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TicnStaa, 6. Mai, von 20 bis M'i.Ubt 3um ersten Males ZV.MvM-K-N Gkwödnstche Meile.

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ßinbiiior.SMilpiel in 6 Bildern

v. Hanno Lastlnaiin.

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Nr. 102 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Samstag, 2. Mai (931

Soll ich studieren?

Von Reinhold Schairer, Haupigeschältsführer des Deutschen Siudentenwerk e. V.

Aus feiner Wanderfahrt läßt Novalis den ungen Heinrich von Ofterdingen einen alten, welterfahrenen Eremiten treffen. Er sitzt inferner Höhle und hört auf seine Reden. Manche Worte, manche Gedanken fielen wie belebender Frucht» staub in seinen Schoß und rückten ihn schnell aus dem engen Kreise seiner Jugend auf die Höhe der Welt Nachher findet Heinrich in der Hohle em Zauberbuch, in seinen Bildern erkennt er sich selbst und seine Umgebung wieder. 3m Weiter­blättern sieht erfein Ebenbild in verschiedenen Lagen", er erkennt voll Staunen seinen Le­bensweg als Sänger und Dichter vorgezeichnet.

Wie anders als in diesem symbolischen Mär­chenbilde des Novalis vollzieht sich heute viel­fach die Berufswahl der Jugend. Dort entzündet sich in dem Gespräche mit dem Weisen und gütigen Menschen der schlummernde Funke zu einer hellen Flamme. Das zweite Selbst des Menschen, sein Beruf, beginnt aus seinem ersten Selbst sich los- zulösen. Wenig jungen Menschen wird heute dieses Glück zuteil, aus der Lebenserfahrung eines Erwachsenen unmittelbar für die Berufswahl die Kräfte der Entscheidung zu erhalten. Die täglich größer werdende Kluft zwischen Erwachsenen und jungen Menschen hindert mehr und mehr schon das Zusammentreffen. Wir Erwachsenen, von unseren Berufs- und Nebenberufspflichten über- Ioft et, kümmern uns viel zu wenig um die Gegen­stände und Fragen der Erziehung. Wir überlassen es den Schulen, oder die Berufsfragen den Be- russämtern. Aus Leitfäden und Flugblättern, aus Bruchstücken überlasteter Sprechstunden ent­steht aber nicht der zündende Funke, den Novalis schildert.

So kommt Berufswahl immer mehr in die Hände des Zufalls. Welche Nachricht zufällig wie Strandgut an die Küste der Seele des jungen Menschen getrieben wird, die ergreift er und baut sich aus triefen Fragmenten langfam sein Lebensbild. Oder unechte Derufswahlsele- mente, wie Hoffnung auf gesellschaftliche Stellung, höheres Einkommen, leichtes und gesichertes Le­ben werden bestimmend oder hauptbestimmend. Unb schon taucht aus diesem Chaos der Derufs- wahlwirrsat das Lockbild der3nfel der Seligen", das akademische Studium, auf, von der landläufigen Meinung irrtümlich als das Höchste und Beste heute noch immer hochgepriesen, durch diese Sirenenklänge allzuviele anziehend, die später als arbeitslose oder nur halbbefriedigte Intellektuelle sich vergebens sehnen nach einem praktischen, lebensnahen, tätigen Berufe, der ihrem Wesen mehr entsprochen hätte.

Was ist zu tun?

Berufswahl ist nicht eine Frage der Berech­nung, nicht Mark und Pfennig des Einkommens entscheidend, sie ist ein tief geheimnisvoller Le­bensvorgang, die Geburt des zweiten Selbst des Menschen, das durch seinen harmonischen Gleich­klang mit dem ersten Selbst der Anlagen und Fähigkeiten, dem Leben Glück und Erfüllung bringt. Zarte Neigungen und jugendliche Sonder­heiten weisen die Wegrichtung, Möglichkei-ten praktischen Handelns, echte Lebenserfahrung aus dem Tun, und sei es im Kindesalter, befruchten diesen Trieb und lassen ihn wachsen. Mancher Ansatz erweist sich als leere Frucht, anderes entwickelt sich zu starkem, vollem Lebenstrieb. Hier muß der Kontakt mit einem 2e- rufserfahrenen einsetzen, der dem Jugend­lichen aus eigener Lebenserfahrung bei der Klä­rung hilft.

