Samstag, 12. vezemberM
Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Nr. 291 Zweites Blatt
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Ostasien auf dem Weltmarkt
d i e ent-
drückt hat: „In drei Monaten höchstens werden Ereignisse und nicht die Menschen mehr scheiden".
politische Eindrücke von einer Weltreise.
Don Or. Paul Rohrbach.
Singapore, Mitte November 1931
Es ist unmöglich, Monate in Ostasien zu ubrin- gen, ohne auf Schritt und Tritt der Verfichtung der großen Wirtschaftskrise mit den politischen Zustanden zu begegnen. Die wirtschaftliche Depression im einzelnen zu schildern, gäbe überall, in China, in Japan, auf den Philippinen, im holländischen Indien dasselbe Bild: ein schwerer Rückgang der Einfuhr und Ausfuhr, in China noch verschärft durch den Fall des Silberpreises. China hat Silberwährung, den sogenannten mexikanischen Dollar, der jetzt, je nach dem beherrschenden Geschäftszentrum, als Schanghai-, Can-
Tochter, die viel lieber daheim geblieben wäre, noch die Rettungsversuche seiner ehemaligen ..Spezis" aus Wolnzach können verhindern, daß die pomphafte Gesellschaftsszene, in der man den Nazi in einer bombastischen Phantasieuniform in den Grafenstand erhebt, mit einem bösen Krach endet.
Die Hauptbeteiligten finden sich auf der Polizeiwache wieder, und Thoma läßt sich natürlich hier die naheliegende Gelegenheit zu allerhand Bosheiten und Anzüglichkeiten nicht entgehen. Leider stellt sich heraus, daß die Polizei den aufgedonnerten Razi für den Häuptling der Gaunerbande hält, während ihr der wahre Schuldige inzwischen durch die Lappen gegangen ist.
3m vierten Akt kommt die etwas süßsaure moralische Ruhanwendung. Der Razi ist nach dem Erbschaftsabenteuer wieder auf seinem Schuster- schemel in Wolnzach angekommen: er frühstückt zünftig mit seinem ehemaligen Spezi Rettich und Leberkäs: der Geselle wird die Tochter heiraten (sie warten eh' schon darauf) und der Razi stellt tiefsinnige Betrachtungen an über das trügerische Glück der irdischen Güter. Aber siehe: es erweist sich, daß nach der Liquidierung des Abenteuers in der großen Welt doch noch unvermuteterweise ein ganz anständiger Batzen Geld von der dicken Erbschaft übriggeblieben ist: da können die Annerl und der Baverl davon heiraten — dem Razi sind die hochfahrenden Pläne vergangen — und unter den festlichen Klängen eines dörflichen Ständchens, mit dem der Sprihenverein den reuigen Heimkehrer begrüßt, fällt der Borhang.
auch Dollar genannt, für chre Waren zu erhalten und sie nach China zu bringen, wo sie das erste geprägte Geld waren.
Diese Währung erhielt sich in China durch die Jahrhunderte, und zwar galt der Mexican- Dollar normaler Weise etwa die Hälfte des amerikanischen, zwei deutsche Mark. Wenn man den abnorm hohen Silberkurs der unmittelbaren Rachkriegszeit außer Betracht läßt, so ist er seit den Jahren 1922—25 um die Hälfte gefallen, wobei der größere Teil des Sturzes sich ganz plötzlich von 1929 auf 1930 vollzog. Der chinesische Dollar ist zur Zeit nur noch etwa 1 Mark wert. Derselbe Silbersturz gilt übrigens auch für Indien, und das bedeutet, daß der gesamte Barbesitz einer Bevölkerung von Über 8 0 0 Millionen Menschen, vom Kuli, der sich ein paar Silbermünzen erspart hrt, b's z rn Millionär, um d ieH äl f t e entwertet worden ist. Die Folgen für die Kaufkraft Ost- und Südasiens auf dem Weltmarkt kann man sich vorstellen, und ebenso, wie günstig ein Wiederansteigen des Silberpreises in Ostasien wirken würde. Gestern an Bord unseres Dampfers von Manila nach Singapore brachte, in echt amerikanischer Aufmachung, die Radiozeitung die Rachricht: „Eine sensationelle Besserung des Silbers hat die Kaufkraft von tausend Millionen Menschen, die Hälfte der Bevölkerung der Erde, um 1,3 Milliarden Dollar erhöht!"
