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«<.| VlV ^ZjUlfllfvll IVUrv^n 1 Begründung des persischen Weltreichs durch
17 000 wegen
Walter Snoo, ein Freund von John Franklin, sah im Traume die Gegend, wo die Frank- linsche arktische Expedition verunglückte. Als er erwachte, nahm er einen Bleistift, und da er ein guter Zeichner war, zeichnete er die Boote, die sie umgebenden Cisblöcke, kurz die ganze Gegend. Diese Zeichnung schickte er einem Freunde ein, dem Besitzer eines großen illustrierten amerikanischen Journals. In dieser Zeitung wurde das Bild veröffentlicht, und eine kurze Beschreibung der Traumempfindung Walter Snoos wurde ihm beigefügt.
Als man viele Monate später die Reste der verunglückten Expedition in der Eisregion auffand, schickte ein Augenzeuge ebenfalls eine Zeichnung der Anglücksstelle ein: die Lage und Stellung der vereisten Körper, die Eisblöcke, die Boote, die Hunde, alles stimmte auf dos genaueste mit der Zeichnung Snoos überein.
Eines Morgens im Frühling des Jahres 1886, als noch niemand an die bayerische Königskatastrophe denken konnte, erzählte der Geheime Me- dizinalrat Dr.Gudde« in München lehr vsr-
Chrus, den Sohn seiner Tochter, vorausgesehen. Cyrus selbst hat in zwei Träumen seinen Tod erfahren. Im zweiten Traum wurde ihm offenbart, daß die Herrschaft über sein Reich auf Darius übergehen würde. Krösus ahnte im Traum den Tod seines Sohnes durch eine eiserne Lanzenspitze voraus — und S i m o n i d e s wurde
Auch die phantastische halbasiatische Basi- liuskathedrale', — die in ihrer Art so schon ist, daß Iwan der Schreckliche dem Erbauer die Augen ausgestochen haben soll, damit er kein zweites derartiges Wunderwerk schaffen konnte — ist Museum geworden. Don der Kirchentreppe übersieht man im Rahmen eines Dorbogens den Roten Platz, den historischen Platz der Tartarenschlachten vor den Kreml- mauern, den Platz der Handelsmärkte und des Gerichts, jetzt der Platz, auf dem an Revolutionsfeiertagen die Paraden der roten Armee und die Demonstrationen stattfinden. Der Rote Platz ist im Arnbau, alles ist aufgerissen, alles wird neu gemacht, auch das Grabmal Lenins, das provisorisch aus rotgestrichenem Holz errichtet war. Ohne Gottheit kommen auch die Bolschewisten nicht aus. So stellen sie neue Gö tterbilder auf. lieber Lenins einbalsamierter Leiche wird sich ein Monument aus Stein
Ich frage einen Bahnbeamten: „Können Sie mir sagen, wann der nächste Zug nach Dresden geht?"
Er (wütend): „Ich hawe chädsd gaine Zeid."
Bescheiden bemerke ich: „In etwas höflicherem Ton könnten Sie mir das auch sagen!"
Worauf er knurrt: „Heeflich? Heeflich? Das gild nur fier de Posd. Wir Hamm gaine däv- ardchen Erlasse!"
e
3n Pinkhausen ist um ein Uhr nachts, wenn die Pinkhäuser die gastliche Stätte des „Weißen Schwans" verlassen, der stärkste Verkehr.
Ein braver Pinkhäuser kommt zum erstenmal in die Großstadt, zur Zeit des ungeheuersten Verkehrs.
In der Hauptstadt bleibt er stehen und äußerl tief finnig: „Donnerwetter, hier rst wohl den ganzen Tag Polizeistunde!"
IV. '
Oie rote Fahne auf dem Kreml.
