Wenn Menschen auseinanderrgevn
Tioman von 3. Schneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der Professor empfing einen Druck der jungen Hand, den er noch spürte, als er bereits den Kops auf das Roßhaarkissen seines Lagers gleiten lieh.
Der Schrei der Halbaffen tönte klagend durch den nächtlichen Urwald. Ab und zu surrte ein Käfer gegen die Zeltwand, prallte ab und verstummte jählings. Ununterbrochen prallte das Meer gegen die Korallenriffe.
Szengeryi lag mit offenen Augen, über die sich allmählich flimmernde Rebelgebilde legten. Er sah Rosmaries süßes, unschuldiges Kindergesicht über sich geneigt. Aus der Ferne erklang Horvaths Geige.
Unruhig warf et sich auf die andere Seite. Rosmaries Lippen streiften die seinen. .Wenn du widerkommst, Rosmarie..
Der Schläfer fuhr empor und sab sich erschrocken in der Enge des Zeltes um, gleich darauf wieder auf die Kissen zurücksinkend.
Moskitos schwirrten gegen das Reh. 3n tausendfältiger, doch immer gleicher Melodie, sangen die gr,öV)e ihr Horvaths Geige mengte sich bayin. .Heute nacht, lieber Schah..." Ros- marie schluchzte. e
.Ich will schlafen, schlafen", dachte Szengeryi und warf sich von einer Seite auf die andere.
Todmüde schlossen sich seine Augen. Christbaumlichter umgaukelten ihn, Rosmaries Zöpfe glänzten im Gold der Kerzen. Er breitete die Arme nach ihr aus.
Aber Guido Horvath stand dazwischen und hielt schützend die Arme gegen das Kind. .Sie ist mein!"
Szengeryi stöhnte auf, warf sich auf den Freund und zertrümmerte ihm mit einem Faustschlag den Schädel. Mit dumpfem Laut glitt der Geiger zu Boden.
Bela erwachte schweißgebadet. Er wagte nicht mehr einzuschlafen und sah mit hochgezogenen Knien, bis das Morgenrot über die Wipfel schoß.
*
Der Winter war über die Steppe hinweggebraust, und die Hirten begannen ihre behaarten Lederhosen mit leichteren zu vertauschen.
Man hätte wohl ein freundlicheres Erwachen der Ratur erwarten können, aber es begann wie immer mit Schmutz und Schneeschmelze, Und das unruhige Element, das Wasser, das man im Sommer so sehr entbehrte, strömte nun von über
all herzu, verwandelte alles zu schwarzem, schmierigem Drei und arbeitete sich geräuschvoll durch alle Rinnen und Ritzen.
An einem der ersten Tage des Mai, als die Steppe, so weit sie reichte, ganz voll grüner, lustiger Gräser stand und die Ebene eine einzige Symphonie in Grün und Rot und Blau und Weih erschien, fing Kaschka, der Wolfshund, um Mitternacht zu heulen an.
Sein Gekläff war markerschütternd.
.Wölfe?" dachte 3ano3. .Rein. 3etzt nicht mehr." 3hm war es, als vernehme er ein Wimmern. So rasch seine alten Glieder es erlaubten, stand er in der matten Helle, die über der weiten Ebene lag. Kaschka sprang an ihm hoch und gebärdete sich wie toll.
Und wieder dieses Wimmern!
3anos lauschte. Trotz seiner siebzig 3ahre war sein Ohr scharfhörig wie das eines Raubtieres. Dann ging ein Zucken über sein Gesicht. Er rief mit kosendem Laut einen Ramen in das Dunkel.
Rur der Wind, der über die Gräser strich, gab Antwort.
Mit Augen, die so scharf waren wie die eines Sperbers, suchte er die nächste Umgebung ab.
Dann ein leiser Ruf. Ein stilles Lächeln. Seine Hände nahmen mit einem Zittern das Bündel auf, an dem Kaschka herumschnüffelte.
Sonst war nichts zu sehen.
Sie waren ganz allein: Er, das Kind und der Hund. Weit draußen weideten die Rinder.
