Nr. 26 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Zreitag, 31. Januar (930
(Er |tt)t tnt löglich.ouhei Sonntags und Feienag» Beilagen:
Die Illustrierte _ ©iefjencr Jamtlienblätter
Heimat >m Bild Die Schalle
monati'-Bepigsprets:
2.20 Reichsmark und 30 Reichsplennrg für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelncrNummern infolge höherer Gewalt.
tiernsorechanschlüste anterSammcInummer'2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen, potzfchecktonto: granlfurt am Main 11686.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Vrt'S vnd verloa: vrlihl'sche Universitätr-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange in Gietzen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: §chu!llra^e 7.
Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
preis für I mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klarneanzeigen van 70 n m Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrisi 20u , mehr.
Chefredakteur
Dr Frtedr Wilh Lange. Derantwartlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.TÜyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, fämtlid) in Gießen.
Rücktritt des preußischen Kultusministers Dr. Becker.
Ministerpräsident Dr. Braun ernennt den Sozialdemokraten Grimme vom Brandenburgischen Provinzialschulkollegium zum Nachfolger Beckers. - Scharfe Kritik der preffe. - Oie Koalitionsverhandlungen mit der Volkspartei gescheitert.
Berlin, 30. Ian. (DB.) Der Kultusminister Professor Dr. Becker hat an den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun heute folgendes Schreiben gerichtet:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Die politische Entwicklung der letzten Zeit hat mich zu der Ueberzeugung gebracht, dah die Auffassung führender Parteien van der Bedeutung der gratzen kulturellen Aufgaben meines Ministeriums so stark von dem Geiste abweicht, den ich in langen Iahren mühevoller Arbeit im Dienste der geistigen und palit.schen Erstarkung der deutschen Republik zu verwirklichen bemüht war, dah für mich eine gedeihliche Wirksamkeit nicht mehr gegeben ist. Ich lege deshalb hierdurch mein Amt nieder. Ihnen, Herr Ministerpräsident, danke ich bei diesem Anlah sür die persönliche und sachliche Anterstühung, die ich in den fünf Jahren meiner Ministerschast unter Ihrem Präsidium oft bei Ihnen gefunden habe. In hoher Verehrung Ihr ergebener
(gez.) Becker.
Der Ministerpräsident empfing Professor Dr. Becker, der ihm sein Rücktrittsgesuch überreichte. Ministerpräsident Dr. Braun nahm das Rück- lrittsgesuch entgegen. Er dankte dem aus- fcheidenden Staatsmlnister herzlich für die grohen Dienste, die er dem Freistaat preuhen und darüber hinaus der gesamtdeutschen Wissenschaft und kulturellen Arbeit zuerst als Staatssekretär und dann als Minister im Rahmen des weit gespannten Bereiches feines Ministeriums geleistet habe und gab der Hoffnung Ausdruck, dah er seine reichen Erfahrungen aus dem Gebiete der deutschen Geistesarbeit und der wissenschastlichcn Forschung im Interesse des Volkes und des Staates auch in Zukunft an sichtbarer Stelle wirksam werde nützen können.
Oer neue Mann.
Tcr Lcbeusqang des neuen Kultusministers.
Ministerpräsident Dr. Braun hat zum QE > nister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung den gegenwärt'gen Vizepräsidenten des Provinzialschulkollegiums für die Provinz Brandenburg, G r i m in e, ernannt, lieber die Personalien des neuen St^atZministerZ Grimme teilt der Amtliche Preußische Pressedienst u. a. mit: Adolf Grimme, der im 41. Lebensjahre steht und in Goslar am Harz geboren ist, studierte Philosophie und begann seine pädagogische Laufbahn im Jahre 1919 als Oberlehrer in Hannover. 3m 3ahre 1923 wurde er an das Provinzialschulkollegium in Hannover verseht. 3m 3ahre 1925 wurde er als Oberschulrat nach Magdeburg berufen und trat 1927 in das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Dolisbildung als H i l f s° a rbei te r ein. Cr wurde dort 1928 zum Mi - nisterialrat ernannt und verwaltete längere Zeit auch das Prefsereferat des Ministeriums. Seine Ernennung zum Vizepräsidenten des Provinzialfchulkollegiums der Provinz Brandenburg -beendete 1929 seine Tätigleit im Kultusministerium. Staatsminister Grimme ist publizistisch mit Schriften in der Schriftenreihe der entschiedenen Schulreformer t> rocr*etr.t n, um, entsprechend seiner Einstellung als religiöser Sozialist evangelischer Konfession den weltlichen Schulz: danien auch religiös zu untermauern. Er ist ferner der pädagogischen Welt bekannt als Herausgeber der maßgebenden Fachzeitschrift aus diesem Spezialgebiet, der ^Monatsschrift für höhere Schule n“. Politisch gehört er der sozialdemokratischen Partei an.
