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Das Rauchzimmer im Jagdschloß Hubertusstock.

Die Jagd im Luli

führen und kann im Spazierengehen all^dbe Dinge erörtern, die für unS lebenswichsig sindi. Dadurch wird den Verhandlungen die Scharfe genommen, und es wird eine Vertraulichkeit der Aussprachen herbeigeführt, wie sie sonst kaum zu erreichen ist. Wir wünschen, daß Macdonald und Henderson sich in Deutschland Wohlfühlen noch wichtiger ist uns allerdings eine vernünftige Lösung der Reparationsfrage.

neute Schwächung der öffentlichen Finanzen zur Folge hätten. Wohin ein solches Verfahren führte zeigt hie neueste Notverordnung mit ihrer wirt­schaftshemmenden Kraft. Die praktische Kommunal­politik muß sich klar darüber sein, daß sie im Rah­men ihrer Möglichkeiten ein bedeutsames Stück Reformarbeit mit zu leisten haben wird und daß die neuen fomnumalen Haushaltsorgen der Anlaß sein müssen, nun endlich mit aller Kraft Refor­men zu fordern, ja danach mit aller Energie zu schreien, anstatt zuzusehen, wie durch die verhee­renden Folgen der Steuerschraube vhn« Ende das Unheil nur immer größer gemacht wird.

Die Füchse haben den Mutterbau meist ver­lassen und stecken im Felde, wo es chnen an Nah­rung nicht mangelt. Der Dachs, der in Hesse» Schußzeit hat, findet reichliche Aesung bei seine» nächtlichen Ausgängen. Kleinraubzeug wie Wiesel, Iltis und Marder leben meist noch in Familien zu­sammen und rauben und morden gemeinsam. Eben­so sind junge und alte Krähen vielfach noch zu­sammen, und es bietet sich oft Gelegenheit zum Schuß auf das schwarze Diebesgesindel.

Hubertus.

Das große und schwerwiegende Problem wird dann die Frage sein: Wie kann der Voran­schlag mit dem vergrößerten Defl-rt insG leichgewichtgebracht werden? Mittel und Wege, die von der neuen Rotverord­nung geboten werden und die in dem Ergebnis der Gehalts- und Lohnsenkung sowie der Beseiti­gung der Lohnsteuererstattungen bestehen, sind nicht befriedigend. Sie führen durch die Kaufkraft­minderung breiter Devvlkerungsschichten und di« Schwächung der Wirtschaftskraft zu empfindliche» Steuerausfällen im öffentlichen Haushalt, ferner dürften sie auch nicht im entferntesten ausreichen für die Deckung der erhöhten Lasten. Dor allem er­scheint es uns dringend notwendig, daß nicht nur die Spihenorganisationen der Städte und Land­gemeinden, sondern auch die Länderregierungen und die Reichstagsabgevrdneten nunmehr mit aller Energie auf die schon seit (Zähren fällige Ver­besserung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden zugunsten der kommu­nalen Gemeinwesen hinwirken. Ein weiteres zweck­mäßiges Mittel wäre die Verwirklichung des Vor­schlags, des Städtetages Wer die Vereinigung der Krisenfürsorge und der Wohlsahrtserwerbslosen- fürsvrge. Es dürfte auch angebracht sein, daß man nun endlich mit dem bisherigen Verfahren bricht, von Reichs und Landes wegen Gesetze zu machen, deren finanzielle Last zum größten Teil den Ge­meinden ausaebürdet wird. Man sollte hier end-