worden, und die Diebe waren nach London geflohen. Man machte sie ausfindig und fand bei ihnen den größten Teil des gestohlenen Schmucks, aber ein Perlenhalsband von beträchtlichem Wert konnte nicht entdeckt werden, und man konnte teu ’ nem der Diebe ein Geständnis darüber ablocken, wo der Schmuck verborgen sei. Dann lam ter K i g. und die Sache schien vergessen. Bishop aber behielt sie im Auge. Drei Verbrecher waren bei dem Diebstahl beteiligt: einer hatte die Juwelen gc-. stöhlen, die andern beiden hatten sie fortgebracht. Das Letzte, was man von dem Dieb gehört hatte, war, daß er von einem gewissen Cafe auf einem Zweirad fortfuhr, aber er hatte zu dieser Zeit angeblich den Raub bereits den beiden andern übergeben. Rach dem Waffenstillstand suchte nun Rishop das Cafe auf und erkundigte sich nach dem Mann mit dem Rade. Man kannte ihn gut und erzählte ihm, er sei im Felde gefallen. ..Uni); was ist aus dem Rade geworden?" fragte Bishop, Man gab an, daß es verrostet und unbrauchbar im Keller stehe. Als der Engländer da ür 210 Francs bot, hielt ihn der Besitzer des Cafes für verrückt und ebenso der Portier des Hotels, in das er das erstandene alte Gerümpel brachte. Aber als er sich dann das Rad näher ansah, fand er, daß die Lenkstange mit Eisendraht verschnü.t war: als er diesen abgenommen hatte, rollte aus der Höh« lung der Stange zuerst zusammenged'.ücktes Papier und dann — eine Perle. Weitere Perlen folgten, bis das Halsband vollständig war. — 3n einem andern Fall wurden öfters Schmuckstücke in einem Hotel gestohlen. Der Verdacht lernte sich auf einen jungen Bäcker, der in dem Hotel arbeitete. Bei der Untersuchung seines Zimmers fand sich nichts, aber dem Detektiv fiel auf, daß verschiedene Brote herumlagen. Er nahm ein Messer und schnitt ein Brot entzwei: eine Diamantbrosche fiel heraus. Ruch in den andern Brotlaiben fanden sich ver-. schiedene Schmuckstücke. Der Bäcker hatte feine Deute in den Broten herausgeschmuggelt. — Bor dem Aufkommen des Bubikopfes verbargen Die- binnen mit Vorliebe gestohlenen Schmuck in ihren Haarknoten. 3n einer Dar, in der öfters Diebstähle vorkamen, fiel dem Detektiv auf, daß der Mixer, der sonst sehr gut angezogen war, stets schadhafte Schuhe trug, bei denen die Sohlen auseinander klafften. Er beobachtete ihn nun scharf und ertappte ihn dabei, wie er Banknoten und Münzen zwischen die Sohlen steckte und auf diese Weife unbemerkt fortbrachte.
kommens vermehrte Kaufkraft. Dem Amerikaner ist aber nicht wohl, wenn er nicht mit großen Zahlen jonglieren kann. Außerdem ist bei der Silberpreisbewegung viel Spekulation.
