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Gründung seines Amtsvorgängers habe zunächst natürlich Schwierigkeiten übettotnven müssen. Ihre Arbeit werde eingeordnet werden bei der Reform der Gesamtarbeit der Akademie der Künste, die in Angriff genommen worden sei.

Der Minister wandte sich sodann der Frage der künftigen Ausgestaltung der staatlichen T h e a t e r zu. Er gab zu, daß mancher Angriff gegen die Auswahl der gespielten Stücke nicht unberechtigt sei. Es hätten aber Verpflich­tungen vorgelegen, denen die Theaterleitung sich nicht hätte entziehen können. Dafür, daß solche Verpflichtungen zustande gekommen seien, eine Per­son allein verantwortlich zu xna4' rüsse er ab­lehnen. Wenn ,'etzt auf Seßner Sie ne gewor­fen würden, so müsse man bt>u) anerkennen, dah (Zehner das Verdienst habe, dem physiognomie­losen Staatstheater ein Gesicht gegeben zu haben. Er habe dem Staatstheater die Füh­lung mit der lebendigen Kunst wieder- gegeben. ilm an der Gesundung der Staatstheater zu arbeiten, müsse man klar sehen, dah sie ein« besondere Aufgabe hätten. Sie muhten nicht Repräsentationstheater im gesellschaftlichen Sinne, sondern repräsentative Theater sein. Das bedeute, dah sie d a s g e i st i. g e G e - sichtderRationzu repräsentieren haben, in­dem sie Klassiker der Ration in voll­endeter Forni für di« Gegenwart le­bendig machen und das Reue zurDis- k u s s i v n stellen. Dieses Reue könne nicht anders als umstritten fein, denn es lasse sich keine verschwommene Linie des allgemeinen Aus­gleichs finden. Es gebe kein Theater der Groben Koalition. Das Staatstheater müsse zum repräsentativen Wagnis, zur Darbie­tung lebendiger junger Kunst bereit sein, «zur solche Aufführungen habe Berlin unbestritten di« ersten Schauspieler der Welt. Die Zukunst des Staatstheaters hänge davon ab, dah wir für ein in diesem Sinne repräsentatives Theater ein auf­nahmefreudiges Publikum bekommen.

Das Ergebnis -es deutschen Besuchs in Wien.

Die Politik einer regiona cn wirt- ichastli en Verständigung.

Berlin. 6.März (ERB.! Die Wiener Reise des Reichsauhenministers Dr. Curttus ist nach An­sicht unterrich e er politischer Kreise auße.vrdent- lich befriedigend verlaufen. Die Aufnahme, die d.-r deutschen Gäste in Wien gefunden Hutten, war herzlich. Die Besprechungen zwischen den deutschen Bewuchern und den österreichl.'chen Regierungsstel­len dienten in erster Linie wirtschaft! ich« n Aufgaben und ergaben eine weitgehend« Lleber- einstimmung. Die Llnterhaltungen, die im Sinne der bereits auf der Genfer EuropataDung im Ja­nuar angedruteten regionalenwirtschaft­lichen Verständigung geführt w'rdn, er­gaben. dah Deutschland und Oesterreich durch eine Angleichung der Wirtschaftssysteme beider L.nder eine spätere Angleichung an die Systeme anderer Länder vorbereiten sollen. Man kam weiter dahin überein, dah beide Länder auf der kommenl^n Paneuropatagung im April in gemein­schaftlichen Vorgehen diefe Ansichten vertreten werden.

Die Vernehmung Geldies.

