Kat
ZusktintielnRechir, ^nbeiten,(SefUlK 5? «« «eobofr ?^u^eberivachg JS. Stmiiilunatn Dtei6iö,|tten8 bitte u-an all. vnrn ^ u- erledig, DiUktii. SftU!lku,W heim. Karstr. 17. *
ad)Utlg. *U&™ n noch hj.
°" Ömers "" " « 1931.' i,ät5mertt iu "^>-L ^chung.
Ä1™ h,8t :fen (?? t9erm(l‘ : Jeit i^lUitf, ober S i der '°ben auch bie
Puh 1931.
Sä J»d«n.Teüuhj(7uUL“ Eiwnnibe'JibnlhhLTk SU. aus IJahrod. länger mrnEicherhetlund auie Zinsen von «reibligeb. »u leiben gesuchk. Lchr, Lng. unter W9 an den Äiehener An,eign.
Auto-Tausch
Lvel'Limousme.sebr gut erhalten, wird gegen einen fleinen' BMW-Sagen inur neu.Typel gelauscht. Schristl. Angeb. nut. üMand.Gien.An». I Vereine /
. Rückständige «nmel> \ düngen b. svateiieno * 6.9nli erbeten.J7' Lonntag. 5. Juli. uorntlOllbr, ivtüb'
äs
5t 83
eint, itflt. Wi-
if.
«i
i ).l [L zn tfl. nt. n,-
hiii-
Tagesordnung.
•sw*
Wi'M abe^' , u «hier.
der f|S'aB । jurf-WW® TagesorS»»^ w ZiS-7 !Sg-SS $er w'^enw'r otön«Äeö uns ■& E ME I a"1 mehle*1 un ■ VLS"'
. Ihn te»Elc
Samstag, 4- 3uli 1951
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Nr. 154 Zweites Blatt
Landnöten.
ORan wird nicht behaupten können, daß da« Der- halten der preußischen Regierung gegenüber der vom 4. b.S 12. 3uli geplanten lommumfli- schen Spvrtwoche .Spartakiade" genannt, einen besonders imponierenden Eindruck gemacht habe Erst wurde das Verbot der Deranstal- tung ausgesprochen, dann wurde den kommunistischen Versprechungen geglaubt, dah sich alles in Ruhe und Ordnung und rein sportmäßig vollziehen werde, woraus die Genehmigung erteilt Durde Dabei liehen die Vorbereitungen der Kommunisten, die Sprache ihrer Presse und die Ankündigungen ihrer Plakate an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Da.ß die seine Unterscheidung zwischen der Kommunistischen Partei und dem sparlakistischen Sportverein nur eine durchsichtige Täuschung sein konnte, hat man wohl auch beim Preuhischen Innenministerium erkannt. Deshalb hat die Zurückziehung des Verbotes der Spartakiade auch bei der Reichsregierung lebhaftes Erstaunen hervorgerufen. Don dieser Seite dürsten der preußischen Regierung auch die berechtigten Vedenken über einen ruhtgen Verlauf der Veranstaltung, zugleich mit dem Hinweis auf den schlechten Eindruck im Auslande, deutlich ausgesprochen worden sein. Es bedurfte aber erst der schweren Zusammen st öhe, die von den Kommunisten in Berlin organisiert waren und bei denen ein pflichttreuer Beamter erschossen wurde, um die bessere Einsicht in preuhischen Regierungskreisen wieder herzustellen. Ls kam wiederum zu einem Verbote der Spartakiade, gleichzeitig wurde das .Internationale Komitee", das sich für diese Veranstaltung gebildet hatte, aufgelöst und das Tragen der dafür geschaffenen Abzeichen verboten.
