Ausgabe 
3.6.1931
 
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bruch des ganzen politischen Shsteins gedroht, und eS habe nur die Alternative gegeben: Kabi­nett Brüning oder offene faschistische Diktatur. Eine Verhinderung des Panzerschisf- baues sei unmöglich gewesen: man hätte nur den Sturz Groeners herbeigesührt und den Rational- sozialisten den Weg in die Regierung geöffnet. Die große Mehrheit der Reichstagsfrattion halte die Aktion der neun Mitglieder, die gegen den Panzerkreuzer stimmten, für einen gefährlichen, das politische Ansehen der Fraktion schwer erschütternden Disziplin bruch. Gr erwarte, daß der Parteitag den Schritt der Reun verurteilen und Garantien gegen eine Wie­derholung solcher Disziplinbrüche schaffen werde. Der Parteitag müsse eine ganz klare Entscheidung treffen. Am Schluffe seiner Ausführungen erklärte Sollmairn mit erhobener Stimme, der Reichskanz­ler und der Innenminister sollten sich gesagt sein lassen, daß die Sozialdemokratie eine Kulturdiktatur der christlichen Welt- anschauung gegenüber dem Freidenker- t u m nicht zulassen werde.

Richt nur in der Partei, sondern im ganzen deutschen Arbeiteroolk wache sich eine tiese Ent­täuschung über die Regierung Brüning breit. Mit Sparmaßnahmen und Drosselung der So­zialpolitik sei die Krise nicht zu beheben. Un­mittelbar nach dem Erscheinen der neuen Rot­verordnung werde die sozialdemokratische Reichs­tagsfraktion zusammentreten, um unabhängig von der Regierung ihre Entschlüsse zu fassen.

In der Rachmittagssihung begann die Aus­sprache über die Referate. Die Aussprache wird auch den ganzen Mittwoch nod> in An­spruch nehmen. Die Abstimmmrgen sind nicht vor Mittwochabend zu erwarten.

'Der Führer der Opposition, Seydewitz-Zwickau,

wurde von einem Teil der Versammlung, beson­ders aber von der Tribüne, mit Beifall begrüßt. Er stellte fest, daß die oppositionellen Fraktions­mitglieder in vollem Derantwortungsbewußtsein gehandelt hätten. Die Taktik der sozialistischen Fraktionsmehrheit habe bisher auf der Erwar­tung basiert, daß man in absehbarer Zeit über die wirtschastlichen Schwierigkeiten hinwegkomme. Wenn Sollmann gesagt habe, es gebe Gren­zen der Tvlerierungspolitik, so frage es sich eben, wo diese Grenzen erreicht sind. Er sei der Meinung, daß sie erreicht waren bei der Entscheidung über Len Panzerkreuzer. 3m übrigen sei es nicht besonders erfreulich, zu hören, daß der Parteitag zu der Rotverord­nung deshalb noch nicht Stellung nehmen könne, weil man ihren Wortlaut noch nicht kenne. Die Regierung könne der stärksten Partei des Reichs­tages, oon der sie unterstützt wird, zwei Tage vor dem Abschluß nicht sagen, was m der Rot­verordnung steht. (Hört, hört!)

Auch ohne Wortlaut könne der Parteitag schon eine Entscheidung über die Rotverordnung treffen. Der Parteitag habe die Pflicht, zu fragen, ob hier nicht die Grenze der Tolerie­rungspolitik erreicht sei.

(Beifall und Händeklatschen auf den Tribünen.) Wir stehen", so schloß Seydewih,nicht reu­mütig vor dem Parteitag, sindern sind von der Richtigkeit unserer Auffassung überzeugt. 3n den nächsten Wochen wird auch die Gesamtpartei auf unseren Weg gezwungen werden. Richt Leicht­fertigkeit hat unser Handeln bestimmt, sondern die Sorge um die Partei und die Arbeiterbe­wegung, die Sorge um die Einheit der Partei. (Lachen. Stürmisches Händeklatschen und Bra­vorufe auf den Tribünen. Große Unruhe.)

Die übrigen Redner.

