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Ein Gedenktag der Stadt Wetzlar

Zum 750. Jubiläum der Erhebung Wetzlars zur Reichsstadt.

Don Heinrich Glosl.

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2lm 1.AprU d. I. feiert Wetzlar das 7 5 0. Jubiläum seiner Erhebung zur R e i ch s st a d t. Denn am 1. April 1180 bestätigte Kaiser Friedrich I. (Rotbart) in seiner Pfalz Gelnhausen „seinen Bürgern" zu Weteflare ihren Grundbesitz und gewährte ihnen für ihre Ge­schäftsreisen dasselbe Recht und dieselbe Freiheit, wie „seinen Leuten" zu Frankfurt. Durch dieses königliche Privilegium wurde Wetzlar zur könig­lichen Stadt oder, wie es später hieß, zur Reichs­stadt. 2lls solche hing es ohne anderen Ober­herrn unmittelbar vom Kaiser ab, übte die Lan­deshoheit in seinem Gebiete aus und hatte später auf den deutschen Reichstagen Sih und Stimme im Kollegium der Reichsstädte.

Die Hohenstaufen und die folgenden deutschen Kaiser verliehen der Lahnstadt noch manche Rechte und Vergünstigungen, die dazu beitrugen, daß sie sich schnell entwickelte. Stadt war Wetzlar übrigens schon vor 1180. Seine Entstehung liegt im Dunkel, muh aber mit einem hier schon früh gegründeten geistlichen Kollegienstift zusammen­hängen, das immer mehr Ansiedler an sich heran­zog. 2m Jahre 897 soll hier auf Betreiben des zu den Konradinern gehörenden Gaugrafen Geb­hard dessen Bruder Bischof Rudolf von Würz­burg eine Kirche geweiht haben, eine ilebcr- lieferung, die allerdings der urkundlichen Bestäti­gung entbehrt, da die erste erhaltene Urkunde Wetzlars erst aus dem Jahre 1142 stammt.

Reichsvögte der neuen Reichsstadt waren zuerst die Grafen von Marienberg, im 14. und 15. Jahr­hundert die Grafen von Nassau und vom 16. Jahrhundert an die Landgrafen von Hessen, die sich in der Stadt durch einen Llntervogt ver- treten ließen. Hm 1180 wurde auf dem Kalsmunt bei Wetzlar eine Reichsburg errichtet, und um dieselbe Zeit erstand an der Stelle, wo jetzt der Dom steht, eine romanische Pfeilerbasilika, deren Größe auf eine ansehnliche Gemeinde schließen läßt. Der sog. Hcidenturm und ein eigenartiges Rundbogenportal sind davon noch jetzt am Dom vorhanden. Ilm 1240 begann man das Gottes­haus zu erweitern. Im 13., 14. und 15. Jahr­hundert wuchs der neue Bau in frühgotischer, hochgotischer und spätgotischer Bauart um den alten herum; 1561 wurde der Turm mit einer geschieferten Barockhaube gekrönt. Es ist ein imponierendes Baudenkmal, das durch die Fröm­migkeit und die Tatkraft der Bürgerschaft und des Marienstifts hier geschaffen wurde. Das Ganze entbehrt zwar der künstlerischen Einheit, ist aber gerade durch den Wechsel der aufein­anderfolgenden Stile interessant und bietet viele Schönheiten im einzelnen.

Dah der Dau der Stiftskirche oder des Domes so langsam und in Pausen vorschritt, liegt zum Teil daran, daß auf die Blüte Wetzlars, etwa von 1350 an, ein Niedergang folgte, der durch die Kleinheit der Stadt, äußeren Fehden, innere Kämpfe, sowie durch den Hmstand veranlaßt wurde, daß die Kaufleute, die mit ihren Wagen­zügen zwischen Frankfurt und Köln verkehrten, wegen der Unsicherheit der Gegend für ihre Reisen nicht mehr die durch Wetzlar führende Heerstraße, sondern den Weg über Diez benutzten.

Wie noch 1530 die ganze Umgegend — Gießen z. B. 1532 —, so trat die Reichsstadt Wetzlar 1542 der Augsburgischen Konfession bei. In das 17. und 18. Jahrhundert fallen fiele Streitig­keiten mit den Landgrafen von Hessen, die Reichs- Vögte der Stadt waren, sie aber gern ganz unter ihre Herrschaft gebracht hätten. Jedoch dem Dürgerstolz und der Zähigkeit der Wetzlarer gelang es, sich ihre reichsstädtische Freiheit zu wahren. Im Dreißigjährigen und im Sieben­jährigen Kriege und namentlich in der Franzosen­zeit von 1795 an hatte die Stadt samt ihrer Um­gebung viele Drangsale zu erleiden.

