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Kr. 2b5 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 12. November Ml
Für den Büchertisch.
Goethe.
— Robert Zilchert: Goethe. „Wehe der Nachkommenschaft die Dich verkennt!" Ein Bekenntnis. 280 Seiten 8 . Mit Titelbild von Karl Bauer. Kart, mit Goldtitel 4 RM., Buckramleinen mit Goldschnitt 6 RM. Verlag Emil Roth, Gießen, Leipzig 1932. (375.) — Zu der im Jubiläumsjahr zu erwartenden Goethe-Literatur liefert der einheimische Verlag mit dem rechtzeitigen Erscheinen von Zilcherts Goethe-Bekenntnis einen schätzenswerten Beitrag. Der Verfasser, der sich als Vortragender früher bereits dem Gießener Publikum vorgestellt hat, ist ein vortrefflicher Goethe-Kenner, der sich seit Jahrzehnten in Wesen und Werk des Dichters eingelebt hat und die Früchte seiner Studien hier in einer übersichtlichen und klar gegliederten Darstellung niederlegt, welche vorzüglich geeignet ist, in knapper Form in die allumfassende Gedankenwelt des Weisen von Weimar gewinnbringend einzusüh- ren und gleichzeitig zu eigenem Arbeiten und selbständiger Beschäftigung mit Goethes großer Hinterlassenschaft anzuregen. Die einzelnen Kapitel des Buches, jeweils mit einem charakteristischen Goethe- Vers oder Ausspruch überschrieben, umgreifen in sinnvoller Folge je einen bedeutsamen Ausschnitt aus der unvergleichlichen Fülle des Goetheschen Weltbildes und Lebensbezirkes. Biographie und Religion, tätiges Leben und Poesie, Liebe und Kunst, Erziehung und Natur, Politik und Vaterland —: so lauten etwa die Stichworte, nach denen Zilchert sein Bekenntnis zu Goethe formuliert hat. Er zeigt, daß es kein Gebiet menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns gibt, wo nicht Beziehungen aus unserer Zeit uns mit Goethe verbinden. Jedem Leser, insbesondere der reiferen Jugend, bietet das Buch eine Fülle von Gedanken, die zum Verständnis von Goethes Werk und Leben hinführen. Das Buch ist nicht als Huldigung für den Augenblick gedacht, sondern zur Erkenntnis der unversieglichen Lebenskräfte bestimmt, die von Goethes Genius noch immer ausstrahlen. Eine Zusammenstellung von wichtigen Lebensdaten, die Nachweise und die Bibliographie erhöhen den Wert dieses Buches, das auch als Weihnachtsgeschenk von bleibendem Wert empfohlen werden darf. —
— Franz Landsberger: D i e Kun ft der Goethezeit. Kunst und Kunstanschauung von 1750 bis 1830. 320 Seiten Groß-8° mit 213 Abbildungen. Im Insel-Verlag zu Leipzig, 1931. — (462) — Diese weiträumig angelegte Darstellung darf in der Fülle der zum Goethe-Jahr 1932 erscheinenden Literatur einen hervorragenden Platz beanspruchen, weil sie das Bild der durch Goethe bestimmten Epoche deutscher Geistesgeschichte von einer bisher wenig beachteten Seite her abrundet und mit einer Menge wertvollen Anschauungsmaterials belegt. Hier wird zum erstenmal die „Goethe-Zeit" auch kunstgeschichtlich bewußt als geschlossene und selbständige Einheit empfunden und dargestellt: indem die Epoche in ihre Entwicklungsphasen aufgegliedert wird unter gleichzeitiger Betrachtung von Baukunst, Malerei und Plastik. War die hier dargestellte Kunstperiode bisher nur entweder als Nachspiel oder als Auftakt ange- sehen und damit auf jeden Fall ungerecht behandelt worden und zu kurz gekommen —: so zeigt Landsberger hier in großem Rahmen die Kunst der Goethe- Zeit als eine eigenwüchsige, nur aus sich selbst verständliche Epoche. Das ausgezeichnet geschriebene Buch, seit vielen Jahren geplant und vorbereitet, ist aus umfänglichen Quellenstudien erwachsen und legt eine Menge von zum Teil berühmten, zum Teil minder bekannten, immer aber vorzüglich reproduzierten Illustrationen vor. (Wir denken insbesondere an die der Münchener Katastrophe zum Opfer gefallenen Romantiker-Bilder.) Die Ausstattung dieses schönen und großzügigen Werkes ist von einer bibliophilen Vornehmheit, welche es als ein höchst wertvolles Besitzstück und auch als nobles Geschenk von dauerndem Wert erscheinen läßt.
