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Gießen, 29. Oft. Der Rechner einer ober- hessischen Gemeinde ist der 2l m t s Unter­schlagung in Verbindung mit unrichtiger Füh­rung der Bücher angeklagt. Es handelt sich um einen b ei der Kassenrevision fest gestellten Fehl­betrag in Höhe von fast 3000 Mark. Der An­geklagte hat das Geld eingenommen, auch den Zahlungspflichtigen Quittung erteilt die Be­träge aber nicht gebucht. Sowohl der Amts- nachfolger wie der zuständige Bürgermeister trauen dem Beschuldigten nicht zu. daß er, der sich jahrelang in seinem Amte gut geführt habe, die vereinnahmten Beträge unterschlagen: habe. Es Habe in der Geschäftsführung ein solcher Wirrwarr geherrscht, dah er wohl selbst nicht mehr ein und aus wußte. Der medizinische Sach­verständige erklärte, die Handlungen des An­geklagten seien auf seinen körperlichen und gei­stigen Rückgang in den letzten Zähren zurück- zusühren, ihm stehe der § 51 StGB, zur Seite, er sei nicht als verantwortlich anzusehen. Das Gericht erkannte hierauf, dem Antrag des Staats­anwalts gemäß, auf Freisprechung.

Ein junger Posthelfer ist beschuldigt, einen ihm eingezahlten Betrag von etwa 20 Mark unter­schlagen ju haben. Außerdem hat er einen vom Einzahlenden an den Empfänger gerichteten Brief unterdrückt, zwei Postkarten geschrieben und diese mit fremdem 71 amen unterzeichnet. Das Gericht billigte dem Angeklagten mit Rücksicht auf seine 3ugend und sein Geständnis mildernde Umstände zu und erkannte auf drei Monate zwei Wochen und vier Tage Gefängnis.

Ein auswärtiger junger Korbmacher hat daS Datum einer Wochenfahrkarte abgeändert und diese dem diensttuenden Beamten vorgezeigt. Da eine Eisenbahnfahrkarte als öffentliche Urkunde anzusehen ist, muß erhöhte Bestrafung eintreten. Bei der 3ugend, der Hnbe straf theit und bei dem offenen Geständnis erkannte das Gericht auf die Minim alstrafe von drei Monaten Ge­fängnis.

einer Gemeindebürgfchaf t für ein von der Hessischen Landesbank angebotenes Darlehen in Höhe von 70 000 Mark, daS ebenfalls für die Feldbereinigungsgesellschaft bestimmt wäre, wurde abgelehnt. Zur Stärkung des stäbttf?n Be­trieb s k a p i t a l s wurde beschlossen, einer Re­gelung der Finanz- und Rechtskommission zur Aufnahme eines Darlehnsvon80 0 0 0 1 k. zuzustimmen. Die Anleihe soll während der 3ahre 1931 bis 1938 mit je 10 000 Mark amortisiert werden. Zur Deckung des dadurch entstehenden Fehlbetrages ist der Ertrag der Bürgerab- gabe und der Biersteuer, die kürzlich be­schlossen wurden, zu verwenden. Gin Gesuch um Erstattung von Hochwasserschäden tourte abgelehnt. Die Hundesteuer soll im Rech- nungsjahr 1931 in Höhe des Vorjahres erhoben werden.

Landkreis Gietzen.

i, Wteseck, 29. Oft. Nachdem vom KreiSamt die endgültigen Steuersätze für 1 9 29 und die vorläufigen Steuersätze für 1930 festgesetzt waren, stimmte der Gemeinderat in seiner gestri­gen Sitzung dieser Regelung wie folgt einstimmig zu: Cs werden erhoben: Grundsteuer von Ge- bäuden und Bauplätzen von 100 Mk. Steuerwerk 1930 = 28 Pf. wie 1929; Grundsteuer von lcrnd- und forstwirtschaftlich, oder gärtnerisch genutztem Grundbesitz 1930 = 69 Pf. wie 1929; Gewerbe­steuer vom Gewerbekapital von 100 Mk. Steuer­wert 92 Pf. wie 1929; Gewerbesteuer vom 'Ne- werbeertrag von 100 Mk. Ertragswert 270 Pf. wie 1929; Sondergebäudesteuer von den Steuer­werten bis 7000 Mk. = 45,75 Pf., über 7000 Tltt. = 39,93 Pf. Die Aenderungen zu der Polizei­verordnung über Kanalbenuhung bzw. Gebühren wurden ebenfalls genehmigt. Einem Wirtschaftsgesuch des Karl Koch wurde zugestimmt, da in diesem Hause schon langeeine Gastwirtschaft besteht. Verschiedene Gesuche (Miet- erlaß, Steuererlaß usw.) wurden an die be­treffenden Ausschüsse überwiesen bzw. erledigt. Einige Mieter von Gemeindewohnungen sind sehr stark mit ihren Mieten im Rückstand; es soll gegen die Säumigen mit aller Strenge vorge­gangen werden. ,

