„Da- Interesse am Volkslied ist durch die allgemeine Degeneration stark vermindert. Das Volk singt Schlager. Das echte Volkslied aber, das in der Tiefe der Volksseele eingesargt ruht, ist unsterblich und wird sich wieder zu neuem Leben aufschwingen, wenn dank einer besseren Einsicht der Zustand internationaler Versklavung erst von uns gewichen ist."
Professor Hugo Rüdel, Chormeister des
Derliner Lehrergesangvereins.
Diese betrübende, aber nicht hoffnungslose Feststellung des Chormeisters von Berlin und Bayreuth kennzeichnet unsere derzeitige Lage auf dem Gebiete der Volksmusik und mahnt dringlicher als schöne Reden alle verantwortlichen Stellen an ihre Pflicht ^zur Wiedererweckung und Pflege unsres unschätzbaren Kulturgutes, des deutschen Volksliedes. Aus dieser Erkenntnis heraus wuchs der Gedanke zur Einführung eines alljährlichen Liedertages durch den Deutschen Sängerbund.
Bereits vor mehreren Jahren trat der Hildesheimer Domorganist Th. Gronau mit einem entsprechenden Vorschlag hervor, der die Billigung des Vorstandes des DSV. gefunden und nun in die Tat umgeseht werden soll. Bestimmend war dabei die Erkenntnis, daß die Konzerttätigkeit unserer Vereine nur einen Teil ihrer Kulturarbeit darstellen darf, und daß es an der Zeit ist, die große Öffentlichkeit nicht nur für die Tätigkeit der Chorvereine zu interessieren, sondern vor allem der großen Masse des Volkes ihr Lied wiederzugeben, das Volkslied wieder unter das Volk zu bringen, jene unerschöpfliche Fundgrube deutschen Gemütes, in der sich die Volksseele treulich widerspiegelt. Es gilt, einen Damm zu errichten gegen die Lieberfremdung des Volksgesanges durch Schlager und Jazz, gegen die Geschmacksverirrung und seelische Verflachung unserer Zeit: Es gilt die Wiedergewinnung der deutschen Volksseele.
Im Hinblick auf diese Tatsachen hat der Vorstand des DSD. einen ersten allgemeinen Deutschen Liedertag auf den letzten Junifonntag angeordnet und darauf hingewiesen, daß aus den oben gekennzeichneten Gründen eigentlich nur das Volkslied zum Vortrag gebracht werden sollte, das in seiner Schönheit und schlichten Innigkeit seiner Wirkung auf die Zuhörer nicht verfehlen dürfte. Denn Text und Melodie sind gleich tief im Volksleben verwurzelt. Allerdings
landlied (dritte Strophe), gemeinschaftlich gesungen mit Musikbegleitung. 12. Böllerschießen.
Während dieser Kundgebung findet eine Rheinuferbeleuchtung sowie Beleuchtung der Straßenbrücke statt. Die Befreiungskundgebung wird durch Lautsprecher übertragen. Ebenso durch den Rundfunk.
Am Dienstag, 1. Juli, vormittags: Anläßlich des Defreiungstages Gottesdienste in den verschiedenen Kirchen der Stadt. 7.30 älhr Konzert im Stadtpark. Rachmittags: Platzkonzerte auf dem Schillerplah und in der Kaiserstrahe. 18 älhr Konzert im Stadtvark. 19.30 Uhr: Festvorstellung »Wilhelm Teil ' im Stadttheater. 20 Uhr: Konzert in der Stadthalle. 21 älhr: Konzert im Stadtpark. 21.45 älhr: Fackelzug der Mainzer Verbände und Vereine.
Anläßlich der Defreiungsfeier in Mainz in der Rächt vom 30. Juni auf 1. Juli wird die Reichsbahndirektion Mainz u. a. einen Verwaltungssonderzug einlegen: Mainz—Frankfurt a. M.: Mainz Hbf. ab 3.05, Mainz-Süd ab 3.11, Frankfurt Hbf. an 4.11. Fahrkarten des öffentlichen Verkehrs haben Gültigkeit. Für die Fahrt nach Mainz werden die fahrplanmäßigen Züge ausreichend verstärkt.
Zum Zahresfest des Verbandes oberhessischer Posaunenchöre.
