Nr. 2? Erstes Blatt
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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ErregunginpolenüberdieGrenzverlehungeinesdeusschenGporifliegers Ein deutscher Sportflieger auf dem Flug von Schneidemühl zum Jticfcngebirge im Nebel verirrt und wegen Dergaserflörung auf polnischem Gebiet notgelandet. - Falsche Verdächtigungen der polnischen presse. — Repressalie für Oppeln.
Warschau, 1. Febr. (1BIB.) Die in einem Teil der Samslagauslage unseres Vlalles bereits mitgeleilt wurde, berichtete die Posener Presse über eine Flotlandung eines deutschen Flug. Zeuges etwa einen Kilometer entfernt auf polnischem Gebiet in der Nähe von Wöllstein. Das Flugzeug sei aus einer höhe von 1000 Meter we- geneinervergaserstörung niedergegangen und leicht beschädigt worden. Der Flugzeugführer Gruse, nach Angabe der polnischen presse ein ehemaliger Reichswehroffizier aus Schneidemühl, sei unverletzt geblieben und auf Veranlassung der polnischen Behörden in das Doll st einer Gefängnis gebracht worden.
Ls hat den Anschein, als ob man in Warschau entschlossen wäre, an dem Flieger Gruse für die Festnahme der bei Oppeln gelandeten polnischen Militärflieger Vergeltung zu üben. So behauptet die halbamtliche Nachrichtenagentur Iskra, dast der Flugsportverein Schneidemühl, dem Gruse angehört, militäris-ch organisiert sei. Mit Nachdruck wird hervor- gehoben, dast die polnischen Behörden bei einer neuerlichen Untersuchung des Flugzeuges unter dem Führersitz einen Photographen- apparat gefunden hätten. Iskra nimmt an, dah der deutsche Pilot polnische» Gebiet überflogen hätte, um die Flugstrecke nach Breslau abzukürzen ober auch um andere Zwecke zu verfolgen, worauf der Photoapparat Hinweisen würde. 3n beiden Fällen liege jedenfalls eine bewußte Grenzverletzung vor, um so mehr, als die deutsch-polnische Grenze bei Wollstein sehr leicht zu erkennen sei. Zum Schluß erwähnt Iskra, daß der Flugsportverein Schneidemühl mehrere Flugzeuge besitze, mit denen regelmäßig Hebungen vorgenommen würden. — Der Krakauer Illustrierte Kurier behauptet, dah Gruse ein dem Schneide- mühler Flugsportverein zeitweilig zugeteilter Reichswehroffizier fei. Der Apparat Gruses sei ein zweisitziges Militärleich k- f l u g ) e u g. Untersuchungen seien im Gange, ob hier nicht ein S p i o n a g e ver s u ch vorliege.
Falsche po Nische Bebauvlungen.
Kein Offizier und auch kein Militärflugzeug.
Berlin, 31. San. (EBB.) Zu den von polnischen Zeitungen im Zusammenhang mit der Notlandung des deutschen Sportfliegrrs Gruse bei Wollstein aufgestellten Behauptungen erfahren wir von unterrichteter Seite, dah der Flieger Gruse weder früher Reichs» wehroffizier noch Reserveoffizier der alten Armee gewesen ist. Gruse ist 3ungflicger und im Jahre 1 907 geboren Er hat im Iahre 1930 seinen Flugs chein als Eportflieger erhalten. Die Darstellungen der polnischen Presse laufen offensichtlich darauf hinaus, einen .Fall" zu konstruieren, durch den man die Angelegenheit der in Oppeln festgenommenen polnischen Militär l eger zu beeinflussen sucht. Gruse hatte beabsichtigt, von Echneidemühl aus nach dem Aiesenge- birge zu fliegen. Er war am Freitagvormittag gegen 10 Uhr in Schneidemühl bei nebligem Wetter gestartet. Auf Grund t>:r Wetterberichte hoffte er glücklich durchzukommen. Offenbar ist das Wetter aber weiterhin derart neblig gewesen, dah Gruse die Orientierung verlor, weiter nach Osten auf polnisches Gebiet geriet und dann bei Wollstein notlanden muhte. Die Regierung in Schneidemühl hat inzwischen bereits alle erforderlichen Schritte bei den Zentralstellen in Ber'in unternommen, um die Freilassung des Fliegers Gruse zu erwirken. Geradezu unsinnig ist die Behauptung polnischer Blätter, dah das Flugzeug des Gruse sehr leicht für Militärflugzwecke umgebaut werden könnte; es handelt sich um ein Leichtflugzeug von 20 P. S. nach dem System Klemm- Daimler.
