Ausgabe 
4.9.1931
 
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Nr. 206 Zweiter Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheflen)

Zreitag, 4. September (931

Die Sicherheit der Sparkaffen.

Don Dr. von Tyszka, Professor an der Universität Hamburg.

Dm 5iium»frife und die zu ihrer Bekämpfung erlassenen Rowerordnungen Haden dr« Spar­kassen ganz besonders hart betroffen. Ehrend die Banken sehr bald recht erhebliche Betrage auSzahlen durften, sind die Auszahlungen aus den Sparkassen recht lange Zeit auf sehr Heine «Veiiage (20 Mark, dann 30 Mark und schl.eh- lich 50 Mark) beschränkt geblieben Dazu kam. daß durch die neueste Notverordnung vom 5. August b:c Sparkassen einer gewissen Kon­trolle durch die staatlichen Aufsichtsorgane unterworfen wurden. Dies alles kann bei man­chen den auf den ersten Augenblick vielleicht berechtigt erscheinenden Zweifel an der Sicher­heit der Sparkassen anvertrauten Geldern auf­kommen lassen. Denn, so sagt er sich, wenn die Danken in der Lage sind, einen viel gröberen Betrag auszuzahlen, wenn man die Sparkassen sogar unter eine besondere Kontrolle stellt, so sind bielleicht doch die den Sparkassen anoer­trauten Gelder nicht ganz sicher. Am besten allo, man sieht sich in der heutigen kritischen Zeit vor: man behält seine Ersparnisse lieber zu Hause, oder, noch besser man kann ja nie wissen, ob nicht doch noch Inflation kommt man lauft Waren dafür, legt sein Geld in Waren an. Bichls falscher und nichts gefährlicher als diese Anschauung! Die Sicherheit der Spar­einlagen der Sparkassen steht außer allem Zweifel: eS gibt keine sicherere Ka­pitalanlage als in den Sparkassen und eben« salls ist unsere Währung in jeder Hinsicht stabil und sicher: an Inflation ist auch nicht rm mindesten zu denken.

Das soll im folgenden kurz bewiesen werden. Jedermann weiß, daß Sparkassen und Banken nur deshalb Zinsen für eingelegte Gelder zahlen können, da sie diese Beträge wieder au »leiben. Die Art der Schuldner, an die sie ihre Gelder ausleihen, die sog. An le ge- Politik bestimmt d i e Sicherheit, aber zu­gleich auch die sog. Liquidität d h. die Mög­lichkeit der sofortigen Auszahlung der Gelder der betreffenden Kreditinstitute. Je vertrau­enswürdiger die Debitoren sind, an die die anoertrauten Gelder ausgeliehen sind, desto größer ist die Sicherheit des In­stitut», desto vertrauenswürdiger also das In­stitut selbst. Je schneller greifbar dagegen die Gelder angelegt sind, de st o größer ist die Liquidität des betreffenden Kredit­instituts. d. h. einen desto größeren Betrag kann es im Augenblick auszahlen.

Bun besteht zwischen den Danlchr und Spar­kassen aber in dieser Hinsicht ein Unterschied. Die Banken sind infolge ihrer anderen An­lagepolitik weit liquider als die 6b ar« fallen. Die Sicherheit der Sparkassen ist aber mindestens ebenso groß, wenn nicht noch weit größer als die der Banken. Die Danken haben nämlich einen sehr großen Teil der ihnen zur Qkrfügung stehenden Mittel kurzfristig, also leicht greifbar in Wechseln, Deports und Lombards angelegt; die Sparkassen haben die ihnen anoertrauten Gelder in der Hauptsache langfristig, in Anleihen und Hypotheken angelegt. Ein paar Zahlen sollen dieS illustrieren: Bach den letzten vom Beich veröffentlichten Jahresbilanzen (31. Dezember 1930) stellte sich die Summe der Aktiva der erfaßten 448 größeren Kreditbanken (Aktien­gesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung) auf 28.4 Milliarden, davon waren 4.3 Milliarden oder 15 Prozent Wechsel, 12,5 Milliarden oder 44 Prozent Vorschüsse (Reports,