Am morgigen Sonntag feiert der Verband der ob erh essisch en Posaunenchöre sein 25jähriges Jubiläum. Es war in den ersten Tagen des Oktobers 1905, als auf Anregung von Pfarrer Kalbhenn (der ja mit der Posaunenchorsache eng verbunden ist; sein Ober-Mockstädter Posaunenchor war in ganz Hessen bekannt) in Friedberg die Chöre von Friedberg, Holzheim, Klein-Linden, Lang-Göns und Ober-Mockstadt zusammenkamen. Allen denen, die damals an dem kleinen ersten Fest teilnahmen, wird dieser Tag unvergeßlich bleiben. Man trennte sich damals mit dem Wunsche, in jedem Jahre sich zu gemeinsamem Feste zu treffen, um sich durch gegenseitige Anregung zu fördern.
Schon drei Monate später, am 21. Januar 1906, schritt man unter der Führung von Professor Wüster und Pfarrer Kalbhenn zur Gründung des Verbandes oberhessischer Posaunenchöre. Der oberste Grundsatz dieses Verbandes war und ist: „Die Chöre in Oberhessen zu verbinden zur Pflege geistlicher Musik. Der Vorstand setzte sich damals zusammen aus dem verstorbenen Pfarrer Weber, Lang-Göns, Pfarrer Kalbhenn, damals Ober-Mockstadt — durch seinen Weggang von dort verlor er den Zusammenhang mit der Posaunenchorsache und schied daher aus; mit seinem bekannten Quartett dient er noch heute der Pflege der kirchlichen Musik—, und Hern Doller, Lang-Göns, der noch dem Vorstand des Verbandes angehört.
Rachdem nun dem Ganzen eine Dasis gegeben war, schritt man mutig ans Werk. Dadurch, das; in unermüdlichem Fleiß sowohl Pfarrer Kalbhenn wie Herr Doller keine Mühe und kein Geld scheuten, ging es mit dem Verband rasch aufwärts. Die genannten Herren halsen den neu entstehenden Chören durch Deraten, persönliche Besuche und Instruktionen.
Im Jahre 1914 zählte der Verband bereits 20 Chöre. In den neu gegründeten Vereinen hat fast überall Pfarrer Kalbhenn die ersten Üebungsstunden geleitet.
Natürlich waren Enttäuschungen nicht selten. Kriegszeit und Nachkriegszeit legte manchen Verein ganz still. Aber ein bestimmter Stamm blieb, und zu diesem gehören vor allem der Klein-Lindener Chor mit einem schon über 70jährigen Bestehen, und der Lang-Gönser Chor, der vor kurzem sein 40jähriges Jubiläum feierte.
So steht der Verband heute fest da, und alle, die ihm nahe stehen und seine hohe Aufgabe kennen, wünschen der Posaunenchorsache ein weiteres Blühen und Gedeihen,
WennSi Siewüßt, (“nd nid, tiditzue Mi wir 8pS@Li Hetzen
muß großer Wert auf seinen Vortrag gelegt werden, der, um charakteristisch zu wirken, nicht leicht ist. Denn das Volkslied ist außerordentlich originell.
So wird es Aufgabe unserer Chorvereine sein, ihren Stolz dareinzusetzen. Wegbereiter des Volksliedes sein zu dürfen, und es muß sie ein erhebendes Gefühl durchwehen, wenn zur selben Stunde im kleinsten Dörfchen wie in der geschäftigen. hastenden Großstadt die lieben, alten Weisen erklingen. Ja, weit über die Reichsgrenzen hinaus, überall da, wo Deutsche wohnen, werden an diesem Tage auch die Vereine des Auslandes, die in der Ferne den Heimatgedanken hochhalten, ihre deutschen Volkslieder ertönen lassen. Kann es einen schöneren, überzeugenderen Beweis von der Gemeinschaft bildender Kraft des deutschen Liedes geben, wenn deutsche Brüder im weiten Osten Asiens, in Afrika, in Amerika und bis hin im fernen Australien in gleicher Hingabe mit den Brüdern der Heimat sich im Geiste grüßen im Liede? älnd es ist zu hoffen, daß der Rundfunk sich in den Dienst des schönen Gedankens stellt.
