zen des Erträglichen bleibende Steigerung der öffentlichen Einnahmen — wenn keine andere Bef- ferungsmaglichkeit zu finden ist — nur eine Mehrlast für die Bürgerschaft darstellt, sondern es werden sich daraus wieder wirtschaftliche Auftriebsmöglichkeiten ergeben, die sich letzten Endes zum Vorteil aller auswirken. Man darf wohl hoffen, daß der Finanzausschuß und der Stadtrat diesen bedeutsamen Gesichtspunkt bei ihren Beratungen des Voranschlags gebührend beachten.
Amerikas Zollpolitik.
Außenpolitische Umschau.
Von Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. A
Wieder eine bedeutsame amerikanische Kundgebung: zum erstenmal hat sich der Vater des „Neuen Planes", Young, in Amerika öffentlich über diese Regelung der Kriegsschulden geäußert. Er bestätigt uns zunächst, obwohl das für uns nicht nötig war, daß die Verpflichtung Deutschlands nach dem neuen Plan „die Last der ganzen Verschuldung der in Paris vereinigten Viächte an Amerika samt einem beträchtlichen Zuschlag" sei. Er bestätigt somit se.oer, daß ec, dessen Namen der Plan trägt, die deutiche Leistungsfähigleit n i ch t zur Grundlage der Neuberechnung gemacht hat und daß er die Verbindung von deutscher Reparation und interalliierten Schulden durchführte, die man in Amerika immer auf das bestimmteste abgelehnt hat. Wir werden also zunächst sehr genau aufpaisen, wie diese Feststellung aus dem Munde eines so authentischen Beurteilers, wie es Young ist, aus die ösienürche Meinung Amerikas wirkt. Die Frage, ob Deutsch.and die Last tragen tonne, soll nach ihm nur die Zeit entscheiden. Er äußert großes Vertrauen in Deutschlands Zahlungskraft und predigt die erzieherische Wirkung harter Arbeit für ein Vo.k. Diese Sätze lassen immerhin vermuten, daß auch Young durchaus nicht von der Durchführbarkeit des nach ihm benannten Planes überzeugt ist.
Und nun kommt wieder, wie in jener Rede des neuen amerikanischen Botschafters in Berlin, der Hinweis: „die wirtschaftliche und politische Isolierung Amerikas ist unmöglich. Die Welthaltung gegenüber Amerika wird durch den Geist Europas bestimmt. Wenn dieser Geist der des Eigennutzes und der Isolierung ist, so haben die Vereinigten Staaten ihre Verantwortung verfehlt." Damit wird von Young gesagt, was wir von ihm auch erwartet haben. Er weiß, daß Amerika sich nicht isolieren kann, daß es eine aktive Europa- Politik treiben und immer mehr auf ein wirtschaftliches Zusammenarbeiten mit Europa hin- arbeiten muß. Aber er weiß ebenso, daß die öffentliche Meinung und die maßgebenden Kreise in Amerika heute noch von dieser Einsicht weit entfernt sind. Wie weit der Weg noch von der Gegenwart bis zur Erfüllung der Mahnungen Youngs ist, wie sehr eine so maßgebende Körperschaft wie der Senat, im schroffen Gegensatz zu der Gedankenwelt Youngs und Sacketts, steht, tieigt der Kampf um das neue amerikanische Z o l l g e s e h, der jetzt seinem Ende ent- gegengcht. Am 24. März hat der Senat seinen Entwurf angenommen. Sehr bald wird die endgültige Vorlage angenommen sein. Was der Senat beschloß, ist schroffste und höchste Protektion. Eine schier unüberwindliche Schutzzoll- mauer, von der Young in jener Rede gesagt hat, daß dergleichen auf lange Sicht nur die Situation verschärfe. Aber weltwirtschaftliche Erwägungen oder der Gedanke, daß die Prosperität in Amerika ihre Grenzen haben könne, vielleicht schon erkennen lasse, alles das hat bei dieser Entscheidung nicht mitgespielt. Europa hat damit zu rechnen, daß die Wirtschaftspolitik Amerikas im höchsten Maße schuhzöllnerisch sein soll, wenn -nicht der Präsident dagegen einen Kampf beginnt, der für ihn durchaus nicht leicht und dessen Ausgang nicht sicher wäre.