Warenporschüsse. Debitoren), 22 Milliarden oder 8 Prozent Guthaben bei anderen Danken: zu­sammen also fast 20 Milliarden oder 67 Prozent turzsriftige Anlagen, dagegen nut 6.6 Milliarden oder 29 Prozent langfristige Anleihen, und 1.3 Milliarden oder 5 Prozent ^Beteiligungen und Wertpapiere. Kurz zusammengesaht kann man also sagen, daß rund zwei Drittel der angelegten Gelder der 448 größeren Danken mehr ober wen.ger leicht greifbar waren, nur ein Drittel bauemb und fest angelegt. Die Liquidität dieser Danken war also eine große.

Im Gegen!atz dazu die Sparkassen: Bach dem Auswe.s vom 28. Februar 1931 waren von den 11 Milliarden Aktiva der erfaßten Spar­kassen nur 216 Millionen ober 1.9 Geschäfts- Wechsel. 2.5 Milliarden ober 22.7 Prozent De­bitoren. Die kurzftiftigen Krebite, einschließlich der liquiden Mittel, (teilten sich also nur auf rund 2.8 M lliarden oder 25,5 Prozent. Dagcaen waren 4,9 Milliarden ober 44,9 Prozent der anvertrauten Gelder in Hypotheken angelegt, da­von über eine Milliarde in landwirtschaftliche, die ihrer Batur nach sehr lange Kündigungs­fristen haben, 1,8 Milliarden ober 16,4 Prozent waren in Wertpapieren, 1.3 Milliarden ober 11.8 Prozent als Kommunaldarlehen angelegt. Insgesamt stellten sich die gewährten lang­fristigen Kredite auf 8.2 Milliarden ober 68 Prozent.

So zeigten also Danken und Sparkassen in ihrer Anlagepolitik fast daS entgegengesetzte Bild: Bei den Danken sind etwa zwei Drittel der Mit­tel kurzfristig angelegt, bei den Sparkassen um­gekehrt: noch nicht ein Drittel kurzfristig, da­gegen über zwei Drittel langfristig.

Jetzt wird eS vollkommen verständlich, wes­halb in Zeiten der Bot die Danken weit grö­ßere Deträge auszahlen können als die Spar­kassen. Der Hauptteil der Anlagen der Spar­kassen ist nicht ohne weiteres greifbar: er müßte erst gekündigt werden. Und würden die Sparkassen die Hypotheken etwa kündigen, um die Ansprüche gedankenloser und ängstlicher Spa­rer zu befriedigen, so würden sic noch viel mehr Verwirrung stiften; es würde unab­sehbare Folgen nach sich ziehen. Jetzt wird auch völlig verständlich, weshalb die Sparkassen mit den Zinssätzen nicht so schnell heraufgehen können, wie die Danken. Sie haben ja den größten Teil ihrer Gelder zu verhältnismäßig nichtigen Zinsen fest angelegt, die sie nicht plötzlich willkürlich heraufletzen können.

Wie aber steht eS mit der Sicherheit der den Sparkassen anvertrauen Gelder? Aus dem Vorhergehenden ergibt sich schon, bah diese denk­bar sicher angelegt sind. Fast 45 Prozent der Mittel sind in Hypotheken angelegt, der sichersten Anlage, die es überhaupt gibt, 16 Pro­zent in erstklassigen Wertpapieren und 12 Prozent sind Kommunalbarlehen. Sine sicherere Kapitalanlage ist undenkbar. Dar­aus w rd ersichtlich, daß das Publikum nach wie vor das vollste Vertrauen zu den Spar­kassen haben wird; die ihnen anvertrauten Gelder sind so sicher wie nur denkbar angelegt.

Und wie steht es mit der Sicherheit un­serer Währung? Run. unsere Reichs- bank, die Hüterin unserer Währung, gibt in ihrem Aufbau, ihrer Verfassung und Verwal­tung die denkbar größte Gewähr für die dauernde Stabilität der deutschen Wäh^ng. Das was zum Verfall unserer Währung in der Inflationszeit geführt hat. die Kreditgewährung an dieöffentlichenKörperschaften(Reich, Länder. Gemeinden) ist durch die scharfen Destim- mungen über Kreditbeschränkungen der ReichS- I bank völlg ausgcschloss en. Die Reichs» I bank darf den Ländern und Gemeinden über« I Haupt keinen ungedeckten Kredit einräumen, dem

Das bißchen Erde.