Aber günstig für die Stadt war die Verle­gung des Reichskammergerichts von Speier nach Wetzlar im Jahre 1690. Denn das „hochpreis­liche" Gericht bildete mit seinen zahlreichen Be­amten und den vielen Fremden, die um seinet­willen nach Wetzlar kamen, eine ergiebige Ein­nahmequelle für die Stadt, die als Sih des höchsten Reichsgerichts zu hohem Ansehen ge­langte. So kam es auch, daß Wetzlar zur Goethe- und Wertherstadt wurde.

2m Jahr 1801 erging es Wetzlar wie allen kleinen Reichsstädten. Es hörte auf, Reichsstadt zu sein, verlor seine politische Selbständigkeit, die es so lange, wie irgend möglich, bewahrt hatte, und erhielt 18P als Landesherrn den früheren Kurerzkanzler Karl von Dallweg, der durch Napoleon 1806 Fürst-Primas des Rheinbundes und 1810 Großherzog von Frankfurt wurde. Nach der Schlacht bei Leipzig war seine Rolle ausgespielt, und 1815 fiel die Stadt zu ihrem Glück an die Krone Preußen. Sie wurde Kreis­stadt, war 1818 bis 1877 Garnisonstadt, erhielt von 1861 an mehrere Eisenbahnverbindungen und wurde immer mehr Industriestadt.

Die noch jetzt von dem altehrwürdigen Dom überragte und in mehreren Straßen. Plätzen und Gebäuden an ihre reichsstädtische Vergangenheit erinnernde Stadt zählt jetzt etwa 18 000 Ein­wohner, macht mit ihren neuen Stadtteiltn und ihren schön ausgebauten Straßen einen modernen Eindruck und wird trotz der Schwere der jetzigen Zeit den Mut nicht verlieren.

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Iugendschöffengericht Gießen.

In der letzten Sitzung des Gießener Jugend­gerichts nahmen als Schöffen teil Schneider Georg Rennert von Gießen und Ernst Klinkel, Schlosser, von Lollar. Es standen fünf Fälle zur Aburteilung.

Ein jugendlicher Hilfsarbeiter, der eine Fahr­radschuld zu begleichen hatte, und deshalb unter einem gewissen Drucke stand, eignete sich in einem Metzgerladen aus einer offenstehenden Ladenkasse zwei Zehnmarkscheine an. Er hat den Schaden wieder gutgemacht, bereut auch seine Tat. Es wurde von Strafe abgesehen, da eine Erziehungsmaßregel genügt.

6tn anderer Jugendlicher hatte einem Be­kannten, der bereitZ wegen Diebstahls verur­teilt worden ist, in Gießen ein« von letzterem in Bonn entwendete silberne Hhr abgekaust, und soll sich hierdurch der Hehlerei schuldig gemacht haben. Die Beweisaufnahme reichte zu einer Üebersührung des Angeklagten, der sich bisher gut geführt hat, nicht aus; es erfolgte Frei­sprechung mangels Beweises.

Ein jugendlicher Eisverkäufer wurde wegen Unterschlagung zum Nachteile seines Arbeit­gebers in eine Gefängnisstrafe von drei Tagen unter Festsetzung einer fünfjährigen Be­währungsfrist verurteilt. Nach Lage der Sache wurde vorerst von Erziehungsmaßregeln abge­sehen.

Ein auswärtiger Jugendlicher war der schwe­ren Körperverletzung angeklagt, weil er Ende Oktober v. I. einem früheren Freund nächtlicher­weile aufgelauert und ihn mit einem spitzen Ge­genstand verletzt hat. Es konnte nicht festgestcllt werden, ob dieser Gegenstand ein Messer oder etwa ein Nagel war. An Anbetracht der Ro­heit und der Gefährlichkeit der Tat erkannte das Gericht auf eine Gefängnis st rafevon drei Wochen. Hätte der Nachweis erbracht werden können, daß der spitze Gegenstand ein Messer war, so wäre die Strafe weit emp­findlicher ausgefallen. Wenn auch Strafaufschub Im Hinblick darauf gewährt wurde, daß es sich um eine erste Bestrafung handelt, so wurden doch Grziehungsrnaßregeln angeordnet, über die der Dormundschaftsrichter zu befinden haben wird.

