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Samstag, 4- 3uli 1951

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 154 Zweites Blatt

Landnöten.

ORan wird nicht behaupten können, daß da« Der- halten der preußischen Regierung gegenüber der vom 4. b.S 12. 3uli geplanten lommumfli- schen Spvrtwoche .Spartakiade" genannt, einen besonders imponierenden Eindruck gemacht habe Erst wurde das Verbot der Deranstal- tung ausgesprochen, dann wurde den kommunisti­schen Versprechungen geglaubt, dah sich alles in Ruhe und Ordnung und rein sportmäßig vollzie­hen werde, woraus die Genehmigung erteilt Durde Dabei liehen die Vorbereitungen der Kom­munisten, die Sprache ihrer Presse und die Ankün­digungen ihrer Plakate an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Da.ß die seine Unterscheidung zwischen der Kommunistischen Partei und dem sparlakistischen Sportverein nur eine durchsichtige Täuschung sein konnte, hat man wohl auch beim Preuhischen Innenministerium erkannt. Deshalb hat die Zurückziehung des Verbotes der Sparta­kiade auch bei der Reichsregierung lebhaftes Er­staunen hervorgerufen. Don dieser Seite dürsten der preußischen Regierung auch die berechtigten Vedenken über einen ruhtgen Verlauf der Ver­anstaltung, zugleich mit dem Hinweis auf den schlechten Eindruck im Auslande, deutlich ausge­sprochen worden sein. Es bedurfte aber erst der schweren Zusammen st öhe, die von den Kommunisten in Berlin organisiert waren und bei denen ein pflichttreuer Beamter erschossen wurde, um die bessere Einsicht in preuhischen Regierungs­kreisen wieder herzustellen. Ls kam wiederum zu einem Verbote der Spartakiade, gleichzeitig wurde das .Internationale Komitee", das sich für diese Veranstaltung gebildet hatte, aufgelöst und das Tragen der dafür geschaffenen Abzeichen ver­boten.

Man besitzt an amtlichen Stellen genügend Ma­terial, um zu wissen, in welcher Form die Kom­munisten die Vorbereitungen zum Bürgerkrieg be­treiben. Für die in den letzten Wochen stattgefun­denen Ruhestörungen im Ruhrgebiet sind regelrechte taktische Vorschriften ausgcgeben wor­den, die auch für andere Gegenden Geltung haben sollten. Als ihr Ziel wird die Zertrümmerung der Polizeikräfte und die Untergrabung der staat­lichen Autorität bezeichnet. Don .harmlosen" De­monstrationen, die unter verschiedenen Dorwänden organisiert werden, bis zu solchen Kundgebungen, die durch Bewaffnete geschützt werden und bis zur boberen Form" der bewaffneten Demonstration siird genaue Bestimmungen getroffen, die sich in den Händen der Führer befinden. Wenn die preu- hische Polizei derartiges Beweismaterial seit län­gerer Zeit besitzt, so muh man erst recht darüber erstaunt sein, daß sie auch nur vorübergehend dar­an gedacht hat, die Spartakiade zu gestatten. Die Vorgänge im Berliner Osten haben dann klar ge­zeigt, daß die Zusammenrottungen nach einem ganz bestimmten Plane unter zen­traler Leitung vor sich gegangen sind. So kommt das Derbot der Spartakuswoche reichlich spät, aber hoffentlich nicht zu spät.

Die Polizei wird in den nächsten Wochen gegen­über dem Ansturm der Linksradikalen einen schwe­ren Stand haben, und sie darf nicht in die Gefahr kommen, ihre Kräfte im Kampfe mit vielen ein­zelnen Demonstrationen zu verzetteln und zu ver­brauchen. Das Beispiel der hessischen R e g i er u n g, die kurzer Hand für die Zeit vom 6. Juli bis 9. August alle öffentlichen politischen Der an st al tun gen in geschlossenen Räumen sowohl wie unter freiem Himmel verboten hat, könnte so­mit zur Rachahrnung anregen. Auf alle Fälle ist es notwendig, dah die Oeffentlichkeit des In- unb Auslandes weiß, dah die staatlichen Macht­mittel ausreichen, um alle "Versuche zum Bürger­krieg im Keime zu ersticken. Die Polizeikräfte wer­den die nötigen Anweisungen besitzen, um von An­fang an scharf durchgreifen zu formen. Gerade in den Tagen, in denen der Berliner Vertrag mit der

Die Bekehrung.