Aber noch ein weiteres will der DSB. mit diesem Liedertag verbinden. In diesem Jahre werden es 700 Jahre, daß der Mund des ersten großen deutschen Minnesängers verstummte: Walthers von der Vogelweide. Dieser Tatsache sollen vor allem die führenden und berufenen Vereine durch entsprechende Gestaltung ihres Liedertages gerecht werden, einmal dadurch, daß sitz Lieder dieses Meisters in ihre Dortragsfolge aufnehmen, und andrerseits auch durch kurze Würdigung seiner Person in einer Ansprache gedenken. Endlich wird angeregt, das Andenken an diesen Sänger deutschen Wesens durch Errichtung einfacher Gedenksteine wachzuhalten.
Für größere Orte und Städte ist der Liedertag so gedacht, daß die vielen Vereine nicht etwa in Massenchören, sondern vielmehr einzeln an möglichst vielen Plätzen der Stadt ihre Lieder erklingen lassen und so recht viele Herzen zum Mitschwingen bringen.
So stellt der erste Deutsche Liedertag in seinen gewaltigen Ausmaßen eine Neuerung dar. die von der Sängerschaft freudig begrüßt werden dürfte. Darum ans WerkI Steht nicht abseits, wo es gilt, dem Volke seine Seele wiederzugeben! Erquickt euch und andere an dem göttlichen Funken, mit dem der Himmel die dunlle Erde erhellte!
Zum Deutschen Liedertag -1930.
Don (Lhormeister Karl Zoll, Alsfeld.
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Das Schiffenberg-Zubiläum.
Von dem Presse-Ausschuß für das Schiffenberg-Fest wird uns geschrieben:
Im heutigen Anzeigenteil wird das Programm zu der 800-Jahrfeier auf dem Schiffenberg veröffentlicht. G^ichzeitigwird in der Anzeige bekanntgegeben, wo die Eintrittskarten zu beziehen sind und welche Eintrittspreise festgesetzt wurden. Hm den Besuch des bedeutungsvollen Heimatfestes allen Devölkerungskreisen von Stadt und Land zu ermöglichen, wurden die Eintrittspreise auf 50 Pfennig für Erwachsene und 25 Pfennig für Kinder unter 14 Jahren bestimmt. Im Vorverkauf, der vom nächsten Mittwoch bis einschließlich Samstag im Gange ist, kosten die Karten 40, bzw. 20 Pfennig. Diese Eintrittspreise werden nur für die Hauptfeier am Sonntag, 6. Juli, erhoben. Für die Veranstaltungen am Vorabend, S a m s ta g, 5. Juli, (Enthüllung der Riehl-Gedenktafel und Kommers) wird ein Eintrittsgeld nicht erhoben. Um an dem Haupttage, 6. Juli, die Abwickelung des Publikumsverkehrs am Eingang zum Schiffenberg zu erleichtern, wird empfohlen, die Eintrittskarten möglichst schon im Vorverkauf zu beziehen.
Die Aufführung des großen Schiffenberg- F e st s p i e l s am Sonntag, 6. Juli, pünktlich 15 Uhr, findet auf einer Freibühne statt, die Texte des Festspiels werden durch drei große Lautsprecher nach allen Winkeln des Schis- fenbergs hin deutlich verständlich gemacht. Man kann also nicht nur die Abwickelung des Spiels gut beobachten, sondern auch die Worte der Darsteller in allen Teilen deutlich verstehen, so daß der Besucher einen ungetrübten Genuß von dem Festspiel haben wird.
Bornotizen.
— Tageskalender für Samstag. Gießener Rudergesellschaft 1877 e. V: 25. Ruderregatta, Beginn 15.30 Uhr. — Ächtspielhaus, Bahnhofstraße: Tonfilm „Das Rheinlandmädel".
— Tageskalender für Sonntag. Gießener Rudergesellschaft 1877 e.D.: 25. Ruder- regatta, Beginn 7.30 Uhr vormittags. — Ober- hessischer Posaunenchorverband: Posaunenfest, Missionsgottesdienst 15 Uhr auf der Waldbühne. — Theologische Fakultät: Akademischer Festakt anläßlich der Augustana-sZubelfeier 1930 11.30 Uhr in der Reuen Aula der Universität. -- Kavallerieverein Gießen: Sommerfest auf der Bergschenke, 15 Uhr. — Evangelischer Arbeiterverein: Familientag auf dem Schiffenberg. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tonfilm „Das RHÄnlandmädel".