Das Studium ist nur eine dieser vielen Mög­lichkeiten und dazu eine heute viel und verhäng­nisvoll überschätzte. Eigentlich sollte es kein junger Mensch ergreifen, der nicht längere Zeit sich mit Erfolg in irgendeinem prakti­schen Berufe ausgebildet und dabei seine Tatkraft und Handlungsfähigkeit geschult hat. Einfache Handarbeit in Industrie, Landwirtschaft, Gartenbau, handwerkliche oder hausfrauliche Aus­bildung, Tätigkeit im Angestelltendienst, sollte

Japanische Gpeisenkarte.

Von Tlagamasa Kamel.

In Rom, in Paris und Neuhork kennt jeder­mann die Keinen Stuben, in denen die besten japanischen Kochkünstler heimatliche Gerichte zu- bereiten. In Deutschland finden sich die ostasiati­schen Restaurants spärlicher an. Einmal weil hierzulande die Erkenntnis des Wertes der fett­armen, fleischarmen, sehnenbildenden Speisen sich noch nicht durchgeseht hat: dann aber auch, weil die Führung durch die Wirrsgle der Speisen­karte fehlt, die zumeist nur japanisch abgefaßt ist.

Man soll nicht zittern, wenn man in einem der winzigen Speisehäuser (in Berlin gibt es vier, in Hamburg und Bremen je eines) die unles­baren Ehverzeichnisse zu Gesicht bekommt. Wir wollen bei der Wahl behilflich fein.

Das Rüstzeug zum Essen ist ein poliertes Holz­tablett und zwei Holzstäbchen statt Messer und Gabel, die man zuerst auseinanderbrechen muß: (bas ist die Garantie, daß niemand zuvor mit ihnen gegessen hat). Ein kleiner Span löst sich von selbst: der Zahnstocher. Ein zierlicher Porzellannapf dient für den Reis, der in einem recht großen Lackkasten serviert wird.

Suppen gibt es mancherlei, aber nie so reichlich wie bei uns. Da man in Japan keine bestimmte Reihenfolge kennt, so ist es einerlei, ob man die Mahlzeit mit einer Suhemono-Suppe be­ginnt. Das ist eine klare Brühe mit Pilzen, Fischkuchen, Spinatblättchen und einem finger- nagelgroßen Stück Zitronenschale von ungemein kunstgewerblichem Aussehen. Mit dem Stäbchen holt man die festen Bestandteile der Brühe heraus, dann seht man die Schale an und trinkt, Shabanmushi ist eine zähflüssige Ererstichsuppe mit Nudeleinlage. Misoshiru nennt man eine süß-saure Suppe aus der Sojabohne, die zumeist als Abschluß gegessen wird. Bosenabe, guinabe, botanabe sind Pfannengerichte (nabe = Pfanne). Unter Sukiaki versteht man die am Tisch zu­bereitete Speise: Ein Pfännchen wird zum Tisch gebracht. Ein Tablett enthält rohes Schweine­fleisch. Nudeln, Zwiebeln, Kraut, Zucker, Wasser und Soße der Sojabohne, die man Shoyu-Soße nennt. Nun läßt man das Ganze, gut gemischt, pruzzeln und braten, bis alles eine goldgelb­braun-tizianrote Färbung angenommen hat.

zunächst jeden jungen Menschen aufnehmen. Diele würde dieses Tun zum endgültigen prak­tischen Beruf leiten. Nur für die ausnahms­weise und fast einseitig wissenschaftlich Begabten, sollte es die Dorstufe zum Studium sein und zugleich eine wichtige Dorbereitungszeil für jedes Studium. Die jungen Menschen, die heute aus den Hunderttausenden eines Geburtenjahrganges jährlich zum Studium berufen sind, sollten aus - gewählt fein nicht nach dem Dermögens- oder Gefellschaftsstand der Eltern, sondern aus allen Douslchichten nur nach der ausnahmsweisen menschlichen und wissenschaftlichen Befähigung. Dies klingt heute noch utopisch, aber jedes große Ideal hat als Utopie das Licht der Welt erblickt.

