Ausgabe 
30.5.1930
 
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näßigUng Nr. 125 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Freitag. 50. Mai (950 _____

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DasMarne-Wunder".

Deutsche Schuld? Deutsches (Schicksal? (Lin neues Wert General (SroenerS.

Unter dem Titel .Der Feldherr wider Willen" wird Reichswehrminister Groener in den nächsten Tagen eine Reihe von operativen Studien über den Weltkrise veröffentlichen, die den MarGeseldzug des 3a0te« 1914 behandeln und feine einzelnen Phasen kritisch und klar beleuchten. .Wie wir in Friedrich dem Groszen", heißt es in dem Dorwort, .den siegreichen Feld- Herrn des Kampfes gegen die Liebermacht ruh- men, so erkennen wir in der Gestalt des Gra­sen Schliessen, dem es nicht vergönnt war, den Kommandostab zu führen, den unübertroffe­nen Lehrmeister der Kriegführung mit Millionen­heeren, xber feinem Rachfolger be.i Weg wies zum siegreichen Bestehen des Kampfes Deutschland« gegen eine gewaltige Lleberlegenheit der Zahl. Der jüngere Moltke ist von diesem Wege ab» geirrt Hnfere Studien können daher nicht den Ruhm des Feldherrn künden, auch nicht die Tragik des niedergeworsenen Helden. Wohl aber wollen wir der vielen, vielen Helden eingedenk bleiben, die ihr Geben in jenen Marnetagen hingegeben haben. So soll mein Buch dem Ruhm des deutschen Heeres von 1914 gewidmet sein."

Es entspricht der Tendenz dieser Sähe, wenn Groener in dem letzten Kapitel .Schuld oder Schicksal?" zusammensassend feststellt: Das deutsche Heer hat den Mißerfolg an der Marne nicht verschuldet An kriegerischem Geist, Orga­nisation, Ausbildung und Leistung überragte es die Gegner. Auch die Gefechtsführung hat an keiner Stelle den Schlachterfolg in Frage gestellt. Die taktischen Anschauungen waren gewiß nicht frei von Irrtümern, aber es wäre verfehlt, darin mehr zu sehen als die allgemeine Erschei­nung des kriegerischen Handelns, der jedes Heer unterworfen ist. Wenn die Franzosen von einem .Marne-Wunder" sprechen, so liegt darin die größte Anerkennung für die Leistungen des deutschen Heeres. Wenn sie aber bei sportlichen Wettbewerben einenPrix de la Marne aus­sehen und dadurch kundtun wollen, das; sie in der Marneschlackft aus eigenem Berdienst gesiegt hätten, so trifft dies nicht zu. In Wirklichkeit ist dem deutschen Heere der verdiente Sieg im letzten Augenblick entgangen. Schuld oder Schick­sal? Das ist die Frage. Unfcrc Studien haben einwandfrei bewiesen, daß die Ursachen des Mißerfolges auf rein operativem Gebiet lagen, und daß auch die besten Leistungen der Truppen keinen vollen Ausgleich schaffen können, wenn durch schwere Irrtümer die Operation in falsche Bahnen gerät Dem strategischen Element kommt eben doch das Primat für den Schlachterfolg zu.

Weiter sagt Groener an anderer Stelle:Auch rom ärztlichen Standpunkt aus ist neuerdings die Schuldfrage behandelt worden. Es sollen die psychischen Derhältnisse der im Krisenkampfe an der Marne hauptsächlich beteiligten Persön­lichkeiten" untersucht werden. Dabei sind auch ge­wisse Krankheitserscheinungen bei Moltke, Bülow, Lauenstein, dem Generalstabschef der 2. Armee, und bei Hentsch zur Sprache gekommen. Sich mit solchen Fragen der Medizin auseinanderzusehen, paßt nicht in den Rahmen von operativen Stu­dien. Moltke und Bülow hätten auch in jüngeren Iahren bei voller Gesundheit den Sieg nicht an sich gebracht, vielleicht hätte der letztere sogar seine abwegigen operativen Anschauungen mit noch mehr Starrsinn vertreten. Bei der Be­urteilung 2a u en ft ein« ist, wie es häufig vor­kommt, ernstes Streben und großer Fleiß mit ausgezeichneter Führerbegabung verwechselt wor­den. Bei Hentsch ist vor der Marneschlacht von dem Gallenleiden und der dadurch bedingten pessi­mistischen Grundeinstellung nicht die Rede ge­wesen. An seiner geistigen Frische hat niemand gezweifelt. Richtig ist, daß er d e operative Ent­wicklung mit großer Skepsis betrachtet hat, wie übrigens andere auch, und daß er an eine Wen­dung durch das Kriegsglück nicht mehr glaubte, ilebrigen« sind auch beim kerngesunden Ober­kommando I operative Irrtümer von großer Tragweite nicht ausgeblieben. Lind andere sehr robuste Persönlichkeiten haben bei ihren opera­tiven Entschlüssen, wie man zu sagen pflegt,

