er auch seit 1913 dem Aufsichtsrat der Butzbach—Sicher Eisenbahn angehörte, der ihn im Jahre 1919 zum Vorsitzenden wählte. Politisch gehörte er der früheren nationalliberalen, der jetzigen Deutschen Volkspartei an, - für diese vertrat er früher den hiesigen Wahlkreis 15 Jahre lang als Abgeordneter im Hessischen Landtag. Das Leben des Heimgegangenen war reich an selbstloser und uneigennütziger Arbeit für die Allgemeinheit. Trotz seines hohen Alters war der Entschlafene beinahe bis zuletzt von einer seltenen geistigen Frische und körperlichen Rüstigkeit. Die Stadt Butzbach wird das Andenken ihres Ehrenbürgers in Ehren bewahren.
Oberhessische Viehversicherungsanstalt
Die Oberhessische Viehversicherung s- a n ft a 11 hielt nm Sonntagnachmittag im Cass Leib ihre diesjährige Mitgliederversammlung ab.
Aus dem von Direktor Dr. van Bentheim (Gießen) erstatteten Geschäftsbericht war eine gute Vorwärtsbewegung festzustellen. Die Mitgliederzahl betrug Anfang 1929 - 2473, Ende 1929 = 3115 Mitglieder. Versichert waren Ende 1929 - 4290 Pferde und 1071 Stück Rindvieh gegen 3455 bzw. 729 im Jahre vorher. Entschädigt wurden im abgelaufenen Jahre 252 Fälle, die Entschädigungssumme betrug insgesamt 125 000 Mark. Vereinnahmt wurden an Prämien 146 000 Mark. Nach dem von Bücherrevisor Jäger erstatteten Rechenschaftsbericht beträgt das Vermögen der Anstalt 16 955,72 Mark. Landwirt 5). Schneider (Utphe)
wies darauf hin, daß die Mitglieder mit dem finanziellen Ergebnis der letzten zwei Jahr« zufrieden fein könnten; wenn man in Betracht ziehe, wie die Verhältnisse vor zwei Jahren lagen, so müsse man anerkennen, daß gut gewirtschaftet worden sei.
Bei den Wahlen zum Ausschuß wurden die ausscheidenden Herren bis auf zwei wiedergewählt, und zwar wurde an Stelle von Landwirt Müßig (Rüddingshausen), Bürgermeister Schlund (Oberwalgern) und an Stelle von Altbürgermeister Kümmel (Ober-Jssigheim), Landwirt Fourier (Mehlbach) gewählt. Eine Reihe kleiner Satzungsänderungen wurde wie vorgeschlagen genehmigt.
Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurde vom Vorsitzende und auch von einzelnen Rednern darauf hingewiesen, daß die von Angehörigen der Landwirtschaft hier geschaffene Selbsthilfeeinrichtung in ihrer Tätigkeit nicht beengt sein dürfe durch wirtschaftliche oder politische Grenzen, daß anderseits vielfach auch verkannt würde, daß die eingezahlten Prämien den geschädigten Mitgliedern wieder zugeführt würden, so daß von einer Schädigung der Wirtschaft kein« Rede sein könne. Im übrigen wurde eine Reihe von Anregungen und Wünscl)« laut, deren Berücksichtigung vom Versammlungsleiter zugesagt wurde.
Zum Schluß sprach Landwirt Hofmann (Lollar) namens des Ausschusses der Geschäftsleitung besondere Anerkennung für die ersprießlich« Tätigkeit aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch di« Zukunft eine Vorwärtsentwicklung der Versicherung bringe, im Interesse der Mitglieder und der gesamten Landwirtschaft.
Tumen, Sport und Spiel.
Leichtathletischer Mannschasts- wettkampf.
Die Sportabteilung unseres Bataillons hatte für den vorigen Mittwoch einen Leichtathletik-Kampf zwischen der Aniversität, dem Bataillon, dem V. f. D., der Spielvereinigung 1900, dem Turnverein 1846 und dem Mtv. vermittelt, der als Abendsportfest mit Konzert der Bataillonsmusik in der Form eines K l u b - Wettkampfes ausgetragen wurde. Der Turnverein 1846 mutzte in letzter Minute absagen. Wenn auch die beruflichen Schwierigkeiten der Vereinsmitglieder die Durchführung erschwerten, so hat dieser Wettkampf doch gezeigt, wie in kurzer Zeit und ohne viel Vorbereitung dem Publikum guter Sport geboten wird.