Magdeburg, 6. M rz. (ERB.) Wie von dem Bundesführer des S.ahlhelms F. Seldte mitgeteilt wird, hat heute früh seine polizei­liche Vernehmung stattgesunden. Cs han­delte sich dabei um das Ermittlungsverfahren wegen der angeblichen Beleidigung der republi- konischen Staatsform durch den Aufruf zum Volksbegehren. Das Ermitt.ungsverfahren t erfolgt, wie Seldte hervorhob, auf eine An- _. zeige der Republikanischen Be- * schwerde stelle. Seldte erklärte bei der poli- , zeilichen Vernehmung, der Stahlhelm sei stets- staatsbejahend gewesen, wie dies auch oft in Erklärungen seiner Bundesführer bekundet wurde. Eine Beleidigung der Staats­form liege ihm fern und habe ihm auch bei dem Aufruf zum Volksbegehren ferngelegen. Er müsse zugeben, dah der Stahlhelm in schärf« st er Gegnerschaft zur Vorherrschaft - des Marxismus besonders in Preu- h e n stehe. Es sei aber das Recht eines jeden Staatsbürgers, mit legalen Mitteln gegen eine solche Vorherrschaft anzukämpfen. Sn diesem Sinne müsse man den Aufruf auffassen, der mit der Frage der Staatsform über­haupt nichts zu tun habe.

Gesundheitsfürsorge in Hessen

Der Etat des Innenministeriums vom Finanzausschuß verabschiedet.

WHP. D a r m st a d t, 6. März. Der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtags verabschiedete heute die restlichen Kapitel des Innenministeriums.

Bei Kapitel 39 (A e r z t l i ch e r D i e n st) wurde ein Zentrumsantrag, drei Amtsarztstellen zu strei­chen, mit 7 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Die Regierung sagte eine neue Nachprüfung der Neben­vergütungen an beamtete Aerzte zu, um zu einer Begrenzung des Doppelverdien st es zu kommen. Annahme fand ein sozialdemokratischer Antrag, in einer neuen Dienstanweisung für die Kreisärzte deren Aufgaben zu erweitern, vor allem auf dem Gebiet der ichulärztlichen Tätigkeit.

Zu Kapitel 40 (Tierärztlicher Dienst) be­antragte die Deutsche Dolkspartei Streichung einer Beterinärratsstelle. da diese Stelle aus der lokalen Verwaltung in die Zentrale genommen und einen besonderskrassen Fall der koalitions­politischen Beamtenpolitik darstelle; der Antrag wurde mit den Stimmen der Regierungs­parteien abgelehnt.

Bei Kapitel 42 (Landes°Heil° und Pflegeanstal- ten, Heilstätte für Nervenkranke in Gießen) lehnte der Ausschuß mit 7 gegen 5 Stimmen die von der Re­gierung nachgesuchte Ermächtigung ab, das männ­liche Pflegepersonal nach bestimmten Voraussetzun­gen planmäßig als Beamte anzuftellcu.

Für die zweite Lesung wurden Anträge zu- g u n ft e n der Heilstätte Seltersberg in Aussicht gestellt. Von oolksparteilicher Seite wurde die Regierung erjurfjt, die Kürzung von 18 000 Mark für die Kreisiugendfürforge, rinnen aufzuheben, weil sonst die Kreisfürsorge­rinnen von den Kreisen entlassen würden. Die Fürsorgerinnen seien unter der Bedingung ange» stellt worden, daß die Regierung einen Zuschuß leiste.

Das IWrauensvolmii gegen Wich abaelehnt

erkannt werden, dah diejenigen Menschen, die getragen von Verantwortungsgefühl zum Besten der Nation zu arbeiten verpflichtet sind, sich nicht gegenseitig von vornherein als Schufte, Schweine­hunde und Verräter betrachten, sondern als Menschen, die letzten Endes, wenn auch auf ver­schiedenen Degen demselben Ziele zu­streben, der Gröhe und Freiheit der Nation.

(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.)

Aeichsinnenminister Or. Wirth:

Die Regierung verkennt keineswegs den Ernst der Lage. Sie ist auch gewappnet, all« Linker- nehmungen zur Entfesfelung eines Bürgerkrieges im Keime zu ersticken. Sn ganz Deutschland ist gegenwärtig die Möglichkeit, von einem bevor­stehenden Bürgerkrieg zu reden, nicht gegeben. Wenn in unserem Volke das parteipolitisch Dog­matische gegenüber den staatspolitischen Rotwen- digkciten zurückgestellt wird, dann besteht die Hoffnung, dah wir die Krise überwinden. Sind Sie mit uns in dieser Abwehr einig, dann hat der deutsche Staatsgedanke einen großen Erfolg zu buchen. (Beifall.)

