war, sondern dah die Sprengung auf Grund von Beobachtungen an Ort und Steile mit gröhter Sachkenntnis veranlaht wurde. Den vor dem Schnellzug fahrenden Per­sonenzug haben die Verbrecher passieren lassen. 3n der Nähe der Unfallstelle wurde ein Brief ge­funden, in dem es heiht: Arbeiter! Ihr habt keine Rechte! Nun, wir werden Luch fotche von den Kapitalisten erwirken. Jeden Monat werdet Ihr von uns hören, denn unsere Freunde sind überall zuhause. Ls gibt keine Arbeitsgelegen­heit! Nun, wir werden welche schaffen. Alles werden die Kapitalisten zu zahlen haben. Fürchtet nichts, unser Benzin geht nicht aus!

Die Unterschrift laufet: Der Ueberfetzer.

Der Bericht eines Augenzeugen.

Der Budapester Vertreter der .TU." hatte Ge­legenheit, mit einem Augenzeugen des Eisenbahn­attentates zu sprechen, der das furchtbare Erlebnis folgendermaßen schilderte:

»Ich bestieg in Budapest den ersten Wagen des Wiener Schnellzuges. Da aber kein Platz vorhan­den war, begab ich mich in den vorletzten Wagen und legte mich dort zum Schlaf nieder. Nur diesem llmftanb habe ich es zu verdanken, dah ich mit dem Leben davongekommen bin. Etwa zehn Mi­nuten nach Abfahrt des Zuges ereignete sich das Tlnglück. Ich wurde durch eine furchtbareDe- t o n a t i o n und ein ohrenbetäubende- Getöse aus dem Schlafe geweckt. Im gleichen Augenblick erloschen sämtliche Lichter. Die Passa­

giere wurden von ihren Plätzen geworsen, niemand wußte im ersten Augenblick, was geschehen war. Erst, als Hilferufe ertönten, und als die Verwun­deten furchtbar stöhnten, wurde man sich dessen bewußt, daß eine Katastrophe eingetreten sein mußte. Da vollkommene Finsternis herrschte, konnte vorerst überhaupt nicht an Rettungsarbeiten ge­dacht werden. Eine Stunde später trafen die Feuer­wehren ein, die jedoch vergessen haften, Fackeln mitzubringen. 3n aller Eile wurden dann Scheiterhaufen errichtet, bei deren Schein an die Rettungsarbeiten geschritten wurde. Die Wagen des Zuges hingen größtenteils über dem 24 Meter tiefen Abgrund zwischen Himmel und Erde, so dah man die Trümmer nicht erreichen konnte. Erst als später Polizei und Militär hinzu­kam, konnten die Nettungs- und Bergungsarbeiten mit vereinten Kräften ausgenommen werden. Wie sich herauSstellte, waren die Taschenuhren des Zugpersonals in dem Augenblick stehengeblieben, als sich die Katastrophe kurz nach Mitter­nacht ereignete."

Geheimnisvolle Anrufe.

Ls wurde festgestellt, dah der Skalionschef einer ungarischen Station um 23 Uhr also kaum 40 Minuten vor dem via Torbagyer Lifenbahnaffenfaf von zwei ausländi­schen Stationen telephonisch angerufen wurde, und zwar von London und Kopenhagen. Der unbekannte Sprecher erkundigte sich danach, ob auf den ungarischen Eisenbahnlinien alles in Ordnung wäre. Auf die Frage, warum er die» wissen wolle, antwortete der Unbefannle in deutscher Sprache, er wolle nur feinen Fahrplan zusammen- sfellen. Man hält es für wahrscheinlich, dah der An­ruf mit dem Affenfak Im Zusammenhang steht.

Mißglückter Seimwehrpulsch in Steiermark

Pfriemer mobilisiert die steirischen Heimwehren. - Oer Putsch bereits in wenigen Stunden zusammengebrochen.

Oie amtliche Meldung.

Tie Abwehr der Bundesregierung.

Wien, 13. Sept. (IU. Umfl.) Lin Teil des Heimat- schuhe» unter Führung Dr. p f 11 e m e t » hat heute (Sonntag) nacht in einigen Orten Steier­mark» sowie in einigen Orten Oberöster­reich» und Salzburg» seine Anhänger alar­miert und zum Teil in Bewegung gesetzt. 3n Bruck an der Mur wurden die Verkehrswege blockiert. Dr. pfriemer hat eine Proklamation erlassen, durch die er die Bevölkerung von der Uebernahme bet Macht im Staate durch den ihm unter­stehenden Heimatschuh in Kenntnis seht. Polizei, Gendarmerie und Bundesheer sind in den betreffenden Gebieten in Bereitschaft gesetzt. Die Bundesregierung hat alles veranlaht, um die Ord­nung vollkommen .wiedcrherzustellen. Mit Aus­nahme der erwähnten Orte herrscht im ganzen Bun­desgebiet und in der Bundeshauptstadt vollständige Ruhe. 3n Oberösterreich ist es nur in dem Ort Kirchhof an der Krems zu einer nennens­werten Bewegung gekommen, die bereits er­ledigt ist. verhaftet wurden der lokale heimwehr- führer Riftlechner und der Regierungsfommiffar Lienböck, ein Beamter der politischen Verwaltung.