Vornan von Richard Slowronnel.

Copyright by I. Engelhoms Nachf., Stuttgart

23 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

öle irren sich Herr Dergemann. Meinem Onkel haben Sie gedient, nicht mir. Und da ich noch für eine Weile hier der Herr bin, werden Sie bis zwölf Uhr mittags mit Sack und Pack und Kind und Kegel jenseits der Vellahner Grenzen fein. Ich dulde keinen ungetreuen Diener auf meinem Hofe."

Der Verwalter machte eine wegwerfende Hand­bewegung.

.Gestatten, Herr Gras, daß ich gehorsamst dar­über lache! Heber meine Entlassung haben doch noch andre Instanzen . . Weiter kam er nicht. Der Hühnerhund Hektor, der unter dem runden Tische lag, hatte schon von Anfang an die Unter­redung mit leisem Knurren begleitet. Jetzt hatte er wohl die ausholende Ärmbewegung mißverstanden . . . wie eine loSgeschossene Ka­nonenkugel flog er dem blondbärtigen Kerl gegen die "3ruft daß er hintenüberschlug. Das Tisch­tuch mit dem Teegeschirr riß er bei dem jähen Ansprung herunter, aber es kümmerte ihn nrcht. Mit blitzendem Fang suchte er neben hem schützend vorgehaltenen Arm die Kehle des Feindes, wie Ihn der Alte mit dem grauen Schnurrbart ge­lehrt hatte, als er ihn an einem ordentlich in dicke Säcke eingepackten Scharwerks jun gen auf den Mann dressierte. GS gab ein fürchterliches Durcheinander, die Teller und Schüsseln kollerten über den Boden, und der Verwalter schrie hinter dem vorgehaltenen Arm:Um Gottes willen, Herr Graf, rufen Sie den Hund zurück" . . .

Malte sprang zu, riß den Anstürmenden am Halsband in die Höhe: .Pfui, Hektor, kusch dich und down" ...

Der Hund gehorchte, legte sich zur linken Seite seines Herrn nieder, den Kopf auf die Vorder­läufe geschmiegt. Bur seine gelben Lichter blitz­ten, und über den weiß schimmernden Fängen hoben sich drohend die roten Lefzen. . .

Der Verwalter erhob sich mühsam, suchte seine zu Boden gefallenen Bücher zusammen.

.Ein Bee st ist das! Im vorigen Sommer hab' ich gesehen, wie er dem Förster Schwarz einen Rehbock fast dreißig Schritte weit apportierte, wie einen Hasen frei im Fang. Bur das Hinter­teil schleppte über die Wiese" . . .

Malte lachte kurz auf.

.Brav, Hektor, brav! . . . Und Sie sehen, Herr Dergemann, es gibt hier noch einige, die zu mir halten. Aber beruhigen Sie sich, auch ohne den tüchtigen Hektor wäre ich mit Ihnen fertig

geworden!" Er reckte die Arme . . . »Ra, wie ist's nun, wollen wir abrechnen?"

Befehl, Herr Graf" ...

Der Verwalter entnahm einer Kladde einen langen Zettel.

.Hier, Herr Graf, ist die Zusammenstellung. Ob sie stimmt, können Sie ja in den Düchern nachprüfen lassen. Achttausend Mark rund hat die Vellahner Gutsverwaltung als Guthaben stehen bei der Landwirtschaftlichen Dank in Waren. Sechzehn Wispel Roggen liegen noch auf dem Speicher, nicht ganz so viel Weizen, und Futter nebst Kartoffeln natürlich genug bis zur neuen Ernte. Das find die Aktiva. Die Passiva hingegen" ... .

Malte hob die Hand. Unter der braunen Tropenhaut war er blaß geworden bis in die Lippen. Achttausend Mark! DaS war zum Ver­hungern zu viel, zum Leben zu wenig. Er muhte erst einmal heftig unterschlucken, ehe er seiner Stimme die nötige Festigkeit zutraute.