Wer in der Kommunalpolitik heute schon, da­mit su rechnen, daß den Gemeinden auch auf dresem Gebiete erhebliche Reubelastungen beschreden Jein werden, da in Berlin die Tendenz vorherrscht, noch mehr als bisher die kommunale Wohlfahrts­pflege für diese Unterstützungsaufgabe anzuspaw- nen. Zahlenmäßige Anhaltspunkte können nach dem hurtigen Stande der Dinge noch nicht gegeben werden, aber soviel erachtet z. B. der Deutsche Städtetag jetzt schon als gewiß, daß in der Kri­senfürsorge mit größeren Anforderungen an das von den Kommunen zu leistende Gemeindefünftel zu rechnen sein wird. Rach den jetzigen Berech­nungen der Reichsregierung, so hört man vom Deutschen Städtetag, erhöht sich der Reichszuschuß der Krisenfürsorge gegenüber dem Etatansatz von 420 Millionen auf 660 Millionen, das bedeutet, daß sich das Gemeindesünftel von 105 Millionen auf 165 Millionen erhöhen wird. Demgegenüber dürfte die abgeschaffte Lohnsteuererstattung, die den Kommunen eine neue Einnahmequelle zum Ausgleich der Wohlfahrtslasten sein soll, ein sehr fragwürdiges Aequivalent sein. Für Gießen wird auch aus dem Hilfsfonds für Gemeinden mit über­durchschnittlicher Arbeitslosigkeit nichis $u erwar­ten sein. Besser wäre es gewesen, wenn die Reichs­regierung die vom Deutschen Städtetag und von weiten Kreisen der Oeffentlichkeit geforderte 3 u - s ammenlegung der Krisenf ürsorg e und der Wohlfahrtserwerbslosen- f ü r s v r g e vorgenommen und die Kosten der ge­samten Wohlfahrtspflege nach dem vom Deutschen Städtetag vorgeschlagenen Modus (Reich 50 Proz.. Land und Gemeinde je 25 Proz., um dadurch auch die Länder zu diesen Lasten mit heranzuziehen) verteilt hätte. Rach dem gegenwärtigen Stand der Dinge sind jetzt wieder die Gemeinden mit ihren Haushalten in der Rolle des verstärkten Lastenträgers, dem es allein überlassen bleibt zu sehen, wie er mit der verschlechterten Sachlage fertig wird. Wenn auch in unserem Gießener Wohlfahrtsetat schon im Frühjahr, mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage, zur Vermeidung nach­träglicher Krediterweiterungen vorsorglich 100 000 Mark veranschlagt wurden, so dürfte doch fraglich sein, ob angesichts der jetzt ganz wesentlich verän­derten Sachlage diese Summe ausreichen wird. Wir wären nicht überrascht, wenn allein von dieser Seite her schon im Herbst oder im frühen Winter eine Rachforderung auf tauchen würde, die dann ihr Gegenstück in dem Minus an Steuereingängen hätte, beide zusammen aber die Stadtverwaltung und den Stadtrat vor eine reichlich schwierige Auf­gabe stellen würden.

deren finanzielle Last zum größten Teil den Ge­meinden aufgebürdet wird. Man sollte hier end­lich nach dem Sprichwort handeln:Wer die Musi­kanten bestellt, bezahll sie." Schließlich dürft« nicht von der Hand zu weisen sein, daß durch um­fassende Reformen mancherlei Arbeitsgebiete de» Gegenwart beseitigt werden müssen, um dadurch eine Entlastung der Haushalte zu erreichen» Unte» gar keinen Umständen sollte man wieder di« Steuerschraube in Bewegung setzen, und ebenso­wenig sollte man zu Maßnahmen greifen, die ein« weitere Minderung der Kaufkraft und damit er-

Zur Gesichts-Bräunung

aber auch zur Bräunung des ganzen Körpers bei Sonne» bädern verwende man die reizmildernde und kühlend« (Erernt Leodor feltstei in roter Packung: fetthaltig in blauer Packung, Tube 60 Pf. u. 1 2KL Wirljam unterstützt durch Leodor-Edek> jeise Stück 60 Pf, Lu haben In allen Lhlorodont-Berlausssteüv^