Abg. Dr. M o s e s (Soz ) weist in kurzen Aus­führungen auf die schweren gesundheitlichen Schä­den hin, die im Gefolge der jetzigen Wirtschafts­krise in der Arbeiterschaft zu verzeichnen find. Rach dem Zeugnis von Autoritäten fei das Elend der Kriegsjahre schon wreder erreicht. . t

Sn namentlicher Abstimmung wird der korn- munisttsche Mißtrauensantrag yg-m den Reichsinnenminister mit 271 gegm 66 Stimmen bei 38 Stimmenthaltungen von Wirkschaftspartei und Landvolk abgelehnt.

Abgelehnt w'.rd die Ausschußentschsießung auf Einführung eines neunten Schul­jahres. r.,

Zum Verbot des Remarquesrlms wird mit den Sttmmen der Sozialdemokraten, Kommunisten mit) der Staatsvartci der sozial- demolrattsche Antrag angenommen: .Der Reichs­tag hält das Verbot des FilmsSm Westen nichts Reues" fachlich für nicht begrün­det. Er erwartet von der Reichsregwrung, dah diese alle Vorbereitungen trifft, um die Prü­fung des Bildstreifens zu beschleunigen. wenn dieser durch den Hersteller «rneutvorgelegt wird."

Mit der von den Sozialdemokraten und Kommuni st en gebildeten Mehrheit wird eine Entschließung angenommen, die die Auf­hebung des im Sahre 1920 erlassenen Streikverbots in lebe nswichti gen Betrieben verlangt. Mit derselben M hrheit werden vo'ls vr «iliche Antrag? abg e l e h n t. die den Kampf gegen die Snternationale der Gottlosen und durch eine Lichtspielgesetznovelle einen gröheren Schutz der nationalen Würde fordern.

Mit 199 Stimmen der Sozialdemokraten, Kom­munisten und der Staatsvartei gegen 153 Stim­men wird eine kom munistische Ent - schliehung angenommen, die verlangt, daß den Wünschen der Feuerbestattungsvereine entsprechend die Feuerbestattung reichs- gesehlich ein'e'.tlich die völlige Gleichberechtigung mit der Erdbestattung erhalten soll.

Berlin, 6.März. Sm Reichstag wurde die zweite Lesung des Haushalts des Reichsmini- steriums fortgesetzt.

Abg. Frau Dr. Weber (Z.) erklärt, das Be­streben der Kommunisten gehe auf Zerset­zung der Familie hin. Auch im Rundfunk, im Film und in der Presse werde der Gedanke der Familie verhöhnt und verspottet. Die Re­gierung sollte alles tun, um den Familien­gedanken zu schützen. Die Rednerin wendet sich gegen einen übereilten Abbau der Wohlfahrts­ausgaben und der Sugendpflege. Das D e w a h - rungsgesetz sollte beschleunigt durchgeführt werden.

Abg. Frau Dr. Matz (D.Dp.) bedauert die grohe Zersplitterung im Schulwe­sen. Es sei auf die Dauer untragbar für die Schule, dah in den Ländern bei wechselnden Regierungen in der Schulpolitik das Ruder dau­ernd umgeworfen und die Schule zum Spielball der Parteien wird. Tie Red­nerin hebt die Bedeutung der religiösen Grund­sätze für das Volksleben hervor. Für Leibes» Übungen muh der frühere Betrog wieder bereit- gestellt werden.

