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m. 259 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhesfen)
Englands Aufmarsch zum Wahlkampf.
Zerfall -er Liberalen. — Oer kranke Lloyd George. —Frei Hand für Macdonald. Oie Heilung Englands.
Don unserem Londoner D. 6.-Mitarbeiter.
den. Das ist Sache von Fachleuten. Gewinnt die Regierung den Wahlkampf, so bedeutet das eine Generalvollmacht, jedoch keine Generalvorschrift für sie. Grundsatz bleibt: Englands Einfuhr soll eingeschränkt, seine Konkurrenzfähigkeit gehoben werden. Wie auch die Dinge gehen, an diesem Ziel wird nicht gerüttelt werden. Es ist lebensnotwendig.
London, Oktober 1931.
®aö zweite Kabinett Macdonald ist gewesen. Wer vor zwei Monaten vorausgesagt hätte, das; sein Führer als Haupt einer Ra» tionalregierung den nächsten Wahlkampf gegen seine alten Freunde führen würde, der wäre für einen Darren gehalten worden. Wer gesagt hätte, daß Macdonald lttS Konservativen in den Wahlkampf führen würde, wäre in ein Tollhaus geschickt worden. Run ist das alles Wahrheit. Zwar nicht im buchstäblichen Sinne des Wortes: denn die Konservativen kämpfen unter ihrer eigenen Leitung, die zerbrochenen Liberalen unter ihrer alten Doppelleitung, und Macdonald führt seinerseits eine nationale Arbeiterpartei, die zum Zwecke dieses Wahlkampfes gebildet worden ist. Doch wäre all dieses nicht denkbar, wenn nicht Macdonald den großen Entschluß gefaßt hätte, feine Vergangenheit und seine Zukunft dem Interesse der Ration bedingungslos zur Verfügung zu stellen. Voila un Komme!
Der Entschluß zu diesem Wahlkampf wurde durch ein wenig eindrucksvolles Intrigenspiel der Parteien vorbereitet. Mal hieß es: keine Wahlen, mal wieder: sofortige Wahlen. Die Dinge lagen freilich kompliziert genug. Die Bildung der Rationalregierung hatte alle darin vertretenen Parteien in einen Konflikt mit ihrer Parteidoktrin gebracht, besonders die Liberalen und die Konservativen. Zwar ist der Seelenkampf der Konservativen nach außen- nicht so deutlich geworden wie die nunmehr vollzogene offene Spaltung der Liberalen, aber schwer genug war er dennoch. Denn im Grunde waren Reuwahlen ganz überflüssig. Die Rationalregierung besaß eine sichere Mehrheit, bestehend aus Konservativen, Liberalen und einigen Arbeitern. Aber die Sache war die, daß sich der alte kranke Kämpe Lloyd George auf seinem Krankenlager in Churth nicht ausschalten lassen wollte. Er versuchte die Fäden in der Hand zu halten^ und den ungekrönten König zu spielen. Dies Spiel ist ihm mißglückt. Sein Parteifreund Sir John Simon wird die andere Hälfte der Liberalen mit konservativer Unterstützung führen. Das oft vorhergesagte Ereignis ist also eingetreten: die alte liberale Partei hat taktisch aufgvhört zu bestehen. Sie ist in dem großen Gegensatz von Rechts und Links mitleidlos zerrieben worden.
durch die Erwägung gemildert, daß die Konservativen trotzdem mit ihrem Programm in den Wahlkampf ziehen, ober Baldwin, ihr Führer, steht im Schatten. Macdonald hat sich als die größere Rümmer erwiesen. Reville Chamberlain kann dagegen nicht aus. Seine Sachlichkeit, seine Tüchtigkeit reichen nicht ganz zum Bilde eines wirklichen konservativen Führers, und ansonst ist niemand, der es könnte.
