Konstanze.
Roman von Karl Heinz Voigt.
Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister. Werdau
24. Fortsetzung. Nachdruck verboten
Er musterte eine Zeitlang die Spieler und immer größerer Ekel stieg in ihm empor. — WaS würde Konstanze sagen, wenn sie ihn hier sähe in diesem Morast? — Diese Gedanken trieben ihm das Blut ins Gesicht. — Er war nicht würdig, daß Konstanze ihn liebte. Er verdiente diese Frau nicht. — Mochte sie ihn lassen! Hierher gehörte er! Hier war fein_ Element, von dem er nicht mehr loskommen würde.
Poldh Malier, ein berufsmäßiger Spieler, sah dort am unteren Ende des Tisches. Er war so vertieft in den Gang des Spieles, dah er gar nicht die Zeit fanb, Peter zu begrüßen. —
Ein hagerer Mann mit fremdländischem Typ hielt die Dank. Er gewann in einem fort und war sichtlich ärgerlich, als seine Zeit abgelaufen war. 2ln seine Stelle trat ein ganz junger, bartloser Mann. Er sah aus wie ein verkrachter Schauspieler und hatte schon die Hände des berufsmäßigen Spielers.
Einigen der Männer war es zu heiß geworden. Sie hatten die Kragen abgebunden oder die Westen aufgeknöpft. Einer hatte sich sogar seiner Lacke entledigt.
Ein würgendes Grauen preßte Peter die Luft ab. Ein Grauen zwar, aber doch ein erwartungsvolles Verlangen, die Karten in die Hand zu nehmen.
Es war gut, daß Leda den Sekt brachte. Er stürzte ein Glas des kühlen Getränks hinter, zahlte den unverschämten Preis und Leda quittierte mit einem süßlichen Blick.
Die stieren Augen der Spieler hingen festgebannt an den Karten. Die schmutzigen Hände reichten das Geld. Die Mienen dieser Menschen schienen aus Stein zu sein. Es war Peter nur, als lächle Poldh Mayer jedesmal entschuldigend, wenn er dem Hageren mit dem ausländischen Typ, der immer noch gewann, sein Geld hinschob.
Peter zog seine Brieftasche und entnahm ihr einen Fünfzigmarkschein. Er nahm sich vor. sehr vorsichtig zu pointieren. Die Verluste der letzten Tage und Wochen im Bolton-Klub muhten wettgemacht werden. — Er dachte daran, wie er Konstanze belogen, daß er zu einem Freund nach Dachau reise und wie er diese Tage und Nächte im Bolton-Klub am grünen Tisch gesessen und alles verspielt hatte. Er schämte sich. Oh, er hatte Konstanze abzubitten dieser herrlichen Frau, der er es zu verdanken hatte, dah er noch einmal spielen konnte, daß er hier sein durfte, uml
mit diesen Menschen in ein unedle« Turnier zu treten. — Er würde mit diesen wenigen hundert Mark die Verluste der ganzen letzten Zeit wieder wettmachen. Er brauchte nicht mehr zu Kurt Helbing betteln zu gehen, der ihm nichts mehr gab, da seine Schuld bei ihm schon ins Ungeheure angewachsen war. — Mit diesem Geld, das ihm Konstanze, seine geliebte Konstanze gegeben, würde er imstande sein, Kurt Helbing alles zurückzuzahlen. — Plötzlich hatte er die feste Gewißheit, er werde gewinnen. Er fühlte ganz deutlich, das Spielglück würde ihm bald hold sein.
Die Dank wurde abgegeben. Peter übernahm sie. Als er die schmutzigen, klebrigen Karten in der Hand hielt, war er ganz Spieler, ganz der Mann, den nichts in der Welt, selbst die tiefste Erniedrigung nicht, von seiner Leidenschaft befreite.
Er pointierte ganz vorsichttg und überlegend. Er versuchte mit gewaltiger Anstrengung seiner Vernunft Herr zu bleiben. Gr sah die ersten fünfzig Mark dahinschwinden. Mit den zweiten fünfzig Mark gewann er das Doppelte. Es entstand ein scharfes Duell zwischen Peter und dem blonden Dartlosen. Der Blonde kaufte auf fünf eine Sieben. Peter deckte auf. Der Blonde schob ihm einen Schein zu und lachte töricht. Peter gewann weiter.
