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Oer Dreizehnte.

Roman von Anny von panhuys.

Copyright 1929 by Verlag Bechthold Braunschweig 13. Fortsetzung Nachdruck verboten

Hans Felsen fand Eva in diesen Tagen sehr bläh und still.

Gr drang in sie: »Was fehlt dir. Gvalein? Ich mache mir deinetwegen Sorgen I"

Da nahm sie sich zusammen. Denn es war doch nicht möglich, ihm zu sagen, daß sie sich fürch­tete vor ein paar Zeilen, von der Hand eines Mannes, der sie nichts, aber auch gar nichts kümmern durfte.

Am sechsten Tage, nachdem ihr Dries abge­gangen, erwartet« sie eine Antwort aus Spanien, die Angelegenheit würde Primo Duero doch wohl wichtig sein, nahm sie an.

Am fünften Tage, nachmittag«, brachte ihr ein Dole einen Brief ins Geschäft.

Sie sah nur die Anschrift und eS ging ihr wie ein elektrischer Schlag durch ihren Körper. Der Dries war von Primo Duero, und, da der Um­schlag den Aufdruck eines hiesigen großen Hotels trug, muhte er selbst nach Derlin gekommen sein.

Ähr Ehef war nicht im Derkaufsraum, als sie den Drief empfing, und die beiden Verkäufer un­terhielten sich angeregt, achteten gar nicht auf sie. So las sie denn hastig den Drief. Er war in spanischer Sprache geschrieben und sehr kurz.

»Ich bin mit dem Flugzeug gekommen", schrieb Primo Duero, und es ging mir noch zu lang­sam. Seit ich Ähre Nachricht erhalten, für die ich Ähnen herzlich danke, fiebere ich, zu erfah­ren, ob es sich wirklich um die betreffenden Steine handelt. Denn sind sie es. dann darf ich doch! wieder hoffen, den Mörder meines Vaters zu finden. Geben Sie mir bitte, Nachricht, wo und wann ich Sie recht bald sprechen darf."

Eva besann sich nicht lange. Sie hatte wäh­rend des Tages für Unterredungen doch wenig Zeit. Am einfachsten war es, noch heute abend in seinem Hotel nach Primo Duero zu fragen und einen Zug später nach Hause zu fahren. Das Hotel lag in der Königgrätzer Straß«, während das Geschäft von Albert Goldener sich in der Leip­ziger Straße befand. Es gab also keine zeit­raubenden Entfernungsschwierigkciten. Als Eva vor dem Hotel stand, rief sie sich noch einmal zur Ordnung. Sie war Hans Felsens Draut und Primo Duero der Mann einer anderen.

Vielleicht war es auch nur Einbildung, daß sie glaubte, für Primo Duero Liebe zu empfinden, vielleicht schwand die Einbildung sofort, wenn sie ihn vor sich sah.

Sie betrat hastig das Hotel und wandte sich an den Portier. Ein Hotelpage stand in der Nähe und horchte bei Evas Frage auf. mischte sich ein.

Der Herr, den Sie meinen, sitzt dort drüben vor dem Aufzug, er läßt mich alle paar Minu­ten nachfragen, ob kein Drief oder eine Telephon­nachricht für ihn gekommen ist.

Eva dankte und schaute in der Richtung, in die eine leichte Kopfbewegung des jungenKerl- chens deutete.

Lind da erblickte sie Primo Duero. Erkannte ihn sofort, wie er sic erkannte, als er nun herfah.

Er sprang auf, eilte ihr entgegen und drückte ihre Rechte mit impulsivster, heftiger Freude.

»Wie danke ich Ähnen für den Drief, Sennorita, es war lieb von Ihnen, mir Ähre Vermutung mitzuteilen. Vielleicht findet sich nun die Spur, die bisher vergebens gesucht wurde."

Er sah sie fragend an. »Äch hoffe. Eie haben ein wenig Zeit. Wir könnten uns dann im Hotel- Cafö. in einer stillen Ecke unterhalten von dem, was mich so brennend interessiert, daß es mich hergejagt hat."

Sie antwortete ihm:Äch habe eine Stunde Zeit, dann muß ich fort, sonst erreiche ich meinen Zug nach Hause nicht mehr."

Er geleitete sie und plauderte dabei:Äch wußte ja aus Ihrem Schreiben, wo Sie tagsüber hier in Derlin tätig sind, da hielt ich eS für geraten, Ähnen ein paar harmlose Zeilen ins Geschäft schreiben, um Sie schnellstens zu erreichen. Äch bin ja aufs äußerste gespannt, was Sie mir mitteilen werden."

Sie nahmen an einem abseits stehenden Tisch des Cafes Platz, und Eva setzte ihr kappenartiges Hütchen ab. Ähr wcichgclocktcs Dlondhaar war nun freigegeben, und des Spaniers Dlick ruhte fast mehrere Sekunden darauf wie versunken.