.Erlauben Sie mal, Herr Dergemann! Unter meinem Vater hat Vellahn burchschnittllch vierzigtausend Mark im Jahr gebracht. Nachher hat mein Onkel in Hohenrömnitz die Kontrolle gehabt, aber es wird wohl nicht viel weniger geworden fein. Das muß doch irgendwo geblieben sein, nicht wahr? Und in diesen letzten zwei Jahren habe ich doch keinen Pfennig verbraucht außer den viertausend Mark, die Sie nür aus telegraphische Order nach Genua schickten?"

Der Verwalter sah von dem Zettel auf und legte die rotgebrannte Hand auf die *3ruft

.Wollen mich der Herr Graf vielleicht der Unterschlagung beschuldigen? Erst wird man hier von einem wütenden Hund gewürgt, und jetzt soll man womöglich als ein Detrüger und Schuft dastehen? Ah nein, Herr Graf, das werd' ich mir nicht gefallen lassen."

Malte zuckte die Achseln.

Ganz nach Belieben, Herr Dergemann. In­zwischen aber haben Eie wohl die Freundlichkeit, mir zu erklären, wo all mein Geld geblieben ist?"

.Sehr wohl. Herr Graf! 2kber da ist nicht viel zu erklären, steht alles in den Buchern Dis zu Ihrer Mündigkeit habe ich mit Seiner ErzeNenz dem Herrn Erblandmarfchall abgerechnet. Die Unterschriften stehen zu Ihrer Verfügung. Bach- her. als Eie zu befehlen hatten habe ich Ihnen Rechnung gelegt Hier in den Büchern sind Ihre eigenhändigen Unterschriften daß Eie alles für gut und richtig befunden haben Für diese letzten zwei Jahre aber müllen Sie sich an Ihren Herrn Oheim wenden Achtundzwanzigtaufend Mark haben Exzellenz befohlen, für Meliora­tionen und Drainage zu verwenden und sechs­tausend für Erneuerung des toten Inventars. Ob die Ausgaben notwendig waren, hatte ich nicht zu entfebeiben. Ich hatte nur zu gehorchen"

Malte schloß einen Moment lang die Augen

Reich nut bis höchstens 400 Millionen auf Drei- monaiswechsel. D.e von der Reichs bank a ab­gegebenen Boten müssen sofern ihnen nicht Gold oder Devisen zugrunde liegen durch gute diskontierte Warenwechsel oder Schecks, aus de­nen btc: als zahlungsiähig bekannte Verpflich­tete haften, gedeckt sein

So braucht also heute niemand auch nur im ge­ringsten über die Sicherheit der den Sparkassen anvertrauten Gelder besorgt zu sein. DaS ocr- pslichiet aber auf der anderen Seite heute jeden, sein entbehrliches Geld nicht zwecklos zu Hause auszubewahren oder sinnlose Käufe zu tätigen, um es los zu werden, sondern es auf die Spar­kassen ober Danken zu bringen, damit diese e» der«Wirtschaft zuleiten können Und

unsere Wirtschaft braucht gerade gegenwärtig jeden enthebt::4>en Pfennig notwendiger denn je. Denn w r leiben heute an dem Gegenteil bet Insiation, bet sog. Deflation, d. h. an Ver­knappung bet Zahlungsmittel infolge unserer Kap.talarmut. Kredit aus dem Ausland würde freilich diesen Zustand beheben. Aber wie jedermann weiß, ist ein solcher nicht zu erwarten. ES g:lt heute, s i ch selbst zu Hellen: deshalb ist eS eine einfache vaterländische Pflicht eines jeden. Tein entbehrliche» Geld den Sparkassen oder Danken zu nutzbringender Verwendung zu über­geben Dadurch hilft er sich selbst, indem er recht ichöne Zinsen erhält und zugleich der Wirtschaft, der Allgemeinheit und dem Vaterlande, indem et btt Kapitalarmut bekämpfen hilft

Butzbach-Licher Eisenbahn.

Wieder Beschwerden.

Personenbeförderung nur, wenn Vieh da ist!