ebenfallsdaneben gelegen. Demgegenüber ist von einer großen Führernatur zu erwarten, daß sie, solange der Geist nicht getrübt ist, selbst vom Krankenbett aus den Weg zum Siege zeigen wird. Wenn Moltke unmittelbar nach der Marne­schlacht und später auch Hentsch seelisch zusam- mengebrochen sind, so war dies nicht zu ver­wundern."

Zuleht spricht Groener von der Harmonie der Fühcereigenschaften: geistige Freiheit und Ge­horsam. Wie war es damit bei uns bestellt? Groener antwortet:Der voraussehungslose Ge­horsam ist der feste Fels, auf den jede Wehr­macht gegründet sein muß. Immerhin gibt es einen seinen Llnterschied im Gehorsam. Iedct Führer kann vor dem Feinde in einen schweren Gewissenskonslikt geraten, wenn er den ihm ge­gebenen Beseh! wegen einer inzwischen einge­tretenen Aenderung in der Lage oder wegen falscher Doraussehungen beim Erlaß des Befehls nicht ausführen kann. Er handelt dann nach eigenem selbständigen Entschluß und trägt dafür die Derantwortung mit allen Folgen. Hm aber mit Takt des Llrteils in Blitzesschnelle die rich­tige Wahl zu treffen, bedarf der Führer der höchsten geistigen Freiheit. Richts darf ihn hem­men, ihn führt das innere Licht. Unter dieser Gruppe der Führereigenschaften verstehen wir alle die Kräfte des Geistes und Charakters, die den hohen Persönlichkeitswert verleihen, die den Menschen wahrhaft unabhängig machen von allem äußeren Zwange... Im Kreise der Hee­resleitung sah man damals die Eigenmächtigkeit der Oberkommandos zwar nicht gern, scheute sich aber, sie zu unterbinden. Dom Grafen Schliessen weiß man, daß er das Heer mit straffer und fester Hand geführt hätte, ohne der Selbständigkeit der Unterführer viel Raum zu geben. Aus feinen Schriften geht auch hervor, daß er die geistigen Fähigkeiten der Unterführer nicht allzu hoch einschähte und vor allem das operative Verständnis vermißte, ohne das die Selbständigkeit zum Hebel wird. Es muh also doch wohl in der Vorbereitung des Führertums ein Mangel bestanden haben. Dies war schon von Beginn des Krieges ab zu spüren. Freilich, wenn die Seele eines großen Feldherm mit ihrer göttlichen Kraft das Führertum tief durchdrungen hätte, dann wäre der Mangel schnell verschwun­den ...

Schuld oder Schicksal? Wo liegen die Grenzen? Daß der einzelne Mensch schuldig wird, ist das Schicksal der Gemeinschaft. Daß der einzelne mit der Gemeinschaft unlösbar verbunden ist, mit ihrer Zeit, mit ihrem geistigen und politischen Leben, ist das Schicksal des einzelnen. So wird Schuld zum Schicksal.

Erkenntnisse zu gewinnen und sie zu verwerten, war das Ziel dieser Studien. Möge ein gütige« Geschick unserem Volke ersparen, daß nach kom­menden Entscheidungen wieder um solche Erkennt­nisse rückschauend gerungen werden muß,"

Industrie- und Sandeistammer Friedberg.