Gesetzt den Fall, die Besserung des Silbers hielte an, so wäre damit ein Teil der Depression vom ostasiatischen Markte genommen. Man muß sich aber, unabhängig von jeder Konjunktur, immer gegenwärtig halten, daß es eine Fiktion ist, wenn mit den Hunderten von Millionen Ost- und Südasiaten als mit der „Hälfte der Menschheit" operiert wird. Rein zahlenmäßig ist es richtig, handelspolitisch bedeutet ein Chinese oder Inder nur einen Bruchteil von dem, was ein Deutscher. Engländer oder Australier bedeutet. Wenn z. B. Chinas Einfuhr im Jahre 1930 drei Milliarden Mark wert war, d. h. wenn die 4C0 Millionen Chinesen für diesen Betrag ausländische Waren kauften, so bedeutet das für den einzelnen Chinesen nur7bis8Mark. Japan, mit 80 Millionen Einwohnern, also Linern Fünftel der Bevölkerung Chinas, kauft ungefähr ebensoviel wie dieses, im Verhältnis also fünfmal mehr: dagegen ist Deutschlands Einfuhr in halbwegs normalen Zeiten über 150 Mark auf den Kopf teert. Ein Deutscher kauft also auf dem Weltmarkt soviel wie zwanzig Chinesenoder vier Japaner. Auch die durchschnittliche Kaufkraft des Inders ist ungefähr dieselbe, wie die des Chinesen, so daß die 800 Millionen Inder, Chinesen und Japaner weltwirtschaftlich nicht mehr wert find, als vielleicht 50 Millionen Europäer.
Ist anzunehmen, daß mit der weiteren Entwicklung, der sogenannten „Aufschließung" des fernen Ostens und Südostens, an diesem Verhältnis sich viel ändern wird? Einiges ja, Fundamentales nicht. Ein Blick auf die Außen- handelsstatistik Chinas und Japans zeigt, daß ihre Einfuhr wie ihre Ausfuhr stetig a n - steigen. In China, wo der größte Teil des Inneren dem Handel noch schwer zugänglich ist (Japan und auch Indien können als wesentlich „ausgeschlossen" gelten), mag im Laufe eines Menschenalters mit einer Verdoppelung bis Verdreifachung gerechnet werden. Irn ganzen aber ist die sehr dichte Bevölkerung Ostasiens eher ein hinderliches, als ein förderndes Moment für seine wirtschaftliche Entwicklung — weil es sich um ganz überwiegende Agrargebiete Han- • beit, und der Boden schon in so kleine Parzellen aufgeteilt ist, daß er kaum den zur Ernährung der Menschenmassen notwendigen Ertrag hergibt.
In I a p a n ist es gelungen, für die Ernährung der Bevölkerung einen kräftigen Export von In- dustriewaren zu entwickeln, außerdem macht nur noch die japanische Rohseide einen beherrschenden Posten aus (d. h. in normalen Zeiten, jetzt haben sich Riesenvorräte aufgehäuft). China ist industriell noch ganz unentwickelt, aber toenn es einmal zu einer bedeutenden einheimischen Industrie kommt, so wird diese zunächst die Deckung des nationalen Bedarfs zu übernehmen suchen — nicht zum Vorteil der fremden Einfuhr. Wird auf Chinas Schätze an Kohle und Eisen hingewiesen, so liegt, unter den heutigen Umständen wenigstens, die Antwort nahe, daß einstweilen die Weltproduktion an beiden: größer ist, als der Bedarf, jedenfalls ihn reichl'ch deckt.
Natürlich werden Eisenbahn- und Straßenbau, Besserung der Finanzen, Zunahme der offen!» ’ lichen Arbeiten, ja selbst der technische Vorgang der Industrialisieruna, zunächst große, und für das Ausland vorteilhafte Importe nach China zur Folge haben, und bei einer gesteigerten • Eigenwirtschaft wachsen in jedem Fall Kaufkraft ' und Bedarf eines Volkes. Rur wird man sich ■ nach dem Gesagten keine allzuhoch gebannten Gedanken über die „unermeßl'che" Entwicklungsfähigkeit Ostasiens, speziell Chinas, machen dürfen. Die Hauptsache ist hier noch auf lange hinaus öle Stabilisierung der politischen Verhältnisse, der Abbau d"r am Mark des Volkes zehrenden Soldatenmasfen — die Zentralregierung in Nanking gibt zur Zeit mehr als vier Fünftel ihrer regulären Einnahmen für das Militär aus — und ein geregelter Staatshaushalt, der reichlich öffentliche Arbeiten ermöglicht.