X Wieseck. 29. Oft. Die goldene Hoch­zeit der Eheleute Heinrich Weller IX. und Maria geb. Taupert brachte dem Jubelpaar eine stattliche Reihe von Zeichen der Verehrung und des Gedenkens. Reichspräsident von Hinden­burg sandte eine Glückwunschurkunde, der Orts­geistliche verlas ein Glückwunschschreiben der Etaatsregierung und des Kreisdirektors. Ferner überreichte er ein künstlerisches Gedenkblatt des Landeskirchenamtes und einen Wandspruch als Gabe der Kirchengemeinde. Die Staatsregierung übersandte dem Jubelpaar eine Ehrengabe.

----Daubringen, 28. Ott. Am Samstagabend hielt im Gasthof Weimer Landwirtschaf Mehrer Dr. Orth vom Landwirtschaftsamt Grünberg einen Vortrag über dieSchädlingsbekämp­fung in der Landwirtschaft". Der Vortrag löste eine lebhafte Aussprache aus. Bürgermeister Preis dankte dem Redner im Ramen der Be­sucher.

Grünberg, 27. Oft. Am Samstagabend hielt der Motorsport-Club Grünberg- Laubach, Ortsgruppe des Allgemeinen Deut­schen Automobil-ClubsADAC Gau 3b imWil­den Mann" feine Generalversammlung ab. Aus dem vom seitherigen 1 Vorsitzenden Heinrich Kappes vorgetragenen Jahresbericht ist folgendes zu entnehmen: Die Gründung der Ortsgruppe Grünbera-Laubach und damit der Anschluß an den Allgemeinen Deutschen Auto- mobil-ClubADAC erfolgte am 5. April b. 3. Die meisten Mitglieder des seit März 1929 schon bestehendenMotorsport°Club 1929 Grünberg traten in die neue Ortsgruppe ein, so daß der Mitgliederbestand bei der Gründung 22 betrug. 3m Laufe des Jahves fanden 4 Austritte und 11 Reueintritte statt, so daß die jetzige Mitglie- derzahl 29 beträgt, außerdem sind noch 4 passive Mitglieder vorhanden. Die Beiträge wurden auf vierteljährlich 1 Mark festgesetzt. 3m Berichtsjahre wurden acht Fahrten unternommen. Der eifrigste Fahrer, Zahnarzt Dr. Weber, sowie der Sie- ger bei der Fuchsjagd, Hans Ranft, sollen je I einen Preis erhalten. Die Rechnungsablage ergab : feine Beanstandung, und es wurde dem Rechner : Entlastung erteilt. Bei der Vorstandswahl

4 Drtenb era, 29. Oft. Auch an dem heutigen dritten Markttag desKalten Mark- t e 8 war der Besuch noch lebhaft, obwohl das Wetter zuerst nicht allzu schön war. Der übliche Krämermarkt ist wie immer verlausen.

Kreis Schotten.

d. Schotten, 28. Oft. Am SamSkag hielt die hiesige Freiwillige Feuerwehr ihre all­jährlich im Oktober stattfindende Schluß­übung ab. Die Hebungen, sowie der Brand­angriff zeigten die Wehr auf ihrer alten Höhe. 3m Anschluß an die Hebungen fand imHessi­schen Haus eine besondere Feier statt. Es galt, die alten, noch lebenden vier Gründer zu ehren, die Kameraden Heinrich Weitz, 3oh. Hrch. Rühl, Adam H a u und Konrad S ch l ö r b VIII. Durch den Delegierten Kreisfeuerwehrinspektor Bechtold (Lauterbach), wurde den verdienten Feuerwehrveteranen das silberne Derdienstkreuz des Hessischen Freiw. Feuerwehrverbandes über­bracht. Die Glückwünsche der Stadt übermittelte Bürgermeister Mengel, die der Freiw. Feuer­wehr Schotten deren Kommandant O. Stang. Der Vertreter des Kreisamts Schotten, Regie­rungsrat Schwan, sprach der Wehr Anerken­nung und Dank der Verwaltung In lobenden Worten aus, auch Kreisfeuerwehrinspektor Eber he im fand anerkennende Worte für die Wehr. Die Kapelle der Wehr trug wesentlich zur Hnterhaltung bet dem anschließenden gemüt­lichen Teil bei.

