Ausgabe 
12.1.1931
 
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5 LIHr morgen- emsig arbeitete, begannen Dom Bergabhang Geröll und Erbmassen herabzu- rvllen. Wenige Minuten später erfolgte plötz­lich unter lautem Getöse der große Bergsturz, der 170 Arbeiter verschüttete, ehe an Rettung deuten war. Es besteht wenig Hoffnung, irgendwelche verschütteten Streckenarbeiter zu retten. Man vermutet, die Bergstürze seien die Folge der mehrtägigen Wolken­brüche, die den Ort Huigra schwer gefährdeten. Durch den zweiten Bergsturz, der den 170 Dahn- «Beitem das Leben kostete, wurden die Dcchn- gleise 1,5 Kilometer weit zusammen mit Geröll, Bäumen und Schlammassen verschüttet. Präsi­dent Ahora hat sich persönlich nach der lln- glücksstätte begeben, wo er zu Pferde, von der Eisenbahnstation Chanchan kommend, eintraf. Der angestrengten Arbeit der Bevölkerung ist es ge­lungen, 20 Verschüttete aus ihrer Lage zu Be­freien.

Die Ehrenlegion für eine Mutter von 16 Kindern.

Die Bäuerin Bathelier aus Genlis in der Bourgogne wurde auf Vorschlag des Landwirt- fchastsministers mitdemOrdenderEhren- legion ausgezeichnet. Die 51 Llahre alte Frau verdankt die,e Auszeichnung der Tatsache, daß sie 16 Kindern das Leben geschenkt hat.

Die Fliegerin Clly Beinhorn in Madrid gelandet.

Die deutsche Fliegerin Elly Beinhorn landete nach verständigem Fluge, von Barcelona kom­mend, auf dem Flughafen von Madrid, wo sie von Mitgliedern der deutschen Kolonie' empfan­gen wurde. Sie gedenkt ihren Weiterflug nach Sevilla anzutreten und von dort über die Meerenge von Gibraltar nach Marokko zu fließen.

Untergang

eines der italienischen Südamerika-Flugzeuge.

Rach einem Radiogramm aus Ratal ist das von Daistrocchi geführte italienische Flugz uz b e i Fernando de Roronha untergegan­gen, als es versuchte, nach Ratal zu starten, wo die übrigen Flugzeuge noch toarten. Die Mann­schaft des Flugzeuges ist gerettet. Es handelt sich um das Flugzeug, das beim St. Paul-Felsen notlanden mußte und von einem italienischen Zerstörer nach Fernando de Roronha geschleppt wurde.

Folgenschwere Gasexplosion.

3n Kopenhagen flog mit einer starken Detonation ein größerer Gasbehälter eines Reservegaswertes auf dem Halmtorv in die Luft. Alle Fenster der umliegenden Häuser wurden zer­trümmert. Der Behälter war beinahe leer. Man nimmt an, daß sich nur sogenanntes Knallgas darin befand. Ein Mann wurde getötet und eine Anzahl von Personen verletzt, darunter auch einige, die sich in den umliegenden Häusern auf- hielten. Ein Mann wird noch vermißt. Man nimmt an, daß seine Qeidje a u f dem Boden des Behälters liegt, in dem das Wasser acht Meter hoch steht. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht ermittelt.

Die spanischen Revolutionäre in Antwerpen.

An Bord deS Kongo-Postdampfers .Albert­ville", der Samstag früh in Antwerpen ankam, befanden sich neun spanische Flieger- offiziere, die an der letzten revolutionären Bewcgung teilgenommen und fich in Li.sabon ein- gescyifit hatten, unter ihnen General de Llano y Sierra. Hafenkommissar prüfte die Pa­piere, die in Ordnung befunden wurden. Die spanischen Ofiiziere wurden Begrüßt durch den Professor Enrique Diaz B a m o n d o. Einige der Offiziere reisten sofort nach Paris weiter, wo sich bekanntlich ihre Kameraden Franco, Ra da und Oberst Macia befinden.

