Das GchLEal spricht das Setzte Mort
Roman von I. Schneider-FoerstL
Arheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa.
8. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Die Angst wurde nicht geringer. Sie würde nicht schlafen können, bis sie sich nicht überzeugt hatte, daß Eve eingeschlummert sei. Auf nackten Füßen schlich sie zum Limmer der Tochter. .Kann ich dich noch für einen Augenblick sprechen, Kind?"
Vichts regte sich. Sie drückte das Ohr an das kühle Holz. Eine Ahr tickte leise in die Stille, und durch die schmale Ritze eines Sprunges kam mattblaues Licht.
_Eve!"
Richts!
Es war das erstemal, daß die Tochter ihre Türe vor der Mutter verschlossen hielt.
•
Alla Setterholm zog die grauen Leinenvorvorhänge des Ateliers zurück und stellte die Fenster in voller Weite auf. Aeber das Sims geneigt, sah sie in den Garten hinab. Es mußte mächtig geregnet haben zur Rächt. Alles Blattwerk war noch satt vom Rah. und der Kies funkelte.
Sie wandte sich um und nickte der Büste zu, die auf einem Steinsockel in der Mitte des Ateliers stand. Jetzt, in der sprühenden Helle des Epätvormittags sah man so recht, wie gut sie gelungen war. Die Rackenlinie und der Ansatz der Schultern waren ein Schauspiel für sich. Immer wieder entzückte sich Alla Setterholm daran.
3m Dorzimmer erklang ein Schritt, und eine Stimme fragte etwas brummig: „Darf ich?"
„3a, komm nur!“ Alla Setterholm nahm eine Anzahl Aktenblätter vom Tisch, warf ein Lineal zur Seite und setzte sich dann in Positur.
Ein verrunzeltes Gesicht tauchte auf. Zwei unsichere Hände balancierten ein Servierbrett, während die brummende Stimme sagte: „And wies wieder ausschaut!“ Zwei braune Augen sahen dabei zwischen Dorwurf, Aerger, und halbem Lachen auf das Durcheinander, das das Atelier füllte. „Darf ich net ein bisserl Ordnung schaff'n? Ein bisserl bloß, daß man sich auf einen Stuhl setzen kann, oder auf die Ottomane! Wann eine einzige Christensoel' kommt, find'- net am al ein Platzerl, wo sie sich niederlass'n kann!"
„Das ist auch net notwendig! Eine Seek fliegt ja, die setzt sich ja nicht nieder!" Alla Setterholm zerbiß mit ihren gesunden schönen Zähnen eines der schmackhaften Hörnchen und lachte dabei die alte Bedienerin an. „Aber wenn du meinst, dann räum nur auf, Aschi! Bring mir aber nix durcheinander! And mach die Aug'n zu! Es sind lauter Aktzeichnungen von Mannsbildern, die am Boden liegen!"
„Schon wieder!“ Aber die Alte bückte sich trotzdem, um die Blätter aufzuheben. Den Kopf etwas schief gewandt, legte sie die Blätter auf einem Stuhl zurecht. „Gestern bin ich in der Ausstellung g'wes'n."
„Möglich!“ Alla Setterholm stellte die Tasse auf den Anterteller.
„3a! 3ch hab mir aber bloß das ang'sehn, was sauber war! Beim andern hab ich weg- g'schaut!“
„Dann hast was versäumt", spottete Alla gutmütig. „And überhaupt: 3ch mach eh bloß lauter saubere Sachen! Verstehst?"
„O mei, o meil" Die Alte wiegte den schmalen Kopf auf den verkrümmlen Achseln. „Sach'n hab ich da g'sehn! Sach'n! Völlig g'schämt hab ich mich!“
„3ch hab g'meint, du hast wegg'schaut!" lachte die Künstlerin auf. „So eine bist du! Das hält ich gar nicht vermeint von dir!" And immer noch lachend, sah sie, wie die Alte eilig davon- humpelte, denn die Klingel hatte eben ange- schlagen.
