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440 Millionen auf Länder und Gemeinden entfallen. Ferner muh im haushalt des Reiches Deckung ge­schaffen werden für eine Reihe von Me h r aus- gaben, wie 3. B. den Fehlbetrag der Knapp­schaftsversicherung und den Fehlbetrag bei der krisenfürsorge. Letzterer beläuft sich nach Uebernahme eines Teils der Losten der Arbeitslosen­versicherung aus die krisenfürsorge auf 2 4 5 Mil­lionen Reichsmark.

Line Deckung aller dieser Fehlbeträge durch das Reich ich nicht möglich. Sie mutz daher zum Teil der eigenen Kraft und der Initiative der Länder und Gemeinden überlassen bleiben.

Die Gesamtdeckung nach dem Plan der Reichsregierung gestaltet sich wie folgt:

deiner Fehlbetrag des Reiches:

Millionen

a) Linnahmeausfall * 495

b) Mehrausgaben 79

Reiner Fehlbetrag des Reiches 574

Deckung:

a) Auf der Ausgabenseite:

1. Gehaltskürzung 101

2. Reichsversorgung 85

3. Sonstige Haushaltsabstriche 120

Zusammen 306

b) Auf der Linnahmenfeite:

1. Zuckersteuer 110

2. Mineralölsteuer 75

3. Statistische Abgabe 3

4. Aebergang zur Monatszahlung bei der Umsatzsteuer 80

Zusammen 268

Deckung zusammen: 574 Millionen.

Krisenfürsorge und Arbeitsbeschaffung.

Fehlbetrag bei der Krisenfürsorge 275

Für Arbeitsbeschaffung 140

Zusammen 385

Die Deckung wird durch das Aufkommen aus dec Krisen ft euer sichergestellt. Zur Deckung des Fehlbetrages bei den Ländern und Gemeinden, ins­besondere der Wohlfahrtslasten der Ge­

meinden stehen zur Verfügung: Millionen

1. Gehaltskürzung 207

2. Lohnsteuererstattung 60

3. Umsatzsteuer 35

Zusammen 302

Für den Reichshaushalt sind folgende Matz- nahmen vorgesehen:

Ausgabenseite:

1. Gehaltskürzung.

Die Bezüge der Reichsbeamten sowie die ver- forgungsabzüge der Wartegeldempfänger und Ruhe­geldempfänger werden um 4 bis 8 v. h. gesenkt. Die Kürzung beträgt in der Ortsklasse A bei Bezügen bis zu 3000 Mark 4 v. h.» bis zu 6000 Mark 6 v. h^ bis zu 12 000 Mark 6 v. h. und über 12 000 Mark 7 .0. h. In den Ortsklassen B, C und D erhöht sich die Kürzung um 1 v. h.; bei den Reichsministern beträgt sie auher der Krisensteuer 8 v. h. Die Sen­kung erfolgt ab 1. 3 u 1 i und gilt auch für die Be­züge der Angestellten im öffentlichen Dienst. Ferner wird der K i n d e r; u s ch i a g der Beamten und Angestellten für das 1. Kind auf 10 Mark statt 20 Mark festgesetzt. Bei den Ländern, Ge­meinden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts, bei Reichsbahn und Reichsbank werden entsprechende Kürzungen vorgenommen. Zu den Kürzungen bei diesen Körper­schaften treten weitere Kürzungen, wenn die Zins- bezüge höher liegen, als bei den entsprechenden Per­sonenkreis im Reichsdienst.

2. Reichsversorgung.

3m versorgungsetak werden Abstriche vorgenommen, die auf 9 Monate 85 Millionen be­tragen. Die genannten Bestimmungen sind jetzt bei einer Kinderzulage für Leichlbeschädigte, gestaffelte Kürzung der Ortszulagen und Verschärfung der Ruhensvorschriften, falls neben der Rente ein Ein­kommen aus öffentlichen Mitteln bezogen wird. Ausgenommen bleiben die völlig erwerbsunfähigen Kriegsbeschädigten.

3. Sonstige Haushaltsabstriche.

Die gegenüber dem 3ahre 1930 bereits um rund 300 Millionen verminderten Ausgabensähe bei den E i n; e l e t a t s werden, wie sich aus dem oben angeführten Gesamtdeckungsplan ergibt, um wei­tere rund 12 0 Millionen herabgefeht.