Die Gruppe pfriemer ist der Teil des hei- maffchuhes. der früher unter der Führung des Fürsten Starfjemberg stand. Bekanntlich hat sich Starhemberg wegen privater Verhältnisse be­urlauben lassen und die Führung Pfriemer übergeben. Diese Heimwehrgruppe erstreckte ihren Linsluh hauptsächlich auf Steiermark, Oberösterreich und Salzburg.

Wie der putsch inszeniert wurde.

Zusammenschluß Der Hcimwchren. Proklamation Tr Pfriemers.

In den obersteirischen Ortschaften Bruck, Katzenbcrg. Judenburg und Schlad - m i n g erschien heute um 2 Llhr früh bewaff­nete Hcimwehr und versuchte, die Stächt? militärisch zu besetzen. Der Dundesführer der Hcimwehr. Dr. Pfriemer. versammelte um 2 il&r früh in Judenburg die Unterführer um sich. In Kirchdorf (Oberösterreich) hatte der ört­liche Heimatschutz die Dezirkshauptmannschaft be­

setzt, die durch Gendarmerie aus Linz an der Donau und Bundesheer sofort geräumt wurde. In Druck an der Mur wurden Ma­schinengewehre aufgestellt. Beim Bürgermeister von Fonsdorf, Nationalrat Horvartek, er­schien der Ingenieur Pichler vom Heimatfchutz und erklärte ihm, daß die Regierung abgcfetzt fei und Dr. Pfriemer die Macht im Staate über­nommen habe. Eine von Dr. Pfriemer erlassene Proklamation an das österreichische Volk erklärt u. a., dah die Heimwehr die Staatsmacht übernehme, und er entbinde alle Beamten und Soldaten ihres Diensteides und nehme sie für sich in Gib. Gleichzeitig sei eine neue Verfassung veröffentlicht worden, in der Pfriemer sich selbst zum Staatsführer ernennt und den Ober­befehl über das Bundesheer übernommen habe. In dieser Verfassung seien die Geschworenen- Gerichte abgeschafft und das Pfandrecht prokla­miert. Das Land Wien sei aufgehoben worden.

Oie Gegenaktion.

Tas Militär in wenigen Stunden Herr der Lage

Um 16 Uhr standen etwa 1000 Putschisten bei Leoben, je 1000 in der Umgebung von Knit« telfelb uni) Iudenburg. Der Bahnhof von Eelztal und Hengstenbad, ferner Grödnitz und Cie- zen waren noch von den Heimwehren besetzt. In Leoben, wo sich die Heimwehr in einigen Gebäuden gesammelt hat, herrschte vollkommene Ruhe. Um 12 Uhr teilte die Bundesregierung mit, daß eine große Militärabteilung aus Graz mit Maschinengewehren und Handgranaten nach Ober« fteiermart in Marsch gesetzt worden sei. Gleichzeitig wurden alle Garnisonen alarmiert. Auch aus Wien und Klagenfunh wurden Militärabtei- lungen zur Unterstützung des Grazer Militärs nach Obersteiermark entsandt. Der Truppentransport mußte in Lastautos vor sich gehen, da die Heim« mehr in den Morgenstunden die Bahnhöfe besetzt hielt, die erst später geräumt wurden. Kleine Hei- matschutztruppen, die aus Wien nach Steiermark ab« gehen wollten, wurden von der Polizei daran ge­hindert. Um 15 Uhr wurden die Heimwehrabteilun« gen, die an dem Putsch beteiligt sind, zwischen Leoben und Iudenburg zusammengedrängt. Um 18 Uhr konnte die Heimwehraktion in Nord­steiermark bereits als gescheitert gelten. Die Hcimwehr hatte ihre Positionen bereits geräumt. Eisenbahnverkehr, Telephon- und Telegraph funktio- nierten in Steiermark in voller Ordnung. Auch in Oberösterreich herrschte vollständige Ruhe.

Gänzliche Isolierung Pfriemen?.

Die Heiniwetzrcn in den anderen Bundes­länder stehen dein Putsch fern.

