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der Spreedamm zwischen Spremberg und Cant- dorf gesprengt, ilm 16 Mr zeigte der Pegel einen Stand von nur noch 3,50 Meter, es ist also ein Fallen der Wassers zu verzeich­nen. In der Umgebung von Kottbus ist die Spree ebenfalls über die Ufer getreten. Die Ge­gend von Madlow gleicht einem großen See. Der Scheitel der Flutwelle dürfte wahrscheinlich heute abend Kottbus passieren, da im Oberlauf der Spree bereits ein Stillstand eingetreten ist.

Der Waffenstillstand im Meiallarbeiterkonfliki.

Urabstimmung in den Betrieben. Arbeitsaufnahme bei Siemens.

Berlin, 29. Okt. (TU.) Die Obleute der Streikleitungen der dem Verband Ber­liner Metallindustrieller angeschlossenen Betriebe hatten sich am Mittwoch versammelt, um zu der am Dienstagabend erzielten Einigung Stellung zu nehmen. Der Bevollmächtigte LI ri ch erstattete zunächst einen Bericht über die Verbandlungen

Reichsarbeitsminister a. D. Dr. Braun ».

im Reichsarbeitsministerium. Hieran schloß sich «ine Aussprache, in der auf die Rotwendigkeit hingewiesen wurde, den Streikenden die Entscheidung darüber zu überlassen, ob der Streik weitergeführt werden solle oder nicht. Urich schloß sich dieser Anschauung an. Man kam überein, am Donnerstag eine Ur­abstimmung über die Fortführung oder Be­endigung des Streikes durchzuführen. Das Ergeb­nis der Abstimmung soll dem Metallarbeiterver­band noch im Laufe des Donnerstagnachmittags mitgeteilt werden, damit die Obleute der Streik­leitungen noch am Donnerstagabend zu dem Er­gebnis der Urabstimmung Stellung nehmen können.

Die gestrige stark besuchte Dertrauensmänner- konferenz des Christlichen Metall­arbeiterverbandes erklärte einstimmig zur Streiklage: Die offizielle Streikleitung der Sie­menswerke hat beschlossen, daß für diese Werke mit einer Gesamtbelegschaft von 30 000 Arbeitern am Donnerstag d i e Arbeit wieder ausgenommen wird. Andere klein« Betriebe sind dem gefolgt. Unter diesen Um­ständen ist die vom Deutschen Metallarbeiter- verband für Donnerstag angesetzte Urabstimmung ein großer Unsinn. Der Christliche Wetall- arbeiterverband lehnt deshalb eine Beteiligung an',der Urabstimmung ab, erklärt den Streik für seine Mitglieder für beendet und empfiehlt, heute früh die Arbeit wieder aufzuneh­men.

Die Konstituierung des neuen Schieds­gerichts wird schon in diesen Tagen erfolgen, es

steht fest, daß hierbei der frühere Reichsarbeits­minister Dr. Brauns die Rolle des Vertreters der Reichsregierung als Sonderschlichter spielen wird, so daß sein Spruch dann der maßgebende sein wird. Das Schiedsgericht wird neben Brauns noch aus einem Vertreter der Metallarbeiter und einem Vertreter der Metallindustriellen bestehen. Man darf annehmen, daß sein Spruch die gleiche Staffelung oorsehen wird, wie der seinerzeitige

Schiedsspruch von S e v e r i n g , dergestalt, daß der Lohnabbau nach und nach vorgenommen werden wird, um ihn stärker von der Preissenkung abhängig zu- machen, die zwar allmählich in Er­scheinung trete, aber noch nicht die täglichen Be­darfsartikel erfassen würde und somit bei einer rigorosen Anwendung des Lohnabbaus zur Ein­schränkung der Kaufkraft der Massen fuhren müßte.

Oie Katastrophe desR101" vor der Aniersuchungskommission.

Sensationelle Feststellungen über eine unbefriedigt verlaufene Probefahrt.

Das Lustschiff R 101nichts weiter als ein Experiment" sagt der Generalstaatsanwalt.

Das Modell desR 101" wird in das Londoner Ingenieurvereinshaus zur Untersuchung getragen.