3anos Augen hörten zu suchen, fein Ohr zu hören auf, er drückte das kleine wimmernde Wesen, das nun die Lider schloß, fest gegen sich und ging mit ihm in die Hütte. Die Hände waren warm, der kleine Mund schmatzte. .Guck", sagte 3anos und hielt Kaschka das niedliche Menschenkind entgegen. .Guck!"
Bon draußen kam ein Weinen.
Der Hirte rührte sich nicht.
Es mußte alles verwunden werden," alles!
Dann wurde es still. Rur das Knurren des Hundes klang zuweilen auf. Das Kind ruhte friedlich in 3anos pelzgefütterten Mantel gehüllt. Der Alte legte sich auf das harte Lager und hielt den Kleinen dicht an sich gepreßt. .Eija, mein Kindchen! Eija, eija! Wie rätselhaft die Wege der Menschen sind. Eija, mein Kindchen, eija!"
Es störte nichts mehr die Ruhe dieser Rächt.
Die Steppe prangte in höchster Blüte. Einmal im 3ahr gab sie mit offenen Händen, schenkte im äleberschwang, konnte sich gar nicht genug tun des Gebens.
Die Hengste wieherten auf. Sturmgewaltig, alles vor sich niederrennend, in wilder, unbändiger Kraft und Liebesfreude, setzten sie den zitternden Stuten nach.
Tausend und abertausend Sterne standen des
Rachts am Himmel, heller, gleißender, verheißungsvoller als anderswo. Gleich dunklen Wolken zogen hoch oben die wilden Schwäne nach 'Horben hin.
Hm diese Zeit meldete Raja Dosanhi dem Dater ihre Rückkehr.
Zehn Monate war sie fort gewesen, zehn lange, überlange Monate.
Sie sei froh, wieder nach Hause zu fommen, so schrieb sie. Sie habe sich satt gesehen an der Welt. Es gäbe auch anderswo Leid und Tränen — genau wie in der Steppe.
Sie hatte vergessen, verwunden, freute sich Dosanyi. Es würde alles wieder sein wie früher. Er wollte sie nun auch nicht länger mehr quälen, Ettel Rova zu heiraten. Rur Ruhe und Friede sollte sie in der Heimat erwarten.
Er schwankte zwischen Angst und Hoffen, und als er sie dann in den Armen hielt, behandelte et sie wie ein Kind, das lange krank gewesen und nun feinet Genesung entgegensieht.
Sie war nicht hager geworden und vergrämt und abgemagert, wie et gefürchtet hatte. 3hre Formen erschienen ihm sogar voller. Rur still, sehr still war sie für ihre zwanzig 3ahre. 3hre dunkelblauen Augen sahen klug und wissend in die Welt. Es war ein Wägen und Forschen in ihnen, dem man nicht entrinnen konnte.
Gleich am ersten Abend ihres Rachhausekom- mens gingen sie zusammen nach den Feldern. Raja wollte 3anos begrüßen.
Der Hirte reichte ihr mit unbeweglichem Gesicht die Hand. „Wieder zurück?" Es klang tonlos gleichmütig.
Sie nickte und beugte sich über den Hund, um ihn zu streicheln.
„Was hast du da?" fragte Bosanyi und zeigte erstaunt auf das Bündel, aus dem sich zwei kugelrunde, nackte Aermchen streckten.
„Ein Kind, Herr." Es klang so gleichmütig wie die Begrüßung zuvor.
„Das sehe i<$", lachte der Gutsherr. „Wie kommst du zu einem Kinde?"
„Man hat mir's vor die Tür gelegt, vor Wochen schon. Es wird wohl eines von denen fein, die zuviel sind."
„Ünö du behältst es?"
„Was sonst?" Der Alte sah erstaunt zu Dosanyi auf
„Es macht dir doch Mühe", sprach dieser auf ihn ein.
Ein Achselzucken.
„Gib's einer von den Mägden, die bei mir schaffen. Später kann man sehen, was aus ihm wird."
3anos griff nach dem Bündel, drückte es an sich und wiegte es sachte auf und ab. „Herr, ich weiß es. es ist gut gemeint von Euch, aber ich behalt' es selber. Für mich, den 3ungen und den
Kaschka reicht es. Es könnte eines Tages fein Dater kommen ober feine Mutter und es zurück- verlangen. Dann müßt ich sagen: 3ch hab's nicht gut betreut“
„Du bist ein komischer Kauz", sprach Dosanhi. Aber es klang nicht unfreundlich.