— Jahrbuch der Sammlung Kippenberg. Neunter Band 1931 mit 4 Tafeln und 7 Faksimiles im Insel-Verlag zu Leipzig. — (393) — Was An ton Kippenberg in diesem neuen Bande aus den reichen Schößen seiner einzigartigen Goethe-Sammlung mitteilte und wie er es mitzuteilen weiß, verdient wiederum unsere größte Beachtung. Aus dem überreichen Inhalt sei nur als neuer Besitz der Sammlung ein „Lied vom Doctor Faust" erwähnt, das Robert Petsch in die schon bekannten Fassungen sachkundig einordnet. Interesse oerbiettf auch ein Briefwechsel zwischen Jean Paul und dem alten Gleim, der sich als der anonyme Spender von 60 Talern für den Dichter des „Quintus Fixlein" entpuppte. Der umfangreichste Beitrag ist Alexander Bessmertnys' Aufsatz über G. Ehr. Beireis, den originellen Arzt, Naturforscher und Sammler, Professor in Helmstedt, den Goethe 1805 aufsuchte und über seinen Besuch bei dem wunderlichen Manne in Briefen ausführlich berichtete. Einen interessanten Einblick in Goethes Theaterleitung in Weimar gewährt Witkowski durch die Erläuterung einiger Aktenfaszikel, in denen Goethe sich über das Extemporieren der Schauspieler äußert.
Neues über Rußland.
— H. R. Knickerbocker: „DerroteHan- del lockt". (Verlag E. Rowohlt, Berlin, Preis 5,80 Mark). (404). — Das Buch gibt eine zu- sammensassende Darstellung der Studien des amerikanischen Journalisten, die er in verschiedenen europäischen Ländern über die Auswirkungen der Sowjet-Ausfuhr getrieben hat. Das Werk stellt eine logische Fortsetzung des ersten Buches des gleichen Verfassers t r, das unter dem Titel „Der rote Handel droht" eine Untersuchung der Grundlagen des Fünsjahresplans in Sowjet-Rußland selbst brachte. — Auch dieses zweite Werk, das klug und sachlich geschrieben ist und erschöpfende Informationen über das behandelte Thema bringt, sieht Die Gefahr der Heberschwemmung Europas mit Sowjetwaren als unmittelbar gegeben an. K. sieht die Dinge mit Den Augen des Amerikaners, unD seine Darlegungen finD insofern für seine Heimat von befonDerem Interesse, als er nachweist, daß nicht nur Europa Die Flut Der Sowjetwaren zu überschwemmen Droht, sondern Daß Die Sowjet- Union mit ihrer Preispolitik Der Unterbietung sämtlicher Konkurrenzwaren um Die jeweils ent» scheidenden 5 v. H. auch Dem amerikanischen Han- Del Die größten Schädigungen zufügt. — Für Das Problem Des Verhältnisses Des SowjethanDels zu Europa gipfeln seine Darlegungen in Der Feststellung, Daß Europa sich zu einem Zusammen
schluß gegen Die Gefahr des roten Handels nicht bereitfinden werde, da — „der rote Handel lockt". Diese Lockungen mit einem verdienstreichen Russengeschäft sind für die europäischen Staaten so groß, Daß selbst England ihnen nicht zu widerstehen vermochte. — Das Buch enthält eine Fülle von guten zahlenmäßigen Angaben, die einen Ueberblick über Den Stand Des gegenwärtigen Handelsverkehrs Der Sowjet-Union mit Den europäischen Staaten vermitteln.