In einem solchen Zustand würde erst das Stu­dium die richtige Berufsvorbereitung werden. Die Menschen wurden von den Hochschulen verschwinden, die wie Blinde sich mechanisch an der Hand der Manuskripte durch die Engpässe des Studiums gän­geln lassen, bis ein gut gedrilltes Gedächtnis ihnen das Examen, den Berechtigungsschein, und damit die erhoffte Anwartschaft auf eine Lebens st ellung verschafft. Die Zahl derer aber würde wachsen, die durch das Studium befähigt würden, alle Dinge, die sie angreifen, besser und menschlicher zu gestalten. Das enn? Berufsstudium würde ersetzt werden durch eine höhere Weisheit, die mit dem alten Bergsteigersatze weiß: der Weg i st das Ziel. Wer einen Weg richtig zu finden

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Barcelona, Ende April 1931.

Die Republik besteht noch keine acht Tage, und doch scheint sie schon rem äußerlich gesehen eine längst oestehende, eine gewohnte Tatsache zu sein. Das Leben geht seinen gebräuchlichen Gang. Nichts hat sich offenbar verändert. Die Verkehrs­polizisten regeln mit immer gleicher Grqndezz^ den flutenden Verkehr auf denRarnblas".R a rn b l a", das ist die katalonische Bezeichnung für Allee oder Straße, und um das Recht Barcelonas, als der Hauptstadt Kataloniens, ihren Weg diese landes­eigene Bezeichnung statt des spanischencalle zu geben, sind ehemals, noch ehe man auf die Eigen­staatlichkeit zu hoffen wagte, schwere .Kämpfe aus- gefochten worden. Von diesen Kämpfen merkt man, wenn man durch die Straßen streift, ebenso wenig wie von den Kämpfen der jüngsten Vergangenheit oder gar von den terroristischen Anschlägen der Syndikalisten" undAnarchisten". Die Republik feiert den ersten Sonntag ihres Bestehens, und es ist fast so, als sei auch für die Revolution Sonntags­ruhe anbefohlen. In den Vorstädten sieht man die weißgekleideten Kinder mit den Kränzlein in schwar­zem, braunem, aber auch blondem Haar zur Kom­munion gehen. Ganze Familien, Vater, Mutter, Sohn, Tochter und Braut sind nicht anders wie Berliner Familien am Sonntag auch ausgezogen, um in der Natur, am Meeresstrand, Erholung zu suchen. Das Volk flaniert durch die Stadt und in Equipagen Equipagen mit Pferden! zeigt die Frauenwelt der oberen Zehntausend die neuesten Sommermoden aus Paris. Sieht man dies fried­liche Bild, so fragt man sich, ob wirklich eine Revolution stattgefunden hat, ob wirk­lich eine neue historische Tatsache geschaffen wurde.

Der vorherrschende Eindruck ist der, daß die Spa­nier das selbst noch nicht so ganz genau wissen, und die Katalonier, auch die Katalonier hier am Herd der Aufstandsbewegung, trauen noch nicht unbedingt dem so plötzlich errungenen Erfolg einer seit Jahr­hunderten wachgehaltenen und immer wieder jäh aufflackernden separatistischen Bewegung. Die Häuser sind zu zählen, die an ihren Balkonen stolz die lange verbotene katalonische Fahne vier rote ßängsftreifen in gelbem Feld zeigen. Mindestens ebenso oft und doch in der Gesamtheit wenig genug als demonstrativer Ausdruck eines Volks­willens sieht man d i e neuen republi­kanischen Farben, das alte spanische Rot-

Safhimi ist in Scheiben geschnittener roher Fisch, der mit Shoyu-Tunke gegessen wird. Dies Gericht wird auch dem Europäer zusagen, wenn er nur einmal die Scheu überwindet und mutig zugreift.

Ohako ist Huhn mit Reis. Imobo ist eine Speise <rus einem nur in Japan erhältlichen, roh zu essenden Fisch, mjt sehr viel Shoyu.

Tendo ist ein Reis-Fleischgericht.

Tempura nennt man Fleisch oder Fisch, als Krapfen gebacken. Besonders geschäht ist das Hummertempura.

