von 200 bis 300 Millionen, der sich noch welker erhöhen wird, ungedeckt bliebe. Der Ausgleich darf nicht durch neue Steuern, sondern nur durch Einsparungen erfolgen. Die DVP. hat kein Ultimatum an die Regierung gestellt, weil sie darauf vertraut, das; bas Kabinett in seiner Gesamtheit die Richtigkeit dieser Gedanken gänge nicht nur anerkennt, sondern für ihre Durchführung Mittel und Weg« findet. Die Fvattion legt Gewicht auf die Verabschiedung des Reichshaushalts auf legislativem Wege. Der außergewöhnliche Weg der Notverordnungen führt nach ihrer Ansicht nur zur weiteren Stärkung der Verantwortungsscheu. Daraus ergibt sich, daß die DDP. weder eine Regierungskrise, noch die Ausschaltung des Reichstages wünscht, sondern ihre Politik auf die Gesundung der inner- polittschen Verhältnisse richten muh.
Angesteltteniagung
-er Volkspariei.
Berlin, 31. Ian. (ERB.) 3m Preußischen Landtag begann die achte Tagung des Reichsangestelltenausschusses der DVP. Der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter Thiel, sprach über „Wege aus der Krise für Staat und Wirtschaft". Mit den Methoden, gegen die die DVP. schon immer gekämpft hat und die den heutigen Rotstand herbeigeführt haben, muß rücksichtslos gebrochen werden. Die hemmungslose A u s g a - den wirtschaft in Reich, Ländern und Gemeinden muß ein Ende haben. Großzügige Reformen auf dem Gebiete der Reichs- und Verfassungsreform sind die Voraussetzungen für eine Rettung. Das System des Parlamentarismus muß da geändert werden, wo es verbesserungsbedürftig ist. Der Landwirtschaft muh aus sozialpolitischen Erwägungen geholfen werden, die Zollpolitik darf aber nicht in eine Schädigung der Gesamtwirtschaft ausarten. Soweit zum Zwecke der Preissenkung das Lohnniveau gesenkt werden muh, wird die Angestelltenschaft sich aus Verantwortungsbe- wuhtsein zu Opfern bereit finden, wenn sie weiß, daß das Schlichtungswesen nicht erschüttert wird. Der Klassenkampf wird abgelehnt, ganz gleich von welcher Seite er kommen mag. Die wirtschaftliche Krise kann vielmehr nur durch arbeit s g e m e in s ch a ft l i ch e s Zusammenwirken der beteiligten Kreise gelöst werden. Dazu bieten die Angestellten die Hand.
Reichstagsabgeordneter G l a tz e l führte u. a. aus: Die Angestelltenschaft habe eine entscheidende Rolle zu spielen, wenn es sich, entsprechend dem Programm der Deittschen Volkspariei, darum handele, eine politische Bewegung zu schaffen, die als Sammelpunkt für eine Reichserneuerung dienen solle. Die Tendenz der Rachkriegszeit gehe zweifellos dahin, daß die Arbeitnehmerschaft aller Gruppen mit Rccht im Staate größeren Einfluß verlange. 3n ihrem Verhältnis zum Staat werde die Deutsche Volkspariei sich nie zur Trägerin von Experimenten machen können. 3n Deutschland komme es hauptsächlich darauf an, daS richtige Ver- h ä l t n i s zwischen der Autorität des Reichspräsidenten und der Regierung auf der einen und des Reichstages auf der anderen Seite her- ^lstellen. Ferner sei an die Stelle des Reichsrates eine Erste Kammer zu sehen. Eine durchgreiferche VerwaltungS- re form sei erforderlich.
Nationalsozialisten und Zentrum.
EineAntwortFcders an dettPrälatenKaaS
Oldenburg, 31.Ian. (ERB.) In einer nationalsozialistischen Versammlung kam der Reichstägs- abgeordnete Feder auf die Rede des Zentrumsführers K a a s in Kassel zurück, in der Kaas scharfe Wendungen gegen die Nationalsozialisten gebraucht hatte. Er habe von Kaas brieflich Auskunft darüber
Gießener Gtadttheaier.