Kältekatastrophe in China

lieber fast ganz China ist ein derartig strenger Winter hereingebrochen, wie er seit Menschen- gedenken nicht zu o e r z e i ch n e n war^ und der unter der ärmeren Bevölkerung bereits Hun­derte von Toten gefordert hat. In Chardin (Mandschurei) sank das Thermometer auf 4 8® r a d unter den Gefrierpunkt. Sämtliche Flüsse der Mandschurei sind zugefroren, und viele Per- fönen der Kälte zum Opfer gefallen. Aus K a l g a n und anderen Städten im Nordwesten Schangsins werden zahlreiche Tote infolge der Kälte gemeldet. Peking wurde von einem überaus heftigen Schnee st urm heimgesucht. Seit Freitag sind über 100 Personen erfroren. Der Peihfluß ist binnen einer Nacht zugefroren und hat den Hafenverkehr völlig lahmgelegt, über 20 Küstendampser im Eise ein­geschlossen. In Nanking, wo das Thermometer nur auf 25 Grad Celsius steht, ist die Zahl der Todes­opfer geringer. Auch Mittelchina wurde von einem Schneesturm heimgesucht, der so gut wie sämtliche Verkehrsverbindungen untergrub.

©reueltalen in China.

Nach chinesischen Berichten, die durch amtliche und private Mitteilungen bestätigt werden, sind i m südlichen Kiang si im Lause von neun Mo­naten 30000 Menschen von Räuberge- sindel niederaemetzelt worden. Die Bandi­ten unterstanden Dem mohammedanischen Führer Matinghsin und hatten nach Abzug der Gar- nisonstruppen, die das Gebiet verließen, um am Bürgerkrieg teilzunehmen, freie Hand. 20 000 Frauen sollen von dem Gesindel gefangen genom­men worden und mindestens 30 000 Personen in den ausgeplünderten Bezirken den Hungertod gestorben sein. In der Stadt Libsin hätten die entmenschten Horden aus Wut über Den ihnen von der Bürgerwehr geleisteten Widerstand die ganze Bevölkerung mit Ausnahme der Insassen des Ge­fängnisses getötet Gefangene, deren Familien kein Lvjeaeld zahlten, pflegten sie zu verbrennen. Die Nankinger Regierung habe die Entsendung einer Strafexpedition angeordnet

Eröffnung einer chinesischen Großfuukslation.

3n Gegenwart von zahlreichen Vertretern der chinesischen Behörden und der ausländischen Kolo­nien wurde die neue Kurzwellengroßfunkstation Tschenjuin der Rähe von Schanghai vom Ver­kehrsminister feierlichst eröffnet Die neue Station ermöglicht einen direkten Funkverkehr mitRauenundSan Francisco, während bisher der Funkverkehr mit diesen Städten durch kleine Telefunkenstationen und durch Vermittlung von Zwischenstationen in Manila und Bandoeng betrieben wurde. Die Großfunkstation hat eine große politische und wirtschaftliche Bedeutung für Ehinq. das nunmehr in weitgehendem Muß« von den ausländischen Kabslgesellschas- ten unabhängig wird. Für Deutschland ist die Station schon deshalb wirtschaftlich bedeut­sam, weil von den Einnahmen des deutsch^chine- sischen Funkverkehrs die Hälfte an Deutschland tAlt.

Aus Der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 12.3anuar 1931.

Provinzialausschuß-Sihung.