Man schreibt unS: Die Derkehrsverhältnisse auf der Strecke Lich Grünberg der Duh - bach Licher - Eisenbahn - AG. werden immer trostloser. Man kann nicht verstehen, wes­halb die Gemeinden der genannten Strecke, die seinerzeit weit höhere Obligationen als die Ge­meinden zwischen Butzbach und Lich übernommen haben, eine so stiefmütterliche Behandlung erfah­ren. Es soll durchaus nicht verkannt werden, daß durch die Stillegung der Dasaltwerke zwischen Münster und Ober-Bessingen und bei Queckbom die Einnahmen aus dem Güterverkehr zur Zeit gering sind und bet Personenverkehr allein eine Rentabilität nicht bringen kann Diesem ilm- ftanb haben bie Bürgermeister der fraglichen Ge­meinden auch Rechnung getragen und in der Ge­neralversammlung am 21. Juni d. I. zu Butzbach, vorbehaltlich der Zustimmung der OrtSvertretun- gen, ihre Bereitwilligkeit erklärt, der Eisenbahn- Gesellschaft die Zinsen aus den Obligationen und die Steuern auf einige Jahre zu erlassen. Fast alle Gemeinden sind trotz der finanziellen Einbuße, die gerade jetzt in der wirtschaftlichen Bot beson­ders empfindlich für sie ist, notgedrungen diesem Ersuchen nachgekommen.

Don den Verkehrseinschränkungen wurde der Sonntag am meisten betroffen. Seit Jahren ver­kehrten Sonntags zwei Zugpaare, das eine vor­mittags, das andere nachmittags. Dahnbeamte er­klärten wiederholt, daß darin eine Aenderung nicht eintrete; für Wochentage war inzwischen neben einem Zugpaar eine zweimalige Autover­bindung von Lich nach Grünberg und zurück ge­schaffen worden. Von Herbst 1930 ab wurde an Sonntagen nur noch der Vormittagszug gefahren, der jedoch auch laut Sommerfahrplan b. 3. ausfiel, ohne den Gemeinden vorher irgendwelche Kenntnis davon zu geben. Don Mai ab sah man bann als neuesten unb einzigen Sonntagsverkehr nachmit- tags eine Lokomotive von Lich nach Queckbom fahren, um dort einen Güterwagen mit Schlacht­vieh abzuholen. Ein Einwohner eines Dorfes machte beim Vorbeifahren der Lokomotive mit nur einem Viehwagen die ironische, aber treffende De- mcrhing:Hier muß man schon ein Ochse ober Rinb fein, um Sonntags befbrbert zu werden." Obwohl bie Dahnverwaltung in der Generalver­sammlung vom 21. Juni d. I. die Zusage gegeben hatte, dem Viehwagen Sonntags einen Personen­wagen anzuhängen, um Reifenden Gelegenheit zu geben, die Anschlußzuge in Lich zu erreichen, dau­erte es noch einige Wochen, bis dieses Versprechen in Erfüllung ging. Eine kleine Besserung ist also

Ueberall. wo er bingriff, traf er auf die Hand seines Onkels, die sich würgend um seine Exi­stenz legte. Aber niemals bisher hatte es einen so offenen Angriff gegeben wie heute, bah er zurückschlagen konnte. Unb bas wollte er weib­lich besorgen. Er atmete tief auf.

Herr Bergemann, habe ich Ihnen vor meiner Abreise den Auftrag gegeben, über bie Verwal­tung meines Lehngutes Vellahn vom Herrn Erb­landmarschall irgendwelche Anordnungen entge- genzunehmen?"

Bein, Herr Gras."

Habe ich Ihnen insbesondere befohlen, die mir gehörigen Einnahmen au» meinem Gute zu seiner Verfügung zu stellen?"

Hein, Herr Gras. Seine Exzellenz kamen kurz nach Ihrer Abreise zu mir berübergeritten. Vellahn wäre wieder unter Hohenrömnitzer Ver­waltung. Da habe ich natürlich geglaubt, Sie hätten bei Ihrem Abschiedsbesuche drüben ent* sprechende Weisungen hinterlassen."

Malte lachte ingrimmig auf.

