Einzelbild herunterladen

Nr. 252 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Dienstag, 28. Oktober 1950

er|d)tini logl'ch.autzei Sonntag» und Feiertag»

Btllaatn:

Vie Illustriert, Vtehenei FamilienblLttei

Heimat >m Bild Die Scholle

Monat» Bejugsorets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichter­scheinen etnzelnerNummern infolge höherer Gewalt.

Zenrsvrechanschlüfse anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnach­richten Snjtiger riestet».

Postscheckkonto:

Zrantsuri am Main 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vr»S und Verlag: vrühl'lche UnwersitülrGuch. und Stetnönidcrel R. Lange in «letzen. Sdjriftlelhmg und Seschäsirftelle: Schnlftratze r.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzoorschrift 20°/, mehr.

Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lang«: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Rieften.

Der Sieg der Revolution in Brasilien.

Oie wirtschafilichen Hintergründe.

Don (L. von Ungern-Sternberg.

Ebenso wie in Bolivien, Peru und Argen­tinien ist die Revolution auch in Brasilien sieg­reich gewesen. Generale haben die RegierungS- gewalt übernommen und die Diktatur verhängt. 3m Grunde hat sich aber wenig dadurch geändert, daß nun in Rio de Janeiro Generale und Admirale den Präsidenten Washington Lutz und Dr. Julio Prestes ver­drängt haben. Die Krisen in den südamerikani­schen Staaten sind dadurch nicht behoben und die Krankheitsherde nicht ausgemerzt worden. Die revolutionäre Regierung Brasiliens begann ihre Tätigkeit mit dem Verbrechen, den deutschen PassagierdampfcrBaden" unter Artillerie- feucr zu nehmen und mehrere Passagiere und Mitglieder der Besatzung zu töten. Es war eine Tat, die sich nicht durch die revolutionäre Psychose, durch die Rervosität und durch ein Versehen entschuldigen läßt, sie fordert ernste und vollständige Genugtuung, ausreichende Entschädigung und Bestrafung der Schuldigen, und zwar um so mehr, als sie in ihren Motiven unverständlich ist.

Den Anstoß zum Umsturz, aber nicht den wirk­lichen Grund, gab die akute Wirtschaftskrise, und zwar in erster Linie a u f dem Kaffee­markt. Obgleich der Staat Sao Paulo, d. h. das Zentrum der Kaffeeproduktion, nur etwa ein Dreißigstel der Gesamtfläche Brasiliens umschließt, so beherbergt er doch ein Fünftel der Gesamtbeoölke- rung und er entscheidet über die Export- und Kauf, kraft des Landes. Früher besaß Sao Paulo eine Weltmonopolstellung und deckte etwa ein Drit­tel des gesamten K a f f e e b e d a r f e s der Welt. Der Kurs des Milreis und die Kreditwirt- schakt Brasiliens hingen mit der Preisgestaltung des Kaffees eng zusammen, ein Schwanken und Sinken der Kaffeepreise bedingte nicht nur eine Labilität der Währung sondern auch der allgemeinen Der- hältnisse des Landes. Das Sinken der Kaffeepreise, das zuletzt nicht mehr aufgehalten werden konnte, bedrohte das wirtschaftliche Rückgrat Brasiliens und führte zu einer Währungskatastrophe. Seit 1923 hatte die Regierung versucht, dem Zusammen- bruch durch die sog. Kaffeeverteidigungspolitik vor- zubeugen, indem sie die überschüssigen Kaffeemengen auf kaufte, um die Lücken schlechter Fahres- ernten zu füllen, aber die Ueberproduktion hielt an, schließlich konnten von 25 Millionen Säcken nur 15 Millionen verkauft werden, die übrigen wurden verbrannt, um einem vollkommenen Preissturz vorzubeugen. Auch der Kautschuk und die Baumwolle, auf deren Anbau man große Hoff­nungen gesetzt hatte, verfielen der Krise und die übrigen Weltmarktprodukte Brasiliens (Häute, Ta­bak, Paranüsse usw.) gaben der Wirtschaft keine genügend feste Stütze. Dazu kam, daß auch die In­dustrie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Während des Weltkrieges Fjatte sich Brasilien mit nordamerikanischem Gelde eine umfangreiche Tex- tilindustrie geschaffen, die bald durch hohe Schutzzölle gestützt werden mußte Sie erwies sich aber als nicht lebensfähig. Arbeiter mußten ent­lassen werden Betriebsstockungen traten ein und zu den übrigen Leiden kam die Plage der Arbeitslosig­keit Unter der Wirtschaftskrise in Brasilien hatten nicht nur die Hauptinteressenten, die Bereinig­ten Staaten und England, die Milliarden in Brasilien investiert haben, sondern auch Deutsch­land schwer zu leiden. Die deutschen Kapitalan­lagen im Lande betragen 400 Millionen Mark und sind auf alle Wirtschaftszweige verteilt. Der deutsche Import, der während des Weltkrieges auf Rull ge­funden war, erreichte 1928 wieder seine Vorkriegs, hohe und zeigte eine steigende Tendenz. Die Revo- lution und die Wirren Der letzten Monate haben den deutschen Firmen schwere Verluste gebracht.

