Ausgabe 
10.9.1931
 
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aung und kann unerquickliche Folgen für den Aechling haben!

Deutsche gibt es viele in Athen, teilweise solche, die bei den großen Werken als Fachleute arbeiten und auch solche, die hier ein besseres und leichteres Fortkommen als in Deutschland erhoffen. Auch einige sind da, seit langen Jah­ren, denen Athen als Stadt und als Klima gefällt und die in der gulcklichen Lage sind, ein sorgloses Leben weit von geschäftlichem Aerger zu führen. Ab und zu taucht vorJcmnakis", dem immer vollen Cafe, vor dem die Leute wie in Paris auf der Straße sitzen, ein deutscher blon­

der Jüngling mit Kniehosen und Wetterjacke auf und bietet den Gästen Postkarten mit fernem Bilde zur Erinnerung an seine Weltreise an. Gerührt und glücklich sieht er auf, wenn er auf deutsch angesprochen wird, was oft und gerne ge­schieht. Lind da fühlt er sich, ob er aus Sachsen oder aus Westfalen stammt, ob er nach Kon­stantinopel oder Alexandria weiterwandert, doch nicht so fern von der Heimat: die Akropolis, der Parthenon, die Säulein von -Zeus dem Olym­pischen sind ja auch da, um ihn an die heimat­liche Schule zu erinnern.

24. Anneliese Pauly, Reichsbahn T. u. Sp.-D. Gießen, und Gretchen Rinn, Tv. Heuchelheim, 94 P. 25. Anna Amend, Tv. Treis a. d. Lda., 93 P. 26. Marie Dodenbender, Tv. Treis a. d. Lda., 92 P. 26. Liesel Georg, Mtv. Gießen, und Hertha Hock, Tv. Klein-Linden, 90 P.

Jugendturnerinnen. Ober st ufe (Jahr, gänge 1915 und 1916). Zehnkampf (wie oben, entsprechend abgestuft) 131 bis 200 Punkte 62 Teilnehmerinnen, 40 Siegerinnen 1. Chri­stine Schmidt, Mtv. Gießen, und Frieda Henkel, Tv. 1860 Marburg, 179 P. 2. Anneliese Rup- pel, Tv. Butzbach, 174 P. 3. Emma Lotz, Tv. 1846 Gießen, 171 P. 5. Anna Weinandt, Tv. Großen-Linden, 166 P. 6. Hedwig Bocher, Tv. 1846 Gießen, 164 P. 7. Gertrud Kessel, Tv. Ridda, 160 P. 8. Helma Schmieder, Tv. 1846 Gießen, 159 P. 12. Luise Weih, Tv. Großen-Linden, 152 P. 14. Emmi Schupp, Tv. 1846 Gießen, Mia Homel, Reichsbahn T. u. Sp.-D. Gießen, und Hilde Valentin, Tv. Krof­dorf, 149 P. 15. Lieselotte Euler, Tv. Grün­berg, und Martha Wagner, Tv. Lang-Göns, 148 P. 16. Else Leinweber, Tv. 1846 Gießen, 146 P. 17. Anna Schmidt, Tv. 1846 Gießen, 144 P- 19- Anna Peter, Tv. Groh-Eichen, 141 P. 20. Marie Hhrhan, Tv. Lich, 140 P. 22. Alwine Dreier, Tv. Lang-Göns, 138 P. 23. Erna Geist, Tv. Groh-Eichen, 137 P. 24. Doris Speck, Tv. Grohen-Linden, 136 P. 26. Marie Vollmann, Tv. Heuchelheim, 133 P. 27. Berta Bocher, Tv. 1846 Gießen, 132 P.

