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Nr. 99 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Dienstag, 29. April 1930

Briefe vom LinienschiffHessen".

Oie Auslandausbildungsreife der deutschen Flotte.

Don H. Wittig, Leutnant zur See an Lord LinienschiffHessen"").

Eigene Sonderberichterstattung für denGießener Anzeiger".

Die deutsche Flotte befindet sich seit Anfang April auf ihrer diesjährigen Ausland» au-bildungsreife, welche die Schiffe zum sonnigen Spanien in das blaue Mittelmeer nach Sizilien und bis nach Klein-Asien hin bringen wird. Die Reise dient in erster Linie der Ausbildung der Besatzungen, welche durch das Fahren im Verbände, auf den langen See» törnS und in den Stürmen des Atlantiks mehr «eschult werden, als in den ruhigen heimischen «ewgssern Außerdem sollen den deutschen See­leuten fremde Lande und fremde Sitten gezeigt werden. Mit diesen sollen sie Vergleiche an­stellen, Gutes anerkennen und Lehren für sich daraus ziehen. Es gilt ferner, die Besuche der spanischen und der italienischen Flotte in Kiel zu erwidern und hierbei durch tadelloses mili­tärisches Auftreten Beweis von dem Geist und der Zucht in der neuen deutschen Marine ab- Aulcgcn. Gerade den Ausländsdeutschen nützt der Besuch eines deutschen Kriegsschiffes so un­endlich viel: immer wieder hort man von diesen selbst, das; der gute Eindruck, den unsere blauen Jungen draußen machen, sich auf das ganze Volk überträgt und die Stimmung für unser liebe- Vaterland erheblich bessert.

Oie Flotte versammelt sich.

Arn 1. April hat sich die Flotte, bestehend aus den vier LinienschiffenSchleswig- Holstein",Hessen",Schlesien" und Hannover" und dem neuen KreuzerKö­nigsberg" als Führerschisf der I. und //.Torpedoboots-Flottille vor dem Weserfeuerschiff gesammelt. Schon am Tage vor­her waren die Kieler Schiffe aus ihrem Hei­matshafen ausgelaufen, um rechtzeitig am Sam­melplatz zu fein. Wohl ausgerüstet mit Pro­viant und Bedarfsartikeln für die lange Reise hat jedes Schiff die Reise angetreten. Cs ist ja in der nächsten Zeit ganz auf sich allein ange­wiesen, und die Häfen, die angelaufen werden, dienen lediglich der Grgämung des Frischpro­viantes und des Brennstoffs jeber Art. Blitz­blank sieht jedes Schiff aus: denn es ist nun einmal der Stolz des Seemannes, auf einem schmucken Schiff zur See zu fahren. 3m äuße­ren Aussehen wetteifert ein Schiff mit dem an­deren und nach ihm beurteilt ein Seemann den Geist eine- Schiffes.

Oie ersten Hebungen in her Nordsee.

Die ersten 'Tage des Zusammentreffens der Schiffe dienen taktischen Hebungen. Dom Flotten- flaggfchiff aus gibt der Admiral durch bunte Flaggen und Wimpel seine Befehle, die auf allen Schissen wiederholt werden. Mit dem Rieder­gehen des Signals ist der Befehl zur Ausführung

* Der Verfasser dieser Briefe weilte Anfang Ja­nuar als Führer der Fußballmannschaft des Linien­schiffesHessen" in Gießen, wo er und die übri­genHcssen"-Lcute einen Fußballwettkainps mit dem V. f. B. durchführtcn. Die Leute von derHes­sen" waren damals auch bei dem hiesigen Marine­verein zu Gast. Von hier aus setzte dieHessen"- Fußballmannschaft ihre Reise nach verschiedenen anderen Städten des Patenlandes des Linienschiffes fort. Diese Beziehungen des LinienschiffesHessen" zu unserer engeren Heimat dürften durch die Briefe des Verfassers sicherlich eine weitere Vertiefung er­fahren. D. Red.