Er dachte, Eva Hirtberg war noch genau so reizvoll wie damals in Barcelona, und er fand es fast befremdend, daß sie noch unverheiratet war.

Er sagte aus diesem Gedanken heraus:Wenn ich zuweilen an Sie dachte, habe ich Sie mir immer mit dem Ehering am Finger vorgestellt."

Sie erwiderte rasch:Äch bin verlobt seit ein paar Tagen, wenn auch noch nicht öffentlich, und wir werden bald heiraten."

Dann wünsche ich Ähnen Glück, recht herzlich Glück, Sennorita."

Erst nach einer kleinen Pause sagte er eS, denn es war ihm gewesen, als hätte er die Mitteilung schwer hinunterschlucken müssen. Lind es ging ihn doch gar nichts an, dachte er.

Eva aber war froh, sich gleich zu HanS Felsen bekannt zu haben. Damit hatte sie ihrem eigenen törichten Empfinden ein für allemal einen Riegel vorgeschoben.

ei« begann hastig zu erzählen. Don dem Be­such der blonden, eleganten Dame im Geschäft Albert Goldeners, die ihm erst «inen, dann einen zweiten Brillanten verkaufte, die den beiden blauen Brillanten, die für die Gattin des Mar­ques de Palma bestimmt gewesen und geraubt wurden, überraschend glichen. Die Verkäuferin sollte eine italienische Prinzessin Montirossi sein, eine Witwe. Die Steine waren nun eilig als Ohr­gehänge für die Draut deS Fürsten Därburg in eine ganz moderne Form gefaßt worden und wür­den ein paar Tage lang in einem der Schaufenster ausgestellt werden. Schon ab morgen vormittag.

Primo Duero hatte aufmerksam zugehört und sagte lebhaft:Dann bin ich ja gerade zur rechten

Zeit gekommen! Äm Schaufenster kann ich mir die Steine auf die einfachste und unauffälligste Weise betrachten. Äch erkenne die Steine bestimmt. Oder eS mühte sich um zwei ganz gleiche Exemplare handeln, was aber wohl kaum anzunehmen ist. Die Steine von dem seltenen Schimmer in der Größe dürften so leicht kein zweite-mal zu fin­den sein."

Eva meinte:Äch würde natürlich sehr be­dauern, wenn Sie die Reise unnütz gemacht hätten."

Seine Augen ruhten einen Moment wie träu­mend auf ihrem Antlitz.

Wenn cs mit den Steinen ein Irrtum wäre, so war meine Reife doch nicht umsonst, ich habe Sie ja wiedergesehen."

Sie preßte die Lippen aufeinander und ihre Züge schienen dadurch plötzlich herber und kühll

Er faßte cs als Abwehr gegen ein Kompliment auf. das ihr als Draut nicht passend schien, ent- gegcnzunehmcn. und er fügte hinzu:Ich meinte das eben, wie ich es sagte. Sie sind jetzt verlobt und toerben bald heiraten. Sie lieben Ähren Ver­lobten und ich kann Ähnen deshalb heute wohl be­kennen. ich wußte zum Deispiel damals, vor zwei Äahren. am Rosenmontag, wirklich nicht genau, wohin mich mein Herz zog. Zu meiner Kusine Montserrat oder zu Ihnen."

Eva empfand die Offenheit deS Mannes wie einen grausamen Schmerz, Den er ihr zufügte.

Aber sie brachte dennoch ein llcincs Lächeln auf.

Wie geht es Ihrer Gattin?"

Er neigte vor Erstaunen den Kopf ganz schräg.

Ich bin doch nicht verheiratet!"

Eie fragte leise:So ist Montserrat Duero nicht Ähre Frau geworden?"

Bewahre", gab er zurück,Montserrat hat mein Haus schon verlassen, ehe Sie fortgingen. Nein, am gleichen Tage. Sie nahm einen Gesellschafterin- Posten in Valencia an. Kaum, daß sie sich von mir verabschiedet hatte, kamen Sie, um die Lö­sung Ihres Vertrages zu erbitten."

Eva war so betroffen von dem, waS sie hörte, daß sich dies« Detrofsenheit deutlich auf ihren Zü­gen abspielte.

Er lächelte mit leicht zuckenden Lippen,Mont­serrat hatte mich schwer gekränkt, sie beschimpfte mich nach dem furchtbaren Geschehnis, mit dem entsetzlichen Wort: Vatermörder! Lind so etwas ist nie gutzumachen, ist nicht auszulöschen. Sie bat mich später um Vergebung, aber sie wollte gar nicht mehr meine Frau werden, ebensowenig, wie ich noch danach Verlangen trug, sie zu heiraten. Äch bot ihr finanzielle Hilfe, aber sie nahm nichts von mir an, und ich weih nichts, gar nichts von ihr. Ei« lieh nie von sich hören. Sie war besonders erbittert, weil mein Vater sie in seinem Testa­ment nicht bedacht hatte."

