Ausgabe 
13.8.1931
 
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Donnerstag, 15. Anglist 1951

Siehener Anzeiger <Seneral-Anzeiger für Gberhesten)

Nr. 187 Zweites Blatt

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Auch bei der Gründung der Gesellschaft für I freuen, wissen ihn als scharfsichtigen, unbestech- eie Philosophie, deren Geschicke er als l.Dor- liehen Seelenkenner -u schätzen, .werden immer

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sitzender seit zehn Jahren tatet, war er lebhaft beteiligt. Was die Schule der Weisheit für den Rus Darmstadts in der Welt bedeutet, braucht

nachstehendes mit:

Die Erfahrungen zweier Monate sind ausreichend gewesen, um die Lasten, die die neue Notverordnung vom 5. Juni 1931 zahlreichen Bevölkerungskreisen auferlegt, jedem einzelnen deutlich zu machen. Be.

risch abgelehnt.

Der Ordinarius der Botanik, Dr. Kurt 17 o a (f inHallehat den Ruf an die Universität Ber­lin als Nachfolger von H. Kniep angenommen, hingegen die Berufung nach Freiburg i.Br. als Nachfolger von Prof. Oltmanns abgelehnt. Prvf. Noack wird in Berlin den Lehrstuhl zu Beginn des bevorstehenden Wintersemesters

Neuyork» Oberbürgermeister der populäre Jimmy Walker, verbringt seine Urlaubszeit diesmal in Deutschland. Der Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd, Heineken (links), und Weltmeister Max S ch m e l i n g begrüßen Jimmy Walker (Mitte) bei der Landung in Bremerhaven.

aufs neue von seiner edlen Gemütsart erhoben, die bei voller Lebensbejahung feines Dasein- Glück-werte verdoppelt. A. B.

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Nach dem Volksentscheid.

Ein staatsrechtlicher Rückblick.

Don D Dr. Joseph Dredt, ehem. ^eichsminisier der o. ö. Profeffor der Rechte an der Universität Marburg.

Lleberwinterung in der Eishöhle.

Die Mitglieder der Polarexpedition deS ver­unglückten Prof. Alfred Wegener, Dr. Ge­orgi, Dr. Fritz L o e w e und Dr. Ernst Sorge, haben den ganzen Winter 1930 31 in banger Un­gewißheit auf der Station .Eismitte" verbracht, eifrig damit beschäftigt, oas von Prof. Wegener ausgestellte wissenschaftliche Programm durchs- führen. Erst am 6. Mai 1931 erhielten sie die schmerzliche Gewißheit, daß ihr Führer auf fei­nem Rückweg nach dem Hauptlager in der Nähe der Westküste Grönlands umgekommen war. Ein mit Bildern ausgestatteter Bericht von dieser Ueberwinterung ist nun nach der Heimat gelangt, und daraus wird einiges von Dr. A. Lang in der Leipziger llustr i r te n Zeitung" mitgeteilt. Die Station .Eismitte" ist 400 Kilo­meter von der Ostküste Grönlands und ebensoweit von der Westküste entfernt und liegt auf einer 3000 Meter hohen, endlosen Eisebene, die zu den Küsten hin langsam absällt. Am 5. Oktober 1930 mußten die Forscher hier eine Eishöhle beziehen, die sie sich mühsam aus Firnquadern gebaut bat­ten. Bis dahin hatten sie in einem Zelt gelebt, das aber bei der zunehmenden Kälte, die schon Anfang Oktober 40 Grad erreichte, keinen Schutz mehr bot. Dieser Unterstand im Eis war 2 Meter tief und der Zugang gegen Schnee­verwehungen durch eine 2 Meter hohe, kreis­förmige Mauer aus Firnblöcken gesichert. Am Eingang waren Renntierfelle und Säcke ange­bracht, um das Eindringen der furchtbaren Auhenkälte nach Möglichkeit zu verhindern. Die Decke dieser Eisbehausung, die anfangs 2 Meter dick war, wuchs durch die Schneefälle aus eine Dicke von 3 Meter an und begann sich durch die