Zchglaub'nieniehraneineFran."

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Ein Tonfilm mit Richard Tauber. Dies ist das Besondere daran. Gewiß, man braucht nicht mehr nach Berlin zu fahren, man kann Tauber im Radio hören und auf Platten. 'Aber dies hier ist doch ein stärkerer Eindruck als in der üblichen Horm. Cs liegt nicht allein daran, daß man ihn fingen hört und zugleich sehen kann. (Man brauchte sich ja fonft nur fein Bild neben den Lautsprecher zu stellen.) Sondern: daß man ihn in der Einheit von Ton und Bild erlebt, in einer lehr guten Hebertragung ... und in der ab- steschloffenen Gestaltung einer Rolle.

Man findet dabei, daß er ein tüchtiger (und von der Operette noch nicht verdorbener) Dar­steller ist: aber der entscheidende Eindruck ist doch wie könnte es anders fein die Stimme. Diese Stimme, die bezaubernd ist und Selten­heitswert besitzt ... nicht wegen ihres Volumens (obwohl es da eine Stelle gibt, wo sie mit be­stechender Mühelosigkeit eine unwahrscheinliche Höhe erreicht) sondern wegen ihrer südländi­schen Weichheit und Fülle, wegen ihres ganz italienischen Charakters, der von unseren deut­schen Tenören fo grundsätzlich verschieden und übrigens geschaffen ist für das lyrische Fach: «uch ohne die reiche Entfaltung auf diesem Spezialgebiet würde man etwa an dem letzten Ciebe sehr deutlich merken, wo Taubers eigent- l- rr und wo seine Begrenzung liegt, ... vielleicht sogar: warum er ganz oder fast ganz zur Operette übergegangen ist.

Das Problem für die Regie (Max Reich- mann) bestand bei diesem Tonfilm in erster 2mie darin, die Entfaltung der Tauberstimme ouf der eben angedeuteten Linie mit einer Hand- n9 verbinden, die trotz vielen Sentimentali­täten im Grunde durchaus realistisch angelegt ist und dargestellt wird.

Die Fabel: eine Matrofengeschichte: sie spielt größtenteils im Hamburger Hafenviertel, in einer überwiegend äußerst unerfreulichen Umgebung, eie gipfelt hochdramatisch und ungemein wirkungsvoll in der Pointe, daß ein von der Weltreise heimkehrender junger Seemann sich in ein Mädchen der Straße verliebt, cs heiraten will und dann die bestürzende Entdeckung macht, daß es seine eigene, verführte und schnell in schlechte

gegeben. Jedes Schiff bemüht sich, durch schnelle und richtige Ausführung sich ein Lob des Admi­rals zu holen. Wie an einer Schnur gezogen, wenden und schwenken die schweren Panzer­kolosse sich durch die trüben Fluten der gelblichen Rordsee. Jagdhunden gleich schießen die schnitti­gen Torpedoboote aus der Ferne auf die Linie der dicken Schiffe zu, um mit brausender Fahrt diese zu durchbrechen. Als Abschluß der takti­schen Hebungen marschieren die Schiffe meistens in Dwarslinie (nebeneinander) auf. Der Ein­geweihte weih schon, daß jetzt gleich ..Boje über Bord" kommt. Auf das Signal hierfür werden von jedem Schiffe zwei Rettungsringe geworfen, unter der stillen Annahme, daß ein Mann über Bord gefallen sei. Es ist nun Aufgabe der beiden Rettungskutter, die jedes Schiff hat, auf dem schnellsten Wege diese Bojen zu fischen und wieder an Bord zu bringen. Erst wenn die Boote wieder in den Davits hängen, gilt das Manöver als beendet. Jeder Angehörige eines Schiffes sieht hierin einen sportlichen Charakter, sei es der Bootsgast, der in seinem Kutter seine ganzen Kräfte einsetzt, um mit seinem Boot die Boje zu fischen, oder sei es der Seemann, der oben an Deck den Kutter zu Wasser zu fieren hat, oder feien es schließlich alle wachfreien See­leute oder Heizer, die an langen, inzwischen ge­schorenen Tauen den Kutter im Takt der Doots- mannsmaatenpfeife wieder auflaufen (hochholen).