Marcel Pagnol: Marias Ahoi!
Marseille, das große südliche Ausfalltor Frankreichs 5am Welthandel und zur Weltwirtschaft ist auch die Brücke zum Zandern" Frankreich, das sich -drüben jenseits des Mittelmeeres in unendlichen Weiten von der Küste Algiers und Tunesiens bis zmn Riger und Kongo erstreckt. Marsellle hat zwei Gesichte, das eine trägt nattonalfranzösische Züge mit dem lebhaften und farbigen, ausgesprochen südländischen Akzent, der allen Küstenstädten deS MittelmeereS gleich welcher Rationalität eigentümlich ist, das andere kann den aus der Griechenzeit überkommenen Typ des Kolonialen nicht verleugnen, die Aura Afrikas weht herüber übers Meer und gibt der Stadt jenen besonderen Charakter, der mit der Landschaft der Cöte d'Azur, die sie um- schließt, allein nicht begreiflich gemacht werden kann. Und das hebt ihre Bewohner auch heraus von dem engen Horizont kleinstädtischen Spießertums ihrer Rachbarn in Air etwa, in Arles oder Tarascon, mit denen sie jedoch die gallische Heiterkeit, den Esprit des Südfranzösen, Unternehmungs'ust und Energie, starkes Selbstgefühl und eine gute Dosis Selbstironie teilen.
3n dieses Milieu stellt Marcel Pagnol seine Komödie. 3n Marseille, am Alten Hafen, nicht weit von der neuen großen S>ange- brücke, im Rücken die berüchtigte Altstadt, hart an der Grenze bürgerlicher Wohlanständigkeit eine Schifferkneipe, eine von hunderten, die hier an Schiffsleute und Soldaten, Kleinbürger und Zöllner ein Gläschen Absinth oder Wermut ausschenken. Hinter der Theke steht Cesar, einMann, wie er hier am rechten Fleck ist, ein Schankwirt, der Herr in seinem Hause ist, raub und widerborstig, auch mit kleinen Passionen, wie ein ehrbarer Witwer sie sich hier erlauben darf, und einer einzigen großen echten Liebe. Marius, sein Sohn, «in hübscher Bursche, ein wenig zerfahren, nicht immer bei der Sache, andere Dinge gehen ihm im Kopf rum, aber er ist der Stolz des Alten, um ihn und seine Zukunft drehen sich seine Gedanken. Draußen vor der Schenke, am Kai, hat Honorine, eine stattliche Witwe, die sich mit ihren bald fünfzig Jahren immer noch jung genug fühlt, einen zweiten Mann glücklich zu machen, einen Stand mit Austern und Fischen. Fanny, ihr blitzsauberes, quickes Töchterlein, arbeitet mit „im Geschäft". Die beiden jungen Leutchen sind miteinander großgeworden und der Eltern sehnlichster Wunsch ist, sie zusammengeben zu können, wenn sie sich liet.n unc die geschäftlich: Seite auch ^u beider - jei tiger Zufriedenheit geregelt wird Roch ijt
verlangt, ob Herr Kaas tatsächlich diese Aeußerun- gen getan habe. Der Zentrumsführer hätte ihm geantwortet, daß seine Ausführungen in Kassel „durch die Presseberichte tendenziös zugespitzt und teilweise aus dem Zusammenhang gerissen" worden seien. Im übrigen werde wohl bei dem Zusammentritt des Reichstags Gelegenheit fein, noch münd- l j ch über die angeschnittene Frage sich auszusprechen.