Die große Mehrzahl rechnet trotzdem mit einem überwältigenden Siege der Rationalregierung. Sie wird sehr hoch an der Börse notiert. Die Börse hat meist recht behalten. Aber zur Zeit hat auch sie noch kein verläßliches Urteil Eines steht aber schon heute fest: Dieser Wahlkampf ist ein Vertrauensbeweis für den gesunden Menschenverstand des englischen Urwählers. Er muß tatsächlich entscheiden. Er kann alles über den Haufen werfen, er kann alles retten. Er wird ein gehöriges Maß an Selbstüberwindung an den Tag legen müssen. Aber es ist höchst wahrscheinlich, daß die Erwartung, er werde seine Pflicht tun, nicht trügen wird. Bei einem rein parteipolitischen Wahlkampf wären nämlich alle Parteien hereingefallen. Diese Gefahr ist heute geringer geworden.
Die Parole lautet: Frei Hand für Mac- d o n a l d. Dahinter verbirgt sich ein sehr nüchternes Programm. Kern der eng.ischen Krisis ist die wahrscheinlich passive Zahlungsbilanz. Auf alle Fälle ist Englands Reichtum gleichsam eingefroren. Er soll aufgetaut werden, indem man den wichtigsten Posten in der Zahlungsbilanz, nämlich die Handelsbilanz, wieder in Ordnung bringt. Die Ausfuhr ist zu klein, die Einfuhr zu hoch. Die Regulierung zwischen beiden geschieht zwar schon durch den Kurssturz des Pfundes, aber diese Regulierung ist nur ganz schematisch. Sie ist nicht systematisch. Da soll Handelsschutz oder Schutzzoll herangezogen werden, falls es notwendig ist. Dies zu entscheiden bleibt aber dem Kabinett Vorbehalten. Dieser Wahlkampf entscheidet nicht etwa für oder gegen Schutzzoll. Diese Frage kann keine Wählerschaft entfchei-
Dieser Wahlkampf wird die Entscheidung über das Schicksal der englischen Währung bringen. Sie ist innerlich durchaus gesund. Ia, in der City freut man sich, wieviel törichte Leute in der Welt Pfunde viel zu billig verkauft haben: aber Ordnung muß trotzdem geschaffen werden. England wird sich nicht mehr treiben lassen. Betrachtet man die Rückwirkungen der Pfundkrisis, so sieht inan schon jetzt, daß dies Land über ungeheure^ wenn auch ungenutzte Möglichkeiten verfügt. England will nicht nur das Pfund, es will sich selbst retten.
Oer Hessische Volksbund zur Reichsreform.
Die Rot der vergangenen Wochen hat die Fragen der Reichsreform erneut zum Gegenstände öffentlicher Diskussionen gemacht. Hierzu hat der Landesarbeitsausschuß des Hessischen Volksbundes in einer Entschließung Stellung genommen, in der es heißt: „Der Hessische Volksbund verlangt, daß entsprechend der Reichs- Verfassung Länder und nicht nur Reichs- provinzen mit zentralistischer Regierung gebildet werden. Er lehnt jeglichen bureaukratischen Zentralismus als undeutsch und verfassungswidrig ab. Ebenso wendet er sich gegen jeden Partikularismuö im Sinne von souveränen Staaten. Er spricht sich für eine einheitliche Gestaltung der Länder in ganz Deutschland aus. Die Schaffung von zwei verschiedenen Ländertypen, eines norddeutschen und eines süddeutschen, lehnt er aus Gründen der Reichseinheit und der Rechtsgleichheit der deutschen Landschaften und ihrer Bewohner ab. Für Südwestdeutschland fordert der Hessische Volksbund wiederholt die Bildung eines Landes Hessen, bestehend aus Hessen- Kassel, Hessen-Darmstadt, Rassau. Frankfurt und Wetzlar. Er weiß sich bei dieser Forderung einig mit dem Großteil der Bevölkerung der beteiligten Gebiete.
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Es wird eine sehr interessante Frage fein, was von ihr und unter wessen Führung dieses Was wiederkehrt. Lloyd George hat noch immer die Verfügung über den alten Kriegsschah, den er durch Titelverkauf im Kriege zusammengebracht hat. Seine Gruppe kann zum Sammelpunkt des nicht geringen Mißvergnügens über die Abhaltung dieser Wahl werden. Anderseits kann er iricht persönlich eingreifen. Er hat sogar mit Rücksicht auf seinen Zustand um Verschiebung der Wahl gebeten. Dem entgegen wird sich die ton» servative Wahlhilfe für seinen ehemaligen Partei- f reund Sir Iohn Simon wahrscheinlich sehr ongenehm auswirken: denn wenn die Rational- Eioeralen konservative Wahlhilfe erhalten, indem die Konservativen in Simons Wahlkreisen keinen Segenkandidaten aufstellen, bann sollten Erfolge nicht ausbleiben.
