Einzelbild herunterladen

rung ausgetreten sei. Ein Teil der Parteiaus­schuhmitglieder erklärte, er billige die Haltung der Mehrheit der Reichstagsfraktion nicht.

Der V o r st a n d der Sozialdemokratischen Partei veröffentlicht in der heutigen Morgen­ausgabe desVorwärts" einen Aufruf, in dem er die Haltung der Sozialdemokratie in der Arbeitslosenversicherungsfrage, die zu dem Rück­tritt des Kabinetts Hermann Müller beigetragen hat. zu rechtfertigen versucht und an den feier­lichen Beschluß des Magdeburger Parteitages erinnert, an der Arbeitslosenversiche- rung nicht rütteln zu lassen.Den Kampf, den die Sozialdemokratie in der Regierung ge­führt hat." heißt es zum Schluß des Aufrufe-, wird sie außerhalb der Regierung f o r t s e h e n."

Sin Moratorium für den Osten.

DieDcutschnationaien fordern ein 9totgesetz

Berlin, 26.März. (TU.) Die Abgeordneten Dr. Hugenberg, Dr. Schiele und Dr. Oberfohren haben im Reichstag eine Interpellation cinge- bracht, in der ein Moratorium für den Osten gefordert wird. In der Interpellation heißt es u. a.: Der Zus ammenbruch der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse hat gan^ allgemein besonders aber in der Provinz Ostpreußen. Pommern, Grenzmark, Posen-West- preuhen, Brandenburg. Oberschlesien. Rieder­schlesien und Mecklenburg, sowie den angrenzen­den Gebieten zu unhaltbaren Verhält­nissen geführt. Die bisherigen Anforde­rungen von feiten der öffentlichen Hand an S teuern und anderen Lasten, haben die landwirtschaftlichen Betriebe r e st l o s erschöpft und besonders im Osten erheb- liche Eingriffe indieSubstanz in einem Umfange erforderlich gemacht, daß eine ord­nungsmäßige Bewirtschaftung in der Mehrzahl der Fälle nicht mehr gegeben ist. Die Inter­pellation verlangt:

1. Vorlage eine- besonderen Rot- g e s e h e s, durch das dem Osten bis zur Wieder­erlangung der immer wieder versprochenen Le­bensgrundlage ein Zahlungsaufschub ge­währt wird.

2. Vorlage eines besonderen Gesetze« über ein Vergleichsverfahren bei landwirtschaft­lichen Betrieben, das im Falle von Zah­lung-st ockungen vor Einleitung von Zwangs­versteigerungen, Zwangsverwaltungen oder Maß­nahmen der Zwangsvollstreckung in das beweg­liche Vermögen ein außergerichtliches oder gericht­liches Vergleichsverfahren vorschreibt. Dazu

3. Bereitstellung von jährlich mindestens 200 Millionen Reichsmark für den Osten auf die Dauer von fünf Jahren zur Senkung der Zinsen auf Reichsbankdiskont zur Schaffung eines Betriebserhaltungsfonds für Betriebe aller Größen zur Fortsetzung der Um­schuldung und zur Regulierung der Kredit­verhältnisse.

Unzulängliche Steuerpolitik.

Kritik des demokratischen Abgeordneten Fischer.

Berlin. 23. März. (TU.) Dor derBremer Gesellschaft von 1914* sprach der demokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Hermann Fischer über die Reuorientierung unserer Wirtschafts­und Finanzpolitik. Dr. Fischer erklärte, die Steuerkompromißvorschläge der letzten Wochen feien gegenüber den Erfordernissen der Wirtschaft unzulänglich. Es bestehe die große Gefahr, daß nach den bisherigen finanzpolitischen Plä- nen d i e Ersparnisse des Boungplans. statt Volk und Wirtschaft eine Entlastung zu bringen, in den Kaffen der öffent­lichen Hand restlos verschwinden. Denn über die diesjährigen Ersparnisse des Voungplanes hinaus sollten noch insgesamt 6 0 0 Millionen neue Steuern für die Reichsfinanzen aufgebracht werden, während alle bisherigen Dparpläne für das Iahr 1931 nur Ersparnisse vorsehen, die in ihrer Höhe höchstens bis an die zusätzlichen Steuern des Iahres 1930 heranreichen, so daß im besten Fall eine Um­gruppierung der Steuern erfolge, aber feine Senkung der G e s a m t st e u e r l a st. auf die es allein ankomme. Das sei insbesondere vom reparationspolitischen Standpunkt ans höchst gefährlich, weil eine eventuelle spä­tere Revision deS.Doungplancs nur dann durch­führbar fei, wenn wir den Rachweis spar­samsten Wirtschaftens in unserem eigenen Hause erbringen können.

