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Sporigrößen von 1930

Wintersport am Neujahrstage

Big Bill Tilden erklärte in Neyork. daß er für eine Filmrolle fest verpflichtet worden sei und damit auch seine Amateureigenschaft endgültig ver­liere. Tilden will sich ganz dem Film widmen und seine Kunst in dieser Richtung verwerten.__________

Mit 8:2 (4:2) wurden in Heidelberg die indischen Hockeyspieler vom Heidelberger HC. geschlagen.

Die Westfolenhalle Dortmund gibt jetzt bekannt, daß sie immer noch bemüht ist, die Durchführung der deutschen Schwergewtchtsmeister- schaften zwischen Schönrath und Hein Müller zu bekommen.

Der FSD. Frankfurt empfängt am kom­menden Sonntag auf seinem Platze die Mannschaft von Zidcnice Brünn (Tschechoslowakei) zu einem Privatspiel. Die Böhmen erwidern damit den vor­jährigen Besuch der Frankfurter.

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Erwin Casmir wird Ende Januar an einer internationalen Fechtakademie in Mailand teilneh­men und dort u.a. auf den Italiener Guaragna treffen.

Das Eishockeyturnter in Schierke ge­wann, wie schon im Vorjahre, der DFC. Preußen Berlin, der im Endspiel die Zehlendorfer Wespen 4:0 abfertigte.

D i e Deutsche Sportbehörde für Leicht- achletik hält chre nächste Wahlversammlung am 24. und 25. Januar in München in Verbindung mit der fälligen Hauptausschuhsitzung ab.

St. Andreasberg im Harz und Oberhof im Thü­ringer Wald. Der jüngste deutsche Win­ke rsportplatz dagegen ist der Schneeferner an der Zugspitze. Besonders schneesichere Winter­sportgebiete außerhalb der deutschen Alpengebiete sind die Gebirgskämme des Riesengebirges bzw. der Schlesischen Berge und des Erzgebirges. Als im schneearmen Winter 1929/30 selbst die Alpentäler ohne Schnee waren, gab es hier guten Wintersport bei ausreichender Schneelage.

Den sonnig st en deutschen Winter­sport p l a tz nennt sich Höchenschwand im Süd- schwarzwald. Dieser Wintersportplah stellt sogar das Schweizer Sonnenparadies Davos um vier Stunden in der Iahressonnenscheindauer in den Schatten. Zum winterreichsten deutschen und höchst gelegenen europäischen, dabei sehr leicht zu erreichenden Wintersportplah ist das Zugspitzgebiet durch die Bayerische Zugspitzbahn geworden. Der größte deutsche Winter­sportplah ist dagegen Garmisch-Partenkirchen. Drei Bergbahnen gehen von hier aus, außerdem ist es einziger Wintersportplatz mit einer Pferde­rennbahn für Skijöring-, Eisgalopp und Eis­trabrennen. Die steilste Rodelbahn führt vom Kreuzeck ins Garmischer Tal hinab. Bei 4,5 Kilo­meter Länge hat sie rund 900 Meter Fall.

Die längsten Rodelbahnen weist Krummhübel im Riesengebirge auf, und zwar sechs Bahnen in einer Gesamtlänge von 30 Kilo­meter. Die deutsche Rekordsprung­schanze steht über Johanngeorgenstadt im Erz­gebirge; hier wurden von einem Norweger Sprünge über 70 Meter ausgeführt. 3n Kon­kurrenz stehen die Oberstdorfer Schattenberg­schanze und die Oberhofer Hindenburgschanze. Mit dem Schnellzug kann man direkt in folgende Wintersportplähe fahren: Oberhof und Zella- Mehlis im Thüringer Wald, Triberg im Schwarz­wald. Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald in Oberbayern und Furth im Bayerischen Wald. Es gibt aber auch Alpenseen, auf denen nie Eis­sport getrieben werden kann. Der Dadersee bei Garmisch und der Christlesee bei Oberstdorf frie­ren auch im strengsten Winter nie zu, da ihre ständige Wassertemperatur gleichmäßig mehrere Wärmegrade beträgt. Hin Ostern ist Skilauf noch möglich auf dem Riesengcbirgskamm und aus dem Feldberg des Schwarzwaldes, wenn der Frühling nicht zu mild ist. Der einzige deutsche Alpengletscher, der Blaueis­gletscher im Berchtesgadener Land, ist für das große deutsche Wintersportpublikum leider noch nicht entdeckt.