Sakuramochi ist ein in Kirschblätter eingewickel­tes Gebäck.

Nana°gahu ist eine Neissuppe mit siebenerlei Kräutern. Teriyaki ist Fleisch oder Fisch in shoyu" gekocht.

Unö die Getränte? Neben dem üblichen Gratis- Tee gibt es nur wenig, das in köstlicher und ge­ringerer Qualität zum Ausschank kommt: Sake, ein aus Reis gewonnenes, berauschendes Getränk: ferner kennt man unter dem Namen Budoshu Traubenwein und als viertes, etwas langweiliges Getränk den japanischen Whisky.

Es ist amüsant, zu wissen, daß der Japaner den Sake immer alsvchoshi" (d. h.Flasche!") bestellt, etwa wie man hierzulandeein Helles" stattein Bier!" sagt.

Menschen als Dogelettern.

Beobachtungen der Nossittener Vogelwarte.

Die Entwicklung der Dogeljungen, die vielfach von den vorsorglichen Eltern in schwer erreich­baren Nestern auf hohen Bäumen untergebracht siird, ist uns größtenteils noch völlig fremd. Mit besonderer Liebe und Sorgfalt hat sich der Leiter der Rossittener Dogelwarte, Dr. Oskar Hein- r o t h , der gleichzeitig Direktor des Berliner Aquariums ist, diesem Gebiet zugewandt. Er schilderte kürzlich feine in fünfundzwanzigjähriger Arbeit gesammelten Erfahrungen.

Dr. Heinroth und seine Gattin haben, um die Entwicklung der Dogeljungen genau beobachten zu können, einen großen Teil sämtlicher heimi­schen Dogelarten teils aus dem Ei, teils als ganz kleine Nesllinge in chrem eigenen Heim groß- gezogen. Diese mühevolle Arbeit, die nur ein ganz großer Tierfreund durchzuführen vermag, hat Dr. Heinroth aber auch Gelegenheit zu sehr interessanten Beobachtungen gegeben. Dor allem konnte er feststellen, wie die Tierchen sich ent»

weiß, und zu gehen gelernt hat, dem stehen viele, vielleicht alle Wege offen. Die neue Kraft des aka­demischen Menschen würde wachsen, die große Frei­heit und Lebensvollmacht, die nach dem Studium nicht eng an dieses oder jenes Fach gebunden ist, die so auch befreit ist von den Fesseln der Berufs­und Lebensangst, die aus der Ueberfülltheit der akademischen Berufe erwächst. Für diese Menschen gilt das Wort Goethes:Mach ein Organ aus dir und erwarte, was für eine Stelle dir die Menschheit im allgemeinen Leben wohlmeinend zugestehen werde.

Wer so die innere organische Verknüp­fung von Studium und Beruf erfahren hat, für den endet das Studium auch nicht im Be­rus, vielmehr durchzieht cs lebenslänglich, wie die roten Blutbahnen den Körper, das Werden und Wachsen des Berufes. Dieseewigen Studierenden" wissen, daß kein Beruf, auch nicht der akademische, als der wichtigere und bedeutsamere angesehen wer­den darf, daß vielmehr jedes echte und ehrliche Tun im Range und menschlichen Werte gleich steht. Sie auch bleiben offen für die junge Genera­tion und ihre wachsenden Berufsnöte. In ihnen er­füllt sich das Wort des Novalis über den jungen Heinrich von Ofterdingen beim Lesen des Zauber­buches seines Lebensweges.Er sah sein Ebenbild in verschiedenen Lagen. Gegen das Ende kam er sich größer und edler vor."

Geld, vermehrt um einen Lilastreifen. Während in Madrid noch die staatsrechtlichen Auseinandersetzun­gen zwischen den neuen Machthabern schweben, ob Katalonien eine völlig selbständige Republik werden soll oder ob man ihr nur föderative Autonomierechte, gleich dem Baskenland, gleich einem Nord- und einem Südspanien zugestehen wird, hat sich schon alles entschieden, Barcelona und Katalonien blei­ben spanisch. Und mit diesem offensichtlich unum» stößlichen Entschluß gewinnt die katalonische Bewe­gung einen ausgeprägt nationalen, fast einen i m perialistischen Charakter, der auf die Rückgewin­nung der sprachoerwandten französischen Sc- biete bis in das Herz der Provence hinein, zum mindesten auf die Schaffung einer Jrredenta dort hinzielt.