Sie fegte nun selbst einige Brosamen vom Tisch und schob ein Bündel Blätter zur Seite, warf ein Tuch über die Büste und rüttelte das halbe Dutzend Seidenkissen auf der Ottomane zurecht. Der Weiße Kittel, den sie trug, wies ein paar häßliche Flecken auf, aber das ging nicht anders, wenn man immer mit Lehm und Gips zu tun hatte.
Es hatte einmal eine Zeit gegeben, dg war dieser weiße Leinenkittel ein Stein des Anstoßes in der Familie Setterholm gewesen. Alla galt als das, was man früher mit „emanzipiertem Frauenzimmer" bezeichnete. Durch Generationen war es Sitte getoefen, daß die Setterholmschen Töchter in den ersten Kinderjahren von einer Bonne und später von einem Kinttzrfräulein betreut wurden. Dann hatten sie zwei 3ahre oder drei in einem Schweizer Pensionat zugebracht, um den letzten Schliff zu bekommen. And waren, nach Hause zurückgekehrt, glückliche Dräute und mehr oder minder glückliche Frauen geworden
And Alla hatte diese Tradition gewaltsam durchbrochen und das, was seit 3ahrzehnten im Hause Setterholm üblich gewesen war, über den Haufen geworfen. Als Mädchen zwischen sechs und zehn Fahren hatte sie ein Dutzend Donnen und Erzieherinnen aus dem Hause ge
ekelt. Rur Aschi, die alte Kinderfrau und Amme, hatte standgchalten. Dann war Alla bei Nacht und Rebel aus dem Klostier der Schwestern vom Herzen 3esu ausgebrochen und in einem Kahn von Bregenz nach Aeberlingen gerudert, wo die Eltern damals zum Frühjahrsaufenthalt weilten.
Die Mutter hatte einen Herzkrampf bekommen und der Dater einen kleinen Tobsuchtsanfall. Aber Alla war mit nach Hause genommen worden. Mehr hatte sie nicht gewollt. Die beiden Schweizer Pensionsjahre hatte sie zwar mit stoischem Gleichmut ertragen, aber sie war genau so zurückgekommen, wie man sie hingegeben hatte. Die Damen versicherten, es wäre unmöglich mehr aus ihr zu machen gewesen, als sie getan hatten.
Zum Aebersluß verliebte Alla sich mit neun- ftdyn 3ahren in einen mittellosen Bildhauer. Reues Händeringen, Drohung mit Enterben und was dergleichen Schreckschüsse mehr waren. Da starb der junge Mann unerwartet.
Mittlerweile waren aber auch die Setterholms so mürbe geworden, daß sie keinerlei Einwände mehr machten, als die Tochter den Wunsch äußerte, sich dem Künstlerberuf zuzuwendcn. Die Eltern hatten es sogar noch erlebt, die Werke ihrer einzigen Tochter in den Kunstpalästen ausgestellt und mit Preisen bedacht zu sehen. Aber ein Lob war Alla desungeachtct nicht geworden. Dann hatte sie den Proses'ortitel bekommen und den Ehrendoktor eingeheimst. Aber auch das war nicht geeignet gewesen, die Absonderlichkeit ihrer Berufswahl vergessen zu lassen.
Wenn die Setterholms ihre Gesellschaften, Soupers, Diners, Tees und Picknickeinladungen gaben, flog zwar eine Karte immer auch in das Atelier in der Prinz-Eugen-Straße. Aber die Frau Professor hatte selten Zeit. Höchstenfalls an Weihnachten, wenn die Familie Geschenke austauschte, kamen Früchtekorbe und Blumenarrangements nach Allas Sechszimmerwohnung. And von dort wanderte dann eine Düste oder irgendeine andere Aufmerksamkeit zu den Verwand ten.
Aschi hatte die Tür zum Atelier geöffnet und meldete: „Das Fräulein Dloem möchte der Frau Professor guten Morgen sagen!"