Man besitzt an amtlichen Stellen genügend Material, um zu wissen, in welcher Form die Kommunisten die Vorbereitungen zum Bürgerkrieg betreiben. Für die in den letzten Wochen stattgefundenen Ruhestörungen im Ruhrgebiet sind regelrechte taktische Vorschriften ausgcgeben worden, die auch für andere Gegenden Geltung haben sollten. Als ihr Ziel wird die Zertrümmerung der Polizeikräfte und die Untergrabung der staatlichen Autorität bezeichnet. Don .harmlosen" Demonstrationen, die unter verschiedenen Dorwänden organisiert werden, bis zu solchen Kundgebungen, die durch Bewaffnete geschützt werden und bis zur „boberen Form" der bewaffneten Demonstration siird genaue Bestimmungen getroffen, die sich in den Händen der Führer befinden. Wenn die preu- hische Polizei derartiges Beweismaterial seit längerer Zeit besitzt, so muh man erst recht darüber erstaunt sein, daß sie auch nur vorübergehend daran gedacht hat, die Spartakiade zu gestatten. Die Vorgänge im Berliner Osten haben dann klar gezeigt, daß die Zusammenrottungen nach einem ganz bestimmten Plane unter zentraler Leitung vor sich gegangen sind. So kommt das Derbot der Spartakuswoche reichlich spät, aber hoffentlich nicht zu spät.
Die Polizei wird in den nächsten Wochen gegenüber dem Ansturm der Linksradikalen einen schweren Stand haben, und sie darf nicht in die Gefahr kommen, ihre Kräfte im Kampfe mit vielen einzelnen Demonstrationen zu verzetteln und zu verbrauchen. Das Beispiel der hessischen R e g i er u n g, die kurzer Hand für die Zeit vom 6. Juli bis 9. August alle öffentlichen politischen Der an st al tun gen in geschlossenen Räumen sowohl wie unter freiem Himmel verboten hat, könnte somit zur Rachahrnung anregen. Auf alle Fälle ist es notwendig, dah die Oeffentlichkeit des In- unb Auslandes weiß, dah die staatlichen Machtmittel ausreichen, um alle "Versuche zum Bürgerkrieg im Keime zu ersticken. Die Polizeikräfte werden die nötigen Anweisungen besitzen, um von Anfang an scharf durchgreifen zu formen. Gerade in den Tagen, in denen der Berliner Vertrag mit der
Die Bekehrung.
Don Kurt Bock.
In den beiden Luggersegeln liegt stramm und stetig die Frühbrise, langsam gleitet mit murmelndem Bug das ranke Faltboot flußauf; das Doppelpaddel feiert. In einem Rausch von Eonnengold hangen die Flötenttiller der Lerchen, ein Entenschoof gluckst im geigenden Schilf, Sensendengeln läutet in der Ferne.
„Wenn gerade die Gemütlichkeit anhebt, muß wieder so eine niederträchtige Schleuse die Fahri sperren", brummt der Wasserwanderer durch die verwehenden Rauchschnörkel seiner Frühstücks- pseife und dreht mit schwungvoller Wende am Treidelweg bei. Als er die Segel birgt und Masten legt, glubscht allbereit« eine Bengelbande von der Uferböschung herab, die Zeigefinger in den sonntagssauberen Rasen. ..Kommt mal ran. ihr Lümmels, und zugepackt!" Friedlich räkelt er sich ins Graß, läßt sich das Boot auf Land trecken und auspacken; dann schraubt er den kleinen Schlehpwagen unterm Kiel zusammen, verteilt die Staulast in die kleinen Arme und verzieht mit seiner Karawane oberhalb der Schleuse, wo er Pack und Sack wieder ins Wasser sehen läßt.
Ein Stoß mit dem Bootshaken, und der Wind bläht wieder die Leinwand. Ein zutraulichen Kater erhält noch einen tüchtigen Paddel-Schrägschlag Wassers über den verblüsften ©trubbet- kopp. Der Schleusenmeister poltert auf seiner Drucke! „Das Schleusengeld", die Glubschmünder grohlcn „©miet nen Groschen ruut!“ Er dreht allen Enttäuschten seinen großstädtischen Rücken zu und gondelt weiter flußauf: „Immer arbeiten lassen und nicht verzweifeln; was ich nicht toiH, das man dir tu', das füg ich allen andern zu; und wer andern eine Grube gräbt, hat Gold im Munde."
