Nr. 125 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Zreitag, 50. Mai 1930
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Thefredakteur:
Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantmortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
Oie Llniersuchung des deutsch-polnischen Grenzkonsiikts
Deutschland im polnischen Gpionageneh.
Don Gert Gallw.h.
Die Vermutung, daß ein polnischer Spionage- Versuch die älrsache des höchst bedauerlichen Zwischenfalles an der ostpreuhisch-polnischen Grenze gewesen ist, dürfte nicht von ungefähr sein. Dieser Versuch paßt durchaus in die s y st e m a t i s ch betriebene Tätigkeit polnischer Spioneauf deutschemDoden, in die Organisation des polnischen Nachrichtendienstes, die zwar bisher noch nicht in so aufsehenerregender Weise Anlaß zu internationalen Erörterungen gegeben hat wie die Schießerei im Regierungsbezirk Marienwerder, aber doch immer wieder zu beobachten war. Diese — es muß schon gesagt werden— mehr als ungenierte Tätigkeit polnischer Agenten in Deutschland setzte ein, als die Gründung des polnischen Staates noch nicht vollendet war und diplomatische Beziehungen »wischen Berlin und Warschau noch nicht bestanden. Es würde zu weit führen, alle jene krassen Falle polnischer Spionage in Deutschland in der turbulenten Zeit vor den Versailler Friedensverhandlungen im einzelnen anzuführen; auch die Tätigkeit polnischer Spione in Oberschlesien während der Abstimmung und der Grenzziehung soll im Augenblick außer acht gelassen werden. Die Tatsache genügt, daß Polonia restituta es zu seinen Hauptausgaben zählte, mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen nach Deutschland gleichzeitig einen wohlorganisierten, vortrefflich funktionierenden Spionageapparat in Tätigkeit treten zu lassen: den geheimen A a-ch richtendien st bei der polnischen diplomatischen Vertretung in Deutschland.
AIS die erste polnische Gesandtschaft in Berlin errichtet wurde, erhielt sie einen mit ollen Salben geölten Dachrichtenagenten zugeteilt, den Oberstleutnant Dirkenbauer. Diesem polnischen Offizier wurde seine Späher- tätigkcit nicht unwesentlich durch den Umstand erletchtert, daß er während des Weltkrieges a l s Offizier der österreichisch-ungari- schen Armee wiederholt in geheimer Mission in Deutschland geweilt hatte und daher mit den deutschen militärischen Verhältnissen, vor allem aber dem Nachrichtendienst auf das innigste vertraut war. Oberstleutnant Birkenbauer war also für seinen Berliner Posten wie geschaffen und zeitweise für den Generalstab in Warschau geradezu unersetzlich. Wenn Birkenbauer feine Berliner Mission im Interesse seines Landes ziemlich ungehindert durchführen konnte, ohne einen offenen diplomatischen Konflikt hervorzurufen, so hatte er dies vor allem einem glücklichen Umstand zu danken: der unbeschränkten Machtvollkommenheit der Interalliierten K o n t r o l l k o m m is s ton, die ihre schützende Hand auch über den Sendling des polnischen Generalstabs hielt. Damals gab es Tage, an denen sowohl dei der Interalliierteit Kontrollkommission als auch bei den diplomatischen Vertretungen der Entente über tausend Anzeigen angeblicher deutscher Geheim- rüstungenoderDerletzungcnder Ab - rüstungsbestimmungcn einliefen. Oberstleutnant Birkenbauer hatte da alle Hände voll zu tun, legte sich aber bei dieser Tätigkeit so wenig Hemmungen auf, daß man es in Warschau — allerdings erst nach einem mehr als sanften Druck — doch für angebracht hielt, den Offizier abzuberufcn und an die polnische diplomatische Vertretung in Danzig zu versetzen. Das war keine Degradation, denn Danzig war und ist die Zentrale des polnischen Spionage- dienstes für Deutschland und den Nordosten Europas. War Dirkenbauer in Berlin immerhin an die diplomatische Etikette gebunden, so brauchte er sich in Danzig mit solchen Kleinigkeiten nicht abzugeben und konnte ohne Rücksicht erforderlichenfalls auch brutal seine Macht zeigen. Dies bewies unter anderem der Fall eines abgefangenen, im Solde Birkenbaucrs stehenden polnischen Reservisten, der vor Gericht aussagte, daß ihn Birkenbaucr mit & o r gehaltenem Revolver gezwungen habe, einen Epionageauftrag auszuführen.