Bei dem Besuche damals war von andern Gütern bie Rebe. Mehr um gewisse Ideale ging es, aber sie hatten einen verdammt praktischen Hintergrund. Ra denn ... ich danke Ihnen! Und es bleibt habet Dis zwölf Uhr mittags haben Sie den Hof verlassen" Der Verwalter hob seine Mühe auf.

Ich bitte doch den Herrn Grafen, zu berück­sichtigen . . ." Sein junger Herr aber schnitt ihm mit einer kurzen Handbewegung die Rede ab.

Bein, Herr Bergemann, es bleibt habet Wäh­rend der paar Wochen, bie mir hier vielleicht noch vergönnt sind, will ich Reinlichkeit um mich haben. Unb Leute, die zu mir halten Wenn Sie Glück haben, sind Sie in kurzer Zeit wieder hier und lachen mich aus. Rur fürchte ich. der Herr Erblandmarschall kennt Sie zu gut. Wenn Vellahn erst seinem eigenen Sohne als Lehen gehört, wird er's Ihnen vielleicht nicht mehr anvertrauen"

Der Verwalter murmelte irgend etwas zwischen den Zähnen, was ungefähr so klang,wir sprechen un» noch", und verlieh ohne Gruß die Halle. Malte aber suchte auf dem Tische nach der Glocke, bis er mit einem Male entdeckte, daß sie zwischen zerbrochenen Tellern und Taften samt Gänsebrust und Leberwurst in einer breiten Lache Tee schwamm. Da Latschte er in die Hände:Lenh" ...

Der Alte trat über die Schwelle:Um Gottes willen, was hat es beim hier gegeben?"

Sein junger Herr lachte fröhlich auf. So leicht war ihm schon lange nicht mehr zumute gewesen An Geld war er ein Bettler, aber er hatte doch ein ZiÄ vor Augen Hub eine Handhabe, dem Herrn Oheim ans Leder zu gehen. . .

Scherben hat es gegeben, mein guter Alter. Ruf eins von den Kuc^nmädeln,, sie foll den Kram zufammenfegen. Ich reit' indessen nach

insofern nun eingetreten, als Sonntags gegen 18 Uhr die Lokomotive nicht mehr leer, sondern mit einem Personenwagen von Lich nach Queckbom fährt, um dort einen Viehwagen abzuholen unb auch Reifenbe unterwegs mitzunehmen Die De- förberung von Menschen au der genannten Zeit wirb demnach davon abhängig gemacht, ob ein Wagen mit Schlachtvieh zur Abholung auf einer der Stationen, namentlich Queckborn, vorhanden ist. In biefem Falle hat man nach vorheriger Er­kundigung die Möglichkeit, gnäbigft mitfabren zu dürfen. 3m andern Falle ruht Sonntag» jeglicher Dahnverkehr. 3ft es denn wirklich so kostspielig, Sonntags wenigstens e i n regelmäßiges Zug­paar einzulegen, zumal an den meisten Sonntagen ja doch ein Viehwagen abgeholt wirb? Auf der Strecke ButzbachLich, wo bekanntlich größere Dörfer liegen unb infolgcbcffen auch her Personen­verkehr stärker ist, sahrcn ständig Sonntag- zwei Züge hin und zurück. Die Gemeinden, die Opser genug gebracht haben unb immer noch bringen. Dürfen hoch wohl damit rechnen, daß auch ihren Einwohnern unb den sonstigen Mitreisenden ein geringe» Entgegenkommen gezeigt wird. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es scheint aber hier am guten Willen zu fehlen und auch eine höhere Be­hörde nicht in der Lage zu fein, Abhilfe zu schassen.

Es ist ein altes Klagelied der Interessenten an der Butzbach-Licher Bahn, das hier wieder einmal in neuer Tonart an die Deffentlidjfeit bringt. Man fragt sich nur immer wieder, oo die Aufsichtsbehörde diesem Bahnunternehmen völlig gleichgültig oder völlig machtlos gegenübersteht. Auch unter Berück­sichtigung der gegenwärtigen Wirtschastsverhältnisse ist es gewiß nicht unbillig zu nennen, wenn man von der Betriebsführerin dieser Bahnstrecke doch etwas mehr Entgegenkommen gegenüber den Berkehrswünschen der Bevölkerung verlangt, als es bisher an den Tag gelegt wurde. D. Red.