Die Konservativen sind ebenfalls in einigen inneren Röten. Ihr rechter Flügel ist immer mach „all out for protection“, einmütig für Schutzzoll, ihr linker Flügel weniger. Schutz- S oll und Pfundentwertung ist zuviel des Guten «uf einmal. Auch gärt es im Untergründe. Daß Inch Baldwin aus der Führung hat heraus- nranöberieren lassen, dieser Schmerz wird zwar
Gaufpieliagung des Turngaues Hessen.
Vor einigen Tagen trafen sich in Gießen die Vertreter der Spielerschaft im Turngau Hessen (DT.) zur ordentlichen Jahresversammlung. Fach- roart, Gauspielwart Fritz Seibert (Wetzlar), erstattete zunächst den umfassenden Jahresbericht, der einen erfreulichen Aufschwung im Spielbetrieb des Gaues erkennen ließ. Im Faustball sind zahlenmäßig zwar keine Fortschritte zu verzeichnen gewesen, dafür hat sich aber die Spielstärke des Gaues weiter gebessert. Als erfreulich bezeichnet der Jahresbericht die Entwicklung des Spiels bei den Altersturnern. In der Sommerspielrunde standen im Gau und in den Bezirken insgesamt 50 Mannschaften. Bei den Spielen der Gausonderklasse in Friedberg und Gießen wurde — wie im Vorjahre — Tv. 1846 Gießen Gaumeister. Gut geschlagen hat sich in der Gaugruppe auch der Frauenmeister des Gaues, M t o. Gießen, der schon öfters den Gau erfolgreich vertreten konnte. Aus der Gausonderklasse ist der Ak.-Tv. „Kurhessen" Marburg als Tabellenletzter ausgeschieden. Im nächsten Jahr wird sein Platz vom T. u. Spv. Butzbach eingenom
men werden, der aus der Meisterklasse aufgestiegen ist. In die Meisterklasse tritt Tv. Hörnsheim ein. In der Altersklasse trug Tgm. Friedberg, neben dem Tv. 1846 Gießen, den Sieg davon.
Im Handball stand das abgelaufene Jahr auf der ganzen Linie im Zeichen des Fortschritts. Der Gau hat an Spielstärke und auch zahlenmäßig beträchtlich gewonnen, lieber achtzig Mannschaften kämpfen zur Zeit allein in der Pflichtrunde, erstmalig zusammen mit den DSB.-Vereinen. Der Be- richt hebt ein Ereignis besonders hervor: die Feier des 10jährigen Bestehens der Handballabteilung des T. u. Spv. Butzbach, und das damit verbundene Handball-Blitzturnier. In der vergangenen Handballrunde errang Tv. Wetzlar-Niebergir- m e s die Meisterwürde und damit den Aufstieg in die Kreisklasse.
Bewährt hat sich die neue Gruppeneinteilung der Schiedsrichter. Durch Kreis- und Gaulehrgänge und durch Freundschaftsspiele wurde die Ausbildung weiter gefördert. Durch die neue Kreisspielordnung ist der Spielbetrieb straff geregelt.
Der gründliche Bericht des Gauspielwarts, der sich unter anderem noch in kritischer Weise mit der Schiedsrichterfrage, dem Unfallwesen, der Bestands- erhebung u. a. technischen Fragen beschäftigte, wurde
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Kleiner Roman auf der Station.
Von Ernst Sander.
Die Ansprüche des menschlichen Herzens sind unter- schieblich, und das sowohl was die Art, als was die Lauer der Vereinigung mit einem anderen Herzen ’ b -trifft. Bedarf das eine, fei es feiner Größe oder " (einer Geringheit- wegen, zu feinem Glücke einer ganzen Unendlichkeit lodernder Ueberschwänge, so ’ b.-scheidet sich das anbere mit einem Blick ober Wnbebruck.