2lm Samstag fand im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Vorsitz von Provtnzialdirektor G r a e f eine öffentliche Sitzung des Provinzial­ausschusses der Provinz Oberhessen statt

Als erster Punkt der Tagesordnung wurde oer- handelt: die Klagesache betr. Geheimhaltung des Inhalts von Anklageschriften u n d U r t e i l e n im Verfahren wegen Verrats militärischer Geheimnisse; hier, das Ur­teil des Oberlandesgerichts Darmstadt vom 10. Fe­bruar 1928 in der Strafsache gegen den belgischen Staatsangehörigen Gustav Adolf Gerhard Pied- b o e u f. Dem belgischen Staatsangehörigen Gustav Adolf Gerhard Piedboeus wurde eine Mschrift des gegen ihn ergangenen Urteils des Oberlandes­gerichts Darmstadt vom 10. Februar 1928 ausge- yänbigt, demzufolge er eine 4 jährige Zuchthaus- strafe wegen Landesverrats erhielt. Da der Ge­nannte in Kürze aus dem Zuchthaus Marienschloß entlassen wird und Gefahr besteht, daß er diese Urteilsausfertigung in unlauterer Weise verwendet, erließ das Kreisamt Friedberg einen Polizeibefehl, wonach die Urteilsausfertigung einaezogen werden sollte. Gegen diesen Polizeibe.ehl erhob Piedboeuf Klage im Verwaltungsstreitverfahren. Der Provinzialausschuß verhandelt diese Streit­sache unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und wies die Klage als unbegründet zurück. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Kläger auf­erlegt und der Streitwert auf 1000 RM. festgesetzt.

Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurde ver­handelt über die Berufung des Karl Kni eie in Schotten gegen die Entscheidung des Kreisausschusses des Kreises Schotten vom 17. September 1930 betr. Entziehung seines Führerscheins. Der Berufungskläger Karl Kniese von Schotten fuhr am 20. Juli 1930 in Begleitung des August Dietz von Stumpertenrod mit seinem Motorrad von Kestrich nach Schotten. Etwa 400 Meter von Kestrich ent­fernt verlor Kniese die Herrschaft über sein Motor­rad, fuhr auf der rechten Straßenseite über einen Haufen Schottersteine und kam durch einen Rand­stein zu Fall Der Soziusfahrer Dietz verunglückte hierbei tödlich während Kniese mit verschiedenen Verletzungen am Körper und einer leichten Gehirn­erschütterung davonkam Das Kreisamt Schotten, dem bereits mehrere Fälle bekannt geworden sind, in denen Kniese die Bestimmungen des Kraftfahr­zeuggesetzes nicht so beachtete, wie dies erforderlich ist, entzog ihm auf Grund dieses Unglücksfalles durch Bescheid vom 2. September 1930 den Führer­schein. Gegen diesen Bescheid erhob Kniese Klage im Derwaltungsstreitverfahren. Der Kreisausschuß des Kreises Schotten, der die Klage in erster Instanz verhandelte, änderte durch Urteil vom 17. September 1930 den Beschluß des Kreisamts dahin ab, daß dem Karl Kniese der Führerschein nur bis zum 1 Oktober 1931 entzogen wird Die Kosten des Verfahrens wurden dem Genannten auferlegt und der Wert des Streitgegenstandes auf 300 Mark fest­gesetzt. Gegen dieses Urteil verfolgte Kniese Be­rufung an den Provinzialausschuß In der öffent­lichen Sitzung wurden eine Reihe von Zeugen ver­nommen. ebenso wurden der Vertreter des Hessi­schen Kreisamts Schotten, der Vertreter des Berufungsklägers und der an der Unfallstelle zuerst eingetroffene Arzt gehört. Der Provinzialausschuß erkannte nach eingehender Beweisaufnahme zu Recht: Die Berufung gegen das Urteil des Kreis­ausschusses des Kreises Schotten vom 17. Septem­ber 1930 wird als unbegründet zurückg^wiesen. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Berufungskläger zur Last. Der Streitwert wird auf 500 Mark fest­gesetzt.

Strengere Gchülerauslese in den öheren Schulen.