— Stadttheater Gießen. Die Intendanz macht nochmals darauf aufmerksam, daß die am Montag für die Gießener Militärvereine stattfindende geschlossene Vorstellung von Angermayers „Flieg, roter Adler von Tirol" bereits um 19.35 Uhr beginnt, um den Theaterbesuchern auch die Teil- nähme am Zapfenstreich der Militärkapelle zu ermöglichen. Wie in den Vorjahren hat die Intendanz sich auch in diesem Sommer entschlossen, Vorstellungen auf der Waldbühne zu veranstalten. In Erwägung gezogen sind „Katharina Knie" von Zuck- mayer und „Liebesleid und Liebeslust" von Shakespeare.
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L.U. Reue Ehrendoktoren der Theologie. Von der Pressestelle der Landes-Universität Gießen wird mitgeteilt: Der ordentliche Professor für Alttestamentliche Wissenschaft Dr. phil. Wilhelm Rudolph wurde von der Theologischen Fakultät der Universität Tübingen ehrenhalber zum Doktor der Theologie ernannt. — Die Theologische Fakultät unserer Landesuniversität hat den ordentlichen Professor für Praktische Theologie an der Universität Tübingen Dr. Karl F e z e r ehrenhalber zum Doktor der Theologie promoviert.
L.U. Venia legendi. Von der Pressestelle der LandeSuniversität Gießen wird mitgeteilt:
Dem Assistenten am Pharmakologischen Institut unserer Universität Dr. Oskar Eichler wurde die venia legendi für das Fach Her Pharmakologie und Toxikologie bei der Medizinischen Fakultät erteilt.
** Der große Zapfenstreich unserer Garnison. Der Weg des Zapfenstreiches des 1. (Hess.) Ball., 15. J.°R., am Montag, 30. d. M.. 22 Uhr, wird wie folgt geändert: Abmarsch: Kaserne. Sicher Straße. Ludwigsplatz. Südanlage, Westanlage, Bahnhofstraße. Kaplansgasse, Kreuz- platz, Sonnenstraße. Schulstraße. Markt, Kirchenplatz. Walltorstraße. Rordanlage, Landgrafen- straße, Landgraf-Philipp-Platz, wo um 22.30 Uhr der „Große Zapfenstreich" stattfindet. Musikfolge: 1. Musik: „Armeemarsch l.c. „Der Hohenfriedberger"; 2. Spielleute und Musik: „Armeemarsch 2, Rr. 240, „Preußens Gloria" von G. Piefke; 3. Zwei Stücke aus „Siegurd Jersalfar" a) „Rordlandvolk", b) Königslied" von E. Grieg; 4. „Fackeltanz Rr. 1 in lls-Dur" von G. Meyer- beer; 5. „Kreuzritter-Fanfare" für Heroldtrompeten und Kesselpauken von R. Henrion; 6. „Der große Zapfenstreich der Infanterie und Kavallerie", a) 1., 2. und 3. Post, b) das Gebet, c) Ruf nach dem Gebet, d) das Deutschlandlied (erste Strophe). — Rückmarsch: Landgrafenstrahe. Rordanlage, Moltkestrahe, Kaiserallee, Kaserne.
** Kundgebung gegen die K riegs- s ch u l d l ü g e. Die Studentenschaft der Landesuniversität Gießen veranstaltet am morgigen Sonntag, 29. d. M., 20 Uhr, im Cafe Leib eine öffentliche Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge. Referent Koffka (Berlin) wird über das Thema „Pazifismus oderAufrüstung?" sprechen. Man beachte die Einladung im heutigen Anzeigenteil.
Sperrung einer Lahn st recke. Auf Anordnung des Kreisamts wird die Lahn vom Felsen abwärts bis zum Wehr am 28. und 29. Juni in der Zeit von 7.30 bis 11 Uhr vov- inittags und 15 bis 17.30 Uhr nachmittags für alle Boote und Personen, die nicht an der Durchführung der in der gleichen Zeit stattfin- b enteil Regatta beteiligt sind, gesperrt.