Frau Sender hält es für nötig, der Regie­rung Brüning bei ihrer nächsten Rotverord­nung ein energischesH alt!" entgegenzustellen. Dr. Rosenfeld stellt die Einmütigkeit der Partei fest in dem Willen, den F ä s ch i s - mus zu bekämpfen. Aber der Weg, den Partei­dorstand und Fraktionsmehrheit gehen, sei nicht der richtige. Es müsse Schluß gebracht werden mit der Tolerierungspolitik. Reichstags­abgeordneter H o c g n e r-München bezeichnete als eine wesentliche Ursache für das Anwachsen des Rationalsozialismus die Tatsache, daß die Sozial­demokratie in den vergangenen Jahren dem Volke die Erfüllungspolitik doch wohl allzu schmackhaft gemacht habe. Reichstagsabgeordneter K ü n st l e r - Berlin meinte, der Disziplinbruch bei der Panzerkreuzer-Entscheidung sei zu verurteilen. Fle i ß ner-Dresden er­klärte, die Zollerhöhungen seien ein Spiel mit dem Feuer. Es sei nötig, Schluß zu machen mit der Tolerierung der Zollpolitik Brünings, wenn nicht noch größere Massen das Vertrauen zur Partei verlieren sollten.

Die Fortsetzung der Aussprache wurde dann auf Mittwochvormittag vertagt.

Bischof Schreiber an den Papst.

Berlin, 2. Juni. (CNB.) Bischof Dr. Schrei­ber hat folgendes Telegramm nacy Rom an den Papst gesandt:Von einer Pastoralreise nach Pom­mern zurückgekehrt, bekundete ich Euch, Hl. Vater, zugleich im Namen des Domkapitels, des Klerus und des gläubigen Volkes im Bistum Berlin unseren großen Schmerz über die Vorgänge gegen die Ka­tholische Aktion in Rom und in ganz Ita­lien. Wir nehmen innigen Anteil an dem Kummer Eurer Heiligkeit und beten zu Gott um Abkürzung der Trübsal und Wiederherstellung der Freiheit. Christian Schreiber, Bischof von Berlin."

Aus aller Well.

heute früh Start des Do X nach Südamerika?

Wie Reuter aus P r a j a (Kap Verdische Un­fein) meldet, soll der Start des Do X nach Süd­amerika für heute früh 5 Uhr örtlicher Zeit fest­gesetzt worden sein.

Französisches Bombenflugzeug abgestürzt. Bier Todesopfer.

Wie aus Metz berichtet wird, stürzte dort ein mit vier Mann besetztes Bombenflugzeug ab. Sämtliche Insassen, zwei Unteroffiziere und zwei

Soldaten fanden den Tod. Das Unglück soll auf Geschwindigkeitsverlust zurückznführen sein.

Bier Mädchen beim Baden ertrunken.

In Dickschen, im Kreise Pillkallen (Ostpreußen), sind vier Mädchen, die an einer entlegenen Stelle badeten, ertrunken. Die Kinder liefen eine Sand­bank -entlang und bemerkten dabei nicht, daß diese plötzlich steil abfiel. Sie versanken, ohne daß es ein Erwachsener bemerkte.

Aus der provinzialhaupistadt.

Gießen, den 3.Juni 1931.

Oer neue Herr.

Es soll hier nicht gesprochen werden von dem neuen Herrn im Sinne der Zimmervermieterinnen, sondern von dem neuen Herrn im Urteil der Mode.

DerDandy" früherer Zeiten ist ausgestorben. Er ist auch alt genug geworden. Der berühmteste -bandy aller Zeiten, der Engländer George Brum­me!, trug laut zeitgenössischer Chronik im Jahre 1830 folgende Toilette:Ein kastanienfarbener Gehrock mit einem Velourkragen, dunkelbraun getönt; eine Kaschrnirweste mit Palmenmuster, aus einem Schal, der hundert Guineen gekostet hat, verfertigt; Panta- lons Nuance foncöe, sehr spitze Schuhe."

Bekannter dürfte noch das Bild des Dichters Oskar Wilde sein, der später das Ideal aller Gents wurde. Heute ist das anders. Zwar befaßt sich die Mode, weil sie nun einmal weiblichen Geschlechts ist, auch vornehmlich mit den Dingen der holden Weiblichkeit, aber sie findet doch Zeit, sich ab und 3U mit uns Männern zu befassen, uns Vorschriften zu machen, die wir als moderne Menschen nicht unbeachtet lassen dürfen.

Heute weiß wohl jeder: die Zeiten des gewöhn- lichen Bratenrockes, der Röllchen, Brettchen und eisernen Schlipse sind vorüber. Das Prinzip der Sachlichkeit dominiert in der Herrenmode, das heu­tige Ideal ist der Sporttyp! Der Zweckgedanke hat neue Leben- und Schmuckformen geschaffen. Im Zeitalter der Armbanduhr ist die dicke goldene Ta- schenuhr mit der noch dickeren Sicherheitskette über dem mehr oder minder behäbigen Bauch einfach un- möglich. Und so ließen sich viele Beispiele anführen.