Ter Minister für Kultus und Bildungswesen hat für den Zugang zu den höheren Schulen und für die Schülerauslese verschärfte Bestimmungen erlassen, die den Zweck haben, den allzustar - ken Besuch der höheren Schulen ein­zuschränken und die'e von ungeetgre en Schü­lern zu befreien. Es wird bestimmt, daß außer den Grundschülern, die nach dreijährigem Schul­besuch in die höhere Schule eintreten wollen, auch alle Schüler mit vierjähriger Grundschulzeit - sofern sie nicht die Rote 1 oder 2 im Grund- schulzeugnis aufwei en - eine Prüfung in Deutsch und Rechnen zu bestehen Habe r. Die Prüfung ist vor Beginn der Osterferien von der aufnehmenden Schule abzuhalten. Sodann haben alle in die höhere Schule eingetretenen Sextaner noch ein­mal eine bis zu den Sommerferien reichende Probezeit durchzumachen. Wer sich in dieser Probezeit noch als ungeeignet erweist^ ist alsbald in die Volksschule zurückzuversehen. Vor der Zu­rückversetzung soll den Eltern Gelegenheit zur Aussprache gegeben werden.

Wenn innerhalb der höheren Schule ein Schüler aus der Unterstufe (Sexta, Quinta, Quarta) zweimal sitzen bleibt, muß er (unverschul­dete Fülle ausgenommen) aus dec höheren Schule ausscheiden. Ebenso ein Schüler, der in der­selben Klasse zweimal sitzen b.eibt, einerlei auf welcher Stufe.

Wenn ein Schüler, der auf der Mittelstufe (Unter- und Obertertia und Untersekunda) einmal sitzengeblieben ist, in Ober.ekunda nicht verseht wird, kann er (unverschuldete Fälle ausgenommen) auch bei Wiederholung dieser Klasse nur mit ge­nügendem Ergebnis nicht in die Prima aus­genommen werden. Es kann ihm jedoch ein Ab­gangszeugnis erteilt werden, das ihm die Primareife zuspricht.

Taten für Dienstag. 13. Januar

1749: der Dichter Friedrich Müller (Maler Müller) in Kreuznach geboren; 1859: der Schriftsteller Karl £ leibtreu in Berlin geboren; 1914: der Kunstgelehrte Alfred Lichtwert in Hamburg ge* ftorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Ober- hessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Hauptversammlung, 20.50 Uhr im Hörsaal des phy­siologischen Institutes. F. G. F. Monatsversamm- lung 20.50 Uhr bei Sied. Odenwälder Heimat­oereinigung: Monatsoersammlung. Hotel Köhler. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Das Flötenkonzert von Sanssouci" mit Otto Gebühr. Astoria-Licht- fpiele:Meine Schwester und ich" mit Mady Christians.

Aus dem Stabttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen Dienstag, 20 Uhr:Die erste Frau Selby", eine Komödie von St. John Er­vins. Mittwoch, 19.30 Uhr, erste Wiederholung der mit großem Beifall aufgenommenen politischen Ko­mödie Bernard Shaws:Der Kaiser von Amerika"

unter der Spielleitung Waller Bäuerles. Freitag, 20 Uhr, gelangt in völlig neuer Inszenierung unter der Spielleitung von Peter Fassott das Shakespeare- Lustspiel:Der Widerspenstigen Zähmung" erstmalig zur Aufführung

Volkshochschule. Morgen Dienstag, 20 Uhr, beginnt in der Universität em neuer Kurs: Uebungen in der Rechtschreibung. Interessen- ten seien besonders darauf aufmerksam gemacht, daß der Kurs nicht in Hörsaal 45, sondern in Hörsaal 53 stattfindet. Alle Bekanntmachungen sind am Schwar­zen Brett der Volkshochschule, Universität, 2. Stock links, ersichtlich. (Siehe heutige Anzeige.)

** Aufgehobene Verkehrssperren. Das Polizeiamt teilt mit:Infolge Aenderung des Fahrplanes der Gießener Straßenbahn wird die M a . k t ft r a ß e ab Montag, 12. Januar, für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art, auch für Fahr- rüder, bis auf weiteres freigegeben. Auch wird das Parkverbot in der Bahnhof st raße zwischen Alicenstraße und Westanlage bis auf weiteres auf­gehoben.