** Erstaufführung am Gießener Stadttheater. Am Dienstag, 1. Juli, findet die Erstaufführung „Ich habe keine Zeit ..." von Earl Rößler im Stadttheater Gießen statt. Dieses Lustspiel, das am 25. Juni durch das Stadttheater Gießen in Bad-Rauheim (Kurtheater) uraufgeführt wurde, hatte in der ganzen deutschen Presse einen starken Aufführungserfolg. Die Spielleitung, sowie das Ensemblespiel der Gießener Bühne wurden außerordentlich gelobt und ihnen vor allem der Erfolg zugeschrieben. Das Stück, das nach einer Idee des bekannten verstorbenen Schriftstellers und Journalisten S l i n g , vom Autor der „Fünf Frankfurter", verfaßt wurde, behandelt ein ganz modernes Thema. Spielleitung hat Oberspielleiter Hans Ian« n e r t; Dekorationen: Karl Löffler. Die Hauptdarsteller find die Damen Heß, Mewes, Koch, Schubert und die Herren Arzdorf, Hais, Hub, Ritter, Volck, Wefener.
ee Oberhessischer Kun st verein. Die derzeitige Ausstellung, welche Oelgemälde von H. Will, Gießen, landschaftliche Aquarelle einer Mannheimer Künstlergruppe, Radierungen von H. Haberl, München, und Scherenschnitte von H. Küchel. Gießen, enthält, ist nur noch bis einschließlich Sonntag, 6. Juli, und zwar Sonntags und Mittwochs von 11 bis 13 Uhr, Montags, Mittwochs und Freitags von 17 bis 19 Uhr geöffnet.
* Hermann - Löns - Gedächtnisfeier. Anläßlich der Defreiungsfeiem am Rhein findet am kommenden Montag und Dienstag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße eine Hermann- Löns-Gedächtnisfeier statt. Karl Blume, der Komponist vieler Löns-Lieder, wird bei den Aufführungen Mitwirken; er spricht über das Leben und Schaffen des berühmten Heidedichters, der 1914 als Kriegsfreiwilliger im Westen gefallen ist, und singt Löns-Lieder zur Laute; außerdem wird ein Heidefilm gezeigt werden, der bemerkenswerte Raturaufnahmen und schöne Bilder bringt. Die Vorstellungen beginnen am Montag um 16 und 20 Uhr (wegen des Zapfenstreiches der hiesigen Garnison), am Dienstag um 16 und 20.30 Uhr. Der Film, der bereits in vielen deutschen Städten mit großem Erfolg gelaufen ist. dürfte auch in Gießen regem Interesse begegnen. (Räheres in der heutigen Anzeige.)
** Vom Botanischen Garten. In den allernächsten Tagen wird die „Königin der Rächt" ihre Blüten erschließen — vielleicht schon heute, Samstagabend. In diesem Falle wird abends der Botanische Garten um 20 Uhr geöffnet werden. Auf das Blühen der „Königin ter Rächt" wird abends am Garteneingang der Senckenbergstraße durch ein Plakat aufmerksam gemacht werten.
** Viehmärkte in Gießen. Am Dienstag, I.Juli, findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt; sämtliches Vieh ist gegen Maul- und Klauen- feuche schutzgeimpft. Der nächste Schweinemarkt findet am 16. Juli statt. (Näheres in der heutigen Bekanntmachung.)
** Die Fuhrwerkswaage am Neu- städter Tor wird am 1. Juli außer Betrieb gefetzt. Mit dem gleichen Tage wird die neue Fuhrwerkswaage, Gabelsbergerftraße 3 — nächst der Bahnunterführung nach der Hammstraße — in Betrieb genommen. (Vgl. die Bekanntmachung tm heutigen Anzeigenteil.)
** D ie dritte Zuchtviehversteige- r u n g des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen findet am Montag, 14. Juli, in Alsfeld statt. Gemeldet sind etwa 30 Fleckviehbullen und 6 Eber der veredelten Landschweinrasse. Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiefen.
** Vom Flugplatz. Das Flugzeug D 1172, Type Raka Schwalbe, mit dem Piloten Kars und Diedrichs, ist von Krefeld auf dem Flugplatz ein» getroffen und wird dauernd stationiert bleiben. Hierdurch ist täglich Gelegenheit zu Rundflügen über Gießen und die nähere Umgebung gegeben. Am Sonntag werden die Piloten Schauflüge, unter unterem auch ein Ballonrammen, bei freiem Eintritt veranstalten. (Näheres in der heutigen Anzeige.)