Bad-Nauheim, 27. Mai. In der heute unter dem Vorsitz des stellvertretenden Vorsitzen­den PH. Müller (Bad-Nauheim) im hiesigen Stadthause stattgehabten Vollversammlung der Industrie, und Handelskammer Fried­berg-Büdingen-Schotten genehmigte man einstimmig die Rechnung des abgelaufcnen Ge­schäftsjahrs und nahm en bloc auch den Voran­schlag für 1930/31 in der vom Bureau vorgelcglen Aufstellung an. Nach einem Referat von Syndikus Dr. Goebel wurden die Bestrebungen auf 21 u s gestaltung des Bücherrevisorenbe­rufs eingehend besprochen. Dabei wurde grund­sätzlich anerkannt, daß das Bedürfnis zur Schaffung eines unabhängigen, hochqualifizierten Standes von Sachverständigen bestehe, die aus dem Kreis der vereidigten Bücherrevisoren und der bewährten Treuhandfirmen durch besondere 2luswahl zu be­stimmen seien. Hotelier Krauß berichtete eingehend über die Tagung des Südwestdeutschen Handels­kammerausschusses für Hotelgewerbe und Fremden­

Theater und Tonfilm der Zukunft

Ein Gespräch mit Max Meinhardt.

Von Or. Manfred Georg.

Mar Reinhardt begeht am 30. Mai sein sünfundzwanzigjähtiges Jubiläum als Direktor des Deutschen Theaters in Ber­lin. Die Universität Kiel al« eine der ältesten Pflegstätten der Theaterwissenschaft hat, wie bereits gemeldet, ihn au« diesem Anlaß zum Ehrendoktor ernannt; die Universität Frank­furt a.M. ist diesem Beispiel gefolgt. Diese Ehrungen sind wohlverdient; wenn die Haupt­stadt des Deutschen Reiches heute die erste Theaterstadt der Welt ist, so dankt sie es vor allem dem Schöpfer der modernen Regie, dem großen Magier der Bühne: Max Reinhardt.

Die Verleihung des Ehrendoktor-Titels, wie sie Max Reinhardt in diesen Tagen durch die Uni­versitäten Kiel und Frankfurt a.M. erfahren hat, ist etwas durchaus Ungewöhnliches. Sie zeigt, daß sich die deutsche Welt der Wissenschaft der schöpferischen und künstlerischen Tat bewußt ist, die der von ihr Ge­ehrte in seiner fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit als Bühnenleiter und Bühnenschöpfer geleistet hat. Als kleiner Schauspieler, der meist Rollen alter Männer mit Greisenbart und Greisenlocken gab, begann er in Berlin. Heute kennt die Welt seinen Ramen, heute ist er mehr als irgendein anderer der inter­nationale Repräsentant deutscher Theaterkunst.

Bruno Frank hat vor kurzem eine Rovelle ge­schrieben:Der Magier". Es ist nicht der erste Schlüs­selroman über Reinhardt. Aber der mit dem richtigen Titel. Keine Interview-Einleitung stehe hier, aber eines sei erzählt, eine Bestätigung, eine Freude: wie leuchtend, wie begeistert, wie unmittelbar aus dem Inneren Wort und Begriff formend, der Befragte in ein Gespräch mit mir hineinging. Der schöpfe­rische Mensch offenbarte sich.

, Ich habe", so begann er,den so heftig um­strittenen Unruh aufgeführt, weil ich ihn, trotz und wegen seines Pathos zugleich, für einen Mann halte, der eine gute Komödie schreiben kann.Phaea" ist einer seiner Versuche. Uns haben ja Komödien von Riveau so sehr gefehlt. Wir Theaterleiter sind, wie Eie zugeben werden, in einer wirklich schwie­

rigen Situation. Eine Zeit, platzend vor Lebendig- leit, Sensationen, Ereignissen, Schicksal- und die dramatische Quelle ist ein dünnes Rinnsal."

^So muß sie vielleicht durch Initiative vom Theaterschöpfer her stärker zum Sprudeln gebracht werden.

Gewiß, den Dichter in der Einsamkeit kann es heute kaum noch geben. Die Zeiten der reinen Li­teratur sind vorbei. Einzigartig ist Berlins Ruhm, solche Literatur mehr als jede andere Stadt der Welt gepflegt, verstanden und gefördert zu haben. Aber sie ist nicht mehr die natürliche Rahrung."