Eltern sollten auf ihre in das Pubertätsalter «intretenden und in dieser Zeit besonders ge­fährdeten Söhne ein besonders starkes Augen­merk richten. Die Fälle, in denen Jugendliche von anormal veranlagten älteren Menschen zu strafwürdigen unmoralischen Handlungen ver­leitet werden, mehrten sich in letzter Zeit in gan- bedenklicher Weise. Ein schon längere Zeit halt­loser, jetzt siebzehnjähriger Mensch, ist das Opfer anormal veranlagter Verführer geworden. Einem solchen stahl er darauf in zwei Fällen mittels Erbrechens von Dehältnissen (Schubladen) zwei Geldbeträge von zusammen etwa 260 Mark, die kurz darauf in Frankfurt a. M. durch gebracht wurden. Wegen schweren Diebstahls erhielt der Jugendliche eine crls durch die Untersuchungs­haft für verbüßt erklärte Gefängnis st rafe von einem Monat und einer Woche. Das Gericht sprach auch seine sofort in Vollzug zu sehende endgültige Fürsorgeerziehung aus.

Berliner Börse.

Berlin, 29. März. (WTB. Funkspruch.) Der heutige letzte Bormittagsverkehr der Woche lag in.

lffeehausbefiher.

lühjahrsinesse.

n-Weltkämpse des 8.|.8.

ig -es Hein-Maingau- |

Devisenmarkt hörte man London gegen Paris 124,25, London gegen Mailand zirka 92,85, London gegen Spanien 39,10 bis 39,15, London gegen Amsterdam 12,1250, London gegen Schweiz 25,13 bis 25,1350, London gegen Buenos 42,60, London gegen Kabel 4,8660, London gegen Berlin zirka 20,37.

JßähÄi Ebenfall,

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Sonntag, den 30. März. Lätare.

Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Becker; 11: Kinder- kirche für die Markusgemeinde; Pfarrer Becker; 15.30: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Matthäusgcmeinde, Pfarrer Mahr. — Johanncskirche. 9.30: Pfarrer Ausfeld; 11: Kinder« kirche für die Johannesgemeinde; Pfarrer Ausfeld; 14: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Petrusgemeinde; Pfarrer bic. Waas; 18: Pfarrer Bechtolsheimer; 20: Bibelbesprechung im Johannes- saal; Pfarrer Müller. — Kapelle des Alten Fried­hofs. 9.30: Pfarrer Lenz; 11: Kinderkirchc; Pfarrer Lenz. — Llisabelh-Kleinkinderschule. 9.45: Pfarrer Lic. UBaas; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfarrer lüc. Waas. — Wieseck. 10; 20: Pfarrer Wahl (Butzbach); Opfer für Gefangenenfürsorge. — Alten- vufeck. 10: Altcn-Buscck; 13: Trohe. — Kirchbera. 10: Kirchberg; 13.30: Lollar. — Haufen-Garbentcich. 10: Hausen; Feier dos hl. Abendmahls; 13: Garben- tcich. Kirchenmusikalische Passionsfeier, veranstaltet vom Verein für christliche Musik in Gießen, 15.30: Hausen; 19.30: Garbenteich — Watzenborn-Stein­berg. 10: Hauptgottesdienst, 11: Kinderkirchc. — Cid). 9.30: Stiftsdcchant Kalin; 12.45: Kindcrgottes- dienst; 14: Pfarrvikar D udt.

Mittwoch, den 2. April.

LIch. 20 Uhr: Passionsandacht. . katholische Gemeinden.

Samstag, den 29. März.

Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte.

Sonntag, den 30. Mäpz. 4. Fastensonntag.

Gießen. 6.30: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; gemeinschaftliche Kom­munion anläßlich der Schulentlassung; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Grün­berg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 7.45: Hochamt mit Predigt. — Cid). 10: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Fastenandacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hoch­amt mit Predigt.

Montag, den 31. März.

Caubad). 7 Uhr: Gottesdienst.

Dienstag, den 1. April.

Gießen. 18.30 Uhr: Fastenandacht.

Mittwoch, den 2. April.

Hungen. 7 Uhr: Gottesdienst (an den übrigen Werktagen in Lich).

eonntnnethtenft 0. Aerzte n. Uvotdcken nm 30.3,3g Dr. S. Klein. Dr. Wolf. Hirschnpoiheke

.iabnarzt: Dr. Buchinger. Dl lSchluß des redaktionellen Teils.)

Die „Fütterung" der neuen Cloyddampfer.

An der Columbus-Kaje in Bremerhaven wurde eine Dapolin-Großbunkerftation, für die beiden neuen Schiffsriesen des Norddeutschen Lloyd „Bre­men" und „Europa" neu gebaut. Längs der Kaje, die über einen Kilometer lang ist, erstreckt sich «in unterirdisches Rohrleitungssystem, so daß die „Füt­terung" der beiden Ozeanriesen an ihren regulären Liegeplätzen auf einfachste und schnellste Art inner­halb weniger Stunden erfolgen kann. Für eine Ueberseereise werden zirka 5—6000 Tons Standard Heizöl, das find 10 lange Güterzüge, je Schiff benötigt! 25251)

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