Eine solche Entscheidung muß zum Konflikt mit Europa, genauer gesagt mit den großen Ausfuhrstaaten Europas führen, die ja schon im vorigen Iahre einschließlich Deutschlands gegen solche Tendenzen protestiert haben. Er muh das um so mehr, als das jetzt verabschiedete amerikanische Zollgeseh mit der Behandlung der Zuckerzölle für Kuba dieses vor allen anderen Ländern bevorzugt und damit die Meistbegün- stigungsklausel, wenigstens nach der europäischen Auffassung dieses Begriffs, durchbricht. Dieser Konflikt wird noch schärfer dadurch, daß Amerika trotz der Meistbegünstigung ein Produkt aus einem Lande nicht in sein Land zollfrei herein- läßt, das in jenem Lande mit einem Einfuhrzoll belegt ist. Damit erscheint abermals der Konflikt um die Meistbegünstigung am Horizont, der vor 30 Iahren schon die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika sehr beeinträchtigt hat. Wenn die Wirtschaftspolitik Amerikas endgültig zu dieser neuen Entscheidung kommt, so wird die Frage akut, ob nicht durch eine Kündigung der Meistbegünstigungsverträge überhaupt eine Revision der Handelsvertragspolitik in Europa zu beginnen wäre, die dann naturnotwendig die europäischen Staaten stärker aneinanderführen würde mit der gemeinsamen Richtung gegen Amerika.
Das sind Tendenzen und Cntwicklungsmöglich- keiten, auf die man früh genug blicken muh. Sie haben auf die Genfer Zollfriedensverhandlungen, die zufälligerweise am Tage jenes Beschlusses im amerikanischen Senat nach fünf Wochen zu Ende kamen, nicht entscheidend eingewirkt. Bekanntlich sollte diese Genfer Konferenz einen „Zollfrieden" herbeiführen, eine Art Waffenstillstand auf dem Schlachtfelde der Handelspolitik und in den Kämpfen um die Erhöhungen der Zolltarife. Dieses Ergebnis ist nicht erreicht worden und zwar in erster Linie infolge der Ablehnung Frankreichs und Italiens. Zustandegekommen ist eine „Handelskonvention", die elf Staaten unterzeichnet haben, während zwölf Staaten, die an der Konferenz teilnahmen, nicht unterzeichneten. Unter den letzteren sind Polen, Ungarn, die Tschechoslowake» und Jugoslawien. Und auch die Staaten, die unterzeichneten, taten das zum Teil nur mit Teilen dieser Konvention, zum Tell mit ausdrücklichen, einschränkenden Vorbehalten verschiedener Art. Was dabei also schließlich her- auskam, ist schwach und wenig wirkungsvoll, kann auch erst im November in Kraft treten, so daß bis dahin trotzdem Zollerhöhungen u. dgl. durchaus möglich sind. Der Schritt ist sehp klein, den man damit zum Wirtschaftsfrieden in Europa gemacht hat, sehr zögernd, und mit wenig
Steigender Roggenbrotkonsum in Gießen.
Die Werbung zu verstärktem Roggenbrotverzehr, durch den der heimischen Landwirtschaft beim Absatz ihres Roggens geholfen werden soll, ist bisher auch in unserer Stadt von er« treulichem Erfolge gewesen. Noch zu Anfang dieses Jahres wurde, wie wir auf Erkundigung bei dem Vorsitzenden der Gießener Bäckerinnung, Obermeister L o e b e r, erfahren, in unserer Stadt sehr viel Weizenbrot und auch sog. aemischtes Brot vom Publikum gefordert. Die Aufklärung über den ge« sundheitlichen und wirtschaftlichen Vorteil des Rog« genbrotoerzehrs hat nun bewirkt, daß seit einigen Wochen in der Brotnachsrvge des Publikums ein bedeutender ll m s ch w u n g vor sich gegangen ist. Der Verzehr von Weizenbrot ist sehr stark zurückgegangen, dafür ist der Konsum von Roggenbrot sehr beträchtlich gestiegen. In den größeren Bäckereien unserer Stadt hat sich die Nachfrage nach Roggenbrot gegenüber dem Jahresanfang um etwa 60 bis 70 Prozent gesteigert, in den mittleren und kleineren Bäckereibetrieben beläuft sich diese Er- Höhung der Nachfrage auf etwa 40 bis 50 Prozent. Die Herstellung von Roggenbrot überwiegt in einigen Bäckereien so erheblich, daß an manchen Tagen das Backen von Weißbrot sogar völlig unterbleiben kann.