Don Kurt Bock.

In den beiden Luggersegeln liegt stramm und stetig die Frühbrise, langsam gleitet mit murmeln­dem Bug das ranke Faltboot flußauf; das Doppelpaddel feiert. In einem Rausch von Eonnengold hangen die Flötenttiller der Lerchen, ein Entenschoof gluckst im geigenden Schilf, Sensendengeln läutet in der Ferne.

Wenn gerade die Gemütlichkeit anhebt, muß wieder so eine niederträchtige Schleuse die Fahri sperren", brummt der Wasserwanderer durch die verwehenden Rauchschnörkel seiner Frühstücks- pseife und dreht mit schwungvoller Wende am Treidelweg bei. Als er die Segel birgt und Masten legt, glubscht allbereit« eine Bengelbande von der Uferböschung herab, die Zeigefinger in den sonntagssauberen Rasen. ..Kommt mal ran. ihr Lümmels, und zugepackt!" Friedlich räkelt er sich ins Graß, läßt sich das Boot auf Land trecken und auspacken; dann schraubt er den kleinen Schlehpwagen unterm Kiel zusammen, verteilt die Staulast in die kleinen Arme und verzieht mit seiner Karawane oberhalb der Schleuse, wo er Pack und Sack wieder ins Wasser sehen läßt.

Ein Stoß mit dem Bootshaken, und der Wind bläht wieder die Leinwand. Ein zutraulichen Kater erhält noch einen tüchtigen Paddel-Schräg­schlag Wassers über den verblüsften ©trubbet- kopp. Der Schleusenmeister poltert auf seiner Drucke!Das Schleusengeld", die Glubschmünder grohlcn©miet nen Groschen ruut! Er dreht allen Enttäuschten seinen großstädtischen Rücken zu und gondelt weiter flußauf:Immer arbeiten lassen und nicht verzweifeln; was ich nicht toiH, das man dir tu', das füg ich allen andern zu; und wer andern eine Grube gräbt, hat Gold im Munde."

Die Weiden auf blumenbeftickten Wiesen­teppichen strählen ihr Haar in den Wellen, satt- rot leuchten die zackigen Kiefemstämme am Waldeshange. Ein Kranich rudert lautlos hinauf in den unendlichen Glanz. Hinter mannshohem Ried öffnet sich ein oee. am Ufer schläft unter Vlumcnwildwuchs ein verfallenes Schnitter- Häuschen.

Das ist ja der,Dudel", in dem wir damals Herr und Frau Robinson spielten, wir, Lena und ich. acht, neun Iahre sind seitdem schwer über mich dahingerollt ... ja, das waren doch diese seligen Monde in dem Iahr vor ihrem Tode. du liebe, silberblonde Lena. Wie tanzte

Sowjetunion verlängert worden ist, muh den Kommunisten klar gezeigt werden, dah die deut­schen Regierungen, gleichgültig, von welchen Par­teien sie gestützt sind, jedem Anschlag aus den Staat und seine Organe mit größter Energie be­gegnen. Die Russen selber haben übrigens bei allen Gelegenheiten zu erkennen gegeben, dah sie sich in diesen innerdeutschen Kamps nicht ein- mischen. Das mag offiziell richtig fein. Tat­sächlich aber besteht kein Zweifel darüber, dah alle Demonstrationen in den Kampfplan der kommunistischen Internationale gehören, die ihren Sitz in Moskau hat.