Der Prozeß gegen die polnischen Militärflieger.
Sühne für die Gieitzverlctzung bei Lpvcln.
Oppeln 31.Jan. (WTB.) Unter großem An. drang von Publikum und Presse, auch der polnischen, fand vor dem Erweiterten Schöffengericht die Verhandlung gegen die beiden polnischen Flieger, die am Tage des Reichskanzlerbesuchs bei Oppeln notlandeten, statt. Die beiden Angeklagten, Feldwebel Wolf und Sergeant 3 m i c l a vom Fliegerregiment in Krakau, sind beschuldigt, die Reichsgrenze unbefugt überschritten zü haben, ohne im Besitz eines Ausweises gewesen zu sein, der Verpflichtung sich durch einen Paß oder sonstige Papiere über ihre Person auszuweisen, nicht nachgekommen zu sein und schließlich das Luftfahrtgesetz übertreten zu haben.
Aus der Vernehmung des Angeklagten Wolf geht
u.a. hervor, daß er 1915 als Beobachter und Jagdflieger an der deutsch-französischen Front weilte. Seit 1927 gehört er dem polnischen Militär als Flugzeugführer an. Der Angeklagte startete am 9 Januar mittags in Krakau mit dem Auftrag, das Flugzeug nach Graudenz zu bringen. Infolge des heftigen Windes nahm er einen Kurs, bei dem er annahm, daß er niemals die deutsche Grenze berühren könnte. Rach halbstündiger Flugdauer bemerkte er bei dem schlechten Wetter — seinen Angaben zufolye herrschte ein heftigesSchneetreiben, das ihn zwang, mitunter nur in einer Höhe von 20 bis 30 Meter zu fliegen — das er sich ü d e r e i n e r S t a d t befand. Da er überhaupt nicht wußte, wo er war, habe er eine Notlandung vorgenommen, um sich zu orientieren. Als Grund für fein Verfliegen gibt der Angeklagte an, daß der Wind stärker war, als er berechnet hakte. Die Frage, ob er gewußt habe, daß an jenem läge der Reichskanz- ler in Oppeln gewesen sei, verneint der Angeklagte.
Der Angeklagte 3 m i e l a erklärt, dah er am 9. Januar mit der Weisung, sein Flugzeug nach Thornzu bringen, aufgestiegen sei Sein K o m - pah sei schon vor öem Start nicht in Ordnung gewesen. Da jedoch kein weiterer Kompaß zur Verfügung stand, habe er die Weisung bekommen, sich hinter Wolf zu halten. Er habe wohl eine Karte gehabt, aber keine Veranlassung, sich selbst auf der Karte zu orientieren. Erst kurz vor der Landung in Oppeln habe er festgestellt, dah fein Vorgesetzter Wolf unsicher war. Zu Anfang des Fluges habe er auf Grund der Eifenbahnverbindungen fest- gestellt, dah sie richtig flogen; dann aber sei Schnee gekommen, und er habe sich daraus auf seinen Vorgesetzten verlassen. Auf die Frage, ob er gewußt habe, daß der Reichskanzler an jenem Tage in Oppeln war, erklärte er, daß er überhaupt keine Leitungen lese. Kurz vor seiner Landung habe er wohl gemerkt, daß sein Vorgesetzter ihm vom Boden aus Zeichen gab, die er jedoch nicht verstanden hätte. Er sei daraus ebenfalls gelandet. Dem Angettagten wird darauf ein Brief vorgehalten, den er am Tage nach der polizeilichen Vernehmung, am 11. Januar, an seine Braut geschrieben hat, in dem er au^führte, dah er schon nach einer halben Stunde gemerkt habe, daß sie nicht auf dem auf der Karte verzeichneten Wege flogen. 3miela bleibt dabei, paß er diese Aussage auch der Polizei gemacht habe und dah dies richtig sei.
