Aus der Provinzialhauptstadt.
Giehen, den 29. Oktober 1930.
Eröffnungsabend der Volkshochschule Gießen.
Es war zu begrüßen, daß tierr Hegar die Winterarbeit der Volkshochschule nm Samstagabend im Großen Hörsaal der Universität mit einem aufklärenden Vortrag eröffnete. Prägnant zusammengefaßt hierüber folgendes: Hinsichtlich der bildungssuchrnden Menschen sind zwei Schichten zu unterscheiden: einmal die Kreise, deren günstige wirtschaftliche Lage — also deren Sorgenfreiheit — es gestattet, sich in Ruhe und Muße zum Kulturträger heranzubilden. Von ihnen unterschieden sind die Volksgenossen, bei denen wirtschaftliche und berufliche Ünsicherheit hemmend auf die geistige Entwicklung und Pflege des Jnnenmenschen einwirken. Aber auch solchen Menschen muß eine Erhebung ihrer Seele über die Alltagssorgen hinaus ermöglicht werden. Diese Volksschicht darf als kulturbringender und kulturfördernder Faktor des Volkstums nicht geistig und seelisch verelenden. — Es ist nicht das Ziel einer Volkhochschule, ihren Hörern das Rüstzeug zur Erlangung irgendeiner äußerlich günstigen Lebensstellung au verleihen. Zu diesem «treben gibt es andere Ausbildungsmöglichkeiten. Vielmehr wendet sich die Volkshochschule an den Menschen, der schicksalsgebunden bleiben will, d. h. an den Menschen, der zufrieden ist mit dem Platz, auf den ihn nun einmal das Schicksal aestellt hat. Die Volkshochschule erblickt ihre hohe Mission darin, diesen für die Erhaltung unseres Volkstums so außerordentlich wertvollen Menschen Armen und Ohren zu öffnen für unsere geistigen Errungenschaften, ihre Herzen begeistern und ihren Blick zu schärfen für schöne und wahre Kunst, ihre Seele und ihr Gemüt zu pflegen, Charakter- und Herzensbildung am Menschen zu betreiben. Diese Kulturmission darf — auf Gießen angewandt — das mittelstädtische Gemeinwesen nicht allein zum Wirkungsfeld haben; eine Verschmelzung der Volks- hvchschultätigkeit in Stadt und Land — vor allem durch gegenseitigen Austausch von Lehrkräften — wird hier befruchtend wirken.
Der weitere Verlauf des Abends führte gleich in die praktische Volkshochschularbeit hinein: Volks- kun st abend des Kammerorchesters. Der vollständig besetzte Saal ließ starkes Interesse an dieser Art gemeinsamen Musizierens erkennen. Einleitende Worte von Musiklehrer Franz Bauer jun. klärten über die Ziele dieser musikalischen Arbeitsgemeinschaft auf: kein berufsmäßiges Musizieren vor einem hierzu eigens erscheinenden Konzertpublikum, sondern zusammenfassende Darbietung des in mühsamen uebungsstunden erarbeiteten musikalischen Stoffes vor den Mitgliedern der Volkshochschule, ihren Gästen. Freunden und Förderern. Wenn die Leitung des Orchesters für die musikalische Bildungs- arbeit seiner Mitglieder Werke der Bachzeit (Bach, Telemann, Händel - d'Allabaco) wählte, so dokumen- liert sie hiermit in pädagogischer Weise die einfache Tatsache, daß es wieder an der Zeit ist, im Sinne und Geiste dieser Kunstepoche zu musizieren; denn ein großer Teil allermodernster Musikliteratur weiß wohl seelisch zu erschüttern, aufzuwühlen, zu reizen; vermag leider aber nicht in dem Maße zu vertiefen, .zu erbauen, zu veredeln wie die erwähnten alten Meister. Wer die Darbietung unter diesem Gesichtswinkel betrachtet und ohne Voreingenommenheit mit aufnahmefähigem und kunstverlangendem Gemüt die Werke auf sich wirken ließ, spürte in seinem Innern, eine Dankesschuld abtragen zu müssen denen, die sich diese Werke zum musikalischen Besitz erarbeitet haben und sie in so erhebender Weise vortrugen.