-s- Gro ß-E i ch e n, 28. Oft. Am Sonntag feierte unsere Gemeinde ihr Erntedankfest. Der Gottesdienst wurde eingeleitet durch einen Schü­lerchor unter Leitung von Lehrer Bopf. Der Ortsgeistliche legte seiner Predigt Ps. 118, 28 u. 29 zugrunde. Der Gottesdienst war von der Gemeinde außerordentlich stark besucht. Die Kollekte für das

schieden sahungsgemäß der erste Vorsitzende, der Rechner und der erste Sportleiter aus. 2lls 1. Vor- sitzender wurde Zahnarzt Dr. Weber gewählt, Rechner und 1. Sportleiter wurden in ihren Rem­tern bestätigt; als 2. Sportleiter, welches Amt seit­her der nunmehrige 1. Vorsitzende inne hatte, wurde Paul Büttel bestimmt. Der Vorstand seht sich demnach folgendermaßen zusammen: 1. Vors.: Zahnarzt Dr. Weber (Grünberg), 2.Vors.: Zigarrenfabrikant Ludwig Hohmann (Laubach), Schriftf.: Bankbeamter Ernst Appel (Lehnheim), Rechner: Kaufmann K. Raumann (Laubach), 1. Sportleiter: Schlossermeister Alvis Muth (Grünberg), 2. Sport!.: Buchhändler Paul Büttel (Grünberg), Beisitzer: Fabrikant Karl S ch l ö r b (Walkmühle bei Lauter).

Kreis Büdingen.

I! 'Bübingen, 28.Oft. 3n der Gewerbeschule sand am Sonntagvormittag die Schluhfeier der diesjährigen Herbstgesellenprüfung statt. Von 13 Prüflingen hatten 12 die Prüfung bestan- den. Rektor Müller ermahnte die jungen Ge­hilfen zu eifrigem Streben. Der Vertreter der Hessischen Handwerkskammer, Schlossermeister Heß, Friedberg, richtete Worte der Aufmunte- rung und der Ermahnung an die Prüflinge. 3m Anschluß daran verteilte Rektor Müller, der Leiter der Prüfungskommission, die Gesellenbriefe. Am Sonntag hielt die hiesige Freiwillige Feuerwehr ihre diesjährige Haupt- und Schlußübung ab. Die Feuerwehr Düdelsheim erschien hierzu mit einer Motorspritze. Der im Anschluß an die allgemeinen Hebungen durch­geführte Brandangriff wurde zur Zufriedenheit erledigt. Die Leistungen der Düdelsheimer Klein- motorfpritze dürften den Büdinger Stadtrat in dem Wunsche bestärkt haben, ebenfalls eine Mo­torspritze anzuschaffen.

I! Büdingen, 29.0h. Die Turngesell- schäft Büdingen hielt am Sonntagabend im Fürstenhof" einen Werbeabend ab. Hebungen am Reck, am Barren und Pferd, Gemandtheits- Übungen und Freiübungen, ferner die Reigen der kleinen und kleinsten Turnerinnen und Turner füllten den Abend und fanden starken Beifall. Rach der Preisverteilung hielt der Vereinsvorfitzende, Oberinspektor Kärcher, eine Ansprache über die Ziele der Turnerei, in der er die Turnerinnen und Turner ermahnte, auf dem bisherigen Wege Im Geiste der Deutschen Turnerschast unbeirrt weiter- zuschreiten. Musikalische Darbietungen des Orchester­vereins Büdingen umrahmten den Abend.

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!! Büdingen, 29. Oft. 3n der jüngsten G e - meinderatssitzung wurde der Beschluß ge­faßt, die Gebühren für Lagerplätze der Stadt in der von der Finanz- und Rechtskom­mission vorgeschlagenen Form zu genehmigen. Eine von der gleichen Kommission vorgeschlagene Reae- lung über die Beschaffung von Drenst- wohnungen für die G e m e i n de b e a m - ten fand ebenfalls Zustimmung. Ein Antrag der Bewohner des alten Schul^auies am Damm auf Ermäßigung des Mietzinses verfiel der Ableh­nung. Weiter wurde beschlossen, die neuher­gerichtete Herberge dem Kleintovh- nungsmarktzur Cterfügung zu stellen und die durchreisenden Handwerksburschen im Armenhaus unterzubringen. Der Beschluß soll jedoch erst am 1.3anuar 1931 in Kraft treten. Der Gemeinderat genehmigte außerdem die Aufnahme eines vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft angebote­nen Meliorativns-Zwifchenkredites in Höhe von 23 000 Mark zur Weitergabe an die Felbbereinigungsgesellschaf t. Die Hebernahme

Elisabethenstist in Darmstadt und den hessischen Diakonieverein ergab den Betrag von 18 Mark. Altar und Kirche waren von den Konfirmanden mit Früchten aller Art und Blumen schon ge­schmückt worden. 3m Filialort Klein-Eichen fand ebenfalls ein gutbesuchter Gottesdienst statt.