Oer zurückgetretene Minister.
Der zurückgetretene preuhische Kultusminister Dr. Karl Heinrich B e d c r wurde am 12. April 1876 in Amsterdam als Sohn des Konsuls Beder, 3nhaber der dortigen Banksirma Beder & Fuld, geboten. Er b.such e das Gvmnasium in Frankfurt a. M. und studierte in Lausanne, Heidelberg und Berlin Theologie und orientalische Sprachen. 1902 wurde cr Privatdozent in Heidelberg. Von 1908 bis 1912 war er ordentlicher Professor und Direktor des Seminars für Geschichte und Kultur des Orients, an dem inzwischen zur Universität umgewandelten Kolonialinstitut in Hamburg. 1913 wurde cr Leitet des zu errichtenden orientalischen Seminars an der Universität Bonn. Dr. Beder war außerdem Begründer und Herausgeber I er Zeitschrift „3slam" und Mitarbeiter verschiedener Fachwerke für 3stamforschung. 3m 3ahre 1916 kam er als Vortragender Bat ins preuhische Kultusministerium und erhielt gleichzeitig einen Lehrauftrag als ordentlicher Honorarprofessor an der Berliner Universität. Aach dem Umsturz wurde er unter dem Kultusminister Hänisch Staats- selretät. 3m April 1921 übernahm et als
Fachminister im Kabinett Stegerwald das Sui« 1 tusministerium. Dem kurzlebigen preußischen Kabinett Marx vom 19. Februar 1925 ge- | hörte er wieder als Kultusminister bis zu dessen Rücktritt am 21. Februar 1925 an, ging dann aber in gleicher Eigenschaft in das nach langer Krisis am 6. April desselben 3ahres gebildete Kabinett Braun über.
Oie Koalitionsverhandlungen gescheitert.
Die Bolkspartei lehnt Brauns Angebot als ungenügend ab.
Berlin, 30. 3an. (VDB.) Die Derhand- hingen zur Herbeiführung der Großen Koalition in Preußen müssen, soweit der Ministerpräsident als Vethandlungssührer in Frage kommt, vorläufig als gescheitert betrachtet werden. Die Deutsche Bolkspartei hat beschlossen, das Angebot des Ministerpräsidenten, mit dem Handelsminister und einem Minister ohne Portefeuille in das Kabinett zu gehen, abzulehnen, weil dieses Angebot unzureichend sei. Die Deutsche Bolkspartei hatte an Stelle des Handelsministeriums das Kultusministerium oder das 3ustizmini- ftcrium verlangt. Die Fraktion hat dem Ministerpräsidenten Mitteilung von ihrer ablehnenden Haltung in der Koalitionsfrage gemacht. Ministerpräsident Dr. Braun erklärte, damit sei seine Mission erledigt.
Echo der presse.
Scharfe Kritik an der Diktatur Brauns.