Hierauf wird der Angeklagte Wolf über die Vorgänge nach der Landung vernommen. Die erste Person, die an feine Maschine herangekom- men sei, sei ein Eisenbahner gewesen, den er auf polnisch gefragt habe, wo er sei; der Eisenbahner hätte geantwortet, in Deutschland. Daraufhin habe er die Karte zur Hand genommen, die ihm während des Fluges aus der Hand gerutscht war, und die er, da er festgeschnallt war, nicht wieder ausheben konnte. Er habe dann auf der Karte die Richtung nach Kattowih gesucht und daraufhin seinem Kollegen 3miela, der sich noch in der Luft befand, Zeichen gegeben, wie er zu fliegen habe, um nach Kattowih zu kommen. 3miela habe ihn aber nicht verstanden. Mit einem Gefreiten der Reichswehr sei er dann zu 3miela gegangen und habe mitgeteilt, dah sie verhaftet seien, weil sie sich auf deutschem Boden befänden. Er könne sich erinnern, dah der Rame Brüning gefallen sei. und hält es für möglich, dah der Eisenbahner, der zuerst an feinem Apparat herankam, gefragt habe: ,.Si e k ommen wohl B r ü n i n g, b e s u ch e nerklärte aber mit aller Entschiedenheit, dah er nicht gewußt habe, dah Brüning Reichskanzler sei. Als er dies er fahren habe, habe er getagt: „Auch! dieser Schmerz noch"; er hätte sich sofort gesagt, daß die Landung dadurch falsch aufgesaht werden würde.
Aus der Zeugenvernehmung ist nur die Kontroverse hervorzuheben, daß entgegen der Aussage des Angeklagten Wolf von zwei Zeugen erklärt wird, der Feldwebel Wolf habe gleich n ach der Landung gesagt: ..Heute ist Brüning da!", worauf der eine Zeuge, ein Obergefreiter, ihm erwidert habe, dann sei er ja besser a 1 s sie unterrichtet.
Das Urteil.
Zwei Wochen Gefängnis für Wolf. Fmicla frcigcfprochen.
Nach dreiviertelstündiger Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Dr. Christian das Urteil, das gemäß dem Antrag des Oberftaatsan- ro a 115 gegen 3 m i e l a auf Freisprechung und gegen Feldwebel Dolf auf zwei Dochen Gefängnis wegen Paßvergehens lautete. Diese Strafe gilt durch öle Untersuchungshaft als verbüßt. Soweit Freisprechung erfolgt, trägt die Staatskasse die kosten, im übrigen die Verteidigung. Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Simon, hatte auch bet Wolf das Borliegen eines fahrlässigen pahvergehens verneint und aus- geführk, daß die Flieger sich in einem Notzu
stand befunden hätten, wodurch die Grenzverletzung die Rechtswidrigkeit verliere, und für beide Angeklagte Freispruch beantragt. Die beiden polnischen Militärflugzeuge sind freigegeben worden. Die Freigabe war bis nach Beendigung des Prozesses aufgeschoben worden, um eventuell die Möglichkeit zu haben, sie zur Aufklärung des Tatbestandes in Augenschein zu nehmen.
Eine Kommission zur Prüfung des Arbeiislosenprobtems.
Ten Borfitz führt der ehemalige Rcichs- aroeitsministcr Tr. Branns.
Berlin, 31. 3an. (WTB.) Der große Umfang, den die Arbeitslosigkeit in der wett und besonders in Deutschland angenommen hat, hat bewirkt, dah ständig aus allen Kreisen der Bevölkerung Vorschläge zur Lösung der mit der -Arbeitslosigkeit zusammenhängenden Fragen gemacht werden. Die Reichsregierung hat nunmehr eine Kommission berufen, die die grundlegenden Fragen der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ihrer Folgen behandeln und der Reichsregierung ein Gutachten darüber erstatten soll.