Fahrt im Ounkel der Nacht.

Mit diesen und ähnlichen Hebungen ist die Fahrt durch die Rordsee und den englischen Kanal ausgefüllt. Abends finden Scheinwcrser- übungen auf die angreifenden schwarzen Ge­sellen (Torpedoboote) statt. Alle Schiffe sind abgeblendet. Kein Lichtschein darf nach außen dringen, denn wachsame Augen erkennen im Dunkel der Rächt auf weiteste Entfernung jedes Fünkchen. Glaubt jemand den Schatten eines Bootes zu sehen, so kommt der Befehl:Schein­werfer leuchten". Ein greller Lichtkegel geistert über die Schaumköpfe der Wellen ins Dunkel. Blitzschnell ist der Bug eines angreifenden Bootes beleuchtet. Wohl schießt dieses noch bunte Sterne ab zum Zeichen, daß es im Ernstfälle geschossen hätte: aber unbarmherzig hält der Scheinwerfer­kegel die Brücke des Bootes fest, so daß im Ernst­fälle die eigene Artillerie ein prächtiges Ziel hätte. Das Beendigungssignal des Führers er­löst alle Kriegswachposten von ihren verant­wortungsvollen und schweren Stationen. Müde sinkt jeder in seine Hängematte, um sich von den Wellen in den Schlaf wiegen zu lassen. Rur die Wache allein ist oben an Deck, für sie gibt es keinen Schlaf. Der wachhabende Offizier ist verantwortlich für das ganze Schiff. Gespannt halten Signal- und Steuermannspersonal Aus­guck, bis auch für sie nach vier Stunden die Ablösung erscheint.

Europa" undBremen".

3n zwei aufeinanderfolgenden Rächten haben wir Gelegenheit, dieEuropa" und dieCB re - m e n zu sehen. 3n ungeheurem Lichtcrglanz ihrer vielen viereckigen und runden Bulleyes passieren sie uns in mehr oder weniger großem Abstand. Aus der einen Seite die deutschen Han­delsschiffe, die durch die Leistungen des deutschen Schiffbaues der Welt Achtung und Bewunde­rung abgerungen haben, auf der anderen Seite auf zwar alten Schiffen ein neuer, emporstreben- der Geist der jungen Kriegsmarine, die hinaus-

Gesellfchaft geratene Schwestbr ist, die er vor zwölf Jahren, vor der großen Seereise, zuletzt gesehen hat.

*

Natürlich ist es nicht möglich, hier eine Ver­schmelzung herbeizuführen. Die Gefangspartien wirken deshalb fast überall wie unorganisch dazwifchengestreute lyrische Einlagen, gegen die man sich nur deshalb nicht sträubt, weil sie eben nicht von einem beliebigen Operettentenor, son­dern von Tauber und also ausgezeichnet ge­lungen werden. Man findet dann jedesmal aus dem im krassesten Verismus geschilderten Hafen­milieu zurück zum 3llufionsstil der lyrischen Oper oder Operette und kommt gar nicht dazu, sich den Tert der Lieder näher anzusehen (was auch ent­schieden das Beste ist).

Daß die Hebertragung diesmal anerkennens­wert gut ist, besser z. B. als imLiebeswalzer", sagten wir schon. Außerdem, und abgesehen von Tauber, liegen die Qualitäten des Werkes in einer sehr gefchickten, stellenweise beinah raffi­nierten Regieführung (auf die schwachen Stellen, die in der Inkongruenz der Handlungselemente begründet sind, wurde hingewiesen) und in einer durchweg ausgezeichneten Besetzung. Hier leisten, neben Tauber, vor allem die jugendlich-frische und sehr ausdrucksfähige Maria S o l v e g, Werner Fue11erer. sympathisch wie immer, und Paul Hörbiger Bedeutendes.