Frau Minna Wolfs sang mit ausgezeichneter Einfühlung in den Bachstil mit absolut musikalischer Sicherheit, rhythmisch genau und tonlich rein. Ein sicherlich ernsthaft betriebenes belle-canto»<5tubium mag zu dieser beachtenswerten Stufe stimmlichen Könnens geführt haben; insbesondere war dies in den Rezitativen und Messias-Arien zu erkennen. Herr Helm-Eger begleitete auf der Flöte recht geschmackvoll die Bachsche Kasfekantate. In Frau Elfriede Fischer besitzt das Orchester eine Cem- balistin von durchaus führender Sicherheit und feinfühlender Einordnung in den Klangkörper.
Starker Beifall lohnte die fleißige Arbeit des Streichorchesters und seines künstlerisch hochstehenden Führers. Plastisch klar differenziert waren die in der Telemannschen /^-Moll- Suite enthaltenen Tanzformen. Dankbar begrüßt wurde es. daß das Orchester ein Werk eines bis jetzt weniger bekannten Meisters des 18. Jahrhunderts bot, d'Allabaco, der es verdient, neu belebt zu werden. Mit dem Studium der Einleitung des „Messias" hat sich das Orchester in den Händel-Stil eingearbeitet und sich hierdurch auf eine innerliche Aufnahme und in das Der- ständnis der im Februar kommenden Jahres vom Konzertverein beabsichtigten Messiasaufsüh- rung vorbereitet; denn Zweck des gemeinsamen Musizierens ist, durch praktische Musikpflege Werke unserer Meister zu verstehen und zu erleben.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater: „Reidhardt v. Gneisenau", 19$ bis 22$ Uhr. — Bürgerverein Gießen: Versammlung, 20 Uhr, im Postkeller. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Spielereien einer Kaiserin". — Astoria-Lichtspiele: „Polizei-Spionin 77".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend findet die Erstaufführung von Wolfgang Goetz' Schauspiel „Reidhardt von Gneisenau" statt. Die Bearbeitung und Regie, sowie die Hauptrolle liegt in Händen von Oberspielleiter Walter Bäuerle. Mitwirkende Damen: Schwend, Walther-Lederer, Herren: das gesamte Solopersonal. Beginn 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Die Bühnenbilder stammen aus der Werkstatt Karl Löffler; Kostüme: Kurt Huber.
— Volkshochschule. Auf die heute beginnenden Mittwochskurse wird im heutigen Anzeigenteil besonders hingewiesen.
— „Paulus und b i e Gegenwart." lieber dieses Thema spricht Lic. Robert Goebel. Der Vortragende wird solche Seiten der paulinischen Anschauung schildern, die einen weiteren Beitrag geben zur Frage: „Christentum und Okkultismus . Der erste Vortrag, am Freitag, 31. Oktober, behandelt die Fragen: Die Schau der Geisteswelt im Leben des Paulus; Glaube und höhere Erkenntnis; die Gaben des Geistes. (Siehe heutige Anzeige.)
* * Flaggen auf Halbmast. Aus Anlaß der Beisetzung Der Opfer der Grubenkatastrophe in May. badi wurden heute an allen staatlichen und städtischen Amtsgebäuden die Flaagen auf Halbmast gehißt.
• * Intendant Dr. Prasch spricht im Frankfurter Rundfunk. Zwischen Intendant Dr Prasch und dem künstlerlschen Ccikr
der Wanderbühne des DühnenvolkSbundeS Dr. Beigel findet im Rahmen der Theaterwerbewoche des Frankfurter Rundfunks am Donnerstag, 30. Oktober, in der Zeit von 18.35 bis 19 Uhr ein Zwiegespräch statt. „Bodenständiges Theater und Wanderbühne'' lautet das Thema des Abends.
•• Öffentliche Ziehung von Anleihe-Auslosungsrechten. Am kommenden Freitagnachmittag findet im Stadthaus, Bergstraße. Zimmer 6, die öffentliche Ziehung der Auslosungsrechte zu den Ablösungsanleihen der Stadt Gießen für die Jahre 1926 bis 1930 statt. Interessenten seien auf die gestrige Bekanntmachung der Stadtverwaltung hingewiesen.
** Zur Wiederbelebung des Dür- gervereins findet heute abend im „Postkeller" eine öffentliche Versammlung statt, ^u der nicht nur die früheren Mitglieder des Dürgervereins, sondern auch alle übrigen Mitbürger erwartet werden. Der Zutritt zu der Versammlung ist für jedermann frei. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, daß die Arbeit des Dürgervereins unter strenger politischer und konfessioneller Neutralität geleistet werden soll, so daß also für jeden Bürger Raum in diesem Verein vorhanden sein wird. Die bedeutsamen Aufgaben unseres Gemeinwesens in der Zukunft lassen es dringend wünschenswert erscheinen, daß sich die breitesten Dürgerschichten an der Mitarbeit im Dürgerverein beteiligen.
** Eine öffentliche Zahlungsaufforderung richtet die Stadtkasse im heutigen Anzeigenteil an diejenigen Bürger, die mit
Wenn Ihre
Empfehlungsanzeige
in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung
werben soll
dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf
Steuern, Schulgeld, Wo hnungs miete und Berufs- genossenschaftsbeiträgen im Rückstände sind. Die Zahlung muß bis zum 6. Rovember erfolgt sein. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.
• • Obst- und Gartenbauverein Gießen. Die erste Versammlung des Winterhalbjahres, die am Sonntag im Kaufmännischen Vereinshaufe stattsand, führte die Mitglieder zu einem Vortrage zusammen, der die Behandlung der Zimmerpflanzen zum Gegenstände hatte. Einleitend wurden die gegenwärtig notwendigen Arbeiten besprochen, sv vor allem das Einwintern der Knollen- und Zwiebelgewächse, die Hinterbringung der härteren, immergrünen Dekorationspflanzen, auch einiger Reuerscheinungen an Deerenobst wurde gedacht. Der Vortragende, LIniversitäts-Garteninspektor i. R. Rehnelt (Gießen), gab sodann einen Lieberblick über die Grundzüge der erfolgreichen Dlumenpslege im Zimmer während der sonnenarmen Wintermonate und schilderte die Eigenheiten der bekannteren Blatt- und Blutenpflanzen. Eine Gratisverlosung, bei der jedes anwesende Mitglied mit einem Gewinn bedacht werden konnte, beschloß den anregend verlaufenen Rachmittag.
• • „Christentum und Okkultismu s". Man schreibt uns: Lieber dieses Thema sprach, auf Einladung der Christengemeinschaft, Eduard Lenz aus Prag dieser Tage in der Universität. Er schied scharf zwischen den Erscheinungen, die gemeinhin mit dem 21 amen Okkultismus belegt werden und die naturwissenschaftlich experimentell auf ihre Wahrheit hin geprüft werden können und dem wahren Wesen des Okkultismus. Dieser letztere Okkultismus seht sich das Ziel der Erforschung des verborgenen Wesens der Welt und des Menschen auf Grund entwickelter höherer und sittlich geläuterter Dewußtfeinszu- stände. Während der falsche Okkultismus dumpfe Bewußtseinszustände benutzt, will der wahre Okkultismus die Kräfte eines klareren und überschaubaren Bewußtseins entwickeln und pflegen. Dieser wahre Okkultismus führt den Menschen schließlich zur Begegnung mit der Gottheit. Deswegen konnte dieser Okkultismus, der so alt wie die Menschheit ist, auch das Wesen der vorchristlichen Mysterienreligionen fein. Diese setzten sich das Ziel, den Menschen durch einen bestimmten Erziehungswcg, durch die sog. Einweihung, zu einer übersinnlichen Erfahrung des im Alltagsmenschen wohnenden höheren Menschen und dadurch zu einer Erfahrung der wirkenden Gottheit selbst zu führen. Der Mensch des Altertums suchte in den Mysterien „Offenbarung". Diese „Offenbarung" trat für das Christentum auf Erden auf in der Gestalt des Christus Jesus. Was früher auf dem Weg der Einweihung, durch die Schulung der okkulten Kräfte, erreicht wurde, trat den Menschen nahe in der Menschwerdung Gottes. Die Anschauungsgewalt des Paulus läßt sich nur auf dem Hintergrund dieser auf der Grundlage des echten Okkultismus stehenden Mysterien verstehen. Was Rudolf Steiner im 20. Jahrhundert verkündete, war die Reuoffenbarung dieses so verstandenen Christentums, das durch die Forschung des Okkultismus nur vertieft werden kann. Darin sieht die Bewegung für religiöse Erneuerung, welche in einem gegenwartsgemähen Sinn die Kräfte der Andacht und der Anbetung im Menschen durch den Zusammenhang mit der Feier des heiligen Mahles und der christlichen Sakramente pflegen möchte, die Bedeutung der wahren okkulten Forschung, wie sie bei Rudolf Steiner vorliegt: daß nämlich diese Forschung auf der christlichen Erfahrung beruht, die sich mit der Erfahrung eines Paulus vor Damaskus zur Zeit des Llrchristentums vergleichen läßt. Aus dieser Erfahrung läßt sich heute neues, lauteres religiöses Leben speisen. Die Hörerschaft folgte den Ausführungen des Redners mit gespannter Aufmerksamkeit.
"• „Tiere sehen dich an". Ein Film von ganz eigenartiger Prägung lief am Sonntag- vvrmittag im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. Rach dem bekannten Buch von Paul Eipper unter des Verfassers künstlerischer Leitung entstand ein Filmwerk, daS seinesgleichen sucht. Die Tierwelt in ihrer Vielgestaltigkeit tritt beseelt und ver
körpert an den Menschen heran, der doch gerade in der heutigen Zeit oft jeden Kontakt mit dem Tiere verloren hat. Der Film gibt vieles zurück, er läßt den Beschauer einen tiefen Blick in die Bezirke einer anderen Welt tun und zugleich manches, das uns bisher tierhaft und nur einfach erschien, problematisch erscheinen. Wir hatten Gelegenheit, den König der Tiere zu beobachten, dem Elefanten in das Auge zu sehen, die massige Wucht des Rilpferdes, des Rashorns nachzuempfinden, die schlanke Grazie der Flamingos und Reiher zu bewundern, die tolpatschigen Bewegungen der Bären, das wilde Liebesspiel der Walrosse, das possierliche Gehabe der Affen und vieles andere zu sehen. Großaufnahmen des rätselhaften Vogels Abu Marküb ließen erkennen, daß es dem Menschen nie möglich sein wird, das Tier, einzelne Tiere, jemals völlig zu begreifen. Aus den Augen jenes Vogels starrte uns das seelische Sein der Tiere tote ein großes Rätsel entgegen, ein Rätsel, das wiederlehrend uns begegnet in den Augen der Tiger und der Panterlatzen mit ihrem unheimlichen, abgrundtiefen Gefunkel. Demgegenüber steht die Freiheit und Ungezwungenheit der Bewegung und des Handelns der Tiere, eine schier erhabene Natürlichkeit spricht aus dem Fressen, aus dem Spiel und aus dem Benehmen der Tiere, die den Zuschauer mit Freude erfüllen muß. Den Wert des Filmes aber bestimmt die große künstlerische Linie, die dem Filmstreifen zu eigen ist; mit sorgfältig prüfender Hand wurden die Bilder ausgewählt, die nicht nur in künstlerischem Sinne, sondern auch in technischer Hinsicht vollkommen zu nennen sind.
** Gewerschaftsbund der Angestellten. Man berichtet uns: Im Rahmen des Winterbildungsprogramms der Ortsgruppe Gießen des GDA. hielt dieser Tage im Kaufmännischen 58er- einshaus Herr Rohn (Frankfurt a. M.) einen Vortrag über die Rufbuchhaltung, in dem er die Hand- unb Maschinenbuchhaltung vorführte. Theoretisch wie praktisch würben den Zuhörern alle Einzelheiten klargelegt. Das Buchungsverfahren wurde außerdem mit einer eigens für diesen Zweck konstruierten Schreibmaschine erläutert, so daß die Besucher die Handhabung leicht erfassen konnten. Damit hatte der GDA. seinen Mitgliedern alle maßgebenden Durch. schreibe-Buchführungssysteme wie Taylorix, Definitiv, Hinz usw. in diesem Jahre nahegebracht und ihnen die Möglichkeit gegeben, sich ein eigenes Urteil zu bilden.
Oberheffeu.
Landkreis Gießen.
CO Klein-Linden, 28. Okt. Am Sonntag feierte unsere Gemeinde das Kirchweihfest. Der hiesige Posaunenchor leitete morgens mit Vorträgen alter geistlicher Musik den feierlichen Tag ein. Der Ortsgeistliche Pfarrer Bremmer hielt die Festpredigt und gedachte zugleich der vor 64 Jahren erfolgten Einweihung der Kirche. Durch den Vortrag einer Motette, gesungen vom Mädchenchor der evangelischen Jugendvereinigung, erhielt der Gottesdienst noch eine besondere Weihe.
© Holzheim, 28. Okt. Der frühere langjährige Beigeordnete Wilhelm Grieb V. und feine Ehefrau Susanne, geb. Ohly, feiern am 30. Oktober das Fest dergoldenenHochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich noch geistiger und körperlicher Rüstigkeit.
)( L i ch, 28. Okt. In stark besuchten Gottesdiensten feierte unsere Gemeinde am Sonntag das Erntedankf eft. Sowohl am Vormittag, als auch am Rachmittag wirkten der Posaunenchor und die beiden Gesangvereine „Cacilia" und Roth'scher Männerchor unter der bewährten Leitung ihrer beiden Chormeister I l g e und Stein mit und trugen so wesentlich zur musikalifchen Ausstattung der Gottesdienste bei. Die Kinder feierten in besonderem Gottesdienst. Die am Schlüsse der Gottesdienste gesammelten Erntegaben erbrachten 93 Mark und wurden für die Herrnhuter und Leipziger Mission bestimmt. Eine besondere Festesfreude für die Gemeinde war die Bekanntgabe einer Stiftung. Diese besteht in einer prachtvollen, von dem Kirchenmaler K i e n z l e entworfenen weißen Altarbekleidung für Weihnachten und Ostern. Durch diese Stiftung wird die Kirche in Zukunft über fünf Altarbekleidungen verfügen, so daß der QHtar in jeder Kirchenzeit mit den richtigen liturgischen Farben geschmückt werden kann. — Auf Anordnung der Kirchenbehörde und auf Beschluß des Kirchenvorstandes wird das Re - formationsfest in unserer Gemeinde am 31. Oktober (Freitag) durch einen Gemeinde- und Kindergottesdienst gefeiert. Am Abend findet in der Turnhalle ein Festabend der Jugendvereinigung statt.
Grünberg, 28. Oktober. Der hiesige Schützenverein hielt am Sonntag sein diesjähriges Schlußschiehen mit Preisverteilung ab. Erster Preisträger und damit zugleich Gewinner des Wanderpreises, bestehend in einem silbernen Pokal, der erst nach dreimaligem Erringen in das Eigentum des Gewinners übergeht, war Llhrmachermeister Richard I ö ck e l. Die übrigen Preise gelangten in folgender Reihe zur Verteilung: 2. August Trinkaus; 3. Otto M a t - thles jun.; 4. Max Menzlnger; 5. Karl Möller; 6. Friedel Hofmann;?. Otto M a t- thles fern; 8. Kurt Bock; 9. August Stammler; 10. Oberbahnmeister K i tz; 11. Friedrich Jockel; 12. Hermann Eiertänzer; 13. Otto Allmendinger; 14. Karl Schott; 15. Heinr. Kappes; 16. Otto Schmitz. Sämtliche Preise bestanden in Wertgegenständen, die von den Mitgliedern gestiftet waren. Die Ehrenschslbe des Tages schoß Kaufmann Friedel Hofmann. Abends sand im „Hessischen Hof" eine Rachfeier mit Familie statt, bei der Schühenmelster Llhrmachermeister Friedrich Jöckel I. mit einer Ansprache die Preisverteilung vornahm.
Kreis Friedberg.
WSR. Friedberg, 28. Okt. Am Sonntagabend geriet ein großer Strvhhauf en auf dem benachbarten Hofgut Belenhelm in Brand. Das Feuer hielt die ganze Rächt hindurch an und vernichtete mehrere tausend Zentner Stroh. Der Feuerschein war weithin sichtbar. ES wird Brandstiftung vermutet.
pb. Butzbach, 28. Ott. Der Turn- und Sportverein 1846 Butzbach hielt vorgestern abend im großen Saal des „Hessischen Hof" seine diesjährige Schluhfeier ab, die mit einet Ehrung aller Sieger, die auf den verschiedenen Turnfesten Siege errungen hatten, verbunden war. Rach einer Ansprache Les 1. Sprechers Dr. med. Rau fanden Vorführungen der einzelnen Riegen, Gesangsdarbietungen I der Turnerinnen ufto. statt, die von Musik
stücken der Hauskapelle der Turner umrahmt waren. Der 2. Gauvertreter C. Schneider überbrachte dem um die Turnfache verdienten, der Altersriege angehörenden Turner L. Lln- verzagt den Gauehrenbrief. Der vorgesehene Tanz fiel mit Rücksicht auf die Opfer der beiden Bergwerkskatastrophen aus.
I Steinfurth, 28. Okt. Am Sonntag wurde in unserer Kirche das Erntedankfest gefeiert. Eine zahlreiche Gemeinde hatte sich zum Gottesdienst eingefunden. Die Konfirmanden hatten, wie alljährlich, den Altar mit Blumen und Früchten des Feldes und der Gärten geschmückt. Reben der Festpredigt des Pfarrers erhielt der Gottesdienst noch sein besonderes Festgepräge durch ein gut vorgetragenes Lied eines Schülerchors unter Leitung von Lehrer Philipp. Außerdem fang Lehrer Kruger zur Orgelbegleitung zwei Lieder in reinem, wohlklingendem Tenor. So wurde das Fest zu einem andächtigen Gottesdienst.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 28. Okt. Am Sonntaanachmittag verunglückte auf dem hiesigen Bahnhof beim Rangieren der Bahnbebienstete Friedrich Z o b e. Er glitt auf ben nassen Schwellen ausr geriet m i t dem Unterarm zwischen zwei Puffer und erlitt dabei schwere Quetschungen an der Hand. Der sofort herbeigerufene Arzt, Dr. med. Fritz Koch, leistete die erste Hilfe. Der Verunglückte wurde nach der Gießener chirurgischen Klinik gebracht. Sein Befinden gibt, wie man hört, erfreulicherweise zu Bedenken keinen Anlaß.