Die siegreiche Revolution steht nun den glei­chen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegenüber, wie die gestürzte Regierung des Dr. Washing­ton Luiz und Dr. Julio Prestes, sie kann kein Wunder vollbringen, die Kaffeepreise in die Höhe treiben und den Wohlstand wieder Herstellen. Das sind Dinge, die außerhalb ihrer Reichweite liegen, darum allein hätte sich die Revolution nicht ge­lohnt, und die Sieger von heute haben wohl auch kaum geglaubt, daß sie die Kraft und die Mög­lichkeiten dazu haben würden. Aber die allge­meine Llnrast und Unzufriedenheit kam ihnen zu­statten und tonnte von ihnen geschickt ausgenuht werden. Es ist in Südamerika leicht, die leitenden Staatsmänner persönlich zum Eündenbock für alle Mißerfolge und für die Leiden der Bevölkerung zu stempeln. Der Durchschnittsbrasilianer kennt sich in Fragen der Weltwirtschaft nicht aus, er begreift nicht, daß der Kaffee, der früher allen ein Wohlleben garantierte, von der Weltwirt- schaftskoniunktur abhängt, er mißt einfach dem Präsidenten und der Kaffeeverteidigungspolitik die Schuld an der gegenwärtigen Krise bei und läßt sich von ehrgeizigen Generälen und Politi­kern aufputschen.

Es kommt hinzu, daß in Südamerika jeder Revolution noch einBegriff von Romantik an­haftet, ja, dah eigentlich Revolutionen zum staat­lichen Werdegang gehören und dah man sich, seit etwa hundert Jahren daran gewöhnen muhte,

Die Bundeshauptstadt Rio de Janeiro.

a

den Präsidentensessel als eine Art von De­spotenthron zu betrachten. Man hat den südamerikanischen Staaten nach dem Muster der Vereinigten Staaten eine demokratische Ver­fassung wie eine Zwangsjacke angezogen, in die sich die Länder nur mühsam, oder gar nicht hin- einfanben. Die Eigenart der politischen Men­talität des Lateinamerikaners, die politische Hemmungslosigkeit der dünnen Oberschicht der Intelligenz, und das noch aus der Konquistado­renzeit stammende Vorherrschen desMili- t ä r s brachten es mit sich dah das persönliche, autokratische Regime eines einzelnen und seines Anhanges fast die Regel bilden, während die Bedeutung des Parlaments verblaht. Der Präsi­dent ist mit großen Machtbefugnissen ausgestattet, die er nach Gutdünken zu erweitern pflegt. Die Präsidentenwahlen bedeuten einen Macht­kampf zwischen zwei oder mehr Oligarchien, in dem alle Mittel erlaubt er­scheinen, angefangen vom Raub der Urnen und

der Fälschung der Wahlzettel bis zu Sequestration und Mord unbequemer Wähler.