Das am Mittwoch in fast allen Wintersportgegen- dcn eingetretene Tauwetter machte die nament­lich in den niedriger gelegenen Gebieten angefetzten Veranstaltungen unmöglich, und auch in höheren Regionen konnte man teilweise nur mit Schwierig­keiten zur Abwicklung schreiten. So mußte die Viercr-Bobmeisterschafl von Thüringen auf einen späteren Termin verlegt werden, um nur die wich­tigste Veranstaltung zu nenne". Bei den Babrennen in S ch r e i b e r h a u siegte der BobBergheil" mit Ellert (Schreiberhau) am Steuer und Weidner (Hirschberg) an der Bremse vor dem einheimischen BobSturm" mit 2:14,9 bzw 2:21,8 für beide Fahrten. In Bad Flinsberg wurde erstmalig von dem Warmbrunner Damcke ein

Salto auf Skiern gezeigt, der auch vorzüglich gelang. Der Held des Tages war Meister Lauer (Polaun), der mit Sprüngen von 46, 46 und 46,50 Meter mit der Rote 19,138 den Sieg davontrug.

In Braunlage wurden nur Wettbewerbe im Eisschießen durchgeführt. Gute Ergebnisse wurden auf der Olympiaschanze am Gudiberg bei Gar- rnisch-Partenkirchen erzielt. Den Vogel schoß diesmal der Hochschul-Weltmeister Helmut Lantschner (Innsbruck) ab, der mit der Rote 325,1 (33, 36,99 Meter) einen vielbejubelten Sieg errang. Hervorzuheben wäre noch das Ergebnis in der Jungmannenklasse, wo Ostler (Partenkirchen) mit Sprüngen von 32, 37 und 38 Meter aufwartete und mit der Rote 316,8 Sieger blieb. An der Lausche- Schanze bei Zittau wurde schlecht gesprungen, fast ein Viertel aller Sprünge wurde durch Stürze un- gültig. Den Sieg brachte S t r i s ch e k (Bad Reinerz) mit der Rote 334.5 (32, 35, 35 Meter) in der Klasse I, während der Altenberger G Böttrich in der Klasse II mit Rote 263.25 triumphierte. Das Ski­springen in Pontresina holte sich überlegen der Rorweaer Sigmund Rund mit Note 340,9 (62, 57, 65.50 Meter) vor seinem Landsmann Kfelland und Chiogno (St. Moritz).

Deutscher Wintersport im Superlativ.

Der älteste deutsche Wintersportplah. und zwar für Eislauf, ist Stresow bei Spandau; hier dürfte, wie die Reichsbahnzentrale für den deut­schen Reiseverkehr mitteilt, bereits im Jahre 1000 v. Ehr.Wintersport" getrieben worden sein. Man fand nämlich bei Ausschachtungen einen Schlittschuh aus Pferdeknochen, den die Menschen jener Zeit unter ihre Ledersandalen schnürten zur besseren Fortbewegung auf dem Eis. Als älteste Sportplätze unseres zeitgenössischen Win­tersportes gelten der Feldberg im Schwarzwald

Hertha Wunder

Weltrekord im 500-Meter.Brustschwimmen.

Das Entscheidungsspiel der Gruppe Rhein.

Rach einem 2:1-Grsolg gegen FG. Kirchheim liegt jetzt der SB. Waldhof punktgleich mit Phönix Ludwigshafen an der Tabellenspitze. Das dadurch erforderliche Entscheidungsspiel um die Meisterschaft der Gruppe Rhein wird am 4. Januar im Mannheimer Stadion zwischen den beiden Rivalen ausgetragen werden.

Krankfuri nächstes Radrennen am 4. Januar.

Für das am 4. Januar zum Austrag kommende Hundert-Kilometer-Mannschaftsrennen in der Frank­furter Festhalle wurden folgende Mannschaften verpflichtet: Haegelstrem-Deliege, Coupry-Cordier, Dinale-Christmann, Pijnenburg-Schön, Krüger- Funda, Manthey-Maczinski, Preuß-Resiger, Ehmer- Tietz, Kroll-Miethe und Koch-Schäfer.