Handwerksmeister, der sich in der feinen Umgebung nicht zurechtfindet, und dem dennoch die neue Stellung und Würde schmeicheln und ein kindliches Vergnügen bereiten, so daß er auf den plumpen Schwindel hereinfällt und überdies seine alten Freunde, die ihm allerdings nichts übel» nehmen, vor den Kopf stößt. Das Publikum hatte sichtlich seine Freude an der liebevollen Kleinarbeit, mit der Konrad Dreher die dankbare Rolle in allen Möglichkeiten und Schattierungen aus- schöpfte und abrundete.
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Jenny Dreher spielte resolut die zum Glück vernünftig gebliebene Tochter, die alles kommen sieht, ohne helfen zu können. Dafür kriegt sie zum Schluß ihren Taverl, der von Hans Wesen- b e ck recht frisch gegeben wurde. Eine komische Kontrastfigur machte Karl S ch ö p p aus dem dörflichen Schreinermeister Brandl, der als alter Spezi den „fpinneten“ Schuster-Grafen besuchen kommt. Unter den feinen Gästen im Palais spielten Paul Lenau und Cita K l e t s ch mit viel Raffinesse die erste Geige. Dom übrigen, ziemlich umfänglichen Ensemble machten sich Ludwig W e n n g (Sekretär) und Wilhelm Raumer (Polizeikommissar) mit hübschen Chargen um die Aufführung verdient.
Es gab viel Applaus: Dreher wurde zum Schluß besonders herzlich begrüßt. hth.
Giehener Gtavttheater.
Gastspiel Konrad Dreher: „Der Schufte, nau" von Ludw,g Thoma. „Der wundertätige Antonius", mit dem Konrad Dreher das letzte Mal bei uns gastierte, scheint hier noch in bester Erinnerung zu stehen: es hatte sich jedenfalls gestern ein sehr zahlreiches Publikum eingefunden, um den ehrwürdig-urwüchsigen Komödianten mit seiner Münchener Truppe noch einmal zu sehen, ehe er sich enögüüig von Den weltbedeutenden "Brettern zurückzieht: ihm selbst wird es eine Genugtuung gewesen fön, bei feinem Abschied von Gießen eine so stattliche und heiter gestimmte Hörerschaft vorzufinden, der sein volkstümlich lustiges Spiel ein ungeteiltes Vergnügen bereitete.
Man gab diesmal den „Schusternaz i", eine luftige Münchener Komödie in vier Akten von Drehers verstorbenem bayerischen Landsmann Ludwig Thoma — mit einer Rolle im Mittelpunkt, die dem patriarchalischen Schauspieldirektor geradezu auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Das Stück ist eine handgreifliche Illustrierung des schon im Altertum bekannten Spruches „Schuster, bleib bei deinem Leisten", zugleich ein moralisch- dramatischer Traktat über die ebenfalls ehrwürdige, allerdings nid,, ganz unbestrittene Volks- Weisheit, daß Geld allein auch nicht glücklich macht.
Der biedere bajuvarische Schuhmachermeister Ignaz Stangelmayer aus Wolnzach, kurz Schusternazi genannt, hat eine riesige Erbschaft gemacht. (Von dem bekannten Onkel in Amerika.) Er ist über Nacht ein reicher Mann geworden. Aber der Reichtum bekommt ihm schlecht. Er fühlt sich nicht wohl dabei, sondern ziemlich unbehaglich. Die aufgedrungene „Vornehmheit" steht 'hm nicht, und die Verpflichtungen der neuen Noblesse drücken ihn sehr.
Es bleibt nicht aus, daß er. versessen darauf, in den „ersten Kreisen" zu verkehren, einer Grupve von gewitzten Hochstaplern in die Hände fällt, die ihn nicht nur in aller Geschwindigkeit um fein Geld bringen, sondern ihn auch noch mst einem falschen serbischen Grafentitel lächerlich machen. Weder die Warnungen feiner aufgeweckten
Juwelen im Mülleimer.