Und die Klassiker?"

.Ich glaube, sie müßen eine Schonzeit haben. Solche notwendigen Dunkelzeiten für sie treten immer periodisch ein. Eine davon ist jetzt da. Sie bleiben gegenwärtig die Aufgabe der staatlichen Repertoi­rebühnen "

.Ich verstehe. Wahrung des Kulturgutes Hüten der Tradition Mittler für die Iugend."

.In gewißem Sinne schon; bas lebendige Theater müßte die Klassiker kürzen oder vergewaltigen, denn sie sprengen seinen heutigen Rahmen. (Llbrigens: ihre Zeit kommt vielleicht bald wieder.) Was nun aber die Initiative der Theaterleute anlangt, den Stoff sollte doch der Dichter bringen. Rur Kontakt muß er haben. Dauernden, ständigen, produktiven Kontakt mit Schauspielern und Regisseuren.Wie hat doch Haupt­mann mit Brahm, Rittner, Lehmann zusammen- gearbeitet!

.Also ruhig wieder Rollen auf den Leib schreiben?"

'Gewiß. Das ist ganz zu Hnrecht verpönt. Liefert der Dichter wieder wirklich Material, hat er die schau- spielerische Vision wie hat Hauptmann damals seine Sachen nur vorgelesen dann tritt das durch, aus nicht wünschenswerte Übergewicht des Regisseurs von allein wieder zurück. Aber für griechische Klassiker oder moderne Stücke theaterfremder Autoren ist er eben notwendig. Er braucht gar kein Moliere zu sein, geben Eie nur einen Restroy, und die Situation ist verwandelt."

Meinen Eie nicht, daß für diese dramatische Er­neuerung in einer Zeit, da da« Einzelschicksal zurück- tritt, und das Gemeinschaftserleben wächst, Chorisches und Musikalisches entscheidend für die Wandlung wird?"

.Sicherlich wird die Musik eine Brücke sein. Die alte Oper gestaltet sich um, die sentimentale Walzer- opereUe ist knockout. Aber ich denke an meine Versuche

verkehr in Bad-Nauheim, unter besonderer Berück­sichtigung der für das Gastwirtsgewerbe besonders aktuellen Verkehrsproblems. Zum neuen ® a ft ftättengefetz nahm Syndikus Dr. Goebel in einem Referat Stellung. (Er schilderte, in welcher Weise die Berufsvertretungen die für das Gast­wirtsgewerbe gefährlichen Vorschriften verhindert oder gemildert hätten. Bei der Behandlung der Verkehrsfragen wurde u. a. darauf hingewie- (en, daß die von der Reichsbohnverwaltung im neuen Fahrplan begonnene Einführung des B e zirkseiloerkehrs im Rhein-Maingebiet wei­ter auszubauen fei. Aus dem Bericht über die letzte Vertrelerbefprechung der heffifä)en Handelskam­mern ist hervorzuheben, daß die Industrie- und Handelskammern beim Finanzministerium beantragt haben, ähnlich wie im preußischen Gewerbesteuer­gesetz den steuerfreien Gewerdeverlust- vortrag aus dem Vorjahre zuzulassen. Befpre- chungen über die Anlegung der Handwerksrolle be­schlossen die Vollversammlung.

Laguna der Hessischen SandwertSlammer

WER. D a r m ft a b t, 26. Mai. 3m Stadtrats­saal war heute die H e s s i s ch e Handwerks­kammer zu ihrer diesjährigen ordentlichen