Die Weiden auf blumenbeftickten Wiesenteppichen strählen ihr Haar in den Wellen, satt- rot leuchten die zackigen Kiefemstämme am Waldeshange. Ein Kranich rudert lautlos hinauf in den unendlichen Glanz. Hinter mannshohem Ried öffnet sich ein oee. am Ufer schläft unter Vlumcnwildwuchs ein verfallenes Schnitter- Häuschen.
„Das ist ja der, „Dudel", in dem wir damals Herr und Frau Robinson spielten, wir, Lena und ich. — acht, neun Iahre sind seitdem schwer über mich dahingerollt ... ja, das waren doch diese seligen Monde in dem Iahr vor ihrem Tode. — du liebe, silberblonde Lena. Wie tanzte
Sowjetunion verlängert worden ist, muh den Kommunisten klar gezeigt werden, dah die deutschen Regierungen, gleichgültig, von welchen Parteien sie gestützt sind, jedem Anschlag aus den Staat und seine Organe mit größter Energie begegnen. Die Russen selber haben übrigens bei allen Gelegenheiten zu erkennen gegeben, dah sie sich in diesen innerdeutschen Kamps nicht ein- mischen. Das mag offiziell richtig fein. Tatsächlich aber besteht kein Zweifel darüber, dah alle Demonstrationen in den Kampfplan der kommunistischen Internationale gehören, die ihren Sitz in Moskau hat.
Die Woche vor dem Haf.bjahresschluh brachle, wie alljährlich, noch eine Hochflut von Generalversammlungen. Den Aktionär und natürlich auch die Allgemeinheit interessieren vor allem die Ausführungen über die Geschäftslage und die Aussichten für das neue Iahr. Da die Generalversammlung der einzige Ort und die einzige Gelegenheit ist. bei der auch der Aktionär einmal zu Worte kommen kann, wird dies gerade in den gegenwärtigen schlechten Zeiten vielfach ausgenutzt, um Anklagen und Wünsche bet der Verwaltung vorzubringen. Ein typische« Beispiel für eine Derartige Protestversammlung war die der Rudolf-Kar st adt-A. -G., die ihre Aktionäre mit einem außerordentlich hohen Ver'.ustabschluh für 1930 beglückt hatte. Sieben Stunden währte der Kamps um die Aufklärung der Tatbestände, die zu den auher- gewöhnlichen Verlusten geführt haben. Man lann sich des Eindrucks nicht erwehren, dah neben einer ganzen Reihe von verfehlten Transaktionen vor allem der ungeheure Ex- pansionsdrang mit der dadurch bedingten Pumpwirtschaft bei den Danken die traurige Lage und die wenig erfreuliche Liquidität der Gesellschaft herbeigeführt hat. Selbst bei besserer Wirtschaftslage schloh diese zu schnell vvrgetrie- bene Ausbreitung grafte Gefahren Momente in sich. Wenn jetzt auch bei Karstadt der Wille zum Systemwechsel vorhanden ist, so scheint man sich doch über die Marschroute in Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage nicht so ganz Kar zu fein. Man sieht wohl momentan, abgesehen von Urvfoftenabbau und Verringerung des Warenlagers, keine andere Hilfe, als die Aufnahme neuer Bankkredite, über die man bereits verhandelt.
Dah Warenhausbetriebe auch besser arbeiten können, zeigt der Abschluh der Leonhardt- Ti e h - A. - G.. die ihre Expansionspolitik zur rechten Zeit abgestoppt hat. Diese Gesellschaft konnte ihre Dividende mit 8 Prozent aufrechterhalten und jetzt in der Generalversammlung berichten, dah Die Geschäftslage im neuen Iahre im Hinblick auf die anhaltende Krise sogar als gut bezeichnet werden könne. Offen bleibt natürlich die Frage, wie sich die neue Rotvcr- o r d n u n g auf die Konsumkraft der Bevölkerung und dann wiederum auf die Geschäftstättgkeit sich auswirken wird. Eine jetzt aus den Generalversammlungen immer wiederkehrende Frage ist die nach der Berechtigung des Rückkaufs eigener Aktien. So vertrat man z. D. auf der Versammlung der Berlin-Karlsruher Industriewerke auf Aktionärseite die Meinung, dah ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Rückkauf der Aktien bei der DD.-Dank und bet I- G.-Farben einerseits und der Berlin-Karlsruher andererseits bestehe, da dort der Rückkauf aus dem Gewinn, hier aber anscheinend aus der Substanz erfolgt sei. Da sich auch eine Reihe von anderen Firmen zu diesem Schritt entschlossen haben — wir erinnern an die Daimler- Benz-A.^., an die Berliner Kindl-Drauerei, die ihre Genuhscheine früher gekündigt hat — und auch andere Firmen zwecks Entlastung des Unternehmens einen Aktien rückkauf ins Auge fassen, gilt es, diese Vorgänge genau zu verfolgen, da diese Frage für die Oeffentlichkeit von
ganz prinzipieller Bedeutung ist und deshalb auch zu juristischen Verwicklungen führen kann.
Run ist also die Entscheidung doch gefallen: Der Massenmörder Kürten ist vom preußischen Staatsministerium nicht begnadigt, sondern dem Henker überliefert worden! Das beleidigte Volks- empfmben, das diesem Unhold in Mentchengcstalt trotz aller psychologischen Deutungsversuche verständnislos gegenüberstand, hat feine Genugtuung gefunden. Die Gegner der Todesstrafe haben zwar auch Kürten noch zu retten versucht, und es scheint, dah auch dem preußischen Staatsministerium der Entschluß nicht leicht gefallen ist. Aber einstweilen besteht nach dem geltenden Gesetz die Todesstrafe noch zu Recht, und wenn ein Fall denkbar ist, auf den sie angewandt werden muhte, dann lag hier bei Kürten ein Schulbeispiel vor. Iedes menschliche Zusammenleben ist nun einmal an bestimmte Gesetze gebimben, deren erstes die Achtung vor dem Leben des anderen Ht Wer sich mit so souveräner Verachtung darüber hinwegfetzt, wer aus Hemmungslofigkeit oder aus falsch geleiteten Raturtrieben in der Abschlach- tung unschuldiger Opfer den Zweck feines Daseins sicht, der hat das Recht auf die weitere Zugehörigkeit zur Gemeinschaft verwirkt.
Welche Folgen eine falsch angewandte Humanität unter Umständen haben taim, dafür ist der
Fall Kürten ein Beweis. Am 22. April verurteilte das Gericht ihn zum Tode, in der eriten Hälfte des Mai lag die schriftliche Begründung dem Gnadenbeauftragten vor. der sie dann dem preuhischen Iuftizministerium zuleitete, feitc^m wartet der Mörder auf fein Hchickfal. Man hat behauptet, dah er über diese Ungewißheit dem Irrsinn nahegekommen fei. Das ist amtlich heft ritten worden, aber wenn es richtig ist, dann liegt darin nur eine Bestätigung für daS abnorme Nervensystem dieses Mannes. Denn es kann doch nichts Grauenbafteres geben, als Woche für Woche auf die Hinrichlung zu warten, täglich das Gefühl zu haben, dah dieser Tag der letzte sein könne und daß im Morgengrauen der Henker in die Zelle eintritt. Das ist eine Unmenschlichkeit, die in ihrer Wirkung an die schlimmsten Methoden mittelalterlicher Seelentortur heranreicht. Wir beneiden einen Minister nicht um die Verantwortung. die er mit der Bestätigung eine» Todesurteils übernimmt. Aber den Mut zur Verantwortung muh er zeigen; und vor allem im Interesse des Delinquenten wie der Menschlichkeit den Mut zum raschen Entschluß Deshalb darf man wohl hoffen, dah ein folgjcc Fall sich künftig nicht wiederholt, daß vielmehr die Entscheidung über Leben und Tod. wenn einmal das Urteil gesprochen ist, in kürzester Zeit fällt.