Der Schnellzug Berlin—»Messina hatte, von ber Mennerhöhe sich nieberschwingenb gegen bie Lom- b irdische Ebene hin, Rovereto hinter sich gelassen. Es hämmerte; bünne Nebel zogen aus bem Etschtale bie Arrghänge hinan. Zum Schlafengehen war es noch zui früh; überbies hoffte ich, während bes Aufenthalts in Verona, ber nächsten Station, wie ich annahm, eiiaen Bekannten zu treffen. So also ging ich in ben Schlafwagen um meinem bort bereits untergebrach- trn kleinen Gepäck ein Buch zu entnehmen, als ber 3jng anhielt. Ich vermutete, keines Halteplatzes in dieser Gegend gewärtig, ein unvorhergesehenes Stop- pm auf freier Strecke; stieß, verärgert bereits ob ber Möglichkeit, zu spät in Verona anzukommen, bas fünfter nieber, schaute hinaus unb sah bieses: ^Man hielt in ber winzigen Station »M. — bie Schnellzüge stoppen bort für zwei »Minuten, wie ich «mich sogleich erinnerte, währenb welcher sich bas Ulnfteigen ber Fahrgäste in eine Schmalspurbahn jmn Garbasee vollzieht. Auf bem kargen »Bahnsteig oter. unmittelbar neben meinem Fenster, ftanb der weißgekleidete Schlafwagenkellner, ein schmaler, dumkler Junge von zwanzi Jahren vielleicht, und n |ll)i eit ein Mädchen in den »Armen, küssend, stürmisch, ^ävstvergessen stammelnd. Sie redeten beide zu gleicher Zeit, hastig, überschwänglich; sie sahen sich Ian, lächelnd: sie hielten eines des anderen Hände — -5- war eine holde wilde Seligkeit voll schluchzenden Mcks, ber zuzuschauen mich beschämte. Aber indem Midi in den Seitengang zurücktrat, erscholl das IILPronto!“ — „Fertig!" — vom Gepäckwagen her, umi fast gleichzeitig bas Abfahrtssignal; ber Zug letzte sich schwer unb langsam in Bewegung. An ber ILir bes Schlafwagens, sie offenhaltend, ftanb ber ■ Schaffner: „Rasch, »Mario! Avanti, avanti!“ Unb bas ' Liebespaar — „Addio, addio!“ — lief, sich an ben Händen haltend, neben bem schneller unb schneller 'afyenben Zuge her: im letzten Augenblick schwang - lev weiße Kellner sich hinein: „In brei Tagen komme ch zurück!" rief er durch bas vom Schaffner vor- • N|orglid) geöffnete Wagentürfenster, vorgebeugt win- jierib; lachte ben Schaffner strahlend an: „Danke,
Ubaldo!", unb nahm auf ber Stelle, als fei nichts geschehen, seinen abenblichen Dienst im Schlafwagen auf.
„Seit einem Jahr finb bie beiben verlobt", roanbte sich ber Schaffner an mich. „Sie sehen fid) alle brei Tage biese zwei Minuten — das ist alles. Aber Mario ist ihr treu wie sie ihm, ich weiß es."
„Unb wie wirb es enben?" fragte ich.
Der Schaffner zuckte bie Achseln. „Enben? Glauben Sie, baß man sich barüber Gebauten macht, wenn man so jung ist? Alle brei Tage zwei Minuten — unb beibe sinb vollkommen glücklich."
Ich, wenn ich an biefes seltsame Paar bente, ich schwanke zwischen Zweifeln unb Neib.
Das Kreuz am Kasbek.
Von Ilse Schmidi-Wisiendorff.