Wer sich die Vorteile eines guten Roggenbrotes für die Ernährung vor Augen hält, wird diesen Umschwung, den die Gießener Bäckerinnung in an-
erkennenswerter Weise fördert, nur begrüßen. In der Tat ist festzustellen, daß ein aus 95 Prozent Roggenmehl und 5 Prozent Weizenmehl hergestelltes Roggenbrot außerordentlich bekömmlich ist. Wird ein größerer Weizenmehlzusatz als 5 Prozent genommen, so wird dadurch dem Roggenbrot der charakteristische, von der Bevölkerung gesuchte Brot- geschmack genommen und das Kernige des Roggenbrotes oerschwammt.
Das Roggenbrot verhält sich im Körper wesentlich anders als das Weizenbrot, es beansprucht in viel höherem Maße die Verdauungsorgane und hält diese in Tätigkeit und kräftiger Arbeit. Daher wird es auch vielfach von den Aerzten dort ausdrücklich angeordnet, wo durch dauernden Weißbrotgenuß eine Verweichlichung der Verdauungsorgane eingetreten ist. Man sollte das Roggenbrot vor allem auch den Kindern reichen, die darin eine kräftige Nahrung finden. Die Roggenmehlleige sind nicht zäh und schwammig, sondern kurz und fest, und die aus ihnen hergestellten Brote haben eine kernige Struktur mit schnittsähiger Krume, die eine gute Kauarbeit beanspruchen. (Gesunderhaltung der Zähne!) Das Roggenbrot hält sich lange frisch und ist wenig empfindlich gegen Pilze, die das Brot leicht zerstören. Haltbarkeit und Gebrauchsfähigkeit sind daher beim Roggenbrot weit besser als beim Weißbrot.
Dunkelblau oder Hellblau - wer siegt?
Ium kommenden Oxsord-Cambrivge-Rennen.
Von einem alten „Blauen".
Ein ehemaliger Oxford-Student, der selbst zweimal an dem berühmten O x - ford - Cambridge - Dootrennen teilnahm, gibt hier einige interessante Einzelheiten über dieses sportliche Ereignis. Das Rennen findet am 12. April statt.
Die Sportwelt weih heute, daß die jährlichen Rennen der Oxford- und Cambridge-Rudermann- schäften meist ausgezeichnete sportliche Leistungen darstellen; aber erstens gehört nicht jeder zur Sportwelt, und zweitens wissen selbst die besten Kenner nicht, welche Umwälzungen der Tag des Rennens in der Seele des als phlegmatisch verschrienen Engländers bewirkt. Ich habe beim Derby einen oder zwei Menschen getroffen, die von Pferden keine blasse Ahnung hatten: die — man mag es glauben oder nicht — wahrhaftig nicht einmal den Namen des Favoriten wußten. Ich kenne auch Leute, die bei Fußball-Länderkämpfen nicht die Namen beider Mannschaften herzählen konnten. Aber am Tag des Oxford- Cambridge-Rennens ist jeder Engländer ein begeisterter Kämpfer für die eine oder andere Partei. Schon in der Wiege schwenken die Kinder blaue Fähnchen: Jungen aller Jahrgänge rotten sich zusammen und erörtern die Vorzüge der beiden Mannschaften — allerdings mehr eifrig als richtig: und ernste, grauhaarige Familienväter sind nicht weniger begeistert und können ihre Erregung nur schwer unter ihrer altgewohnten, unnahbaren Würde verstecken: die Strahenhändler verzeichnen «ine gute Konjunktur In dunkelblauen oder hellblauen Seidenbänd- chen und Papierfahnen: und noch Tage IjintÄ- her laufen die Unterlegenen trostlos und niedergeschlagen umher. Ganz England wartet am Entscheidung^ tage mit brennendem Interesse auf den Ausgang der rasenden Iagd. So angespannt, so atemlos must Rom auf die Ergebnisse der Wagenrennen gewartet habenl