Was die Alhambra für Granada, die Akropolis für Athen, das war der Kreml für Moskau, eine heilige Burg. Ein Hügel mit Ringmauern, Tortürmen, Goldkuppeln, Kirchen, Palästen, Kasernen, Schatzkammern und Gräbern, mit Erinnerungen an Zaren, die hier getauft, gekrönt, bestattet wurden, das war der heilige Berg Rußlands, vor dessen Madonnenbild im Haupttorturm jeder Russe und jeder Fremde das Haupt entblößen mußte.
Jetzt ist der Kreml der ober st e S i tz der Räteregierung, die einem 150-Millionen- volk gewaltsam die Formen des Wirtschaftens, Lebens und Denkens auferlegt. Heber dem Kreml weht die rote Fahne, die nachts angestrahlt wird, wie die Reklamefahne eines Kaufhauses.
Wo Iwan der Schreckliche die Eroberung von Kasan feierte und ini Zorn seinen Sohn erschlug, wo Boris Godunow, den uns Mussorg- skis Oper nahe brachte, vor dem falschen Demetrius zitterte, da erfreu Ai sich die Sowjets chrer Macht. Hier wohnt Stalin und regiert im Rainen der Partei, die er beherrscht. Ohne Rücksicht auf das darbende Dolk will er durch den Fünfjahresplan Lenins Lehre von dem Sozialismus, der Sowjetmarsch plus Elektrifizierung ist, verwirklichen.
Ein Heer von Arbeitern bevölkert die Plätze und Wege des Kremlhügels. Straßen werden aufgeriffen und neu gepflastert, damit wenigstens von den Wegen kein Stein auf dem andern bleibt. Alle die weiten Säle der Kremlpaläste sind nicht groß genug, um die Delegierten- versammlungen der Sowjetrepubliken zu fassen. Dazu ist der weite Kolonnensaal unten in der Stadt da, wo Stalin über seinen Heerscharen thront und ihnen feinen unbeugsamen Willen aufzwingt.
Die Kremlkirchen, im traditionellen russischen Stil mit italienischen Zutaten, sind, wie die meisten künstlerisch wertvollen Gebäude des alten Rußland von Ausländern gebaut worden. Die älteste und kleinste Kirche ist aus der Zeit, als der Kremhügel noch mit Bäumen bestanden war. Die ungewöhnliche Pracht der Archangelsk! j- Kathedrale steht im Widerspruch zu ihrer Bestimmung als Grabstätte der russischen Zaren bis vor Peter dem Großen, der mit feinen Rachfolgem in der Kirche der Peter- Pauls-Festung in Petersburg beigeseht wurde. Hier sieht man auf einem goldenen Relief, wie der ermordete Zarewitsch Dimitrij, nicht Schillers falscher Demetrius, ausgefehen hat. Kostbar sind die Heiligenbilder, die Ikonen in der Kirche. Die Himmelfahrtskirche war die Krönungskirche der russischen Zaren mit dem geschnitzten Thron Iwans. Da die Kirche jetzt wie die übrigen Kremlkirchen Museum ist, hat man Bilder von Zarenkrönungen aufgestellt. Die staatliche Restaurierungskommission ist dabei, die . reiche Bemalung auf Goldgrund von den vier Säulen, die die Kuppel tragen, abzukrahen, um
1 die ursprünglichen Fresken wiederherzustellen. Aber gerade die Bilder auf Goldgrund wirken 7 hier besonders feierlich und prächtig.
Dom Platz zwischen den Kremlkathedralen sieht
mounr“. Das zweite napoleonische Kaiserreich endete wie das erste durch deutsche Waffen. Die Rolle des „Schiedsrichters Europas" war ausgespielt! Wie für ■ den ersten Rapolevn am Abend von Waterloo, so hieß auch hier für den dritten Rapolevn das Schlußwort der Tragödie: „C’est fini.“
Leipziger Allerlei.
Von Kurt Miethle.
Ich bin während der Messezeit in Leipzig auf Besuch. Fahre unschuldigerweise Straßenbahn.
Der Führer kraucht mit bösem Gesicht um mich herum.