In ben Schulen lernten und lernen wir eine griechische Sage: Prometheus stahl von den Göttern das Feuer, wurde zur Strafe an einen Felsen geschmiedet, wo Adler an seiner Leber fraßen. Im Taurus standen diese Felsen, und die Sage ... ist nicht griechisch. Statt Taurus sagen wir Heutigen: Kaukasus. Und dort ... kennt jedes Kind der vielen Bergvölker die Sage. Hier ist ihr Ursprung, ihre Heimat. Die Griechen verpflanzen sie nur in ihre eigene Mythologie. Wie alt nun müssen die kaukasischen Völker sein, von denen eine direkte Linie zu der Zeit dieses Sagenursprungs geht! Denn jener an die Felsen geschmiedete Mann ist ihnen nichts Historisch-Ehrwürdiges und. Vergangenes, wie uns die griechischen Sagen, sondern lebendig, vielleicht sogar wirklich. Es ist diesen naturverwobenen Völkern nichts verlorengegangen von jener Zeit, da Götter- und Heldenmythen entstanden. Unb der Kasbek ist es, um den sich diese Sagen wie ein Gürtel legen. Er ist nicht der höchste der kaukasischen Berge, aber der geheimnisvollste und sagenumsponnenste. Von seinen Geistern und Riesen raunt heute noch das Volk, die strafen und Wohltun und denjenigen mit Reichtum überschütten werden, der einst den Eingang zu ihrem Reiche finden wird.
lind mag man sich nun wehren oder nicht: man wird beim Anblick dieses Gipfels tn Geheimnisvolles eingesponnen, über das die grauen Wolken sich wie schützende Decke legen. Kein Rachgeborener soll ihm die Antwort auf seine vielen Geheimnisse entreißen. Denn ihrer sind viele. Richt Sagen allein, auch ungeklärtes Geschehen hat sich hier
begeben. Cs ist sicher, daß hier auf den höchsten Schroffen und Zacken einmal Menschen gehaust haben. An Stellen, zu denen kein Lebender heute dringen kann. Man hat es versucht, aber jedes dem kühnen Bergsteiger bekannte Hilfsmittel hat versagt. Da sind aber Höhlen, die deutlich die Spuren davon tragen, daß sie von Menschenhand dem Berge eingezwungen sind. Die modernen Feldstecher führen sie ganz nah heran, der Durchforschung aber trotzen sie. lind dort, wo die Felsen Hunderte von Metern abfallen und ebenso hoch sich gen Himmel zur Senkrechten türmen, an einer Stelle so unerreichbar wie keine, liegt die Höhle mit dem Kreuz. Schauer des linsagbaren frösteln von dort herüber. Eine winzige Plattform ist vor der Höhle geschaffen, und auf ihr deutlich, wenn auch in roher Form, ein Kreuz errichtet. Magisch zieht dieses Kreuz immer wieder den Blick an. Ein Sturm von Fragen wirbelt auf, die alle unlösbar sind. Gewiß ... Vermutungen sind kon- struierbar. Man weiß: Georgien und Armenien sind fast die ersten chrisrianisierten Länder — Tat der hei.igen Rina im dritten Iahrhundert. Es gab Klöster, religiöse Kämpfe, flüchtende Mönche, es gab auch ein Kloster am Kasbek, aber keine Theorie, keine Vermutung löst das Rätsel, wessen Hand im linzugänglichen ein Kreuz errichtete.
Oie Briefmarke als Denkmal.
»Man geht jetzt immer mehr dazu über, die berühmten Söhne der einzelnen Völker nicht in Denkmälern aus Stein ober »Bronze, fonbern burch Briefmarkenbilber zu ehren. So wirb bas Markenalbum zu einem mobernen »Pantheon bes Ruhmes, unb bejoubers zahlreich finb bie Dichter vertreten. Wir haben bet uns bie Bilber Schillers unb Goethes auf ben »Marken gesehen, unb bie gleiche Ehrung erfahren viele Dichter anbercr Länber. Eine neue »Markenserie in Oesterreich enthält bie Köpfe ber großen Schriftsteller Grillparzer unb Raimunb, N e st r o y unb Anzengruber, Stifter unb Rosegger. Frankreich gibt eine Victor-H u g o -Marke aus, nach bem bereits vorher der große Dichter ber französischen Renaissance, Pierre Ronsarb, auf biese Weise verherrlicht worben war. Die junge Republik Spanien bentt baran, ben Dichter Blasco Ibanez auf ihren Marken zu zeigen. Spanien war überhaupt bie erste Nation, bie mit bieler Mobe voranging, unb zwar vor 26 Jahren, als Der 300. Geburtstag ber größten spanischen Dichtung, bes „Don Quijote" begangen würbe. Bilder von ben Abenteuern bes Ritters von ber traurigen Gestalt unb seines getreuen Knappen
Dienstag, 13. Moder (931
einstimmig genehmigt. Einstimmig wurde dann dem Rechnungsführer P. Ritsert (Gießen) Entlastung erteilt. Die Ersatzwahl zum Gauspielausschuß brachte die einstimmige »Wiederwahl von W. »Mohr (Gießen). Im weiteren Verlauf der Versammlung wurden bie Austragungsorte für Gaumeisterschaft unb ©aufpieltag 1932 bestimmt.