Zu meiner Zeit hatte der Ruderfanatismus in Oxford einen Höhepunkt erreicht. Damals wie heute versteht jedes Kind in England unter einem „•Blauen" nicht etwa einen alkoholisch befeuchteten Mitmenschen, sondern einen Oxford» oder Cambridge-Ruderer. Der „Frischling" wurde in Oxford. noch ehe er seine Koffer auspacken konnte, von dem Rudertrainer seines „College'/ aufgesucht und dann gehörig „geschaukelt": er mußte mit einem Leidensgenossen in einem Zweier rudern, bis ihm die Hände und alle andern Teile seines Körpers brannten und schmerzten: und dann wurde feierlich entschieden, ob er etwas taugte. Selten nur konnte sich ein Oxford- Ruderer auch in anderen Sportarten hervortun. Er war einfach ein Galeerensklave. Der Fußballer kann im Sommer Tennis oder Kricket spielen: der Ruderer rudert. Der Kricketspieler kann sich im Winter beim Fußball erholen: der Ruderer rudert. In den Osterferien muh das „Murmeltier-Rennen" (die „Torpids“ oder „Toggers", wie es in der eigenartigen Oxford- Sprache heißt) absolviert werden aus Achtung vor der geheiligten Tradition und aus übermütiger Verachtung für die Gebrechlichkeit der menschlichen Anatomie auf festen Sitzen! Die Sommerserien bringen die Achter-Woche mit ihren anstrengenden Vorbereitungen. Und in den Herbstserien ist es höchste Zeit, ernsthaft für das große Oxford-Cambridge-Rennen zu trainieren.
Es mutet eigenartig an, daß die prachtvollen Achter-Mannschaften auf ganz engen, schon für zwei Boote nebeneinander zu schmalen Fluhläufen trainieren. Beim Achterrennen rudern die Boote der einzelnen Colleges mit kurzen Abständen in einer langen Schlange den Fluh entlang und gewinnen oder verlieren, indem sie ihren Nachbarn mehr oder minder glückllch an- rempeln. Ungezählte Scharen eifriger Sportsfreunde laufen auf dem Treidelpfad nebenher und flößen die In aller Welt gleichen, anfeuernden Beschwörungsrufe aus. Die besten Mannschaften
sind dann bald herausgefunden: noch vor Weihnachten steht die Liste der acht Allerbesten fest, und das strikte Training beginnt unter strenger Rationierung des Tabaks. Heber die beste *Diät während des Trainings gibt es die verschiedensten Ansichten: am meisten läht sich wohl für die Theorie des Brasenose-College sagen:
O Musensohn, bu1 iht Dünnbier und Beefsteak jeden Tag, zu trotzen fremder List!
Die erste Anregung zu den Ruderwettkämpsen ging wohl von Charles Wordsworth aus, der nachmals Bischof in Schottland wurde. Sein Vater war der leitende Professor des Trinity- College in Cambridge und sandte, wie es sich gehört, seinen Sohn auf die andere Universität. In den Ferien pflegte Charlie Wordsworth in der Cambridge-Mannschaft zu rudern. Dabei muß Charlie Wohl ein bißchen zu sehr mit der Stärke der Oxford-Ruderer geprotzt haben, denn Cambridge lieh um diese Zeit dem Rivalen eine Herausforderung zum Achter-Rennen zukommen. Das Rennen fand am 10. Iuni 1829 in Henley auf einer Strecke von 3,5 Kilometer statt. Oxford gewann spielend. Die Revanche muhte wegen der damals ausbrechenden Choleraepidemie lange verschoben werden: erst sieben Iahre später konnte das zweite Rennen nahe der Themsemündung vor sich gehen. Diesmal war Cambridge eine Minute eher am Ziel als Oxford. — 1829 hatten die Cambridgeruderer noch scharlachrote Schärpen getragen, während Oxford bereits die dunkel- blaue Farbe gewählt hatte. Kurz vor dem Rennen im Iahre 1836 war Cambridge noch ohne eigene Farben. Schnell liefen ein paar Ctonschüler zum nächsten Kurzwarenhändler' und kauften alles, was an hellblauem Tuch zu haben war. Sie machten sich damit selbst ein Kompliment, denn Hellblau ist die Farbe der Eton-Knabenschule. Aber die Farbenwahl war nicht ohne Berechtigung, denn Eton stellte damals wie heut« noch das Hauptkontingent der UniversitätS-Ruder- mannschaften.