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London, 29.0kl. (XU.)| Der zweite Tag btr Verhandlungen über die Kaiaslrophe de»R. 101" brachte die überraschende Mitteilung, daß d i e Probefahrten desR. 101 am 1. und 2. Ok­tober nicht zufrieden st eilend verlaufen sind. Ein Motor muhte infolge Undichtigkeit des Ocltanks bald nach der Abfahrt abgestellt werden. Ein anderer konnte nicht mit"voller Geschwindigkeit laufen. Da» Schiff hat daher niemals nad) bem Umbau versuche mH der höchslge - sch windigkeil gemacht und außerdem wurde auch die Jafjrf auf 16 Stunden abgekürzt, obwohl ausdrücklich festgelegt worden war, daß die probe- sahrt 24 Stunden dauern und zusricdenstellend ver­laufen müsse.

Ferner scheinen die Vorbereitungen zur Abreise nach Indien unter einem gewissen Drucke seitens des verunglückten Luftministers Lord Thomson gestanden zu haben, der die Erfah­rungen mit demR. 101" auf der Indienreife b e - reits fürverhandlungen auf derweil- reichskonferen; ausnuhen wollte. Aller- ding» wurde es Lord Thomson verheimlicht, daß die Probefahrt nicht 24 Stunden gedauert hatte. Die Berichte und Berechnungen des Sachverständigen,

Professor» C a I r fl o ro, zeigen, dah er von den ver­änderten Stabilität»- und Gewichtsverhältnissen an Bord nicht völlig unterrichtet war.

Der Generalstaalsanwalt enthüllte, daß nicht nur die schweren Motoren die Tragfähigkeit de» Schiffes beeinflußt hätten, sondern daß auch da» Schwanzende des Schiffes und dann zum Gewichts­ausgleich auch das Kopfende beschwert worden seien. Der Vorsitzende bemängelte das Fehlen jeg­licher Berichte über die Probefahrt. Abschließend stellte der Generalslaatsonwalt fest, dah das Luft­schiff noch nichts weiter als ein Experi­ment dargeslellt habe. Die Konstruktion sei we- seillich anders als die des Zeppelins gewesen.

Aus der Aussage des inzwischen verstorbenen Mechaniker» Ehurch geht hervor, dah dieser den Be­seht zum Abwerfen von einer halben Tonne Masser- ballast nicht mehr ausführen konnte, weil in demselben Augenblick die Katastrophe eintrat. Sach­verständige vertreten die Auffassung, dah die Schisfs- konstruktion in der Luft keinen Schaden erlitten und dah das Riedergehen des Kopfendes das Schiff um höchstens 25 Grad aus der horizontale gebracht hat. Rach einem Berichte von Stimson, dem Direktor der Meteorologischen Ableitung im Luftministerium hat

der Höhenmesser im Augenblick der Kalaslrophe rich­tig gearbeitet. Diese Ansicht steht jedoch im Gegen­satz zu der von Dr. Eckener vertretenen.

Die Theorie vom Entweichen de» Gase» aus den Behältern wird als unwahrscheinlich abgelehnt. Wohl aber wirft der Generalstaats­anwalt noch die Frage auf, ob die Explosion durch das Gas, bzw. ein Gemisch aus Gas und Lusl etwa dadurch entstanden sein könne, dah das Luftschiff zuerst auf den Boden stieh und undicht wurde und ein zweiter Aufprall auf den Erdboden dann die Explosion verursachte.

Das Gespräch Herve-Hitler.

Das Versailler Diktat der Keim zu neuen Kriegen.

Paris, 29. Okt. (ERB.) Gustave Heros ver­öffentlicht in derVictoire" den vollständigen Xe& der Antwort desVölkischen Beobachters" auf seine Vorschläge. Heros erklärt, daß der ungekürzte Text so maßvoll, höflich und herzlich gehal- ten sei, dah er Heros trotz eines Mißverständ­nisses Hitlers über die Gründe seiner Intervention und trotz gewisser MeinungsverschiedenhLiten sich moralisch verpflichtet fühle, die Antwort sympathisch zu besprechen. Selbstverständlich würden die Vor­schläge, die er der deutschen und der französischen öffentlichen Meinung unterbreite, nur dann ein wirksames Ergebnis haben, wenn sie eines la« g e s von einer französischen Regie­rung einer deutschen Regierung un­terbreitet werden würden. Aber soweit sei man leider noch nicht. Die französische Regierung sei von einem solchen Programm noch sehr weit ent­fernt. Seine hervss Rolle sei es, seine Vorschläge der öffentlichen Meinung darzulegen: denn wenn die französischen Rationalisten ein sol­ches Programm nicht annehmen, dann würde keine französische Regierung es wagen, es an­zunehmen. Richt daß ihm, Heros, der Versailler Vertrag so ungerecht erscheine. Rach der Verletzung der belgischen Neutralität und nach der Derwüstuna Nordfrankreichs sei es natürlich gewesen, daß das Versailler Diktat hart ausgefallen sei, wie sei­nerzeit ja auch das Frankfurter Friedensdiktat. Aber das wiederum fei der Grund, daß das Ver­sailler Diktat den Keim x u einem neuen Krieg enthalte, wie auch seinerzeit das Frank­furter Friedensdiktat. Deutschland und Frankreich, xroei der zivilisiertesten großen Nationen, würden sich von Reoanchekrieg zu Revanchekrieg schließ­lich aufreiben und beide in einer schrecklichen bolschewistischen Katastrophe unter­gehen. Es handele sich ferner weniger um den Gedanken eines Militärbündnisses, als um eine gegenseitige militärische Garantie, die sich gegen niemanden, auch nicht gegen Italien richte, dessen Bewunderer er stets bleibe.