Raja trat näher herzu, besah den Kleinen und streckte die Hände nach ihm aus. 3anos legte ihr unbeweglichen Gesichtes den 3ungen in die Arme. 3Hre Wangen neigten sich gegen die zartrosigen des Knaben. Mit zuckenden Lippen berührte sie den feuchtroten, kleinen Mund.
3n 3anos Zügen regte sich keine Muskel.
„Wenn du etwas brauchst für den 3ungen“, sagte Bosanyi, dem es auffiel, wie zärtlich die Augen der Tochter an dem Kinde ruhten, „dann sag es meiner Raja. Eine Frau hat für so etwas mehr Derständnis als ein Mann."
Ein Ricken des Hirten. Dann war das Gespräch zu Ende.
Raja legte das Bündel in 3anoS' Arm zurück. 3hre Augen flehten. Er lächelte und drückte den Kleinen an sich. „Richt wahr, mein Bübchen, cs liegt sich weich bei mir. so weich! Richt wahr? — Eija. mein Kindchen, eija!"
Tränen schossen dem Mädchen in die Augen. Wortlos wandte es sich zum Gehen und eilte dem Dater nach.
Dosanyi sah das feuchte Glänzen über Rajas dunklen Wimpern. „Armes Wurm!" äußerte er mitleidig, „lieber eine solche Rabenmutter. b;e es fertig bringt, ihr Kind vor die nächstbeste Tür zu legen, sollte es Feuer und Schwefel gießen."
Gesenkten Hauptes schritt Raja neben ihm her. „Wer weiß, welches Opfer es ihr gewesen ist", sagte sie nach einer Weile des Wanderns.
„Opfer?" Dosanhi riß zornig einen Düschel Ackerwinden, der sich zwilchen das werdende Getreide zwängte, aus dem Boden und warf ihn auf den Weg. „Da taxierst du diese Sorte von Frauenzimmern falsch. Die wollte das Kind ganz einfach los fein. Es hätte ihr Mühe gemacht. Eie hätte ihr Brot mit ihm teilen müssen. Allein durch die Welt zu vagabundieren, das ist bequemer. Rächstes 3ahr legt sie dem 3anoS wieder eins vor die Hütte."
„Dater!" Raja saß das Schluchzen in der Kehle.
„Wart's ab“, sagte er eindringlich, „llebrigen# kann es nicht schaden, wenn du ab und zu nach dem Knaben siehst. Der 3an08 ist doch ein Mann, und ein alter noch dazu. Was versteht der von kleinen Kindern!"
Sie sprach chr „3a". ohne den Dater anzu« sehen.
Am anderen Morgüt war ihr Kissen naß von Tränen.
lFortsehung folgt.)
Wettnot!
05931
Wie lange noch?
Eintritt frei für Jedermann!
Redner W. t>ürle<
Gießen« den 12. Oktober 193L
05931
Die Beerdigung findet Dienstag, den 13. Oktober, nachmittags
4 Uhr, vom Sterbehaus WllhelmstrÄße 17 aus statt.
6813D
Die über ganz Deutschland verbreitete
Edeka-Organisalion
bester Wirkung.
05926
Edeka Geschälten
Gießen, den 12. Oktober 1931.
6'09 0
Schneidermnen-Fachkürs! Druckschriften:
ilzten Bogen
in Wertform
Kleider,Wel6n6heü,BandarbelLFad)-a.MadeielchDeD
mioa
BfUhl’iche Druckerei, Liegen, Schulstr. 7, Anruf 2251
Karl Ott, Lehrer Irmgard Ott Familie Lehrer Porth Familie Konrad Ott.
umfaßt 430 .^Genossenschaften mit zirka 32 000 Einzel - Geschäften und bezweckt, den Einzel - Kaufmann unabhängig zu machen von überflüssigen Gliedern des Zwischenhandels.