Kurze Sportnotizen.

Die indische Hockeyelf Universitv Asiatics trug am Dienstag ein Spiel gegen die Universität Heidelberg aus, das mit einem 5:1- (2:0) Sieg der Inder endete.

Abgesagt wurden die Thüringer Bobmeister- schaften. die am 31. Dezember und 1. Januar in Oberhof ausgefahren werden sollten, da ein Witte« rungsumschlag die Bahn unbefahrbar machte.

Den Spengler-Pokal in Davos gewann wiederum der LTC. Prag, der im Finale den Eis­hockey-Club Davos mit 4:1 (3:0, 1:1, 0:0) abfertigte.

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Einen deutschen Rekord im Eis­schnelläufen stellte der Münchner S a n d t n e r bei den bayerischen Meisterschaften auf dem Staffel­see trotz widriger Verhältnisse (Gegenwind und weiches Eis) über 1500 Meter mit 2:39 Minuten auf Sanotner holte sich auch die Titel über 500 Meter und 5000 Meter mit 51 Sekunden bzw. 10:13 Mi­nuten.

Johannes Kirmse, ein Mitbearünder des Deutschen Fußballbundes, ist in Leipzig im Alter von 54 Jahren gestorben.

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Beim Hamburger Sportverein ist an­scheinend eine Mannschaftskrise ausgebrochen. Bis jetzt haben die beiden repräsentativen Außenstürmer Walter Kölzen und Hans Rave ihren Austritt aus dem Verein angezeigt.

Zur Zusammenlegung der pädagogischen Institute Hessens.

WER. Darmstadt, 30. Dez. Die amtliche hessische Pressestelle veröffentlicht eine ausführliche Darstellung über eine Besprechung des Staats­präsidenten Dr. Adelung vor den Feiertagen mit den Vorsitzenden der vier hessischen Lehrer­organisationen, um deren Ansichten über eine eventuelle Zusammenlegung der pädagogischen Institute Darmstadt und Mainz nach Mainz zu hören. Staatspräsident Adelung ging einleitend auf die wirtschaftlichen und Ausbildungsfragen ein und betonte den einmütigen Willen der Re­gierung, die h o ch s " l m ä ß i ge Ausbil­dung der hessischen Leh erschaft nicht nur auf­recht zu erhalten, sonnen, soweit Zeit und Um­stände es ermöglichten, weiter auszubauen. Ein wichtiges neues Problem trete in der Struk­tur des Lehrernachwuchses dadurch ein. daß an den beiden Instituten zur Zeit etwa 55 Prozent der Studenten aus den beiden Städten selbst und deren näheren Umgebung stammten, während z. B. der oberhessische, also vorwiegend ländliche Anteil der Lehrerstudenten in Darmstadt 14 Pro­zent und in Mainz noch geringer sei. Kon­fessionelle Bedenken gegen eine Verlegung nach Mainz könnten nicht geltend gemacht werden, da im simultanen Schulland Hessen der Lehrerbedarf nach den Konfessionen durch Gesetz festgelegt sei. In der dreistündigen Aussprache erklärte der Ob­mann des Hessischen Landeslehrervereins, Rektor Reiber, der Landeslehrerverein habe niemals seine grundsätzliche Zustimmung zu de» Mainzer Institut gegeben, sondern habe sich daniit ab­gefunden und schließlich aus bestimmten Gründen auch daran mitgearbeitet. Der Landeslehrerverein, sei auch jetzt Gegner der Zusammen­legung in Mainz. Da man unter den obwalten­den Umständen jetzt Mainz das Institut nicht nehmen dürfe, trete der Landeslehrerverein für die Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes ein.

Zur Frage der SchaffungeineS päda­gogischen Instituts in Gießen im An- schluh an die Universität erinnerte Staatspräsi­dent Dr. Adelung daran, daß dieses Projekt seinerzeit aus finanziellen Gründen der Raum- beschaffung zuruckgestellt worden, aber keineswegs aufgegebensei, auchnicht aufgegeben werde.