Hauptversammlung zusammengetreten. Präsident R o h l eröffnete dte Versammlung mit einer Be­grüßungsansprache und hieß insbesondere ben Vertreter der Regierung, Ministerialrat Hech­ler, willkommen. Er verbreitete sich bann übe« die schwierige wirtschaftliche Lage, in der sich das' Handwerk und daS Gewerbe zur Zeit be­finden. Rach kurzer Aussprache wurden der Der- waltungsbericht der Handwerkskammer und tbree Rebenstellen für da« Iahr 1929, der Tätig­keitsbericht der Gewerbes örderungS- und Be­triebsberatungsstelle, sowie die Rechnungsablage für das Iahr 1929 genehmigt. Der Voranschlag für 1930 sieht die gleiche Hmlage wie bisher vor. Die Meisterprüfungsordnung wurde dahin abgeändert, daß der dreijährigen Gesellenzeit der Besuch einer anerkannten Fachschule gleich­gestellt wird. Für die Haltung von Lehrlingen im Buchbindergewerbe wurde ebenfalls eine Reu­regelung vorgenommen. Der Bericht über die Lage und die Tätigkeit der Handwerkszentral­genossenschaften wurde gebilligt. Rach der Er­ledigung verschiedener kleiner geschäftlicher An­gelegenheiten fand die Tagung mit einem ge­meinsamen Mittagessen ihren Abschluß.

Tumen, Sport und Spiel.

Llm die Faustballmeisserschafi im Turngau Hessen (O.T.).

Sonderbericht desGießener Anz."

Friedberg, 27. Mai. Wie schon kurz ge­meldet, sanden am Sonntag in Friedberg die Rückrundespiele der Gausonder- klasse in Faustball statt. Bis auf Tv. Halgehausen, der es vorgezogen hatte, nicht an­zutreten, sah man wieder die bekannten Mann­schaften der Donderklafse im Kampf. Tv. Halge­hausen verlor also die Rückspiele kampslos und muß als Tabellenletzter aus der Sonderklasse wieder in die Spielreihe seines Bezirks absteigen.

Richt so leicht wie die Frage des Abstieg« ent­schied sich die Frage der Gaumeisterschaft. Hier brachten die Rückspiele für die Faustballer de« Gaues Hessen eine große Lleberraschung. Die Tgm. Friedberg, die seit 1924 ununter­brochen die Meisterschaft behauptete, wurde von ihrem langjährigen Rivalen, Tv. 1846 Gie­ßen, in äußerst spannendem und spielerisch sehr hochstehendem Kampf geschlagen. Die Gieße­ner Manns chaft (R. Riexinger, Hans Geis­mar. Wilh. Loh, Walter Loh, Wilh. Mohr) er­reichte durch diesen ehrenvollen Sieg den Ta­bellengleichstand mit dem Wetterauer Meister, so daß ein Entscheidungsspiel notwendig wurde.

Die übrigen Mannschaften hatten gegen die beiden Spitzenocreine wenig zu bestellen und mußten ver­hältnismäßig hohe Niederlagen einfteden. Am besten hielt sich noch der To. Frankenau, der, wie alljährlich, den 3. Platz in der Tabelle mit Sicherheit behauptete. Nachstehend

die Spielergebniffe:

Tv. 1846 Gießen Tv. Frankenau 43:33; Tgm. Friedberg Ak.-Tv. Kurhessen Marburg 43:25; Tv. Frankenau Tgm. Friedberg 27:41; Tv. Wetzlar Tv. 1846 Gießen 22:60; To. 1846 Gie­ßen Ak.-Tv. Kurhessen Marburg 44:20; Tgm. Friedberg To. Wetzlar 46:20; To. Frankenau Tv. Wetzlar 49:32; Tgm. Friedberg Tv. 1846 Gießen 29:30; Ak.-Tv. Kurhessen To. Wetzlar 41:31; Tv. Frankenau Ak.-Tv. Kurhessen Mar- bürg 32:29.

Tabellen st and nach Vor- und Rückrunde:

To. 1846 Gießen

Spiele gew. verl. P.

10

9

1

18

Tgm. Friedberg

10

9

1

18

Tv. Frankenau

10

6

4

12

Ak. Tv. Kurhessen Marburg

10

3

7

6

To. Wetzlar

10

2

8

4

To. Halgehausen 10 1

Rach bem Tabellenstand wurde ein

9

2

Entscheidungsspiel

der beiden Tabellenführer notwendig. Es galt die Frage, ob Gießen den in der Rückrunde

errungenen Sieg wiederhole und bamit die lang­jährige Vorherrschaft der Faustballhochburg Friedberg stürzen konnte. Gießen brachte es tat­sächlich fertig, wiederum einen zwar knappen, aber verdienten Sieg zu erkämpfen. Bereits bei Halbzeit lagen die Gießener mit einem Punkt (15 14) in Führung und konnten auch in der zweiten Spielhälfte den kürzesten Vorsprung nicht nur halten, sondern um einen weiteren Punkt verbessern. Wie au« dem SchlußergebniS (2 7 :25) ersichtlich, wurde auf beiden Seiten ein hervorragender Faustbali gezeigt. Beide Mann­schaften bedienten sich eine« äußerst sicheren Zrr- spiels.