Das erste Rennen auf der jetzigen Strecke Putneh—Mortlake, das Cambridge übrigens in 23,30 Minuten gewann, fand 1845 statt. Die Strecke wurde noch einigemal verlegt, aber seit 1864 ist Putneh—Mortlake der unveränderliche Kampfplatz. Damals muhte Cambridge die Führung endgültig abgeben. Der Oxforder Rudersport konnte in den nächsten Iahren eine Reihe glänzender Triumphe buchen, und Dunkelblau hat seitdem seinen Vorsprung behalten — bis 1929. 1876 hatte Oxford siebzehnmal, Cambridge sechzehnmal gewonnen Kritisch veranlagte Zeitgenossen meinten damals, dah ein Sieg von Hellblau die schönste Gelegenheit wäre, das Kriegsbeil zu vergraben: aber 1877 wurde ihnen ein Strich durch die Rechnung gemacht: dem Vormann der Oxford-Ruderer zerbrach kurz vor dem Ziel sein Ruder, er muhte über Bord springen, Cambridge schoß vor und ging Seite an Seite mit dem Oxfordboot durch die Zielpfosten. Das war das einzige tote Rennen In den hundert Jahren seit dem ersten Wettkampf. — Oxford setzte später seine Siegeslaufbahn fort und schien seinen großen Vorsprung für immer beizubehalten. 1914 hatte Oxford 39, Cambridge nur 31 Siege zu verzeichnen. Aber nach dem Kriege gewann Oxford nur einmal, Cambridge dagegen neunmal — und seit 1929 stehen vier- zig Siege auf jeder Seite, das dies- lährige Wettrudern muß also zu einem wirklich spannenden Kamps um die Vorherrschaft werden.
Es war nicht mehr als recht und billig, daß Cambridge bei der vorjährigen Iahrhundertfeier den Gegner wieder einholen konnte. Aber ich glaube nicht, daß die Hellblauen jetzt die Führung übernehmen werden. Oxford verfügt über eine tadellose Mannschaft, die wahrscheinlich die traditionelle Vorherrschaft der Dunkelblauen sichern wird.
Vertrauen wird man Verhandlungen, die für September und Dezember in Aussicht genommen sind, entgegensetzen.