Einnahmeseite:

Auf der Einnahmenseile ist die Wiederher­stellung der Zucker st euer von 21 Mark für 100 kg vorgesehen. Erhöhung der Zollsätze für Mineralöle, der Sähe für die statistische Abgabe und ab 1. Oktober monatliche Zahlung der Umsatzsteuer für Personen, deren Umsatz im l-hten 3ahre mehr als 20 000 Reichsmark betrug.

Sonstige Maßnahmen.

Zur Sicherung des Haushalts ist eine b e s ch l e u - nigte Beendigung des Lntschädi- gungsverfahrens für Kriegsfchäden durch Festsetzung einer Ausschlutzfrist der Reuanmeldung vorgesehen. Lin wesentlicher Fortschritt ist, datz zur Vermeidung eines Fehlbetrags des autzerordentlichen Haushalts autzerordentliche Ausgaben auf zwei 3ohre in dem öffentlichen haushalt eingestellt werden sollen, womit der autzerordentliche haushalt auf zwei 3ahre beseitigt ist.

Arbeitslosen- und Sozialversicherung.

Zur Arbeitslosen- und Sozialver- ficherun g weist die Rotverordnung darauf hin, datz in der Arbeitslosenversicherung

im Rechnungsjahr 1931 mit einem Fehlbetrag von etwa 400 Millionen, in der Krisenfürsorge mit einem solchen von rund 240 Millionen Reichs- mark gerechnet werden müsse. So wird das Reich die Kosten der Krisenfürsorge zu tragen haben. Schon mit Rücksicht aus die Lage der Reichsfinanzen müsse die Reichsregierung an dem Grundsatz fest- halten, datz die Arbeitslosenversicherung sich s e l b st trage. Da neue Einnahmen nicht beschafft werden könnten, mühte der Fehlbetrag der Reichsanstalt durch Einsparungen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung gedeckt werden. Die Unter st ühungen werden daher durch eine 5prozenlige Kürzung des Linheitslohnes gesenkt und auf Arbeitslose mit der berufsüblichcn Arbeitslosigkeit erhallen, verficherungsmähige Unter­stützung nur noch 20 Wochen und höhe der Sähe der Krisenfürsorge. Bei ihren Maßnahmen hat sich die Reichsregierung im wesentlichen an die Vor­schläge zu halten, die ihr von der Gutachterkommision zur Arbeitslosenfrage gemacht wurden. Auf dein Gebiete der Arbeitslosenversicherung war die dringendste Aufgabe in der Sozialversicherung, die Pensionsversicherung zu erhalten. Da der Fortbau aus eigener Kraft hierzu nicht mehr in der Lage ist, tritt das Reich mit erheblichen Mit­teln ein. Gleichwohl muh auch die Selbstverwaltung noch eine Kürzung der Lei st ungen vorneh­men. 3 n Verbindung mit der Sanierung der 3n- oalidenversicherung wird die Reichsregie- rurung im kommenden Winter dem Reichstage eine organische Vereinfachung und Verbilli­gungsreform der Sozialversicherung vorlegen.

Krisensteuer.