— Max Barthel: Der große Fisch- z u g. Ein Erlebnisroman aus Sowjetrußland. Geheftet 3,50, Leinenband 5 Mark. Verlag Strecker & Schröder, Stuttgart. (443) — Der bekannte Arbeiterdichter führt in diesem Raman ins Herz von Sowjetruhland bis an die Grenze Asiens. Aus
eigener Anschauung und als scharfer Beobachter schildert er den russischen Menschen und das russische Land, in dem auch heute noch „der Himmel hoch und Väterchen Stalin weit fort ist". Der Verfasser hat mehrere Jahre drüben gelebt und gearbeitet; sein Buch bringt uns an Die „wirtschaftliche Front": an Die untere Wolga bei Astrachan. Er schildert mit Spannung Die Verhältnisse in einer gewaltigen Fischerei und stellt Die Menschen vor uns hin, Denen er begegnet ist: Russen, Kosaken, Tataren, Kalmücken und ehemalige deutsche Kriegsgefangene. Der Schatten des Bürgerkriegs geht durch dieses Buch, und es gibt gute Einblicke in eine fast unbekannte Gegend: die Steppe bei Astrachan.
Bücher zur Politik und Geschichte.
— Franz Carl Endres: Das Erbe unserer Ahnen. Bd. I. 600 Seiten mit 80 Bildtafeln und über 400 Abbildungen im Text. Stuttgarter Verlags-Institut G. m. b. H., Stuttgart. — (299) — Die durchschnittliche Allgemeinbildung, zu der unsere Schulen den Weg ebnen, ist, dem Zuge der Zeit folgend in dem letzten Jahrzehnt weit mehr nach der technisch-naturwissenschaftlichen Seite hin ausgebaut worden, als es vom staatspolitischen Gesichtspunkt aus gesehen gut war. Die Lücke, die schon das humanistische Bildungsideal ließ, blieb auch dann unausgefüllt, als die Beschäftigung mit der klassischen griechisch-römischen Kultur, die Gymnasium und Universität feit Jahrhunderten in den Vordergrund geschoben hatten, modernen Forderungen Konzessionen einräumen mußte. Von der Vorgeschichte unseres eigenen Volkes, von einer germanischen Kultur hörte schon unsere Generation auf Schule und Universität kaum mehr als oberflächliche Andeutungen, und in diesem Punkt soll es trotz der sich einander jagenden Schulreformen und Studienpläne auch heute — mit Ausnahmen natürlich, die um so höher anerkannt werden sollen, je seltener sie sind — noch recht schwach bestellt sein. Diese Lücke auszufüllen, die ein jeder schmerzlich empfinden muß, der sich einmal gemüht hat, in das Dunkel vorzudringen, das über der Kulturgeschichte der Germanen etwa vor der Völkerwanderung oder gar vor der Zeit Cäsars ausgebreitet ist, ist das großzügig angelegte Werk von Endres oestimmt, von dem jetzt ein erster umfangreicher Band vorliegt. Man hätte vielleicht manches sich anders denken können, die gelegentliche Polemik gegen andere Auffassungen hätte in einem wesentlich doch für Laien bestimmten Werk gut und gern vermißt werden können, Uebertreibungen, zu denen sich der Verfasser aus Begeisterung für seinen Stoff oder in begreiflicher Abwehr hier und da verleiten ließ, sind auch nicht jedermanns Sache, auch ist nicht immer leicht die Linie erkennbar, wo die Grundlagen exakter wissenschaftlicher Forschung verlassen und die Kombinationen beginnen, aber als Ganzes ist das Werk eine erstaunliche Leistung, ein Volksbuch im wahren Sinne des Wortes, das an Hand von umfangreichem Material, das mit großer Mühe zusammengetragen und sorgfältig ausgewählt wurde, uns an die Quellen altgermanischer Kultur zurücksührt und ein großartiges Bild der deutschen Heimat in vorgeschichtlicher Zeit vor unseren 2(ugen entrollt. Das Buch gehört in jede Volks- und Schulbibliothek, aber auch in jede deutsche Familie, in der die Freude am Erbe der Ahnen des eigenen Volkes noch nicht erstorben ist. Der Verlag hat dem Werk eine solide und großzügige Ausstattung zuteil werden lassen.