Durch die Zusammenstellung der zwei Besten aus jedem Verein war das Interesse der verschiedenen sportlichen Lager von vornherein vorhanden. Den Erwartungen hinsichtlich scharfer Kämpfe wurde vollauf entsprochen, wenn auch die Leistungen im einzelnen durch die frühe Jahreszeit und die aufgeweichten Kampfbahnen zum Teil unter den Bestleistungen der Wettkämpfer blieben.
Es wurden neun Einzelkämpfe und zwei Staffeln ausgetragen, zu denen jeder Verein zwei Teilnehmer bzw. eine Mannschaft gestellt hatte. Den Kampf gewann die Spielvereinigung 1 900 mit 74 Punkten vor dem B a - 't aill on mit 841'» und der Universität mit 91lz2 Punkten. Die Durchschnittspunktzahl lettoa 3,5) von 1900 beweist einen guten Durchschnitt im Kämpfermaterial. Die Universität hatte 'durch Abwesenheit ihrer 5000-Meter-Läufer einen für die Gesamtplacierung stark entscheidenden Punktverlust. V. f. B. und Mtv., die ihre Kampfmannschaft zum grotzen Teil aus den Reihen des Bataillons ergänzen, sielen durch mehrfachen schwachen oder fehlenden 2. Vertreter stark zurück. Dem Bataillon fehlten die Sprinter, während es irr-öen Würfen und Hochsprüngen gut vertreten war.
Die Läufe interessierten am meisten. Die 100- Meter-Zcit 11,8 von Guyot (1900) ist für die Bahn recht gut; Becker (Mtv.), Geist (1900; und Maus (Anivers.) lagen zeitlich dicht dahinter. Die gute 4x!00-Meter-Staffel von 1900 mutzte infolge falschen Wechsels distanziert werden; dem Verein gingen dadurch 7 Punkte verloren. Der beste Lauf des Abends war der 8 0 0- Meter-Lauf. den Stepp (Anivers.) in sehr guter Zeit und nach schönen wechselnden Kämpfen in 2,07 vor Bepperling (1900) und Peters (1900) für sich entscheiden konnte. Der favorisierte Büttner (Bataillon) kam noch hinter seinem Kamerad Zier es ein. Den 5000- Meter»Lauf sah Paul (1900) vor Heise und Fleischmann (Bataillon), die im Anfang zu stark auf das Tempo gedrückt hatten! Die 4><1500-Meter-Staffel wurde der Einfachheit halber als 4x3-Runden°Staffel gelaufen, die 1900 mit seinem vorzüglichen und im Stil teils vorbildlichen Läufermaterial überlegen gewann, obwohl Günther für die Bataillons- Mannschaft als erster Läufer 50 Meter Vorsprung herausgelaufen hatte.
3m Hoch- und Weitsprung brachte Weil der Aniversität 2 Siege, die ihm der sehr talentierte 3akob (Datl.) im Hochsprung und Maus (Anivers.) im Weitsprung streitig machten. Für die schlechten Sprungverhältnisse ist die Leistung im Hochsprung von 1,70 Meter sehr beachtlich. Durch rationellere Anlauftechnik kann Weil noch viel herausholen. Der Stabhochsprung endete wie üblich in der Dunkelheit. 3,10 Meter sprang 3 u n g (1900), 3 Meter wurde von den Vertretern des Bataillons und einem Vertreter der Universität übersprungen.
3m Diskuswerfen und Kugel st otzen belegte das Bataillon die besten Plätze durch Mohl, Gugel und Arnd. Schäfer (Univ.), Frey (1900) und Seipp (1900) waren die stärkste Konkurrenz. Das Speerwerfen brachte 1900 endgültig durch Hofmann und G u h o t an die Spitze.
Konstanze.
Vornan von Karl Heinz Voigl.
Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau
22 Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Könnten Sie mir nichts Näheres über Herrn Ahlstädt erzählen", sagte Konstanze einst zu Kurt Helbing und vermied es dabei, ihm ins Gesicht zu sehen.
Sie merkte, dah er mit ihren Worten nichts anzufangen vermochte und ergänzte: „Sie sagten mir einstmals, er sei unglücklich."
„3a. er ist unglücklich", antwortete er, und da er ihren erwartungsvollen Blick gewahrte, fuhr er ausweichend fort: „Es betrifft keine Frau — vielleicht beruhigt Sie das, mehr darf ich nicht sagen. Er ist mein Freund, ich mutz schweigen."