Reben der Deckung der Fehlbeträge der sozialen versicherungslrä'ger sieht die Reichsreglerung ihre vornehmliche Ausgabe darin, die Wirtschaft an­zukurbeln und die Zahl der Arbeitslosen zu verringern, hierzu bedarf es besonderer Mittel und Fonds. Der Gedanke der Volksgemeinschaft zwinge dazu, alle Volksgenossen zur Mil­derung der in der Zeit der Arbeitslosigkeit über das Land hereingebrochenen Katastrophe nach Mahgabe ihrer Leistungsfähigkeit heranzuziehen. 3n einer solchen Zeit glaube die Reichsregierung, die not­wendigen Mahnahmen nicht auf die Arbeitslohn­empfänger beschränken zu können, sondern auch an den übrigen Berufs st änden, einschliehlich der Gewerbetreibenden, nicht vorübergehen zu sol­len. Die ganze Mahnahme soll für i% 3 ahre, also für die Zeit vom 1. 3uli 1931 bis zum 31. De­zember 1932 gelten. Die Krisen st euer soll ins­gesamt 77 5 Millionen bringen, von denen 385 Millionen auf das Rechnungsjahr 1931 entfal­len. Sie kann unter Umständen bereits 1932 auf­gehoben, oder gemildert werden. Sie gliedert sich in zwei Teile, eine Steuer für die Lohnempfän­ger und eine Steuer der veranlagten Einkommen- steuerpflichtigen. Die K r l s e n l 0 h n st e u e r be­trägt bei einem Monatsarbeilslohn bis zu 300 Mk. monatlich 1 v. h. des Bruttoarbeitslohnes, steigt in Stufen von je V» v. h. für je weitere 100 Mark bis Zu 700 Mark monatlich auf 3 v. h., bis zu 1000 Mk. auf 3,5 v. h., bis zu 1500 Mark auf 4 v. h., bis zu 3000 Mark auf 4,5 v. h. und beträgt über 3000 Mk. 5 0.h. Die Krifensieuer der veranlagten Einkommenpflichtigen beträgt bis zu einem 3ahreseinkommen von 3600 Mk. 0,75 v. h., bis zu 6000 Mark 1 v. h., bis 20 000 Mk. 1,5 0. h^ bis 100 000 Mark 2 v. h., bis 250 000 Mk. 2,5 v. f), bis 500 000 Mk. 3 v. h., bis zu 1 000 000 Mk. 3,5 v. h. und über 1 Million Mark 4 v. h. Bei veran­lagten Gehaltsempfängern tritt die Krifensieuer der Veranlagten zur Krisenlohnsteuer hinzu. Gehalts­einkommen bis zu 16 000 Mark sind jedoch von der Staffelungsbelastung ausgenommen. Für Landwirte find besondere Bestimmungen zu beachten.

Sicherung -er Haushaltsführung der Gemeinden und Gemeindeverbände.

Am die unerläßliche Einheit einer Gesamtpvlitik srcherzustellen, die auf Beschränkung aller nicht unbedingt notwendigen Ausgaben gerichtet sein muß, wie auf vollständige Ausnutzung aller der» fügbareen Einnahmequellen, stellt die Derordnung allgemeine Grundsätze über Amsang und Mittel der Staatsaufsicht auf.

Wohlfahrtslasten der Gemeinden und Gemeindeverbände.

Unter Hinweis darauf, dah bei einer Arbeitslosen- zahl von über 4 Millionen inmitten der Krise eine grundlegende Organisationsänderung unaufschiebbar ist, die Erleichterung der Wohlfahrtslasten der Ge­meinden und Gemeindeverbände indessen eine be­sonders gründliche Aufgabe darstellt, betont die Rot- Verordnung, datz nur die Hälfte der Gesamtauf­wendung für Wohlfahrkserwerbslosenlasten im Be­trage von etwa 700 Millionen in den Etat» der Gemeinden gedeckt ist und somit für die andere Hälfte ein Ausgleich gefchaffen werden mutz. Das geschieht:

1. durch Aufhebung der Lohnsteuer- erslaikungen, und zwar erstmals für das Ka- lenderjahr 1931;

2. ein weiterer Betrag zur Deckung der Wohl­fahrtslasten fällt den Gemeinden durch die Einspa- rungen zu, die sie durch die Kürzung der Ge­hälter ihrer Beamten und Angestellten erzielen;

3. kommt in Betracht, dah die Länder auch die Ersparungen, die sie durch die Kürzung der Gehälter der Länderbeamten erzielen, grundsätzlich diesen Zwecken zuführen müssen;

4. soll der Ausgleichsfonds für besonders wohl­fahrtsbelastete Gemeinden, der bei der durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 vorgeschriebenen Realsteuersenkung vorgesehen war, zur Ausgleichung dee durch die Wohlfahrts­lasten entstandenen Fehlbetrags herangezogen wer­den.

Wohnungswirischast.

Auf dem Gebiete der Wohnungswirt­schaft trifft die Verordnung Maßnahmen, um bei der zurückgehenden Deschäftigungsmöglichkeit in den Städten den Einsatz der Wohnungsbau- mittel zu einem beträchtlichen Teil einer ziel- bewußten Ansiedelung dienstbar zu machen und

dadurch gleichzeitig die Arbeitsgelegenheit im Baugewerbe im Rahmen des wirtschaftlich Mög­lichen zu erhalten. Die Reichsregierung beabsich­tigt, die Reichsbürgschast für die nachstelligen Beleihungen zur Anterstühung des Daumarktes in weitgehendem Amsange einzusehen. Ferner soll von einer Ermäßigung der Hauszinssteuer insoweit abgesehen werden, als der Hauseigen­tümer die für die höhere Verzinsung erforderlichen Mittel aus den ihm in der gesetzlichen Miete zu- fliehenden Beträgen bestreiten kann. Diese Regelung soll erst mit Wirkung vom 1. 3anuar 1932 ab gelten. Sonstige Steuer- un-Zollmaßnahmen.