Jugend tu rnerinnen - Unterstufe (Jahrgänge 1917, 1918, 1919). Achtkampf (vgl. Zehnkampf, ohne Keulenübung und Handball­weitwurf) 103 Punkte aufwärts bis 160 Punkte, 97 Teilnehmerinnen, 84 Siegerinnen. 1. Käthi Körner, Mtv. Gießen, 145 P. 2. Inge Dittong, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 139 P. 3. Dora Craß, Tv. Laubach, 135 P. 4. Dina Michel, Tv. Grünberg, 133 P. 5. Annemarie Kröck, Tv. 1846 Gießen, 130 P. 6. Liselotte Herbert, Tv. 1846 Gießen, und Mariechen Schmidt, Tv. Lich, 128 P. 7. Marga Deppler, Tv. 1846 Gießen, und Thea Walz, Tv. Lich, 127 P. 9. Margot Benderoth, Tv. 1846 Gießen, 123 P. 10. Annemarie Bergmann, Mtv. Gießen, Klara Wagner und Hilde Würtz, Tv. Krofdorf, 121 P. 11. Käthi Müller, Tv. 1846 Gießen, und Annt Schnez, Mtv. Giehen, 120 P. 12. Hedwig Döll, Mtv. Gießen, Johanna Wagner, Reichs­bahn T. u. Sp.-V. Giehen, und Hedwig Pfeffer, Tv. Grünberg, 119 P. 13. Martha Menges, Tv. Grohen-Linden, 118 P. 14. Gretel Gim­pel, Tv. 1846 Giehen, Irmgard Abt, Mtv. Gie­ßen, Martha Schäfer, Tv. Lich, Marianne von-Eiff, Tv. Grünberg und Else Schneider, Tv. Krofdorf, 117 P. 15. Wilma Leipold, Tv. 1846 Giehen, Anneliese Zollmann, Mtv. Giehen, und Luise Grönlein, Tv. Grünberg, 116 P.

Offen s ür a l le Stufen. Volkstümlicher Vierkamps. (75-Meter-Lauf, Hochsprung, Hand­ballweitwurf mit den Maßen der Turnerinnen- Oberstufe, dazu Weitsprung 2,50 bis 4,50 Meter) 50 bis 80 Punkte 106 Teilnehmerinnen, 59 Siegerinnen. 1. Erika Röhmig, Mtv. Giehen, 94 P. (14 Heberpunkte!). 2. Tilly Reinheimer, Tgde. Friedberg, und Liesel Bücking, Tv. Alsfeld, 81 P. (ein Heberpunkt!). 3. Ria Philipp, Tv. 1846 Giehen, und Martha Arabin, Tv. Wetzlar, 79 P. 8. Mathilde Koch, Tv. 1846 Gießen, 71 P. 10. Elfriede Münnich, Tv. 1846 Giehen, 70 P. 11. Dora Crah, Tv. Laubach, 69 P. 12. Christine Schmidt, Mtv. Giehen, 68 P. 13. Frieda Peter, Tgde. Lau­bach, 66 P. 14. Elisabeth Schimmel, Tv. 1846 Giehen, und Käthi Körner, Mtv. Giehen, 65 P. 16. Erna Petermann, Tv. Ridda, 63 P. 17. Ria Schwan, Mtv. Giehen, 62 P. 20. Margot Katz, Mtv. Giehen, 58 P. 23. Hedwig Bocher, Tv. 1846 Giehen, und Henni Obmann, Mtv. Gie­ßen, 55 P. 24. Anna LehmaNn, Tv. Ridda, 53 P. 25. Sofie Volkheimer und Gertrud lächerlich aus in der Hohenrömniher Livree. Ein brauner Knirps, der den Arm recken muhte, damit er in den Zügel langte. Früher hatte hier ein blonder Schlagetot gestanden, der schweigend sein Amt übte. Der kleine Affe da aber sprudelte mit raschen Bewegungen kauderwelsche Worte. Wohin er denCavallo" führen sollte, war un­gefähr der Sinn. Malte nahm ihn ins Genick, pflanzte ihn auf den Boden:Hier bleibst du stehen mit demCavallo" mein Sohn, ich ge­denke mich nicht lange aufzuhalten!" Das schien er zu begreifen...