Oer neue Skandal in der Berlmer Siadlverwaltnng.

Lukrative Grundstiicksgeschäste.

Berlin, 28.März. (WTB.) Die Untersu» chungen der Staatsanwaltschaft zur Klärung der gegen Mitglieder der städtischen Körperschaften erhobenen Beschuldigungen in Verbindung mit Erpressungsversuchen, An- und Verkäufen von Grundstücken usw., haben einen Umfang ange­nommen, daß mit einem baldigen Abschluß nicht gerechnet werden kann, zumal einige Beschul­digte und Zeugen im Auslande weilen ober nicht zu ermitteln waren. Belastet sind auch Personen, die schon in der Sklarek-Un- t e r s u ch u n g eine Rolle gespielt haben. Be­merkenswert erscheint, daß auch die Bürgermeister Kohl und Schneider sowie die Stadträte a. D. Gäbel und Segen«: bei den Grund­stückstransaktionen eine noch ungeklärte Rolle gespielt haben sollen. Schneider hat lebhaftes 3 n te reffe an dem Erwerb der Grundstücke in der Strahlauer Straße und an anderen Ob­jekten bekundet, und Kohl soll bei mehreren Käufen sekundiert haben. Roch unauf­geklärt ist, wer die hohen Kautionen für die Entlassung aus der Untersuchungshaft der beiden Stadträte Gäbel und Degener gestellt hat. Beide waren unvermögend, lebten aber auf großem Fuße und verfügten trotzdem über Mittel zur Anschaffung von Lurusgegenständen. Zwei andere Mitglieder der städtischen Körper­schaften konnten fidj, wie Bürgermeister Kohl (Köpenick), in Dahlem und Rahnsdorf usw. luxerios eingerichtete Dillen er­bauen. Auch die Rolle, die einige Herren, wie Stadtrat Busch, als Schiedsrichter gespielt haben, möchte man restlos aufklären. Es lind angeblich von der B.V.G. recht ansehn­liche Honorare bis zu 2 5 0 0 0 Mark an einige Schiedsrichter gezahlt worden. Dazu kommt noch, daß zwei Herren,

die noch vor nicht langer Zeit ein Verhältnis- | auch die Finanzämter an diesen Vorgängen ein laubig g i;ng3 Einkommen versteuerten, g r o - lebhaftes Interesse haben. Wie weit die Stadt Here Summen nach England und der in erheblichem Umfange geschädigt worden ist, Schweiz überwiesen Haden sollen, so daß | steht noch nicht fest.

Die Noiingdebatte in

Paris, 28. März. (WTB.) Die Kammer setzte die Aussprache über die Ratifizierung des Voungplanes fort. Oberstleutnant Fabry (Fraktion Maginot) erklärte, daß feine Fraktion für den Voungplan stimmen werde. Du­bois (Fraktion Marin) erflärt, der QJoung- plan gebe Frankreich nur e Ih Zehntel dessen, was ihm eigentlich zustehe, und die einzige Ga­rantie sei die moralische Verpflichtung Deutsch- lands, die Klauseln des Poungplanes auszufüh­ren. Die Kammer möge sich ihre Entscheidung reiflich überlegen. H e r r i o t übt Kritik an dem Voungplan, weil er die im Dawesplan enthal­tenen Garantien aufgebe. Art. 430 des Ver­sailler Vertrages und die Reparationskommis­sion würden durch die Haager Abkommen hin­fällig. Ministerpräsident T a r d i e u wirst ein: Die amerikanischen Sachverständigen haben er­klärt, wenn die Revarationskommission beibehal­ten würde, gebe es keinen Voungplan. Herriot be­tont : Er sei für internationaleSanktio- n e n, die an die Stelle der nationalen Sank­tionen treten müßten. Niemand könne befrei­ten, daß der Dawesplan vortrefflich gearbeitet habe. Er habe Frankreich in runden Ziffern 25 Milliarden Frank eingebracht, und zwar ohne eine diploma­tische Schwierigkeit. Herriot vergleicht den Text des Versailler Vertrages mit dem Text des Doungplans hinsichtlich der A k t i o n S f r e i - heit Frankreichs und fragt, warum diese Ak­tionsfreiheit überhaupt geschaffen wurde, da ja keine Uebereinstimmung der Alliierten mehr vor­handen sei. Wir werden für die Gesamt­heit der Abkommen stimmen, trotz der Haltung des Ministerpräsidenten und trotz der Lücken, die die Abkommen enthalten, weil wir diese Abkommen als eine Etappe zu dem Ziele ansehen, an dem das endgültige Statut des Friedens durch eine Verständigung der Demo­kratien verwirklicht sein wird.

her pariser Kammer.