1. Tabaksteuer: lieber den Weg eines Aus­gleichs der Abgabenbelastungsoll eine neu eingeführle Ermächtigung die Herstellung von Zigaretten in den billigeren Preisklassen in gröherem Umfange ermöglichen.

2. Steuervereinheitlichung, hier bringt die Rotverordnung die erwartete Abänderung des Steuervereinheiilichungsgesehes im Sinne der von der bayerischen Regierung gewünschten Möglichkeit, die Lehtzahlen für Gewerbeerträge unter 15 500 Reichsmark anders als reichsrechtlich vorgesehen, fest­zusehen. Außerdem sollen die Länder weitere als

die reichsrechtlich vorgesehenen Befreiungen ausspre­chen können.

3. Aenderung des Einkommensteuer­gesetzes: Diese beseitigt die unterschiedliche Be­handlung im Einkommensteuersah zwischen Handels­gesellschaften und Kommanditgesellschaften und den Aktiengesellschaften und sonstigen Gewerkschaften. Die Vorschrift soll erstmals für das Kalenderjahr 1931, alfo bei der Frühjahr-oeranlagung 1932, gelten.

4. Kapitalverwaltungs-Gefellfchaf. t c n: kapitalverwaltungsgefellfchaften sollen steuer­lich in der Weise begünstigt werden, daß sie nur mit einem Zehntel ihres vermögens zur Körperschafts­steuer und zur Vermögenssteuer herangezogen wer­den sollen. Diese Ermähigungen werden die Grün­dung von kapilalverwaltungsgesellschasten in Deutschland überhaupt erst ermöglichen.

5. Zollmahnahmen: hier kündigt die Rot­oerordnung an, dah zur Vermeidung von Unerträg­lichkeiten auf dem inneren deutschen Markte für die Versorgung mit Düngemitteln eine Ermächtigung der Reichsregierung zu Schuhmahnahmen in Form von Zöllen, oder zur Marklregulierung erforderlich erscheint. ~

Die deutschen Minister in London.

Erklärungen des Reichskanzlers.

Southampton, 5.3uni. (WTB.) Reichs­kanzler Dr. Brüning und Reichsauhenminister Dr. Curtius sind hier eingetroffen. Sie wur­den vom Bürgermeister und anderen Vertretern der Behörden feierlich empfangen. Reichskanzler Dr. Brüning dankte dem Bürgermeister von Southampton in einer kurzen Ansprache herzlich für den freundlichen Empfang. Anmittelbar dar­auf erfolgte die Abreise nach London.

In London.

London, 5. Juni. (WTB.) Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsauhenminister Dr. Curtius sind von Southampton kommend um 14.45 Ahr auf dam Waterloo-Bahnhof in London eingetroffen.

Auf dem Bahnsteig, der von der Polizei ab­gesperrt war, drängte sich eine große Zahl eng­lischer und deutscher Persönlichkeiten, die zur Begrüßung der deutschen Gäste erschienen waren, im Mittelpunkt der Premiermini st er, der gemeinsam mit Henderson zum Empfang der deutschen Minister erschienen war. Anter den Hochrufen der Anwesenden entstiegen dem Zuge die deutschen Minister und der deutsche Bot­schafter. Letzterer stellte den Reichskanzler und den Reichsaußenminister dem britischen Premier­minister und dem Außenminister vor. An eine herzliche Begrüßung zwischen den Ministern schloß sich eine längere Unterhaltung. Anter dem Kreuz­feuer der Photographen bestiegen dann die deut­schen Minister gemeinsam mit dem deutschen Bot­schafter die Kraftwagen und fuhren zum Carlton- Hotel, wo die deutschen Gäste bis zur morgigen Abfahrt nach Chequers wohnen werden.