Abg. Schlange (D. Lv.): Angesichts der leeren Bänke auf der Rechten sind wir hier eine zahlenmähig nur schwache Oppo­sition. Die Sozialdemokraten könnien eigent­lich eine Sammlung veranstalten zu einem Denk­mal für Geheimrat Hugenberg. (Sehr gut!) Wir werden in unserer Vorwärtstreibenden sachlich«n Oppositton die konservativen Gedan­ken vertreten, die sich in der geschichtlichen Ent­wicklung immer als r.chlig erwiesen haben. Eine radikale Sugend wäre an sich kein Fehler für unser Volk, sie könnte sogar mit ihrer oppo­sitionellen orische befruchtend wirken. Aber das Verhängnis liegt darin, wenn die Leiter der Bewegung, statt die Sugend zu führen, sich von den Zwanzigjährigen treiben lassen. (Lebhafte Zustimmung.) Wer in unse­rem von außen und innen so schwer bedrängten Volk mit dem Gedanken von Bürgerkrieg und Katastrophe spielt, der hat den furchtbaren Ernst unserer Lage noch gar nicht erkannt. Linser Unglück war es ja auch, dah unser Volk während des Weltkrieges nicht über den furcht­baren Ernst der Lage aufgeklärt wurde. (Sehr wahr!) Sn einer fo furchtbaren Zeit, wie wir sie jetzt haben, kann uns nur eine wirklich zielklare, energische Führung helfen. Zu beneiden ist Sowjetrußland um die fanatisch« Begeisterung, mit der sein Volk an der Verwirk­lichung des Fünfjahresplanes arbeitet (Beifall.)

In einer Zeit, in der das deutsche Volk so Furchtbares durchzumachen hat, sollte man auf- t)3ren, fortwährend zu reden von dem Stur; des Systems, wobei man sich gar nichts denken kann, wenn man nicht mit Gewalt vor- gehen will, wir brauchen auch in unserem Verfassungsleben die organische Weiter­entwicklung vom Fehlerhaften zum Besse­ren. 3n England sehen wir jetzt den großen Kampf zwischen Konservativen und Arbeiter­partei, aber wir erleben dort nicht die Schimpf- fanonat.», die leider bei uns solche Parleikämpfe begleitet Auch bei uns wird hoffentlich bald

Aus aller Welt.

Am 100. Geburtstag Friedrich v Bodelschwinghs.

Aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Geburts­tages Fr'.edrich von Bodelschwinghs, hat die Gemeinde Bethel ein Degrüßungstelegramm an den Reichspräsidenten gerichtet. Der Reichs­präsident hat hierauf wie folgt geantwortet:

Den zur Feier der 100. Wiederkehr des Ge­burtstages des unvergeßlichen Pastors von Bobel- schwingh versammelten Angehörigen der Gemeinde Bethel danke ich herzlichst für das freund­liche Begrüßungstelegran m. Mögen d i e W e r k e der Liebe und Barmherzigkeit, di« der verstorbene große Volksfreund und Seel­sorger, F.iedrich von Bodelschwingh, in christlicher Fürsoge für alle Mühseligen und Beladenen geschaffen, und fest im Willen und un­ermüdlich im Dienen lange Sahre hin­durch geleitet hat, auch in der Zukunft mit Erfolg weiter wirken und ein sichtbares Zeugnis dafür sein, daß der Drudergeist christ­licher Hilfsbereitschaft auch in der ge­genwärtigen Rotzeit wach ist Möge Shre Arbeit auch fernerhin gesegnet sein und vielen Rot- leidenden Segen bringen!

gez.: v. Hindenburg, Reichspräsident."

Aeichsarbeitsminister Dr. Stegerwald hat an den Sohn Bodelschwinghs folgendes Tele­gramm gerichtet:

Am heuttgen Tage gedenke ich dankbar der leuchtendsten Gestalt der inneren Mission der deutschen evangelischen Kirche, des genialen Führers auf weiten Ge­bieten der Liebcstätigke-t, Öhres großen Vaters Friedrich von Dodelschwmgh. Möchte seine aus uneigennütziger Rächstenliebe erwachs me Arbeit wie bisher so auch in Zukunst den Hilfsbedürf­tigen unseres Volkes zum reichen Segen werden."