— Bruno Weil: Glück und Elend des Generals Boulanger. Verlag Dr. Walther Rotschild, Berlin-Grunewald, Preis 4,80 Mark. — (359) — Der Boulangismus, dem der Held dieses Buches den Namen gab, erregte Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die dritte Republik bis in ihre Grundfesten. Der unglückliche Krieg, der Sturz des Kaiserhauses, der Kommune-Aufstand, der Frankfurter Friede mit dem Verlust Elsaß-Lothrin- gens waren Wunden, die das französische National
gefühl noch nach Jahrzehnten schmerzlich empfand, und es loderte zu wilder Flamme empor, als ein ehrgeiziger, eitler und machtlüsterner General ihm durch eine zügellose Revanchehetze neue Nahrung gab. Das sehr gründlich und doch außerordentlich fesselnd geschriebene Buch Weils zeigt aber, daß Boulanger im Grunde weit harmloser war, als die politischen Drahtzieher, die ihn, den schönen Mann, den vergötterten Liebling der Frauen, das Idol der großen Masse, in den Vordergrund schoben. Bei einem Charakter, der nur darauf aus war, um jeden Preis von sich reden zu machen, nimmt es nicht wunder, ihn von den verschiedensten politischen Richtungen, Republikanern und Monarchisten aller Farben, ausgehalten und benutzt zu sehen. Der äußersten Zuspitzung in den Beziehungen zu Deutschland ent- Öim Innern die schwerste Krisis, die die dritte ilik hat durchwachen müssen, bis es der würdigen Haltung des alten Präsidenten Grdvy und der festen Politik Bismarcks gelang, die Atmosphäre zu entspannen. Dann nehmen Constans und Freyxinet den Kampf gegen die Boulange im Innern auf. Dem auf seine Macht bei den Massen pochenden General wird der Hochverratsprozeß gemacht, und als man ihn so scharf anpackt, ist der im Grunde Weiche, Haltlose und Wankelmütige bald keine Gefahr mehr. Er flieht außer Landes, eine menschliche Tragödie beginnt, der man sein Mitgefühl nicht versagen mag. Mit der schwerkranken Geliebten lebt dr im Exil in London, auf den normannischen Inseln, schließlich in Brüssel, wo er sich, einsam und verlassen, am Grabe der geliebten Frau selbst den Tod gibt. Das Buch, bei dessen Lektüre sich zwanglos interessante Parallelen zur jüngsten politischen Entwicklung in Deutschland aufdrängen, wird viele Leser finden.
— Hanns G ob s ch: Wahn-Europa 1934. Fackelreiter-Verlag, Hamburg-Bergedorf Preis in Leinen 4,80 Mark. — (300) — Der Verfasser nennt diesen politischen Roman eine Vision, ein furchtbares Fanal der Warnung an die Adresse der Völker Europas, dem Wahnsinn der Selbstzerfleischung ein Ende zu machen, ehe ein zweiter Weltkrieg den Kontinent in Schutt und Asche legt, und der Bolschewismus ein schauriges Erbe antritt. Die Fabel dieses ehrlich gemeinten und aufrüttelnden Romans ist nicht neu. Das bekannte Klischee aus den verhängnisvollen Julitagen 1914 ist für die Gegenwart einigermaßen glaubhaft zurecht frisiert. Ein Zusammenstoß zwischen Italien und Frankreich könnte sich immerhin in ähnlichen Formen abspielen. Das Schaurige des ma- bernen Luft- und Gaskriegs, der zwischen Kampftruppe und Bevölkerung keinen Unterschied machen kann, ist gewiß nicht zu grell ausgemalt. Auch die Ohnmacht der Massen gegenüber der Kriegshetze einer chauvinistischen Clique und dann wieder die Ohnmacht dieser selben Clique gegenüber dem einmal in Gang gesetzten und nicht wieder abzustoppenden „Apparat", dieser seelenlosen automatisch weiter- laufenden Maschine von Diplomatie und Rüstung, ist nicht gar so unwahrscheinlich prophezeit. Ein Buch, das nicht nur eine aufregende Lektüre sein will, sondern zur Besinnung aufruft, ehe für Europa das furchtbare „Zu spät!" allem ein Ende setzt.