Ein Beweis für bas lebhafte Interesse an ber Spielbewegung im Gau waren bie zahlreich vor- liegenben Antrcwe, bie in ber Mehrzahl auf rein technische Fragen Bezug nahmen. Durch ben Gauspielausschuß grünblid) vorbereitet, konnten bie meisten Anträge flott erlebigt werben.
Die arbeitsreiche Tagung nahm einen anregenben Verlauf.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Am Samstagabend beging die Spielvereini- - gung 1900 ihr 31. Stiftungsfest in der Form eines Kommerses, der im Dereinslokal „Post- keller" stattfand. Mit der Feier war gleichzeitig die Einweihung des Iugendheirnes der Spielvereinigung verbunden. Der Vorsitzende, Dr. G u y o t, begrüßte die Mitglieder und die Gäste, besonders die Vertreter des hiesigen Bataillons, die Vertreter der Bezirks- und Gaubehörden des Bezirkes Hessen-Hannover bzw. des Gaues Gießen-Wehlar im Westdeutschen Spielverband und ging dann kurz auf die Geschichte des Vereins ein. Er sprach weiter über Grundsätzliches sportlicher Erziehung und Ertüchtigung, und sprach die Hoffnung aus, daß es der Spielvereinigung und ihren Mannschaften noch weiterhin vergönnt fein möge, Erfolge zu erringen, die die Arbeit im Verein unter Beweis zu stellen imstande wären. Das hauptsächlichste Ziel gelte der Ertüchtigung der Iugend, der zukünftigen Generation, die einmal der Träger des Vaterlandes sein solle. Seine Ausführungen wurden beifällig aufgenommen. Leutnant K n e t s ch gab im Hamen des Bataillons ber Hoffnung Ausdruck. daß sich die Beziehungen zwischen der Spielvereinigung 1900 und dem Bataillon festigen möchten, denn Sport und Wehrmacht hätten an der gemeinsamen Aufgabe, die Iugend und das Volk kräftig zu erhalten, zu arbeiten. Der Bezirksvorsihende Happ beglückwünschte den Verein zu seinem Stiftungsfeste im Ramen der Bezirks- und Baubehörden des WSD. und fand anerkennende Worte für die bisher vom Verein geleistete Pionierarbeit für den Sport und für den Sportsgedanken. Schließlich wurden, bevor man zum gemütlichen Teil überging, noch eine Reihe eingegangener Glückwünsche verlesen. Die Feier des Stiftungsfestes nahm einen sehr unterhaltsamen Verlauf.
Handball im Gau Hessen (O T.)
Die Spiele bes Sonntags.
M e i st e r k l a s s e: To. Heuchelheim I — Mtv. Gießen I 5:9 (1:5); Pol.-Spv. Butzbach I — To. Graßen-Buseck I 8:4 (3:4); Tgm. Friebberg I — Tv. 1846 Gießen I 6:4 (5:2): Sp. Vgg. 1900 I — T. u. Spv. Butzbach I 4:7 (3:3); T. u. Spv. Marburg I — Tv. Goßfelben I 5:3 (4:2).
A - Klasse : To. Münchholzhausen I — Tv. Wetzlar II 8:3 (5:0); To. Pohl-Göns I — To. Großen- Linben I 4:3 (2:1); To. Niebermörlen I — Tv. Lützellinben I 7:7 (6:4); Pol.-Spv. Butzbach II — T. u. Spv. Butzbach II 6:1 (5:0); Tv. Merkenfritz I gegen To. Dorheim I 10:3 (4:1); Tv. Hirzenhain I — Tv. Gebern I 0:6 (0:2); Tv. Burg-Gemünben I — Tv. Grünberg I 4:0 (2:0); To. Homberg I — To. Nieber-Ohmen I 6:3 (2:2).