Auf der Vordiele empfing ihn ein ähnlicher kleiner Kerl, nur war die Verständigung leichter. Mit der höheren Verantwortung wuchs anschei­nend die Kenntnis des Deutschen. Wen er anzu­melden die Ehre hätte, fragte er. Malte griff in die Tasche seines Reitrockes, von früher her steckten noch ein paar Visitenkarten darin. Rur derLeutnant der Reserve" stimmte nicht mehr, aber das war wohl gleichgültig...

Da, mein Sohn, aber ich hab' es ein bihchen eilig!"

Der Kleine verschwand mit einer Verneigung, und wie immer dauerte es eine endlose Weile, bis der Bescheid zurückkam. Diesmal aber lautete er ein wenig unerwartet. Seine Exzellenz bedau­erten sehr. Wann sie zu sprechen wären, würden sie dem Herrn schriftlich mitteilen.

Malte lachte ingrimmig auf.

Ach nee, min Jung, dat göfft' hier nicht! De Moden wölln toi nich inföhren!" Er schob den Kleinen mit einer Handbetoegung zur Seite, ging durch die Halbdunkeln Prunkgemächer, den langen Korridor entlang, in dem die eisernen Rüstungen standen unter den zahllosen Hirschgeweihen an dec Wand. Mitten auf dem Wege begegnete ihm der alte Kammerdiener Paalzow, das letzte Heberbleibsel aus früherer Zeit. Er hob die zittrigen Hände...

Hm Gottes willen, Herr Graf, da draußen hat es eine Ohnmacht gegeben. Ihre Exzellenz die Frau Erblandmarschall haben sich über die plötz­liche Meldung so erschrocken, und da sind Seine Exzellenz natürlich um sie bemüht" ...

Malte legte ihm die Hand auf die Schulter.

Ach nee, Paalzow, sprechen Sie noch Deutsch? Ich wundere mich zu Tode! Ra denn grüßen Sie meinen Onkel recht schön, wenn die Ohnmacht meiner neuen Frau Tante vorüber wäre, mochte er sich in sein Schreibzimmer bemühen. Da warte ich auf ihn. Sonst bin ich gegen Damen rücksichts­voll, aber diesmal ermangle ich des Zartgefühls. Meine Angelegenheiten sind wichtiger!"

Der Alte knickte zusammen, hob die Augen gen Himmel, als wenn er mancherlei auf dem Herzen hätte. Dann aber nickte er, ging langsam zur Gartenterrasse zurück. Walte trat in das eichen­getäfelte Zimmer, in dem die alten Römnitze

SJixfpoit

Gauwettkampf -er Frauen O.T.

Trotz gleichzeitigen Wettkampfes mit den Lau­nen des Wettergottes blieb dem XL ©au* frauenturnen zu Butzbach dank der tem­peramentvollen Leitung durch den Gauwart Ru­dolf Paul (Gießen) ein schwungvoller Rhythmus. Schon bei dem Einmarsch der Turnerinnen in die vertraute Turnerstadt unter flotter Marsch­musik beteiligte sich ein feiner Sprühregen. Eine frische Folge vielgestaltiger Sondervorführungen unter dem LeitspruchDeutsches Frauenturnen, ein Quell jugendlicher Freude und anmutsvoller Kraft" fesselte am Begrühungsabend die beifalls­freudige Aufmerksamkeit der vollbesetzten großen Festhalle Wertvolle Beziehungen des Frauen­turnens nach verschiedenen Richtungen des Be­rufs- und Volkslebens brachten in ihren Gruß- ansprachen zum Ausdruck Dr. med. Rau als Vertreter des Ortsvereins, Bürgermeister Dr. Jansen namens der Stadt und der 2. Gau- vertreter K. Schneider, während der Gesang­vereinOrpheus", die Kapelle der Butzbacher Feuerwehr und gemeinsame Lieder einen stim­mungsvollen Rahmen schufen. Rach einem Früh­gottesdienst am Sonntag traten die Turnerinnen in 22 Riegen auf dem Sportplatz Lustgarten zum Wettkampf an, der mit einer nassen Unter­brechung planmäßig durchgeführt werden konnte. Als beim Werbeumzug des Rachmittags ein neuer Regenschauer den Schluß mitmachte, wurde unter allgemeiner Beteiligung das Scha u- turnen mit Volkstänzen, Sondervorfüh­rungen und den allgemeinen Freiübungen in die Festhalle verlegt. Auch die in einer neuen Form wirkungsvoll durchgegliederte Siegerin- nen-Chrung muhte der Hallenbühne ent­sprechend abgeändert werden. Aber trohalledem schieden die Hefsenturnerinnen in froher Stim­mung von der gastfreundlichen Stadt. Von den Eraebnissen des Wettkampfes geben wir nach­stehend einen Auszug:

Oie Ergebnisse:

Sondervorführungen: Mit dem 1. Grad wurden gewertet Männerturnverein Gießen (Kürübungen am Pferd), Tv. 1846 Gießen (Kör­perschule), Tv. Grohen-Linden (Stabübungen), Tv. Grünberg (Freiübungen), Tv. Krofdorf (Keu­len), Tv. Klein-Linden (Stabübungen). Mit dem 2. Grad gewertet Tv. Groh-Eichen (Bar­ren), Tv. Lich (Freiübungen), Tv. Ridda (Tanz).

Turnerinnen-Ober stufe. Zehnkampf (Reck, Barren und Pferd mit 2 Kürübungen, Frei- und Keulenübung, 75-Meter-Lauf, Hoch- sprung, Handballweitwurf) 133 Punkte auf­wärts bis 200 Punkte 26 Teilnehmerinnen, 22 Siegerinnen. 1. Ria Philipp, Tv. 1846 < Giehen, 190 P. 2. Elfriede Münnich, Tv. 1846 . Giehen, 187 P. 3. Ria Schwan, Mtv. Giehen, 180 P. 8. Gertrud Bock, Tv. Grünberg, 157 P. 9. Klara Amend, Tv. Krofdorf, 153 P. 12. Emilie Reuschling, Tv. Heuchelheim, und Emma

Lein, Tv. Grünberg, 146 P. 14. Erna Peter­mann, Tv. Ridda, 138 P. 15. Käthe Preih, Tv. 1846 Gießen, 136 P. 17. Else Homel, Tv. 1846 Giehen, 133 P.

Turnerinnen-Oberstufe. Geräte-Sieben- kampf (wie oben Zehnkampf, ohne die drei volks­tümlichen Hebungen) 94 Punkte aufwärts bis 140 Punkte 30 Teilnehmerinnen, 26 Siegerin­nen. Ehrensiegerin Elfriede Münnich, Tv. 1846 Giehen, 131 P. 1. Ria Schwan, Mtv. Giehen, 130 P. 2. Ria Philipp, Tv. 1846 Giehen, 125 P. 3. Gertrud Bock, Tv. Grünberg, 115 P. 16. Tilli Hahn, Tv. Klein-Linden, 96 P.