Oer junge Nationalismus.
— MoellervandenDruck, Derpreu- ß i s ch e Stil. Reue Fassung mit einem Vorwort von Hans Schwarz und 30 Bildtafeln in Kupfertiefdruck, geb. 7,80 Mk., Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau. (328.) — — Moeller van den Bruck, dessen prophetisches Werk „Das dritte Reich" wir hier kürzlich anzeigten, nimmt in der Flut der Literatur des jungen deutschen Rationalismus eine besondere Stellung ein, nichts dokumentiert das mehr, als sein nun nach seinem Tode neu herausgegebenes Buch „Der preußische Stil", in dem Kunst, Weltanschauung und politisches Wollen eins werden. Der Stil ist Moeller van den Bruck Ausdruck einer Gesinnung, der preußische Stil in seiner großartigen Entwicklung von der Wendenzeit über die Backsteingotik, über Schlüter und Knobelsdorff bis zu Gilly, Langhans, Schinkel und Schadow ist ihm Ausdruck schöpferischen Handelns und zugleich ein Politisches, das in Raum und Zeit denkt, Schicksal, hinter dem der Mythos steht. Die Baukunst ist ein Gleichnis des Staatenlebens. Als Preußen in den Gründerjahren seinen preußischen Stil verlor, verlor es auch seine geistige Form und seine politische Haltung. Aber auf Preußen kann Deutschland nicht verzichten, weil es auf Preußentum nicht verzichten kann. Preußentum ist der Wille zum Staat und die Erkenntnis des geschichtlichen Lebens als eines politischen Lebens, in dem wir als politische Menschen handeln müssen. Die Kraft des Preußentums war noch immer die Kraft der Zusammenfassung. Wer diesen Entschluß heute in Deutschland saßt, der ist als Deutscher ein Preuße und wo dieser Entschluß heute in Preußen gesaßt wird, dort ist Deutschland. Das ist für Moeller van den Bruck der preußische Mythos, die Erneuerung preußischen Geistes, die er in begeisterter, leidenschaftlicher Sprache einem Geschlecht predigt, das in einer Zeitenwende preußisches und deutsches Schicksal in Händen trägt.
— Krieg und Krieger,herausgegeben von Ernst Jünger, Verlag Junker & Dünnhaupt, Berlin. (340.) — Vertreter des jungen deutschen Rationalismus suchen hier in einer Reihe von
Aussätzen ihre Haltung zum Kriege zu präzisieren und Fragen zu beantworten, Die sich aus Der von ihnen a priori bejahten RotwenDigkeit zu neuer Rüstung ergeben. Der Herausgeber erläutert Den Begriff Der „totalen Mobilmachung". Don Den anderen Mitarbeitern seien genannt: Ernst v. Salomon, Fr. Hielscher und Wilhelm v. Schramm, der in einer „schöpferischen Kritik des Krieges" den Widersinn des letzten Krieges in seinen unmilitärischen und unheroischen Erscheinungsformen beleuchtet und ein neues Bild des deutschen Menschen zu gestalten sucht, der nach dem Triumphieren des Todes wieder dem Leben zur Herrschaft helfen will, nicht einem nur auf den Augenblick und das Diesseits gerichteten, sondern einem Leben der Zucht und der Liebe, der Klarheit und Sauberkeit.
— Herbert Bolck, Rebellen um Ehre. Brunnenverlag Willi Bischoff, Berlin SW 68. Broschiert 4,50 Mk., Seinen 6,80 Mk. (438.) — Ein Mann, der immer Aktivist war, immer seine eigene Person vorneweg einsetzte, ist Herbert Bolck. Als Lüneburger Dragonerleutnant macht er den Reiter- und Stellungskrieg im Westen mit, wird als Flieger in Rußland abgeschossen, gefangen, nach Sibirien gebracht, bricht aus, marschiert 10 000 Kilometer durch die Mongolei und durch Persien, bis er sich in Mesopotamien wieder deutschen Truppen anschließen kann, entfesselt den Kaukasusaufstand gegen die Bolschewiken; dann soll das rasende Erleben mit schmählichem Waffenstillstand und Frieden aufhören. Herbert Bolck kämpft weiter. Wo in dem Jahrzehnt nach dem Umsturz in Deutschland gekämpft wird, oberirdisch oder unterirdisch, da ist Herbert Bolck dabei, zuletzt unter der schwarzen Fahne des Bauernaufstandes in Schleswig-Holstein.