Der sozialistische Abgeordnete Paul-Don- cour warf die Frage auf: Wer ist befugt, selbst Feststellungen in der RheIn­land z o n e zu machen, In welcher Form und in welcher Frist? Er glaube nicht, daß eine Kon­trolle, die nur auf gewisse Rationen erstreckt werde, die notwendige Kraft haben würde, Frankreich die notwendigen Garantien zu geben. Man könne nicht eine Kontrolle ausführen, die sich auf einige europäische Rationen erstrecken würde, denn diese Kontrolle würde nicht die Durchschlagskraft einer Internatio­nalen allgemeinen Kontrolle haben. Um eine allgemeine und internationale Kontrolle auszuüben, fei eine diplomatische Aktion not­wendig. In dem Maße, in dem Frankreich feine einseitigen Sicherheiten aufgebe, fei es gezwun­gen, feine Sicherheit in der Weltgemeinschaft zu suchen.

Abg. D e r g e r y erklärte: Eine Schuld, die über 'die Leistungssähigekit des Schuldners hinaus­gehe. schwäche die vertragsschließenden Teile, und die Druckmittel, die gegenüber dem Schul- ner zur Anwendung gebracht werden tonnten, seien in einem solchen Falle beschränkt. Die An­nahme des Voungplanes sei das formellste De­menti einer nach vielen Mißerfolgen endlich auf- gegebenen Politik gewesen. Es sei zu befürchten, düß die übergroße Macht der Internationalen Dank ein Faktor der finanizellen, kommerziellen und wirtschaftlichen Rivalität zwischen den Staa­ten fein werde. Die Politik des VoungplaneS bestche darin, 18 Finanzleuten eine beträchtliche Macht in die Hand zu geben. Das fei mehr als die nationalistische Politik, die ins Ruhrgebiet geführt habe. Die Finanzsachverständigen hätten festen Fuß gefaßt. Es werde schwer fein, ihnen ihren großen Einfluß wieder aus der Hand zu nehmen. Die Internationale Zahlungsbank könne über Rächt zu einem Werkzeug der sozialen Unterdrückung werden.

Irühjahrslagung des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 28. März. (WHP.) Präsident Delp eröffnet das im Saal und auf der Tri­büne gut besetzte Haus. Zu Ehren des ver­storbenen sozialdemokratischen Abgeordneten Schaub, dem der Präsident einen warmen Rachruf widmet, erhebt sich das Haus. Reu tritt ein der Gewerkschaftssekretär Leber (Heides­heim). Der Präsident gedenkt der 45jährigen teit des früheren Staatspräsidenten Ulrich. Das Gesetz über die Erstreckung des Finanzgesehes 1 9 2 9 auf die ersten drei Monate des neuen Rechnungs­jahres 19 30 wird in erster und zweiter Le­sung gegen Landbund, Kommunisten und die Stimme des Abg. Dr. Werner verabschiedet; nur die Kommunisten hatten dagegen Widerspruch er­hoben. Heber die Vorlage betreffend den

Uebergang der hessischen Kraftwerke Wölfers­heim und der Braunkohlenwerke (hefrag) an die Preußen-Elektra

erstattet Abg. Lux eingehend Bericht.

Abg. Dr. Werner (wild) erhebt dagegen Einspruch, daß es ihm unmöglich gemacht wurde, an den betreffenden Ausschuhverhandlungen teil­zunehmen und daß die Regierung auf seine An­frage keine Antwort für notwendig gehalten habe. Das könne nur bei einer Mehrheit ge­schehen, die sich hier selbst Entlastung von einer falschen Finanzaktion des demokratischen Finanz­ministers Henrich erteile. Die Öffentlichkeit habe ein Interesse, zu erfahren, wie hoch die Be­lastung an Kapital und Zins sei. Der abgeschlossene Vertrag bedeute angesichts der un­geheueren hessischen Opfer für den Staat und die Volkswirtschaft eine schwere Schädi­gung; unverantwortlich sei es, daß der Land­tag heute erst zu dieser Frage Stellung neh­men könne, wo nichts mehr zu ändern sei.