Als seine Zeit um war, erhob er sich und zählte die Scheine. Er war ganz ruhig. Ein brennender Durst quälte ihn. 3m Ru hatte er seine Flasche Sekt leergetrunken. Er klingelte. Als Leda hereinrauschte. bestellte er eine zweite Flasche und schenkte ihr zehn Mark. Sie wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen, begnügte sich aber mit einem vielversprechenden Lächeln.
Peter rauchte eine Zigarette und zählte wieder von vorne seine Scheine. Er hielt eintausendsiebenhundert Mark in den Händen. Sein Geld hatte sich beinahe um das Sechsfache vermehrt.
Es dauerte eine Zeit, ehe die Reihe als Bankhalter wieder an ihn kam. Gr trank sehr schnell und fühlte, wie ein Rausch in sein Blut trat. — Er umarmte Konstanze mit zärtlichen Gedanken. — Diese Frau! — Sie brachte ihm Glück, ohne Zweifel! — Mutzte man diese Frau nicht lieben? — Er rauchte fortwährend und blickte teilnahmslos zu dem Spieltisch hinüber. Er schwor sich, sollte sich sein Glück wenden, würde er sofort aushören. Wan durfte das Spielglück nie zwingen wollen, das hatte er in tausend zerrüttenden Spieltagen und Spielnächten erkannt. Man muhte warten, bis es kam.
Endlich konnte er die Bank übernehmen. pointierte wiederum vorsichtig wie ein Anfänger. 3n diesem Spiel verlor Poldh Mayer grotze Summen.
Das Häufchen Scheine vor Peter türmte sich höher und höher. Er gewann und gewann. 3m Geiste überschlug er rasch seinen Gewinn. Er
muhte weit über dreitausend Mark vor sich liegen haben. — Da kam eine Verlustkarte. Es war eine geringe Summe, aber es ärgerte ihn. .Run mutzt du aufhören", sagte er sich und kaufte eine neue Karte zu. Er deckte auf und hatte verloren.
Er wollte sich erheben, aber sein Stuhl schien magnetisch zu sein. — Run, man macht solche ftet» ne Verluste sehr leicht wett, nicht wahr? — Er kaufte abermals und verlor wieder. Ein Gefühl des Zornes glomm in ihm auf. Da war seine Zeit auch schon vorbei. Das Spiel hatte die Zeit gefressen.
Wieder trank er. „3ch konnte jetzt gut viertausend Mark haben und habe nur reichlich zweitausend", dachte er und nahm sich vor, noch einmal, ein einziges Mal nur noch zu pointieren, Dann würde er nach Haufe gehen.
Als er wieder an der Reihe war, wägte er eine große Einlage. Tausend Mark. Die Spieler hoben den Kopf, musterten Peter und deckten ihre Karten auf. Das Geld war verloren. — 3mmer wieder pointierte er. Cs war ein Wahnsinn, er wußte es, doch er spielte weiter.
Als er nur nach den letzten Schein in den Händen hatte, warf er die Karten auf den Tisch. Er erhob sich steif.
„Leben Sie wohl, meine Herren!"
Keiner hörte es.
Das Spiel ging weiter.
7.
Der Film „Miß Doverh" hatte 3ulia Koro- mihky den Ruf einer der bedeutendsten Filmschauspielerinnen eingebracht. Sie bekam von den größten Gesellschaften des 3n- und Auslandes die bestechendsten Angebote. Sie lachte nur und blieb in Berlin. Die letzten Monate war sie in Dalmatien und dann in Südungarn gewesen.
3ulia hatte ihre bestimmten Empfangstage in der Woche. Es fanden sich Künstler und Kritiker. Finanzleute und Großindustrielle bei ihr ein. Sie hatte die Gewohnheiten einer Weltdame an- Srnen und strahlte von bezaubernder Lie-
ürdigkeit. Alle Welt war entzückt von ihrem anmutigen Wesen. Die 3llustrierten Blätter brachten ihr Bild und Artikel über kleine Geheimnisse aus ihrem Privatleben.
Lothar Emmerstorff blieb an ihren offiziellen Empfangstagen ihrem Salon fern. Er liebte die Stunden mit ihr allein. Er wußte, datz man ihn beneidete um diese Frau, und das genügte ihm.