Berlin, 31. 3an. (TU.) Zu dem durch den Rücktritt Pros. Dr. Becker hervorgerufenen Wechsel im Preuhifchen Kultusministerium nehmen die Berliner Blätter eingehend Stellung. Die „Germania" (Zentr.) bedauert das Scheiden Dr. Beckers und weist darauf hin, dah die Begründung, mit der Dr. Becker sein Amt zur Verfügung gestellt habe, für unser politisches Leben keine besondere Ehre bedeute, dah aber ihre Stichhaltigkeit schwerlich entkräftet werden könne. Das Blatt bedauert weiter, dah damit die Verhandlungen für eine Gröhe Koalition in Preußen nicht nur ohne Gewinn, sondern mit einem ausgesprochenen Verlust saldo abschliehen. Cs scheint so, daß die Sozialdemokraten, nachdem sie ihren Einfluß im preußischen Kabinett verstärkt haben, kein 3nteresse mehr an der Weiter- verfolgung des Zieles der Großen Koalition haben. — Das „Berliner Tageblatt" (dem.) sagt, für Dr. Decker sei im übrigen auch der Wunsch maßgebend gewesen, dem Ministerpräsidenten d i e •eigenartige und überaus unschöne Rolle zu erleichtern, in die ihn Herr Br°aun durch den Ansturm des betriebsamen Sozialdemokraten Heilmann und durch seine eigene Schwäche und älnterwürfigkeit gebracht habe. Dr. Becker sei den Machenschaften kleiner Kliquenzeister erlegen. — Auch die „Vossische Zeitung" (dem.) stellt fest, dah Ministerpräsident Braun bei der Genehmigung des Rücktrittsgesuches dem Druck der sozialdemokratischen Landtagsfraktion gewichen sei. — Der „Vorwärts" (soz.) sagt, der Wechsel sei eine politische Notwendigkeit gewesen. Die Sozialdemokratie sehe endlich die allseits gegebene Zusage eingelöst, dah sie das Llnterrichtsministerium in Preuhen erhalten sollte.
Die „D. A. Z. (D.V.) sagt, die brüsk: Verabschiedung des Kultusministers Becker sei die neueste Leistung der Diktatur des Minister- präsidenten Braun und man bedauere nur im 3nteresse des staatsmännischen Rufes, in dem Herr Braun bisher gestanden habe, dah diesmal hinter seiner mächtigen Gestalt der sonst meist anonyme Drahtzieher Herr Heilmann sichtbar werde, der Beherrscher der sozialdemokratischen Fraktion. Er habe seinen Willen durch- geseht und mit der kleinlichen Verbohrtheit des Parteifunktionärs Rache genommen. — Der „Börsen-Cou- rier" (dem.) schreibt, nicht der Kampf um Kultur und Kirche, um Schule und Fügend, sondern s er von diesen Fragen gänzlich unbelastete Kampf um die zahlenmähige Verteilung der Ministerposten habe an dem Punkt des geringsten Widerstandes den Wechsel bewirkt. — Der „Lokal-Anzeiger" (Hugenberg) sagt, Dr. Decker sei endlich die Erkenntnis aufgedämmert, dah in der derzeitig preußisch-deutschen Republik die herrschenden Parteiinteressen allen anderen Rücksichten voran- gestellt würden. — Die „Deutsche Tageszeitung" (Landbund) betont, der Szenenwechsel zeige, dah die Sozialdemokratie einer Verschleierung ihrer Wünsche nicht mehr bedürfe. Sie wolle aufs Ganze gehen und könne es sich offenbar auch leisten- denn sie nehme seelenruhig in Kauf, die Demokraten, die sich schon seit geraumer Zeit sehr verschnupft zeigten, aufs äußerste zu brüs- I fieren. Wenn die Sozialdemokratie dennoch diesen Schritt wage, so müsse sie sich des Zentrums auherordenÜich sicher suhlen. Das Blatt gibt
seinem Erstaunen darüber Ausdruck, t>afj_ das Zentrum dem Einzug des „religiösen S o z i a l i s m u s", in die christliche Kultur so widerspruchslos zustimme. Eine solche Entwicklung könne das christliche Deutschland unmöglich stillschweigend hinnehmen und es erscheine dringend vonnöten, daß insbesondere die christliche Elternschaft in Zukunft mehr denn je auf dem Posten sei.
Oas Defizit Berlins.
Ter Oberpräsidcnt fordert crncnt Bericht über die getroffenen Sparmatznatzmcn.