Wahren der Aera Birkenbaucr in Berlin ereignete sich auch jener berühmte Fall Anspach. Anspach übte die Spionage mit allen Kniffen, mit gefälschten amtlichen Stempeln und Formularen in größtem Maßstab aus und hatte die Ententediplomaten, selbstverständlich auch die polnische Gesandt- schaft, als Kunden. Dieser Mann, der aus Sicherheitsgründen nur „mit Gefolge" durch die Straßen Berlins ging und seine Kundschaft besuchte, hatte eine Spezialität: er verkaufte angebliche Sitzungs Protokolle des Neichskabi- n e t t s mit Stempeln und Unterschriften. Ein weit krasserer Fall, an dem die Berliner polnische Gesandtschaft beteiligt war, steht in den Akten als die „Affäre P a c i o r k o w s k iDieser „polnische Diplomat" war der Gesandtschaft als Presseattache zugeteilt — in Wirklichkeit war er Oberleutnant der polnischen Armee und Agent des Generalstabes. Sein Aufenthalt in Berlin war nur kur;, aber bemerkenswert durch den sensationellen Fall Schreck, der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Aufsehen erregt und ein grelles Schlaglicht über die auf deutschem Boden ungeniert arbeitende polnische Spionage geworfen hatte. Der Abenteurer
Zusammenlrittderilntersuchungskommission
Sntereffanfe Enthüllungen über polnische Spionage in Deutschland sind zu erwarten.
Berlin, 29. ZTIai. (IDIB.) Die zur Unter- suchung des deutsch-polnischen Grenzzwischensalles in Neuhöfen eingesetzte deutsch-polnische kommifion. bestehend aus dem Oberpräfiben- len für vberschlesien, Dr. Lukaschek, und dem Landrat des Kreises Marienwerder, Ulmer, sowie dem Untersuchungsrichter beim warschauer Appetta- tlonsgericht, Dr. Luxemburg, und dem Statoren des Kreises Mewe, weih, ist in Neuhösen zusammengetreten. Sie hak den Tatort besichtigt und den modus procedendi für die weiteren Verhandlungen festgelegt. Die notwendigen Zeugenvernehmungen sind oorgenommen. lieber das Ergebnis der Untersuchung ist ein gemeinsames Protokoll in Aussicht genommen.
An Berliner zuständiger Stelle wird begreiflicherweise starke Zurückhaltung geübt, weil man alles vermeiden will, was die Arbeit der Untersuchungskommission irgendwie stören könnte. Nun hat ober der „Vorwärts" angebeutet, dah das bisher noch ziemlich dunkle Motiv des Zwischenfalls
in einer Spionageangelegenheit zu suchen ist und ein Berliner Mittagsbtatt veröffentlicht wettere Einzelheiten dazu. 3n der lat kann man als ziemlich sicher annehmen, dah die Dinge sich ungefähr so abgespielt haben. Polnische Beamte sollen nämlich seit längerer Zeil versucht haben, durch deutsche Grenzbeamte Dokumente zu beziehen, sür die der polnische Spionagedienst sich interessiert. Dafür soll den deutschen Beamten Geld versprochen worden sein. Die deutschen Beamten sind zum Schein aus das verlangen eingegangen und haben die P o l e n in das Zollhäuschen bestellt, in dem sich bann die Schießerei entwickelte, als die Polen sich ihrer Verhaftung widersetzten. Aus den bisherigen Darstellungen weih man ja bereits, dah der deutsche Beamte, der einen Polen erschossen hat, in der Notwehr handelte, weil der Pole ihn verletzt hatte. 3n Berliner politischen Kreisen sieht man dem Ergebnis der heutigen Untersuchung der gemischten Kommission mit Spannung entgegen.