Finanzmini st er Kirnberger erflärt, daß die Regierungsantwort auf die Anfrage des Vorredners bereits am 3. Februar erteilt wor­den sei. Ein finanzieller Verlust ist für die Staatskasse nicht eingetreten. Früher haben die Werke eine Rendite von 30 000 Mk. abgeworfen; jetzt rechnen wir aus unserer Aktienbeteiligung bei der Preußen-Elektra mit einer Rendite von 250 000 bis 300 000 Mk. jährlich. Die Entwicklung hat entgegen allen Erwartungen einen anderen Laus genommen: Zinserhöhung, beträchtliche Ein­kaufsschwierigkeiten, größere Kapazität als Ab­satzmöglichkeit. Der Vertrag sei für Ober- Hessen ein Gewinn, dem ein so bedeutendes Werk erhalten bleibe. Auch für die Beamten find keinerlei Schädigungen zu erwarten. Im Falle der nicht zu erwartenden Stillegung wür­den die Beamten in den Staatsdienst zurück- übernommen.

Abg. Dr. R i e p o t h (D. V. P.) weist darauf hin, daß die oberhefsischen Braunkohlenwerke ft et« ein Schmerzenskind des Staates waren. Der Landtag habe früher einstimmig der Stromerzeugung zugestimmt; der Deutsch- nationale Kindt habe das erhoffte große Ge­schäft sogar für Hessen ohne Frankfurt a. M. machen wollen. Allerdings seien die Strom- erzeugungsfosten z u hoch geworden. Rach dem Gang der Entwicklung lasse sich der Abschluß mit der Preag rechtfertigen. Daß diese die Werke, in die 20 Millionen investiert seien, ohne dringende Rot ftillegen werde, glaube er daher nicht. Die zur Zeit durch die Preag von der Provinz Oberhessen geforderten Bedin­gungen müßten jedoch unbedingt gemil­dert werden.

Abg. Lux (Soz.) erklärt die Zustimmung seiner Partei mit Rücksicht auf die Zukunft Ober- Hessens und seiner Bevölkerung.

Finanzmini st er Kirnberger stellt er­neut fest, daß Hessen keine Millionen verloren habe. Die investierten Kapitalien haben wir in Aktien der Preag zurücker hak ten. An den hohen Bankschulden der Hesrag ist Hessen nicht mehr beteiligt. An der ganzen Sache ist nichts, was verschwiegen werden müßte oder sollte. Wir haben alle Auskunft gegeben und sind immer dazu bereit

Rach Erklärungen der Abgeordneten Dr. Wer­ner, Böhm (Dnt) Lux (Soz.) wird die Vorlage

gegen die Kommunisten und Deutschnationalen genehmigt

Abg. Schul erstattet Bericht über die Ausschuß- Verhandlung, die einstimmig die

Aushebung der Immunität de» kommunistischen Abg. Sumpf

wegen dessenhervorragender Beteiligung an den Vorgängen in den Opelwerken zu Rüsselsheim" (Landfriedensbruch als Rädelsführer, Hausfriedens­bruch) ergeben hatte.

Abg. von der Schmidt (Komm.) wendet sich gegen die Vorlage und den von der Regierung un­terstütztenLügenfeldzug gegen die Kommunisten", weswegen er zur Ordnung gerufen wird. Die Triebfeder zu diesem Vorgehen gegen den Abg. Sumps sei die blasse Angst um den Profit.

Innenminister Leuschner tritt den Dar­legungen des Vorredners entgegen. Der Abg. Sumpf ist nicht gerufen morden. Das Vorgehen der Polizei in Rüsselsheim war ausgezeichnet und tadellos. Es ist kein Gummiknüppel, kein Karabiner, kein Seiten- gcwehr gebraucht worden. Es tarn darauf an, 7 0 00 Arbeitern Arbeit' und Erwerb z u sichern und sie gegen wenige Leute zu schützen, deren Ideen nur noch als pathologisch betrachtet werden können. Die 7000 Arbeiter waren dankbar dafür, daß der republikanische Staat seine Macht­mittel ausnützte, um wenigen hirnverbrannten Men­schen ihre Grenzen zu zeigen, die lediglich dem Faszismus Vorschub leisteten.