Die Konvention enthält die Verpflichtung, vor dem 1. April 1931 die gegenwärtig bestehenden zweiseitigen Handelsverträge nicht zu kündigen. Wenn diese Verpflichtung nicht bis 1. Februar 1931 zurückgenommen wird, bleibt sie wieder sechs Monate weiterbestehen und so immer.weiter von sechs zu sechs Monaten. Die Staaten, die keine Handelsverträge haben, die sogenannten Freihandels st aalen, wie England, Holland, Skandinavien, verpflichten sich gleichfalls, bis zum 1. April 1931 ihre Schutzzölle nicht zu erhöhen und keine neuen einzuführen. Das ist allerdings für Kontinentaleuropa wichtig, weil damit England sich bindet, in dem eine starke Dchutzzollliewegung vorhanden ist. Aber wird diese nicht stärker sein als die neue Genfer
Konvention? Bei sehr gutem Willen also kann man das Ganze einen gewissen Fortschritt nennen, dahin, langfristige Handelsverträge, wie sie vor dem Kriege bestanden, auf diese Art wieder möglich zu machen, zwischen die Aen- berung der Zollsätze längere Spannen einzulegen. Der Gedanke eines einstweiligen Zollfrie- dens hat sich nicht durchgesetzt, war wohl auch zu starr dafür. Diese neue Konvention hält man für elastischer und daher wirkungsvoller. Aber die Hauptsache ist doch wieder, wie der Präsident der Konferenz in Genf am Schluß sagte, d i e moralische Bindung, die das Abkommen enthalte als ein Hindernis gegen Hochschuhzollbestrebungen. Damit ist es nun genau wie bei der Abrüstung. Alles spricht von moralischen Bindungen, vom neuen Geist, und alles handelt praktisch dagegen, sowohl in der Rüstungsfrage wie in der Handelspolitik. So ist auch
diese Verhandlung in Genf höchsten- wird« eine Auseinandersetzung gewesen, in der man wenigstens überlegt, wie die einzelnen Glieder Europas einander annähern könnten.
Die Gießener Kraflpostlinten.
Kraftpostlinie Gießen—Gambach.
Vom 1. April ab wird die Haltestelle Ludwigsplatz der in den Betrieb der Deutschen Reichspost über« gehenden Linie aufgehoben. Die Kraftomnibusse halten innerhalb der Stadt Gießen bei den Fahrten ? von Gambach: 1. am Schifsenberger Weg, Anfang Gnauthstraße: 2. in der Bleichstraße, Kreuzung Lud« wigstraße: 3. Südanlage zwischen Bleichstrahe und Selterstor: 4. am Bahnhof. — Bei den Fahrten • nach Gambach halten die Kraftwagen: 1. am Bahnhof: 2. Westanlage bei Tribus & Sundheim, gegenüber dem Torhäuschen: 3. Bleichstraße, Kreuzung Ludwigstraße: 4. Gnauthstraße, Ecke Schiffen- I berger Weg.
Durch die Herstellung der Anschlüsse von und zu den Zügen am Bahnhof Gießen treten bei einigen Fahrten gegenüber dem bisherigen Fahrplan geringfügige Aenderungen ein, die aus den an den Haltestellen aushängenden Fahrplänen ersichtlich sind. Die Fahrpreise mußten ebenfalls teilweise umgestaltet werden. Während bei einzelnen : Teilstrecken die Reisegebühren eine geringe Erhöhung erfahren haben, ist durch die Einführung Oer Rückfahrkarten zwischen den Orten Gam- bach, Holzheim, ©rüningen und Steinberg einerseits und der Stadt Gießen anderseits eine An- gleichung an die bisher erhobenen Beträge geschafen worden. Eine Ermäßigung von 20 Prozent des Regelfahrgeldsahes wird gewährt bei Benutzung von sog. Zehnfahrtenkarten. Sie gelten zwei Monate vom Ausstellungstage ab und sind unpersönlich. Sie können bei - einer Fahrt' auch von mehreren Angehörigen derselben Familie, desselben Hausstandes oder desselben Betriebs gemeinsam benutzt werden.
Kraftpostlinie Gießen—Lounsbach—Dlßmar.
Für diese Linie,
'die am 1. April eröffnet wird, finb folgende Haltestellen vorgesehen: Gießen: Bahnhof und Oswaldsgarten: Launsbach: Schule und Gemeindebackhaus: Wißmar: Post- und Gasthaus Reeh, außerdem wird bei Bedarf an der Abzweigung des Launsbacher WegeS ia der Krosdorfer Straße gehalten.
krastpostlinie Gießen—Hochelheim:
Dem Anträge der an der Linie Gießen—« Hochelheim beteiligten Garantiegemeinden gemäß läßt die DRP. vom 1. April ab für einen Zeitraum von vier Wochen ihre Kraftwagen versuchsweise durch die Orte Groß - und Klein- Rechtenbach verkehren. Der Wager», der bisher vormittags um 10,30 Uhr vorn hiesigen Bahnhof nach Hochelheim abfuhr, verkehrt vom 1. April ab 20 Minuten später, damit bei dieser Fahrt über Klein-Linden, Lützellinden, Rechtenbach, Hochelheim, Hörnsheim nach Großen-Lin- den Dachnhof der bisherige Aufenthalt in Hochelheim vermieden wird. Die übrigen Fahrzeiten erfahren keine Aenderung.