Feder wies darauf hin, daß er diese Besprechungen mit Kaas haben werde, weil es selbstverständlich sei, daß die nächste Regierungsbildung in Deutschland nicht anders vollzogen werden könne als durch ein Zusammenarbeiten von Nationalsozialisten und Zentrum. Bel Neuwahlen würden die Nationalsozialisten mindestens 200 Mandate erhalten. Den
neuen Reichspräsidenten bestimmten einzig und allein die Nationalsozialisten. Auch im nächsten Reichstag werde das Zentra rndie Mitte einnehmen. Aber es liege bei den Nationalsozialisten, ob sie das Zentrum an einer Regierung beteiligen wollten. Feder beschäftigte sich dann mit dem „Dritten Reich". Heute hätten wir eine parlamentarisch-demokratische Republik, in der d i e 'Mehrheit entscheide. Das sei der größte Wahnsinn, den es geben könne. Die Nationalsozialisten setzten als Staatsgrundsatz an die Stelle der zahlenmäßigen Mehrheit die Souveränität der Sachkenntnis. Die Nationalsozialisten bestünden unbedingt auf Anerkennung und Schutz des Privateigentums. Es sei Wahnsinn, auf der Gleichheit aller ein Staatsgebäude aufrichten zu wollen.
Eröffnung der„GmnenWoche" io Berlin.
Oie Minister Schiele und Steiger über die Segenwartsaufgaben der deutschen Landwirtschaft.
Berlin, 31. Ian. (LLl.) Heute vormittag fand die feierliche Eröffnung der 6. Grünen Woche statt. Hans Jürgen von Hake als Leiter der Ausstellung begrüßte die Ehrengäste im Rainen des Mess- amtes und dankte allen an dem Ausbau der Ausstellung beteiligten Behörden und Berufsorganisationen für ihre Mitarbeit.
Reichsminister Or. h. c. Schiele
überbrachte der Ausstellungsleitung und den beteiligten Verbänden die Grüße der Reichsregierung und betonte die besondere Bedeutung der Sonderschau „Produktionsumstellung und Absatzförderung", die im Mittelpunkt der ganzen Ausstellung stände. Gerade diese Fragen seien kürzlich wieder Gegenstand gemeinsamer Beratungen von Regierung und Landwirtschaftsführern gewesen, die auf die Schaffung dauerhafter Grundlagen für eine solide Agrarwirtschaft bin» zielten. Der Plan könne nur vollendet werden, wenn die gesamte Landwirtschaft trotz aller Rot sich in das gemeinsame Werk mit einfüge. .
Die riusslellung fei eine Angriffsfanfare, die „werbend und richtungweisend" die Scharen des deutschen Bauerntums zum praktischen rNitschasfen sammeln solle.
Dem Städter solle die Ausstellung ein Stück von dem harten Leben und Schaffen des Land- mannes vor Augen führen und einen lebendigen Beweis für den trotz unerhörter Rot micht erlahmenden Schaffenswillen des deutschen Bauern- tumes geben. Die Ausstellung bedeute aber gleichzeitig auch einen ernsten Warnruf, ein Gefahvensignal. Der Minister schloß seine Ausführungen mit den Worten: „Angesichts der brennenden Rot des Rährstandes, angesichts der aufs schwerste gefährdeten Grundlagen unserer Volksernährung, ruft die „Grüne Woche" in alle deutschen Lande und Städte hinaus: Deutsches Volk, besinne dich auf die Wurzeln deiner Volkskraft, deines Lebens, deiner nationalen Selbstbehauptung. — Deutsches Volk besinne dich auf deine Landwirtschaft."