— Goetz Otto ©toffregen, Aufstand. Querschnitt durch den revolutionären Rationalismus mit 15 Bildtafeln. Preis 3,80 Mk. Brunnen- Verlag Wilhelm Bischoff, Berlin SW 68. (379 ) — Das Buch sucht durch eine Reihe von Aufsätzen den Begriff Rationalismus abzugrenzen und seinen Ideengehalt herauszuarbeiten, indem es
einen Querschnitt durch die geistige Haltung des Kreises der jungen Rationalisten gibt, der sich vielleicht mit einigen Ramen wie Hielscher, Heinz, Jünger, Schauwecker, Bronnen, am besten bestimmen läßt. Besonders interessant ein Aufsatz von Fr. W. Heinz, der den Faschismus schroff ablehnt, weil es zu ihm vom preußischen Geiste her keine Brücke gibt. Für jung-nationalistisches Denken charakteristisch ist auch der Beitrag Frdr. Hielschers: Zweitausend Jahre.
Autobiographisches.
— WaldemarBonsels:TageberKinb. beit. 225 Seiten 8°. Broschiert 3,50, Ganzleinen 5 Mark. Verlag Ullstein, Berlin. — (470) — In dieser Erzählung wirb alles Literarische nebensächlich; wenn Bonseis von seinen Kinbertagen spricht, tauchen bie Gestalten unb Erinnerungen an biese Welt rein unb frisch empor, vermitteln bem Leser bie reine Freube bes Miterlebens. Ein freunblich georbnetes Vaterhaus in hellen Farben entsteht vor uns, mit bes Dichters Schwester Anni, „klug unb freunblich, wie bie meisten Leute, bie nicht um ihre Wirkung auf anbere besorgt finb, sonbern bie anbere auf sich wirken lassen", babei ziemlich ungezogen und zu jeher Teufelei zu haben, wenn sie sie nicht selbst ausheckt. Um sie, um Anni, gruppieren sich alle Ereignisse: sie ist babei unb maßgebenb, ob ber Kanarienvogel in ber Mausefalle gefangen ober ber Golbfisch mit Kognak getränkt ober ob bas herrliche Spiel mit ben nngebunbenen Paketchen getrieben wirb. Ein neues Buch bes jetzt fünfzigjährigen Dichters, in bem wir voll stiller Freube ben humorvollen Bonseks unserer Jugenb roieberfinben.
— RichardBillinger: Die Asche des Fegefeuers. Eine Dorfkindheit. 193 S. 8°. Seinen 4,80 Mk. München bei Georg Müller, 1932. (446) — Ein interessantes und eigenartiges Buch legt Georg Müller mit Richard Billingers autobiographischer Erzählung „Die Asche des Fegefeuers" vor. Als Soin ein:6 H) besitzens und Kaufmanns im österreichischen Junviertel geboren und ursprünglich zum Priester bestimmt, geht er eigene und merkwürdige Wege, fängt verhältnismäßig spät mit dem Dichten an, ohne etwas aufzuschreiben oder gar zu veröffentlichen, und wird schließlich in Wien „entdeckt". Seine von ihm vorgetragenen Verse werden von Hofmannsthals Tochter Christine mitstenographiert, auch Max Mell wird aufmerksam, und so kommt Dillinger zu einer Dichterlaufbahn. Verständlich wird dieser abenteuerliche Weg, wenn man von der Kindheit hört, von der Dillinger in seinem ersten Prosaband erzählt. Schon das Kind Dillinger steht' all den Geschehnissen des dörflichen Sebens mit einem ungeheuer beeinflußbaren und empfindlichen Gemüt gegenüber. Mit atemloser Spannung erlebt es Dinge wie das geheimnisvolle, in spukhaftem Alter verglimmende Leben der Muhme als Hexenspiel, Mord und Drand wird zum höllenhasten Ur- geschehen, Siebe zum fanatischen Rasen des entfesselten Blutes. Dillinger schildert ohne eine Spur von Konvention, heidnisch mythisch und schauer- voll, fromm und abergläubisch zugleich, und zart bei aller Entsetzlichkeit mancher Schilderungen. — Cs ist früher bereits an dieser Stelle auf das lyrische und dramatische Schaffen Dillingers hinge- wiesen worden. z
Romane und Erzählungen.