B e r I i n, 30. San. (WB.) Die Berliner Stadtverordnetenversammlung nahm einen Antrag der Deutschen Bolkspartei an, nach dem lediglich der Nachtragsetat zahlenmäßig mit einer Mindereinnahme von 22,8 und einer Mehrausgabe von 25 Millionen festgesetzt, also ein Defizit von 47 Millionen Mark festgestellt wurde. Dieser Fehlbetrag muh in den Haushalt 1930, der Mitte Februar eingebracht wird, aufgenommen werden. Die Minderung des Defizits durch die St euer - erhöhungen, die 13 Mill. Mark einbringen
sollten, wurde jedoch einstimmig abgelehnt. Das praktische Ergebnis der Ablehnung der Deckung des Nachtragsetats durch Steuern ist, daß der Magistrat lediglich die Zustimmung der Stadtverordneten für die von ihm vorgeschlagenen Einsparungen im Betrage von 30 Millionen erhalten hat und nun versuchen muß, durch weitere Einschränkungen der Ausgaben das Defizit zu vermindern, wenn es nicht den neuen Etat, der ja balancieren muß, erheblich vorbelasten soll.
Der Oberpräsident hat an den Magistrat ein Schreiben gerichtet, in dein er um umgehenden Bericht über die Beschlüsse hinsichtlich der Deckung des im Laufe des Rechnungsjahres entstehenden Fehlbetrages bittet, insbesondere um Angabe, welcheMehreinnahmenund welche Minderausgaben sich nach den endgültigen Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung ergeben haben. Er mache den M a g i st r a t dafür verantwortlich, daß alle Sparmaßnahmen unbedingt ausgeführt werden. Ferner ersucht der Oberpräsident um Angabe, welche Vermögenswerte die Stadt und die städtische Gesellschaft aus den Ueberschüssen früherer Jahre angeschafft und noch im Besitz habe.
Die Erledigung der Hounggesehe.
Reichskabinett und Zentrumsforderungen. — ^oungplan, Polenabkommen, Saarverhandlungen und Zinanzreform.
B e 11 i n , 30. Jan. (privat.) Das Reichskabi- n c 11 beriet in seiner heutigen Sitzung die p o u n g- g c s e tz e , die Ende dieser Woche oder anfangs nächster Woche dem Reichsrat zugehen sollen. Es ist anzunehmen, dah dabei auch die Wünsche zur Sprache gekommen sind, die das Zentrum in der bekannten Mitteilung der „Germania" zum Ausdruck gebracht hat. In Kreisen der Regierung ist man der Auffassung, dah die durch das Zentrum aufgeworfenen Fragen in einer ernsten und gründlichen Aussprache zwischen Kabinett und Fraktionsführern geklärt werden müssen. Deshalb wird der Reichskanzler die Parteiführer in den nächsten Tagen, spätestens bis Montag, zu einer Sitzung zufammen- bitten, in der zunächst über die Verhandlungen mit Polen und über die Saarbespre- ch u n g e n berichtet werden wird.
Die Verhandlungen mit Polen, die sich namentlich auch auf das Rückkaufsrechl beziehen, dürften dicht vor dem Abschluß sichen. Dagegen rechnet man damit, dah die Saaroerhandlungen s i ch nochmonatelanghinziehen werden, da ein groher Komplex verwickelter politischer und techni
scher Fragen noch zu klären ist. Unter diesen Umständen ist eine Verbindung der Saarverhandlungen mit dem Poungplan vom deutschen Standpunkt aus schon allein deshalb nicht möglich, weil dieRäumungderdritlenZonenicht verzögert werden darf.
In der bevorstehenden Besprechung der Reichsregierung mit den Parteiführern wird zweifellos aber auch der Wunfch des Zentrums nach einer Beschleunigung der Finanzreform behandelt werden. In Kreisen der Regierung hofft man, dah es möglich fein wird, mit dem Zentrum eine Verständigung zu finden, und zwar auf der Basis, dah die Erledigung der Poungge- f e h e durch die Verkoppelung mit den auherordenl- lich schwierigen Fragen der Finanzreform nicht verzögert, dah aber auf der anderen Seite den berechtigten Wünschen des Zentrums insofern Rechnung getragen wird, als die hinter der Regierung sichenden Parteien sich mit dem Kabinett über die Grundzüge derhaushaltspo l i tik für 1 930/3 1 einigen.