Endlich zwinkert er mich an und fragt: „Saach'n Se ma, mei Herrchen, Hamm Sie ’n eichendlich schond bedsahld?"
Ich hole, bebend vor schweigender Entrüstung, meinen Fahrschein hervor.
Er studiert ihn aufmerksam und bemerkt dann: „Gomisch! Sie Hamm ja doch bedsahld! Ich wär' Jhn'n mal was saach’n: Denn dürfen Se atoer ooch nicht so 'n Gesichde machen, als ob Se noch nich bedsahld hädden!"
Kleidern der Zarin Elisabeth nicht alle Platzmangels ausgestellt werden konnten!
Entgoiieie Kirchen.
stimmt am Frühstückstisch, er habe in der Rächt das schreckliche Traumgesicht gehabt, wie er im Wasser stehend mit einem Mann um sein Leben rang.
Bald danach wurde der König Ludwig II. für geisteskrank erklärt und am 10. Juni nach Schloß Berg am Starnberger See gebracht, wo Geheimrat Gudden mit seiner Aeberwachung betraut war.
Am 13. Juni fand man den König und seinen Arzt als Leichen im Wasser des Sees. Der Arzt hatte, wie man noch erkennen konnte, mit dem König im Wasser vergeblich um sein Leben gerungen.
man über tiefer gelegene Tore und das Kirchlein der „unerwarteten Freude" — so etwas gab es hier — hinüber auf die Moskwa und ihre Brücken zum andern Ufer, wo als Gegenstück des Kremls und der Zarenmacht ein Sowjetpalast entsteht, ein wahres Architekturgebirge mit Der» waltungs-, Dureauräumen, Wohnungen, Schulen, Kindergärten, Kinos und Theatern. Dieses Mammuthaus ist in seiner ungeheuren Masse eine Verkörperung des bolschewistischen Behauptungs- Willens.
Die Zarengemächer bekommen wir nicht zu sehen, den berühmten Faeettensaal und das älteste Schloß nur von außen. Mit besonderer Genugtuung aber zeigen uns unsere Führerinnen die Zarenkanone, die nie geschossen hat, und die Zarenglocke, die nie erklang. Sie tun das mit erhobener Stimme, denn es war Aufsicht in der Rähe.
Don den vielen Rüstkammern, die ich schon gesehen habe, unterscheidet sich diese dadurch, daß sie neben alten Harnischen die moderne Gasmaske zeigt. Da sind Trophäen, die Karl XII. verlor, Boris Godunows Panzerhemd mit einem Gebet auf jedem Kettenglied, die 3000 Silbergeschirre, die Katharina II. ihrem Geliebten Ornow schenkte und die edelsteinbesehte Mühe, in der die Zaren statt der Krone gekrönt wurden und
Oft erzählt August von seinen Geschäftsreisen.
Erinnert man ihn aber an die letzte Leipziger Messe, so winkt er ab. Denn die war vollkommen verregnet, so daß er immer als Motto über feinen Bericht zu fetzen pflegte: „Mehr Rässe als Messe!"
Im Foyer fühlt Knickebein plötzlich eine Hand liebkosend über seinen nicht unbeträchtlichen Bauch streichen.
Eine schreckliche Idee kommt ihm: er tastet nach seiner Uhr — fort!
Im Gewühl entdeckt Knickebein einen eilig verschwindenden Herrn mit Monokel. Er nimmt die Verfolgung sofort auf, bekommt ihn beim Schlafittchen und knirscht: „Geben Sie sofort meine Uhr 'raus!"
Der Herr mit dem Monokel greift in die Tasche, holt etwa fünfzehn Taschenuhren hervor und sagt käsebleich: „Suchen Sie sich Ihre aus!"
Weg durch das Tor der Festung: gebrochen kehrte er in die Mairie zurück, die er am frühen Morgen verlassen hatte.