Auch der gestürzte Präsident Dr. P re ste s war auf diese Art gewählt worden, und der Gegen­kandidat, der jetzige Führer der Revolution, Dr. Getulio Vargas, hatte nicht Anrecht, wenn er die Wahl beanstandete. Luiz und Prestes waren das Haupt der Sao Poulistaner Oligarchie, Daraas und sein Anhang vertreten Minas Geraes und den Süden. Ob Brasilien durch diesen Wechsel gewinnen wird, kann erst die Zukunft lehren. 3n der Regierung haben sich die Personen geändert,- das System dürfte aber dasselbe geblieben fein. Da Brasilien im Gegensatz zu den meisten spa­nisch-amerikanischen Ländern kein zentralistisch regiertes Land ist, sondern in Bundes st aa- t e n mit eigenen Präsidenten und Kammern zer­fällt, so ist es möglich, dah einige Staaten die neugebildete Zentralregierung in Rio de Janeiro nicht ohne weiteres anerkennen und ihrerseits die Revolution fortsetzen.

Land und Volk Brasiliens.

Ein Zlächenstaat von ungeahnten Ausmaßen, geringer Bevölkerungsdichte und großen wirtschaftlichen Mögt chkeiten.

Man muh bedenken, dah Brasilien 8*/2 Mil­lionen Quadratkilometer umfaßt, also fast einen Flächenraum bedeckt, der dem des ganzen Europa (10 Millionen Quadra t l^meter) g eichk)mmt und über das Siebzehnfache des Deut­schen Reiches (470C00 Quadratti ometer) aus­macht. Riesige, noch vielfach uuersLlossene Arwäl- der und Steppen bedecken einen großen Teil des Landes, der, wenn er kultiviert würde, noch viele Millionen Menschen ernähren könnte. Ganz Brasilien wird heute von nur 30 1 s Millio­nen Menschen bewohnt, zählt also noch nicht einmal halb soviel Einwohner wie Deutschland. Rur 3,6 Menschen kommen durchschnitt ich auf den Quadratkilometer, in Deutschland 135. Rur eine einzige Stadt Brasiliens wird von mehr als einer Million Menschen bewohnt, die Haupt­stadt Rio de Janeiro, die 1 835000 Ein­wohner hat.

Die Bevölkerung Brasiliens seht sich aus allen möglichen Rassen und Stämmen zusammen; Weißen, in der Mehrzahl Portugiesen, Spanier und Italiener, ferner Regern, Indianern und vie­len Mischlingen. Indianer gibt es in Brasilien noch etwa 2,5 Millionen. Die uns bekannte Ge­schichte Brasiliens reicht bis in das Jahr 1500 zurück, wo das Land von dem portugiesischen Seefahrer Pedro Alvarez E a b r a l entdeckt wurde. Im Jahre 1530 wurde das Gebiet por­tugiesische Kolonie und blieb es, bis aufs äufcerfte vom Mutterlande ausgebeutet, bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts. Erst 1822 schüttelte Brasil en die Herrschaft Portugals ab und wurde ein eigenes Kaiserreich. Don Pedro, der Sohn des Königs Johann VI. von Portu- gal wurde zum Kaiser ausgerufen, muhte aber schon 1831 zugunsten seines erst sechsjährigen Soh­nes abdanken. Auch unter Kaiser Pedro 11., der 1840 für mündig erklärt wurde, hörten die Auf­stände und Revolten nicht auf, bis endlich 1889 der Kaiser durch eine vom Marschall Fonseca geleitete M lüärrevclution gezwungen wurde, das Land zu verlassen. Brasilien wurde jetzt eine Bundesrepublik mit 22 Staaten und einem Bun­desterritorium, mit einem Präsidenten an der Spitze, der auf vier Jahre gewählt wird und die Exekutive ausübt, während die Gesetzgebung in den Händen eines Abgeordnetenhauses und eines Senats liegt.