Berus und Sport, als bestimmende Faktoren des Alltags haben hier normend gewirkt. In Berlin gibt es sogar einen Verein zur Reform der Männerklei- dung, der der Sache theoretischzu Leibe" gehen will. Tatsache ist ja, daß in hygienischer und ästheti­scher Hinsicht manches zu reformieren war und daß der neue Herr nunmehr auch ein besserer und ge­sünderer sein wird...

wichtige Behandlung erlegten Wildes.

Zu Beginn der Schußzeit des Rehbockes macht der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten auf die außerordentlich großen Verluste aufmerksam, die der Volkswirtschaft durch falsche Behandlung erlegten Wildes erwachsen. Allein in der Zentralmarkthalle in Berlin mußten im Lause des vergangenen Jahres 11 617 Kilogramm einhei­mischen Wildes aus dem Handel genommen werden, da sie durch falsche Behandlung stickig geworden waren. Um die Jäger vor Schaden und vor Aerger mit dem Wildbrethändler und die Volkswirtschaft vor solchen Verlusten zu bewahren, ist es dringend nötig, dem Wild auch nach dem Schuß die nötige Sorgfalt angedeihen zu lassen. Besonders bei war­mem Wetter muß alles Haarwild sofort aufgebrochen werden, die Brust- und Baucheingeweide sind zu entfernen, damit keine Fäulnisbakterien vom Darm aus austreten können. Ist das Gescheide verletzt (Magen und Darm), so kann bei warmem Wetter schon nach Ablauf einer Stunde ein unaufgebro­chene» Stück unverwertbar sein. Das aufgebrochene Stück lasse man im Schatten möglichst ausschweißen und richtig auskühlen. Ist Gescheideinhalt bei schlech­tem Schuß in die Leibeshöhle gelangt, so darf nur eine Reinigung mit trockenem Tuch oder ähnlichem, unter keinen Umständen mit Wasser stattfinden. Da der lokale Markt meist bald gesättigt ist, gelangt immer eine große Menge von Wild zum Versand. Je eher dieser nach dem Auskühlen erfolgt (bei Bahntransport als Eilgut), um so besser. Unter keinen Umständen darf dabei die Bauchhöhle zuge- näht womöglich vorher mit Gras oder Brennesseln gefüllt werden, wie das oft geschieht. Das Stück bleibt, wie es ist. Das Zwerchfell ist völlig zu ent­fernen. Die Vorder- und Hinterläufe find nicht gegeneinander zu verschränken, da. dann bei dem Transport häufig Brüche des Zie'mers, also des wertvollsten Teiles eintreten, wofür der Händler den Jäger mit geringerer Bewertung belastet. Nie- mals packe man Wild aufeinander. Eine Menge von Hasen wird so alljährlich unverwertbar. Federwild ist auszuhaken, so daß der Darm ganz entfernt ist. Besonders Enten, die im Juli/August geschossen wer­den, werden sonst sehr rasch grün. Richtig behan­deltes Wild ist sehr lange haltbar, Fehler dagegen rächen sich sehr rasch. Holzel.

Taten für Mittwoch, 3. Juni.

1844: der Dichter Detlev von Liliencron in Kiel geboren; 1864: der Dichter Otto Erich Hartleben in Klausthal geboren; 1871: Elsaß-Lothringen wird Deutsches Reichsland; 1875: der Komponist Georges Bizet in Bougioal gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Deutscher Republikanischer Lehrerbund: Vortrag Die französische Jugendbewegung und der Friede", von Rechtsanwalt Jean Zah, Festsaal des Gymnasiums, Südanlage, 16 älhr. Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Der Schrecken der Gar­nison".

*

** Ferienkursus an der Universität. An unserer Landesuniversität veranstaltet das Insti­tut für experimentelle Psychologie und Pädagogik den 4. Ferienkursus für Deutsche und Ausländer in den Tagen vom 20. Juli bis zum 1. August. Der Ferienkursus, der unter dem TitelDer junge Mensch in der Gegenwart" (Wesen, Selbstgestaltung und Erziehung) durchgeführt wird, sieht eine Reihe von Vorträgen, Vorführungen, Besichtigungen und Ausstellungen vor. Außerdem sind künstlerische, ge, sellige und sportliche Veranstaltungen, Ausflüge in die Umgebung, sowie eine Main- und Rheinfahrt geplant.

Frvnleichnarnsprozession. Die ka­tholische Gemeinde feiert am morgigen Donners­tag das Fronleichnamsfest. Aus diesem Anlaß findet nach dem Hochamt eine Prozession statt,

die sich von der Kirche aus durch die Wilhelm- strahe bis zur Ebetstraße und wieder zurück durch die Ludwigstrahe zur Kirche bewegen wird. Die Prozession wird begleitet von der hiesigen Reichs­wehrkapelle und der Kapelle Topp.