Eva dachte verwirrt, alles war nun um Primo Duero herum so ganz anders, wie sie geglaubt. Ähr« künstlich erbaute Sicherheit wankte, und ihr war es, als höre sie ihn wieder wie vorhin sagen: Wenn cs mit den Steinen ein Irrtum wäre, so war meine Reise doch nicht umsonst, ich habe Sie ja wiedergesehen!"

Das war ein Glockenllang au- unerreichbarer

Feme, war wie eine Stimme au- einem ver­schlossenen Grabe.

Eie war Hans Felsens Braut.

Primo Duero ließ das Thema Montserrat fal­len und erzählte Eva, wie man auf dem ®n- cantcs, dem Trödelmarkt von Barcelona, den An­zug entdeckte, den der dreizehnte Clown getragen und erzählte alles, was damit zusammenhing.

Nachforschungen biteben erfolglos . schloß er. »hoffentlich führen die beiden b'.auen Dril'a.ten mich an das ersehnte Ziel, den Mörder meines DatcrS zu finden."

Eie neigte den Kops und stimmte ihm zu:Viel­leicht führen Sie die beiden blauen Brillanten an das ersehnte Ziel."

Ähr fiel ein, es war nun die höchste Zeit, wenn sic ihren Zug noch erreichen wollte. Sie äußerte den Wunsch, sofort auszubrcchen.

Ein Laut des Bedau.rns entfloh seinen Lippen. Mit einem leichten Lächeln meinte er:Da wir doch wohl noch allerlei zu besprechen haben, darf ich Sie wohl bis an Ihren Zug begleiten."

Sie sah seinen Dlick in stummer Ditte auf sich gerichtet, und der Dlick tat ihr wohl und weh zu gleicher Zeit.

Sie saßen dann im Auto nebeneinander und Primo Duero erllärte. sich morgen die Schmuck­auslagen des Äuweliergeschäjtes Go'.dener be­trachten zu wollen. Ec bat:Ich möchte Sie, wenn «S Ihnen irgend möglich ist. aber morgen abend Wiedersehen, Sennorita Eva, un Ihnen zu sagen, ob ich die Steine für die geraubten blauen Bril­lanten halte."

Eva sann. Ein einzig s Mal durfte sie den Mann dem ihr Herz heiß en gegenschlug, wohl noch Wie­dersehen. Ein einziges Mal!

Sie erwiderte:Erwarten Sie mich vor der Tür des Geschäfts. Ein paar Minuten nach 19 Llhr pflege ich das Haus Goldeners zu verlassen."

Er nickte. »Ich werde Sie abyolen, Semwrita."

Lind dann redeten sie wieder von jenem Rosen­montag und beiden war cS. als hätten sie gern von anderen Dingen gesprochen.

Ganz knapp erreichte Eva noch den Zug.

DaS erste Gesicht, das sie am heimischen Bahn­hof erblickte, war das Hans Felsens.

Gottlob, Evalein, daß du da bist. Weißt du, ich trage seit heut« nachmittag so ein seltsames Gefühl mit mir herum, als müßte dir irgend etwas ganz besonderes geschehen feilt Llnd gegen Abend stei­gerte sich das Gefühl bis zur Angst. Ich konnte nicht anders, ich mußte an Den Zug laufen. Aber du kamst nicht. Da nahm die Angst überhand, ich atmete ganz tief auf, als ich dich jetzt aus diesem Zug steigen sah." Er zog ihren Arm unter den sei­nen.Weshalb kamst du denn nicht mit dem vori­gen Zug, wie gewöhnlich?"

Sie schämte sich der Lüge und sagte sie doch. Erklärt«, sie habe sich etwas länger im Geschäft ausgehalten und den vorigen Zug versäumt.

Er lachte:Fortan gebe ich nichts mehr auf Ahnungen. Denke nur, ich quälte mich fortwährend mit dem Gedanken herum, es wäre dir irgend et­was zugestvhen."

(Fortsetzung folgt)

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Der Kaufmann Adolf Schwarz. Gießen, Alicenstraße 171, wird zum Konkursver­walter ernannt.

Konkursforderungen sind bis zum 15. Dezember 1930 bei dem Gerichte an­zumelden.

Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prirfung der angemeldeten Forde- rungen auf

Dtenslag, den 23. Dezember 1930 vormittags 10k) Uhr

vor dem unterzeichneten Gerichte, Saal 101, Termin anberaumt.

Allen Personen, welche eine zur Kon­kursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemein- schuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderun- gen, für welche sie aus der Sache abge­sonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 15. De­zember 1930 Anzeige zu machen.

Hessisches Amtsgericht zn Gießen.

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Gießen, den 27. November 1930.

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