Schon feit der Entdeckung Brasiliens hat das Deutschtum in der Entwicklung des Landes eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Bereits

im Jahre 1530 werden zwei Deutsche, Peter Rössel und Paul Werner, als Leiter einer Zuckersiederei in Sao Vincente im heutigen Staate Sao Paulo genannt. Auch später­hin waren stets viele Deutsche in Brasilien ansässig. Die Haupteinwanderung der Deutschen erfolgte aber erst zu Anfang des vorigen Jahr­hunderts. 1821 wurde in Rio de Janeiro die deutsche Gesellschaft Germania gegrüntet, die noch heute besteht. Hauptsächlich im Handel, im Straßenbau und im Binnenschisfahrtsverkehr wa­ren die Deutschen führend. Auch das Heerwesen stand unter deutschem Einfluß. Gras Wilhelm zur Lippe, General Joseph Böhm, Major vdn Schäffer, sind Rainen der damaligen Zeit, die auch heute noch in Brasilien einen guten Klang haben. Ganze Bataillone und Regi­menter bestanden aus Deutschen. Heute bevölkern Deutsche besonders die südlichen Staaten: Dlu- menau, Sao Leopoldo, Petropolis, Donna Fran- cisca sind fast rein deutsche Städte. Insgesamt wohnen etwa eine Million Deutsche im Lande.

Brasilien, ist auch heute noch ein Land von fast unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten. Zum weit­aus größten Teile außerordentlich fruchtbar, pro­duziert fein Boden fast alles, was es an Boden» Produkten gibt. Tabak, Kakao, Reis, Rohrzucker, Kautschuk, Häute, Wachs, Nutz, und Farbhölzer, Baumwolle, Früchte aller Art, Eisen und andere Mineralien werden in Massen exportiert: auch Gold und Edelsteine werden vielfach gefunden. Das Haupt­produkt des Landes ist aber, wie schon oben aus­geführt, der Kaffee.

3mmer noch Unruhen in Rio.

Vargas wird in Der Bundeshauptstadt erwartet.

Neuyork, 27. Ott (TU.) In Rio de Janeiro wird der Ausständischenführer im Süden Brasiliens Dargas erwartet, um die provisorische Präsi­dentschaft zu übernehmen. Dieser Beschluß der Militärjunta ist nicht nur auf die öffentliche Mei- nung zurückzuführen, ausschlaggebend mar vielmehr die Tatsache, daß Bargas mit einer gut aus­gerüsteten Heeresmacht von annähernd 30 000 Mann nach der Uebergabe der Bundestrup­pen seinen Vormarsch auf das Handelszentrum Sao Paulo fortsetzte. Er wäre jederzeit in der Lage gewesen, mit Militärgewalt seinen Willen durchzusetzen. Die neue Regierung wird vermutlich die Nachzählung der bei der letzten Präsiden­

tenwahl abgegebenen Stimmen anordnen. Falls, wie behauptet wird, Prestes durch betrügerische Manöver für gewählt erklärt worden ist, dürste die Amtseinführung seines Gegners Vargas ohne Neuwahl am 15. November erfolgen.

In Rio de Janeiro brachen erneut Unruhen aus. Sie begannen mit der Revolte eines Militär-Polizei-Regiments, welches tn die Zentralpolizeistation eindrang. Als die Unruhe zunahm, wurde Feuerwehr und Stadt­polizei aufgeboten, die die Aufrührer bekämpf­ten. Bewaffnete Bürger eilten zu Hilfe. Rach kurzer Zeit rückten dann reguläre Trup­pen im Eilschritt heran und warfen rasch um das Kriegsministerium, das Polizeiquartier und das Auswärtige Amt Barrikaden auf. wäh­rend Schützengräben in den Gärten längs der Guanabucht in der Rahe des Gloriahotels angelegt wurden. Militärflugzeuge kreisten über der Stadt und bombardierten die Kaserne des revoltierenden Polizeiregiments. Rach knapp zwei Stunden war die normale Lage wiederherge stellt.