•• Heimatvereinigung Schiffenberg. Die Heimatvereinigung „Schiffenberg" hielt am Freitagabend im Hotel Köhler eine Mitgliederversammlung ab. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand die am 5. und 6. Juli statt- findende 800-Jahrfeier. Der Vorsitzende Forstrat Ri ko laus berichtete über die bis jetzt getroffenen umfangreichen Vorbereitungen. Aus diesen Ausführungen und der sich anschließenden Aussprache ging hervor, daß die einzelnen AuS-^ schüsse bereits eine außerordentlich rege Tättg- keit entfaltet haben, um eine würdige Durchführung des Festes zu gewährleisten. Insbesondere sind weitgehende Maßnahmen getroffen, um den bei günstiger Witterung zu erto arten* ten Massenverkehr zu regel».
mich einem Mast der elektrischen Hochleitung; da steht angeschrieben: „Hochspannung Vorsicht Lebensgefahr". Wenn wir die Vorsicht streichen, wird jemand weniger vorsichtia sein, da er weiß, daß ihm Lebensgefahr droht? — An dem Steg über die ober- hessische Bohn steht rechts eine Tafel: „Radfahren verboten". Nur zwei Worte, sehr vernünftig, denn jedermann weiß, daß sich das Verbot nur auf den Steg beziehen kann. Dem gegenüber aber eine zweite Tafel, die fünf Zeilen umfaßt und natürlich von niemand gelesen wird: „das Befahren dieser Fußgängerbrücke mit Wagen von mehr als 85 cm größter Breite ist verboten. Palizeidirektion". Besser ganz einfach: „Für Wagen von mehr als 85 cm größter Breite verboten".
Aber auch Teile von Wörtern können ohne Nachteil erspart werden. Irgendwo ist hier zu lesen: „der Eintritt zu den Werkstättenräumen ist untersagt". Werkstättenräume: ein wundervolles Wort; es hot fünf Silben und füllt so schön den Mund. Aber bequemer wäre es doch, wenn man ihn bloß zu drei Silben aufmachen müsse: „der Eintritt zu den Werkstätten ist untersagt". — Es gibt hier „Gartenbaubetriebe"; weshalb so geschwollen? Täten es „Gärtnereien" nicht auch? — Krankenhäuser teilen mit, daß der Besuch bei allen Kranken" nur zu bestimmten Zeiten gestattet sei. Weshalb nicht einfacher: „bei den Kranken"? ober noch besser: „bei Kranken". Zudem könnte ein spitzfindiger Kopf vielleicht sagen: die Vorschrift gilt nur für Besuche bei allen Kranken; ich will aber nur einen einzelnen besuchen.
Eine übertriebene Sparsamkeit ist es, wenn man Teile eines zusammengesetzten Wortes nach englischer Sitte unverbunden nebeneinander schreibt, statt sie durch den Bindestrich zu oertnüpfen (z. B. Privat Handelsschule). Es ist ja unter Umständen von Vorteil zu wissen, ob eine Gruppe von Lauten ein oder mehrere Wörter darstellt. Da hatte vor einer Reihe von Jahren jemand telegraphisch einen Hasen bestellt „mit dem Zwei-Uhr-Zug". Der „Zwei- Uhr-Zug" wurde dem Aufgeber mit. zwei Wörtern berechnet. Später entdeckte die Poft, daß vielmehr der Preis für drei Wörter zu entrichten gewesen wäre. Es kam zur gerichtlichen Verhandlung; die Sachverständigen stellten fest, daß Zwei-Uhr-Zug ein Wort sei; von einer Nachforderung konnte also keine Rede sein, die Post mußte noch herauszahlen. Aber auch wenn der Bindestrich da ist, kann er Anlaß von Beanstandungen geben: eine Stehbier— Halle ist nicht eine Halle für Stehbier, sondern eine Steh-Bierhalle, eine Bierhalle, wo man steht. Seltsam ist die Ersparung eines —en, wenn eine Bekanntmachung sagt, daß das Kirchnotgeld noch bis Ende Mai ohne Kosten entrichtet werden könne. Der das sagt, ist der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Gießen, der jedenfalls auch von Kirchensteuern sprechen würde. Der Kirchplatz, die Kirchgasse kann nicht als Stütze für das Fehlen des —en angerufen werden, denn diese Wörter sind in älterer Zeit gebildet, und jede Zeit hat ihre eigenen sprachlichen Bildungsgesetze.