Die Edeka führt Auslands-Artikel selbst ein und bringt die Inlands - Waren vom Erzeuger unmittelbar an den Einzelhandel; daher zeichnen sich die Edeka- Waren durch Güte und Preiswürdigkeit aus. Die rechnende Hausfrau kauft am vorteilhaftesten in den
Olga Bachenheimer
Dr. Wilhelm Bachenheimer.
Wir danken allen herzlichst für die Anteilnahme, welche während der Krankheit und anläßlich des Todes unseres lieben Gatten und guten Vaters uns erwiesen wurde.
Münster (bei Lieh), Bad-Nauheim und Birklar, den 12. Oktober 1931.
Die Beerdigung findet Mittwoch, 14. Oktober, 14’/, Uhr in Münster statt
6819 D
lKväutevhaus Lung
Heilmittel der Natur in der Lchulltraße.
Fachliche, kunstgewerbliche und künstlerische Ausbildung! Prospekte, nähere Auskunft und Anmeldungen jederzeit Kursleiter: E. Riegger, Aster weg 66
ingeordnet, morgigen von Handel »erbe. Behörden
Einkauf deutscher Kolonial waren - Händler!
In tiefer Trauer: Luise Rinn, geb. Becker Familie Otto Benner Familie Otto Carle.
Heuchelheim, den 12. Oktober 1931.
Oeffenllicher Vortrag am Dienstag, dem 13. 10, 20.15 Uhr, Westanlage 31 lSeilenbam. Thema:
Oie Empörung gegen Golt und ihre Folgen
Nach Gottes Willen ist uns gestern abend meine innigstgeliebte Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester und Schwägerin Klotilde Ott, geb. Porth
im Alter von 33 Jahren durch den Tod entrissen worden.
Statt Karten.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspe 'den bei dem Heimgänge unserer lieb n Entschlafenen sagen wir allen auf diesem Weue u -.seren innigsten Dank. Insbesondere danken wir dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Johann Stock und Kinder
Vergleichsverfahren.
lieber das Vermögen des Kaufmanns Leo Abramowih in Gießen, Inhaber der Firma Kaufhaus Hansa in Gießen, der Firma Simon Pfefferkorn in Bayreuth und der Firma Josef Hartog in Norden ist am 10. Oktober 1931, vormittags 10 Uhr, I das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. 6817D i
Der Rechtsanwalt und Notar Ernst [ Schneider in Gießen, Liebigstraße 19, ist zur Dertrauensperson ernannt.
Termin zur Verhandlung über den Vergleichsoorschlag ist auf
Donnerstag, den 5. November 1931, vormittags 9 Uhr,
vor dem Hessischen Amtsgericht in Gießen — Zimmer Nr. 201 — anberaumt.
Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst feinen Anlagen — und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen — sind auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt.
Gießen, den 10. Oktober 1931.
Die Geschäftsstelle des Amtsgerichts.
Dienstag, den 13. Oktober 1931, nachmittags 2 Uhr, sollen im „Löwen", Reuenweg 20, dahier, z. ngs- weise gegen sofortige Barzahlung oer- steigert werden: 6812D
ein Klavier, ein Pferd, Schränke, ein Grammovhon, Büfetts, Diwane, Kredenzen, Uhren mit Kette, Sommerkleider, Spielsachen aller Art, eine Krause-Schneidemaschine, eine Registrierkasse, ein Warenschrank, Schreibtische, ein Sekretär, ein Korbsessel, eine Chaiselongue, ein Ausziehtisch, Stühle, Bücherschränke, ein Ausstellungsschrank, ein Eisschrank, drei Fremdenzimmer, Hemden, Matrosen-, Rodel- und Sportmützen, Hüte, eine Dulkanisier-An- läge, ein Sofa, eine Schnellwaage.
Wilhelm Hebbel
Gerichtsvollzieher in Gießen
Wilhelmstraße 6 II — Telephon 4039
Todes-Anzeige.
Sonntag mittag 1 Uhr entschlief sanft nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser treubesorgter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der
Landwirt und Maurer
Ludwig Rinn XVIII.
im 67. Lebensjahre.
Atter vusten. Schleim,
Rachen-. Kehlkovs., SlMfhttl/l Bronchtal-Katarrb, «*1111111111 schwere Atemnot. Der r**|>V***^* oekannie WöriShoser Asthma-Tee Ist von
laftllch'