Für den katholischen Lehrerverein wies Rektor Winter darauf hin, daß die hochschulmähigs Lehrerbildung nicht vom Ort des Instituts ab­hänge. Der Redner trat für die Erhaltung des Instituts Mainz ein. Von den Lehrerinnen wünschte Fräulein Dera st räßer (Hessischer Landeslehrerinnenverein) die Beibehaltung des Instituts in Darmstadt, während Rektorin Lu­kas (Katholischer Lehrerinnenverein) im allge­meinen Rektor Winter beipflichtete. Fräulein Lukas erklärte, daß die katholischen Organisatio­nen mit dem bisherigen Zustand zufrieden seien: bei der Einsparung dürfe jedoch nicht Mainz fallen. Dr. Adelung lehnte den Gedanken, in Mainz könne eine Universität geschaffen werden, als ganz unmöglich ab und hob zum Schluß hervor, daß das gesamte Kultusministerium f ü v d ie simultane Lehrerbildung eintrete. Er sei erfreut, daß durch die Aussprache alle Ecken des Mißtrauens soweit wie möglich auf­geräumt worden seien.

Oberheffen.

Gemeinderai in Lich.

J) Lich, 31. Dez. Der Gemeinderat befaßte sich in seiner letzten Sitzung des Jahres 1930 mit der Frage des Anschlusses der Stadt an die Holzverkaufsstelle hessischer Wald- b e s i tz e r. Der Vorsitzende teilte hierzu mit, daß durch die außerordentlich ungünstige Lage des Nutz- Holzmarktes die Verwertung des anfallenden Nutz­holzes immer schwieriger werde. Dieser Umstand

Ile kleine Molelle.

Vornan von Paul Sain

S. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

3a sie muhte einen Seitenweg entlang­gehen, chre Worte waren deutlich durch das Gesträuch zu hören. Suchte sie chn? Es war ja schon lange Zeit vergangen, seit sie vorhin mit Darnowsch den Tanzsaal ausgesucht hatte. Gr hatte gar nicht mehr an sie gedacht.

Da er horchte

So, mein lieber Herr Barnowskh nun haben wir wieder genug frische Luft geschnappt, wie?"

O, Frau Aorma, eigentlich

Eigentlich haben Sie nun meine Hand lange genug geküßt, mein lieber Freund"

Wieder dieses leise, verhaltene Lachen.

Kommen Sie, ich möchte wieder flotte Musik Horen. Mein Mann ist ja doch nicht zu finden"

Wördehofs rührte sich nicht. Das also nannte man Flirt. Run ja. Er könnte ja nun ausstehen und sich zeigen. Dannwar er schon zu finden". Rorma mochte wohl nicht sonderlich nach ihm gesucht haben.

Aber er irrte.

Rorma hatte ihn gesehen, während er verträumt auf ber Bank sah. Schon vor einer Weile. Und sie wußte, daß er ihre Worte hören muhte. Sie spielte doppeltes Spiel I

Die Tändelei mit Barnowsky, das Spiel gefiel ihr. Dieser junge Künstler, der die Zukunft vor sich hatte und In sie verliebt war es reizte sie, chn ganz zu verwirren, so wie sie einst Wördehoff verwirrt hatte. Und dann Hubert sollte ja aufmerksam werden! Die Eifersucht sollte chn wieder zu ihr führen und willenlos machen!

Sie schritt nun mit Barnowsky den Weg zurück, dem Hause zu. Den Arm eng in den seinen gelegt Und sie hoffte, daß Wördehoff ihr nach« käme.

Der hatte sich jetzt in der Tal von der Bank erhoben und schritt hinterher. Richt aus starker, eifersüchtiger Regung heraus. Gr vertraute Rorma noch immer. Aber es war ihm der Gedanke gekommen, Barnowsky zu sprechen und ihm hier die geliehene Summe zurückzugeben. Er brauchte ihn dann nicht in der Wohnung auszusuchew Als Rorma ihm am Tage vorher sagte, daß auch der Maler auf diesem Feste zugegen sein würde, hatte er sich sofort vor­genommen, das Geld zu sich zu stecken und es ihm bei einer günstigen Gelegenheit mit einigen Worten des Dankes zu überreichen, so, als hätte Rorma eigentlich nur für ihn den Scheck erbeten.

aus einer törichten Laune heraus. Künstlerinnen waren eben kuriose Menschen.