Das Telegramm des Reichsministers des Sn» neuen Dr. Wirth lautet:

Die Gestalt des Pastors Friedrich v. Bodel­schwingh, sein reines uneigennütziges Leben im Dienste der notleidenden Menschen, sein erfolg­reicher Wille zur helfenden Tat, ist aller Welt zum Symbol reinster Räch st en- liebe geworden. Die Wege, die er be­schritten hat, werden in aller Zukunft richtung­gebend bleiben für zweck- und sinnvolle Wohl­fahrtsarbeit. Es ist mir ein Bedürfnis, an dem 100. Geburtstag Shres verehrung-würdigen Va­ters dem Wunsch« Ausdruck zu geben, daß allen, die in feinem Geiste weiter arbeiten, auch weiterhin erfolgreiches Wirken be° schieden sei."

Ununterbrochener Schneefall im Schwarzwald und iu der Rheinebcne.

Seit Freitagfrüh fällt im Schwarzwald und in der Rheinebene ununterbrochen Schnee. Seit einer ganzen Reihe von Sahren ist kein so ergiebiger und anhaltender Schnee'all zu verzeichnen gewesen wie gegenwärtig. Auf den Höhen des Schwarz- Waldes. insbesondere dem Feldbrrg, sind etwa a/* Meter Neuschnee gefallen. Die Schnee­

decke auf dem Frldberg betrug heute morgen 2,70 Meter, in den Tälern und in der Rheinebene Le­gen etwa 20 Zentimeter. Die Temperatur blieb in der Ebene einige Grad unter dem Rullpunkt. Ein großer Teil der Verkehrsstraßen im Schwa.zwald ist nicht befahrbar; zahlreiche Auto.inien haben ihren Betrieb bereits gestern einstellen müssen.

Lisbarriere in der Ostsee.

An der schwedischen O st s e e k ü st e haben Schneestürme am Freitag der Schiffahrt große Schwierigkeiten bereitet. Sn kri.ischer Lage befinden sich die beiden schwedischen Dampfer Rane" undWarjo", die von einem Stactts- eiLbr.cher nach Gävle einbugsiert werden sockten. Der Versuch muhie aufgegeben werden, da acht Me ter hohe Eiswände jedesVor- wärtskommen unmöglich machten. Da der Sturm 20 Sekundenmeter beträgt und außer­dem dichter Rebel herrscht, hat man ernste Be­sorgnisse. Sm Finnischen Meerbusen sind die beiden deutschen DampferCremon" und Hüxter" aus Hamburg bei Gräsegrund einge­froren. Shre Lage wird als ernst bezeichnet, da ein in der Rähe befindlicher Eisbrecher k e i n e H i l f e bringen kann.

Der Streit um die Feierschicht bei der Reichsbahn.

Am Freitag fand vor der Reichsbahnsach- kämm er des Berliner Arbeitsgerichts unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Richter der Prozeß von 364 Reichsbahnarbeitern und Handwerkern gegen öie Deutsche Reichsbahngesellschaft statt. Die Reichs­bahn hatte betanntiid) Feierschichten eingelegt. Die Kläger behaupten nun, daß diese Maßnahme in Widerspruch zu dem maßgebenden Lohntarifoertrag stehe und erhoben Klage auf Zahlung von über 6000 Mark für die zunächst ausgefallenen Arbeitstage. Die Kläger stehen auf dem Standpunkt, daß die Reichsbahn zu dieser Maßnahme nicht befugt sei, da der §3 des Tarif­vertrages ausdrücklich eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden vorsehe und daß im Tarifvertrag über die Einlegung von Feierschichten und Kurzarbeit nichts gesagt sei. Hiergegen wandte sich der Vertreter der Reichsbahn und enlärte, aus sozialen Rücksichten sei die Einlegung von Feierschichten unbedingt not­wendig gewesen, da sonst über 25000 2Irb ei­te r hätten entlassen werden müssen. Die Maßnahme sei notwendig, um die Leute über die schwerste Zeit hinwegzubringen. Das Gericht kam noch zu keinem abschließenden Urteil. Verkün­digungstermin wurde auf den 11. März festgesetzt. Ein berühmter hobbema kehrt aus Amerika zurück.