Moldenhauers Programm.
Ausgleich des Etats und Erleichterungen für die Wirtschaft muffen nebeneinander hergehen.
Berlin, 30. 3anuar. (WB.) Aus einem von den in Berlin vertretenen Zeitungen im Reich veranstalteten EmPsangsabend, an dem das offizielle Berlin in überaus groher Zahl teilnahm, hielt Reichs, inanzminister Dr. Molden- Hauer eine bedeutsame Rede. Der Minister erinnerte an die letzte Veranstaltung des Vereins vom 7. Februar v. 3., dem Tage, an dem d i e deutschen Sachverständigen nachPa- r i s a b r e i st e n , um die abschließende Regelung der Reparationsfrage cin-.uleiten. Die an die Einigung der Sachverständigen geknüpften Erwartungen, Entspannung der Lage und Aufschwung der Wirtschaft, erfüllten s i ch nicht. Die Wirtschaft litt während der Dauer der ganzen Verhandlungen durch die 11 n g e • wihheit des Schwebezustandes zwischen den einzelnen Derhandlungsphasen und des Ergebnisses. Zu dieser Un, id;crljeit trat d i e Erschwerung der deutschen Kapitalversorgung. Der für Deutschland so notwendige Blutzufluh durch ausländische; Kapital wurde infolge der eigenartigen Lage des amerikanischen Marktes ungenügend, die persönliche 3nitiative erlahmte und die allgemeine Stimmung der Unternehmerschaft war von düsterem Pessimismus gefärbt. Diese Stimmung wurde dadurch verstärkt, daß nicht nur die Privatwirtschaft, sondern auch die öffentliche Hand nicht mehr über liquide
außerordentlichen Etats übernommen worden, für die die Deckung durch Anleche ausgefallen wäre. Die andere sei die gewesen, daß bei den zunächst ständig wachsendenSteuererträ- gen mit einer ununterbrochenen Entwicklung nach oben gerechnet und dadurch Bewilligungen insbesondere auch durch das Parlament veranlaßt worden waren, die nur bei mindestens g.eichbleiöendem ©ieuerertrag getragen werden konnten. Aach Einsetzen einer Krise wären die durch die Wirtschaftslage und die 3ahrecz:it bedingten erhöhten sozialen Ausgaben in einem Augenblick eingetreten, wo infolge unserer kapitalarmen Wirtschaft, die zum Teil ihre Anlagen mit ihren Betriebsmitteln und kurzfristigen Krediten erstellt hätte, auch das Steueraufkommen sofort stark hinter den Schätzungen zurückgeblieben wäre. Aach seiner Ueberjeugung müsse bajer derWir t- schäft, deren zu starke Anspannung zum Sinken der Konjunktur geführt oder sie mindestens verschärft hätte, geholfen werden, und andererseits müßten die Fehlbeträge gedeckt und ein ausgeglichener Etat hergestellt werden. Beide Dinge müßten neben einander verfolgt werden, nur dann könne die deutsche Wirtschaft die Kraft finden, die Verpflichtungen des Voung-Planes, die zwar eine Erleichterung gegenüber dem Dawes-Plan, aber noch immer eine schwere Vorbelastung' der deutschen Wirtschaft vor allen Wirtschaften bilden, zu erfüllen.
Oie militärischen Sachverständigen verlassen Deutschland.
Mittel und über das notwendige Kapital verfügten.
Der Minister ging dann auf die Etatslage des Reiches über. Zwei Auffassungen hätten bei der Uebernahme neuer Ausgaben mitgewirkt, ohne daß die Voraussetzungen, von denen dabei ausgegangen wurde, sich verwirklicht hätten. Die eine sei eine falsche Einschätzung der Kapitalkraft der Märkte und ihre Hergabewilligkeit gewesen. 3n dieser falschen Einschätzung seien große Beträge auf die
Berlin, 31.3an. Der Reichsregierung ist eS gelungen, in Verhandlungen mit der Botschafter- konferenz durchzusehen, daß die besonderen militärischen Sachverständigen abberufen werden, die in den letzten Jahren nach 2luflöfuna