Er sah, wie Rorma und Barnowsky die Terrassentreppe hinaufstiegen, beschleunigte den Schritt da wurde er von Bekannten auf­gehalten.

Hallo nicht so eilig, Herr Wördehoff

Rorma drehte sich in diesem Augenblick um und erkannte ihn. Er winkte ihr zu. Aber verstand sie nicht den Wink? Ein seltsames Lächeln war in ihrem Gesicht. Sie schritt, dicht an Barnowsky gedrückt, in das hellerleuchtete Haus.

Als Wördehofs sich endlich freimachte und durch die unteren Räume des Hauses wanderte, suchend um sich blickend, konnte er die beiden lange nicht finden.

Er fragte schließlich die Herrin des Hauses, ob sie nicht Herrn Barnowsky gesehen hätte.

Aber ja unb sogar mit Ihrer Gattin. Sie tanzen beide im kleinen Saal. Herr Bar­nowsky tanzt wie ein junger Gott die reine Sehenswürdigkeit. Bon Rorma braucht man das ja nicht erst zu sagen."

Eie nickte Wördehofs schalkhaft zu. Der begab sich zum Tanzsaal. Rervös. Die Lautheit, die rasselnde Musik, das vieltönige Frauenlachen es verwirrte ihn, und er wäre am liebsten wieder in den Garten hinausgegangen. Aber er war nun einmal hier nun wollte er auch schon mit Barnowsky zusammenkommen und die pein­liche Angelegenheit in Ordnung bringen. Sie war ja auch in diesem Milieu weniger unange­nehm zu ordnen als sonstwo. Rorma würde wohl auch ein Scherzwort finden sie lieh sich ja so leicht nicht verblüffen und die Sache war auf leichte Art aus der Welt geschasst. Gleichzeitig würde das wohl ein bißchen allzu stürmische Temperament des jungen Malers durch diese überraschende Ordnung der Angelegenheit einen wohltuenden Dämpfer erhalten.

Wördehoff stand neben der weitgeöffneten Schiebetür des Saales.

Es waren da allerlei Zuschauer, die sich an dem farbenfrohen Wirrwarr der Tanzenden er­götzten. Die scharf akzentuierte Melodie der Ka­pelle riß die Paare förmlich wie im Taumel mit Aber eines fiel besonders in dieser Menge von eleganten, alle neuesten Tanzschritte ge­schmeidig beherrschenden Menschen auf: Rorma Relson und Barnowsky.

Rorma war eine Tänzerin von monbänfter Rasse. Jede ihrer Cßetoegungen war voll ver­haltener Lust. Manchmal sahen sich beide an es war eine heimliche Verbindung In diesen Blicken und doch konnte es auch nur gegen» seittges Wohlgefallen an dem tänzerischen Rhyth­mus sein.

Run hakte Rorma ihren Gatten bemerkt

Er beobachtete sie im Tanz.

War es Absicht, daß sie sich ein klein wenig enger dem Partner anschmiegte? Daß sie ge­rade jetzt ihm zulächelte?

Wördehofs kniff die Lippen zusainmen.

Lächerliche Koketterie! So lächelte sie, wenn sie besonders gefallen wollte. Aber sie wußte doch, daß er sie beobachtete. Dumme, sinnlose Spielereien! Man war ein Rarr, wenn man diese Salonallüren ernst nahm. Er wußte doch, Rorma konnte nur spielenI Immer und immer! Wan konnte ratlos werden, wenn man solche Koketterien ernst nahm.

Rein, er wollte ruhig warten, bis der Tanz zu Ende war. Dann wollte er sich den beiden anschließen und mit Barnowsky sprechen.

Aber als der Tanz zu Ende war, wartete er vergeblich darauf, daß die beiden zu ihm kamen. Sie verschwanden durch eine andere Tür zu dem kleinen Raum, wo cs Erfrischungen gab. Doch als er hier eintrat, sand er sie nicht mehr. Das ärgerte ihn nun doch ein wenig. Er lieh sich einen Cocktail, geben und stand eine Weile sinnend neben dem großen, weihgedeckten Bar­tisch, hinter dem die beiden nettesten Mädchen aus dem Haushalt des Gastgebers ihres ver­gnüglichen Amtes als provisorische Bardamen walteten.