Aus Grund der gezeigten Leistung ist mit Be­stimmtheit zu sagen, daß der neue Gaumei­ster, Tv. 1846 Gießen, in den Spielen der Gaugruppe Main-Lahn einen nicht zu unter­schätzenden Gegner abgeben wird.

Bei den

Turnerinnen

traten zu den Spielen um die Darrmeisterschaft nur M tv. Gießen (Paula Hofmann, Liefet Hofmann, Paula Bürk, Ria Schwan, Emmi Heß) -und Tgm. Friedberg an. Mtv. Gießen konnte Dor- (64:37) und Rückspiel (51:33) über­legen für sich entscheiden und somit die Gau- meisterschaft getoinnen.

Der DSS.-Sanddallmelster der Frauen.

Viktoria Hamburg SL. Lharlottenburg 3:1 (2:0).

In Frankfurt a. b. D. wurde am Himmelfahrtstag vor 1500 Zuschauern das Endspiel um die Hand- ballmeisterschast der D.S B. ausgetragen, zu dem sich Viktoria Hambury und der Titelverteidiger S.C. Charlottenburg qualifiziert hatte. Hamburg war in körperlicher, wie auch in spieltechnischer Hinsicht ihren Gegnerinnen überlegen und lagen bereits bei der Pause mit 2:0 in Front. Irn weiteren Derl.nif des Kampfes erzielte noch jede Partei einen Tref­fer, so daß mit 3:1 Hamburg ersolgreich blieb und damit in den Besitz des Meistertitels kam.

Handball im Turnverein 4860 Lich.

To. Lich Jugend Gymnasium Gießen II 3:1.

Am gestrigen Himmelfahrtstag errang Lich« Äugend einen verdlenten 3:1-Sieg über die Ober- fekunda des Gymnasiums Gießen. Beide Mann­schaften lieferten sich ein faires Spiel, dessen Er­gebnis dem Spielverlauf entspricht.

Handball im T. D. Londorf.

Tv. Rardeck 1. 3gb. Io. Londorf 1. 3gb. 3:9.

In ihrem ersten Spiel zeigte die Nordecker Ju­gend gute Leistungen, besonders im Feldspiel. Durch größere Spielersahrenheit konnte Londorf bis Halb­zeit 6:1 führen. Nach Halbzeit zeigte der Nordecker

in derFledermaus", in derViktoria", denke an die balladesken Formen derDreigroschenoper". WaS ist denn die Sehnsucht eines Dichters, wenn er Verse macht? Musik will er machen. Sich vom Boden heben. Shakespeare und Moliere waren voll von Tanz, Mu­sik und Ballett. Hnd das antike Theater mit feinen Chören und Reigen schließlich auch."

So profan es klingen mag: kann hier nicht der Tonfilm eine eingeschaltete und fördernde Zwischen­form fein?

.Der Tonsilm ist auf dem besten Weg, feine Form zu finden. Von der künstlerischen und literarischen Ge­staltung desBlauen Engel" bin ich geradezu erregt gewesemWie herrlich die schauspielerischen Leistungen hier! Der Weg für Dichter und Künstler im Film ist wieder frei. Eine enorme Zukunft hat diese Kunst­gattung. Hnd sie wird in dem von Ihnen erwähnten Sinne auch fruchtbar für das Theater werden. Denn sie verlangt die eingeborene Knappheit bei DrarnaS, die letzte Knappheit des Wortes."

Aber er wird keine Konkurrenz für das Theater fein?"