In dem englischen Ort Rainham in Essex hat man kürzlich unter dem Müll ein Halsband im Werte von 60 000 Mark gefunden, die aus Versehen mit Packpapier zusammen in den Mülleimer geworfen worden war. So erstaunlich eine solche Nachlässigkeit anmutet, so steht sie doch durchaus nicht vereinzelt da. Es sind schoy öfters kostbare Schmucksachen in den Abfall gekommen, allerdings meist nicht durch die Unachtsamkeit ihrer Besitzer, sondern durch Diebe, die, wenn man ihnen hart auf den Fersen war, sich ihrer Deute durch Weg- werfen entledigten. — Von einigen solchen Fällen, in denen Kostbarkeiten in den seltensten Verstecken entdeckt wurden, erzählt der englische Defektiv Cecil Dishop in einer Londoner Wochenschrift. Da war z. D. der berühmte Fall De Meier. Eine Sammlung von Juwelen, deren Wert auf zwei Millionen Mark geschätzt wurde, war in Paris gestohlen
zu oerschieben. Man holt gerade dazu den mandschurischen Konflikt heran, oder man weift darauf hin, daß die Staatsmänner durch die Finanzfrage vollständig in Anspruch genommen seien. Für Deutschland scheint uns die Lage sehr einfach: wir
Ohne Zweifel sind starke Kräfte am Werk, Abrüstungskonferenz im nächsten Februar
Basel.
Außenpolitische Umschau.
Bon Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin.
Mit dem Zusammentritt des von der deutschen Regierung beantragten Sonderausschusses in Basel ist nun der Kampf um die wichtigste Entscheidung dieses Winters eingeleitet. In ihm stehen sich Deutschland und Frankreich direkt gegenüber. Die englisch - französischen Beziehun. gen spannen sich immer mehr, insofern der Pfundsturz Frankreich große Verluste bringt und England auf das schärfste das französische Valutadumping- gesetz ablehnt, desgleichen jedes Entgegenkommen in den Beschwerden gegen die neue englische Zollpolitik. Das letztere gilt auch für Deutschland. Der englische Handelsminister hat sehr bestimmt hervorgehoben, daß sich England unendlich oft bemüht habe, einen Abbau der internationalen Zollmauern herbeizuführen, aber keinen Erfolg damit erzielt habe, und daß seine neue Zollpolitik nun d i e Antwort auf diese Ablehnungen fei. Dementsprechend ist auch die neue Zolliste vom Unterhaus angenommen worden, durch die abermals eine große Reihe von Artikeln mit einem Wertzoll von 50 Prozent belegt wird. Freilich, wenn man dabei darauf hinweist, daß die Einfuhr dieser Artikel schon aufgehört habe und daß aus diesen Warenkategorien an Zöllen bisher nur 35 000 Pfund eingekommen feien, so bedeutet das auf der anderen Seite doch auch einen Ausfall an Staatseinnahmen.
Die Welt hat also damit zu rechnen, daß die Wendung Englands auf eine längere Zeit so bleiben wird. Die „Times" ließ dabei in eine Art P.cm der englischen Regierung hineinsehen: zunächst die Reichswirtschaftskonferenz in Ottawa und die Probe darauf, ob die Zusammenfassung des Reichs zu einer wirtschaftlichenEin- heit möglich sei, dann vielleicht etwas wie eine Weltzollkonferenz. Sie ließ dabei immerhin erkennen, daß England den Anstoß zu einer wirklichen Zollreform, eine Abkehr von den jetzigen Methoden der Zollabsperrung, die die Weltwirtschaft vollkommen zerstöre, begrüßen würde. Das sind erste Umrißlinien, von denen noch gar nicht feststeht, ob die englische Regierung und die in ihr maßgebenden Konservativen danach handeln roerutn. Sie lassen wiederum die Zweifel bei den weitsichtigen englischen Politikern erkennen, ob die Richtung auf den Schutzzoll für England auf die Dauer heilsam sein kann. Aber man kann nicht bestreiten, daß in der gegenwärtigen Lage tatsächlich für England nichts anderes übrigblieb. Damit ist das Zentralproblem ungeheuer verschärft, vielleicht aber auch der Lösung nähergebracht worden, nämlich die Fragen wie man sich vorstellt, Schuldzinsen und Tribute ein» treiben zu können, wenn auf allen Seiten d i e Ausfuhrmöglichkeiten gedrosselt werden. Wie sehr das im besonderen für Deutschland gilt, braucht mit keinem Worte belegt zu werden.