Die Kommission besteht aus folgenden Persönlichkeiten.
1. Dr. Heinrich Brauns, Reichsminister a. D.
2. Dr.Bernhard Dernburg, Reichsministera.v.
3. Dr. Hermann Dersch, Direktor im Rcichsver- sicherungsamt, Professor an der Universität Berlin.
4. Dr. Wilhelm (Engler, Präsident de» Lande»- arbeitsamts Hessen.
5. Hans Frick, Ministerialdirektor a. D.
6. Dr. Eduard Heimann, Professor an der Universität Hamburg.
7. Frau Antonie h o p m a n n.
8. Dr. Wilhelm polligfeit, Professor an der Universität Frankfurt a. M.
9. Dr. Adolf Tortilowicz von Batocki -Friede, Oberpräsident a. D.
10. Dr. Friederich Cahn, Präsident de» Bayerischen Statistischen Canbesamt».
Den Vorsitz wird Dr. Brauns führen. Die Kommission wird erstmalig am 5. Februar 1931 zusam- mentreten. Der Kommission gehören diesmal im Gegensatz zu der mit ähnlichen Aufgaben befaßten Kommission von 1929 Vertreter wirtschaftlicher Organisationen und öffentlicher Körperschaften nicht an. Selbstverständlich wird die Kommission aber Vertreter der genannten Kreise und andere Sachverständige in weitestem Umfang gutachtlich hören.
Der Reichslandbund fordert Rücktritt des Kabinetts Brüning-Schiele.
Eine Entschließung des Bundesvorstands enthält schärfste Kampfansage gegen die Reichsregierung.
Berlin, 2. Febr. (ERB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hak am Sonntag in Berlin eine Beratung abgehalten, in der die Reichslandbundtagung, die am 2. Februar beginnt, vorbereitet wurde. Dabei haben die Vertreter der Provinzial- und Kreis-Landbünde eine Entschließung angenommen, in der sie betonen, daß sie geschlossen hinter der Führung des Reichslandbundes stehen und dah die Gesamtheit des Reichslandbundes einmütig alle beschlossenen Maßnahmen durchführen müsse. Diese Solidaritätserklärung erhält ihre Bedeutung dadurch, daß der Bundesvorstand des Reichslandbundes gleichzeitig eine Entschließung angenommen hat, die eine Kampfansage gegen d i e gesamte Regierung, einschließlich des Reichsernährungsministers Schiele, der bis vor kurzem der erklärte Führer des Reichslandbundes war, enthält.
3n der Entschließung heißt es: Der Herr Reichspräsident hatte in seiner Botschaft vom 18. März 1930 der Reichsregierung die Aufgabe gestellt, daß zunächst die Agrar mah- nahmen, die der gesamten Landwirtschaft zugute kommen sollen, aber für den Osten besonders lebensnotwendig seien, mit aller Beschleunigung und in einem Umfange durchgeführt werden, der der deutschen Landwirtschaft in allen ihren Betrieben, den großen wie den bäuerlichen, für die Dauer d i e Lebensfähigkeit Wiede r g i b t. Seitdem find zehn Monate vergangen. Die Rotlage der Landwirtschaft hat sich gerade in dieser Zeit in einem Ausmaße verschärft, welches in den letzten 100 3ähren geradezu beispiellos in der Welt dasteht. Unsere Warnungen siird ungehört verhallt. Die ständig wachsende Zahl der Konkurse in der Gesamtwirtschaft, die über alte Vorstellungen hinaus gewachsene Zahl der Arbeitslosen siird das sichtbare Ergebnis der Versäumnisse und Fehler deutscher Agrarpolitik der Rachkriegszeit bis zum heutigen Tage. Wenn auch auf einer Reihe von Teilgebieten Maßnahmen, die der Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Rentabllität dienen sollten, getroffen worden sind, so find die maßgebenden Grundpro- b l e m e bis heute noch nicht tatkräftig und ausreichend an.gefaßt worden.