— Albrecht Schaeffer: Das Opfertier. Erzählungen. 217 Seiten 8°. Im Insel-Verlag du Leipzig. (365.) — Albrecht Schaeffer, auf dessen dichterisches Werk schon früher mehrfach an dieser Stelle hingewiesen worden ist, und den die Leser des Feuilletons unb ber Unterhaltungsbeilage in verschiebenen Erzählungen unmittelbar kennengelernt haben, gehört zu ben wesentlichsten Kräften unseres beutschen Schrifttums ber Gegenwart. Seine Prosa ist von altmeisterlicher Haltung, einfach, klar, burchsichtig unb bilbhaft; seine Gestalten, so ungewöhnlich, abseitig unb frembartig sie zunächst erscheinen mögen, stehen festgefügt unb verwurzelt in ihrem Lebensraum; bie Begebenheiten, welche hier geschilbert werden, erheben sich über bie Zufälligkeit bes Einzelfalles hinaus zur beispielhaften Gültig- feit menschlichen Schicksals. Die bichterische Kraft Schaeffers beglaubigt sie, inbem er sie einfügt in bie ewige Gesetzmäßigkeit ber Beziehungen zwischen bem Menschlichen unb bem Uebermenschlichen, Übersinnlichen ober auch, wenn man es so sagen will, bem Göttlichen. — Uns persönlich ergriff am unmittelbarsten bie an ben Anfang gestellte Erzählung „Der Major"; die letzte, „Das Opfertier", eine bäuerliche Chronik aus dem 18. Jahrhundert, gab dem ganzen Buch den Namen und faßt die einzelnen Novellen, so verschieden sie untereinander sind in Thema und Haltung, zu einer Einheit zusammen, die in der Weltanschauung ihres Schöpfers begründet ist. —y—
— Robert Reumann, Das Schiss „E s P ö r a n c e". V:rl7g Paul Zsolnay, Wien IV. Preis in Ganzleinen 5 Mk. (339.) — Robert Reumann ist seit seinem großen Zeitroman „Sintflut" kein Unbekannter mehr, die glänzenden Parodien „Mit fremden Federn" und mehrere Bände von Geschichten gaben Proben starker dichterischer Phantasie und einer Hinneigung zum Anekdotischen, die auch dieser neuen Rahmenerzählung zum Ruhen geworden sind. Die Zufälle des chinesischen Dürgerkriegs haben unter den Passagieren des mit europäischen Flüchtlingen von China nach Yokohama in See gehenden Dampfers „Esperance" eine kleine illustre internationale Gesellschaft zusammengeweht, die sich die Rächt der Ueberfahrt mit Geschichtenerzählen zu vertreiben sucht. Es wird ihre letzte Rächt und das Gespensterschiff ihr Schicksal, ohne ein Zeichen von Leben an Bord treibt es am Morgen wieder in dem chinesischen Ausgangshafen an. Die Todesfahrt des „Esperance" ist der Rahmen für eine Serie abenteuerlicher Geschichten, Kabinettstücke prickelnden Witzes, köstlichen Humors, blendenden Stils.
— Gustav Frenssen: Der brennende Daum. (Grotesche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller, Dd. 189). Geh. 3,00, geb. in Ganzl. 4,50 Mk. G. Grote, Berlin. (360). — Zum erstenmal zieht Frenssens künstlerische Prosa ein historisches Gewand an und wählt als grandiosen zeitlichen Hintergrund den Dreißigjährigen Krieg. Mitten in dem Drama des größten europäischen Religionskrieges, dessen verderblich«