Im Jahre 1921 ging einer der schönsten Gemälde des berühmten holländischen Landschaftsmalers Hobbema aus deutscher Prioathand in ameri­kanischen Besitz über. Das Motiv des auf Holz gemalten Gemäldes ist eine Mühle. Die Be­sitzerin, Helen Neilson, als Helen Swift eine be­kannte Schriftstellerin hat das Gemälde jetzt nach Deutschland gebracht, um es in Erinnerung an Exz. v. Bode dem Kaiser - Friedrich - Museum zu stiften.

Aus der provinzialbauvtssodt.

Gießen, den 7. März 1931.

Zrühlingsahnen.

Drei Zwerglein läuten den Frühling ein mit weißen und gelben Glöckchen fein, drei Elfen langen im Sonnenllchl, lauschen, was der Märzwind spricht.

Kommt der Käfermann vor fein Haus, putzt sich die Brillengläser aus: Was fangt ihr fürnen Spektakel an, daß unsereins nimmer schlafen kann?" Ei da guckt ja ein Veilchen tjerfür! Schleunig kehrt er sich gegen die Tür: Alte! Hab' ich's nicht immer gesagt? Hurtig die Läden auf, es tagt!" ...

A. Huggenberger.

Der Winter will Abschied nehmen. Nock manches Mal werden vielleicht weiße Flocken durch die xrnft wirbeln. Aber in unserem Herzen kommt keine Winterstimmung mehr auf. Die Kälte weicht. Die Sonne strahlt, und selbst die Augen der verdüsterten Gemüter leuchten nun auf. Der Frühling ist auf dem Wege.

Gar viele Boten hat er uns schon gesandt. Aber wir trauten keinem so recht. Erst als vor einigen Tagen die Lerche ihr Lied schmetterte, da hatten wir Gewißheit. Wir öffnen die Fenster, wir lassen die goldnen Sonnenstrahlen ins Hausend horchen hinaus auf die Unruhe die die Welt erfüllt. Es ist eine scheue, zagende Zeit. Zuerst wollte es nicht recht Winter werden, dann aber kam er doch noch, und nun soll es schon wieder Frühling sein?

Aus den Augen der Mädchen, die Arm in Arm hinaus zum kahlen Walde ziehen, leuchtet er uns entgegen. Sie fingen:Jetzt fänat das schöne Früh­jahr an ..." Tönt cs da nicht auch in unferm Herzen?

Am Waldrand liegen die letzten Schneerefte. Dar­über aber leuchten die gelben Kätzchen des Hasel- strauches. Wmn ein leichter Wind weht, verschwen­den sie eine Wolke ihres feinen Blütenftaubcs. Es sind dieselben Kätzchen, die im Winter hart und steif an den Zweigen standen. Trotz Kälte und Schnee wurden sie größer und lockerer, bis die warme Fe­bruarsonne das Wunder vollbrachte. Nun kommen auch die unscheinbaren weiblichen Blütchen. Der Haselstrauch hält Hochzeit, ohne Bienensummen, ohne Schmetterlingsbesuch. Kalt und kahl sind noch die Zweige, aber bald werden die breiten grünen Blätter die jungen Früchtchen schützen.

Und die schlanken Bir'en? Auch ihre kleinen Kätz­chen werden von der Märzsonne bald aufgeweckt werden. Sie folgen den Weiden da unten am Bach, aus deren Knospen schon weiße Spitzchen neugierig in die Welt schauen. Sie warten nur noch, bis die Bienchen fliegen können.

Den Wald durchzieht ein Duft von frischem Säst der Bäume, vom Quellen und Wachsen in der Erde. Wie stärkt und ermüdet das zugleich! Es ist der Duft der jungen Kräuter, es ist die Sonnenkraft des letzten Jahres, wohlgeborgen in Samen und Wurzelknollen, die hier noch schafft und wirkt. Wir sagen wohl, der Wald sckläkt noch. Und doch welches Leben in der Erde, unsichtbar unfern Augen! Es guillt überall hervor, es keimt und treibt. Der Wind trägt den Dust zu uns.