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Nationalsozialistischer Antrag auf LandtagsauflSsung in Hessen.

Darmstadl, 29.0kl. (whp.) Aehnllch wie der Landbund Hal jetzt der nalionalsozialislische Abgeord- nele Professor Werner (Butzbach) einen zwölf Positionen umfassenden Antrag aus Sparmaß­nahmen in Hessen eingebracht. Rach seinen Forde­rungen soll in Hessen in Zukunft nur noch ein Minister amtieren. Die M i n i st e r i a l b e a m - t e n sollen aus den Stand von 1914 reduziert werden. Die Zahl der Abgeordneten soll von 70 auf 35 vermindert werden. Die Auf­wandsentschädigungen der Landtags­abgeordneten sollen um 50 vom hundert, die sesten Gehälter der Beamten im ent­sprechenden Abstand (etwa 30, 20 und 10 o. h.) heruntergeseht werden. In einem weiteren Antrag wird gegen die Maßnahmen des Innen-

Gießener Gtavitheater.

Wolfgang Goetz:

Neidhardi von Gneisenau".

Es ist immer ein winziges tödliches Beinahe in meinem Leben ..

Wie der kleine Knabe Christian Dietrich Grabbe in der ärmlichen Stube seiner Detmolder Kinder­zeit schon mit dicken DohnenKrieg" spielte und die napoleonischen Schlachten schlug, die er später, als Mann, in Szenenbildern von gran­dioser Unmöglichkeit aufs Theater zu bringen versuchte, ... so hat sich der kleine Knabe Wolf­gang Goetz (der jetzt ein preußischer Regierunys- rat und imRebenberuf" auch ein Dichter ist) mit dreitausend Zinnsoldaten die Schlacht von Waterloo aufgebaut, die ihm viel später den weltgeschichtlichen Hintergrund für seinen Helden August Reidhardt von Gneisenau abgeben sollte.

Der kostbarste Schatz seiner Autvgraphensamm- hing war ein Brief dieses Generals: als Schul­bub findet Goetz zuerst in seinem Geschichtsbuch ein Bild von Gneisenau, und vielleicht ist schon diese früheste Begegnung entscheidend und ein winziger Keim zu dem Schauspiel gewesen: er verliebte sich in diesen wunderlichen Offizier, der so gar nichts Bärbeißiges und Eisenfresse- risches an sich hatte, sondern der eher an die Köpfe der Musiker erinnerte, die in den Zim­mern des Großvaters ... hingen". Lind dann fand er merkwürdigerweise im Subskribentenver­zeichnis einer Mozartbiogravhie von bekannten Ramen außer Humboldt und Mendelssohn nur Gneisenau.

Solche Erinnerungen im Verein mit der spä­teren Lektüre von Gneisenaus Briesen in denen zwischen den Zeilen schwere seelische Kon­flikte sich anzudeuten schienen sind wohl für die Konzeption und für das Verständnis des Schauspiels wesentlicher als die dicken Wälzer von Perh und Treitschke.

Im Stück wird Gneisenau einmalals Freund aller schönen Künste weltbekannter General­major" genannt: er selber sagt:Ein anderer --Wieder mal ein anderer ... Für diesmal heißt er Blücher er erkennt auch:Es ist immer ein winziges tödliches Beinahe in meinem Leben." Lind Goetz bemerkt dazu, als Motto könne vor feinem Schauspiel em sonderbarer Ausspruch Gneisenaus über Schwarzenbergs Stabschef, den Grafen Radetzky, stehn:Radetzky arbeitet gleich mir hinter der Gardine und ver­dient den Lorbeer, den man auf Schwarzenbergs Haupt setzt."