Veranstaltungen in Gießen.
Wie beim stödtischen Verkehrsamt bis ’ jetzt bekannt wurde, finden im Iahre 1930 in Oie«, ßen folgende Veranstaltungen statt:
2. April: Tagung der Kaffeehausbesitzer.
30. März bis 6. April: Frühjahrsmesse.
4. Mai: Nationale FrauewWettkämpfe des V.f.B. I
20. bis 22. Mai: Tagung des Rhein-Maingau-! Gastwirte-Verbandes. • I
24. Mai: Generator rsammluna der Arbeitsgemein-1 schäft der Deutschen Nutz« und Zuchtviehmärkte.
29. Mai: Johann-Strauh-Gastspiel in der Volkshalle.
1. Juni: Wohltätigkeitsfest der Studentenhilfe in 5 der Dolkshalle.
1. Juni: Staffeltag der Deutschen Sportbehörde.
28./29. Juni: Regatta des Deutschen Ruderverban-l des, veranstaltet von der Gießener Rudergefell-1 schäft 1877.
29. Juni: Rotes-Kreuz-Kinderfest.
5.16. Juli: Schifsenbergfestspiele.
20. Juli: IX. Nationale Wettkämpfe der Spielvereinigung 1900.
21. Juli bis 2. August: Ferienkurse der Landesuniversität.
26./27. Juli: Regatta des Sübbeutfdjen Rudervev« bandes, veranstaltet vom Wassersportoerein Hellas 1920.
Ende Juli/Anfang August: 30. Stiftungsfest der Spieloereinigung 1900.
11. August: Derfassungsfeier.
24. August: Nationale Jugend-Wettkämpfe des: B. f. B.
31. August: Herbstregatta des Lahn-Regatta-Der- bandes, ourchgeführt vom Verein Rudersport 1913. |
31. August und 7. September: Kleinkaliber-Preis-i schießen des Hassia-Derbandes.
6./7. September: 75. Stiftungsfest der beiden Gießener Feuerwehren.
14. bis 18. September: Gartenbauausstellung.
September: Ausfahren des Städte-Achter-Wander- 4 Preises.
28. September bis 5. Oktober: Herbstmesse.
6.7. Dezember: ProvinziabGeslügelschau.
Ob das für das erste Halbjahr vorgesehene Gast - spiel des Zirkus Sarrassani zur Durchführung kommt, steht infolge der Verkausspläne des | Eigentümers noch dahin.
Kinderzuschüffe zur Invalidenrente.
Gemäß § 1291 der Reichsversicherungsordnung in I der Fassung des Gesetzes vom 25. Juni 1926 besteht! ein Anspruch auf Kinderzuschuß zur In -1 validenrente für Kinder, die das 15.Lebens- I jahr bereits vollendet haben, nur dann, wenn sie sich I in Schul« oder Berufsausbildung befinden für die | Dauer der Ausbildung, längstens jedoch bis zum voll« I endeten 21. Lebensjahre, oder wenn sie infolge geifti» I ger oder körperlicher Gebrechen außerstande sind, j sich selbst zu erhalten, und solange sie von dem Rentenempfänger überwiegend unterhalten! werden. Leider wird dieser Zuschuß nach der seit- I herigen Rechtsprechung nicht gewährt in den Fällen, z! in denen das über 15 Jahre alte Kind infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse keine Lehr- I stelle erhalten kann. Man stellt also das in der Lehre I befindliche Kind, das in vielen Fällen eine kleine I Vergütung vom Lehrherrn erhält, besser, als das I voll und ganz auf den Unterhalt des Rentenemp« I fängers angewiesene Kind. Dies bedeutet zweifellos | eine Härte, deren baldige Beseitgung im Interesse I der Rentenempfänger dringend zu wünschen ist.