Im Anfang des Monats pflegt es im Revier recht still zu sein. Das Wild hat vielfach den Wald ver­lassen und in den Getreidefeldern, die eine unabseh­bare Dickung darstellen, seinen Einstand genommen. Zu ganz unregelmäßigen Zeiten tritt es auf einge- prengte Kleeäckeer u. ä., zur Aesung aus und ist nur schwer zu besagen, soweit es überhaupt Schuß­zeit hat. In der zweiten Hälfte des Monats aber wird es schon lebhafter. Den Rehbock bringt die Liebe aus die Läufe, im Rotwildrevier beginnen die Hirsche zu fegen, an Fluß und See streichen lügge Enten. So winkt wieder mancherlei Weid- mannslust dem Iägerherzen. Doch vor allem er­wachsen auch Pflichten. Wenn Beeren und Pilze im Walde zur Ernte locken, dann geben sie nur zu gern den Deckmantel für Wilderei in der mannigfachsten Form ab. Drum gehört der Reoierinhaber gerade dann recht oft unauffällig in sein Revier, wo ihm allein durch das Absuchen der Kulturen durch Beerensucher schon genug Schaden erwächst.

Die Jagd auf den edlen Hirsch ist bekanntlich in Hessen schon offen, da er keine Schonzeit besitzt. Doch kein weidgerechter Jäger wird auf den König der Wälder weidwerken, ehe dieser völlig gefegt hat. In Preußen genießt er noch Hegezeit. Das Dam­wild tritt gegen Monatsende bereits in seine Feist­zeit. Rot- und Damtiere fuhren ihre Kälber und int) vor allen Storungen zu schützen. Hafer- und Kartoffelfelder locken das Schwarzwild so sehr, daß es oft auch tagsüber im Felde sich steckt.

Für dos Rehwild beginnt Mitte des Monats die hohe Zeit der Liebe. Doch sollte der Abschuß guter Bocke erst gegen Monatsende, besser erst im August einsetzen, damit den guten Gehörnträgern die Möglichkeit zur Vererbung gegeben ist. Wer dagegen Kümmerern und schlecht veranlagten Bocken die Er­haltung der Art anoertraut, der wird später vergeb­lich nach guten Bocken suchen. Drum ist zu Anfang der Blattzeit der letzte und häufig recht günstige Augenblick gegeben, um solche unerwünschten Bocke wegzunehmen. Dann möge später auch das Weid­mannsauge sich an dem guten Bock freuen, wenn er auf der Decke liegt, nachdem er sich vererbt hat. Nur durch solch planmäßigen und überlegten Abschuß ist eine qualitative Hebung des Rehstandes zu erzielen. Wer nur nach guten Böcken sucht, läßt alles schlechte Zeug sich jahrelang durchmogeln und die Art ver­derben. Sicherlich ist das Blatten das einfachste Mittel, um einen Bock vors Rohr zu bekommen, es ist auch ein sehr gutes Mittel, um den Rehstand einmal kennenzulernen, zumal ja auch Ricken sprin­gen (Achtung norm Schuß!). Doch auch ohne die Nachahmung der-verschiedenen Stimmlaute des Reh­wildes genügt der häufige Aufenthalt im Revier $u jener Zeit, um zum Schuß zu kommen oder sein Wild zu beobachten, das jetzt so viel und zu allen Stunden auf den Läufen ist.

Die Wildhühner haben Junge, die Jagd ruht. Dagegen sind Mitte des Monats, wenn in Hessen wie in Preußen am 16. die Jagd auf die Enten eröffnet wird, die Jungenten meist schon gut be­flogen. Wer einen guten, wasserfreudigen Hund be­sitzt, der wird dann trotz aller Schnaken an Fluß und Teich manche frohe Stunde erleben können. Die alten Erpel befinden sich in der Maüer und sind als Rauherpel nicht oder nur schlecht flugfähig. Ihnen ist ohne Hund gar nicht beizukommen, dem sie sich durch Drücken unter Gestrüpp und Schilf oder Schwimmen unter Wasser zu entziehen suchen. Man unterlasse es nickt, vor allem Jungenten, die an heißen Tagen geschossen wurden, sofort auszu­ziehen, da sie außerordentlich leichtgrün" werden.