Schreck war ständiger Informator Paciorkowskis und hatte diesem mit gefälschten Stempeln oer- sehne „allergeheimste Dokumente des Reichswehr- Ministeriums" verkauft. Noch ehe Schreck vor dem Reichsgericht erschien, das ihn dann zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilte, war der „Diplomat" Pacior- kowski aus der Reichshauptstadt verschwunden. Abschiedsbesuche hatte er nicht gemacht. Der Fall Schreck erregte seinerzeit um so größere Sensation, als dieser Spion irrtümlich in den Verdacht gekommen war, auch der Fälscher des berühmten „Sinojew-Briefes" zu sein.
Das Thema „polnische Spionage in Deutschland" erfordert aber auch noch eine Beleuchtung von anderer Seite. Wie schon erwähnt, ist bas Zentrum' dieser Spionageaftion nicht auf deutschem Boden zu suchen, sondern befindet sich in Danzig. In der Danziger diplomatischen Vertretung der Republik laufen alle Fäden zusammen. Dort befindet sich gewissermaßen bas Hauptquartier aller Spione und Agenten, die nach Deutschland, Litauen, Estland, Lettland und Finnland geschickt werden. Das Haupt- kontingent für diese Auslandsmissionen stellt die russische Emigration. Um diese entwurzelten Elemente dem polnischen Nachrichtendienst zu gewinnen, wurde mit polnischem Geld eine „Russisch-Polnische Gesellschaft für gesellige Zwecke" gegründet, in der die auserwählten russischen Emigranten eine Art Vorbildung genießen, bevor sie soweit sind, daß sie mit Spinonageaufträgen betraut werden können. Es sei nur an den Fall des kaiserlich-russischen Generals von Lampe erinnert, den der Danziger Senat ausweisen mußte. Dieser Offizier hat zwar öffentlich gegen den Vorwurf protestiert, in Deutschland Spionage getrieben zu haben, doch steht fest, daß er in nahen Be - Ziehungen ,um polnischen Nachrichten dienst gestanden hat. Ein routinierter Organisator der Danziger Zentrale war der polnische Oberst D u b i c z, der eine besondere Spezialität ausgebildet hatte: für den Spionagedienst ehemalige Angehörige der deutschen Armee, die polnischer '.Rationalität waren, zu ködern. Gerade diese Methode bedarf ausdrücklicher Erwähnung. Denn nicht nur der Oberst Dubicz in Danzig, sondern auch alle leitenden Stellen des polnischen Nachrichtendienstes suchen nach Möglichkeit, für ihre Zwecke ehemalige deutsche Offiziere und oolbaten zu gewinnen, die den Weltkrieg mitgemadjt und durch den Friedens- schloß wieder polnische Staatsangehörige geworden sind. Spionen dieser Art fällt es verhältnismäßig nicht schwer, auf deutschem Boden Späherdienste zu leisten. Als ehemalige Reichsdeutsche beherrschen sie in der Regel die deutsche Sprache vollkommen, sind mit den militärischen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen wohl vertraut, und da sie natürlich mit den erforderlichen Papieren versehen sind, fallen sie bei ihren Schnüffeleien nicht weiter auf. Das Bild der polnischen Spionage auf deutschem Boden wäre nicht vollständig, wollte man die unterirdische Tätigkeit polnischer Agenten im rheinisch- westfälischen Industriegebiet vergeßen, wo der Spion in der unverfänglichen Maske eines Arbeiters auftritt. Allerdings muß diesen Elementen zugute gehalten werden, daß sie oft unter Zwang stehen und unter allerlei Druckmitteln genötigt werben, bestimmte Aufträge auszuführen, die vornehmlich auf dem Gebiet der Wirtschaftsspionage liegen.
Es wäre hohe Zeit, daß sich die maßgebenden polnischen Stellen dazu bereit fänden, auf den Wissensdrang ihres Generalstabs mäßigend einzuwirken und die unverantwortliche Tätigkeit des Spionagedienstes zu desavouieren. Vielleicht heißt es Warschau zuviel zuzumuten, wenn man dies im Interesse der deutsch-polnischen Beziehungen verlangt, dafür sollte der Warschauer Regierung die Tatsache um so mehr zu denken geben, daß diese Spionagetätigkeit nur böses Blut macht, während ihr Erfolg in keinem Derhällnis zu den dafür auf» gewandten Mitteln steht. Die erwähnten Fälle zeigen, wie oft die polnischen Nachrichtenoffiziere auf Betrüger und Fälscher hereingefallen sind.