Die Woche vor dem Haf.bjahresschluh brachle, wie alljährlich, noch eine Hochflut von Ge­neralversammlungen. Den Aktionär und natürlich auch die Allgemeinheit interessieren vor allem die Ausführungen über die Geschäfts­lage und die Aussichten für das neue Iahr. Da die Generalversammlung der einzige Ort und die einzige Gelegenheit ist. bei der auch der Aktionär einmal zu Worte kommen kann, wird dies gerade in den gegenwärtigen schlechten Zei­ten vielfach ausgenutzt, um Anklagen und Wünsche bet der Verwaltung vorzubringen. Ein typische« Beispiel für eine Derartige Protestversammlung war die der Rudolf-Kar st adt-A. -G., die ihre Aktionäre mit einem außerordentlich hohen Ver'.ustabschluh für 1930 beglückt hatte. Sieben Stunden währte der Kamps um die Auf­klärung der Tatbestände, die zu den auher- gewöhnlichen Verlusten geführt haben. Man lann sich des Eindrucks nicht erwehren, dah neben einer ganzen Reihe von verfehlten Trans­aktionen vor allem der ungeheure Ex- pansionsdrang mit der dadurch bedingten Pumpwirtschaft bei den Danken die traurige Lage und die wenig erfreuliche Liquidität der Gesellschaft herbeigeführt hat. Selbst bei besserer Wirtschaftslage schloh diese zu schnell vvrgetrie- bene Ausbreitung grafte Gefahren Momente in sich. Wenn jetzt auch bei Karstadt der Wille zum Systemwechsel vorhanden ist, so scheint man sich doch über die Marschroute in Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage nicht so ganz Kar zu fein. Man sieht wohl momentan, ab­gesehen von Urvfoftenabbau und Verringerung des Warenlagers, keine andere Hilfe, als die Aufnahme neuer Bankkredite, über die man be­reits verhandelt.

Dah Warenhausbetriebe auch besser arbeiten können, zeigt der Abschluh der Leonhardt- Ti e h - A. - G.. die ihre Expansionspolitik zur rechten Zeit abgestoppt hat. Diese Gesellschaft konnte ihre Dividende mit 8 Prozent aufrecht­erhalten und jetzt in der Generalversammlung berichten, dah Die Geschäftslage im neuen Iahre im Hinblick auf die anhaltende Krise sogar als gut bezeichnet werden könne. Offen bleibt natür­lich die Frage, wie sich die neue Rotvcr- o r d n u n g auf die Konsumkraft der Bevölkerung und dann wiederum auf die Geschäftstättgkeit sich auswirken wird. Eine jetzt aus den Gene­ralversammlungen immer wiederkehrende Frage ist die nach der Berechtigung des Rückkaufs eigener Aktien. So vertrat man z. D. auf der Versammlung der Berlin-Karlsruher In­dustriewerke auf Aktionärseite die Meinung, dah ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Rück­kauf der Aktien bei der DD.-Dank und bet I- G.-Farben einerseits und der Berlin-Karlsruher andererseits bestehe, da dort der Rückkauf aus dem Gewinn, hier aber anscheinend aus der Substanz erfolgt sei. Da sich auch eine Reihe von anderen Firmen zu diesem Schritt ent­schlossen haben wir erinnern an die Daimler- Benz-A.^., an die Berliner Kindl-Drauerei, die ihre Genuhscheine früher gekündigt hat und auch andere Firmen zwecks Entlastung des Unternehmens einen Aktien rückkauf ins Auge fassen, gilt es, diese Vorgänge genau zu verfol­gen, da diese Frage für die Oeffentlichkeit von

ganz prinzipieller Bedeutung ist und deshalb auch zu juristischen Verwicklungen führen kann.

Run ist also die Entscheidung doch gefallen: Der Massenmörder Kürten ist vom preußischen Staatsministerium nicht begnadigt, sondern dem Henker überliefert worden! Das beleidigte Volks- empfmben, das diesem Unhold in Mentchengcstalt trotz aller psychologischen Deutungsversuche ver­ständnislos gegenüberstand, hat feine Genugtuung gefunden. Die Gegner der Todesstrafe haben zwar auch Kürten noch zu retten versucht, und es scheint, dah auch dem preußischen Staatsministe­rium der Entschluß nicht leicht gefallen ist. Aber einstweilen besteht nach dem geltenden Gesetz die Todesstrafe noch zu Recht, und wenn ein Fall denkbar ist, auf den sie angewandt werden muhte, dann lag hier bei Kürten ein Schulbeispiel vor. Iedes menschliche Zusammenleben ist nun einmal an bestimmte Gesetze gebimben, deren erstes die Achtung vor dem Leben des anderen Ht Wer sich mit so souveräner Verachtung darüber hin­wegfetzt, wer aus Hemmungslofigkeit oder aus falsch geleiteten Raturtrieben in der Abschlach- tung unschuldiger Opfer den Zweck feines Daseins sicht, der hat das Recht auf die weitere Zu­gehörigkeit zur Gemeinschaft verwirkt.