zes, der man durch die Anbringung eines Stütz­pfeilers aus Eis zu entgehen suchte. Alles in dieser arktischen Wohnung war aus Eis herge­stellt: sogar die 1 Meier hohen Pritschen, auf denen die Gelehrten schliefen, bestanden au- Eis­blöcken, und auf diesem furchtbar kalten Lager verbrachten die Forscher den ganzen Winter, in ihre Schlafsäcke gehüllt. Nur wenn sie sich be­wegten oder irgendeine körperliche Arbeit unter­nahmen, konnten sie die in dem Raum herr­schende durchschnittliche Kälte von 20 Grad ohne Schutz aushalten. Das schlimmste Schicksal traf Dr. Loewe, der sich auf dem Marsch zur .Eis­mitte" beide Füße erfroren hatte: die beiden an­deren mußten ihm mit Taschenmessern und ähn­lichen primitiven Werkzeugen sämtliche Zehen ab­nehmen: er konnte während der ganzen sieben Monate überhaupt nicht aufstehen, beteiligte sich aber trotzdem im Schlafsack, halb liegend, halb sitzend, mit größtem Eiser an den wissenschastlichen Arbeiten. Ein Petroleumofen konnte nicht be­nutzt werden, weil man nicht genügend Petroleum besaß. Der Proviant wurde vorsichtigerweise von vornherein in sehr mäßigen Rationen ausgege­ben, so daß er bis Mitte Mai reichte, als die Hilfsexpedition in .Eismitte" eintraf. Die lee­ren Konservenbüchsen benutzte man zur Herstel­lung von Petroleumlampen.

gemeinbeit bereits gebracht hat.

An die Stelle einer Milderung des Leistungs­abbaues der Versorgung, die mit Recht hatte erwartet werden dürfen, ist durch einen Erlaß des Reichs­arbeitsministeriums noch eine erhebliche Verschar- ung eingetreten, indem sämtliche Kannleistungen der Versorgung, die nach der Entwicklung der Gesetz­gebung einen bedeutsamen Anteil an der Durchfüh-

Der Dvlksentscheid hat die erwartete Mehrheit für die Auflösung des Preußischen Landtages nicht gebracht und es hat wenig Wert, nach den Ursachen zu forschen. ES «nag sein, daß die Kom- munisten der Parteiparole nicht gefolgt sind, es mag auch fein, daß die Stellungnahme anges^e- ner Blätter, wie namentlich der .Kölnischen Zei- tung". hier sehr gewirkt hat in den Reihen der rechtsgerichteten Parteien. Einstweilen kann nur die Tatsache hingenommen werden, daß der Landtag nicht aufgelöst wird, sondern feinem natürlichen Ende im kommenden Frühjahr entgegengeht Nachdem nun aber die entscheidende Schlacht geschlagen ist, tut man gut, sich einmal mit Ruhe die Lage zu überdenken nicht nur vom politischen, sondern auch vom staatsrechtlichen Ge-

Hinterbliebenen von dem Leistungsabbau der Ver­sorgung durch die Notverordnung betroffen. E» ist jetzt schon feftjuftcllen, daß die Einsparungen im Der. sorgungshaushalt des Reichs durch den erfolgten Lei- ftungsabbau der Versorgung großer sind als der Vor­anschlag angenommen hatte. Das Verlangen der Lersorgungsberechtigten, baldigst eine Milderung der rigorosen «parrnaßnahmen herbeizuführen, erscheint deshalb durchaus gerechtfertigt. Wie wir hären, hat der Verband der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser" an die Reichsregierung aus diesem Grunde eine Eingabe gerichtet, in der es u. a. heißt:

... Es ist bereits zu übersetzen, daß der Spar- ertrag der neuen versorgungsrechtlichen Vorschriften die veranschlagte Summe weit überschreitet. Im Hin­blick hierauf müßen wir es aufs tiefste bedauern, daß nicht alsbqjö eine Milderung des Leistung»- abbaues durchgesührt worden ist. nachdem auch amt- lich zum Ausdruck gebracht wurde, daß mit den Maßnahmen der Notverordnung die Grenze dessen erreicht ist, was dem deutschen Volke in allen seinen Beoölkerungsschichten auferlegt werden kann. Außer, dem handelt es sich hier um den Teil der Bevölke­rung, der durch Hingabe von Leben und Gesundheit in schwerster Zeit die größten Opfer für die All-

große Belastung mehr und mehr zu senken. Alm von ihr nicht erdrückt zu werden, mußten die Bewohner dieses seltsamen Zufluchtsortes den Raum mehrfach vertiefen, so daß der Boden schließlich einen halben Meter unter dem ur­sprünglichen lag. Gegen Ende des Winters rech­nete man dauernd mit der Gefahr des Einstur- | übernehmen.

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rung Der Versorgung der Kriegsopfer haben, auf das rigoroseste unterbunden worden sind. Durch diesen Erlaß ist die als untragbar erkannte Beschränkung der Versorgung durch die Notverordnung noch weiter

wohl hier nicht erwähnt zu werden.

Eine andere Gründung des Grafen Hardenberg ist die Gesellschaft Hessischer Bücherfreunde, die es in kurzer Zeit verstand, das Interesse für hessische Buchkunst- und hessisches Buchgewerbe in weiten Kreisen über Darmstadt hinaus zu erwecken.

Auch im Ausstellung-- und Derkehrswesen der Stadt Darmstadt hat sich Graf Hardenberg immer mit besonderer Dorliebe betätigt: wir wollen nur an die schöne Kelsterbacher Porzellan-Ausstellung im Dchlohmuseum erinnern und an die Ein- hundertjohr-Ausstellung in der Kunsthalle am Rheintor, in denen er dank seiner gründlichen Kenntnisse in der hessischen Malerei und ihrer Meister eine fesselnde Schau der hessischen Kunst des 18. Jahrhunderts zusammenstellte.

Literarisch ist Graf Hardenberg immer viel­seitig tätig gewesen. Als Reiseschriftsteller wußte er unterhaltend und interessant über seine Orient­reisen zu plaudern. Mit der Derlagsanstalt Koch steht er seit dreißig Jahren als Mitarbeiter in regen Beziehungen. Als Künstler-Biograph ist er mit seinem Buche über den Maler Johann Ehristian Fiedler, mit seinem umfangreichen Werk über den romantischen Maler Eaxl Fohr, das er mit Edmund Schilling hcrausgab (im Urban-Derlag zu Freiburg) und mit seiner Ge- dächtnisschrist zu Ehren des verstorbenen Malers und Bildhauers Sascha Schneider an die Öffentlichkeit getreten. Seine Novellen, Mär­chen und kleinen Erzählungen sind vor allem unter den Mitgliedern der Gesellschaft Hessischer Bücherfreunde bekannt getoorben, wo er sich seit Jahren als Dorsitzender, geschmackvoller Bibliophile, Autor und Herausgeber zeigt.

Außerdem betätigt sich Graf Hardenberg vor allen Dingen im Sinne einer pietätvollen Pflege der Kulturübcrlieferungen und der Kultur­schätze des Grvhherzoglichen Hauses.

Möchte es dem jugendlichen Sechziger noch lange vergönnt sein, in bekannter Lebhaftigkeit und Frische seine vielen Aufgaben zu erfüllen. Alle, d.e sich der Freundschaft des Jubilars er-

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gesteigert worden

Im vollen Bewußtsein der Verantwortung, welche die gegenwärtige Gesamtlage jedem einzelnen auf- erlegt, halten wir uns für berechtigt und verpflichtet, die Aufhebung der die Dersorgungsansprüche gerade­zu vernichtenden Ruhensvorschriften, die erhöhte Be­rücksichtigung sozialer Gesichtspunkte bei den Renten- kürzungen und die Befristung des gesamten Lei- stungsabbaues sowie die sofortige Aufhebung des er­wähnten ministeriellen Erlasses zu fordern.