In der Mairie empfing er kurz darauf den deutschen Parlamentär, den Oberstleutnant Bronsart von Schellendorf. Dort schrieb er den historischen Brief: „N’ayant pas pu
Lin Besuch im Haupiquariier der WahWlachl Wenn der Reichswahlleiier Lseberstunden macht...
Von Egon Larsen.
Das Osterläuten erklingt nicht mehr _____
Glockenturm des Kremls. Sintemal alles Kirchenglockenläuten in Moskau verboten ist. Wie die Kremlkirchen sind Hunderte von Moskaus Kirchen ihrer Bestimmung entzogen worden, getreu der bolschewistischen Losungen: „Kirchen sind Tempel der Unkultur" oder „Religion ist Opium für das Volk'. Wie zum Hohn steht das letztgenannte Losungswort am zweiten Stadt- sowjethaus, gerade gegenüber dem einstigen Rationalheiligtum, der Iberischen Kapelle. Diese Kapelle, die sich über dem Tor- bogen zum Roten Platz befand, ist zerstört worden, um den „ Aberglauben" mit Stumpf und Stiel auszurotten.
andere merkwürdige Kostbarkeiten einer östlichen Kultur. Kein Wunder, daß von den
im Traum vor einer Seereise gewarnt: „Er gab daher die Reise auf, die andern aber, die fortsegelten, kamen um.“ Harun al Raschid erfuhr im Traum Zeit und Ort seines Begräbnisses — und C a l p u r n i a träumte in der Rächt zum 15. März von der Ermordung Cäsars, ihres Gemahls. Solche Wahrträume werden von fast allen Helden der Antike überliefert — bis zu den letzten römischen Kaisern.
Es ist unmöglich, auf so knappem Raum die Wahrträume in der Sammlung Jezowers aufzuzählen. Hier seien nur noch einige Beispiele herausgegriffen.
Armand C a r r c I, der bekannte französische Publizist, erzählte eines Tages seinem vertrautesten Freunde folgenden Traum:
„Ich habe meine Mutter im Schlafe gesehen. Sie war schwarz gekleidet und hatte die Augen voller Tränen. Erschrocken fragte ich sie: „Ilm wen weinst du? Um meinen Vater?" — „Rein." — „Um meinen Bruder?" — „Rein." — „Um wen trauerst du denn sonst?" — „Um dich, mein Sohn.""
2lm Tage nach diesem Traum schrieb Armand Carrel jene Zeilen, die Anlaß gaben zu dem Duell, in dem er tödlich verwundet wurde.
erheben als Symbol des neuen Glaubens unter dem Sowjetstern. Das Dach wird eine Rednertribüne sein. Ein hoher Bretterzaun umgibt jetzt die Baustelle.
Auf dem Wege zum Dojarenhaus, einem typischen altrussischen Heim der mächtigen Adligen, die bis zu Peter dem Großen ihren Ramen unter die Ukasse der Zaren setzten, kamen wir an einer Kirche vorbei, die abgebrochen wurde. „Ziegel ä la Lenin" sind hier zu haben. Das Kloster, das vor einiger Zeit gesprengt wurde, um Platz für ein Arbeiterklubhaus zu schaffen, liegt noch in Trümmern, da die Mittel fehlen, um es aufzubauen. Dagegen ist das schönste Kloster Moskaus, das Reu- Jungsemkloster mit seiner fünskuppligen Kirche, seinen reichen Darockverzierungen und den starken Festungsmauern als Rc u s e u m erhaben.
Viele Kirchen sind profanen Zwecken zugeführt worden und mit geringen Umbauten versehen zu Klubhäusern geworden. Ich sah eine große Kuppelkirche, die Autogarage geworden war, das
Und schließlich ein Traum, der das verhängnisvollste Ereignis unserer Epoche: den Weltkrieg, auf geheimnisvolle Weife eingeleitet hat.