Auf dem Gebiete der Veredelungswirtschaft ist nichtdasGering st egeschehen. Aber auch in der Frage der Unterbringung der durch den deutschen Boden bedingten Roggen- und Kartoffelernten ist trotz praktischer Vorschläge der Landwirtschaft eine Regelung nicht gefunden worden, die der Erhaltung dieser größten Produktionszweige gerecht wird. Aber auch die weiteren ßin^etgebiete der heimischen Erzeugung aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gärtnerei, Gemüse- unö Obstund Weinbau, Geflügelhaltung find in gleicher Weise vernachlässigt. Dies gilt sowohl für das Gebiet der Zoll- und Handelspolitik unb der innerwirtschaftlichen Maßnahmen als auch der Kredit-, Steuer- und Sozialpolitik. Durch diese Vernachlässigungen sind alle Teile des Landvolkes, alle Betriebsgrößen und Betriebsarten im ganzen Reiche betroffen. Insbesondere vermissen
wir die erforderliche rasche Hilfeleistung für den wirtschaftlich zusammenbrechenden und damit nationalpolitisch gefährdeten deutschen Osten.
Die Schuldigen an dieser katastrophalen Entwicklung find die Kreise einseitig händlerischer und exportindustriel- ler (Interessenten, die die gesamte deutsche Wirtschaft und Politik schon seit der Vorkriegszeit in verhängnisvoller Weise zum Schaden des deutschen Volkes beeinflußt gaben. Die eigennützigen Bestrebungen dieser Kreise unter Einspannung der Marxisten haben es verstanden, die Möglichkeiten des nachrevolutionären Systems für ihre Sonderzwecke auszunuhen. Geschicktes Ausspielen ihrer politischen Hilfstruppen in den Parlamenten habe es ermöglicht,-für ihre Fehl- Politik den äußeren geseh- und verfassungsmäßigen Rahmen zu schaffen.
Auch die gegenwärtige Reichsregierung ist diesen Einflüssen Schritt für Schritt erlegen und dadurch mitschuldig. Diesen Gegenkräften hätte eine Regierung nur dann im Sinne des Hin» dcnburgaustrages erfolgreich begegnen können, wenn sie sich auf die Kräfte g e st ü tz t hätte, die bereit waren, das Tributproblem anzupacken, den Schutz der deutschen Arbeit als sicherste Lebcnsgrundlage des deutschen Volkes aufzurichten und sich von den marxistischen Mächten, die gegenwärtig Preußen und von da aus die Reichspolitik beherrschen, gekäst hätten.
Die Reichsregierung hat durch ihr Versagen beim Landvolk tiefstes Mißtrauen erweckt. Die Verhandlungen der letzten Tage über neue Agrar» maßnahmen können an diesem Urteil um so weniger etwas ändern, als die von der Regierung in Aussicht genommene Methode der Durchführung von Halbheiten zu Mißerfolgen führen muß. Tönende Worte und halbe Maßnahmen lehnt die Landwirtschaft ab Sie hat ein umfassendes Sanierungsprogramm oorgelegt.
Der Reichslandbund kämpft um eine Reichsleitung, die s i ch f r e i m a ch t von den bisherigen schädlichen Einflüssen und Abhängigkeiten und fordert daher den Rücktritt einer Regierung, die nicht sofort und ungeschmälert diese Forderung zur Tat macht.
Oie Einsparungen im Reichshaushalt.
Was bezweckt die Bolkspartei mit ihrer Forderung?
Berlin, 31. 3an. (TU.) Ueber die «Stellung der DVP. zu Öen kommenden Haushaltsberatun-, gen erfährt die Teleguaphen-Union aus maß-, geblichen volksparteilichen Kreisen folgendes:
Der vielgenannte volkspartelliche Antrag, noch weitere Ersparnisse in Höhe von mindestens 3 00 Millionen vvrzuneh- men, geht nicht darauf aus, der Regierung Schwierigkeiten zu machen, sondern will im Gegenteil die Autorität der Regierung vor dem Reichstage und vor dem Lande stärken. Die DVP. sieht eine große Gefahv für die Reichsregierung und ihr innen- und außenpolitisches Programm, wenn ter vom Reichsfinanzminister zugegebene Fehlbetrag