Wir stellen diese Forderung aus moralischen, so- zialen und politischen Gründen. Die im Kampfe um die wirtschaftliche Selbstbehauptung schwächeren Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen wer­den von den ihnen auferlegten Lasten erdrückt, wenn ihnen nicht sofort und wirksam geholfen wird."

Aus der Provinzialhaupistadt.

Gießen, den 13. August 1931.

Marie Zaul-Wittich f.

In Dresden starb vor einigen Tagen die ge­feierte Wagner-Sängerin Frau Marie Faul- Wittich. Die Dcrstorbene, die ein« große künst­lerische Laufbahn hinter sich hatte, war Gießener Kind, die Tochter eines hiesigen Kaufmannes. Die Sängerin, deren hohe stimmliche Begabung früh erkarmt wurde, erfuhr eine gründliche Aus­bildung. Die frühere Opernsängerin Otto-Ub- r ich (Würzburg) hatte die Ausbildung der be- ?;abten Künstlerin übernommen und ihre Fähig- eiten stark entwickelt. Bald erhielt di- Sängerin ehrenvolle Engagements in Basel und Schwerin und schon mit 21 Jahren wurde sie an die Dres­dener Hofoper verpflichtet, wo sie als außer­ordentlich gefeierte Künstlerin die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte. 25 Jahre wirkte sie an dieser Stelle. Die Künstlerin, die nicht nur in gesanglicher, sondern auch in mimischer Hinsicht den höchsten Anforderungen gerecht wurde, ver­fügte über einen im Gleichmaß der Stärke und Schönheit erfreulich umfangreichen Sopran, der sich später zur echten hochtzramatischen Stimme entwickelte und die Künstlerin zu den ersten Rollen prädestinierte. Reben ihrem ständigen Wirken an der Dresdener Hofoper, der sie mit einem Repertoire von nicht weniger als 70 Rollen zur Derfügung stand, gastierte sie mit großem Erfolg oft im Ausland«. Den Höhepunkt stellte

Sochschulnachrichien.

Prof. Dr. Gotthold Weil, Direktor der Orien­talischen Abteilung an der Preußischen Staats­bibliothek in B e r I i n, hat den Rus auf den Lehr­stuhl der semitischen Philologie in Frankfurt am Main als Nachfolger von Prof. Jos. Horowitz angenommen.

Prof. Dr. Fritz Külz in Kiel hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Phar­makologie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf als Nachfolger von Prof. A. I a -

Graf Kuno von Hardenberg.

3u seinem 60. Geburtstag am 13. August.

Dem jungen Schopenhauer schrieb Goethe inS Stammbuch:

Willst du dich des Lebens freuen. Mußt du dem Geben Wert verleihen!"