Der Film läuft feit gestern bis auf weiteres im Lichtspielhaus.r

Iaguarjagd nach Llaneroart.

Don W. 2l. Colliers.

Das Auto rattert durch die Rächt. Wir fliegen über die Steppe hin Zu unseren Seiten ein dunk­les Nichts, tiefschwarz, undurchdringlich. Vor uns, vom Scheinwerferlicht erhellt, ein Stückchen Weg, Wagenspuren, fast überwuchert vom Steppengras.

3m Lichtkegel Insekten zu Tausenden und aber Tausenden. Angelockt tanzen sie einen Augen­blick lichttrunken auf und ab, und schon sind sie weit hinter uns.

Neue Insekten surren umher, bis auch sie wieder verschwunden sind, betäubt von den Strahlen.

Don Zeit zu Zeit ein großer dunkler Schatten, der vorbeihuscht: jagende Fledermäuse, blut- säugend-' Vampyre, ein verirrter Nachtvogel. Eulen schreien dazwischen, heiser, unheimlich.

zieht, um auf ihre Art für das Vaterland Freunde und Sympathien zu werben.

Kräftiges Lüstchen im Atlantik.

Schon im Ausgang des Kanals auf der Höhe von Cherbourg merken wir, daß draußen im Atlantik ein kräftiges Lüftchen weht. Lang rollt die Dünung aus Lüdwest heran. Tief tauchen die schweren Schiffe mit ihrer Back in die Seen ein, holen über und lassen einen großen Schwall salzigen Secwassers über sich ergießen. Dis an die Brücke stecken die Torpedoboote in der näch­sten Welle: schwer ist besonders auf diesen kleinen Schiffen das Leben in solchem Seegang. Auch bei uns an Bord wird mancher bleich und bleicher. Für viele Matrosen ist es ja die erste größere Seefahrt, die sie überhaupt unterneh­men. Besonders für die, welche längere Zeit unter Deck beschäftigt find, ist die dumpfe Luft cs kann ja wegen des Seeganges nicht ge­lüftet werden das Verderben. Aus schnell- ftcr.x Wege eilt gar mancher, der noch in Kiel großspurig sein Seemannsgam über Seefahrt und Diskayastürmen spann, an Deck, um dem Meeresgott seinen Tribut zu opfern. An Back­bord ist längst derPreußische ©renabicr, der Leuchtturm von Quessant, gewissermaßen der Meilenstein zum Eingang in die berüchtigte Bis­kaya, verschwunden. Mehrere Tage sehen wir kein Land, und nur die verschiedenen Dampfer, die uns überholen oder auf Gegentors passieren, zeigen uns, daß wir nicht allein auf dem mehrere 1000 Meter tiefen Ozean schwimmen. Ganz all­mählich beruhigt sich das Wetter. Am Sonntag hat es so abgeflaut, daß an Deck der Aufent­halt wieder möglich ist. In der Freizeit sucht sich jeder Seemann ein geschütztes Plätzchen in Lee, um den Klängen der Bordkapette, welche auf dem Bootsdeck ihre Weifen ertönen läßt, zu lauschen. Andere betätigen sich mit Dorgeräten, die Fortgeschrittenen versuchen einenscharfen" Gang mit weichen Dorhandschuhen. Auf der Schanze ist ein Reck aufgebaut; und da es be­kanntlich unter den Seeleuten viele gute Turner gibt, erfreut sich dieses lebhaften Zuspruchs. Ebenso werden die Hebungen am Darren von jedem Zuschauer streng beurteilt und besondere Leistungen mit Beifall belohnt. So geht das Leben an Deck; in der Kasematte und den Wohnräumen dagegen sitzen wieder andere, welche Briefe an die Heimat schreiben, die sie mit der ersten Post in Vigo an Land geben wollen.