Brüning spricht vor -er deutschen presse

Reichskanzler Dr. Brüning und Reichs­außenminister Dr. Curtius empfingen um 18 Ahr die Vertreter der deutschen Presse in London. Der Reichskanzler führte hierbei aus: Der Zweck unserer Reise ist eine offene, menschlicheAnterhaltungzu haben über verschiedene Probleme, die augenblicklich uns alle bedrängen, vor allem auch die wirtschaftliche Lage der Welt und die gewaltige Krise, die namentlich besonders stark auf Deutschland lastet. Wir werden die Lage Deutschlands den Herren so darstellen, wie wir sie sehen, mit allen Schwierigkeiten, die wir hatten, um den Etat in Ordnung zu bringen, der jetzt durch eine neue Rotverordnung gedeckt werden soll, aller­dings unter unerhörten Opfern und Schwierigkeiten. Das ist das zweitemal innerhalb eines Jahres und das viertemal in 14 Monaten, daß wir gezwungen sind, neue Steuern und neue Abstriche zu machen.

Was die finanzielle Lage betrifft, fo ist diese für Deutschland im nächsten 3ahre deshalb fo schwierig, weil die volle Auswirkung der Wirt­schaftskrise sich erst im nächsten 3ahre zeigen wird.

Die Sozialversicherung bereitet uns schwerere Sorgen, als wir noch vor einem Jahre überblicken konnten. Andere Schwierigkeiten lie­gen darin, daß die Mieten in den großen Wohnungen nicht mehr gezahlt werden können, auch in den Wohnungen, die mit Hilfe der Zins­bausteuern neu gebaut worden sind. Das sind alles Dinge, die zu Beginn des Jahres 1932 an uns herantreten werden und ebenfalls gelöst werden müssen, so daß sich das Bild Deutschlands und seiner finanziellen Kräfte jetzt mit absoluter Klarheit abzeichnet. Dagegen muß betont werden wenn gewisse Gerüchte verbreitet worden sind, daß Deutschland fällige Zahlungen auf private Anleihen einzustellen beabsichtigt daß hiervon keine Rede ist und daß diese Zah­lungen absolut gesichert sind, obwohl sie nahezu eine Milliarde im Jahre betragen. Es wäre falsch, anzunehmen, daß die private Wirt­schaft so desorganisiert sei, daß irgend eine Ge­fahr in dieser Richtung vorläge, oder irgend jemand daran dächte, die Zahlungen zu gefährden.

Was die Reparationen angeht, fo werden wir die Schwierigkeiten, die sich hieraus ergeben, den englischen Ministern darslellen, wie sie sich zeigen, an Hand neuer Berechnungen der letzten Wochen und Monate, und das Bild, das sich hieraus ergibt, wird fo fein, daß eine Klarheit bis zu einem gewissen Grade über die Leistungs­fähigkeit Deutschlands erzielt werden kann.

Ansere Absicht ist es nicht gewesen, etwa in dem Sinne, wie es von den extremen Parteien ge­fordert wird, von heute auf morgen die Zahlun­gen einzustellen, sondern wir waren bemüht, der Welt zu zeigen, daß wir vor den härtesten Maßnahmen nicht zurückschrecken, um zu beweisen, daß wir alles tun, um die Verpflich­tungen des Voungpla nes zu erfüllen.

Erklärungen vor

-er ausländischen presse.

Rach dem Empfang der deutschen Pressevertre­ter durch den Reichskanzler fand ein Empfang

der ausländischen Presse statt. Dr. Brü­ning erklärte den Journalisten u. a.: Wir sind sehr dankbar für die freundliche Einladung, die der britische Premierminister und der britische Minister des Aeußern vor einigen Wochen an uns ergehen ließen. Ansere Absicht ist, über die zahlreichen Schwierigkeiten zu sprechen, die sich in der gesamten Welt zeigen und die voll großer Gefahren für die Industrie, die Landwirtschaft und die Arbeiterklasse sind. Wir haben die Absicht,

offen und freundschaftlich über alle diese Schwie­rigkeilen zu sprechen und insbesondere über die, die wir in Deutschland mit unserem haushalt und unserem Wirtschaftsleben im allgemeinen haben.