Der Hase scheint sich bis jetzt gut vermehrt zu haben. Häsinnen vom ersten Satz setzen bald selbst schon.

Die Waldschnepfe, die noch Schonzeit hat, schreitet oft noch im Juli zur zweiten Brut. Der Anblick streichender Schnepfen ist beim Ansitz auf den roten Bock keine Seltenheit. Auch die Wild­tauben, die in Preußen deswegen jetzt auch alle noch Schonzeit haben, machen ihr zweites Gelege. Man sollte auch in Hessen in ihrem Abschuß Zurück­haltung üben, bis die Jungen flügge sein werden. Die Vermehrung der Tauben ist gering (zwei Eier pro Gelege), die Jungen sind Nesthocker und auf ; die Wege durch die Alten angewiejen.

es nicht, die vielen tausend Kormorane zu ver­treiben. Schließlich wurden alle Förster aus den benachbarten Revieren herangezogen, die Pots­damer Garnison schickte ihre besten Scharfschützen, und nun setzte ein Vernichtungskrieg ein. Als die Kormorane sahen, daß die Schlacht verloren war, zogen sie ab. Aber die letzten Muränen hatten sie vorher herausgefischt und verspeist.

Berühmt wurde Hubertusstock erst, als Wisi- helm ll. es zu seinem Jagdquartier machte. Rach dem Zusammenbruch von 1918 glaubte man zuerst, daß die schöne Schorfheide nun in einen fiskali­schen Forstbetrieb umgewandelt und nur mit Rücksicht auf den größten Ertrag verwaltet wer­den würde. Aber die Forstbecunten hatten Glück. Reichspräsident Ebert war ein leidenschaftlicher Jäger, dem Schloß Hubertusstock freilich zu feudal war, und der sich deshalb ein kleines Jagdhaus in der Rähe bauen ließ. Ehe man ihn zmn erstenmal zur Hirschjagd einlud, mußte er sich auf der Scheibe einschießen. Mancher Schuß ging daneben. Aber dann wurde er ein glän­zender Schütze, der oft den Wald allein durchs streifte, sich dabei manchmal verirrte und dann nach dem Weg fragte. Wer ihn nicht kannte, war darüber sehr erschrocken: denn die Leute in der Schorfheide konnten sich nicht denken, ein Jäger in diesem Revier nicht Bescheid wüßte, und sie hielten den untersetzten Mann mit seinem Gewehr daher oft für einen Wilderer. Auch der preußische Ministerpräsident Braun hält sich oft in Hubertusstock auf. Rach Eberts plötzlichem Tode wurde Simons, der damals Reichs­gerichtspräsident war, vorübergehend mit der Führung der Geschäfte des Reichspräsidenten betraut. Wer das Amt ausübt, hat auch An­spruch auf die Erholung, und Simons weilte daher in jenen Tagen auch als Gast in Hubertus­stock. Er hat nicht geschossen, er hat sich nur erholt. Doch Hindenburg, der alte Soldat, ging um so lieber auf die Jagd. Wahrscheinlich ist Hindenburg der sorgfältigste Jäger, der bisher als Hausherr in Hubertusstock gewohnt hat. Stundenlang kann er auf der Pirsch sein und das Wild erwarten: ehe er den Schuh abgibt, zielt er sorgfältig; mit den Förstern bespricht er genau, wie das Jagdrevier zu verwalten ist.