** Die Erhebung der Getränke ft euer betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil, auf die die Steuerpflich­tigen besonders hingewiesen seien.

** Dererr Grafund Gemahlin". Dor einigen Tagen kam hier ein Paar mit der Bahn an, das in einem hiesigen Gasthause Wohnung nahm und sich habet als Graf von Schlieffen und Gemahlin bezeichnete Ein eigenes Flugzeug desgräflichen Ehepaares" traf bald darauf eben­falls mit der Bahn hier ein und wurde zum Flug- Hafen 'geschafft, wo es in der Flugzeughalle unter- gestellt wurde. DerHerr Grast' wollte nämlich in Gießen eine Fliegerschule eröffnen und hatte zu diesem Zwecke das Flugzeug in Düsseldorf gekauft. An her Echtheit hesHerrn Grafen" unb herFrau Gräfin" ergaben sich aber halb allerlei Zweifel, hie noch baburd) bestärkt würben, baß herHerr Gras" an verschiebenen Stellen Schulben machte, ohne für Bezahlung zu sorgen. Mittlerweile hatte auch hie Polizeibehörde an hem angeblichen Grasenpaar In­teresse genommen unb bald festgestellt, daß das Paar überhaupt nicht verheiratet war. Weiter ergab sich durch Rückfragen in Eisenach, als her Heimat- behörde bes angeblichen Grafen, haß her wirkliche Graf Schliessen in Eisenach sich aufhalte unb von hem GießenerGraf Schliessen" nicht hie geringste Ahnung habe. Nunmehr griff hie Polizei zu unb stellte habet fest, baß der angebliche Graf Schlieffen m Wirklichkeit her im 26. Lebensjahre stehenbe Mu­siker Siegfrieb Francke, gebürtig aus Kiel, ist, her mit einer Dentistin aus Jerichow, Kreis Potsdam, die er in Potsdam tennengelernt hatte, als Graf Schlieffen unb Frau auf Reisen gegangen war. Der Dentistin hatte sich her Schwindler als Graf von Schliesfen vorgestcllt, die Dame hatte daraufhin ihre gutgehende Praxis verkauft und demGrafen" den Erlös daraus ausgehändigt, mit dem bann in Düffelborf bas Flugzeug gekauft würbe, das in Gießen zum Betrieb einer Flieger­schule dienen sollte. Als der Dentistin der Sachver­halt klargelegt wurde, fiel sie natürlich aus allen Wolken ihrer Illusionen. Da sie völlig mittellos war, mußte sie vorerst auf öffentliche Kosten in einem Heim untergebracht werden. Der Schwindler wurde von her Polizei in Haft genommen, die nun mit her weiteren Erforschung feiner Spuren be­schäftigt ist.

Oer 60. Geburtstag des Prälaten D. Dr. Niehl. WSN. D a r m ft a b t, 11. Ian. Der 60. Geburts­tag des Prälaten D. Dr. Wilhelm Diehl gab gestern Anlaß zu vielfacher Ehrung bes allgemein hochgeschätzten unb verehrten Mannes, einer Ehrung, die gekrönt wurde durch die Verleihung der Würde eines Doktors beider Rechte honoris causa durch die juristische Fakultät her Landesunioersität

Schon am frühen Morgen überbrachten dem Ju­bilar Schulrat H a f f i n g e r als Mitherausgeber unb Herr Wittich als Verleger einen Sonderbruck des dem Prälaten D. Dr. Diehl gewidmeten BuchesIch dien", zu dem u. a. Staatspräsident Adelung und Innenminister Leufchner Ge­leitworte geschrieben haben.