Oer preußische Landwirischasts« Minister Or. h. c. Steiger
führte die Tatsache, daß die „Grüne Woche" von Jahr zu Jahr nicht nur wachsendem Interesse in den interessierten Kreisen, sondern auch in der Stadt- beoölkerung begegnet, auf den bewährten Grundsatz zurück, ihren Besuchern jedes Jahr einen an = deren Ausschnitt aus den; großen Gebiet der Landwirtschaft vor Augen zu führen. Die Sonderschau „Produktionsumstellung" und „Absatzförderung" sei besonders zu begrüßen,
kein Wort gefallen. Fanny kann ihre Liebe zu dem Jungen nicht länger bergen, doch er ist unentschlossen, weicht einer Aussprache auS, wird sich erst ganz klar über seine Reigung, als ihm in dem zwar schon recht klapprigen aber immer noch liebebebürftigen Segelmacher Panisse, dem Krösus in diesem Kreise, ein Rebenbuhler entsteht, ünö da fühlt er auch den Konflikt, er kann sich nicht binden, er kann nicht mit seinen 22 Jahren hier im ruhigen Hafen der väterlichen Schenke vor Anker gehen und mit gekreuzten Armen zuschauen, tote tagaus, tagein Dampfer und Segler hinaussahren übers Meer, hinaus in die unendliche Weite. Wenn er draußen an der Mole steht, vor sich die Wellen bis zum Horizont, dann packt ihn die Sehnsucht: fort von hier, ohne Ziel, nur weiter und weiter. Die tapfere t(eine Fanny nimmt den Kampf auf. Sie setzt ihre ganze Liebe ein gegen das Fernweh des Burschen, der von widerstrebenden Gefühlen hin und hergerissen wird. Als sie aber merkt, daß der Zug in die Ferne in ihm übermächtig wird, daß nur das Gefühl übernommener Verpflichtung ihn bei ihr zurückhält, die ihm ganz verttaute und ihm alles gab, da ringt die arme kleine Muschelverkäuferin sich zu echter Größe hindurch. Sie gibt den Geliebten frei, ja sie läßt ihm den Glauben, seine Liebe einer Unwürdigen geschenkt zu haben, um ihm die Lösung aus seinem Gewissenskonflikt leichterzumachen.
Trotz dieses ttagischen Ausklangs geht ein köstlicher, echter Humor durch dieses Dolksstück. Scharf beobachtet sind die Charaktere, breit und behaglich ist das Milieu gezeichnet, die eigenartige Atmosphäre erstaunlich getroffen. Unter dem vielen Minderwertigen, was das deutsche Theater aus chronischem Stückemangel von fremden Literaturen herübemehmen muß, einmal eine Komödie, die die Ueberfehung lohnte, der sich übrigens Bruno Frank nut großem Geschick angenommen hat*.
Intendant Dr. Prasch hatte die Inszenierung selbst besorgt. Die Ausführung zeigte sorgfältigste Detailarbeit und liebevolle Einfühlung. Vielleicht wären hier und da einige Dämpfer am Platze, um einem Abgleiten in das allzu Burlesk-Komische zu bremsen. Im ganzen ein starker, geschlossener Eindruck, besonders unterstrichen durch die gut gemachten Bühnenbilder Löfflers und eine glückliche Rollenbesetzung. Raimund S ch e I - cher hatte man den MariuS anvertraut und damit einen guten Griff getan. Er war der etwas weiche Junge, der voll Sehnsucht nach dem romantisch Geheimnisvollen der Feme steckt, den der Wellenschlag des Meeres nicht zur Ruhe kommen läßt. Die Heine Fanny spielte Elisabeth Wie-
' Drei-MaSkcp.'Vcrlag 3, S, Berlin Ar. 24 (396)»
weils bis in die jüngste Zeit hinein Produktion und Absatz in der deutschen Landwirtschaft sich allzusehr in den Bahnen des Althergebrachten bewegt haben. Erst in den letzten Jahren beginne man sich bewußt mit der Erzeugung, sowohl bezüglich der Menge, als auch der Art und Güte der Waren, den Forderungen des Marktes anzupassen. Vieles bleibe noch zu tun übrig, um das Verständnis für alle diese Dinge in immer weitere Kreise zu tragen.
Darüber hinaus gehe es aber auch, dem Verbraucher die Augen darüber zu öffnen, daß „ausländisch" keineswegs immer gleichbedeutend mit „gut" fei und daß der einzelne heute mehr denn je die Pflicht habe, bei feiner Bedarfsdeckung die Erzeugnisse des deutschen Bodens und der deutschen Viehwirtschaft in erster Linie zu berücksichtigen.