6-Klasse: Tv. Pohl-Göns II — Tv. Griebel I 3:7 (2:3); Tv. Lich I — To. Kirch-Göns I 2:9 (1:8); Tv. Dutenhofen I — To. Niebergirmes II 3:1 (1:1); Tv. Krofborf I — Tv. Klein-Linben I 3:0 (1:0); Tv. Münchholzhausen II — To. Nauborn I 0:2 (0:1); Tv. Romrob I — To. Schlitz I 6:1 (2:1).
L . Klasse: To. Groß-Rechtenbach I — Tv. Klein-Linben II 2:0 (0:0).
Jugenbklasse: Tv. Heuchelheim — Sp. Vgg. 1900 15:3 (9:0); Tv. Lich — Tv. Wetzlar 0:2 (0:1);
Sancho erschienen auf einer Serie, bie in zehn Werten nur 14 Tage verkauft würbe. 10 Jahre fpgter würbe ber 300. Tobestag bes Schöpfers bieses »Werkes, Cervantes, mit einer anbern schönen Briefmarkenserie gefeiert, bie nur für ben »Briefwechsel ber spanischen Abgeorbneten unb Senatoren bestimmt war. Kuba hat auf einer Sonberausgabc bes 'Markenwertes von 15 Centavos ber spanischamerikanischen Dichterin Gertrubex Gomez b e Avellaneba gehulbigt bie als „bie größte Dichterin unserer Zeit" bezeichnet würbe. Dieselbe Auszeichnung erfuhr ber portugiesische Nationalbichter Luiz beCamoens.zu besten 400. Geburtstag eine Markenferie ausgegeben würbe, bie u. a. bie Titelseite feines unsterblichen Epos „Die Lusiabe" zeigte. Der 100. Geburtstag bes „portugiesischen Dickens" Camilo Castelo Branco wurde 1925 in ber» selben Weise burch eine umfangreiche Markenserie verewigt, bie u. a. Gestalten seines »Meisterwerkes „Amor be Perbicao" zeigte. Die Griechen haben bei ber Byron- Jahrhunbertfeier 1924 ihren Dank an biefen Dichter abgetragen, inbem sie sein Bilb auf einer »Marke brachten. Ungarn hat bie gleiche Ehrung seinem größten Dichter P e t ö f i an seinem 100. Geburtstag 1923 zuteil werben lassen, währenb ber große ungarische Erzähler Maurus I o k a i 2 Jahre später aus bem gleichen Anlaß feine Erinnerungsmarken erhielt. Bulgarien feierte seinen Nationalbichter Iwan Wazow burch Gebächtnismarken noch bei Lebzeiten an seinem 70. Geburtstag. Den 50. Tobestag Alestanbro »M a n z o n i s nahm Italien zum Anlaß, um Szenen aus feinem berühmten Roman „Die Verlobten" auf einer Sonberausgabc von Marken zu zeigen, unb ebenso finb Illustrationen von ben »Werken Virgils bei ber Tausenb- jahrfeier biefes Dichters in Italien ausgegeben worben. Polen roibmete feinen Dichtern Slowacki unb Sienkiewicz Gebächtnismarken, während ber russische Plan, T o l st o i unb Gorki auf bie gleiche »Weise auszuzeichnen, nicht burchgeführt würbe. Die Ukraine schuf »Marken mit bem Silbe ihres Nationalbichters Schewtfchenko. Der 100. Geburtstag Ibsens brachte in Norwegen eine Marke mit seinem Silbe, unb Finnlanb tat bas aleiche mit Elias ß ö n n r o 11, dem Schöpfer feines Nationalepos, ber „Kalewala". D ' Annunzio erschien auf einigen Marken währenb seiner kurzen Diktatur in Fiume, unb bie kurzlebige »Regierung Sela Kuns ließ ben Charakterkopf von Karl Marx auf einer jetzt sehr seltenen Marke auftauchen. »Marken von Nicaragua unb Ecuabor zeigen die Züge ber spanisch, amerikanischen Dichter Dario unb 0 l m e b o.