Aber das ist ein Aspekt, den heute schon zu stellen doch wohl mehr als voreilig ist. So stabilisiert die neue Republik dem äußeren Bild nach erscheint, so wenig gefestigt ist sie in sich, so unsicher ist sie ihrer selbst. DieRepublikaner", die ihre in jedem andern Land der Welt als hochverräterisch angeprangerte Propaganda in vollster Oeffentlichkeit ungestraft und mit einer» Freiheit ohnegleichen ausüben durften, haben mit einem Ueberraschungsmanö- ner eine Chance ausgenutzt, die ihnen der nicht vorgesehene Ausfall der Gemeindewahlen bot. Die Straße rief die Republik aus, während die Poli­tiker noch zögerten und über Entschlüssen brüteten. Von einer Persönlichkeit aus der Umgebung des königlichen Hauses höre ich. daß niemand, weder der König noch einer der Männer der alten Regie­rung, an eine wirkliche Gefahr für die Monarchie an sich glaubten, während schon in Barcelona, in Bilbao und an anderen Orten die Republik erklärt wurde, und französische Zeitungskorrespondenten bereits dasEnde des Hauses Bourdon" in die Welt hinausfunkten. Der König rief noch einen Minister­rat zusammen, der Chef der guardia civil, der im Gegensatz zum politisierten Heer unbedingt zuver­lässigen Gendarmerietruppe, drängte auf ein festes Durchareifen, da trafen Telephonnachrichten ein, die d i e Gefahr des Bürgerkrieges an die Wand malten. Um Blutvergießen zu vermeiden, dem Bürgerkrieg zu begegnen, räumte Alfons XIII. nach fast ZOjähriger Herrschaft, einer Herrschaft, die er schon als Knabe übernehmen mußte, würdig, aber doch wohl schwach und von jedenfalls nur unsicheren Hoffnungen befangen, das Feld. Seine Proklamation stellt fest, daß er nicht abbantt, daß er das Geschick der Monarchie in die Hände des Volkes legt,

wickeln, wenn sie ohne den Einfluß der Eltern, ja überhaupt ohne die Gesellschaft irg ndeines Artgenossen aufwachsen. Wie Dr. Heinroch sich ausdrückt, waren die- jungen Tieregewisser­maßen geistig unbeschriebene Blätter". Der Be­obachter konnte also einwandfrei feststellen, welche Fähigkeiten den Vögeln angeboren sind und was sie erst durch Erfahrung lernen müssen.

Die jungen Tierchen verhalten sich den Men­schen gegenüber ganz verschieden. Dr. Heinroth führt das darauf zurück, daß die Dogelarten in der Freiheit einzeln, paarweise oder in ge­selligen Verbänden leben. Manche Vögel sind ab­solut zutraulich zu den sie betreuenden Menschen, andere wieder verhalten sich vollkommen scheu. Der Mensch, der dem Vogelkind die Eltern er­setzen will, muh sich in dieses einzufühlen ver­suchen. Dr. Heinroth unterscheidet bei seinen Pfleglingen je nach der Art eineFutter-, eine Liebes- oder Geselligkeitszahmheit".

Die kleinen Vögel, die, wie schon erwähnt, nie mit ihresgleichen zusammengewesen sind, bringen fast ausnahmslos die Fähigkeit mit auf die Welt, sich wie ihre Artgenossen durch Laut- und Zeichensprache zu verständigen. Sie verstehen so­fort, wie sie fressen sollen, schlafen, putzen, kratzen sich in derselben Stellung wie andere erwachsene Vögel ihrer Gattung. Vor allem aber lernt jeder Vogel, wenn seine Entwicklung weit genug ge­diehen ist, fliegen, ohne es je von anderen ge­sehen zu haben. Das Singen dagegen ist eine Kunst, die die Jungen in der Hauptsache von den Alten erlernen.