Gras Kuno von Hardenberg gehört zu den Künstlernaturen, die es verstehen, ihrem Leben Wert zu verleihen. Er ist der .Idee" Angegeben, hie Idee" durchdringt sein Leben und schaffen. Er wird von dem Glauben beseelt, daß Poesie, Philosophie und Religion sich zu einer neuen Lebensmacht verschmelzen. Gras Hardenberg ist Optimist, sofern er von der Fortpflanzungskraft der Ideale und ihrer Entwicklungsfähigkeit über» z^^raf Kuno von Hardenberg erblickte am 13. August 1871 aus dem alten Stammsitz der Familie zu Hardenberg bei Hannover das Licht der Welt. Nach Beendigung der Schulzeit widmete er sich aus Wunsch feiner Eltern dem juristischen Studium in München, Berlin und Göttingen, das er mit dem Referendar-Examen abschloß. Nach kurzer Zeit in der Praris nahm er, seinen eigenen starken Neigungen folgend, seinen Abschied und wandte sich der Kunst, dem Kunstgewerbe und der Kunstgeschichte zu. Er studierte in Paris und er­gänzte seine Bildung auf Reisen in den euro­päischen Ländern und im Orient. 5r ließ sich dann in Dresden nieder, wo er bis zum Kriege eine künstlerisch und literarisch rege Tätigkeit ent­faltete. Da er seine Einjährigenzeit in Darmstadt verlebt hatte und bei dem Hessischen Leib­dragon er-Regiment Nr. 24 Referveosiizier gewor­den war, machte er den Weltkrieg im Stabe der 25. Infanterie-Division als Kommandant des Stabsquartiers mit Im August 1917 wurde er vom Großherzog von Hessen nach Darmstadt be­rufen, um das Hosmarschallamt zu übernehmen. Nach dem Umsturz wurde er vom Großherzog -um Ehes der Grvtzherzoglichen Haus- und Der- Mögensverwaltung ernannt. Seiner Tätigkeit ver­dankt die Stadt Darmstadt die Einrichtung des Jagdmufeums Kranichstein und die Gründung des Schloßmuseums, das durch seine unermüdlichen Bemühungen zu einer der besten Uniformen- Sammlungen Europas und zu einer der schönsten Schenswürdigkeiten Darmstadts geworden ist. _

aber zweifellos ihr Auftreten zu den Wagnerfest­spielen zu Bayreuth dar. In den Jahren 1901, 1902 1903, 1904 und 1906 sang sie die Sieglinde, die Kundry und die Isolde in WagnerS großen Werken. Besonder« als Isolde feierte sie zu­sammen mit ihrem Partner Alfred v B a r h große Triumphe. Bei den Wagnerfestspielen im Münchener Prinz-Regenten-Thcater und In den Pariser Colonne-Konzerten war sie nicht weniger ersolgreich Am l.Mai des Jahre« 1914 feierte die Künstlerin daS Jubiläum ihre« 25jahngen Wirkens an der Dresdener Hofoper unö &er- abschiedete sich damit gleichzeitig von der Statte ihrer erfolgreichen künstlerischen Betätigung. Allerdings zog sie sich noch nicht völlig von der Bühne zurück, sondern gab noch manches Gastspiel.

Mit Stolz und hoher Genugtuung durste die nunmehr Derstvrbene auf ihre künstlerische Lauf­bahn zurückblicken. In richtiger Einschätzung ihrer Bedeutung als Wagner-Sängerin lebt sie in der Erinnerung vieler fort, die das Glück hatten, sie zu hören und auf der Bühne zu bewundern.

Taten für Donnerotaq, I». August.

(Sonnenaufgang 5.07 Uhr, (Sonnenuntergang 19.52 Uhr. Mondaufgang 3.59 Uhr, Monduntergang 2°1802: der Dichter Nikolaus Lenau (Niembsch von Strehlenau) in Csatad geboren; 1913: August Bebel in Passug bei Chur gestorben.

Gictzener Wochcnmarktpreise.

ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt da« Pfund: Butter 140 bis 150, Matte 30 bi« 35; Käse (10 Stück) 60 biS 140, Wirsing 8 biS 10, Weißkraut 8 bi« 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Nüben 10 bi« 15. rote Rüben 10 bi« 15, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen 10 bl« 15 älnter-Kohlrcwi 5 bi« 6, Erbsen 10 bi« 15, Tomaten 20 bi« 25. Zwiebeln 10 bis 12. Kürbi« 5 bis 6 Pilze 20 bis 25. Kartoffeln 4, Frühäpfel 12 bi« 15, Falläpsel 4 bis 5, Dirnen 10 bis 20, Dörrobst 30 bis 35. Heidelbeeren 20 bi« 25, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 20 bi« 25, Pflaumen 15 bi« 20, Zwetschen 30 bl« 35. Mirabellen 30 bi« 35, Reineklauden 20 bi« 25, Pfirsiche 40 bis 60, Preißelbeeren 35 bis 40, Honig 40 biS 50, junge Hähne 90 bis 110, Sup- penhÄner 90 bis 100; da« Stück: Tauben 50 bi« 70, Eier 9 bis 10, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 10. Salatgurken 10 bis 20, Ginmach­gurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohl­rabi 8 bi« 10, Lauch 5 bi« 10. Rettich 10 bi« 15,