Auf dem Gebiete der Milchwirtschaft berechtigten die in der Ausstellung gezeigten Leistungen zu der Hoffnung, daß dieser Zweig der Landwirtschaft auf dem richtigen Wege sei, der ausländischen Konkurrenz mit Erfolg zu begegnen. Das wichtige Gebiet der Rationalisierung und Typisierung werde in der Lehrschau „Technik in der Landwirtschaf t" eingehend behandelt. Die Ausstellung des Fachnormenausschusses/ für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte läßt erkennen, wie von Wissenschaft und Praxis die Lösung der sich aus der gegenwärtig in Deutschland noch vorhandenen Vielheit der Maschinentypen und aus der Schwierigkeit der Ersatzteilbeschaffung ergebenden Probleme in Angriff genommen worden seien. Die gleiche Forderung wie für die Landwirtschaft auf Rationalisierung und Typisierung gelte auch für den Garten. Die Wege zum Ziel „der deutsche Markt den heimischen Erzeugnisse n", zeige die dem Gartenbau gewidmete Teilausstellung. Bei dem Besuch der die vielseitig verflochtenen Beziehungen zwischen Industrie und Landwirtschaft zeigenden „Jndustrieschau" drängte sich jedem die Ueberzeugung aus, von welcher Bedeutung eine kaufkräftige Landwirtschaft für die Industrie sei und wie sehr die allgemeine Wirtschaftslage gerade durch die Not der Landwirtschaft beeinflußt werde, die der b e st e Abnehmer für die industriellen Erzeugnisse sei.
Reichspräsident von Hindenburg besucht die „Grüne Woche".
Berlin, 2. Febr. (WTD. Funkspruch.) Heute vormittag 9 ilfjr stattete der Herr Reichspräsident wie alljährlich der sechsten »Gxü- nen Woche" Berlins einen längeren Besuch ab. Zu seiner Begrüßung batten sich Reichsminister Schiele, Bürgermeister Scholz, der Leiter der „®rünen Woche" Hans Jürgen von
langer vom tändelnden Austemmädel zur liebenden und verzichtenden Frau emportoachsend. Ein prächtiger Schankwirt der Cesar Heinrich Hubs, in der Maske vielleicht ein wenig grotesk ausgefallen. Eine ganz geschlossene Leistung bot Luise Schubert-Jüngling als Honorine. Sehr sauber ausgefeilt auch der liebebe- bürftige Segelmacher Panisse Ludwig Link- m a n n s , der Fährbootkapitän Karl V o l ck s, der TYP des selbstgefälligen, beschränkten Spießers, und der Bettler Paul Rierens, der Dämon des Meeres, der wie ein Spuk über die Szene geistert und irrsinnig aufjauchzt, als sein Seelenfang geglückt ist. Stück und Aufführung waren bei gut besetztem Hause ein voller Erfolg. —e.
pmzoldt stricht im Goethe-Sund.
Goethe-Bund. Am Donnerstagabend las Ern st Penzoldt aus eigenen Werken vor. Zuerst ein Wort über die Persönlichkeit dieses Künstlers. Er ist nicht nur Schriftsteller — das ist er sogar erst in zweiter Linie — sondern auch Bildhauer. Er wurde 1692 in Erlangen geboren und besuchte nach dem Abitur die Weimarer Kunstakademie, um Bildhauer zu werden, obwohl er bis dahin fast nur gezeichnet und gemalt und — gedichtet hatte. Den stärksten Eindruck erhielt er dort von dem berühmten Tiroler Maler Egger-Lienz. „Rach meiner Lehre bei Egger", heißt es in seiner Selbstbiographie, „war es nun ganz gleich, ob ich mich Bildhauer oder Maler nennen wollte oder, woran ich aber noch nicht dachte, Schriftsteller." Erst der Krieg, den er im Sanitätsdienst, im Lazarett und bei der Infanterie vier Jahre lang mitmachte, führte die Wendung herbei. Die seelischen Erlebnisse des Krieges zu