3m ersten spanischen Hafen.

Am Montagfrüh ist Einlaufen in Vigo. Schon abends vorher sind die ersten Lichter ausgemacht, und jetzt früh im Sonnenschein liegt die spanische Bergküste vor uns. Weit ins Meer hinaus ragen einzelne mächtige Felsblöcke, die unten von einem weißen Schaumstreifen umrändert sind. Scharfe Brandung ist es, die sich hier bricht, und wehe dem Seemann, der auf falschem Kurs sich zu nahe an eine solche heranwagt. Eine schöne Einfahrt bietet die Bucht von Vigo. Nicht nur diese eben geschil­derten kahlen Felsen gibt es hier, sondern auch sanft ansteigende grüne Bergeshänge, auf denen der spanische Weinbauer seine Reben züchtet und die aus der Ferne betrachtet mit den weißgetünchten Häuserchen ein harmonisches Bild bieten.

3m Hafen von Vigo ist die gesamte spanische Flotte zu unserer Begrüßung versammelt. 3m Vor- topp unseres Flottenflaggschiffes steigt die spanische Flagge empor, und 21mal donnern unsere Geschütze den Salutgruh für das gastliche Spanien, der von den Küstenbatterien erwidert wird. Dicht unter Land anfern unsere Schiffe, und bald verkünden die schnell von Schiff zu Schiff und von Schiff zum Land eilenden kleinen Boote, daß der Verkehr mit Land ausgenommen ist.Hannover" und e s - s e n" kohlen am ersten Tag, so lautet der 'Be­fehl des Führers. Schnell sind die spanischen Prähme langsseit und ein heftiger Wettstreit zwischen den einzelnen Divisionen hebt an, ihren Prahm zuerst leerzukohlen. Wild fliegen die Schaufeln unten im

Oft bremst ber Wagen. Auf dem Wege schlafen Rinder und erheben sich nur langsam, unwillig über die ungewohnte nächtliche Störung. Was hat das Auto auf ihren Straßen zu suchen?

Wir sitzen verschlafen im Polster des Autos, neben uns die Mauserkarabiner. Ein klein wenig fröstelt man; das frühe Auf stehen ist doch nicht das richtige. Der Coronel, mein Begleiter, flucht gelegentlich leise vor sich hin.

Ein Gutsbesitzer hat uns zur Iaguarjagd ein­geladen, noch vor Sonnenaufgang soll sie be­ginnen.

Endlich fahren wir vor der Estanzia vor. Es herrscht schon reges Leben, zwei Autos stehen bereit, Pferde werden gesattelt, Eßkörbe werden verstaut. Diener laufen umher, Hunde werden angekoppelt. Wir trinken noch schnell einige Tassen heißen Kaffee, und bann geht es los.

Wir sind vielleicht vierzig Mann, die meisten zu Pferde, Lanzen in der Hand. An der Seite hängt die Machete, das kräftige Buschmesser. Der Coronel und ich haben Gewehre, doch nur zu unserem persönlichen Schuh, denn es soll nach Llaneroart mit Lanze und Machete gejagt werden.

Der Morgen graut. Wir sind am Ziel.

Die Pferde werden zusammengestellt, man steigt aus den Wagen. Dor uns liegt eine Art Wäld­chen aus dickem Gestrüpp, dickstem, baumlosen Hnterholz. Hier toll das Lager des Jaguars sein, der sich des 2lad)te in immer frecherer Weise auf der Estanzia bemerkbar macht.

Das Wäldchen wird umstellt. Je zwei Mann tun sich zusammen, der eine hält die Lanze, wäh­rend der andere die Machete zur Hand nimmt Der Coronel gefeilt sich zu mir, denn er ist ver­antwortlich, daß mir kein Hnglüd zustöbt Ich komme mir etwas bemuttert vor.