Mit diesen Zitaten hält man den Schlüssel zum Drama in der Hand: wenn man sie kennt, wird man Mißverständnisse vermeiden, wird man das Werk so auffassen und einordnen, wie es ihm zukommt, wird man hinter dem bunten, vieltönigen und vielgestaltigen Außenbilde zum eigentlichen Sinn und Wesenskem der fünf Akte Vorstößen.

Lind man wird finden, daß hinter diesem preu­ßischen Stück in siebzehn Bildern zwischen Tau­roggen und Belle Alliance, hinter diesem krie­gerischen Schauspiel mit seinen vielfarbigen Mon­turen und wehenden Fahnen, mit seinem Schlacht­lärm, seinen Trommelwirbeln, Trompetensignalen und Diwakfeuern ... sich ein menschliches Schick­sal erfüllt, auf dessen Formulierung es dem Dichter ankam. Man wird denGneisenau" dann mit dem gleichen Recht neben den Grabbeschen Hannibal" rücken wie neben denLouis Ferdi­nand' von Linruh, der auf ähnlichem Hinter­gründe, aber von anderem Blickfelde aus ein verwandtes Geschick zu gestalten unternahm.

Es ist also derGneisenau" keine naiv-theatra­lische Schilderung, kein Bilderbuch und Bilder­bogen preußischer Geschichte, die man aus der Schule kennt: er ist sicher nicht einmal allenthalben historisch im strengen Sinne, ... obwohl gewiß auch manche traditionell gewordene Verzeichnung populärer Lieberlieferung fo nebenbei zurecht- gerüdt und ins gebührende Licht gestellt wird. (Man denke etwa an Friedrich Wilhelm III. oder an Blücher.)

Vielmehr handelt es sich hier um ein Gleichnis vor geschichtlichen Kulissen, wobei es aller­dings nebensächlich ist, ob die Szenerie in Karthago oder bei Waterloo aufgeschlagen wird. Belanglos bleibt amGneisenau" im letzten Grund das Historische. Wichtig ist, daß dieses klirrende Preußendrama im eigentlichen Kern ein Men­schenschauspiel wurde, in welchem die vox humana den Schlachtenlärm nachhallend übertönt.

Gneisenau ist bei Goetz wie bei Grabbe der Punier der genialische Mensch, welcher Zeit seines Lebens am falschen Platze steht, immer im Schatten eines andern, immer zu spät kommend, an fremder Llnzulänglichkeit scheiternd, von seiner Limwelt verkannt, be­feindet, mißverstanden, in den Hintergrund ge­schoben und in die Ecke gestellt. Immer fällt ihm die Tür vor der Rase ins Schloß, immer steht ein anderer vor ihm, erntet ein anderer die Frucht seiner überragenden Leistung. Immer wird er einsam sein wie Hannibal.

Lind wie der Louis Ferdinand, mit dessen Porträt sich das Bild Gneisenaus in seiner preußilchen Herkunft wie in feiner geistigen Hal­

tung berührt. Gneisenau ist, obwohl er im Schau­spiel als eine durchaus soldatische Erscheinung wirkt, für Goetz doch nie ein General wie alle andern, sondern er bleibt jener höchst rare und merkwürdige Offizier, der sich mit Humboldt und Mendelssohn für Mozart interessierte: ein Schön­geist wie der bei Saalfeld gefallene Prinz: ein Generalstäbler, der in feinem Feldquartier sitzt und Verse schreibt wie Fridericus.

Gneisenau ist ehrgeizig, von einer brennenden Sehnsucht nach Ruhm und Größe verzehrt. Lind er ist ein Rebell aus preußischem Pflichtgefühl, den keiner versteht, der sie alle vor den Kops stößt und an sich irre werden läßt, selbst die liebste Frau ...

Cin einziges Mal im stürmischen Ablauf seiner Zeit ist auch ihm die entscheidende Weltminute geschenkt: wenn er unter der Windmühle bei Brye das Schicksal seines Volkes und die Zukunft Europas in Händen halten darf und wunderbar hält. Aber zuletzt, in den Tuilerien, ist er doch wieder nur der Mann aus Schildau, den als kleines Kind seine Mutter nach der Schlacht ver­lor ... Mensch mit dem brennenden Ehrgeiz und den getäuschten Hoffnungen, ewig auf fal­schem Posten, nirgends beliebt, angeschnarrt vom König übersehen, belächelt und stehen gelassen ... immer wieder ist dieses winzige, tödliche Beinahe in seinem Leben.