Heber das

Gesetz zur Men dem ng der Verfassung erstattet Abg. Kaul Bericht. Gegen die Deut­sche Volkspartei und die Kommunisten wird die Dringlichkeit der Vorlage beschlossen.

Abg. Dr. Wolff (Volksrechtspart.) ist grund­sätzlich mit der vorgeschlagenen vierjähri­gen Legislaturperiode einverstanden und stimmt der Vorlage zu, da von zuständiger Seite zugesagt sei, die kleineren Parteien brauch­ten keine Befürchtungen zu hegen.

Abg. Galm (Komm.) wendet sich gegen die Verlängerung der Legislaturperiode und das gesamte Gesetz. Der Verminderung der Abgeordnetenzahl stimmte er zu.

Abg. Dr. R i e p o t h (D. V. P.) lehnt die Durchpcitschung einer so wichtigen Vorlage ab. Wir stimmen durchaus zu, wenn man die Ver­fassungsänderungen nur an Zweidrittel­mehrheiten bindet, die Legisla turpe- riode grundsätzlich auf vier Jahre verlän­gern und die Z,a h l der Abgeordneten- Mandate herabsehen will. Wir freuen uns, daß jetzt auch die Sozialdemokraten sich hier­für erklären. Wir haben im Ausschuß eine loy­ale Erklärung gefordert, daß nach unserer even­tuellen Zustimmung nicht nach drei Wochen der gegenwärtige Landtag auf vier Jahre verlängert wird. Das ist nicht geschehen; daher lehnen wir die Vorlage ab. Hm so auffälliger ist es, daß der Landbund sich für diese Verfassungs­änderung einsetzt, obwohl noch gar nicht fest- steht, tote die Sparmaßnahmen der *Re, gicrung aussehen und was sie bringen werden.

Abg. Dr. Müller (Landbund) erklärt seine Z u st i m m u n g. Die Kombinationen des volks- parteiiichen Redners seien nicht begründet.

Rach der Einzelabstimmung - beantragt Dr. Riepoth (D. Dp.) namentliche Abstimmung. Diese erfolgte jedoch nicht. Das Gesetz wird mit 52 gegen 10 Stimmen bei 62 Anwesenden an­genommen und damit die verfassungsmäßige Mehrheit erreicht. Gegen das Gesetz ftimmten sechs Volksparteiler, drei Kommunisten und ein Deutschnationaler.

In der Debatte über

die Vorgänge bei Opel

spricht dann Abg. Reuter (Soz.) zu denOpel- vorfällen und rechnet in schärfster Weise mit den Kommunisten ab. Auch Abg. Galm (Komm. Opp.) kennzeichnet den Charakter der Kommu­nisten die in ihren Zeitungen von einer kleinen Revolution bei Opel geschrieben hätten, während Abg. Sumpf jetzt erkläre, es sei nur ein Keiner Spaziergang gewesen. Diese Verwilderung der politischen Gesinnung müsse gekennzeichnet wer­ben. Durch solche Putsche werde nur der Sache der Arbeiterschaft geschadet und solchen .Füh­

rern" müsse jede Führereigenschaft ab gesprochen werden. Innenminister Leuschner schließt sich dieser letzteren Auffassung an. Abg. Zinnkan (Soz.) stellt fest, daß der kommunistische Abge­ordnete Hammann bei den Wormser Hnruhen beim Eingreifen der Polizei in dieZwölf Apostel" geflüchtet und dort von der Polizei heraus geholt worden sei. Die Immunität des Abg. Sumpf wird dann gegen drei Stimmen aufgehoben.

Aus öfter Welt.

Freispruch wegen Vestimmungsmensur.