• Berstadt, 28. Oft. Am 31. Oktober feiern Altbürgermeister August Wolffl. und seine Gattin Katharina Elisabetha, geb. Dieffenbach, das Fest der goldenen Hochzeit. Gemeinde und Kirche Berstadt werden dieses Tages im Gefühle aufrichtiger Verehrung und Dankbarkeit für das Jubelpaar gedenken. War doch Alt- bürgermeister Wolff über drei Jahrzehnte Bürgermeister unserer Gemeinde und über 41 Jahre Mitglied des Kirchenvorstandes. Dabei ist er durch seine langjährige Tätigkeit in den Feldbereinigungsarbeiten auch weiteren Kreisen Oberhessöns bekannt.
Kreis Alsfeld.
n* Alsfeld, 27. Okt. Die hiesige Dürer«, gesellschaft unter Leitung von Studienrat Dr. Berg begann ihre diesjährigen Wintervorträge mit einem Vortrag von Universitätsprofessor Dr. UR o mb er t aus Gießen, der über das Thema „Kultur und Wirtschaft" sprach. Er erläuterte in geistvoller Weife die Entwicklung und den Begriff der Kultur und stellte sie in Beziehung zu unserer Wirtschaft, deren Macht allmählich unser ganzes Leben durchdringe. Er wies nach, baß Kultur und Wirtschaft einen Gegensatz in sich enthalten, per sich niemals restlos auflösen lasse. Die tiefgründigen Ausführungen des Gießener Gelehrten fanden den lebhaften Beifall der Interessierten Zuhörer. Der gute Besuch des Vortrags bewies, daß für derartige Veranstaltungen'ein Bedürfnis auch in kleineren Städten besteht.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
cP Krofdorf, 26. Okt. Die Ernte der Hackfrüchte, die sich durch das regnerische Wetter sehr verzögerte, ist nun beendet. Kartoffeln und Dickwurz find gut geraten, doch läßt der Absatz zu wünschen übrig. Es werden für Kartoffeln pro Zentner 3 Mk. und für den Zentner Dickwurz 0,95 Mk. verlangt. — Infolge der niedrigen Verkaufspreise für Schlachtschweine schlachten die hiesigen Landwirte feit einiger Zelt wöchentlich mehrere Schweine aus und finden gute Abnahme für das Fleisch. Rach diesem Vorgehen der Landwirte ist bereits eine Senkung der Ladenpreise eingetreten.
* Salzböden, 28. Okt. Seltenes Jagdglück wurde dem Preußischen Staatsforstgehilfen R. Saleik zuteil. Er erlegte im Krofdorfer Staatsforst einen kapitalen zwölfender Hirsch.
# Erda, 26. Okt. Die Schafe sind nun auch hier ans dem Dorfbild verschwunden. Die Zahl der Schafe verringerte sich in der letzten Zeit mehr und mehr, so daß am 1. Oktober, nachdem die Schafbesitzer sich geweigert hatten, einen Zuschuß zur Schäferei zu leisten, die Schafhaltung überhaupt aufgelöst wurde. Da die Gemeinde über größere Weideflächen verfügt, muh der Gemeinderat demnächst über deren Verwendung Beschluß fassen. — Kurz vor dem Abschluß der Drescharbeiten fiel ein hiesiger Landwirt infolge eines Fehltritts im den Strohbinder. Der Maschinist, der am Binder stand, setzte sofort die Maschine außer Betrieb und bewahrte so den Verunglückten vor schwerem Schaden.
Kreis Biedenkopf.
T Waldgirmes', 26. Okt. Der Arbeiterin Frau Katharina Koch wurde aus Anliß ihres 4 0. A r b e i t s j u b i l ä u m s bei der Zigarrenfabrik Rinn & Cloos ein ansehnliches Geldgeschenk und herzliche Glückwünsche zuteil.
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