Und dort, o Wunder!, die ersten Blüten? Ein blumengeschmückter Stab, no* ohne das schm'"'ckende Grün' der Seidelbast! Nur Blüten! Und welch käll- licher Geruch! Wie der Haselstrau^ verschwender'lch seinen Blutenstaub i" goldenen Wolken dabingibt, so entströmt dieser Wint-rklume ein betäubender Duft. Es lockt uns, die Blüten adzuschneide" "nh mitzunehwen. Aber mir fürchten den starken Ge­ruch, das Gift des Saftes. Mag er weiterblühen und die erste" Insekten erwecken und ihnen zurufen: Kommt! Der Frühling will beginnen!

Vom bT"feeiCcn Sed^Vast s Sauen hinaus in die Wivfel ber 6i-*«n. die zum Teil imch dürres, vor'"hrm«s Laub tragen. Scheinbar schlafen die Waldri^sen noch. OUrr nur f-Mn^r. Sm Snncm arbeiten und schaden neue Säfte. Bald werden die Finken und Meisen, die eben noch schlittern ihre Sttrnrnchen b"rfudy'n lauter und eindr'nalicher locken. Darrn schwülen auch hier die Knospen, und zartes Grün wird erschei­nen. Wir träumen schon von So"nenqlanz und wogenden Baumwipfeln. So unruhig wird unser Herz.

Lind wir sind gar nicht erstaunt, daß dort drüben der Gärtner die erst-m Spatenstiche in feinem Garten tut. Welch herber, frischer Geruch steigt aus der Früblingserde! Auch den Gärtner lockt die Sonne. Er sät und hofft voll Sehn­sucht auf das erste Grün, die ersten Blüten.

Die Schneeglöckchen strecken ihre schmalen Blätt­chen aus der Erde, bald folgen die weißen Glöck­chen. Auch im Birnr-mhaus wird es unruhig. Summend versuchen die kleinen Hvnigsammler den ersten Flug.

Wie lebhaft drr Bach durch die Wiesen läuft! Bor einigen Wochen hielt ihn der Frost in Fesseln. Setzt girr zieht er dahin wie ein wilder Knabe, der auf Entdeckungen ausgeht.

Bald werden auch die Zugvögel, die noch irgendwo in warmen Ländern fitzen, diese Un­ruhe im Herzen fühlen und in Scharen zurück- fliegen in ihre alte Heimat. Dann werden wir sie grüßen und ihnen einen Strauß blühender Gänseblümchen und Veilchen zeigen. Z.

Oie oberhessische Fahlpkanlonserenz nach Frankfurt verlegt.

Bei dem Vorstand des Verkehrsbundes Ober­hessen ist gestern von der Reichsbahndirektion Frank­furt die Mitteilung eingetroffen, daß die für den 24. März ursprünglich für Gießen vorgesehene Fahrplanbesprechung wegen starker dienst­licher Inanspruchnahme der maßgebenden Personen der Reichsbahn durch Arbeiten für den bevorstehen, den Fahrplanwechsel nach Frankfurt a. M. verlegt worden ist. Die Sitzung wird im Der- waltungsgebäude der Reichsbahndirektion in Frank­furt a. M. ftattfinben.

Ausstellung des Iröbel-Seminars.

In den Räumen des Fröbel-Seminars an der Gartenstraße, ist heute, morgen und am Montag eine Ausstellung zu sehen, die einen Einblick in die Art des Wirkens und in das Schaffen des Semi­nars gestattet, das sich u. a. zur Aufgabe gemacht hat, Mädchen, die über eine abgeschlossene Lyzial- bilbung verfügen, zu Kindergärtnerinnen auszubil- den und Mädchen, die die Volksschule hinter sich haben, auf den Beruf des Kindermädchens vorzube­reiten.

Die Ausstellung läßt klar erkennen, daß bei allen Arbeiten Wert darauf gelegt ist, den Schülerinnrn für ihren Beruf eine breite Grundlage zu schaffen, auf der sie aufbauen und später anregend wirken können. Es braucht kaum besonders betont zu wer­den, daß jn dieser Schule viele Dinge gearbeitet