** 6 in Fünfundsiebzigjähriger. Herr Salomon Joseph, wohnhaft Westanlage 29, feiert heute bei guter Gesundheit seinen 75. Ge­burtstag.

* We st deutsche Archivare in Gie­ßen. Am Sonntag trafen sich die Archivare West­deutschlands in Gießen zu einer Tagung, die durch den Besuch des Oberheis.schen Museums eingeleitet wurde. Der Museumsdirektor, Prof. Helmke, begrüßte die Gäste und lie ßihnen kleine Führer durch Gießen überreichen, die der Verkehrs- und Derschönerungsverein zur Verfügung gestellt hatte. Daraus führte der Assistent des Museums, stud. phil. Hans Szczech, die Gäste durch die reichhaltigen Sammlungen des Hauses, wobei be­sonders die vor- und frühgeichichtliche Abteilung die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Be­sucher erregte. Hm 12.30 Hhr brachte ein Omni- bus die Teilnehmer nach dem Schiffenberg. Ein Rundgang durch die Gebäude des Schiffcnbergs unter sachkundiger Führung machte die Teilnehmer mit der Geschichte des Klosters bekannt. Rach einer Kaffeepause wurde im Omnibus die Rückfahrt an­getreten. Die Besucher dürften nachhaltige Ein­drücke von Gießen mit nach Hause genommen haben.

** Warnung vor Blumendieb stahl in öffentlichen Anlagen. Von der Stadtver-

Wenn Ihre

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in der Freitags- oder in der Samstags­nummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung

werben soll

dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf.

waltung wird uns geschrieben: In den letzten Tagen wurden verschiedene Tulpenbeete in den städtischen Anlagen wiederholt geplündert. Es besteht die Ge­fahr, daß die in kurzer Zeit erblühenden Geranien­stöcke usw., gleich den Vorkommnissen in früheren Jahren, auch diesmal wieder Anlaß zu Diebstählen geben werden. Es wird darauf hingewiesen, daß etwa gefaßte Täter unweigerlich mit einer Anzeige zu rechnen haben. Außerdem wird jeweils die Art der Bestrafung unter volle r Namensnen- in den hiesigen Tageszeitungen bekannt- iswüchse im Reklamewesen. Vom

Polizeiamt Gießen wird uns geschrieben: In letzter Zeit sind wiederholt Nachahmungen von Reichs- banknoten (sogenannte Blüten) zu Reklamezwecken verbreitet worden. Trotz der vorhandenen Abwei­chungen zeigen diese Bluten, besonders wenn sie zu- sammenaefaltet sind oder der Reklametext durch Ucberkleoen abgedeckt worden ist, eine Aehnlichkeit mit den echten Noten, so daß es in zahlreichen Fällen Betrügern gelungen ist, sie zu Zahlungen zu verwenden. Es erscheint angebracht, das Publikum, insbesondere die gewerblichen Kreise, darauf hinzu­weisen, daß nach § 360, Ziffer 6 StGB, die Anfer­tigung und Verbreitung von Warenempfehlungs­karten, Ankündigungen oder anderen Drucksachen oder Abbildungen, welche in der Form oder Ver­zierung dem Papiergelde ähnlich sind, ft r a f b a r ist. Das Reichsbankdirektorium warnt daher vor Anfertigung und Verbreitung und warnt gleichzeitig auch vor Annahme derartiger Blüten.

* Taschendiebstay l. Auf dem gestrigen Viehmarkt wurde dem Viehhändler Benjamin Löwenstein aus Digge bei Brilon von un­bekannter Hand die Brieftasche gestohlen. Die Brieftasche enthielt 170 Mark Bargeld und außerdem drei Schecks. Einer dieser Schecks lautet über 373 Mark und führt die Rr. 247 193 (Hof- Heimer Bank). Der zweite lautet über 570 Mark (Rr. 13 479 Oberhessifche Dank in Friedberg) und der dritte auf 410 Mark (Rr. 33 255, Volksbank Grünstadt). Außerdem vermißt der Destohlene ein Scheckbuch, ausgestellt von der Kreissparkasse Dri- lon. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kri- minalvolizei.

** DH C.-Jubiläumsfeier kn Schot­ten. Wie uns zu dem Bericht über die Jubilä­umsfeier des VHC. in Schotten berichtigend mitge­teilt wird, bestand die Trachtengruppe der Hri- matvereinigung Schiffenbrrg, die unter der Füh­rung von Georg Heß das Fest verschönte, nicht aus jungen Mädchen und Burschen aus Leih­gestern, sondern aus jungen Leuten von Gar­benteich.