Das deutsche Chequers in der Schorfheide politisches Wochenende in Hubertusstock. - Preußens größtes Naturschutzgebiet und Tierparadies.
Tief und klar ist das Wasser des Werbellinsees, 6er von Berlin auS nicht gut zu erreichen ist, und den daher der Strom der Ausflügler nicht berührt. In der Rähe der Diermillionen» stabt kann sich die Ratur ihre Ursprünglichkeit nicht bewahren. Aber in der ©chorsheide. die sich am Werbellinsee hinzieht und etwa 370 Quadratkilometer bedeckt, gibt es noch allen Wald mit Unterholz, Hochmoor mit seltenen Pflanzen, gewaltige Buchen und vielhundertjährige Eichen auf grüner Waldwiese.
Von Eberswalde fährt das Auto eine halbe Stunde, dann ist man in Preußens größtem Raturschutzgebiet, das der Wanderer nur auf bestimmten Wegen durchstreifen darf, damit das Wild nicht aufgeftört und aus seiner Reihe gebracht wird. Dort in der Schorfheide steht Schloß Hubertus stock, das weniger wie ein Schloh, mehr wie ein Schweizer Landhaus aussieht. Dorthin hat die Reichsregierung den englischen Premierminister und den
englischen Außenminister eingeladen. Es ist kein Palast, kein Herrensitz im Stil von EhequevS. Aber es ist ein sehr wohnlicher Aufenthalt, und die englischen Minister, die für unverfälschte Ratur schwärmen, werden sich in dieser Umgebung wohl fühlen. Schließlich haben sich schon andere verwöhnte Leute gern in Schloß Hubertusstock aufgehalten! Friedrich Wilhelm IV. lieh daS Jagdhaus im Jahre 1849 neben einem aus ©ÜD- deutschland stammenden Bildstock deS Heiligen Hubertus erbauen. Die Hohenzollem gaben dort Jagdgesellschaften; auch Wilhelm II. hielt sich gern in der Schorfheide auf und lud andere Monarchen zu sich ein. König Viktor Emanuel II. von Italien war dort sein (Saft, Kronpruiz Rudolf von Oesterreich wohnte in Hubertusstock, die Könige Albert und Georg von Sachsen gingen dort gern auf die Jagd, und im Fremdenbuch stehen die Hamen von Herzögen, Fürsten und Prinzen. Diele Hohenzollernprinzen verlebten in der Einsamkeit der Schorfheide ihre Flitterwochen.
I
c* Ä. F
1*61 ' »>
Das dem preußischen Staat gehörige Jagdschloß Hubertusstock am Werbellinsee, wo am 18.3ull die englischen Minister Macdonald und Henderson ihr Wochenende als Gäste der deutschen Regierung verbringen werden.
dein Lachen durch die modrigen Räume, wie jauchzten deine Lieder den Schwalben hinterdrein. Und du schmucker Dudel, von all deiner Sommerseligkeit blieben nur dein putziger (Harne und windschiefe Mauerreste. — Hier Iaht uns Hütten bauen." Er landet, zieht sein fahrend Gut auf die Wiese und baut sich das Zelt auf, mit Zurrleinen und Kauschen fest abgeftagt unter den tief hangenden Fittichen der sturmzerzausten Linde.
„Der romantische Unsinn steht ja auch noch da, das Herz, das wir in die Rinde kerbten. Und unsere Heckenrose blüht noch ebenso reichhaltig." Er pflückt sich einige Blätter, zerreibt sie auf der Handfläche: „Und riecht noch genau so bekömmlich nach frischen Aepfeln."