Der Mensch ist nicht geboren, logisch zu denken, hat ein hervorragender Mathematiker einmal gesagt. Das scheint zu gelten von dem Verfasser eines Angebots, wonach er Kinder- und Säuglingskrankheiten behandeln will. Man sollte denken, daß Säuglinge auch Kinder sind. Etwas weniger bedenklich ist es, wenn hiesige Geschäfte Papier- und Bureaubedarf anzeigen; zum Bureaubedarf gehören ja auch Papiere. Und niemand nimmt Anstoß daran, wenn wir erzählen, daß unsere Kinder teils ins Gymnasium, teils ins Realgymnasium gehen, obwohl die beiden Bezeichnungen logisch nicht gleich geordnet sind, obwohl man nach den Gesetzen der deutschen Wortbildung glauben sollte, Realgymnasium sei eine Unterart des Gymnasiums, wie Volksschule eine Unterart der Schule ist, Schützenhaus eine Unterart des Hauses. Man spricht von Fahrrädern und Motorrädern, obwohl Motorräder auch Räder zum Fahren sind.
Zum Schluß eine Bemerkung über unsere Firmen- . schilder. Die Firma enthält nicht selten zwei Namen, öfters solche von ungleicher Länge. Dann steht über- wiegend der kürzere Name an erster Stelle: Lang & Wiederstein, Rausch & Holler, Sack & Jughardt, Schade & Füllgrabe, Schunk & Ebe; seltener ist es umgekehrt: Günther & Weiß,' Helmold & Plank, Meyerhofs & Goslar. Aber nur das erste Verfahren entspricht dem allgemeinen Sprachgefühl, dem weitverbreiteten rhythmischen Empfinden: nicht nur im Deutschen, auch im Griechischen und Lateinischen, so- gar im Assyrisch-Babylonischen gilt das Gesetz, daß längere Glieder der Rede hinter kürzere treten. Es heißt ja auch: Gas- und Wasserwerk, nicht Wasser- und Gaswerk.
Flaggen und Läuten am 1. Juli.
Berlin, 27. 3uni. (IB2B.) Aus Anlaß der Befreiung der rheinischen Lande flaggen am 1.3uli im ganzen Reiche alle Behörden und Stellen des Reiches, der Länder und der Gemeinten. Außerdem werden von 12 bis 13 Uhr die Kirchen aller Konfessionen ein feierliches Gelaule anstimmen.
Die Befreiungsfeiern in Mainz.
Am Montag, 30. Juni, sind von der Stadt Mainz aus Anlaß der Rheinlandbefreiung folgende Veranstaltungen vorgesehen. Nachdem die letzten französischen Truppen im Laufe dieses Tages die Stadt Mainz verlassen haben, wird um 17 Uhr pünktlich die deutsche Reichssahne auf den Gebäuden wie Zitadelle, Schloß, Zeughaus, Gouver- nement usw. gehißt. Gleichzeitig legt die Stadt allgemein Fahnenschmuck an. Zu demselben Zeitpunkt rückt, von Mainz kommend, die Schutzpolizei mit Musik in Mainz ein und nimmt folgenden Weg: Große Weiche, Neubrunnenplatz, Neubrunnenstraße, Kaiserstraße, Schottstraße, Bahnhofsplatz, Bahnhofstraße, Münsterplatz, Schillerstraße, Schillerplatz, Ludwigstraße, Höschen, Schösserstraße, Leichhoss, Augustinerstraße, Holzstraße, Rheinstraße, Halleplatz.
Um 19.30 Uhr ist die F e st v o r st e 11 u n g „Fidelio" im Mainzer Stadttheater. Hieran anschließend Illuminierung der Stadt, Anstrahlung der Kirchen und Gebäude.
Um 24 Uhr: Große Besreiungskund- ge b u n g unter freiem Himmel auf dem Halleplatz. Vortragssolge: 1. 5 Minuten andauerndes Glocken- geläute von sämtlichen Kirchen von Groß-Mainz. 2. „Großer Gott wir loben dich" (eine Strophe), gemeinschaftliches Lied mit Musikbegleitung. 3. „Deutsch der Rhein" von Hansen, gesungen von den vereinigten Sängern von Groß-Mainz. 4. Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Külb. 5. Hochziehen der deutschen Reichsfahne auf dem Stadthalleplatz. 6. Deutschlandlied, gemeinschaftlich gesungen mit Musikbegleitung. 7. Ansprache des Staatspräsidenten Dr. Ade 1 ung. 8. Ansprache des Reichsministers Dr. Wirth. 9. „Frühling am Rhein" von Breu, gesungen von den vereinigten Sängern von Groß- Mainz. 10. „Largo" von Händel, gespielt von den vereinigten Musikern von Groß-Mainz. 11, Deutsch-
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