Oer Winterfahrptan.

Am Mittwoch stand vor der dazu gewählten Kommission der Butzbach-Licher Eisen­bahn der Winterfahrplan zur Beratung. Es wurde bcfchlosfen, den Fahrplan auf der oberen Strecke (LichGrünberg) nicht zu ändern. Auf der Strecke LichButzbach bzw. Dad-Rauheim tritt eine Aenderung insofern ein, als der Zug, der seither 9.24 Uhr in Lich ein« traf, so früh gelegt wird, daß die Landwirt^ schaftsschüler in Lich rechtzeitig zum Unterricht eintreffen. Auch wird der Anschluß an den Zug der Staatsbahn nach Gießen in den meisten Fällen erreicht werden, wenn auch bei größerem Umfang des Güterverkehr» nicht unbedingt damit gerechnet werden kann. Man tut also gut. wenn

Hohenrömnitz mit 'nem dicken Knüppel in der Faust. Da steht auch so 'n wackeliger alter Topp . . . vielleicht daß- ich ihm eine gehörige Beul« hauen kann"---

Draußen auf der Freitreppe fuhr ein schnit­tiges 3uckergespann vor mit einem geschlossenen Kupee dahinter. Gin Diener in hechtgrauer Livree, ungefähr wie ein Leibjäger gekleidet, sprang vom Docke, fragte, ob der Herr Graf Römnitz für den Herrn Dankdirektor Steinfeld zu sprechen wär«. Malte sagte höflich:Ich lasse bitten, innerlich aber wünschte er den uner­warteten Besuch zu allen Teufeln. Mit dem Abenteuer von gestern abend hatbe er sich abge­funden in einer langen schlaflosen Rächt . . . Das mußte ein Ende haben, es hatte ihn genug gekostet . . . Ohne all diese Ereignisse, die ihm die Rerven aufgepeitscht hatten, wäre manches vielleicht anders gekommen . . . Wer mochte wissen, ob er an anberm Orte und unter andern Umständen der blonden Gertrud Köhnemann so schroff geantwortet hätte? ... In nachträg­lichem Erwägen hatte es ihn doch feltfam am Herzen gerührt, daß sie ihm während her Zeit der Trennung bie Treue gewahrt hatte. Alles, was ledig war an ritlerbürtigen Herren im Kreise, warb um sie, für ihn aber hatte sie ihr Magdtum aufgespart. Und da hatte er ihr in frevelhafter Verblendung eine Demütigung zu­gefügt, die sie nie vergessen konnte. . . Einer flüchtigen Sinnesregung wegen, die kalt geworden war über Rächt . . .

Herr Direktor Steinfeld hatte sich umständlich aus seinem kostbaren Zobelpelze gewickelt, jetzt kam er mit ausgestreckten Händen auf Malte zu.

Mein verehrtester Herr Graf, wie soll ich Ihnen nur danken? Erst jetzt eben habe ich von der braven Förstersfrau erfahren, wie auf­opfernd Sie an meiner Gattin gehandelt haben. Eine halbe Meile haben Sie die schwere Last auf den Armen getragen . . . reden Sie mir nicht dazwischen, ich weih, was sie wiegt! Ich hab sie auch mal im Arm getragen, inzwischen hat sie -noch angenommen. Und der Doktor hat mir gesagt, ohne Ihr energisches Eingreifen hätte es sicher eine Lungenentzündung gegeben, als Komplikation zu her Gehimerschütterun^. Ra und bann . . . Die Stimme ging ihm in eine höhere Tonlage über, er wischte sich mit der ringgeschmückten Hand über bie Augenwinkel.

Malle hob bie Schultern, halb ärgerlich, halb belustigt.

Sie machen zu viel Aufhebens von einer Selbstverständlichkeit, Herr Direktor. Wenn Ich auf meinem Weg einer hilflosen DcharwerkS- dirn begegnet wäre, hätte ich sie ebenso nach Hause getragen, zum Dorf zurück."

(Fortsetzung folgt)