Zehn Studenten der Berliner Burschenschaft Teutonia" wurden vom Amtsgerichtsrat Bu r- kardt beim Schöffengericht Moabit von der Anklage des Zweikampfes mit töd­lichen Waffen freigesprochen. Die Studenten hatten Destimmungsmensuren ausgefach­ten. Rach einer Entscheidung des Reichsgerichtes find solche Mensuren gemäß den Bestimmungen des Strafgesetzbuches als Zweikampf zu bestrafen Trotzdem kam das Schöffengericht unter Leitung des Amtsgerichtsrates Burkardt nach langet Beratung zu seinem freispre­ch e n d e n HtteiL In der Begründung wird u. a. ausgeführt, die Destimmu :gsmensuren seien nicht zwischen feindlichen Paaren, son- oern zwischen Freunden und Kame­raden ausgefochten worden, konnten also nicht als ernsthafter Zweikampf angesehen werden. DaS Gericht sei sich bewußt, mit seinem Urteil gegen die Rechtsprechung des Reichsgerichts anzukämp- fen. Rach seiner Auffassung sei die DestimmungS- menfur eine s portliche Betätigung, durch die bet junge Student Mut und Un­erschrockenheit erwerben und die Technik de- Fechtens erlernen solle. Der Boxkampf sei hn allgemeinen weit gefährlicher als die Mensur. Der Staatsanwalt hatte in allen Fällen drei Monate Festung beantragt.

Der Schmugglerkönig von Brooklyn ermordet

Ein unrühmlich bekannter Angehöriger der Neu- Yorker Unterwelt namens Giuseppe Farano- wich, der wegen seiner verkrüppelten Hand den SpitznamenK r a 11 e n h o n d" führte, hat den Tod gesunden. Drei Mitglieder einer Schmuggler­bande lauerten ihm im italienischen Viertel auf und ftrerften i h n mit sechs Revoloerschüs- fen nieder. Er galt als der größte Schmuggler In Rohalkohol in Brooklyn. Eine Besonderheit von ihm war, daß er stets sehr elegant gekleidet ging. Seine Krawattenperle soll einen Wert von 10 000 Mark gehabt haben. Wäh- rend seinerLaufbahn" war der Tote dreimal wegen Mordes angeklagt gewesen, aber jedesmal freigesprochen worden. Einer dieser Fälle war der des sog.Tonnenmordes" im Jahre 1918, wo ein Mann mit dreiundzwanzig Messerstichen tot in einer Tonne aufgefunden worden war.

Ein Zweikampf zwischen Schwestern.

Ein Vorgang, wie er nicht alle Tage vorkommen dürfte, hat sich in Mexiko abgespielt. Wegen eines Mannes, in den sie beide verliebt waren, gerieten zwei Schwestern ernstlich aneinander, als sie bei einem Fest hinter ihr gegenseitiges Geheimnis gekommen waren. Das heiße Blut mag ihnen den Gedanken eingegeben haben, miteinander um den Geliebten zu kämpfen. Sie forderten sich zum Zwei- kam Pf heraus, der in der Küche ihres Wohn­hauses ausgefochten wurde. Die beiden Duellan­tinnen richteten sich durch Messerstiche dabei gegenseitig derart zu, daß sie in lebensgefähr­lichem Zustande ins Krankenhaus geschafft werden mußten.

Oie Deiiprlane.

Freitaa,

lar

b

15

~$\orunj

- ?ss

>76/

rtamöfl. 'J q.

Io

V' 'r

>6

G woDtenfos Q neuer. O naiB oedecn ® wolKlg. O oedecn Reoei> sehnet aOraupem e"c6ti KQewn'/r .©windstille. se*

«eichte» Osi 0 nassioe» Südsüdwest stürmische- nordwest tie Piene fliegen mit dem winde Die do den Stationen stenenoen Zah­len gehen die Temperatur an. Oie Limen verenden Orte OKI gleiche« ut neeresmreau umccrecnneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Die Islandstörung Hat sich weiter vertieft und beträchtlich an Ausdehnung gewonnen, so daß sich ihre Südseite mit über Deutschland erstreckt. In­folgedessen kommt es zur Westströmung, welche zwar mildes Wetter verursacht, aber im ganzen eine leichte Abkühlung mit sich bringt. Dabei wechselt zeitweise Bewölkung mit Aufheiterung. Das Auftreten von Niederschlägen ist in unserem Bezirk wohl nur ver­einzelt und in geringer Menge zu erwarten.

Wettervoraussage für Sonntag: Bewölkt und aufheitemb, mild, keine ober nur vereinzelt geringe Riederschläge, westliche Winbe.

Witterungsaussichten f ü rM o n t a g: Langsame Abkühlung, vorwiegend trocken, teil- wolkig und teils auf heiternd.

Lufttemperaturen am 28. März: mittags 15 Grad Celsius; abends 6,8 Grad; am 29. März: morgens 5 Grad Celsius. Maximum 15 Grad, Minimum02, Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. März: abends 10,7 Grad; am 29. März: morgen» 5,2 Grad. Sonnenscheindauer 5% Stunden.