Welche Folgen eine falsch angewandte Humani­tät unter Umständen haben taim, dafür ist der

Fall Kürten ein Beweis. Am 22. April ver­urteilte das Gericht ihn zum Tode, in der eriten Hälfte des Mai lag die schriftliche Begründung dem Gnadenbeauftragten vor. der sie dann dem preuhischen Iuftizministerium zuleitete, feitc^m wartet der Mörder auf fein Hchickfal. Man hat behauptet, dah er über diese Ungewißheit dem Irrsinn nahegekommen fei. Das ist amtlich he­ft ritten worden, aber wenn es richtig ist, dann liegt darin nur eine Bestätigung für daS ab­norme Nervensystem dieses Mannes. Denn es kann doch nichts Grauenbafteres geben, als Woche für Woche auf die Hinrichlung zu warten, täglich das Gefühl zu haben, dah dieser Tag der letzte sein könne und daß im Morgengrauen der Henker in die Zelle eintritt. Das ist eine Unmenschlichkeit, die in ihrer Wirkung an die schlimmsten Metho­den mittelalterlicher Seelentortur heranreicht. Wir beneiden einen Minister nicht um die Ver­antwortung. die er mit der Bestätigung eine» Todesurteils übernimmt. Aber den Mut zur Verantwortung muh er zeigen; und vor allem im Interesse des Delinquenten wie der Menschlichkeit den Mut zum raschen Entschluß Deshalb darf man wohl hoffen, dah ein folgjcc Fall sich künftig nicht wiederholt, daß vielmehr die Entscheidung über Leben und Tod. wenn ein­mal das Urteil gesprochen ist, in kürzester Zeit fällt.

Das deutsche Chequers in der Schorfheide politisches Wochenende in Hubertusstock. - Preußens größtes Naturschutzgebiet und Tierparadies.

Tief und klar ist das Wasser des Werbellin­sees, 6er von Berlin auS nicht gut zu erreichen ist, und den daher der Strom der Ausflügler nicht berührt. In der Rähe der Diermillionen» stabt kann sich die Ratur ihre Ursprünglichkeit nicht bewahren. Aber in der ©chorsheide. die sich am Werbellinsee hinzieht und etwa 370 Quadratkilometer bedeckt, gibt es noch allen Wald mit Unterholz, Hochmoor mit seltenen Pflanzen, gewaltige Buchen und vielhundert­jährige Eichen auf grüner Waldwiese.

Von Eberswalde fährt das Auto eine halbe Stunde, dann ist man in Preußens größtem Raturschutzgebiet, das der Wanderer nur auf bestimmten Wegen durchstreifen darf, damit das Wild nicht aufgeftört und aus seiner Reihe ge­bracht wird. Dort in der Schorfheide steht Schloß Hubertus stock, das weniger wie ein Schloh, mehr wie ein Schweizer Landhaus aussieht. Dorthin hat die Reichsregierung den englischen Premierminister und den

englischen Außenminister eingeladen. Es ist kein Palast, kein Herrensitz im Stil von EhequevS. Aber es ist ein sehr wohnlicher Aufenthalt, und die englischen Minister, die für unverfälschte Ratur schwärmen, werden sich in dieser Umgebung wohl fühlen. Schließlich haben sich schon andere verwöhnte Leute gern in Schloß Hubertusstock aufgehalten! Friedrich Wilhelm IV. lieh daS Jagdhaus im Jahre 1849 neben einem aus ©ÜD- deutschland stammenden Bildstock deS Heiligen Hubertus erbauen. Die Hohenzollem gaben dort Jagdgesellschaften; auch Wilhelm II. hielt sich gern in der Schorfheide auf und lud andere Monarchen zu sich ein. König Viktor Emanuel II. von Italien war dort sein (Saft, Kronpruiz Rudolf von Oesterreich wohnte in Hubertusstock, die Könige Albert und Georg von Sachsen gingen dort gern auf die Jagd, und im Fremdenbuch stehen die Hamen von Herzögen, Fürsten und Prinzen. Diele Hohenzollernprinzen verlebten in der Einsamkeit der Schorfheide ihre Flitterwochen.