Der Abend wallfahrtet mit geschwungenen Fackeln über den Horizont, die Rächt wandert mit gesenkten Schleiern hinterdrein. Von Sternen träufelt Traum herab. Im Lindenwipfel kichert ein verschlafener Eichelhäher, der leise Wind summt ihn zur Ruh'. Aus dem flachen Zelt starren weite Augen über Fluh und Flur, wo die Rehe im Rebel tonten, too ‘fern am Waldrand ei*n einziges, ruhiges Licht steht — ein Fenster des Forsthauses — und too nur der schrille Ruf der Käuzchen durch die ungeheirre Stille irrlichtert.
„Was haben denn nur diese bösen Jahre aus mir zusammengestuht? Mir ist ja gespenstisch fremd der Geist, der hier einst seines Lebens Krone in Händen zu tragen glaubte und sie der Liebe aufs Haar legte! Din ich denn verdorrt in der Hatz der Werkeltage? Wie nur konnte ich Denn nie dieses Dudels hier und dort des Fvrsthauses gedenken? So liege ich nun hier wrack und rechne meine Habe zusammen: ich sehe, meine Freuden waren Truggold und das Herz klang nie in einem echten Lachen mit!“ Ruhig geht durch das helle Schweigen der einförmige Arem des Flusses, sanft begleitet von der Sing- stimme des Windes.
„Ich habe mich verriegelt, gehärtet und von Tag zu Tag gezerrt, ohne mir einen Aufblick zu gönnen. Wein Gewissen habe ich eingelullt mit allerlei schönen Düchem. Theaterei und Musikgetu und habe mir damit einen Vorhang vor das Heiligtum des Menschen gezogen, bis ich ein Abbild für das Leben hielt und mich verlor. Stena, wußten wir es nicht beide grund- fest, dah Wenschsein heißt: einander helfend Bist du darum gestorben, dah du mich heute mahnst und weckst? Dah ich fühle, wie unnergäng- | sich, wie ewig das Leben ist, da es fvrtwirkt als I tätige Kraft des guten Geistes? Bist du ujrt
mich, Lena?" — Die Rächt schreitet über das mondenweihe Land, ein Zipfel ihrer Schleier streift über das einsame Zelt, schließt rastlose Augen zum Schlaf.
„Jähses ja, nee, Ji sind bat, Herr Heimer, Ji letoet noch? Kiek eener an. Ree, ick hätte Ji nich mehr erkannt. Ree, wat ick mir freuen tu'!“ Der verwitterte Forstknecht, Der Piepenkarl, schüttelt ihm unentwegt die Hand. „So, mit een Kahn sünd Ji anEoamcn? Dien Dudel liggt hei —> joa joa, der Dudel hecht nu „Lenas Ruh", weest Ji bat nich? Der Roame steiht all in die Landkarten, der Herr Förster hat mich dat wiesen, linse Lena! Laten's man, as die noch lewte, da was immer gut Wedder. Wo die hinkam un hinkiekte, da was der blanke Sonnenschein in alle Oogcns. Js nu alles vörbi, alles bot Joa, gähn Ji man binnen, warten Ji een Strämel. der Herr Förster is int Holt, Firn mit atoerft gsieks torück." Wie einst raunen die uralten Bäume um das Forsthaus, wilder Wein und Efeu haben es noch dichter umsponnen. Durch den kühlen Flur mit dem heimeligen Geruch der geölten Stiefel tritt er in die Stube. Die Sonne liegt in breiten Bändern herein.