3ulia bat ihn in einem halbstündigen Telefonat um sein heutiges Kommen zu ihrem Crüpfangs- tag. — „Geschäfte! Es ist nicht möglich." — Er kam also nicht! — Was lag daran? 3ulia verzog die Lippen und hängte den Hörer ein.
Das Mädchen meldete den ersten Besucher: „Herr Warburg", und schon trat Ludwig über die Schwelle. Er strahlte in tadellosem Smoking und sah gepflegt aus. Sein Haar war sorgfältig
gescheitelt. Gr brachte ihr Blumen. Sie reichte ihm lächelnd die Hand, die er küßte.
„Wer kommt heute?" fragte er mit einem leichtsinnigen Lächeln und streifte ihren Körper, den ein rotseidener Kimono mit schwarzen Aufschlägen umfloß, mit den Blicken. Dieser Kimono war das Produkt der ersten Londoner Firma.
„Sie werden alle kommen, die du kennst, auch Doktor Ringer", sagte sie leichthin und balancierte ihre Zigarette in anmutigen Bewegungen zwischen den roten Lippen.
„3ch hasse alle, die dich umschwärmen." Ein trotziger, böser Ausdruck trat in sein Gesicht. Plötzlich lachte er grell auf. „Es sind alles arme *21 arten. Auch Emmerstorff." —
„Sage nichts über Lothar", befahl sie mit drohender Stimme, „ich bin ihm Dank schuldig. Auch du bist ihm Dank schulMtz.2-
„Dah er dich mir geraubt fjat, vergesse ich ihm nie. Die Stunde wird kommen, da er meine Rache fühlen wird."
Sie hatte wieder ein verächtliches Lächeln auf den Lippen. „Was bist du gegen ihn? — Der Besitzer eines sehr zweideutigen Wettbüros."
Sein Puppengesicht verzerrte sich und wurde boshaft.
„3ch werde ihn mit seinen eigenen Mitteln schlagen. 3ch werde dich mit seinem eigenen Gelde zurückkaufen. Begreifst du das?"
„Rein", sagte sie und sie wollte soeben noch mehr hinzufügen, als das Mädchen meldete:
„Herr Doktor Ringer."
3ulia tat ein paar Schritte zur Tür und sah erwartungsvoll aus.
Ludwig Warburg bih die Lippen zusammen: „Dann bin ich wohl überflüssig?"
Er schritt an ihr vorbei und wäre beinahe mit Doktor Ringer zusammengestotzen. — Eine Tür fiel ins Schloß. — 3ulia war allein mit ihrem neuen Besucher.
Mit jäher Leidenschaft riß er sie an sich, und 3ulia gab sich ganz seinen Zärtlichkeiten hin. —
Das Mädchen meldete weitere Gäste. Der Salon füllte sich mehr und mehr. Auch Damen besuchten 3ulia. 3unge und alte, blonde und schwarze. Keine aber hatte so rotes Haar wie 3ulia. Keine plauderte so geistreich witzig, und keiner machte man so den Hof wie ihr.
An dem Tage, an dem die Uraufführung des neuen Films „Die Zirkuskönigin" im Oedipus- Theater stattfand, meldete sich Lothar bei 3ulia. Er kannte den Film, in dem 3ulia die Hauptrolle spielte, schon von der Festvorstellung her, die man vor geladenen Gästen geboten fjatte und wollte nun diesen heutigen Tag mit etwas ganz Besonderem krönen.
(Fortsetzung folgt)
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Zahlung erfolgt am L November 1930 an die Landwirtjchastskammer für Hefferr in Darmstadt.
Die Gutsperwattvng warchvs b. Gründer^
Bekanntmachung.
Am 2. Juni 1930 findet eine Schweine- nvischenzählung in den Gemarkungen Gießen und Schiffenberg statt. Die Schweinebesitzer haben den Zählern die notwendigen Angaben bezüglich ihrer Schweinebestände bereitswilligst zu erteilen. Auf die Bekanntmachung des Kreisamts Gießen, angeschlagen in den Aushängekasten der Stadt Gießen, wird besonders hingewiesen. 4050C
Gießen, den 27. Mai 1930.
Der Oberbürgermeister.
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