Die dramaturgische Einrichtung und die Insze­nierung besorgte Oberspielleiter Spalter Bäuerle: er bracht« eine Ausführung heraus, die, wenn man aufs Ganze sieht, eine sehr würdige und repräsentative Leistung darstellte. Man muh bedenken, dah das Schauspiel szenisch und personell an eine Bühne wie die unsere auhcrordentliche Anforderungen stellt. Vor allem in technischer Hinsicht sind ganz erhebliche Schwie­rigkeiten zu überwinden: sie lassen sich eigentlich nur mit Hilfe einer Drehbühne bewältigen, wie sie jetzt unter Löfflers vortrefflicher Ober­leitung gebaut worden ist. Man kann dann bei offener Szene mit großer Schnelligkeit verwan­deln und mit dem dauernden Schauplatzwechsel des Dramas Schritt halten. Leider ging die so gewonnene Zeit durch allzulange Pausen wieder verloren: vielleicht liegt das an der neugeschaffe- nen und noch nicht völlig ausprobierten Büh­nenmaschinerie und wird sich (mit anderen kleinen Unebenheiten) später wohl reduzieren lassen. Cs ist aber schon mit Rücksicht auf die auswärtigen Besucher eine Vorverlegung der Anfangszeit auf jeden Fall zu empfehlen.

Der dramaturgischen Bearbeitung ist im allge­meinen -uzuftrmmeu. Gan- ohne Striche ist der

Gneisenau" mit seinen 250 Seiten Text kaum zu spielen: vor allem im dritten und fünften Akt war viel gekürzt. Das Biwakbild würden wir nach der Szene der Marketenderin abbrechen.

Darstellerisch gelangen am reinsten und stärksten: die beiden ersten Akte und die beiden Schlußbill^r. Die große Fahnenszene (13) war räumlich etwas beengt; ein paar Takte Präsen­tiermarsch würden bte Wirkung noch steigern. Schwach war nur das Dreikaiserbild; im Tempo verschleppt und wie aus dem Wachsfigurenkabi­nett entliehen.

Bäuerle trug außer der komplizierten Re­gie noch die große und schwierige Hauptrolle: man sah eine überall interessante, stellenweise (9. Bild) ausgezeichnete Darstellung. Man denkt sich den Gneisenau wohl etwas minder jugend­lich, aber das schadet nicht viel, da man ihn sich ja so, wie er hier im Schauspiel gezeigt wird, überhaupt kaum vorgestellt hat. Gerade das, worauf Goetz den Rachdruck legte, das Geistige und oft Grüblerische im Wesen dieses Generals, kam in Bäuerles nobler Darstellung glücklich zur Geltung.

Rur sehr teilweise befriedigte Wesen er (Friedrich Wilhelm HL); er trieb die gewiß nicht glänzende Gestalt von Anfang an zu nahe an die Parodie heran: die Gereiztheit im ab­rupten Sprechstil des Königs braucht sich nicht im Diskant zu äußern: auch er wirkt zu jugendlich und trotz allem zu wenig männlich. Ebenso verfehlte 2infmann wohl vom ostpreuhi- scheu Dialekt des Buches verführt den Zaren Alexander, der der schönste und eleganteste Mann seines Jahrhunderts gewesen sein soll. Viel besser geriet der uralte Möllendo-rff, den er auch zu sprechen hat.

Gut an ihrem Platze standen Hauer (Scharn­horst) und Hub als der gemütliche und bierehrliche Blücher, der bei Goetz vielleicht doch ein wenig schlecht weggekommen ist: Zingel gab mit viel Verständnis den intriganten Knesebeck: dann in kurzen Episoden die beiden einzigen Da­men: Hilde Schwend (Caroline) und Agathe Walther-Lederer (Marketenderin), mit Anerkennung *.i nennen; ebenso <5 a flott (Vorck), Volck, Schubert. Bruck und Sche 1 cher in kleineren Chargen.

Stück und Aufführung erzielten (trotz der er­heblichen Verzögerung) den entschiedenen Er­folg, den derGneisenau" bisher überall und mit großem Recht gefunden hat. hth.