Turnerinnen-Hnterstufe (Jahrgang 1914 und früher) Zehnkampf (wie oben, ent­sprechend abgestuft) 131 bis 200 Punkte 101 Teilnehmerinnen, 81 Siegerinnen. 1. Frieda Ruppel, T. u. Sp.-V. Butzbach, 192 P. 2. Liesel Bücking, Tv. Alsfeld, 187 P. 3. Eli­sabeth Sann, T. u. Sp.-V. Butzbach, 179 P. 6. Gertrud Gombert, Tv. Krofdorf, 170 P. 9. Elisabeth Schimmel, Tv. 1846 Giehen, 166 P. 10. Hilda Schmidt, Tv. Krofdorf, 164 P. 11. Effi Oppenheimer, Tv. Hungen, und Else Reuschling, Mtv. Giehen, 163 P. 12. Elisabeth Dender, Tv. Krofdorf, 159 P. 13. Henny Ob­mann, Mtv. Giehen, 157 P. 14. Liesel Schäfer, Tv. Hungen, 156 P. 15. Ida Fett, Tv. Grohen- Linden, 155 P. 17. Marie Suchann. Tv. Krof­dorf, 153 P. 19. Herta Wilhelm, Mtv. Giehen. und Anna Lehmann, Tv. Ridda, 150 P. 20. Else Beinhorn, Tv. Grohen-Linden, 149 P. 21. Lilli Dern, Tv. Grohen-Linden, 148 P. 23. Elise Menges, Tv. Lich, 146 P. 24. Ma- ricchen Siek, Tv. Grünberg, und Erna Biehler, Tv. Ridda, 145 P. 25. Marie Schäfer, Tv. Lich, 144 P. 26. Kath. Harbach, Tv. Treis a. d. Lda., 143 P. 27. Johanna Wolff, Tv. Ridda, Hedwig Schmidt, Tv. Langgöns, und Anna Will, Tv. Treis a. d. Lda., 142 P. 28. Gustel Heberling, Reichsbahn T. u. Sp.-V. Giehen. Martha Studenroth, Tv. Hungen, und Berta Tröller, Tv. Groh-Eichen, 141 P. 29. Hedi Schuchardt, Mtv. Giehen, 140 P. 31. Sofie Volkheimer, Tv. Ridda, 138 P. 32. Frieda Riebergall, Reichsbahn T. u. Sp.-V. Giehen, 137 P. 33. Marie Wagner, Tv. Krof­dorf, und Erna Rühl, Tv. Lang-Göns, 136 P. 34. Gretel Zecher, Tv. Treis a. d. Lda., 135 P. 37. Marie Zimmer und Hermine Walz, Tv. Lich, 132 P.

Turnerinnen-Hnterstufe. Geräte-Sie- benlampf (vgl. oben, entsprechend abgestuft) 90 bis 140 Punkte 51 Teilnehmerinnen, 39 Sie­gerinnen. 13. Lina Bender, Tv. Krofdorf, 105 P. 16. Lina Löber, Tv. Heuchelheim, 102 P. 17. Else Schmidt, Tv. Lich, 101 P. 19. Lina Michel, Tv. Treis a. d. Lda., und Marie Herr, Tv. Heuchelheim, 99 P. 22. Hilde Scholl, Reichsbahn T. u. Sp.-V. Giehen, 96 P.

Das bißchen Erde.

Vornan von Richard Gkowronnet.

Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart

28. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Es ist schrecklich, wenn man so tyrannisiert wird! Aber sie hat leider recht, die liebe Frau Försterin ... Run denn: auf Wiedersehen! Hof­fentlich recht bald!" ... Sie streckte ihm über den Tisch hinweg die schmale, ringgeschmückte Hand entgegen. Er verneigte sich, unterließ es aber, die Hand an die Lippen zu führen.

Jedenfalls wünsche ich herzlich auch werter gute Besserung!" Damit hatte er nichts verspro­chen ... Hnd als er wieder auf dem sandbestreu­ten Gartenwege stand, atmete er auf. Der Besuch da eben muhte sein letzter gewesen sein ...

Der Förster Schwarz nahm die Hacken zu­sammen:Herr Graf haben befohlen?"

3a richtig! Rehmen Sie sich ein paar Hand­seste Leute und sorgen Sie dafür, daß der Ver­walter Bergemann sofort meinen Hof verläßt. Ich habe ihm wegen Untreue und Gehorsams­verweigerung ohne Frist gekündigt."

Heber das rotgebrannte Gesicht des alten Weidmanns flog ein Heller Schein.

Und das von Rechts wegen, Herr Graf! Bloh diesen Dachs hält' man schon früher ausräuchern müssen. Ehe er so viel Speck und Feist an- gesetzt hatte unter feiner dicken Schwarte" ...