Sie wissen sehr wohl, daß die augenblickliche Regierung in Deutschland mehrere Male versucht hat, die Steuern zu erhöhen. Der Kanzler wies in diesem Zusammenhang auf die verschiede­nen Rotverordnungen hin und fuhr fort: Zur gleichen Zeit zielten wir darauf hin, die Aus­gaben zu vermindern, nicht nur in den verschiedenen Staaten, sondern auch in den Ge­meinden. In Zukunft werden wir fortfahren, ver­suchen zu sparen und die Ausgaben in jeder mög­lichen Weise zu verringern und sie, so viel wir können, durch Steuern, die irgendwie noch mög­lich sind, auszubringen. Dies ist natürlich eine sehr schwere Last für das deutsche Volk und ist es schon während der letzten 14 Monate gewesen. Rach der Verringerung der Zahlungen unter dem Voung-Plan um 700 Millionen Mark finden wir, daß wir, statt die Steuern herabzusetzen, wie dies von allen an den Beratungen über den Voung-Plan Beteiligten beabsichtigt war, ge­zwungen worden sind, die Steuern h erauf- z u s e h e n und an den Ausgaben in diesen 14 Mo­naten Abstriche von 2,5 Milliarden Mark zu machen.

Die augenblickliche deutsche Regierung wird alles tun, was sie kann, um eine gesunde Finanz­politik zu verfolgen; aber dies hat eine große Gefahr im Gefolge und eine ausnahmsweise große Last für alle Klassen der Bevölkerung. Die politischen Schwierigkeiten in Deutschland sind sehr dringend. Der Radikalismus in Deutsch­land nimmt zu, und wir wissen sehr wohl, datz eine Lösung aller dieser Probleme nicht möglich ist, wenn wir uns nur auf unser Land allein verlassen müssen. Derartige Probleme sind allen Ländern gemeinsam.

Das augenblickliche Kabinett ist überzeugt, daß es nur möglich ist, sie zu lösen durch die frei­mütige Zusammenarbeit aller Rationen der Welt.

Die Worte des Reichskanzlers machten auf die anwesenden ausländischen Pressevertreter sicht­lichen Eindruck. Reichsaußenminister Dr. Cur- ti u s sprach anschließend nur ganz kurz. Er drückte große Befriedigung über die dem Reichs- kanzler und ihm zuteil gewordene Begrüßung in Southampton und in London aus und ersuchte die Pressevertreter, den Dank des deutschen Volkes für die den deutschen Ministern erwie­senen Freundlichkeiten der Oeffentl ich leit zum Aus­druck zu bringen.

Bankett im Außenministerium.

Premierminister Macdonald gab heute abend im Foreign Office ein D a n k e t t zu Ehren des deutschen Kanzlers Dr. Brüning und des Außenministers Dr. Curtius. Premierminister Macdonald und der Staatssekretär des Aeu- hern Henderson empfingen die Gäste im Lo- carno-Saal des Foreign Office, in dem Saal, in dem im Dezember 1925 die Locarno-Verträge un­terzeichnet worden sind. Der deutsche Botschafter Freiherr vonReurath und Botschaftsrat Graf D e r n st 0 r s f, sowie die Begleitung der deut­schen Minister, Oberregierungsrat Planck, Le­gationsrat Baron P l e s s e n und Dr. Schmidt waren zu dem Bankett geladen. Von englischer Seite nahmen daran teil das gesamte bri­tische Kabinett, die Oberkommissare der Dominions, der Chef der britischen Wehrmacht, Feldmarschall Sir George Miln er, der Erste Seelord, Admiral Frederick Field, und der Oberste Luftmarschall Sir John Salmond, der Führer der Liberalen Lloyd George, der Gouverneur der Bank von England, Montagne Rorman, Lord Cecil, Lord d'Abernon. Lord Reading, Sir Robert V a n s i t t a r t vom Foreign Office, Sir Frederick Lethroh vom Schatzamt und Sir Sidney C h a p m a n vom Handelsamt, außerdem eine große Anzahl von Abteilungschefs der verschiedenen Ministerien. Rach dem Essen wurden Trinksprüche auf den englischen König und den Reichspräsidenten aus­gebracht. Reden wurden nicht gehalten.

Beruhigungspille für Frankreich.

Paris, 6. Juni. (WTB. Funkspruch.) Reichs­kanzler Dr. Brüning hat den Londonep Ha vasvertxeter empfangen und ihm fvü