3n der Rächt zum 28. Juni 1914 gegen 3.30 Uljr morgens, hatte eine dem Erzherzog Franz Ferdinand besonders nahestehende Persönlichkeit, Dr. Joseph von Lanyi, Bischof zu Groß-Wardein, folgendes Traumgesicht:
Er träumte, daß oben auf seiner Morgenhost ein schwarzrandiger und schwarzgesiegelter Brief mit dem Wappen und der Handschrift des Thronfolgers liege. Der Bischof öffnete den Brief und sah auf der Kopfseite des Briefbogens ein farbiges Ansichtskartenbild, das den Erzherzog und seine Gemahlin im Automobil, ihnen gegenüber einen General, neben dem Chauffeur einen Offizier zeigte. Aus dem Zuschauerspalier springen zwei junge Burschen und schießen auf die Hoheiten. Der geträumte Driestext lautete:
„Euer Bischöfliche Gnaden!
Sieber Doktor Lanyi!
Teile Ihnen hiermit mit, daß ich heute mit meiner Frau in Sarajevo als Opfer eines politischen Meuchelmordes falle. Wir empfehlen uns Ihren frommen Gebeten und heiligen Meßopfern und bitten Sie, unseren armen Kindern auch fernerhin in Liebe und Treue so ergeben zu bleiben wie bisher.
Herzlichst grüßt Sie Ihr
Erzherzog Franz.
Sarajevo, 28. Juni 1914, halb vier morgens." Bischof Lanyi hat sein Traumgesicht und den Text des geträumten Briefes noch im Morgengrauen zu Papier gebracht: feine Riederschrift ist sogar der Handschrift Franz Ferdinands frappant 'angenähert. Er lieh sodann seine Mutter und ein bei seiner Mutter zu Besuch weilendes Fräulein S. rufen und erzählte ihnen seinen Traum. Dann las er in der Hauskapelle eine Messe für das erzherzogliche Paar.
Genau 12 Stunden nach feinem Traum, um 3.30 Uhr nachmittags, erhielt er aus Wien ein Telegramm, das ihm die Ermordung des Thronfolgers und feiner Gemahlin meldete.
Ein livrierter Boy bedient die Drehtür dieses großen Hotels am Kurfürstendamm in Berlin: keine komfortablen Ledersessel laden im Foyer zu geruhsamem Verweilen ein, und kein sprachenkundiger Herr im Eut verbeugt sich vor dem Besucher am Empfangsschalter...
Das ist das Hotel „Cumberland" — gewesen: jetzt sieht der Riesenbau etwas öd und verlassen aus mit seinen nutzlosen numerierten Briefschlihen hinter dem Portiertisch, an deren Haken die Zimmerschlüssel fehlen, mit den sparsam beleuchteten Repräsentationsräumen und den endlosen Korridoren. Auf den Karten unter den vielen hundert Zimmernummern stehen die Ramen und Titel ihrer jetzigen Bewohner: Regierungsräte, Rechnungsräte, Sekretäre, Amtsdiener. And wo ehedem der Rame des Hotels zu lesen war, ist jetzt eine Tafel mit dem Reichsadler angebracht: und darunter steht: „Statistisches Reichsam t.“
In den kommenden Tagen und Wochen wird die, eHsaus zu ganz besonderer Bedeutung gelangen : denn es ist das Hauptquartier der Wahlschlacht. Seitdem es den Posten eines Reichswahlleiters gibt, also seit den Wahlen zur Rationalversammlung in Weimar, wird dieser Posten regelmäßig mit dem Direktor des stattstischen Reichsamts besetzt. Bis 1924 also war es Delbrück, der mit diesem Amt betraut war, und seitdem hat Professor Wagemann die Tradition gewahrt und den „Ober- befehl" der Wahlschlachten übernommen — sehr zur Zufriedenheit der Behörden und der Oeffent- lichkeit. Denn über die Tätigkeit im Haus am Kurfürstendamm konnte keiner klagen, weder auf der Rechten noch auf der Linkem
Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Wahlleitungsbureaus ergibt ein ganz anderes Bild von der hier zu leistenden Tätigkeit, als es sich der Aneingeweihte vorstellt. Hier gibt es keine komplizierten Zählmaschinen für Stimmzettel, keine Waschkörbe zur Aufnahme der vielen tausend Zentner Papier, keine Dutzende von Telephonapparaten zur Verbindung mit den Wahllokalen. , In Wirklichkeit ist die Wahlorgani- satton im besten Sinne dezentralisiert. In 68 000 Sttmmbezirke ist das ganze Reich auf- geteilt: die Magistrate, Stadt- und Landkreise stellen das Ergebnis der Wahl in ihren Stimmbezirken fest, die 35 Wahlkreise Deutschlands melden das Resultat dem Reichswahlbureau, und hier wird dann die endgültige Zählung vorgenommen, die Zahl und Verteilung der Stirn»
war aber in Leningrad. Eine Kirche ist sogar als „Gottlosenmufeum“ eingerichtet und darin eine Propagandaausstellung gegen das Christentum eröffnet worden. In den Dienst der Propaganda gegen den Glauben stellt man schon d i e Kinder. Die „Pioniere“ kämpfen planmäßig gegen Kirchen und „religiöse Vorurteile" auch der eigenen Eltern. Eine Kathedrale wird man wohl nie abreihen, denn sie ist mit solcher Pracht und Kostbarkeit errichtet worden, daß es nicht besonders auffiel, als seinerzeit bei ihrem Tau vier Millionen Rubel unterschlagen wurden. Don der Moskwabrücke wirkt sie am schönsten, wenn die mächtige Goldkuppel in der Sonne schimmert. Alles ist riesig in diesem Kirchenraum, der 12000 Menschen fassen soll, die Heiligenbilder', die Marmorreliefs zur Erinnerung an die Befreiung Rußlands von Rapoleon 1812 und, wenn man die Augen zur Kuppel erhebt, das Bild Gottvaters. Dor dieser Erlöserkathedrale wartet der leere Denkmalssockel eines gestürzten Zaren auf das „Monument der befreiten Arbeit".
Von Georg Biesenthal.
Dor kürzem fand in Berlin ein Prozeß gegen einen Einbrecher statt, der auf eine recht unalltägliche Weise gefaßt wurde — nämlich durch einen Traum des Bestohlenen.
„Das Leben und die Träume sind Blätter eines und des nämlichen Buches. Das Lesen (dieses Buches) im Zusammenhang heißt wirkliches Leben“, schreibt Schopenhauer, der sich mit Träumen viel beschäftigt, Träume in großer Zahl gesammelt und ausgezeichnet und selbst mehr als einmal im Traum in die Zukunft geschaut hat. „Die Träume für bloßes Gedankenspiel, bloße Phantasiebilder ausgeben zu wollen, zeugt von Mangel an Besinnung oder an Redlichkeit , sagt er an anderer Stelle. And R i e tz s ch e — um noch einen zweiten großen Verfechter des Traumes zu zitieren — mahnt: „Unsere Träume sind viel mehr unsere Erlebnisse, als man glaubt — über Träume mutz man umlernen!“
Der Begründer der Psychoanalyse war also nicht der erste in unserer Zeit, der das Traumleben systematisch auf seine Bedeutung untersuchte. Freud (soeben mit dem Frankfurter Goethepreis 1930 ausgezeichnet) hat im zeitgemäßeren Sinne und in Gedanken an die praktische Anwendung fortgesetzt, was wenige Jahrzehnte früher Schopenhauer bereits begonnen hatte.
Auch jene besondere Gattung von Träumen: das Doraussehen kommender Ereignisse im Schlaf, ift wiederholt Gegenstand gelehrter Erörterungen gewesen.