Alla wandte das Gesicht, sah Evrlins matt- angehauchte Wangen, den bläulichen Schimmer unter den Augen und das ungewollte Zucken um die Linie des blassen Mundes. Sie wußte in diesem Augenblick alles, was eine Frau nur immer von einer anderen wissen kann.
Run war also auch das Kind so weit! Beinahe war es Zorn auf das Leben, das immer diesen einen und selben Trott ging. Richt einmal An- kraut wuchs so jäh wie die Liebe. Sie kam, und wenn sie sich durch die rissigste Erde winden mußte. And wuchs! Ob man sie nährte oder
auszurotten gewillt war, sie gedieh! And fe mehr sie darbte, desto fester begann sie einzuwurzeln. Das schrecklichste dabei aber war: Man stand machtlos. Sie sprang einen an wie ein Raubtier und biß sich fest.
Evelin hatte keinerlei Ahnung, daß sie mit einem einzigen Blick durchschaut war. Sie wurde begrüßt, als käme sie im Auftrag ihrer Familie.
ist riesig nett von dir, daß du dich persönlich herbemüht, Eve", sagte .Alla, während sie ihr ein Kissen unter den Rucken schob und sich selbst neben sie auf dem Diwan nirderließ. „Aber ich konnte letzten Samstag nicht kommen, wirklich nicht! 3ch hatte so viel Arbeit! Du bleibst doch ein wenig?" And ganz erfüllt von Mitleid mit so viel offensichtlicher Rot, g*5 sie alle konventionelle Mache auf und verfiel wieder in den alten Dialekt, den sie und die Aschi bei ihren Zwiegesprächen anzuschlagen pfleg en. ..3ch hab noch gar nicht g'frühstuckt. Darf die Aschi dir auch eine Tassn bringen? 3a?" Sie wollte auf die Klingel drücken, aber Evelins Hände zogen die ihren zurück.
„Sei nicht böse, Tante, aber ich kann nichts essen jetzt!"
„Dann nicht, Kind! Aber ausw-jaen bei mir, das kannst schon, gelt, Herzl!" Jffren Arm um den der Richte legend, zog sie deren Kops an ihre CB ruft und streichelte über Schultern und Arme hin, die in verzweifeltem Weinen zuckten.
Allmählich wurde Eve ruhiger, und hob den Kopf zu der noch immer schönen Frau empor. „Sag doch, Tante, was kann denn er dafür, für das, was sein Vater getan hat?"
Alla Setterholms Gehirn versuchte vergeblich zu kombinieren, wer dieser Er fein könnte. Blitzschnell passierten sämtliche Herren der Setterholmschen Gäste ihr Gedächtnis. Welcher war es? Zweifelsohne ein armer Schlucker, dem man die Dloemschen Millionen nicht gönnen wollte.
„Das ist immer so", warf sie tastend ein. „Man bleibt stets der Schuldner für das, was dieser oder jener vor uns getan hat."
Das Mädchen seufzte. „Weißt du übrigen-, Tante, was zwischen der Mama und dem Grafen Lippstädt vorgefallen ist?"
Run war Alla Setterholm im Bilde. „Ach", sagte sie geringschätzig, „Der alte Tratsch! Hast ihn jetzt glücklich aufgetischt bekommen? Reichlich abg'stand'n ist er schon. Aber da drüber laß dir nur ja kein graues Härlein wachs'nk Ich bitt schon, wann einmal dreißig 3ahr über was hingangen sind, dann ist es wirklich Zeit, daß man das Ding begräbt. 3st ja eh gar nicht wert, daß man davon redt! Aber das ist echt Setterholmsch!"
(Fortsetzung folgt.)
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Gießen, den 30 April 1931.
Die Beerdigung findet Montag, den 4. Mai, nachmittags 21/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt
Gestern morgen entschlief sanft nach langem, schweren Leiden meine innigstgeliebte Mutter
Frau Lydia Balke Wwe.
geb. Rudolph
im 56. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Otti Balke.