Brutzeit und Wachstum der jungen Vögel ist sehr verschieden und wird von Dr. Heiroch damit in Verbindung gebracht, ob die Vogel­arten an gefährdeten Stellen brüten oder nicht. Im ersteren Falle hat die Natur in weiser Vor­aussicht dafür gesorgt, daß sowohl die Brutzeit kurz ist, als auch die Entwicklung der jungen Tiere schnell vor sich geht. Brüten die Tiere dagegen an Plätzen, wo sie für ihre Brut nichts zu befürchten haben, so geht beides langsamer.

Sehr interessant ist auch die Feststellung, daß die Vögel, die die ersten Schwungfedern ein Jahr lang tragen, sobald diese verhornt sind, auch schon ihr endgültiges Körpergewicht haben. Das ist bet fast allen kleinen Vögeln schon nach vier Wochen Lebensdauer der Fall. Diese Ent­wicklung ist nötig, weil bei den Tieren für den

Was wird in Spanien?

Von unserem nach Spanien entsandten A. W. K.-Sonderberichterstatter.

das bei den Corteswahlen die Entscheidung fällen soll.

Die Republik strömte damit gewissermaßen nur in ein schon entstandenes Vakuum ein. Einer der libe­ralen Führer, Bergamin, der sich zu den Republi­kanern in den Kämpfen der letzten Monate bekennt, erklärte erschreckt, daß er, wenn er diesen Ausgang vorausgesehen hätte, nie und nimmer seine Stimme zur Gemeindewahl für die Republik ab­gegeben haben würde. Und wie es ihm geht, so geht es vielen. Diese Ruhe, dieses fast automatische Wiederaufnehmen des aUtägüdjen Daseins, ist doch vielleicht nod) etwas anderes als die gerühmteDis­ziplin, als Ordnung und Würde der Revolution". Vielleicht ist dieserRevolution", die in so wahrhaft urbanen Formen vor sich ging, der Katzen­jammer näher, als das Gefühl des Triumphs.

Die nächsten Wochen und Monate müssen es er­weisen. Solange die Cortes ndd) nicht gewählt, die voreilig getroffene Entscheidung bestätigt hat, bleibt die Republik in der Schwebe. Kaum anzunehmen, daß die neue Regierung den Mut hat, die Loyalität, eine vorbildlich demokratische Loyalität, die der König bewies, zu brechen und sich einem monarchischen Votum der Corteswahlen zu widersetzen. Und aud) ein allzu langes Hinauszögern wird sich kaum durch­führen lassen. Primo de Rivera ist darüber gestürzt, daß er das Parlament über den psychologischen Zeit­punkt hinaus ausschaltete, und wer in der neuen Regierung ist so stark wie der spanische Diktator es war wer ist eine so entschlußkräftige Persönlichkeit wie dieser? Die Kräfte, die keine offene Gegen- beroegung versuchten, arbeiten unterirdisch um so eifriger. Das Land ist trotz des Ausfalls der Munizipalwahlen m o n a r ch i st i s ch. Und die ka­tholische Liste verband bei diesen Wahlen auf ihren Aufrufen demonstrativ das Wortkatholisch" mit dem Eintritt für die Monarchie. Die Kirche mag, wie die republikanischen Zeitungen, trotz ihrer grund­sätzlichen Gegnerschaft befriedigt und fast stolz melden, ihrenFrieden" mit dem neuen Regime ge­macht haben man fragt sich doch, ob das nicht nur ein Waffenstillstand ist. Mehr als mit den neuen republikanischen Farben sind die Balkons selbst in dieser aufgeklärten Hauptstadt Kataloniens m i t dem Paimenwedel geschmeckt, dem Palmen - zweig, der zu Palmsonntag in den Kirchen geweiht wurde. Und vielleicht ist dieser Palmenzweig schon heute das Symbol der Gegenbewegung gegen eine Tatsache, die im Grunde genommen Freund wie Gegner unerwartet kam, und die keinerlei sichere Machtmittel in der Hand hat, um sich einem Gegen­stoß gegenüber zu behaupten.

Die Ersparnisse im Gießener Etat für 1931.

I.