Danach ist erst recht der Standpunkt begreiflich, der in England ausgesprochen wird: daß es darauf ankomme, Deutschland vor einem Zusam- menbrurf) zu bewahren, indem eine Ordnung zur Abdeckung der deutschen Privat s ch u l d e n gefunden werde und daß auf der kommenden Konferenz die Reparationen und interalliierten Schulden einfach ge- st r i ch e n werden müßten. Selbst ein Blatt wie die „Morning Post" sagt dazu ganz bestimmt: „Es ist zu fürchten, daß, wenn man auf der französischen These besteht, dies ein Unglück hervorruft. Die Zahlungsfähigkeit Deutschlands, mag es sich um Privat- schulden oder Reparationen handeln, hängt ab von seinem Handelskredit. Man pruß also die Sage Deutschlands vom Gesichtspunkt der Realitäten aus betrachten."
Gerade das aber sollen die französischen Vertreter in Basel nicht tun. Sie haben Frankreichs These zu vertreten: Nur Youngplan und Neuordnung der deutschen Tribute u n t e r A u f r e ch t e r h a l - tung der s o g. „indemnite nett e", der im ganzen rund 660 Millionen jährlich die für den — längst durchgeführten! — Wiederaufbau der französischen Nordostgebiete verwendet werden sollen. Darüber hinaus erörtert man in Frankreich ganz unmögliche Pläne, etwa zur Kontrolle der deutschen
Kapitalflucht, einer Sondersteuer auf alle aus Deutschland kommenden Waren u. dgl. Angesichts der Wirtschaftslage der Welt, wie sie ist, ist der Unsinn dieser Betrachtungsweise handgreiflich. Aber was Frankreich in Verkennung wirtschaftlicher Gesichtspunkte und in Ueberfpannung der Machtgesichtspunkte leisten kann, das haben wir bei Gelegenheit des Ruhreinfalls deutlich genug erfahren.
. Die Starrheit Frankreichs im Rechts- standpunkt, das Pochen auf feine Macht und dazu auch die oft bewiesene Unfähigkeit, wirklich wirtschaftlich zu denken, alles das sind außerordentliche Hindernisse für die Baseler Verhandlungen. Und leider darf man eines dabei nicht aus dem Auge lassen: als sich Frankreich, weil der Unsinn sich überschlug, 1923,24 gezwungen sah, in die internationale Regelung der Tribute einzuwilligen, waren England und Amerika finanziell und auch sonst Frankreich gegenüber erheblich ft ä r f e r als sie es heute sind! Dafür aber sind heute die Interessen der englischen und der amerikanischen Wirtschaft und Finanz auch viel stärker mit berührt durch die Krise, durch Deutschlands gefährdete Lage und durch Frankreichs Starrheit. Aber wiederum ist noch nicht zu sehen, welche Linie nun von der neuen Regierung in England und von einer Regierung Amerikas, die alles andere als entschieden und klar in internationalen Dingen ist (die Botschaft Hoovers an den.Kongreß vom 8. Dezember enthält nicht die geringste Andeutung, auch sonst keinen konstruktiven Gedanken) wirklich eingehalten werden wird.
So ist die Machtlage sehr kompliziert und sehr schwierig. Zum mindesten hat der Anlauf der Baseler Verhandlungen erkennen lassen, daß sie keineswegs schnell vorwärts gehen werden. Die deutsche Vertretung aber drängt mit vollem Recht auf schnelle Erledigung der Aufgabe, weil wirklich die noch zur Verfügung stehende Zeit nicht mehr groß ist, weil es wirklich so ist, wie es vor kurzem der Washington-Korrespondent der „Times" ausge-
Die Spielleitung hatte Paul Lenau, der die harmlos-heiteren Begebenheiten in flottem Tempo ab rollen ließ, im zweiten und vor allem im dritten Akt einen volksstückmäßigen Trubel entfaltete, der den Spaß stellenweise schon ins Groteske trieb. Im letzten Akt mündete dann das ausgelassene Abenteuer in die stillere Heiterkeit eines dörflichen Idylls.