Malte schwang sich in den Sattel, um nach Hohenrömnitz zu reiten. Als er den Gaul $ur (Strafte wandte, glaubte er hinter den werft­gestärkten Fenstervorhängen ein feines Gesicht­chen zu erblicken mit dicken blonden Flechten dar­über. Vielleicht war es auch nur eine Täu­schung ... er wandte sich nicht um, das hier muhte ein Ende haben! Eigentlich hatte es ja noch gar nicht angefangen, aber welcher Rarr rannte wohl mit sehenden Augen in eine Gefahr, nachdem er sie erkannt hatte? ... Und sollte es noch mehr solcher Rächte geben, in denen man sich ruhelos von einer Seite auf die andre warf, von Selbstvorwürfen und begehrlichen Ge­danken geplagt? ... Gedanken, die zudem nutz­los waren, denn die kleine Frau in ihrer kühlen Reinheit ging ohne Anfechtungen ihren Weg ... Ein paar blahblaue Augen sah er vor sich in einem fettigen Gesicht, die ihn, keine Stunde war es her, mit scheuer Ditte angeblickt hatten. Da nickte er nur: kannst ruhig sein, es geschieht dir nichts ...

Die weißrote Fahne auf dem Turm der Hohen- römnrh hing schlaff an der Stange herab, kein Lüftchen regte sich, die Frühlingssonne schien

warm. Den Schnee hatte sie schon längst auf» gezehrt, nur ein feuchter Glanz lag noch über den grünenden Saaten und den bräunlich schim­mernden Wiesen. Der Bach, dessen Quelle im Schlvhbrunnen entsprang, rann geschwätzig neben dem Wege zu Tal. Gelbe Blumen blühten an seinem Rand, das Volk der Stave stelzte da­zwischen, suchte emsig nach dem täglichen DroL Der Frühling war ein gar freigebiger Herr und reich gedeckt sein Tisch...

Malte lieh seinen Gaul in Schritt fallen, es ging bergan. Hnd etwas von der alten Beklom­menheit überkam ihn. wie früher immer, wenn ihn eine lästige Pflicht nach dem Hause_ des Oheims geführt hatte. Wenn er sich's recht über­legte, war die Hnterrebung nutzlos. Sein Schick­sal ging auch ohne sie seinen vorgeschriebenen Gang, heftige Worte konnten daran nichts ändern. Hnd alles übrige war auch durch einen Anwalt zu besorgen. Dem mußte sich der Herr Erbland- rnarschall ja ebenso stellen wie ihm auf die Frage, wo ine Einkünfte von Vellahn geblieben waren...

Weit hinten im Park vor der Gartenterrasse waren ein paar bunte Farbenflecke. Er sah schär­fer hin... eine ganze Gesellschaft war es, die sich dort im Sonnenschein erging. Eine Dame mit einem leuchtendroten Schal um die Schultern wurde von einem Diener im Rollstuhl gefahren, ein Herr in hellem Anzuge schritt daneben, hielt mit einem Schirm die allzu grellen Sonnen­strahlen fern. Voran gingen zwei andre Damen in bunten Frühjahrskleidern, die eine davon fett und rund, die andre schlank und hochgewachsen. Ein schwarzbärtiger kleiner Kerl daneben, der einen dicken Mops im Arme trug... Malte lachte kurz auf: eine Idylle! Der Herr Erblandmac- schall im Kreise seiner neugegründeten Familie. Hnd alles seliger Hoffnungen voll, wie rings die Hebe Ratur im Frühling... Als wenn kein böser Frost mehr kommen konnte über Nacht, in dem manch zartes Pslänzlein welkte...

Da stieg ihm ein grimmiger Zorn empor: die andern da wandelten lachend im Sonnenschein, er aber ritt hier in finstern Sorgen und Gedanken. Mußte als ein Bettler abziehen, verhöhnt und ausgelacht, in der Hohenrömnitzer Wiege lag ein Eindringling. Schlug die Augen auf, und alles rings um ihn war sein... Der Haß packte ihn an und schüttelte ihn, rote Flammen brannten vor seinem Gesicht... Wenn er jetzt dem Gaul die Sporen einsetzte und über die Parkmauer flog... Das Volk da vor der Terrasse stob auseinander, er aber richtete sich im Sattel auf:Holla, hier bin ich! Hnd freut euch nur nicht zu früh' ... Aber das war natürlich Hnsinn... die Zeiten, in denen man mit gepanzerter Faust dazwischen­griff und das Messer am rechten Ende packte, waren vorüber...