Um die lleberparteilichkeit des Reichsbanners.
Magdeburg, 29. Mai. (WTB.) Eine Mitgliederversammlung des Reichsbanners befaßte sich mit der vom Ortsverein Halle erhobenen Forderung, die Lleberparteilichkeit aufzuheben. Als Vertreter deS sozialdemokratischen Parteivorstandes und im Auftrage der Sozialdemokratischen Partei gab IohanneS Stelling (Berlin) folgenden Beschluß des Parteivorstandes bekannt: „Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mißbilligt die Versuche, das Reichsbanner von feiner bisherigen überparteilichen Linie abzubringen. Bestrebungen, rein sozialistischer Schuhorganisationen oder an die SPD. angelehnte Einrichtungen ähnlicher Art zu bilden, lehnt der Parteivorstand mit aller Entschiedenheit a b."
Als Vertreter des Bundesvorstandes erklärte Paul Crohn (Magdeburg), daß die Reichsbannerbundesleitung keine Verletzung der s a h u n g s g e m ä ß e n e b e r p a r t e i l i ch - feit zulassen werde. Wer die Bundessatzung nicht anerkenne, schließe sich selbst aus dem Bunde aus. Einige Mitglieder des Ortsvereins Halle (Saale), die die Abgabe genügender Erklärungen verweigerten, wurden ihrer Aem - ter enthoben und zum Teil sofort ausgeschlossen. Der Gauvorstand in Halle wurde beauftragt, den Ortsvereinsvorstand vorläufig zu ergänzen und Neuwahlen durchzuführen.
Deutschland
und die Weltwirtschaft.
Aussichten für eine baldige Konjunktur- besserung.
Paris, 28. Mai. (WTB.) In einem Bericht über die Lage der deutschen Wirtschaft, der dem Präsidenten der Internationalen Handelskammer Theunis zur Verfügung gestellt wurde, heißt es: Von einer ausgesprochenen Krise der deutschen Wirtschaft kann gegenwärtig nicht gesprochen werden. Allerdings lastet die feit einigen Monaten bestehende Depression unvermindert auf der deutschen Wirtschaft. Es spricht gegenwärtig manches dafür, daß in der allernächsten Zeit mit einer neuen Aufwärtsbewegung zu rechnen ist. Da infolge der hohen Auslandverpflichtungcn Deutschlands und der hierdurch bedingten dauernden Kapitalentziehung die Kapitalbildung aus eigener Kraft starken Schwankungen unterliegt, ist es für die Aeberwindung der Depression der deutschen Wirtschaft in der nächsten Zeit Voraussetzung, daß vom Auslände entsprechende Beträge langfriftig in die Wirtschaft hinein- kommcn. Don stärkster Bedeutung wäre, wie dies bei der Verflechtung Deutschlands in die Weltwirtschaft natürlich ist, wenn die Konjunktur des Auslandes sich von den Rückschlägen des vorigen Iahces bald wieder erholen würde, und wenn es dadurch in höherem Maße als Abnehmer für deutsche Waren in Frage kommen könnte.
Die christlichen Metallarbeiter lehnen den Schiedsspruch für Aordwest ab.
Essen a. d. R.. 29. Mai. (WTB.) Eine Delegiertenkonferenz des Verbandes christlicher Metallarbeiter fand heute in Witten statt, um zu dem vor einigen Tagen gefällten Schiedsspruch für die MetallindustrieDord- w e st Stellung zu nehmen. Dach eingehender Aussprache ergab die Abstimmung einstimmig die Ablehnung des Schiedsspruchs. Die Versammelten sprachen der Leitung ihr vollstes Vertrauen aus.