Todesanzeige.
Gestern abend verschied nach kurzem Leiden mein lieber, herzensguter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder und Schwager
Herr Job. Adam Hartmann
Straßenwflrter I. R. 4
im 83. Lebensjahr.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Ellese Hartmann.
Gröningen, Gießen. Friedberg. Heuchelheim, den 30. April 1931.
Die Beerdigung findet Samstag. 2. Mai, nachm. um 2 Uhr statt.
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Bekanntmachung.
Der vorn Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Londorf für 1931 Rj. liegt vom 5.2Hai L 3. ab eine Woche lang auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht der Beteiligten offen, woselbst innerhalb dieser Frist Ein- Wendungen schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden können. 3034D
Es wird eine Umlage erhoben, zu der auct die Ausmärker beizutragen haben.
Londorf, den 29. April 1931.
Bürgermeisterei Londorf. Älumann.
Für die vielen wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme beim* Heimgänge meiner lieben unvergeßlichen Frau
Louise Schneider, geb. Euler sowie für dif liebevolle Pflege derselben durch die Gemeindekrankenschwester Lieber und die Krankenschwestern in der rned. Klinik und
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Nach Gottes unerforschlichem Ratschluß entschlief nach kurzem, schweren Leiden unsere liebe, her^ zensguteSchwester.Schwägerin.Tanteund Cousine
USU-Betten (Stahl u. Holz) Polster. Sdilofzimm„Stahlmatr. Kiodcrb.Chaisel. a.Private. Ratenz!. Katal.fr. Eisenmöbelfabrik Suh)
Im evangel Schwesternhaus, für die überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Andres am Grabe, sage ich auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank.
Friedrich Schneider, Bürgermeister und Postassistent a.W,
Allendorf a. d. Lumda, den 29.April 1931.
Elisabethe Winkelhaus
im Alter von 49 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Winkelhaus
Londorf, Gießen. Wetzlar und Neunkirchen (bei Sieben), den 1 Mai 193L
Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 3. Mal.nachmittags 4'/, Uhr statt _____________________________________________________3071D
Arbeiisvergebung.
Für den Neubau des Marktlaubengebäudes sollen die äußeren verputz- und Anstreicherarbeiten vergeben werden.
Angebote auf Vordruck sind bis zum Samstag, dem 9. Mal, vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen. 304IC
Zeichnungen und Bedingungen liegen auf dem Bureau des Herrn Baurate Pfaff, Gartenstraße 26, offen.
Gießen, den 30. April 1931.
Städtisches Hochbauamt: G ra v ert.
lAf FORI? DRUCKSACHEN
VV Eb i\ ö C.Brühl'sche Druckerei
Bekanntmachung.
Für den Ausbau des Hohleichweges sollen auf Grund der Reichsoerdingungsordnung für Bauleistungen folgende Arbeiten öffentlich vergeben werden:
Los 1. Erd. und Uferbefestigungsarbeiten.
„ 2. Maurer, und Eisenbetonarbeiten.
„ 3. Pflaster, und Chaussierungsarbeiten.
„ 4. Lieferung von Wasserbausteinen.
„ 5. Lieferung von Basalt, oder Granitborden.
Verdingungsunterlagen und Angebotsoordrucke sind bei uns erhältlich. Die Angebote sind versiegelt in einem Briefumschlag ohne Firmenaufdruck mit entsprechenden Aufschriften versehen, spätestens zum Eröffnungstermin am
Donnerstag, dem 7. Mai 1931 vormittags 10 Uhr
bei dem Städtischen Tiefbauamt, Asterweg Nr. 27, abzugeben, wo die Eröffnung der eingegangenen Angebote im Beisein der etwa erschienenen Anbieter erfolgt.
Zuschlagsfrist vier Wochen. 3041C
Gießen, den 30. April 1931.
Städtisches Tiefbauamt: Braubach.
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Samötaa, den "4. Mai 1931, von 8 Uhr ab fs«oi > Fleischverkaus.
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