Der Kerl, der ihm an der säulengetragenen Freitreppe den Gaul abnahm» sah geradezu

Kessel, Tv. Ridda, 52 P. 27. Lilli Dern, Tv. Großen-Linden, Erna Diehler, Tv. Ridda, und Anna Peter, Tv. Groh-Eichen, 50 P.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 (Liga) unterliegt im 1. Derbandsspiel in Wallau 1:3 (1:1).

Gemessen an den Leistungen der vorausgegange» neu Gesellschaftsspiele lieferten die Blauweihen eine sehr mäßige Partie. Das Zusammenspiel zwischen Läufern und Stürmern wollte nie recht klappen. Cs fehlte die flüssige Kombination und der gesunde Torschuh. 1900s Liga lieh diesmal jeden kämpferischen Geist missen. Der Gastgeber Wallau spielte wuchtig, schnell und gut, jedoch nicht so gut, daß er von einer in besserer Ver­fassung spielenden Els 1900s nicht bezwungen wor­den wäre. So besaßen die Stürmer überhaupt keine Schuhkraft. Die Gießener Niederlage ver­schuldete in erster Linie der Torwart, der nach recht guten Leistungen es sich nicht versagen konnte, einem Mitspieler seine Ansichten über die mangelhafte Spielleitung persönlich auszudrücken. Beide Mannschaften waren in dem ausgegliche­nen Treffen übernervös. Cs wurde beiderseits viel mit dem Mund gespielt und die fehlerhafte Spielleitung wirkte auch nicht beruhigend.

1900 war in der ersten Spielhälfte tonange­bend. Die getriebene Heberkombination endete im Morast vor dem gegnerischen Tor. Nur einen Treffer erzielte der Mittelstürmer im Nachschuh auf einen Eckball hin. Einen schlecht geschossenen Wallauer Eckball will der Gießener Heilmann in Höhe des Strafraums mit der Brust ausneh­men. Der hohe Ball springt aber in eine Wasser­pfütze und von da unerwartet an Heilmanns Ober­arm. Der Spielleiter verhängt einen Elfmeter ge­gen Gießen. Die erste Ausführung geht dane­ben. Bei der Wiederholung entglitt der schmutzige und glatte Ball Schmidts Händen und führte zum Ausgleich.

Nach dem Wechsel spielte Wallau mit dem Wind. 1900s Hintermannschaft hat alle Hände voll zu tun. -Seiler, Jäckel und Schmidt, das Schlußtrio war aber in Hochform. Wallaus An­griffe endeten erfolglos. Ein Punkt wäre den Gie­ßenern sicher gewesen, wenn nicht etwa eine Vier­telstunde vor Schluß 1900 den Torwart durch Platzverweis verloren hätte. Jäckel war kein ge­nügender Ersatz. 1900 ging nun, mit zehn Mann spielend, mehr aus sich heraus, aber zwei sichere Chancen wurden in der Hast nicht ausgenützt. Da­gegen mußte Jäckel in der achten und dritten Mi­nute vor Spielende zwei hohe Bälle passieren und den Gegnern den Sieg lassen. Das Spiel wurde sehr fair ausgetragen.

Die Ligareserve kämpfte mit Ersatz und nur mit 10 Mann in Hermannstein bei Wetzlar gegen die dortige erste Elf unverdrossen, um den Sieg im ersten Verbandsspiel. Ein Eigentor der Gastgeber in der ersten Spielhälfte brachte den Gießenern Sieg und Punkte. 3n der zweiten Spielhälfte lei­steten die blauweihen Schlußleute Erstaunliches und hielten das Resultat.