Der historische Landsitz Chequers mag vor­nehmer sein. Aber auch das jüngere Schloß Hubertusstock hat schon seine Geschichte, und land­schaftlich kann es die Schorfheide gewiß mit der Umgebung von Chequers aufnehmen. Freilich, ein Golfplatz ist nicht in der Rähe, und di« englischen Gäste müssen sich an dem bevorstehen­den Wochenende nun einmal an eine deutsche Um­gebung gewöhnen. Cs wird ihnen sicherlich ge­fallen, und sie werden hoffentlich in der Stim­mung sein, die für erfolgreiche Verhandlungen günstig ist. In Hubertusstock läßt sich genau dasselbe Verfahren wiederholen, das in Chequers zum Erfolg geführt hat. Man kann eine voll­ständige Trennung von der Auhenwelt herbei-

Winter 1930/31.

Da die hessischen Ausführungsbestimmungen zu den wichtigsten Teilen der Notverordnung vom 5. Juni bis jetzt fehlen, läßt sich in den Einzel­heiten ziffernmäßig noch nicht endgültig erkennen, wie stark die Auswirkung der neuen reichsgesetz- lichen Bestimmungen auf den kommunalen Haus­halt sein wird. 2lber in großen Zügen kann man letzt schon sehen, daß für die Gemeinden und zwar sowohl für die öffentlichen Finanzen, wie für die Privatwirtschaft erhebliche Rachteile zu erwarten sein werden. Industrie, Handel und Gewerbe müssen künftig eine weitere Beschränkung ihrer wirtschaftlichen Grundlage in Rechnung stel­len, da die erneuten Kürzungen der Beamten- gehälter, der Löhne der Staats- und Gemeinde­arbeiter und die höheren Steuerlasten der Privat­angestellten und Arbeiter, sowie der selbständigen Unternehmer, ferner die Senkung der Renten und der Arbeitslosenunterstützung, eine erhebliche Mln- derung der Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten bedeuten. Bei der öffentlichen Finanzwirtschaft'' wird sich diese Entwicklung natürlich in Min­derungen der Steuererträge bemerkbar machen, während auf der anderen Seite verstärkte Lasten im Wohlfahrtsetat zu erwarten sind. Rach einer vorläufigen Berechnung dürfte sich die Minderung auf dem Gehalts» und Lohnkonto des Gießener städtischen Haushalts nach den neuesten Kürzun­gen, die ab 1. Juli in Kraft treten, für den Rest des Rj. 1931 auf mindestens 100 000 Mark be­laufen. Dieser Entlastung des städtischen Etats kann man aber nur wenig Freude abgewinnen, weil man eben hier, wie auch bei den anderen Reu­belastungen die Kaufkraftminderung in Betracht ziehen muh. Der Kreislauf wird dann wiederum bei den Steuereinnahmen geschlossen, die natürlich von dieser Verschiebung nach unten nicht unberührt bleiben. Schon heute kann man sicher damit rech­nen, daß die dem städtischen Haushalt für 1931 im Januar d. I. zugrunde gelegten Berechnungen des Steueraufkommens weit über dem tatsächlichen Steuerertrag liegen werden, d. h. also der bereits vorhandene ungedeckte Fehlbetrag von 304 800 Mk. sich um den Minderertrag der Steuern erhöhen wird.

Sind auf diese Weise die öffentlichen Haushalte von der Einnahmeseite her in ihrem ge­genwärtigen Stande bedroht, so ist eine nicht min­der bedeutsame Einwirkung auch von der Aus­gabenseite her mit Sicherheit zu erwarten. Wir wollen davon absehen, die Erhöhung der Be­triebskosten für städtische Kraftsahrbetriebe, die in­folge der erhöhten Mineralölzölle und der da­durch bedingten Verteuerung des Triebstoffes ein­treten wird, allzu stark in Betracht zu ziehen. Weit einschneidender ist dagegen die Einwirkung auf die Ausgaben der Wohlfahrtspflege. Durch die Bestimmungen der Rotverordnung soll eine er­hebliche Entlastung der Krisenfürsorge erreicht werden. Deren Gestaltung im einzelnen soll bis zum Beginn des nächsten Winters auf dem Ver­handlungswege noch gewisse Aenderungen erfah­ren. UiBeschadet dieser Revisionsbestrebungen ist

Neue kommunale HaushMsorgen.