Der Schriftsteller Dr. h. c. H e r ma n n Stege» mann wirb am 30. Mai 60 Jahre alt. Die Philosophische Fakultät der Universität Frankfurt hat Stegemann, der Honorarprofessor für neuere Geschichte an der Münchener Universität ist, „bem in ernster Zeit treu bewährten Sohne seiner rheinischen Heimat und hervorragenden Ge schichts« schreiber des Weltkrieges", ehrenhalber Titel und Würbe eines Doktors der Philosophie verliehen. Professor Stegemann ist beson- bers durch seine oierbänbige „Geschichte des Krieges* bekannt geworden. Er ist Koblenzer von Geburt, studierte in München und Zürich, lebte seit 1891 in der Schweiz und betätigte sich literar-historifch und -politisch bis zum Ausbruch des Krieges, der ihn zur Annahme des Kriegsreferats am „Bund" veranlaßte. Seine Berichte „Zur Kriegslage" genoßen Weltruf. 1922 erfolgte seine Ernennung $um Hono- rarprofeffor an der Münchener Universität. Der (Bet lehrte ist bereits Dr. rer. pol. h. c. von Freiburg i. B.
Keine staatsbürgerliche Arbeitsgemeinschaft
TieVcrhandtungen über einen Zusammen- fchlntz der Mitte gescheitert.
Köln, 30. Mai. (ERB.) Wie die .Köln. Ztg.- rneldet, haben die Bemühungen um die Schaffung einer staatsbürgerlichen Partei oder Vereinigung, die bis zum heutigen Tage hinter den Kulissen fortgesetzt worden sind, mit einem negativen Ergebnis geendet. Beteiligt waren an diesen Verhandlungen der Führer der Deutschen Dolkspartei, Dr. Scholz, der demokratische Parteivorsitzende Koch-Weser, der Führer der Wirtschaftspartei Drewitz und von den Dolkskonservativen der Abgeordnete von Lindeiner-Wildau. Die Einladung zu diesen Besprechungen war von Dr. Scholz ausacgangen. In diesen Besprechungen zwischen den Parlamentariern handelte es sich vor allem um die Schaffung einer parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft mit dem Ziele, zu einem später gegebenen Zeitpunkt. also etwa bei einer Auslösung des Reichstages, diese Arbeitsgemeinschaft auch außerhalb des Parlaments zur Schaffung eines Parteigebildes fortzusehen.
Rach anfänglichem Sträuben hat die Wirtschaftspartei auch ihre Bereitschaft zur Teilnahme an dieser parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft erklärt und weiter in Aussicht gestellt die spätere Entwicklung mitzumachen. Der Vertreter der Demokraten erklärte sich nach der Parteitagung in Halle zwar bereit, an den Besprechungen teilzunehmcn, sah sich aber nicht in der Lage, eine Arbeitsgemeinschaft mit anderen Parteien einzugehen. Don den Dolkskonservativen gaben von Lindeiner-Wildau und Treviranus die Erklärung ab, daß sie selbst durchaus nicht abgeneigt seien, an der parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft sich zu beteiligen, daß sie ihnen jedoch praktisch unmöglich sei, da die L andv olkve r tre tu ng, mit der sie in Fraktionsgemeinschaft stehen, eine solche Verbindung ablehnt. Darauf mußten die Der- Handlungen über die Schaffung einer parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft als gescheitert erklärt werden
Nebenher gingen Dersuche, Verhandlungen zwischen dem volksparteilichen Führer Dr. Scholz und dem Iungdeutschen Orden zustandezubringen. Bereits dreimal war eia fester Termin zu einer Zusammenkunft verabredet worden, jedoch sagten die Dertreter deS Iungdeutschen Ordens jedesmal kurz vor der Besprechung wieder ab. Als der Iungdeutsch« Orden seinen Beschluß faßte, bei den sächsb* schen Wahlen selbständig vorzugehen, mußten auch diese Derhandlungen alS gescheitert angesehen werden
Das Kanaliunnelprojeki gescheitert.
London, 30. Mai. (WTB. Funkspruch.) Prs^ mierminifter Macdonald und die zwei ehemaligen Premierminister Baldwin und Lloyd George haben an einer Sjtzung des Reichs, Verteidigungsausschusses teilgenommen, der sich mit der Frage des Baues eines ÄanaU