Die dritte (Lehr-)Mannschast sand sich auf dem ungewohnten Sandplatz in Wieseck nicht zurecht. Man hätte von den Gießenern eigentlich mehr er­wartet, nachdem sie noch vor kurzem diesen Geg­ner, Wiesecks erste Elf, in Gießen in einem Gesell­schaftsspiel mit 9:0 abfertigten. Die Gießener Els verschenkte durch Auslassen eines Elfmeters, wie am Vorsonntag in Steinberg, auch diesmal den sicheren verdienten Sieg. Endresultat 1:1 (1:0).

Die verbandsspielfreie vierte Mannschaft schloß noch in letzter Minute ein Gesellschaftsspiel mit Steinbachs zweiter Elf in Steinbach ab. Der Gast­geber, durch einige Spieler der ersten Mannschaft verstärkt, leistete heftigen Widerstand und siegte auch knapp mit 4:3 (2:2).

Einen Kunstturnkampf haben Frank­furt, Basel und Amsterdam abgeschlossen, der am 11. Oktober in der Mainstadt zum Austrag kom­men foIL

hingen, die sich im Laufe der Jahrhunderte durch irgendeine Großtat aus der Menge der übrigen gehoben hatten. Hnd eine seltsame Laune trieb ihn, sich unter das Bildnis seines ersten Vor­fahren zu stellen, an den Platz, auf dem sonst immer der andre stand, wenn es sich um wichtige Entscheidungen handelte. Der guten Vorbedeu­tung halber...

Wohl eine halbe Stunde war vergangen, bis sich endlich die Tür auftat. Der Erblandmarschall trat über die Schwelle. Hnd Malte mußte bei allem bangen Ernst fast auflachen, so hatte der alte Herr sich verändert. Die langen grauen Pre­digerlocken waren gefallen, das Haar starrte in kurzen Borsten um den eckigen Kopf, wie bei einem Kavallerieleutnant, der sich mit dem Hand­tuch kämmte, und wahrhaftig einen kohl­rabenschwarzen Schnurrbart hatte sich der Herr Onkel wachsen lassen! Das Lächerlichste aber war der modische helle Anzug mit einer Blume im Knopsloche... na ja, wenn man mit siebzig Jah­ren noch eine junge Frau genommen hatte..«

Der Erblandmarschall runzelte die Stirn.

Mein Anblick scheint deine Lachlust heraus- zufordern?"

Malte verneigte sich knapp.

Ich habe keinen Grund, aus Höflichkeit zu lügen. In meinem Gedächtnis stehst du wie cm alter Konsistorialrat, und da fand ich es komisch, daß du dich so verändert hast. Aber wir wollen uns nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten. Ich bin gekommen, um ein Paar kurze Fragen an dich zu richten, zu denen ich nach Gesetz und Recht befugt bin."

Der Erblandmarschall neigte den kurzgeschore­nen Kopf.

Ich bin zu deiner Verfügung. Aber möchtest du nicht lieber?"... Hnd er machte eine ein­ladende Hcmdbewegung nach einem der breiten Ledersessel in der Mitte des Zimmers.

Danke verbindlichst", sagte Malte mit einem Lächeln,ich stehe hier recht gut. Ich weih nicht, ob ich noch einmal im Leben Gelegenheit haben werde, unter den Augen meines ersten Ahnherrn um mein Recht zu fechten... Also erstens einmal: du hast nach dem Tode deiner ersten Frau wieder geheiratet, Onkel Christoph. Dazu bedurftest du keines Menschen Zustimmung. Ich aber habe das Recht zu der Frage, ob diese Ehe unferm Haus- gesehe entspricht. In Ansehung der Deszendenz nämlich, die du etwa zu erwarten hättest"...

Der hagere alte Herr richtete sich auf, schob zwei Finger der Rechten in die diskret gemusterte Seidenweste.

Meine Frau ist eine geborene Komtesse Rocca- bruna. Ihr Adel ist so alt und rein wie der meinige. Die Dokumente darüber kannst du ein­sehen» sie liegen im Hausarchiv."

(Fortsetzung folgt)