Arn 24. April hat der Gießener Stadtrat den städtischen Haushalt für 1931 mit einem ungedeckten Fehlbetrag von 304 800 Mark verabschiedet. Damit wurde zum ersten Male in Gießen ein Voranschlag in Kraft gesetzt, dessen Einnahmen und Ausgaben nicht ausgeglichen sind. Man ließ sich bei diesem Beschluß von der Hoff­nung leiten, daß auf dem Gebiete der Wohlfahrts­lasten durch Eingreifen des Reiches und des Lan­des noch im Jahre 1931 eine Lage geschaffen werde, die den Ausgleich unseres Haushaltsplanes er­möglichen würde. Es ist mittlerweile anders ge­kommen, als man damals gedacht hatte. Die Rot- verordnung der Reichsregierung vom 5. Juni hat den Kommunen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt der erhofften Entlastung der korn- munalen Haushalte ist eine weitere Schmä­lerung der Wir tschaf tsbasis der Städte zu bezeichnen. Dor allem ist auch die vom Deutschen Städtetag erstrebte grundsätzliche Reuregelung der Krisenfürsvrge und der Wohl- fahrtserwerbslosenfürsorge, von der für die Ge­meindehaushalte eine Besserung kommen sollte, nicht dorgenommen worden. Die Reichsregierung hat vielmehr die Dreiteilung: Arbeitslosenver­sicherung, Krisenfürsorge und Wohlfahrtserwerbs­losenfürsorge beibehal ea. Für die Finanzwirtschaft der Kommunen ergeben sich nun wenig erfreu­liche Aussichten für den kommenden Winter, der hinsichtlich der Erwerbslosenziffer aller Voraus­sicht nach noch ungünstiger werden wird, als der

Der frühere Kronprinz hat sich dort in den ersten Wochen seiner Ehe aufgehalten. Als der Herzog von Cumberland im Mai 1913 die Tochter des Kaisers heiratete, machte auch er seine Hochzeits­reise in die Schorfheide.

Die Hvhenzollem hatten sich einen schönen Platz ausgesucht, als sie Hubertusstock nahe dem Werbellinsee erbauen liehen. Dor allem einen idealen Platz für den Jäger! Die Schorfheide muß zu allen Zeiten ein Tier para dies ge­wesen sein. Vorgeschichtliche Funde beweisen, daß es dort früher einmal Elche und Auerochsen gab. Roch die ersten Markgrafen jagten In diesem Revier Bären und Wölfe. Jetzt gibt es in der Schorfheide wohl die größten Hirsch- herdenin Europa. Wieviel Hirsche es nun sein mögen, ist schwer zu sagen. Theodor Fontane hat zu seiner Zeit von 3000 Hirschen im Werbet- [iner Forst gesprochen, und um die Brunstzeit, etwa von Mitte September bis Mttte Oktober, waren es noch 1000 mehr, denn dann erschienen die Wanderhirsche. Sie kamen aus den benach­barten Landesteilen, aus Mecklenburg, Pommern, Schlesien, ja sogar aus Polen und aus Ost­preußen. Später blieben die Wanderhirsche fort, und Wilhelm H. lieh zur Auffrischung des Be­standes ungarische Hirsche ansiedeln.

Wenn man durch die Schorfheide streicht, wird erst klar, welch Tierreichtum früher in deutschen Landen vorhanden gewesen ist. Eichhörnchen huschen über den Weg, Reiher horsten am See, Kraniche ziehen in dichten Schwärmen, Enten flattern auf, Rohr- und Gabelweihen schießen vorbei, und mitunter erblickt man sogar einen Seeadler, der hoch oben in den Lüften seine Kreise zieht. In der Mitte des vorigen Jahr­hunderts tauchten plötzlich Kormorane auf, jene schwarzen Seeraben, die sonst nur in Japan und China heimisch sind. Es sind Wandervögel, und auf eine unerklärliche Weise hatten sie sich plötz­lich an den Werbellinsee verirrt. Dort gefiel es ihnen. Sie liehen sich nieder und gingen auf den . Fischfang, wobei sie es leider vor allem auf die Muräne abgesehen hatten. Mtt großer Geschick­lichkeit holten sie die Fische aus dem Wasser.^ Sie arbeiteten sich gegenseittg nicht in die Hände, ckber in die Schnäbel, und den Fischern gelang

Von der Buhbach-Licher Eisenbahn.