ilnb mit eins eft die Zeit um all die schlimmen Jahre zurückgestellt. Alles ist. wie es war: Hausrat. Gehörn, Bücher, das abgeschabte Dachs- feil vor dem Ofen, von dem ihn der ergraute Dackel mit sachtem, freudigem Ruteklopfen begrüßt, der Duft, der Friede. Er steht und sieht nicht mehr, fühlt nur und hört den brennenden Puls seines Blutes. Don draußen erflingt das Geläut der Kühe und das Lied des Hütejungen — das gleiche wie damals: „Juh ja der olle Fritze, das war ein feiner Mann, hat eine Zippelmütze und eine Klunker dran —"
Er öffnet die Augen: warm steht der Sonnenschein aus der Wand, auf einem Bildnis zwischen frischen Tannenr eisern ein schmaler Mädchenkopf, innig lächelnd, leis zittert das Licht über Helles Haar und große, stille, eindringliche Qlugen. ilnb darunter einige seine Bleistiftzeichnungen: der Dudel in seiner alten Märchenseligkeit hinter hohen Sonnenblumen halb verkrochen, — ein Grabstein unter lieblichen Jungbirken.
Die Fäuste stemmt er hart beiderseits gegen die Wand. „Ich habe mich um all die Jahre geprellt, seit du von mir gingst." Dreht sich um und geht hinaus, über den Flur, über den Hof.
„Ji wollt all wieder gähn, Herr Heimer?" „Ja, Piepenkarl, ich komme aber bald wieder euch besuchen. Grüß den Förster recht herzlich
und sag ihm, ich sei ein Dtertelstündchen auf seiner Ofenbank in der Sonne gesessen, und daS danke ich ihm. Auf Wiedersehen, lieber Piepenkarl, und hier meinen Tobacksack, den schenk ich dir. Red' nicht, ich habe noch mehr. Run muh! ich noch einen Sprung ins Dorf, einen Packen Schokolade kaufen: den Schleusenbengels bin ich sie noch schuldig. War eine schöne Fahrt heute, ich habe mir die Augen ordentlich blank gewaschen, ilnb mein Doot soll von nun an „Dudel" heihenl Leb' wohl, Piepenkarl!"
Fern verklingen die (Sloden der Herde iml Wald. Die Sonne wandert verschwenderisch gen Mittag.
Zeitschriften.
— Wie kann ein Mensch oder ein Volk den Geisteskampf seiner eigenen Tage bestehen? In seinem Aussatz „Die Stunde der Theologie" im Juli-Heft der „Zeitwende" (C. H. Deck, München), einem Mahnwort von unüberhörbarem Ernst, antwortet Heinrich Schmid-Kugelbach auf diese Frage: weder durch Betrachtung Der Wirtschaft oder Der Politik, noch durch irgendein äußeres Tun, sondern durch Besinnung auf die tiefften Glaubensdinge. Der Aufsatz stellt eine Zeitkritik dar, die mit unerbittlicher Schärfe in die geiftige Verworrenheit und Wurzellosigkeit unserer Gegenwart hineinleuchtet uno der Theologie die große Aufgabe stellt, eine seelenlose Asphaltzivilisation wieder zurückzuführen zur wahren Schöpfungsordnung in Familie und Volkstum. — Ein heute vielerörtertes Problem untersucht auch der Beitrag von Professor Max Zollinger „Die höhere Schule und der Gegensatz der Generationen". Tiefes Verständnis für Lage und Haltung der jungen (Seneration Derbinbet sich hier mit der Einsicht, daß die Jugend nicht nur nach verständnisvollem Eingehen auf ihr Eigenleben, sondern im Innersten auch nach toirflid>er Führung verlangt.
— Im Juliheft Der Münchener Monatsschrift ,.D i e K u n ft", Verlag F. Drückmann AG. München, sehen tobt Blatt um Blatt Schöpfungen, die uns zeigen, daß es für das künstlerische Erlebnis keine Grenzen gibt. Deutsche Maler vermitteln uns darin das farbenglühende Bild italienisch« und afrikanischer Städte und Landschaften, no-rwegische Meister zeigen uns Die Menschen ihres Landes, wie sie ihr Künstlerauge sieht. Eigenheimbauten, neuzeitliche Wohnungskunst, plastische Arbeiten in Majolika. Anregungen für Die Anlage von sonnenerfülltem Wohngärten -eigen, in welchem Ausmaße „Die Kunst" ihrer Aufgabe zu Dienen sucht.