Den wahrsagenden Traum, die „incubatio", suchte man im Altertum bewußt herbeizuführen. Schon das Alte Testament spricht von geweihten Stätten, an denen man sich niederlegte, um eines Traumorakels teilhaftig zu werden. Im Tempel der Serapis in Anterägypten, im Tempel der jrfiS, in der Pyramide E-saggal zu Babylon, in &en 186 heute nach gewiesenen Heiligtümern des Asklepios gab es besondere Schlafräume, in öenen man weissagende Träume empfing. Der Talmud berichtet von wvchenlangen Fasten die man sich auferlegte, um bestimmte Wahrträume
And noch heute suchen primittve Volker vor wichtigen Entschlüssen den göttlichen Ratschlag im Traum.
In einem überaus packenden Werk, im „Buch der Träume", hat Ignaz I e z o w e r 'eine Weltgeschichte zusammengetragen: eine Geschichte der Welt im Schlaf. Sie beginnt mit Joseph und Pharao und wird fortgeführt bis in unsere Zeit Hier finden sich erstaunlich zahlreiche Beispiele für vorausdeutende Träume, und unter denen wiederum viele, die mit der Zeitgeschichte aufs engste verknüpft wcrvem
men auf die Abgeordneten und Mandate fest- gestellt. Aber auch diese Tättgkeit ist schon so umfangreich, daß 43 Stunden pausenloser Tätigkeit dazu erforderlich sind: vom 14. September, 5 Ahr nachmittags, bis zum 16. September, 12 Ahr mittags, muß die Hauptarbeit geschafft werden! An Schlaf oder Aus- ruhen ist während dieser Zeit nicht zu denken. Dabei werden Auskünfte über die Ergebnisse der Wahlen noch nicht einmal von hier aus erteilt; Journalisten und andere Reugierige müssen sich von der Reichspresse st eile Bescheid holen, die durch eine eigene Telephonleitung mit dem Reichswahlbureau in Verbindung steht.
Wenn das endgültige Wahlresultat erst 12 Tage später feststeht, so hat dies noch ganz besondere Gründe. Bei der letzten Reichstagswahl wurden 428 000 Stimmzettel abgegeben, deren Gültigkeit umstritten war. Laut Gesetz ist ja jeder Stimmzettel, der außer dem Kreuz neben dem Parteinamen den geringsten Zusatz enthält, von der Zählung auszuschalten und dem Reichswahlleiter zur Prüfung einzusenden. Hier kommt er in eine der Mapven, die nach Art der Zusätze etikettiert sind, und ein Komitee entscheidet über die Gültigkeit. Man sollte es nicht für möglich halten, wieviel Dumme es gibt, die der Meinung sind, ausgerechnet auf dem Stimmzettel ihrer Begeisterung oder ihrem Haß für oder gegen bestimmte Parteien besonders wirkungsvollen Ausdruck verleihen zu können! 80 Prozent der Wähler, die sich so eine Extrawurst braten, tun dies, indem sie ihren Zettel bewußt ungültig machen: durch Aeberkreuzen des ganzen Stimmzettels oder durch Abgabe eines überhaupt nicht angekreuzten Zettels, was wohl heißen soll: mir sind alle Parteien gleich zuwider, ich kann mich für keine entschließen. Solche Wähler sind noch am harmlosesten, denn sie wollen wenigstens ihr Einverständnis mit der Wahl als politischem Akt ausdrücken, wenn sie auch das System unserer heutigen Parteien nicht gelten lassen wollen. Diele können sich vor lauter Enthusiasmus für ihre Partei gar nicht fassen und schreiben noch alles Mögliche dazu: andere wieder legen den ausgeschnittenen Wahl-Leitartikel ihres Leibblattes bei, bedichten die Rückseite des Zettels mit lyrischen oder satyrischen Dersergüssen, malen die Karikatur des Gegenkandidaten oder des Gemeindevorstehers auf das geduldige Papier.
All diesen Wählern sei gesagt, daß sie ihrer Partei, dem Reich und nicht zuletzt sich s el b e r
Mnienlbilder aus dem Soivjetparadies
Bericht unserer E. K.-Sonderkorrespondentin.