-j- Sellnrod, 27. Oft. Gestern wurde hier das Erntedankfest gefeiert. Die Konfirmanden hatten den Altar mit Felbfrüchten geschmückt. Zwei sehr schön vorgetragene Schülerchvre unter Leitung von Lehrer Weimer halfen die Feier verschönern.

Kreis Alsfeld.

~ Maulbach, 27. Oft. Zu einer erheben- ben Stunde gestaltete sich der gestrige Ernte­dankfestgottesdienst, den der Ortsgeist­liche, Pfarrer Kalbhenn, unter Mitwirkung der Schulkinder abhielt. Der Geistliche predigte in anschaulicher, zu Herzen gehender Weise. Die Feier wurde umrahmt von Gedichten und Liedern der Schulkinder. Das Gotteshaus war prächtig und mit viel Liebe ausgeschmückt.

Oberheffen.

Kleingüierverlehr auf der Krastpost Gießen Gambach?

cP G r ü n i n g « n, 29. Oft. Wie die meisten Om­nibuslinien, so dienen auch die Kraftposten auf der Strecke Gießen Steinberg ©rüningen - Holzheim - Gambach hauptsächlich der Personenbeförderung. 3m In­teresse der abseits der Bahn gelegenen Orte wäre es sehr wünschenswert, wenn außer der Perso­nenbeförderung auch K le in t e rverkehr auf dieser Linie eingerichtet würde. Dies wurde eine große Erleichterung der Beförderung von Gu- lern nach den Landorten bedeuten. Durch die Ccn- richtung von Güterstellen bei denPost- agenturen könnten diese Orte für den Güter- verkehr erschlossen werden. Vielleicht ließe sich dies auf der Kraftpoststrecke GießenGambach derart gestalten, daß die von auswärts kommenden Wa- rensendungen von den liefernden Firmen nach der Bahnstation Gambach, die zugleich End­station der Omnibuslinie ist, geschickt würden. Von hier könnten die Kleingüter nach den Orten mit den am Rachmittag nach Gießen zurücksährenden Wagen besördert werden, zumal die Rückfahr­ten am Rachmittag erfahrungsgemäß keine allzu- starke Besetzung aufweisen. Die aus Gießen kom­menden Waren könnten wohl auf dem dortigen Postamt nach den in Frage kommenden Orten abgefertigt werden.

Giadiraissihnng in Bad-Nauheim.

^LDad-Rauheim, 29. Oft. 3n der gestrigen Stadtratssihung wurden für die Kan all s i e - rung der Gabelsberger Straße 10500 QKf., für 3nstandsehung städtischer Gebäude zusammen 4200 Mark bewilligt. Zugestimmt wurde dem Angebot der Provinz Oberheffen, nach dem von der Pro­vinzial st raße Bad-Rau he im Ock- st ad t ein Teil in Länge von 864 Meter als Eigentum und zur Unterhaltung an die Stadt übergeht. Die Provinz zahlt der Stadt als Ad- lösungsbetrag 10 039,68 Mk. Weiter wurde be­schlossen, die Mäusevertilaung in der Ge­markung von der Stadt einheitlich durchzuführen. Die Stadt beschafft auf ihre Kosten die erforder­lichen Giftmittel und stellt sie den Landwirten zur Verfügung, mit Ausnahme von solchenGrnnd- vefltzern mit einem Besitz von mehr als 100 Mor­gen. Für das städtische Konihkh stift wurde eine Satzungsänderung vorgelegt, der nach längerer Aussprache zugestimmt wurde. Wesent­lich ist die Bestimmung, daß die an der Finan­zierung des Erweiterungsbaues des Stifts be­teiligten Landesversicherungsanstalten in Zukunft durch den Präsidenten der Landesversicherungs­anstalt Hessen im Verwaltungsrat vertreten sind. Die Wirtschaftsrechnung über den Bau des 3solierhauses, des Wirtschaftsgebäudes und des 3nventars (erste Etappe zum neuen Kranken­haus am Hochwalde) lag vor. Die Gesamtkosten betragen 336 500 Mk. Ein Kredit von 293 000 Mk. war bewilligt. Der Rachtragskredit in Höhe von 43 500 Mk. fand nach längerer Aussprache Ge­nehmigung.

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