An einem Tisch in der Rähe saß eine kleine Gruppe von Herren, die sich hier, unmittelbar nebpn derQuelle", besonders wohl zu fühlen schienen. Sie pokerten ein bißchen. Buchhold war natürlich auch dabei. Kommissionsrat Schu­mann tauchte eben auf und blieb bei dem Tisch stehen, um einige Augenblicke dem Spiel zuzu­sehen.

Ratürlich die Herren vom Sport!" sagte er.Und die Damen schreien nach Tänzern!"

Wird nicht so schlimm sein!" meinte Buch- holtz und sah auf. Er bemerkte Wördehoff. Lächelte.

Wollen Sie nicht mitmachen?"

Gott beschütze mich"

Die andern lachten.

Wo steckt denn Frau Rorma?" fragte ihn Schumann.

Macht eine Gondelfahrt auf dem Teich", warf Duchholh ein,sie kam eben mit Barnowsky vorbei"

Ah so

Ein halber Blick des Trainers zu Wördehoff hin. Dann mischte er wieder die Karten.

Wördehoss trank fein Glas aus und schlenderte langsam weiter durch den Tanzsaa! zurück.

Rorma genoß die Verliebtheit Barnowskys mit immer größerem Behagen. Und daß Wördehofs ihr folgte bis in den Tanzsaal es steigerte ihre Lust. Run durfte er nicht mehr zur Ruhe kommen.

So nahm sie die Einladung Barnowskys zu einer Gondelfahrt im Park recht gern an.

Es war leerer geworden im Garten. Den älteren Herrschaften war es zu kühl und die: Jugend war lieber beim Tanz. Rur hier uni) da schwärmten heimlich einige Pärchen durch ine Anlagen, und aus dieser und jener Laube klang gedämpft der schwingende Ton anstoßender Gläser.

Leise schaukelten die Lampions im Winde.

Rorma und Barnowsky erreichten den Teich, Der Maler löste das Tau einer der Gondeln und half Doma beim Einfteigen.

Ein Spiel mit dem Feuer ging es ihr durch den Sinn. Aber es gefiel ihr es berauschte sie schon ein wenig. Dieser junge Mensch mit der verhaltenen Leidenschaft des Gefühls an ihm konnte sich die Macht ihres Frauenherzens auswirken! Und Hubert sollte brennen!

Leise stieß das Boot in das Wasser.

Dunkelheit ringsum.

Barnowsky ruderte. Und vor ihm saß die schönste grau, die ihm bisher begegnet war, der er ergeben war, seitdem er sie zuerst ge­sehen hatte. Run hatte ihn der künstlerische Er­folg gekrönt der Erfolg seiner Bilder, die ganz in ihren Motiven ein Spiegelbild feiner leidenschaftlichen Jugend waren. Run konnte er Rorma nahekommen! So dachte er. War sie nicht das Wirklichkeit gewordene Bild feiner künstlerischen Ekstasen?

Das Boot verschwand unter dem Schatten weit über das Wasser langenden Strauchwerks.

Weih leuchtete Rormäs Gesicht.

Da zog Barnowsky die Ruder ein.

Frau Rorma

Sie lächelte ihm zu.

Er griff nach ihrer Hand, die sie ihm überließ.

Ist noch ein Fleck frei, den Sie noch nicht geküßt haben?" fragte sie mit gutgespielter Koketterie.

Frau Rorma ich bitte Sie, sprechen Sie nicht so sorglos"

Ah sorglos? Warum nicht? Ich bin doch bei Ihnen in gutem Schutz?"

Das das weih ich nicht", stieß er leise hervor und drückte die Lippen auf ihre Hand.

Das sollte mir leid tun, Herr Barnowsky." Aber es klang nicht schroff. Und sie entzog ihm die Hand nicht.

Eine Weile war Schweigen.

Dann wieder sagte der Maler:

grau Rorma Sie lieben Ihren Mann nicht

O Sie werden unhöflich"

Rein, nein, Sie lieben ihn nicht. Sie leiden felbft darunter. Ich weih, Rorma

Herr Barnowsky"

(Fortsetzung folgt.)