Der Gießener Haushaltsplan für 1931 schließt in der B c t r ie bs re ch nung mit 6 456 914,49 Mk. in Einnahme und Ausgabe, gegen 6 430 317,32 Mk. im Vorjahre ab. Es ergibt sich hiernach für 1931 eine Mehrausgabe von 26 597,17 Mark. Man muß bei der Würdigung dieser Ab­schlußziffern aber in Betracht ziehen, daß durch die gesetzliche Kürzung an den Gehältern im Ge­samtumfange von rund 60 000 Mk. und durch die Senkung der Löhne um rund 40 000 Mk., sowie durch Abstriche an Zuschüssen und an sachlichen Leistungen eine Ersparnis in der Be­triebsrechnung von rund 4 5 0 0 0 0 M k. erzielt wurde, die jedoch durch das Anwach­sen der Wohlfahrtslasten von 869629,20 Mark im Vorjahre auf 1 344 942,50 Mk. im neuen Haushaltsjahre völlig wieder aufgeho­ben wurde. Bei diesen Abstrichen, mit denep sich die Stadtverwaltung und der Finanzausschuß des Stadtrats in mehreren Sitzungen beschäftigten, wurden sämtliche Titel des Haushaltsplanes, ins­besondere aber die freiwilligen Leistungen der Stadt, eingehend unter die Lupe genommen. Die Einzelheiten dieses Arbeitsergebnisses dürften für die Bürgerschaft so interessant sein, daß es sich verlohnt, hier näher darauf einzugehen.

Allgemeine Verwaltung.

Hier, wie auch bei allen übrigen Mteilungen, ist an den Kosten des Bureaubrdarss und an den

Flug Masse und Tragfläche übereinstimmen müs­sen. Die meisten Vögel sind deshalb, sobald sie erst einmal richtig fliegen können, auch aus­gewachsen. S, F.

Die Tragödie der grauen Eminenz.

In allen diplomatischen Erinnerungen der letzten dreißig Jahre spielt die rätselhafte Figur des Ge­heimrats Fritz von Holstein eine bedeutende, aber schwer durchschaubare Rolle. Wie dieser im Hintergrund der großen Politik tätigeMann mit dcn Hyänenaugen" wirklich gewesen ist, schildert Dr. Ludwig Herz im Maiheft von Velhagen & Älafings Monatsheften. Holstein war nicht immer der menschenscheue Sonderling, der allen geselligen und höfischen Pflichten mit der Aus­rede entwich, er habe keinen Frack. Auch er bejahte mit dreißig Jahren das Leben als eine angenehme Sache. Doch früh schon symbolisierte sich der tragische Zwiespalt seines Wesens, daß er sich nicht ohne Ko­ketterie ein Kind diskreter Geburt nannte, anderseits aber als Sproß des Uradels den Baronstitel bean­spruchte. Die Erinnerung an ein düsteres Erlebnis hatte bereits seine Jugendtage überschattet: der un­aufgeklärte Tod seines Vaters in einer brennenden Scheune. Die Jo tragijch verwitwete Mutter hielt das einzige Kind üverängstlich vvm fröhlichen Treiben mit den Kommilitonen fern, obwohl der junge Student den Zutritt zur großen Welt suchte. Ein Sekondeleutnant von den Gardeulanen, den sie dentollen Schliessen" nannten, der einmal der große Schliessen" werden sollte, und der bei dem jungen Kammergerichtsreferendar den Geist fand, den er im Kreise seiner Kameraden vermißte, er­füllte sein Sehnen. Er hat es ihm gedankt. Diese Jugendfreundschaft ist die einzige, die der schrullen­haft Unverträgliche ein Leben lang durchhielt.

Schliessen konnte ihn von seiner Schüchternheit heilen. Eins aber konnte auch er ihm nicht geben: Anziehungskraft auf Frauen. Sie schüttelten dem bis an fein Lebensende stets ritterlich Galanten ihr Herz aus, schenkten es ihm aber nicht. Eine große Liebe nahm ein trauriges Ende. Man weiß von ihr nur, daß sie ihm viel von dem mühselig erkämpften Selbstbewußtsein wieder nahm, vermutet, daß sie manches von dem Haß erklärt, mit dem Holstein Goluchowski noch als Minister verfolgte, der, Gatte einer Prinzessin Murat, Löwe der Pariser Salons, den deutschen Legationssekretär überstrahlte.