Die Hunde werden in das Gehölz gelassen. Wit wütendem ®efceul stürzen sich die Steppen­köter in das Dickicht.

Immer ferner tont ihr Gebell.

Wir toarten.

Mich packt das Iagdfieber, obwohl ich heute nur als Zuschauer dabei bin. Da!... Das Dellen wird wieder lauter, geht in Klagen über. Der Coronel flüstert mir zu:

Einen Hund hat er geschnappt!"

Lauter und deutlicher wird das Dellen, die Hunde nähern sich unserem Standort immer mehr.

Jetzt!

Am Rande des Gebüsches erscheint der Jaguar. Er stutzt... Die Hunde sind hinter ihm. Er blickt sich um... faucht,.. Die Hunde weichen

Prahm, entblößten Oberkörpers arbeitet hier jeder. 3n großen Trauben geballt werden dann 18 bis 20 Kohlenkorbe mit dem Kran an Deck geheißt, wo sie von anderen wahrgcnoinmen, ausgeschaufelt und in die Bunkerlöcher hmcinoerstaut werden. Hier unten setzt nun die schwere Arbeit des technischen Personals ein. In jedem einzelnen Bunker müssen die Kohlen aufs sorgfältigste verstaut werden, und keine Ecke im ganzen Schiffsbauch darf unaus- gefüllt für eine so lange Reise, wie wir sie wieder Vorhaben, bleiben. Ein Tusch der Musikkapelle ver­kündet, daß der erste Prahm leer ist.Die Back- bordwachc hat's mal wieder geschafft", fogt Hein Rees zu seinem Kumpel.Ob der Erste (der Erste Offizier) wohl einen freien Nachmittag dafür her­gibt", entgegnet ihm dieser. Und wirklich behält er recht. Als nach einem großen Rcinschisf der Be­fehl für den nächsten Tag herauskommt, ist für die Backbordwache ein Tagesausflug vorgesehen.

Nur wenige Tage können wir hier in Vigo verweilen. Die Stadt träat internationalen Cha­rakter. Laufen doch fast alle Iransojcanlinur. von Deutschland, England und Frankreich diesen Hafen an. An Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt nicht viel. Dafür eilt man in eine wunderbare Berges gegend hinaus, von deren Gipfel aus man nicht nur die Bucht von Vigo mit den in ihr vereinten Flotten der Spanier und der Deutschen zu seinen Füßen liegen sieht, sondern auch einen Blick auf die unendliche Weite des Atlantischen Ozeans hat.

Nivierakurs "

In Kiellinie verlassen die Linienschisfe bald darauf den gastlichen Hafen. An Dord der grö­ßeren spanischen Kriegsschiffe, die wir beim Aus­laufen passieren, stehen Musikkapellen und Si­cherheitswache angetreten, die sich mit dem Deutschlandlied von uns verabschieden. Aus un­serem Flaggschiff intoniert die Kapelle die spa­nische Hymne, und mit dem Frontblasen, der mi­litärischen Ehrenbezeugung eines Kriegsschiffes vor dem anderen, gleiten wir langsam an den Spaniern vorbei aus dem Hasen.

Hnfer Generalkurs ist jetzt Süd.Riviera- fürs sagt der W. O. (Wachoffizier) bei seiner Ablösung seinem Nachfolger. Rivierakurs heißt er nicht nur deswegen, weil er uns zufällig jetzt zum sonnigen Südcnx führt, sondern mit dieser ^Bezeichnung benennt der Seemann den Kurs, bei dem der Wind genau von Achtern kommt und man somit vorn Lee hat. An der portugiesischen Küste geht es vorbei. Don hoher Dergkuppe grüßt uns die maurische Durg Cintra, die weit in die Lande und auf das Meer hinaus sicht­bar ist. Kap Roca, der westlichste Punkt Europas wird passiert. Diele Augen suchen jetzt durch scharfe Gläser die sonnige Küste ab. Etwas südlicher kündet das Cap St. Vin­cent von der Seeschlacht der Engländer über die spanisch-französische Flotte, bei der Nelson als Kapitän eines Schiffes feine ersten Ruhmes- lorbeeren erntete. An sie wird jeder Seemann erinnert, wenn er die drei Streifen auf seinem Exerzierkragen sieht, welche der Engläxxder zum Gedächtnis an die drei bedeutendsten Seeschlach­ten, xxämlich Aboukir, St. Vincent und Trafal­gar. einführte und die wir Deutschen übernom­men haben.