Strafkammer Gießen.

Gießen, 2. Juni. 3m September vorigen Jahres wollte ein Oberwachtmeister der Butz­bacher Polizei mit zwei Freunden, nachdem sie tagsüber gezecht hatten, abends einen ihnen be­kannten Iagdpächter in seiner Hütte besuchen. Als sich auf ihr Rufen niemand zeigte, stiegen der Oberwachtmeister und der eine seiner Freunde über den hohen Zaun und begaben sich in das offene Jagdhaus. Dort streute der erstere Mehl aus. warf Grammophonplatten und andere Gegen­stände aus dem Fenster hinaus und nahm einen Feldstecher und einige Patronen an sich. Alle drei gingen dann weg. Die hinausgeworfenen Sachen versteckte der Oberwachtmeister unter einem Busch; Feldstecher und Patronen nahm er mit. Obwohl er in den nächsten Tagen genug Gelegenheit ge­habt hätte, diese Gegenstände dem Iagdpächter zurückzugeben, tat er dies nicht, nahm sie viel­mehr mit nach Krumbach und ließ sie dort in der Wohnung von Bekannten. 3m Gegensatz zu dem Schöffengericht nahm die Strafkammer an, daß der Angeklagte nicht schon in der 3agdhütte die Absicht gehabt hätte, sich die Sachen anzueignen,

n u n g gegeben.

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sondern erst später bei der Fahrt nach Krum­bach. Wegen Unterschlagung wurde auf zwei Monate Gefängnis erkannt.

Ein erheblich vorbestrafter Schuhmacher war wieder einmal im Park von Dad-Rauheim nachts Liebespärchen nachgeschlichen und hatte sich dabei einem Passanten als Polizeibeamter auggegeben. Wegen Amtsanmaßung erhielt er einen Monat Gefängnis.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

H. H. Der Hundertsatz der gesetzlichen Frieden-- miete beträgt zur Zeit 122 Prozent. Will ein Hausbesitzer das Wassergeld umlegen, dann muh er 3 Prozent von dem vorgenannten Hundertsatz der Miete in Abzug bringen, so daß also 119 Pro­zent zu erheben wären. Eine andere Umlegung ist nicht zulässig.

S. W., Lollar. Die Sondersteuer wird wegen schwieriger persönlicher Verhältnisse nicht erlassen. Dagegen besteht die Möglichkeit der Erlangung von Mietunterstühung. Ein solcher Antrag ist durch das Bürgermeisteramt bei dem Bezirks- Fürsorgeverband (Kreisamt Gießen) zu stellen.

A. Sch., Wiescck. Das wahre spezifische Gewicht der Lust ist bei 0 Grad und 760 Millimeter Druck, bezogen auf Wasser bei 4 Grad, 0,001 292 8. Das spezifische Gewicht, bezogen auf Luft = 1, von Wasserstoff ist 0.0695, Sauerstoff 1.1053. Kohlenoxydgas 0,9672, Heliumgas 0,138, Knall­gas 0,4147. Das spezifische Gewicht von Dur- aluminium ist etwa 3.0.

B. in C. Trotz mannigfacher Umfragen war es uns nicht möglich, die gewünschte Adresse zu er­mitteln.

Siedlung. Wenden Sie sich an Herrn Dr. Schmidt in Frankfurt a. M.. Mainkai 22.

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Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeiaen Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatur an. Pie Linien verbindet! Orte mit gleichem tut Meeresniveau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Da an der Rückseite der Störung über Skandi­navien, die sich erheblich vertieft hat und dort böiges Wetter verursacht, weiterhin Kaltlustmassen bis nach Deutschland hin vorgeschoben werden so zeigt sich immer noch etwas Bewölkung. Jedoch ist das Hochdruckgebiet von Südwesten her ganz auf das Festland vorgerückt und wird sich bei der Weiter­entwicklung der Wetterlage immer mehr durchsetzen. Abgesehen von einzelner Wolkenbildung, die durch die hartnäckige Skandinavienstörung noch heroor- gerufen werden kann, wird im Bereich hohen Drucks schöneres und wärmeres Wetter eintreten. Mit der Zeit geht die Bewölkung ganz zurück.

Aussichten für Donnerstag: Weitere Wetterberuhigung, wärmer und trocken.

Lufttemperaturen am 2. Juni: mittags 18 Grad Celsius, abends 14,3 Grad; am 3. Juni: morgens 14,1 Grad. Maximum 18,6 Grad, Minimum 10,8 Grad.

Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein.