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Das Ernennung«^ e'rei.

Berlin. 30. Mär;. (WIB Amtlich.) Der Reichspräsident hat den Rcichstagsabgeord- ncten Dr. Brüning jum Reichskanzler er­nannt. Auf Vorschlag des Reichskanzlers hat der Herr Reichspräsident den Reichsmlnister General­leutnant o. D. Dr. b. c. Groener als Reichsivehr- mlnifter, den Reichsmlnister Dr. L u r t l u s als Reichsmlnister de» Auswärtigen, den Reichsmlnister Dr. Schätzei als Reichvpostmlnlsler und den Rcichsminlster Prof. Dr. Molden Hauer als Reichsmlnister der Finanzen bestätigt; ferner Hot der Herr Reichspräsident auf Vorschlag de» Reichs­kanzlers den Relchvmlnisler Dr. Wirth zum Rcichsminister des Innern, den Reichsmlnister v i e l r l 6) zum Reichswlrtschastsmlnister, den Reichsmlnister Dr. Stegerwald zum Relchs- arbellsminlsler, den Reichsminister v. GuLrard zum Reichsverkehrominister. den Reichsmlnister a. D. Dr. Schiele zum Reichvminister für Ernährung und Landwirtschaft, das Mitglied des Reichvlags Prof. D. Dr. B r e b I zum Reichsmlnister der Justiz und dos Rillglled des Reichslags Trevlranus zum Reichsmlnister für das befehle Gebiet ernannt. Zum Stellvertreter des Reichskanz­ler» gemäß 81 der Geschäftsordnung der Relchs- reglcrung hat der Herr Reichspräsident auf Vor­schlag des Relchvkanzlerv den Relchvwlrischaftv- mlnlfter Dietrich bestellt.

Englisches Echo.

Hindenburstü Nolle bei der Mnbinvüdtrifid

London. 31. März. (WTB. Funkspruch). Daily Telegraph" sagt: Deuischland hat die seit Monaten in Sicht gewesene, aber ganz plötzlich ein» getretene Kabinettskrise mit n och nicht dage» wesener Schnelligkeit überwunden. Der neue Reichskanzler Dr. Brüning hat die Auf­gabe der Bildung des neuen Ministeriums in we­nigen Tagen beendet, während sonst infolae der Hartnäckigkeit des Parteistreites im Reichstag Wochen dazu nötig gewesen sind. Die Kurze des Interregnums ist auf den persönlichen Einfluß des Präsidenten von Hinden­burg zurückzuführen, der entschlossen war, in den notwendigen finanziellen Reformen keine B e r zögeruna eintreten zu lassen. Sein Erfolg ist ein weiterer und nicht unbeträchtlicher Beweis der gc- funben Vernunft. Dao Verbleiben von Dr. Curtius im Auswärtigen Amt bietet die Sicherheit, daß die Politik des verstorbenen Dr. Stresemann fortgesetzt werden wird. Aber in inneren Angelegenheiten sind genua Schwierigkeiten in Sicht, obwohl die Ver- wirklichung zweier Hauptziele der nationalen Poli­tik. die Erleichterung der Reparotionslast und die Räumung des Rheinlandes bevorsteht. In der Times" heißt es: Die politische Krisis in Deutsch­land, die durch den Sturz des Kabinetts Müller ver­ursacht wurde, ist durch die sichere Leitung des F e l d >n a r s ch a l l s von Hindenburg mit großer Schnelligkeit beigelegt worden. Der Reichspräsident hat gestern das Ka­binett des cnerglfdien und fähigen Führers der Zen» trumspartei Dr. Brüning ofsiziell gebilligt. Auf den beiden wichtigsten Posten des Kabinetts befinden sich ihre bisherigen Inhaber, Dr. C u r t i u ö als Außen- Minister und Dr. Molden Hauer als Finanz. Minister. Ihre Anwesenheit ist eine Gewähr dafür, daß die Monitor, die bei der jetzigen Lage die Be­ziehungen Deutschlands mit den anderen Ländern am meisten berühren, auch weiterhin entsprechend der Stresemannschen Tradition geleitet werden. Dao Blatt würdigt im einzelnen die vorbildliche Haltung des Reichspräsidenten, der sich in glücklicher Weise bemühe, die Parlamentarier mit dem Geist der Zu­sammenarbeit in Innern und In auswärtigen Fragen zu erfüllen.

Gchielcs Programm.

Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft.

Berlin, 30. März. (TU.) Zur Ernennung de» Landbundführer» Schiele zum Relä-sernährung»- mlnlsler schreibt dieLandwirtschaftliche Wochen­schau". sie fei der Erklärung ermächllgl, Schiele boirachle sich In feiner neuen Eigenschaft als Er- »ährnugvminlslor als der Sachwalter der gesamten deutschen Landwirtschaft, der gegenüber er In der Führung derGrünen Fron t gemeinsam mit den drei anderen Baucrn- führern die Verpflichtung zur Durchsetzung eines ausreichenden und alle Interessen der Landwlrt- schast umfassenden Renlabllitätvpro- g r a m m a Übernommen habe, eines Programms, da» zugleich das beste Verbraucherpro­gramm darflelle. well die wioderaufrichlung der Landwirlschast auch der ganzen deutschen Volkv- wirlschasl neuen Austrieb geben werde. Schiele habe sich erst dann zur Annahme seines neuen Amtes entschlossen, als er alle Bürgschaften gehabt habe, daß seine Bedingungen auch mit aller erdenk­lichen Beschleunignng erfüllt würden. Soweit die landwirtschaftlichen Fragen Im engeren Sinne in Betracht kämen, sei Schieles Programm unver­ändert das Programm der Grünen Front, wenn Schiele In dieser Slunde und in diesem Kabinett das Lrnährungvnilnisterinm übernommen habe, so bedeute das zugleich, daß der Reichspräsident In fei­nen Erklärungen bei den landwirtschaftlichen For­derungen sich auch selbst die Forderungen der Grünen Front zu eigen gemacht habe. In mehr- stündigen Verhandlungen mit Schiele hat sich ge­zeigt, daß die vlsferenzon zwischen dem Programm Schieles und den Ausfassungen von Dr. Brü­ning und Dr. Curtlue keineswegs so groß waren, wie es zuerst schien. Dav Agrarprogramm Dr Schielos sieht die Verwirklichung der Preise sür Weizen von 260 Mark, für Roggen von 230 Mark, ferner einen Schweinepreis von 75 Mark und ein Gerstenmonopol vor.

O e Bauernvereine zur neu n Zo'lattion.

Gin Schrill vorwärts, bcr noch Lücken für Obst, Gemüse, Wein, rabak und Hopfen.

Berlin, > Der Vorstand

der Bereinigung der Deutschen Bauernvereine hat sich eingehend mit der gegenwärtigen Lage der Landwirlschast und den dringlichsten Aufgaben der Agrarpolitik befaßt. Der Präsident der (Ber­einigung, Reichsmlnister a®. Dr. Hermes.

erörterte die Entwicklung und die Bedeutung der letzten Agrarzollaktiou. Er wertete die Leuten Entscheidungen des Reichstages als einen Fort­schritt zur Lieberwindung der Agrarkrise. Der Borstand sprach Minister H"rrncs volle Aner­kennung und warmen Dank aus für feine großen Berdieuste um die Berw,r^.^ung der landwirt­schaftlichen Rotforderungen.

In einer Entschließung stellte der Borstand einmütig fest, daß die neue Zollaktion einen© d) ritt vorwärts auf dem Wege zur Zurückgewinnung der Lebens­und Leistungsfähigkeit der Land­wirtschaft bringen könne. Allerdings ent­hielten auch die neuen Zollgesetze wieder be­denkliche Lücken. Ob und in welchem Um­fange die neuen Zollgesetze eine wirksame und ausreichende Hilfe für die Landwirtschaft bräch. ten, hänge wesentlich davon ab, welchen Ge­

brauch die Regierung von den ihr in die Hand gegebenen Ermächtigungen mache. Als be­sonders bedauerlicher Mangel sei festzustellen, daß die gerade für die bäuerlichen Betriebe besonder wichtigen Spezialzweige des O b st -. Gemüse- und Weinbaues, des Tabak- und HopfeNbaueS ohne wirksamen Z o l l s ch u h seien und auch bei den letzten agrarpolitischen Maßnahmen keinerlei Be­rücksichtigung erfahren hätten.

So sehr eine Befriedung der europäischen Wirtschaftsverhältnisse erwünscht sei, könne doch die deutsche Landwirtschaft eine Internationale Bindung des bestehenden zoll- und handels­politischen Systems, das sich einseitig zu ihrem U n g u n ft e n entwickelt habe, nicht gut­heißen; sie lehne daher alle Bindungen ab, die den notwendigen Ausbau des Schuhes ihrer Pro­duktion behinderten.

Mit ober ohne Reichstag sofort an die sachliche Arbeit. Nene Wege zur Be­hebung der Arbeitslosigkeit: Förderung der Landwirtschaft. Hebung der Kauf­kraft. Wiederbelebung der Produktion.

Berlin. 30. März. ERB. (Eigene Meldung.) Wie wir erfahren, erfolgt am Montaavormittag 11 Uhr die U ebernah in e der Arntsge- schäfte durch die neue Regierung. Das Ka­binett wird dann nachmittags 5 Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammentreten, um sich au konstituieren und die Regierungserklä­rung auszuarbeiten, die Reichskanzler Dr. Brü­ning am DienLtagnachmittag vor dem Reichstage abgeben wird. Das Kabinett wird ferner sofort mit der Ausarbeitung eines Rahmengesetzes beginnen, das die Rege­lung der Finanzen, der Agrarfragen und des O st p r o b l e m s umfaßt. Dieses Gesetz soll sobald wie möglich dem Reichstage zugehen, so daß es noch im Laufe der neuen Woche in den Ausschüssen zur Beratung kommt.

In Kreisen, die dem Kabinett nahestehen, wird betont, daß die meisten Mitglieder der neuen Regierung bereit« dem alten Kabinett angehör­ten. Das habe den Vorteil, daß die Minister sich nicht erst in die Probleme einzuarbeiten brauchen, sondern die fachliche Arbeit so­fort beginnen können.

Diese Arbeit gehl von der Auffassung aus, daß In erster Linie die ungeheuere Arbeitsto- f I g k e 11 bekämpft werden muß. Das Arbelts- tosenprobtem sei mit den bisher angewandten Mitteln nicht zu lösen. Die Regierung will des­halb andere Wege beschreiten, In dm sie alleAnstrenglingen zur hebungder Kaufkraft der Bevölkerung, namentlich ihres großen landwirtschaftlichen Telles, macht. Die Verwirklichung dieses Gedankens soll durch das Agrarprogramm eingeleitet und durch das Offprogrnmin unterstützt werden. Hebung der Kaufkraft bedeutet vermehrten Bedarf und Wiederbelebung der Produktion, also Verminderung der Arbeitslo­sigkeit. Damit würde auch die Belastung des Relchshauvhaltes aufhören, die schließlich den Rücktritt des letzten Kabinetts verursacht hat.

Das Rahmengesetz, das das Kabinett vorlegt, wird stark von diesen Gedankengängen beherrscht sein. Für die Lösung dieses Kernproblems un­serer augenblicklichen Lage wird die Zeit bis Ende deS IahreS für erforderlich erachtet. Soweit der gegenwärtige Status des Arbeitslosenpro­blems lurzfristige Zwischenmaßnahmen erforder­lich macht, wird das Reichskabinett sie treffen.

Das Regierungsprogramm zeigt, daß das Ka­binett Brüning sich durchaus auf eine längere Amtsdauer einftcllt. Es hat die Absicht, seine Aufgabe in Zusammenarbeit mit dem Reichstag zu lösen. Schematisch gerechnet seh len dem Kabinett 26 Stimmen an der Mehrheit. Bei der Annahme eines Miß­trauensvotums wird der Reichstag aber unter allen Llmständen aufgelöst werden. Der Reichskanzler dürfte in seiner Erklärung am Dienstag keinen Zweifel darüber lassen, daß ec entschlossen ist, alle verfassungsmäßigen Ermäch­tigungen anzuwenden, wenn der Reichstag nicht bereit sei, sich dem Kabinett zur Beseitigung des augenblicklichen schweren Rotstandes zur Ver­fügung zu stellen.

In politischen Kreisen verlautet, daß gegebenen­falls auch vor einer zweiten Auslösung nicht zurückgeschreckt werden würde. Es wird darauf hingcwiefen. daß die Berfaffungemäßlg- ke 11 des Artikels 48 und der Auflöfungsermäch- tigung auch von der Sozlaldemokra- tle nicht bestritten worden fei. solange sie selbst zur Regierung gehörte. Daran vermöge auch der Sonnlagsartikel desvorwärts" nichts zu ändern, In dem an den Relchsinnenminister Dr. Wirth appelliert wird, zu verhindern, daß der Artikel 48 angewendet werde, um einen Ausweg aus den parlamentarischen Schwierig­keiten zu eröffnen.

IedenfaUs hat die Reichsregierung nach un­seren Informationen die Absicht, die Aufgabe, die Reichspräsident von Hindenburg ivt gestellt hat, mit allen verfassungs- mäßigen Mitteln durchzusühren. Ob das allerdings ohne ReichstagZauflösung möglich ist, das hängt wesentlich von der Haltung der D e n t s ch n a t i o n a le n ab. Für sie betrachtet man es als symptomatisch, daß der Reichsemäh- rungsminister Schiele zur Riederlegung feines Reich Stags Mandat« gezwun­gen wurde, die übrigens voraussichtlich am morgigen Montag erfolgen wird. In Regie­rungskreisen bezeichnet man die Auslösung aber als eine Frage zweiter Ordnung. Das Wesent­lichste sei, daß die Regierung mit aller Energie an die fachliche Arbeit her- angeßt Den entschiedenen Willen dazu und zu einer st raffen u n b sparsamen Füh­rung derReich sgefchäfte wird der Kanz­ler in seiner kurzen Erklärung am Dienstag deutlich bekunden.

Tardieus erster Abstimmungssieg in der ^oungdebaiie.

Paris, 29. März. (WTB.) In der Kammer wurde sofort nach Eröffnung der Sitzung die Aussprache über die Ratifizierung des Poung- Plaiies geschlossen. M i n i ft e r p r ä s i d e n t Tardieu ergriff sodann das Wort zu Art. I der Vorlage. Rach elfjährigem ilnißertaften komme man zur Kommerzialisierung einer S ch u l d , die ursprünglich eine po­litische Schuld gewesen sei. Diese Lösung sei nicht nur vom finanziellen, sondern auch vom politischen Standpunkt aus zu begrüßen, da sie die politische Verständigung unter den Völkern vorbereite. Tardieu geht dann auf die SanktlonSfrage ein und setzt auseinander, warum die R e p a r a t i o n s k o in m t s f i o n ver­schwinden könne, die ja nie etwas anderes habe tun können, als die Beschlüsse der Regie­rungen zu bestätigen. Letzten Endes hätten die Sachverständigen des DaweS-Planes die nach der Ruhrbesetzung in der Schwebe gebliebenen Fragen geregelt und die Sachverständigen des Boung-Planes die Haager Konferenz vorbereitet ohne die Reparation.lommission zu befragen. Die Kommission sei auch nicht erst im Haag beseitigt worden; denn bereits Ende Iuni 1929 habe die französische Regierung mitgeteilt, daß sie mit dem Poung-Plan und daher auch mit der Beseitigung der Reparation kommijsion e i n - verstanden sei. Artikel 430 deS Versailler Vertrages sei ebenfalls beseitigt worden, well sämtliche vorgesehenen Sanktionen von der Re­parationskommission erlassen worden seien.

Für die Anwendung de» öoungplanc» komme nur da» im Houngplan selbst vor­gesehene verfahren In Frage, wenn der Plan angcwendcl sei, gebe cv keine Mög­lichkeit mehr, zu Mitteln zu greifen, die im Pouiigplan felbfl nicht vorgesehen seien, wenn aber der Plan vernichtet werde, werde Frankreich seine A k 11 o n v s r c l h c 11 wie­der erhalten.

Ein Unglück komme aber schnell. Er habe zu Dr. Eurtlu« gesagt: Rehmen Sie an, Hugenberg oder Hitler würden Reichskanzler und lehnten ab. den Voungplan anzuwenden. Ich glaube, fo erklärte Tardieu, nicht an diese Mög­lichkeit. Aber in diesem Falle kommt zweierlei In firagc, Feststellung und Sanktion. Für die Feststellung haben wir den Ständigen Ge­richtshof Im Haag. Wir können durch Ihn eine schnellere Entscheidung erlangen, als wenn wir

unS an die erledigte Reparationskommiffion wänden. Der Gerichtshof im Haag spricht sich darüber aus, ob die deutsche Regierung Hugen­berg oder Hitler (Zwischenruf: Oder eine kom­munistische.) oder eine kommunistische, das kommt auf das gleiche hinaus, den Willen hat, den Voungplan zu zerstören. Frankreich findet dann seine Ak.ionSfreiheit wieder. Wo­rin besteht diese Aktionsfreiheit'? Der hier­über ausgetauschte Schristwechsel gibt uns das Recht, die freien Maßnahmen zu ergreifen, die sämtliche Bücher des internationalen Rechtes Zwangsmaßnahmen nennen. Die fran­zösische Regierung wird in diesem Fall, der, wie ich hoffe, nicht eintreten wird, sämtliche Zwangs­maßnahmen ergreifen können. Der Abg. Grum- bach (Soz.) wirft ein: Ausgenommen den Krieg I Tardieu: Sie find recht geistesgegenwärtig! Ich wollte eben sagen: ausgenommen den Krieg. (Beifall links.) Ich habe zu Dr. Cur- tius gesagt: Aktionsfreiheit ist die Freiheit, Krieg zu führen. Sie geben mir die Freiheit, Krieg gegen Deutschland zu fuhren. Ich will aber keinen Krieg führen (lebhafter Beifall). Ich habe deshalb zur Aktionsfreiheit drei oder vier kleine Worte hinzugesügt. Ich habe acht Tage gebraucht, um sie zu erhalten. Sie lauten:

Die deutsche Regierung erklärt, öle Aktlonvmlttel der Gläubiger- macht ober der Gläubigermächte aIo rechtmäßig anzusehen. In dieser etwas aggerfstven Farm Ist es der g l e I ch e Hut, wie der des Versailler vertrage». In dem erklärt wird, daß Deutschland derartige Handlungen nicht als elnenAkt der Feindseligkeit ansehen dürfte. Ich habe vorgefchlagen, daß Deutschland diese Hand­lungen als rechtmäßig ansiehl. Deshalb erkläre

Ich, daß der Krieg nicht In Frage kommt.

Selbstverständlich wird diese Aktionsfreiheit nur im Rahmen des Völkerbundes und als eine ergänzende Vorsichtsmaßnahme eine Rolle spielen.

Tardieu schließt, indem er die Kammer auffor- dert, einer Lösung zuzustimmen, d.e da» Problem entgifte. Rach bcr R:de des Ministerpräsibenten er­klärte der sozialistische Abgeordnete G r u m b a ch, daß er und seine Freunde für den Poungvlan st i in m e n würde ti, da er ja vor allem die Rhein­landräumung bringt. Diese Abstimmung bedeute

keineswegs eine Aufgabe der Kampfeseinstelltma Segen die Regierung Tardieu. Als (3rumbad) auf ie Ocflnnungsänberung der Rechts­parteien hinweist, greift Tardieu ein und er­klärt: Es ist ein armseliger Standpunkt in der Po­litik, wenn man niemals seine Ansicht ändern wolle. Riemand hat seine Haltung mehr geändert als Stresemann, der zunächst eine imperialistische Politik vertrat und alsdann die Lei­tung der Versöhnungspolitit übernahm, in deren Diensten er gestorben ist. Ob wir links oder rechts stehen: unsere Pflicht ist es, der Entwicklung der Dinge Rechnung zu tragen.

Der sozialistische Abgeordnete Leon Blum er­klärte, bei der Diskussion über den Dawesplan habe man viel Zeit mit der Frage verloren, ob es mög­lich sei, im Faste einer deutschen Verfehlung gegen den Dawesplan wieder in das Ruhrgeb t e t einzurücken. Diese Hypothese sei damals in bezug auf den Dawesplan verneint worden und man müsse sie auch für den Poungplan ausschal- t c n. Frankreich müsse klar befaryitgeben, baß es niemals zum Kriege schreiten werde. Wenn Deutsch­land den Poungplan zerreißen wollte, bann würde Frankreich beim Internationalen Gerichtshof im Haag uno automatisch beim Völkerbundsrat vor- stcllig werden. Wenn Deutschland sich dann weigern würde, dem getroffenen Beschluß nachzukommen, bann wäre eine internationale Lage geschaffen, deren Auswirkungen man heute schwerlich übersehen könne. Aber selbst in einem solchen Falle würde Frankreich seinen Willen bekunden, nicht zum Kriege zu schreiten ober zu Zwangsmaßnahmen, die in irgendeiner Weise an den Krieg erinnern. Selbst­verständlich könne vom Artikel 430 bes Ver- sailler Vertrages nicht mehr die Rede sein, der die Wiederbesetzung bes Rheinlandes als Sanktion vorsehe. In diesem äußersten Falle würde die Aktionsfreiheit Frankreichs im Rahmen des Kel­logg.Paktes bleiben und jede militärische Aktion ausschließen. Er bitte den Minister- Präsidenten, zu sagen, ob er in diesem Punkte mit ihm einig gehe.

Minifterprusident Tardieu beantwortet die Frage bejahend. Angesicht« der Männer, die an der Spitze der deutschen Regierung stehen, Curtius, Moldenhauer und Wirth, habe er, Tar­dieu, die Lieberzeugung, daß alles, was getan werden könne, um die Verpflichtungen einzu­halten, auch getan werde. Er glaube, daß diese Männer den Willen hätten, zwischen den beiden größten Völkern der Welk' einen Zustand der Beziehungen zu beendigen, der beiden sehr viel Unheil gebracht habe. Er habe diese Männer kennengelernt, als sie die Interessen Ihres Lan­des vertraten, und er habe gefunden, daß sie loyal seien.

Der Abgeordnete Franklin-Bouillon lehnte die Ratifizierung mit der Behauptung ab. Deutschland sei nicht aufrichtig, nie­mand in Deutschland wolle die Verpflichtungen einhalten . Artikel 1 des Haager Abkommens wurde daraus in der Kammer mit 530 gegen 55 Stimmen angenommen.

Die Militärdiktatur in Polen.

Ein Kabinett Slawck.

W a r f d) a it, 30. März. (Tel.-Un.) Der polnische Staatspräsident hat beji Vorsitzenden des Regie­rungsblocks, Oberst Slawek, am Samstagnach- mittag mit bcr Kabinettsbildung beauftragt unb be­reits am gleichen Tage bas Kabinett er­nannt. 9m Anschluß baran unterzeichnete er bas Schlußbekret ber Sejmsession. Von bat bisherigen Ministern verbleiben fast alle im Ka­binett, so Marsd)all Pilsubski, Zaleski, Maluszewski usw. Rur Professor Bartels unb Juftizminisler Dutkiewlcz scheiden aus. An die Stelle des letz, teren tritt der ehemalige Iuftizminister Car. Han- belsminister Kwiatkowski bleibt vorläufiger Leiter feines Ministeriums. Die entscheidende Schluß- be|pred)img sand gegen 17 Uhr bei Marschall Pil- subski statt, woraus sich Oberst Slawek zum Staats­präsidenten begab.

Die Betrauung des diktatorisch eingestellten Oberst Slawek, Führers der Oberstengruppe. mit der Kabinettsbildung wenige Stunden nach Abschluß der Haushaltstagung läßt deutlich er­kennen, daß die in den letzten 14 Tagen ftatt- gesundenen Konferenzen mit den Fraktionssüh- tern nur taktischen Erwägungen entspran­gen. Um über die letzten Wochen der ordentlichen Sejmtagung ohne größere Schwierigkeiten hin- wegzukomrnen, wurde die Opposition gezwungen, das Spiel der Betrauungen und Ver­handlungen mitzumachen. Rebenbei wurde natürlich auch der Zweck verfolgt, den Der- ständigungSwillen des Pilsudski-LagerS in den verschiedensten Erklärungen darzutun und gleich- gcltlfl die Opposition mit dem Odium der iln- versöhnlichkeit zu belasten. Fest steht schon heute, daß die demokratisch-parlamentarische Bartel- Richtung gleichzeitig mit der Verabschiedung des Haushaltes einer Dikta tu r Platz macht. Oberst Slawek ist 51 Iahre alt. Er trat politisch zuerst alS Terroristischer Revolutionär im Kampfe gegen den Zarismus hervor. Wäh­rend des Weltkrieges war er als Unterführer und engster Vertrauensmann Pi sudskiS Leiter der politischen Rachrichtenabteilung des Legio­närkommandos.

Der KyMuser-Vund stellt sich vor Hindenburg.

Berlin, 29. März. (ERB.) Der Vorstand des 'Deutschen ReichSkrwaerbundeS ..KysfHäuser", der drei Millionen Mitglieder umfaßt, veröffent­licht folgende Kundgebung: Der RetchSpräsi- d e n t, Herr Gencralscldrnarfchall von Hin­denburg, Ist in den letzten Wochen, in denen die politische Erregung auf das höchste stieg, daS Ziel verletzender und maßloser persönlicher Angriffe gewesen. Wer nicht von Parteihaß verblendet ist, kann im Interesse des deutschen Ansehens in der Welt solche Schmähungen nur auf das tief ft e be­dauern. Der Kyffhäuser-Bund hat nicht die Entschlüsse des Reichspräsidenten in den politi­schen Wirren der letzten Zeit zu verteidigen, wohl aber ist er entschlossen, sich vor feinen hochverehrten Ghrenpräsi- benten und Feldmarschall zu stellen, wenn man es wagt, ihn persönlich her- unterzureißen und seine hohen Verdienste für daS Vaterland zu bestreiten. Wo Partei- baß krankhaft verzerrter Ehrgeiz und Selbstüberhebung die Feder fuhren, da kann ein gerechtes Urteil über eine geschichtliche Persönlichkeit nicht entstehen. Der Feldmarschall steht schon durch seine menschlichen Eigenschaften hoch über denen, die Ihn jetzt schmähen. Sein«