sich einigen aus einen Ministerpräsidenten So würde in einem kommenden Landtage sicherlich eine Mehrheit aus Rechtsparteien und Kornrnu- nisten die genügenden Stimmen aufbringen für einen Sturz der Regierung. E« ist aber völlig undenkbar, daß sich Rechtsparteien und Kom­munisten einigen aus einen Ministerpräsidenten. Vermutlich würde also gar keine Wahl zustande- kommen. Es kann sogar dahin kommen, daß die bestehende Regierung am Qi über bleibt, wenn etwa die Kommunisten sich schließlich der Stimme enthalten.

Kommt nun eine Ministerpräsidentenwahl nicht zustande, dann jetzt der Artikel 59 der Verfassung ein, welcher in Abjatz 2 bestimmt, daß im Falle des Rücktritts der gesamten Staatsregierung die zurück- getretenen Minister die Geschäfte weiterjuhren bis zu deren Uebernahme durch die neuen Minister. Die jetzige Regierung bliebe also einftrocilen im Amte und ist auch durch kein neues Miß­trauensvotum zu beseitigen, weil alle» davon ab­hängig ist, daß ein neuer Ministerpräsident gewählt wird.

Sieht man also genauer zu, so findet man, daß die Regierung in Preußen verfassungsmäßig ft ör­ter a e ft ü ft t ift als die Reichsregierung. Dies zeigt sich auch darin, daß für die Landtagsauflösung erschwerende Bestimmungen ausgenommen sind. Es wird in Artikel 6 Absatz 6 der Verfassung ausdrück- sich gefugt, daß ein Antrag auf Auflösung des Land­tags zu feiner Annahme der Zustimmung der Mehr­heit der Stimmberechtigten bedarf. Deshalb war es bei dem jetzigen Volksentscheide richtig, daß sich die Gegner der Auslösung sernhielten. Die abgegebenen Nein-Stimmen sind im Grunde sinnlos. Hätte die Abstimmung so gelautet, daß Ja- und Nein-Stimmen gcgenübergefteUt worden wären, so wäre vielleicht bas Ergebnis ein anberes gewesen.

Man kann vom rein rechtlichen Stanbpunkte aus zweifelhaft fein, wie die preußischen Verfassungs- beftimmungen zu beurteilen sind. Politisch gesehen wirken sie zur Zeit gegen die Rechtsopposition. Sie' haben aber immerhin auch bas Gute, daß die Regierung gegen z u häufigen Wechsel gesichert ist. Daß die Weimarer Koalition dies bei Schaffung der Verfassung genau übersehen und bedacht hat, kann gar keinem Zweifel unterliegen. Bisher haben die Bestimmungen ja auch ihren Zweck in solchem Sinne erfüllt. Sie können aber ebensogut einmal einer Rechtsregierung zugute kommen, wenn solche zustande kommt. Daß dies lediglich vom Zentrum abhängt, braucht nicht weiter betont zu werden. Solange das Zen­trum sich in Preußen nach links hält, solange wird es in Preußen sehr schwer jein, eine Rechtsregie­rung zustande zu bringen. Was aber die staats- rechtliche Seite angeht, so wollen wir hoffen, daß jene angeführten Bestimmungen bald einmal einer solchen Rechtsregierpng zugute kommen und daß sie sich dann ebenso bewähren, wie sie sich heute zu Gunsten der bestehenden Linksregierung bewährt haben.

Kriegsbeschädigtenfürsorge und Notverordnung.