gestalten, gelang zunächst seinen Händen nicht: die Sprache war das erste, das er wiederfand. Tastend betrat er, von der freieren Rachkriegsjugend ins Leben zurückgeführt, seinen Weg als Dichter und Schriftsteller. Die erste Frucht dieser Arbeit war der Gedichtband „Der Gefährte" (1922), dem schon 1923, in schlichter Sprache dahingleitend, „Die Idyllen" folgten. „Ich wußte auf einmal, daß ich nicht zwischen zwei Berufen zu wählen hatte, sondern daß es mir verhängt war, Zwiefältiges zu tun, damit es mir gelänge, mit den Händen und mit dem Mund zu fassen, was unbegreiflich scheint, das Leben, die Schönheit, Liebe, Freundschaft, Ratur und Kreatur. Ja, ich nehme es als eine besondere Gnade, daß mir das verliehen ist. Unb so ist es nun, daß die Hände nicht ruhen mögen und sich begnügen, dem Wort zuliebe, und das Wort will nicht aufhören zu reden, etwa der Bildnerci oUjunft;:’., c* muß bei. der Erfüllung zwiefachem Befehles bleiben, ünb e4 scheint, aü würde die
Hake, der Präsident deS RelchSj agdvundeS. Prinz von Isenburg, der President der Brandenburgischen Landwirtschaf skammer, v o n Oppen, sowie eine Reihe von Vertretern weiterer landwirtschaftlicher Körpersstaften eingefun« den. Rach eingehender Besichtigung der Iagdausstellung berto Ute der Herr Reichspräsident diesmal besonders lange in dem landwirtschaftlichen Teil der Ausstellung, dessen Inhalt sein größtes Interesse fand.
Gandhi macht keinen Frieden.
Die Kongretzpartei für Fortsetzung des passiven Widerstands.
Allahabad, 31. Febr. (WTD.) Die Führer der Kongreßpartei werden heute nachmittag eine Sitzung abhaltcn. Darauf werden die meisten Allahabad verlassen. Sollte man heute zu keinem Entschluß kommen, dann dürfte die entscheidende Sitzung im ersten Drittel des Februar in Bombay stattfinden. Gandhi hat mit allen Führern Besprechungen gehabt, und es ist klar, daß seine Stimme den Ausschlag geben wird. Die Kongreßfuhrer bezweifeln die Aufrichtigkeit des Stimmungsumschwunges in der indischen Verwaltung. Man weist darauf hin, daß sogar am Tage der Freilassung der Führer die Polizei in Kalkutta und anderen Orten gegen die Menge mit Knüppeln vorgegangen sei, geschossen und Verhaftungen von Frauen vorgenommen habe. Die indischen Führer sind daher geneigt, die Angebote Macdonalds a b z u l e h n e n. In einem Interview erklärte Gandhi Pressevertretern, die Kongreßführer seien einstimmig der Ansicht, daß d i e B e w e g u n g d e r bürgerlichen Ungehorsams weder auf- hören noch nachlassen dürfe, es sei denn, es käme zu einem Waffenstillstand. Eine Massenbewegung wie die zivile Gehorsamsverweigerung könne nicht abgeblasen werden, wenn nicht den Masten die Hoffnung auf eine Lösung der Streitfragen erwüchse. Dies könne jedoch nicht der Fall sein, jolange die Unterdrückung in bösartiger Form fortgesetzt werde.
Die indischen Delegierten der Konferenz am runden Tisch, die am Freitag in Bombay eintreffen werden, haben beschlossen, einen Aufruf an das indische Volk zu erlassen, in dem die Ergebnisse der Konferenz dargelegt werden. Hervorragende indische Geschäftsleute haben mit Gandhi für diese Woche eine Zusammenkunft vereinbart, bei der sie ihn auf die schweren wirtschaftlichen Folgen Hinweisen wollen, die bei Fortdauer der jetzigen Bewegung entstehen würden.
$ör „wirtschaftlichen" Zusammenschluß Ostafrikas.