Aus Kreisen der Interessenten der Butzbach- 2icßer Bahn wird uns geschrieben:

Der Bericht desGießener Anzeigers" über die Generalversammlung der Buh- bach-Licher Eisenbahn AG. bedarf noch einzelner Ergänzungen. Wie aus dem Bericht er­sichtlich war, beschäftigte sich die Generalversamm­lung und besonders eine im Anschluß daran abgehaltene Obligativnärversammlung mit einer Sanierung des Unterneh­mend. Gegen das Streben der Dutzbach-Licher Eisenbahn, Steuererlaß von den Gemeinde» zu erreichen, ist um so weniger etwas zu tagen, als ja bekanntlich das Unternehmen viel zu hoch in den Steuerlisten bewertet ist. Daß Obliga­tionszinsen nicht gezahlt und die gekündigten! Obligationen nicht zurückgezahlt werden können, ist bei der prekären Lage der Eisenbahngesell­schaft leider auch selbstverständlich. Aber seh» bedenklich erscheint doch der Vorschlag bei Firma Lenz. Berlin, die Detriebsführerin de» Eisenbahn und zugleich ihr Haupbaktionär itfo die Obligationsgläubiger dazu zu bringen, ihr« Obligation-en in Aktien umzutau- schen. Da muh unbedingt der Eindruck erweckt werden, als ob es der Gesellschaft weniger uml eine Sanierung des Dahnunternehmens, als viel­mehr um ein gutes Geschäft zu tun toäre. Denn abgesehen davon, daß nicht einzusehen ist, welche Bedeutung für den Bahnbetrieb diese« Umtausch haben soll, ist doch auch festzustelleir, daß die Obligations schuld eine Auf­wertungsschuld ist, die jetzt etwa 220 000 Mark beträgt. Das Aktienkapital von 1 500 000 Mark, das fast ausschließlich in dem Besitz der Firma Lenz ist, ist ein Vorkriegswerk. FüL einen Umtausch käme aber nur ein Aufwertungs­wert in Frage. Es ist weiter zu bemerken, dahl früher die Gemeinden, um einen Einfluß auf den Betrieb der Bahn zu bekommen, gern 'Aktien! übernommen hätten, die aber damals nicht zu bekommen waren. Jetzt, in dem Augenblick, wo die finanzielle Rotlage des Unternehmens zutage tritt, werden die Gemeinden zu demGeschäft" eingöladen, das sie natürlich abgelehnt haben. Denn die Gemeinden haben der Bahn gegenüber schon große Opfer gebracht, an die dieOpfer" der Firma Lenz doch nicht heranreichen. Ma» erinnere sich nur, daß der Firma vom Staab und von den Gemeinden beim Dahnbau zwe? Drittel der Bausurnme zur Verfügung gestellt wurden (etwa 60 000 Mk. für den Daukilorneter!). Diese Summe ist auch beinahe ausreichend ge­wesen für den Dahnbau, so daß die Firma» Lenz & Co. wenig eigenes Kapital in den Dau gesteckt hat. Cs ist zu bedauern, daß dadurch die Verttauensatmosphäre, die gerade bei öert Sanierungsarbeiten im Interesse der Dahn nicht gestört werden dürfte, sicherlich keine Besserung erfährt."

Derantwortl. f. d. Feuilleton: i.03. Dr. 2ang^