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Das dem preußischen Staat gehörige Jagdschloß Hubertusstock am Werbellinsee, wo am 18.3ull die englischen Minister Macdonald und Henderson ihr Wochenende als Gäste der deutschen Regierung verbringen werden.

dein Lachen durch die modrigen Räume, wie jauchzten deine Lieder den Schwalben hinterdrein. Und du schmucker Dudel, von all deiner Sommer­seligkeit blieben nur dein putziger (Harne und windschiefe Mauerreste. Hier Iaht uns Hütten bauen." Er landet, zieht sein fahrend Gut auf die Wiese und baut sich das Zelt auf, mit Zurrleinen und Kauschen fest abgeftagt unter den tief hangenden Fittichen der sturmzerzausten Linde.

Der romantische Unsinn steht ja auch noch da, das Herz, das wir in die Rinde kerbten. Und unsere Heckenrose blüht noch ebenso reichhaltig." Er pflückt sich einige Blätter, zerreibt sie auf der Handfläche:Und riecht noch genau so be­kömmlich nach frischen Aepfeln."

Der Abend wallfahrtet mit geschwungenen Fackeln über den Horizont, die Rächt wandert mit gesenkten Schleiern hinterdrein. Von Sternen träufelt Traum herab. Im Lindenwipfel kichert ein verschlafener Eichelhäher, der leise Wind summt ihn zur Ruh'. Aus dem flachen Zelt starren weite Augen über Fluh und Flur, wo die Rehe im Rebel tonten, toofern am Wald­rand ei*n einziges, ruhiges Licht steht ein Fenster des Forsthauses und too nur der schrille Ruf der Käuzchen durch die ungeheirre Stille irrlichtert.

Was haben denn nur diese bösen Jahre aus mir zusammengestuht? Mir ist ja gespenstisch fremd der Geist, der hier einst seines Lebens Krone in Händen zu tragen glaubte und sie der Liebe aufs Haar legte! Din ich denn verdorrt in der Hatz der Werkeltage? Wie nur konnte ich Denn nie dieses Dudels hier und dort des Fvrsthauses gedenken? So liege ich nun hier wrack und rechne meine Habe zusammen: ich sehe, meine Freuden waren Truggold und das Herz klang nie in einem echten Lachen mit! Ruhig geht durch das helle Schweigen der einförmige Arem des Flusses, sanft begleitet von der Sing- stimme des Windes.

Ich habe mich verriegelt, gehärtet und von Tag zu Tag gezerrt, ohne mir einen Aufblick zu gönnen. Wein Gewissen habe ich eingelullt mit allerlei schönen Düchem. Theaterei und Musikgetu und habe mir damit einen Vorhang vor das Heiligtum des Menschen gezogen, bis ich ein Abbild für das Leben hielt und mich verlor. Stena, wußten wir es nicht beide grund- fest, dah Wenschsein heißt: einander helfend Bist du darum gestorben, dah du mich heute mahnst und weckst? Dah ich fühle, wie unnergäng- | sich, wie ewig das Leben ist, da es fvrtwirkt als I tätige Kraft des guten Geistes? Bist du ujrt

mich, Lena?" Die Rächt schreitet über das mondenweihe Land, ein Zipfel ihrer Schleier streift über das einsame Zelt, schließt rastlose Augen zum Schlaf.

Jähses ja, nee, Ji sind bat, Herr Heimer, Ji letoet noch? Kiek eener an. Ree, ick hätte Ji nich mehr erkannt. Ree, wat ick mir freuen tu'! Der verwitterte Forstknecht, Der Piepenkarl, schüt­telt ihm unentwegt die Hand.So, mit een Kahn sünd Ji anEoamcn? Dien Dudel liggt hei> joa joa, der Dudel hecht nuLenas Ruh", weest Ji bat nich? Der Roame steiht all in die Landkarten, der Herr Förster hat mich dat wiesen, linse Lena! Laten's man, as die noch lewte, da was immer gut Wedder. Wo die hinkam un hinkiekte, da was der blanke Sonnenschein in alle Oogcns. Js nu alles vörbi, alles bot Joa, gähn Ji man binnen, warten Ji een Strämel. der Herr Förster is int Holt, Firn mit atoerft gsieks torück." Wie einst raunen die uralten Bäume um das Forsthaus, wilder Wein und Efeu haben es noch dichter umsponnen. Durch den kühlen Flur mit dem heimeligen Geruch der geölten Stiefel tritt er in die Stube. Die Sonne liegt in breiten Bändern herein.