Um 11 Uhr fand eine offizielle Feier des Landeskirchenamts statt. Der festlich ge­schmückte Sitzungssaal war dicht besetzt. Den Reigen der Ansprachen eröffnete her Vizepräsident des Lan- deskirchenamts, Dr Daßlern, im Namen der Kirchenregierung und des Landeskirchenamts. Dann sprach der Präsident des Landeskirchentages, Staats­archivdirektor Dr Hermann. Als Vertreter des Hessischen Staates, insbesondere des Staatspräsiden, ten unb des Ministers des Innern Leufchner sprach Minister K o r e 11.

Den Höhepunkt her Glückwunschansprachen bil­dete die des Prodekans der juristischen Fakultät der Landesunioersität Gießen, Professor Dr. Frö­lich, der auch in Vertretung bes Rektors her Uni­versität sprach unb bei seinem Glückwunsch mitteilte, baß bie juristische Fakultät in bankbarer Anerken­nung unb Würbigung her Forscherarbeit unb her Verbienste Diehls um bie hessische Kirche, auch in juristischer Beziehung, besonders in Anerkennung seines Wirkens bei der Schaffung her Verfassung der evangelischen Landeskirche, beschlossen habe, ihm hie Würbe eines Doktors beiher Rechte honoris causa zu verleihen. Das Doktor- biplom würbe von bem Probekan verlesen unb her Prälat in feierlicher Zeremonie zum Doktor pro­moviert. Nach einer großen Reihe weiterer An­sprachen, u. a. von Oberbürgermeister Mueller als Vertreter der Stadt Darmstadt, Dr. T h ei­ne r t - Wiesbaden als Vertreter der sübwestbeut- schen evangelischen Kirche der Marburger Konfe­renz, Bürgermeister Dr. Lübecks als Vertreter her Geburtsstabt Diehls Groß-Gerau, Professor S t r o h - Friebberg als Vertreter bes Prebiger- feminars, hielt her Prälat eine Dankrede, in her er seinen Lebensgang, soweit er von ben Ansprachen berührt würbe, Revue passieren ließ. Er schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es ihm vergönnt sein möge, gestützt auf gegenseitiges Vertrauen sein Amt noch so lange Jahre ausüben zu können, als es Gott gefällt. Die Feier war von musikalischen Darbietungen umrahmt

Abends brachten die vereinigten Kirchenchöre Darmstadts im Verein mit bem Posaunenchor her Martinsgemeinde dem Jubilar vor dem Kirchen- tngsgebäube ein Ständchen dar. Die zahlreichen Glückwünsche, die am Samstag morgen bei Prälat Diehl eingegangen sind, belaufen sich in die Hunderte. Darunter sind auch solche von den schlich- tefien Kirchenmitgliedern aus feinen früheren Wir- kungskreifen. Aus führenden katholischen Kreisen sind gleichfalls Schreiben eingegangen. Der Staats­präsident hat dem Jubilar mit einem Glückwunsch- schreiben einen Korb mit einigen Flaschen edlen Domänenroeines gesandt.

Oer Mord

bei Ortenberg aufgeklärt.

Geständnis des Täters.