Jederzeit im Zentrum des munter eingespielten Ensembles stand die von Direktor Dreher mit behäbig-trockenem Humor ausgestattete Figur des Schusternazi; er zeigte den unversehens ins par- venühafte Protzentum hineingewachsenen. biederen
können in eine Verschiebung nicht willigen, oder noch weniger, was man uns gern zuschieben möchte, sie gar beantragen. Wir können nicht jahrelang darauf bestehen, daß man ein uns gegebenes Versprechen halte, um dann, nachdem wir formell das Nötige durchgesetzt haben, uns damit einverstanden erklären, daß die Konferenz zunächst einmal verschoben werde. Und immer wieder muß dazu gesagt werden, daß die Verschiebung sinnlos ist, weil — so wenig das auf den ersten Blick klar sein mag, — Finanzfrage und Abrüstungsfrage a u f das Engste miteinander Zusammenhängen.
Dem Völkerbund aber macht diese Diskussion nach einer anderen Richtung hin Schwierigkeiten. Wir glauben gern, daß die maßgebende Bureau- tratie in Genf, vor allem der Generalsekretär, ganz gern in Sachen einer Verschiebung Frankreich z u willen sein möchte. Aber was wird dann mit den Vorbereitungen zur Konferenz in Genf selbst: die schon im größten Umfang getroffen sind mit Neubauten, Straßenanlagen usw.? Allein drei Millionen Schweizer Franken hat die Stadt Genf, die keinesfalls in guter finanzieller Lage ist, ausge- Seben zur Herstellung der Räumlichkeiten für die brüstungskonferenz! Auch die Völkerbundsverwol- tung selber fühlt sich durch Finanzsorgen gedrückt: die Rückstände in den Beiträgen betragen 15 Millionen Goldfranken und der gewaltige Palast, der als künftiges Heim des Völkerbundes gebaut wird, verschlingt große Summen. Aber das sind nicht unsere Sorgen und an der Situation wie sie so entstanden ist, ist schließlich der Völkerbund selber schuld. Auch werden die Finanzfragen ganz gewiß nicht bei der Völkerbundsverwaltung durchschlagend sein, wenn der mächtige Wille Frankreichs sich mit voller Kraft für eine Verschiebung der Abrüstungskonferenz einsetzt. Auch hier und ganz besonders hier wird es auf den Standpunkt Englands und Amerikas ankommen. Für das letztere glauben wir, daß man am Konferenztermin feschalten will, freilich ohne daß wahrscheinlich besondere Energie dahinter gesetzt würde, wenn über die Verschiebung diskutiert wird. Bezüglich Englands aber sind wir nicht ohne Sorge. Es gibt Anzeichen, daß man in der englischen Regierung oder in Teilen von ihr heute schon recht bestimmt mit einer Verschiebung der Konferenz rechnet. Um so fester muß Deutschland und die Regierung Brüning auf ihrem Standpunkte beharren!
ton», Hongkong- oder sonstiger Dollar auftritt, aber nirgends etwas mit dem amerikanischen Dollar zu tun hat. Daß man in China nach Mexican Dollars rechnet, hat eine merkwürdige Vorgeschichte. Früher, zur Zeit der spanischen Kolonialherrschaft, kam alljährlich ein Schiff mit Waren aus Spanien und mit mexikanischem Silbergeld von Acapulco in Mexiko, damals dem größten Silberlande der Welt, nach Manila. Dort waren schon ün 17. und 18. Jahrhundert chinesische Kaufleute ansässig, und diese bemüh- In dieser Form ist das irreführend, denn wenn ten sich, well das mexikanische Silber besonders I sich der Wert eines Vermögens erhöht, so be- fein war, die von dort stammenden Pesos, später I deutet nur die entscheidende Erhöhung des Ein-
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