ilnb mit eins eft die Zeit um all die schlimmen Jahre zurückgestellt. Alles ist. wie es war: Hausrat. Gehörn, Bücher, das abgeschabte Dachs- feil vor dem Ofen, von dem ihn der ergraute Dackel mit sachtem, freudigem Ruteklopfen be­grüßt, der Duft, der Friede. Er steht und sieht nicht mehr, fühlt nur und hört den brennenden Puls seines Blutes. Don draußen erflingt das Geläut der Kühe und das Lied des Hütejungen das gleiche wie damals:Juh ja der olle Fritze, das war ein feiner Mann, hat eine Zippelmütze und eine Klunker dran"

Er öffnet die Augen: warm steht der Sonnen­schein aus der Wand, auf einem Bildnis zwi­schen frischen Tannenr eisern ein schmaler Mädchenkopf, innig lächelnd, leis zittert das Licht über Helles Haar und große, stille, ein­dringliche Qlugen. ilnb darunter einige seine Bleistiftzeichnungen: der Dudel in seiner alten Märchenseligkeit hinter hohen Sonnenblumen halb verkrochen, ein Grabstein unter lieblichen Jungbirken.

Die Fäuste stemmt er hart beiderseits gegen die Wand.Ich habe mich um all die Jahre geprellt, seit du von mir gingst." Dreht sich um und geht hinaus, über den Flur, über den Hof.

Ji wollt all wieder gähn, Herr Heimer?" Ja, Piepenkarl, ich komme aber bald wieder euch besuchen. Grüß den Förster recht herzlich

und sag ihm, ich sei ein Dtertelstündchen auf seiner Ofenbank in der Sonne gesessen, und daS danke ich ihm. Auf Wiedersehen, lieber Piepen­karl, und hier meinen Tobacksack, den schenk ich dir. Red' nicht, ich habe noch mehr. Run muh! ich noch einen Sprung ins Dorf, einen Packen Schokolade kaufen: den Schleusenbengels bin ich sie noch schuldig. War eine schöne Fahrt heute, ich habe mir die Augen ordentlich blank gewaschen, ilnb mein Doot soll von nun anDudel" heihenl Leb' wohl, Piepenkarl!"

Fern verklingen die (Sloden der Herde iml Wald. Die Sonne wandert verschwenderisch gen Mittag.

Zeitschriften.

Wie kann ein Mensch oder ein Volk den Geisteskampf seiner eigenen Tage bestehen? In seinem AussatzDie Stunde der Theologie" im Juli-Heft derZeitwende" (C. H. Deck, Mün­chen), einem Mahnwort von unüberhörbarem Ernst, antwortet Heinrich Schmid-Kugelbach auf diese Frage: weder durch Betrachtung Der Wirt­schaft oder Der Politik, noch durch irgendein äuße­res Tun, sondern durch Besinnung auf die tiefften Glaubensdinge. Der Aufsatz stellt eine Zeitkritik dar, die mit unerbittlicher Schärfe in die geiftige Verworrenheit und Wurzellosigkeit unserer Gegenwart hineinleuchtet uno der Theologie die große Aufgabe stellt, eine seelenlose Asphalt­zivilisation wieder zurückzuführen zur wahren Schöpfungsordnung in Familie und Volkstum. Ein heute vielerörtertes Problem untersucht auch der Beitrag von Professor Max Zollinger Die höhere Schule und der Gegensatz der Gene­rationen". Tiefes Verständnis für Lage und Hal­tung der jungen (Seneration Derbinbet sich hier mit der Einsicht, daß die Jugend nicht nur nach verständnisvollem Eingehen auf ihr Eigenleben, sondern im Innersten auch nach toirflid>er Füh­rung verlangt.

Im Juliheft Der Münchener Monatsschrift ,.D i e K u n ft", Verlag F. Drückmann AG. Mün­chen, sehen tobt Blatt um Blatt Schöpfungen, die uns zeigen, daß es für das künstlerische Erleb­nis keine Grenzen gibt. Deutsche Maler vermit­teln uns darin das farbenglühende Bild ita­lienisch« und afrikanischer Städte und Land­schaften, no-rwegische Meister zeigen uns Die Menschen ihres Landes, wie sie ihr Künstler­auge sieht. Eigenheimbauten, neuzeitliche Woh­nungskunst, plastische Arbeiten in Majolika. An­regungen für Die Anlage von sonnenerfülltem Wohngärten -eigen, in welchem AusmaßeDie Kunst" ihrer Aufgabe zu Dienen sucht.