Der Verband derKrieasbeschädiatenund Krieger Hinterbliebenen der Krieger­kameradschaftHassia", Darmstadt, ar­beitet in engster Fühlungnahme mit seiner Spitzen­organisation, dem Deutschen Reichskriegerbund .Iyfftzäuser", Berlin um bei der Reichsregierung die Milderung der Härten der Notverordnung zu erwirken. Die KriegerkameradschaftHassia" teilt uns

fichtspunkte au«.

Wenn es gelungen wär«, bie erforderliche Zahl von Stimmen aufzubringen, wäre zunächst der Landtag aufgelöst worden und es hätten cne Neuwahlen stattgefunden. Mit ziemlicher Sicherheit kann man annehmen, daß dabei eine Mehrheit für die im Amt befindliche Regierung nicht herau«gekornmen wäre. Heute liegen bte Dinge in Preußen so, daß Regierungsparteien und Opposition sich ungefähr die Waage halten und daß die Regierung meist nur nut genauer Rot ihre Dorlagen durchbringt. Des öfteren schon hat sie zum AushilfSmittel der Not­verordnung greifen müssen. Im kommenden Land­tage würde schon eine kleine Verschiebung nach rechts genügen, die Regierungsparteien i n ei ne endgültige Minderheit zu bringen. Ss würde dann vermutlich möglich sein, die Regie­rung zu stürzen. Daß dies bisher n ich t mög­lich war liegt an einer kleinen Bestimmung der Preußischen Dersasfung. die bisher zu wenig beachtet zu sein scheint. Während nämlich tm Reiche die Regierung gestürzt werden kann durch einen einfachen Beschluß der anwesenden Retchs- tagsmehrheit. ist dazu in Preußen die Mehr- beit der vorhandenen Abgeordneten notwendig. Man kann damit rechnen, daß regel­mäßig auf beiden Seiten de« Hauses verhältnis­mäßig dieselbe Zahl von Abgeordneten krank oder verhindert ist. Im Reichstag gleicht sich dies auS< In Preußen wirkt die Bestimmung nur auf Veiten der Opposition, die nach Ar­tikel 57 Absatz 5 die Hälfte der Abgeordneten zur Abstimmung mit Rein bringen muß. aus denen zur Zeit der Abstimmung der Landtag be- steht. Dies ist nur in sehr seltenen Fal- l e n möglich und die« ist der Hauptgrund für die Tatsache, daß in Preußen eine sehrbestän- dige Regierung am Ruder ist. während im Reiche die Kabinette schnell gewechselt haben.

Ob nun im Falle einer Neuwahl die heutigen OpprsilicnSparteien soviel« Mandate bekommen hätten, daß sie die ersorderliche Zahl für ein Mißtrauensvotum zusammenbekommen hätten, da- läßt sich natürlich mit Sicherheit nicht sagen. Sehr wahrscheinlich ist es aber und so war« damit zu rechnen gewesen, daß die Preu­ßische Regierung gestürzt worden wäre. Auch dann wäre man noch nicht am Ende aller Schwie­rigkeiten gewesen. Der Reichskanzler wird vom Reichspräsident ernannt. In Preußen wird der Ministerpräsident vom Landtage gewählt. Hierzu genügt eine einfache Mehrheit und es ist nur notwendig, daß sich genügend viele Parteien oder Abgeordnete vorher auf eine bestimmte Per­sönlichkeit einigen. Es ergibt sich aber der gar nicht genug zu betonende Unterschied gegenüber dem Mißtrauensvotum, daß es sich hier nicht um eine negative Bekundung gegenüber der Re­gierung handelt, sondern um eine positive Wahl.

GS ist durchaus möglich und parlamentarisch gar nicht zu beanstanden, daß mehrere Parteien zusammen für ein Mißtrauensvotum stimmen, die an sich in scharfer Gegnerschaft zueinander stehen.,s e G- ist aber undenkbar daß feindliche Parteien sonders hart sind die Kriegsbeschädigten und Krieger-