Innsbruck, 13. Sept. (WTB.) Die tiroler H e i m w e h r unter Führung von Dr. S t e i b I e hat kategorisch erklärt, daß sie mit der ganzen Aktion von Dr. Pfriemer nichts zu tun haben wolle. Ebenso bat die Parteileitung der Nationalsozialistischen Arbeiter­partei Oesterreichs eine Kundgebung veröffent­licht, in der sie ebenfalls betont, der Aktion vollkommen fernzu stehen. In ganz Tirol herrscht vollständige Ruhe. Auch in Salz­burg kam eS nur in Sankt Johann und in klei­neren Orten zu Alarmierungen, aber nirgends au Bewegungen. In Kärnten und in Vorarlberg haben sich die dortigen Heimwehrformationen dem Putsch überhaupt nicht angeschlossen. Am stärksten war also das Vorgehen der Heimwehr in Ober­fteiermark, wo die Teilnehmer am Putsch auf 10 000 bis 15 000 Mann geschäht werden

Die amtliche .Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Erklärung der LandeSsührung der nieder- österreichischen Heim wehr, die von dem Landesführer Raab unterzeichnet ist Es wird darin erklärt, daß diese mit den Aufruhrver- suchen nichts gemein hat, sie nicht nur ab» lehnt und verurteilt, sondern auch aktiv gegen der­artige Versuche auftreten würde. Sie stelle alle Formationen der Regierung gegen Putschabfichten zur Verfügung und habe ihre Dienststellen ange­wiesen, sich zur Unter st ühung der lega­le n G e w a l t bereitzustellen. Eine Erklärung der Tiroler Heimwehr besagt, daß sie von dem Vor­gehen des Steierischen Heimatschuhes vollständig überrascht sei. dem Unternehmen gänzlich fern» stünde und bedauerte, daß durch solche unüberlegte Verstöße dem Heimwehrgedanken In kurzsichtiger Weise schwererSchadenzugefügt worden sei. Alle Kameraden werden ausgesordert. Ruhe zu bewahren und sich unbeirrt durch die Ereignisse auch weiterhin in den Dienst deS gesunden Heim- weyrgedankens zu stellen.

Pfriemer bricht die Aktion ab.

Tie Heimwetzrcn kehren nach Hause zurück.

Graz, 13. Sept 3n später Abendstunde erging folgender Beschluß de» vundessührer» Dr. pfriemer:

An alle heimatschutzsührer Oesterreich»! Die Not­lage de» Bauernstandes, da» Elend weiter kreise und der Arbeiterschaft sowie der schassenden Teile unsere» Volke» hat mich veranlaßt, einen letzten Ret­tungsversuch zu machen, um e» vor Au »- landoersklavung und Niedergang zu bewahren. Obwohl wir nicht nur ganz Steiermark mit Ausnahme von Grah beseht, sondern darüber hinausgegriffen haben, breche ich, um Blutver­gießen zwischen Heimatschuh und Exekutive zu ver­meiden, die Aktion ab. Alle Heimalschuhabtei- hingen haben sofort geschlossen in ihre Heimat­gemeinden abzurücken. Mein letzter Dank al» Buydessührer des Heimatschuhes gilt allen Füh- rern und Kameraden, die gleich mir alles versucht haben, die 3dee unsere» Heimatschuhes durchzusehen. 3nsbesondere danke ich allen steirischen Kameraden für ihre unendlichen Opfer, die sie der Bewegung brachten. Gleichzeitig teile ich mit, dah ich meine Führer st eile dem heimatschuh zurück­gebe.

3n den Abendstunden erging an die obersteirischen Heimwehrformationen die Weisung, die Aktion dn- zuftellen und nach Hause zu gehen. Auch die in der Nähe von Graz zusammengezogenen heim- schuhler aus westsleiermark traten den Heimweg an. Oie Liquidierung des puksches Hastbcschle gegen Pfriemer und Diauier.

Wien, 14. Sept. (WTB. Funksoruch.) Der 24- stündige Wahnsinnspulsch des steirischen Heimwehr- führers Dr. Piriemer gilt als erledigt. Das Er­scheinen der Polizei, des Bundesheeres und der Gen­darmerie hat überall beruhigend gewirkt, ohne daß es .zu ernsteren Blutvergießen gekommen wäre. Tatsächlich ist außer den zwei bei den Zusammen- flößen ums Leben yekommenen sozialdemokratischen Arbeitern kein werteres Todesopfer zu beklagen. Mehrere hundert Personen wurden verhaftet und werden sich wegen A u f r u h r s zu verantworten haben. Gegen Pfriemer und den Heimwehrführer Rauter sind Haftbefehle erlassen worden. Das BlattDer Morgen" berichtet, daß zwei Generäle im Ruhestand auf Anordnung der Staatsanwalt­schaft verhaftet worden seien. Eine offizielle Bestäti­gung dieser Meldung liegt aber ebensowenig vor, wie die einer weiteren Meldung des genannten Blattes, daß gegen den Heimwehrführer Star- Hemberg ein Haftbefehl erlassen und sein Schloß in Eferding von Gendarmerie besetzt werden soll. 2m Laufe des gestrigen 2Ibeubs erschienen auch die