An Gibraltar vorbei.

Wieder an einem Sonntag können wir etwas Dedeutendes in unserem Logbuch vermerken. Die Straße von Gibraltar wird passiert. Auf einem großen, aus der Ferne unwirtlich und unbewohnt aussehenden Felsblock hat der Eng­länder sich eine Feste zu erbauen verstanden, mit der er jederzeit nicht nur den Eingang ins Mittelmeer beherrschen, sondern auch leicht sperren kann.

Hnd jetzt befinden wir uns auf dem Kurs nach Alicante, einem Städtchen an der Süd- toeftfante Spaniens, von der aus ich das nächste Mal berichten werde.

einen Schritt zurück.. drängen wieder vor. Die große Katze kann nicht zurück unb sieht vor sich die Männer...

Sie scheint zu überlegen, ob sie zwischen beixj Posten durchbrechen kann.

Da gehen zwei der Männer auf sie zu. Der Lanzenträger nähert sich dem Jaguar. Der Ma­chetenträger folgt dicht hinter ihm. Das Tier ist zu einem Entschluß gekommen, schleicht den beiden entgegen.

Nur noch vier Meter trennen Mensch und Tier.

Der Jaguar steht still, duckt sich zum Sprung. Der Lanzenträger rührt sich kaum.

Hnd mit gewaltigem Sah springt das Tier ihn an. Doch er hat im Augenblick des Sprunges die Lanze in den Dvden gestemmt und auf das Tier gerichtet.

Der Jaguar ist in die Lanze gesprungen. Sie geht ihm durchs Herz, bringt am Rücken hervor.

Roch einige Zuckungen, und das Tier ist tot.

Die Hunde bellen weiter, es ist noch ein zweiter Jaguar im Gebüsch. Er scheint seitlich von uns durchbrechen zu wollen... Der Coronel geht mit mir zu der Stelle, wo das Gebell am lautesten wird. Dort stellen wir uns axif.

Schon bricht der zweite Jaguar hervor, größer und schöner als der erste. Das Spiel scheint sich zu wiederholen.

Wieder gehen der Lanzenträger unb der Wann mit der Machete auf bas Tier zu. Es duckt sich wie das erste. Ich sehe, wie die Lanze in den Dvden gestemmt wird, auf bai Tier gerichtet. Der Jaguar springt zu!

Zersplitterndes Holz. Sm wahnsinniger Schrei!

Der Lanzenträger liegt am Dvden, auf ihm der Jaguar Der axxdere Llanero haut wie wild mit der Machete auf das Tier los. Das läßt ab von dem bewußtlos gewordeixen Opfer, stürzt sich auf den neuen Feind, springt ihn an, fandet wütend.

Es hat ihn niedergerissen, er scheint verloren.

Im gleichen Augenblick kracht ein Schuß. Durch den Kopf getroffen bricht die Destie zusammen, begräbt den Mann unter sich.

Der Coronel hat geschossen, ein fabelhafter Schuh war es in diesem Handgemenge zwischen Tier und Mensch.

Die beiden Jäger sind schwer verwundet, wer­den verbunden und in ein Auto gesetzt. Die Jagd ist aus.

Wenn sie davonkommen, was ich bestimmt glaube, werden sie an der nächsten Iaguarjagd doch wieder teilnehmen

Diese Menschen, groß geworden im täglichen Kampf mit der Natur, sind nicht unterzukriegen.