London, 31. Ian. (TLl.) Die Vereinigung der vstafrikanischenHandelskammern beschloß in einer Versammlung in Daressalam, sich für die baldige Vereinheitlichung deS Zoll-, Eisenbahn-, Post-, Verkehrs-, Erziehungs- unb Forschung stossens und der Gesetzgebung in ganz Oftafrifa einzusetzen. Die Bemühungen sollen sich zunächst nur auf wirtschaftliche Fragen erstrecken. Die politischen Fragen sollen vorläufig beiseite gelassen werden. Infolgedessen sei ein offizieller politischer Zusammenschluß im gegenwärtigen Augenblick noch nicht angebracht. — Seit der Gründung der Groh- Rhodesien-Gesellschaft hat sich in Rord- rhvdesia und in Südrhodesia die Propaganda für ein Dominion Grohrhodesien durch den Zusammenschluß beider Rhodesien dauernd verstärkt. Reuerdings ist die Idee hinzu- getommen, Großrhodesien nach Westen hin unter Einbeziehung des ehemaligen Deutsch-Eüdwestafrika bis zum Atlantischen Ozean cmszudehnen.
eine Gabe erst ganz frei durch die Pflege der anderen."
Penzoldt las einige Abschnitte auS der Rovelle „Die pvrtugalesische Schwachf ‘ und aus ,.D i c Powenzband e". Die Rovelle berichtet von dem letzten König von Portugah,- Sebststicm, dem Enkel der „eisernen Katharina". Der junge Fürst, von Kind an kränklich, batte, eine besondere Vorliebe für alles Militärische. Alle Versuche seiner ihr ganzes Leben hindurch Ehen stiftenden Großmutter, ihn zu verheiraten, machte er zuschanden, da er glaubte, „ein König, den sein Volk lieben solle, müsse reinen Herzens! sein", zumal ihn sein jesuitischer Lehrer Do» Gonsalves gelehrt hatte, älnkeuschheit verhindere die Llnsterbiichkeit. Die Soldaten vergötterten ihren tapferen, aber durchaus unpolitischer^ ja etwas beschränkten König, der den abenteuer-' lichen Gedanken faßte, Afrika für die Krone Portugals zu erkämpfen. Er wußte vielleicht als der Einzige nichts davon, daß seine 14 000 Man» wohl gut für eine glänzende Parade waren, datz aber der phantastische Plan ein schreckliches Ende nehmen mußte, wenn einmal „Kanonen zum Tanz aufspielten". So nimmt es nicht wunder, daß Sebastian in der Entscheidungsschlacht nebst 12 000 Kriegern den Tod fand. Richt lange darnach schon trat der erste falsche Sebastian cusi Thronprätendent in Portugal auf und drei andere folgten ihm, die alle begeisterte Anhänge« fanden und ebenso für ihr angemaßtes Königtum tapfer starben. — „D ie Po w enzdan de führt den Untertitel „Zoologie einer Familie'. und schildert das Leben eines in einer Klemu ft'abt seßhaft gewordenen Vagabunden und seiner vielköpfigen FamUie. Unbeschwert von allm Hemmungen eines Bürgers verbringt die „Powenz- klande" ihre Tage mit Nichtstun, mehr oder weniger harmlosen Spitzbübereien in bewußtem, falft absichtlichem Gegensatz zu den sonstigen Bewohnern des Städtchens. Die Mitglieder dieser zigeunerhaften Familie können tun und lassen, was sie wollen — immer wieder fallen sie wie eine Katze auf die Deine und stehen fest und ohne aus ihrer natürlichen Ruhe gebracht zu werden, im Leben, wenn man dieses tierfjafte Dasein überhaupt — Leben nennen darf. Denn das Leben ist doch etwas anderes als das Vegetieren der Powenze. Gerade an diesem Punkt nämlich scheint daS Buch, das mancher Leser mit weniger Gewinn als Vergnügen über die Seitenhiebe auf ein muckerisches Spießertum au6 der Hand legen wird, seine Grenze zu haben.
Der dichterischen Begabung, die unzweifelhaft aus dem Vor getragenen sprach, zollten die Zui Hörer verdienten Beifall.


