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Ein Mag des oberhessischen Handwerks.

Oie Abschlußfeier- der Iungmeister und Iungmeisterinnen von 1930.

3m vollbesetzten Saale bes Taft Leib zu Dietzen fand gestern die Abschlußfeier derHand- werkS-Iungmeifter 1 930 statt. Neben den Prüfungsmeistern mit ihrem Vorsitzenden D erwerbe rat Dr. VünningS, Dietzen, wohnten als Gäste mehrere Vertreter der Handwerks­kammer. der Behörden und der Presse der Feier bei.

Oie Meisterprüfung

bestanden in diesem Jahre von 338 Prüflingen 292. Diese 292 3ungmeister und 3ungmeisterinnen verteilen sich beruflich wie folgt: Auto-Mecha- niker 8. Docker 22, Dachdecker 1, Elektro-Instal- lateur 14, Tlektro-Maschinenbauer 1, Friseur 8, Maurer 28. Metzger 28. Polsterer 2. Sattler 3, Dauschlosser 9. Maschinenschlosser 9. Schmied« 11, Schneider 11, Spengler 1, Spengler und Instal­lateur 2, Installateur 3, Schuhmacher 23. Schrei­ner 45, Wagner 4, Maler und Weißbinder 25, Zimmerer 8. Schneiderinnen 6. Weihzeugnähe- rinnen 1, Modistinnen 2, Friseust 1. Stein­metz 2, Konditoren 2. Schriftsetzer 6, Buchdrucker 1, Küfer 1, Glaser 1, Messerschmied 3.

Oie akademische Feier

begann gegen 11.30 Uhr mit einer musikalischen Darbietung von Mitgliedern der Kapelle Weller. Anschließend sangen Mitglieder deS Dauerschen Gesangvereins Mozarts Chor .Weihe des Ge­sang«".

Darauf hieß der Vorsitzende der Meisterprü­fungskommission für Oberhessen, Gewerberat Dr. Bünnings, in seiner Eröffnungsansprache die Gäste willkommen, wies die Iungmeister und Iungmeisterinnen auf di« Bedeutung ihres Ehren­tages hin, gab das vorstehend berichtete Er­gebnis der Meisterprüfung bekannt und sprach den jungen Meistern und Meisterinnen herzliche Glückwünsche aus mit der Ermahnung, nun aber nicht stillzustehen, sondern jetzt auch noch mit­zuarbeiten für das gesamte Handwerk im Rah­men der handwerklichen Organisationen.

3m Auftrage der Handwerkskammer Darm­stadt und der Handwerkskammer-Nebenstell« Friedberg sprach Schlossermeister Hetz (Fried­berg) den erfolgreichen Prüflingen Glückwünsche aus und wies sie auf die Vorteile, aber auch auf die Pflichten des Rechts zur Führung des Meistertitels hin. Er empfahl ihnen dringend den Anschluß an die Innungen und Gewerbe­vereine bzw. die Gründung dieser Organisationen überall da, wo diese noch nicht bestehen. Weiter legte er ihnen die Mitarbeit an den öffentlichen Aufgaben und festen handwerklichen Zusammen- schlutz zu einer Gemeinschaft von Kollegen und Helfern bei der Förderung des gesamten Hand­werks dringend ans Herz.

Syndikus Röhr von der Handwerkskammer- Nebenstelle Gießen empfahl nach seinen Glück­wunschworten den jungen Meistern und Mei­sterinnen besonders öie Weiterarbeit an der Vervollkommnung in ihrem Berufe, die Geltend­machung ihres Persönlichkeitswertes in ihren Ar­beitserzeugnissen und den festen Zusammenschluh gegen alle Feinde des Handwerks.

Syndikus Dr. Reif, Friedberg, von der dor­tigen Handwerkskammer-Nebenstelle machte die Iungmeister daraus aufmerksam, daß der Hand­werksmeister neben der Wiedereinsetzung des PcrsönlichkcitSwertes auch als Mittler zwischen Kapital und Arbeit bedeutungsvolle Aufgaben zu erfüllen habe und ferner dem Bildungspro­blem durch Pflege des Zusammenwirkens zwi­schen Handwerk und Schule seine Mitwirkung angedeihen lassen solle. Daran knüpfte er seine Glückwünsche.

Der Vorsitzende deS Gießener OrtSgewerbc- vcrein«, Schreinermcistcr H a u b a ch , legte im Anschluß an seine Glückwünsche den jungen Mei­stern dringend nahe, allzeit die Würde des Meistertitels hochzuhalten und namentlich auch bei der Kalkulation der Arbeiten nach einwand­freien und wirtschaftlich gesunden Grundsätzen zu verfahren.

RegierungSrat Dr. Braun vom KreiSamt Gießen überbrachte die Glückwünsche der Provin- zialdirektion und des KreiSamteS, ermahnte die jungen Meister zu freudiger Arbeit auch in dieser Zeit der Wirtschaftskrise, die vom Handwerk mit mutigem Streben auch überwunden werden könne, um dann hoffentlich bald einer besseren Zeit wieder Platz zu machen.

Stadtschulrat Fischer (Gießen) sprach im Auf­trag der Stadt Gießen herzliche Glückwünsche aus, ermahnte den handwerklichen Nachwuchs zu steter aufrechter Derufsgesinnung, zum Glauben an seine Mission und an seinen Stand, empfahl drin­gend die weitere Berufsausbildung des Hand­werks durch Fortbildungskurse und Leistungs­prüfungen, forderte die stärkere Geltung der Cinzelpersünlichkeit auch im wirtschaftlichen Kampfe und wünschte den jungen Meistern, daß sie diesen Kampf bestehen und einer besseren Zeit entgegengeben möchten.

Die Glückwünsche der Presse an die jungen Meister und die Hoffnung. dah Handwerk und Presse allezeit zusammenstehen möchten im Ringen gegen die Nöte unserer Zeit, zur Herbeiführung besserer Verhältnisse für das Handwerk und da« gesamte Volk brachten zum Ausdruck Redakteur Bl um sch« in vom Giehener Anzeiger, Redak­teur Bremer von der Oberhessischen Volks­zeitung und Verleger Klein vom Hessischen Handwerks- und Gewerbeblatt.

Der Vorsitzende, Gewerberat Dr. Bün- n i n g S, sprach sodann den Prüfungsmeistern und dem Schriftführer Oberreallehrer Haggen- müller herzlichen Dank aus für ihre opferfreu­dige und eifrige Mitarbeit bei den Prüfungen.

Schlosser-Obermeister K r a i l i n g, Gießen, er­mahnte die jungen Meister und Meisterinnen zur geistigen und handwerklichen Selbständigkeit in ihrer Berufsausfüllung und zu unablässigem Dorwärtsstreben.

Der Vorsitzende des Iungmeister-DerbandeS 1930, Mehgermeister K l e i n, sprach hierauf den Dank der Iungmeisterinnen und Iungmeister für alle guten Wünsche aus und ließ seine Worte in die Nationalhymne ausklingen.

Mit einem Musikstück der Kapelle Weller und einem Gesang der Bauerschen Sänger fand die akademische Feier ihren Abschluß.

Oer gesellige Teil.

Anschließend fand gemeinsames Mittagessen statt, in dessen Verlauf Oberreallehrer Haggen- müller in einer Ansprache auf die verdienst­volle und mühereiche Arbeit des Vorsitzenden Dr. Bünnings und der Prüsungsmeister mit Worten der Anerkennung und des Dankes hin- wieS und mit einem Hoch auf da« hessische Hand­werk schloß. Als guter Sänger erfreute Iung­meister Heinrich Rothländer mehrmal« durch schöne Liedervorträge, bi« verdientermaßen reichen 'Beifall fanden, ferner trug eine Iungmeisterin eine heitere Mainzer Lokaldichtung vor, weiter musizierte die Kapelle eifrig und schneidig unter starkem Beifall der Zuhörer. Nach der D e r t e i - lung der Meisterbriefe bildeten Musik und Tanz den Ausklang des handwerklichen Fest­tages.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Dießen, den 29. September 1930.

Oas Kind in der Familie.

Die italienische Aer^tin und Pädagogin Dr. Maria M o n t e s s o r l, der kürzlich am sech­zigsten GeburtStag große Ehrungen zuteil wur­den. hat ein neue- Buch erscheinen lassen, au« dem wir gekürzt den Abschnitt zum Abdruck bringen, der sich mit dem Kind i n der Fa­milie besaßt. Gerade wer für die Familien­erziehung eintritt, wird mit vielem einverstanden sein müssen, was Dr Montessori von den Er­ziehern fordert. Sie sagt:

Insere Ideen über Erziehung waren bisher sehr unnatürlich und von Vorurteilen. Man ver­sucht heute, sie durch positiver«, di« au« der un­mittelbaren Beobachtung stammen, zu ersetzen. Der Erfolg, den die beobachtende Methode auf allen Gebieten bewirkt hat, wird auch für die Pädagogik richtunggebend fein. Die neue Er­ziehung, die da« Kind zunächst beobachtet, bevor sie sich anmaht, zu erziehen. soll endlich auch in die Familie eindringen und hier nicht nur ein neue« Kind, sondern vor allem neue Vater und neue Mütter schaffen.

Vater und Mutter wissen sehr wohl, daß ihre Kinder durch sie gut oder bös« werden können. Trotzdem bereiten sich weder Vater noch Mutter auf die Erfüllung ihrer schweren Ausgabe vor.

Da« Mißverhältnis zwischen unseren Forderun­gen an das Kind und unserer eigenen Unzuläng­lichkeit, diesen Forderungen zu entsprechen, bringt un« den Kindern gegenüber oft in eine schiefe Lage und führt immer wieder zu Kon­flikten, die schließlich zu einem ständigen Kampf zwischen Eltern und Kindern werden. In solchen Fällen versuchen die Eltern die heikle Situation durch ihre Autorität zu lösen: Sie erzwingen den Gehorsam der Kinder, sich selbst aber geben sie dabei den Anschein der Vollkommenheit. Haben sie diesen Sieg errungen, so sichern sie ihn, indem sie ihren Kindern Schweigen befehlen, und so ist der , Frieden" gesichert. Die Kinder aber verlieren da« Vertrauen zu ihren Eltern und können sich ihnen gegenüber nicht mehr auf- schließen. In der Folge treten bestimmte Reak- tion«erscheinungen bei den Kindern auf, oder e« entstehen durch Anpassung an da« falsche Verhal­ten der Erwachsenen psychische Spannungen, di« sich manchmal zu wirklichen Krankheiten verschär­fen können.

Heute verstehen schon die meisten Mütter die körperliche Pflege der Kinder und kennen die Regeln der Ernährung, Temperierung, die Vor­teile de« Aufenthalte« in frischer Luft, der den Lungen reichlich Sauerstoff zuführt.

Da« neugeborene Kind aber ist nicht einfach ein kleine« Tier, da« man nähren mutz, e« ist von Geburt an ein Geschöpf mit Deist, und wenn man für sein Wohl sorgen will, genügt e« nicht, seine körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen, man muß ihm auch einen Weg zur geistigen Entwick­lung eröffnen, muß seine geistigen Regungen vom ersten Tag an beachten und ihnen zu entsprechen suchen. Kenntnis der psychischen Bedürfnisse des Kindes und die Fähigkeit, seine Aeutzerungen zu beobachten und richtig zu deuten dies ist die Vorbedingung für jede Mutter, die ihr Kind erziehen will.

Ich will versuchen, die Grundsätze aufzuzählen, die der Mutter helfen können, den rechten Weg zu finden.

Die Hauptsache ist: Alle Formen der ver­nünftigen Betätigung des Kindes zu achten und sie zu verstehen suchen.

Der zweite Grundsatz lautet: Den Tätigkeits­drang des Kindes so weit nur irgend möglich unterstützen, es nicht bedienen, sondern es zur Selbständigkeit erziehen.

Der dritte Grundsatz ist: Das Kind ist äuße­ren Entwicklungen gegenüber viel empfänglicher, al« wir glauben: danach müssen wir unser ganzes Verhalten einrichten.

Allen Aeußerungen der kindlichen Seele folgen, das Kind frei zu machen, damit es seine Be­dürfnisse zeigen kann, und all« die äußeren Mittel zu gewähren, deren es zu seiner Ent­wicklung bedarf das ist die Voraussetzung zu einer freien und harmonischen Entfaltung und Formung der aufkeimenden Kräfte.

Gictzener Wochcnmarktpreise.

Es kosteten auf dem Wochenmarkt vom Sams­tag: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35, Wirsing 8 bi« 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 15, gelbe und rote Rüben 10 bis 12, Spinat und Bohnen 15 bis 20. Llnter-Kohlrabi 6 bis 8, Feld­salat 100 bi« 120, Tomaten 10 bis 20, Zwiebeln 10 bi« 12, Meerrettich 50 bis 60, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 4, Falläpfcl 8 bi« 10, Aepfel 20 bis 35. Dirnen 15 bi« 30, Dörrobst 30 bis 35, Zwet- fchen 20 bis 25, Pfirsiche 40 bis 70, Preißel- bceren 45 bi« 50, Nüsse 50 bis 60, Honig 40 bi« 50, junge Hähne und Suppenhühner 100 bis 110 Pf. da« Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pfennig: Tauben 50 bis 70, Eier 13 bis 14, Blu­menkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 10 bis 20, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 6

biS 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 20 Pf. das Stück: Radieschen 10 bis 15 Pfennig das Bund: Kartoffeln 3,20 bis 3,50 der Zentner.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Sarra- fanl: Abschieds-Dorstellung, 7.30 Uhr, Volkshalle­platz. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus". Astoria-Lichtspiele: .^Zeichen im Sturm" undRajah" (das Herz des Maharadscha).

Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Am Mittwoch, 1. Oktober, beginnt die Winterspielzeit 1930/31 mit Zuckmayers Volks- stück: .Schindcrhannes". Das Ensemble bringt dieses Stück als Erstaufführung. Johannes Dückler, genannt der Schinderhannes, hat um die Wende des 18. Jahrhunderts die Rhein­land« von Worms bis Koblenz, sowie den Hunsrück mit seinen Räuberbanden unsicher ge­macht. Wegen der ihm nachgesagten Milde ge­genüber armen Leuten ist er zu einer volks­tümlichen Figur geworden. Carl Zuckmayer hat die Geschichte dieses Räubers und feine Mori­taten dramatisiert und echtes, lebenswahres Ge­

schehen auf die Bühne gebracht. Die Regie führt Intendant Dr.P rasch selbst. Die Titel- roUe spielt Jochen Hauer.

" Ä u s f l u g s r ü ck f a h r k a r t e n der R e i ch s, bahn an Mittwochnachmittagen. Vom 1. Oktober ab werden versuchsweise von der Reichs­bahn an Mitwochnachmittagen Rückfahrkarten mit 33jprozentiger Fahrtpreisermäßigung ausgeaeben. Bis auf weiteres werden dazu aufliegende Sonn- tagsrückfahrkarten benutzt. Solche Rückfahrkarten kommen nur von Frankfurt a. M., Hanau, Fulda, Gießen und Offenbach a. M. und nur für die hier bezeichneten Verbindungen zur Ausgabe. Die Karten gelten für die Hinfahrt von 12 Uhr ab; die Rück­fahrt muß spätestens bis 24 Uhr angetreten sein. Die Rückfahrt ist nach 24 Uhr ohne Fahrtunter- brechung, bei Zugwechsel mit dem nächsten Eil- oder Personenzug zurückzulegen.

** Malheur am Ludwigsplatz. In der Nacht zum Sonntag richtete ein hiesiger Autobesitzer mit seinem Kraftwagen allerlei Malheur am Lud- wigsplatz an. Als er mit dem Auto aus der Ludwig- straße nach der Gartenstraße einbiegen wollte, verlor er angeblich infolge Nebels die Orientierung und fuhr

mit dem Kraftwagen über den Bürgersteig in die Anlagen hinein, wobei das eiserne Spalier zum er­heblichen Teile umgedrückt wurde. Beim Zurückstoßen seines Wagens kam der Fahrer im Nebel so weit nach der gegenüberliegenden Seite daß er hier an dem Vorgarten einen erheblichen Teil der Garten­mauer einriß und auch habet das eiserne Spalier umlegte. Die nächtliche Fahrt dürfte unter diesen Umständen wohl etwas kostspielig werden. Außerdem ist die Polizei zur Zeit mit der Untersuchung des Vorfalles beschäftigt.

M i t dem Motorrad in eine Fuß« gängergrupp« hineingefahren. Ein ernster Derkehrsunsall ereignete sich in der letzten Nacht auf der Straße zwischen Gießen und Klein- Linden. Dort fuhr ein Motorradler mit Beifahrer, der an seiner Maschine kein Licht gehabt haben soll, von rückwärts in eine Gruppe von Fußgängern hinein, die sich, vom Zirkusbesuch in Gießen kom­mend, auf dem Heimweg nach Klein-Linden befand. Bei dem Zusammenstoß wurde der Lokomotivführer Heinrich Geiß von Klein-Linden so stark von der Maschine zu Boden geworfen, daß er mit Kopfver­letzungen und einer Gehirnerschütterung bewußtlos an her Unglücksstelle liegen blieb Der Beifahrer des Motorradlers namens Ludwig Geier von Atzbach erlitt durch Sturz einen Schlüsselbeinbruch und leicht« Gesichtsoerletzungen. Die beiden Verunglückten wur­den von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen nach der Chirurgischen Klinik verbracht, wo sich ihr Befinden mittlerweile erfreulicherweise etwas gebessert hat.

Verbilligtes Frischfleisch f ü t Minderbemittelt«. Das zollfreie Gefrier­fleischkontingent ist bekanntlich am 1. Juli in Fortfall gekommen. Mit Rücksicht auf die starken Voreindeckungen dos Handels werden auf Grund der im Gesetz vorgesehenen ^lebergang«srist noch bi« zum 13. Dezember 12 500 Tonnen Gefrier­fleisch zur zollfreien Einfuhr zugelassen. Ent­sprechend einer Erklärung, die der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft bei der Be­ratung des Gesetzes abgegeben hat, wird die Reichsregierung, nachdem sämtliche beteiligten Kreise gehört sind, vom 1. Oktober an folgende vorläufige Regelung in Kraft fetzen: Die Min­derbemittelten in den Gemeinden, denen bisher zollfreies Gefrierfleisch zugetellt war. erhalten künftighin Gutscheine zum verbilligten Bezug von Frischfleisch. Aufgabe der Gemeinden ist eS. den Kreis der wirklich Minderbemittelten festzu­stellen. Die Verbilligung soll 20 Pf. pro Pfund betragen. Die erforderlichen Geldbeträge wer­den den Gemeinden von der Reichsregierung übermittelt.

Aus aller Welt.

Hauptversammlung de» Deutschen kiolonlal-verein».

In Euxhaven wurde die 26. Iahres-Hanpt- versammlung des Deutschen Kolonial-Dereins er­öffnet, auf der die Frage »Wie kann Deutschland heute noch Kolonialpolitik treiben? behcmdelt wurde. Geheimrat Dr. P o n f i« ck erklärt u. a.: Deutschland sei ein übervölkertes Land, ein Volk ohne Raum, und gleichzeitig nicht mehr Herr im ohnehin sehr viel schwacher bewohnten agra­rischen Osten Deutschlands. Die Bevölkerung nehme mehr und mehr ab. Schuld daran ftn unsere falsche Wirtschaftspolitik, bie die Land­wirtschaft vernachlässige. Wir müßten unsere Kolonien in ileberfee wiederhaben, nicht nur, weil der Raub eine Lüge und ein Unrecht sei, nicht nur, weil wir billige Rohstoffe brauch­ten, sondern für unsere industrielle und kauf­männische Jugend. Darüber hinaus brauchten wir ein koloniales und wirtschaft­liches'AusbreitungsgebietfürSied- l e r. Aber das Material für diese Siedlung könne nur ein gesunder europäischer Volkskörper bil­den. Nur auf zwei Pfeilern könne Deutschland- Volks- und Staatskraft gesichert stehen, auf inne­rer und äußerer Kolonisation. Kurt Woer- m ann (Hamburg) führte u. a. aus: Kolonisati- onspolitik fei die notwendige Ergänzung zu jeder deutschen Revisionspolitik. Den deutschen Osten sichere man nicht durch Geldhilfe, son­dern durch Menschen. Die nötige Wider­standskraft gegen den Druck unserer Feinde konn­ten wir nicht durch ein feiges Geschehenlassen, sondern nur dadurch gewinnen, daß wir die brachliegende Volkskraft zur Verteidigung von deutschem Gut und Boden aufbauten.

Mutter und Kind vom Strom getötet.

2lm 23. August brachten wir unter dieser Spitz - marke die Meldung eines Depeschenbureaus, nach der in der Gemeinde Buchelsdorf bei Neu­stadt (Oberschlesien) ein Knabe, der mit einem Draht spielte, der von einer abgerissenen elektri­schen Leitung herabhing, von dem elektrischen Strom getötet worden sei. Auch die Mutter und ein Säugling, den diese auf dem Arm trug, sollten dabei den Tod gesunden haben. Wie uns nun die Direktion des Städtischen Elektrizitätswerkes Gießen mitteill. ging ihr auf ihre Erkundigung bei dem Gemeinde­vorsteher der Gemeinde Buchelsdorf die Nach­richt zu, dah dort von einem derartigen Unfall nichts bekannt fei.

Das Auge leidet bei schlechter Beleuchtung. Gutes

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Licht am Arbeitsplatz macht sich bezahlt. Je feiner z die Arbeit ist, desto stärker muß die Beleuchtung sein. Die Näharbeit der Hausfrau gehört zu den 'z feinen Arbeiten, bei denen das Auge überanstrengtL wird, wenn die Beleuchtung unzureichend ist. *.