Keineswegs. Immer wird das Theater allen an­deren Künsten, höheren und niederen, voran fein durch den Kontakt von Publikum und Künstler. Die Span­nung des PublilurnS, die Energien, die es entwickelt, jene geheimnisvoll steigernden Strömungen, die es produziert, und die vom Parkett zum Darsteller auf- steigen, sie geben das undefinierbare Plus der schau- fpielerischen Leistung, das sie einzigartig und uner­setzbar macht."

Reinhardt erzählt bann von seinem ersten eigenen Erlebnis b er Massensuggestion, ba erals Heiner punge in ber Wiener Eängerhalle bie Ovationen für ben österreichischen Kaiser erlebte:Ich war ein schüchter­ner Bub, ich sah ihn gar nicht, aber ich brüllte mit" unb ba läuft bie Unterhaltung logisch auf bas Thema Maste unb Theater zurück. Reinharbt meint:

Ich habe immer ba« Theater au« ber Gefan­genschaft ber Guckkasten-Bühne, bie ja von ber hö­fischen Oper herstammte, befreien wollen. Hinunter gehen ins Publikum, Kontakt mit ihm haben, in ben Zuschauerraum hinein ba« ist bas Geheimnis bet Wirkung. Deshalb ging ich bamal« ins Große Echaulpielhaus. Deshalb ber Versuch mit bet Dotdetbühne. Einmal habe ich einen Fehlet gemacht. Ich setzte mein Publikum in zu bequeme Fauteuils. In Fauteuils läßt sich bas Publikum etwas vor­machen. Aus Holzbänken geht e« mit Diese- Mit­

gehen wirb baS Theater immer vor bem Tonfilm vorauShaben. Da« Theater ist ein Lebensrnittel nach wie vor, in beS Worte« wahrster Bedeutung, Er­innern Eie sich noch an ben Krieg? ES war Zuflucht, Belebung, Rückhalt - es ist auch heute - ich kann nur wieberholen: Mittel zum Leben."

Dann gleitet bas Gespräch auf Reinhardt- eigene Tonfilm. pläne über. Gr hat sich jetzt mit bem ameti- kanifchen Produzenten Mellnitz zufarnmengetan, bet vermutlich bie erste Ton-Verfilmung von Offen­bachs .Pariser Leben" ihm in Auftrag geben wirb,

Mein erster Schwarm war freilich bieSieber- mauS".Aber ba hemmen urhebetliche Schwierigkeiten bie Ausübung meine« Plan«. Auf jeben Fall hoffe ich zu beweisen, baß Theater unb Film niemals Gegen­sätze fein, fonbem sich stets nur aneinanbet steigern werben."

Das nicht vergessene Versprechen.

Folgenbe nette Geschichte hat sich in Amerika zugetragen. Sie beweist, bah eS noch Versprechen gibt, bie eingehalten werben. 3mIahre 1925 nahmen drei Personen gemeinsam daS Abendesten ein: Miß Hollings, bie Golfmeisterin ber Vereinigten Staaten, MtS. Dublei aus Santa Monica und Mr. Pebley, Polomeister von Amerika. Bei ber Unterhaltung kam bie Sprache auf bas Gelbverbienen, unb bie brei Fteunbe faßten am Ende der lebhaften Debatte den Entschluß, daß derjenige, ber zuerst eine Million Dollar oerbienen würbe, jebem bet beiben anbeten 25000 Dollar auSzahlen sollte- Der Vorschlag würbe unter allgemeiner Begeisterung angenommen. Seit- bem gingen viele Monate in« Land. Miß Holling- versieg auf einige Zeit ben Golfplatz unb widmete sich geschäftlicher Betätigung. Sie gründete in Ka­lifornien eine Petroleumgesellschaft. Hiermit halte sie einen solchen Ersolg, bah ihr bie Ctanbarb Oil- IS esellschaft ba« ganze Hnternehmen für mehr als zehn Millionen Dollar abkaufte. Drei Millionen hier­von entfielen auf Mih Hollings persönlich. Da er- innerte sie sich be« gemeinsamen Versprechen« an jenem Iahte zutückliegenben Abenb unb lub ihre alten Tischgenosten zu tinem neuen Abenbesten ein. Richt gering war ba« EMaunen unb bie Freube bet beiben anbeten, als sie diskret in einem Hmschlag unter bem Gebeck einen Scheck von 25000 Dollar vorsanben.