Oer Kapitän derBaden" berichtet:

Alle Vorschriften sorgfältig ausgeführt.

Hamburg, 27. vkl. (TU.) vom Kapitän de» Dampfer»Baben Rodin ist der hamburg- Amerika-Linie folgendes Telegramm über die Beschießung zugegangen:

.Baben* auslausenb, alle Kriegsfahrzeuge und Forts durch Senken der Flagge grüßend, mit besonderer Aussahrterlaubnis des Hafenkapitäns versehen, vor Passieren des Fort» Santa Cruz Pfeisensignal gebend, wurde, nachdem bereits Insel Cotunduba passiert hatten, beschossen. Granatvoiltrefser, Hin­te r m ast über Bord. 26 lote und 43 verwun­dete. Barnen deutscher Passagiere bereits abgefandt. Zweck» provisorischer Reparatur und Ablegen Ver­klarung ist verbleiben bis Montagmittag erforder­lich.

Oie Untersuchung.

Ter FestungstonimanDant soll Befehle mißverstanden haben.

Berlin, 27. Oft. (WTB.) Die deutsche Ge­sandtschaft in Rio de Janeiro hat sofort nach Be­kanntwerden der Beschießung des HapagdampferS Baden" eine Untersuchung eingeleitet und zu diesem Zwecke eine deutsche Kommission an Bord des Dampfers geschickt. Zugleich hat sie sich mit den zuständigen brasilianischen Stellen in Verbindung gesetzt. Die brasilianischen Behör­den haben ohne weiteres zugesichert, alles zuy Aufklärung des Falles Rotwendige einzuleiten und schuldige Personen zur Rechen­schaft zu ziehen. Die Gesandtschaft ist an­gewiesen worden, auf Grund des sestzustellenden Sachverhalts angemessene Genugtuung und vollen Schadenersatz zu fordern.

Entgegen den Meldungen, die über Reuyork nach Deutschland gekommen sind, ist festzustellen, daß der Kapitän derBaden", Rol­li n, nicht verhaftet worden ist. Gr ist ständig auf freiem Fuß gewesen. Der Dampfer hat unter seiner Führung bereits die Aus­fahrt angetreten, nachdem die notwendige Reparatur ourchgeführt worden ist Wie Asso­ciated Preß berichtet, stellt das von der deutschen Gesandtschaft und vom Kapitän derBaden" ge­sammelte Beweismaterial ein Verschulden des Festungskommandanten sest, der den verhängnisvollen Schuß abgeben lieh. Diesem Offizier wird vorgeworfen, daß er die militäri­schen Besehle sowie die schriftlichen Instruktionen des Hafenkapitäns bezüglich der Regelung der Dampferausfahrten mißverstanden habe.

Em gutes Beispiel.

Tie Reichsregierung für die Einschränkung öffentlicher Festlichkeiten.

Berlin, 27.Oft (TU.) Amtlich. Bei der großen wirtschaftlichen Rot, mit der wei­teste kreise des deutschen Volkes zu kämpfen haben, muh jedes Ueber maß an Feiern und Vergnügungen vermieden werden. Aus diesem Grunde haben die Reichs- und die preußische Sloalsregierung beschlossen, Einladungen ge­sellschaftlicher Arl nur beim vorliegen von besonderen Anlässen Folge zu leisten und ihre eigenen gesellschaftlichen Veranstaltungen auf da» Mindestmaß dessen zu beschränken, was mit pflichtgemäßer Repräsentation vereinbar ist. Der Herr Reichspräsident hat diesen Beschluß ausdrücklich gutgeheißen Die Reichsregierung und die preußische Staatsreglerung richten ange­sichts des Ernstes der Zeit an ölte kreise die dringende Aufforderung, auch ihrerseits die gesell­schaftlichen Veranstaltungen einzuschränken und insbesondere von öffentlich en Fe st li ch­keiten möglich st abzusehen.

*

Frühere Reichsregierungen haben wiederholt den Versuch gemacht, die Flut der Festlichkeiten