Rach umfangreichen Ermittlungen, bie von bet Landeskriminalpolizcistclle Gießen, der Staats­anwaltschaft Gießen und dem Landeskriminal-- polizeiaml Darmstadt gemeinsam getätigt mürben, ist es gelungen, den seit Dienstag in Hast befind­lichen ßanbtüirt Wilh. Lehr auS Altenstadt zu einem Geständnis zu bewegen. Unter dem Druck des zusammenge'.ragenen Beweismaterials ist er zusammengebrochen. Lehr gab vor dem Staatsanwalt Dr. Eckert aus Gießen die Tat zu. Danach hat er das von ihm in anderen Umständen befindliche Mädchen Martha P e p p e l am Sonntag, 4. Januar^ am Tage des Verschwindens, abends in Orten­berg besucht. Den Weg von Altenstadt bis Lindheim legte er mit einem geliehenen Fahrrad und von da bis Ortenberg mit bet Dahn zurück. 3n Lindheim gab er das Fahrrad auf der Bahn auf, das er zur Rückfahrt von - Ortenberg nach Altenstadt benutzte. 3n Orten* berg erwartete er das Mädchen vor der Woh­nung seiner Dienstherrschaft. Von dort ginge.e die beiden etwa 300 Meter vor die Stadt in Richtung Selters, wo sie sich an ein Transforma­torenhäuschen stellten, angeblich um sich vor Regen zu schützen. Bei der Aussprache über Mo Anerkennung der Vaterschaft des zu erwarten-» den Kindes sei ihm der Gedanke gekommen, sich des Mädchens dadurch zu entledigen, daß er es in die in allernächster Rähe vorbeifließende Ridder werfe. Diesen Gedanken verwirklichte er sofort. Er warf das Mädchen in die Hochwasser führende Ridder, wodurch alsbald der Tod des Mäd­chens eintrat. Rach der Tat fuhr er mit dem Fahrrad sofort nach Altenstadt zurück, kehrte mit der größten Ruhe in eine bekannte Wirtschaft ein, nachdem ging er nach Hause. Das Motiv der Tat ist darin zu erblicken, daß er sich be-.? schwangeren Geliebten entledigen wollte, um sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Er verübte die Tat in der Erwartung, baß eine Aufklä­rung nicht erfolgen werde. Die Ucberführung des Lehr in das Landgerichtsgefängnis yi Gießen erfolgt in den nächsten Tagen.

Änefkasten der Keöaffion.

W. in Gießen, Dahnhofstraße. Die Ballons desZeppelin" enthielten bisher Wasserstoffgas. Für die künfttgen Fahrten ist aber Füllung mifc Heliumgas vorgesehen, weil dadurch der Ex­plosionsgefahr wirksam vorgebeugt werden kann.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die ozeanische Warmluft an der Südseite ben nordischen Störung seht sich auch auf dem Fest­lande immer mehr durch. Während aus Süd- deutschland heute morgen noch 15 Grad Frost ge­meldet werden, sind in Rord- und besonders in Westdeutschland die Temperaturen schon über ben Gefrierpunkt gegangen (München minus 15 Grab. Aachen plus 2 Grad). Auch haben hier bereits Regenfälle eingesetzt. Da das Barometer weiter fällt, so baut sich der hohe Druck nach und nach ab und der Störungseinfluß kommt mehr zur Gel­tung. Wir haben also milderes Wetter zu er­warten, wobei zeitweise auch Riederschlage auf­treten.

Aussichten für Dienstag: Fortschreitende Milderung, vielfach bewölkt, vereinzelte Niedere schlage.

Lufttemperaturen am 11. Januar: mittags3 Grad Celsius, abends3,5 Grad; am 12. Januar: sorgens3,4 Grad. Maximum2,7 Grad, Mini­mum 3,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Januar: abends1,9 Grad; am 12. Januar: morgens1,6 Grad, Sonnenschein- dauer 1% Stunde.

(Schluß des redaktionellen Teils.)

Oie Giuhlverstopfung.

von Dr. weck, kanellis, Berlin.

Bei Stuhloerstopfung unb Hartleibigkeit wird her Leib durch Anhäufung unverdauter Nahrungsreste im Darm gespannt unb aufgebläht. Man fühlt sich unbehaglich unb leidet unter dem Gefühl der Bolle unb an Appetitlosigkeit. Blutonbrang, Eingenommen­sein bes Kopses unb leichte Schwinbelgefühle machen sich bemerkbar. Hier schafft man am zweckmäßigsten baburd) Abhilfe, baß man gleich bei ben ersten Smhl- bcschwerben ein pflanzliches Abführmittel anroenßet, wie es bie milb unb zuverlässig abführenben 2lvo^ theker Richard Sranbfs Schweizerpillen find, bis man in allen Apotheken erhalt. Am besten nimmt man bie Pillen abenbs vor bem Schlafengehen ein. Die Wirkung erfolgt bann am nächsten Morgen, ohn baß bie Nachtruhe gestört wird, UT\<