Konstanze überlegte sich lange hin und her. ob sie Peters Aufforderung Folge leisten sollte. — Durfte sie ihrem Verlangen nachgeben? — Sie lauschte lange aus die Stimme in ihrem tiefsten 3nneren. Reine Töne waren es. Keine Disharmonie. Es waren goldklare Glockenklänge edelster Sphären. —
Ob sie sich im Cafe Musarion treffen wollten? — Rein, sie schlüge einen Spaziergang im Englischen Garten vor.
Als sie ihn kommen sah, grotz, breit, etwas blaß, mit genialer Rachlässigkeit gekleidet, trat ihr das Blut zu Gesicht. Sie fühlte es und wurde augenblicklich verwirrt.
Sie wandelten auf unbegangSnen Seitenpfaden nebeneinander her.
Er sprach von seiner Künstlerlaufbahn, erzählte von seinem Meister und den guten Kritiken, die er auf der Kunstausstellung erhalten.
Die rotgoldene Sonne dieses warmen Sommertages durchbrach das Blattwerk der Laubbäume mit glühendem Stachel.
Konstanze lauschte seiner Stimme, schloß zuweilen die Augen, und dann verwandelten sich seine Worte in süße Melodien.
3hr fiel auf, daß das Muskelspiel seines Gesichts heute um vieles beherrschter war. Seine Hände zitterten nicht.
Ein leiser, kühlender Wind geigte im Blattwerk und wiegte sich in den Aesten.
Sie faßen auf einer Bank. Er blickte still zu Boden und zeichnete mit seinem Stock nachdenklich Figuren in den Sand. Sie sah ihm lange zu. Schließlich sagte sie mit einer zärtlichen Stimme:
„Es ist bald so wie damals. Wir waren noch so jung. — Die Zeit in Klein-Giesow, auf dem Gutshof meines Detters, ist mir unvergeßlich geblieben."
Run hatte sie es also gesagt, seht an! Run hatte sie wirklich den Namen Klein-Giesow ge
nannt, mit dem sich so viel verband, was Eigentum ihrer und seiner Seele geworden war.
Er wandte den Kopf langsam zu ihr und seine grauen Augen suchten die ihren.
„3ch bin nie wieder so glücklich gewesen, wie damals, Frau Konstanze."
Er begann wieder, stumm und in sich 'gekehrt, Figuren in den Sand zu malen.
Nach einer Weile nahm sie wieder das Wort: „3ch denke mir, ein Mann wie Sie, der mit tiefster 3nbrunst an seinem Beruf hängt, müßte größtes, allergrößtes Glück in seinem Schaffen finden. — 3st der schöpferische Künstler nicht begnadet!?"
„Sie haben recht. 3ch habe einmal tiefste Befriedigung als Maler gefunden. Nun bin ich aber nicht mehr frei. Es ist etwas, das mich in seinen Klauen hält. 3ch weiß nicht, ob Sie mich verstehen. Eine Leidenschaft vergiftet und erniedrigt mich. — 3ch muh sprechen. — Sie verstehen mich. — Ich werde Ihnen sagen, dah..." Er brach ab. Sein Blick, so schien ihr, nahm einen argwöhnischen Ausdruck an. Er prüfte ihr Gesicht, schüttelte den Kopf und stand sehr schnell auf. „Verzeihen Sie... Ich will Sie nicht mit fremder Leute Anliegen belästigen", es klang fast unwirsch. „Lassen Sie uns gehen."
3eht fuhr das Zucken wieder über sein Gesicht, und um seinen Mund lag ein Zug zerfressender Leidenschaften.
Sie war traurig gestimmt. — Hätte ihr dieser Mann sein 3nnerstes offenbart! — Aber konnte er denn Vertrauen zu ihr haben? — Sie war ja nur eine Konstanze Cmmerstorff, eine Frau wie tausend andere. — Lache, Konstanze! Du bist eine Törin, wenn du glaubst, dieser Mann könnte dir, gerade dir sein Vertrauen schenken. — Ein inbrünstiger Wunsch, ihm zu Helsen, erfüllte sie, aber sie fühlte: Ohne jede Hoffnung war dieser Wunsch.
Der Sonnenball verlor von seiner Wärme. Sein Strahlenglanz ging in ein zerfliehendes, abendliches, mildtätiges Rot über. Cs war ein zufriedenes, ein versöhnendes Licht, von letzter Scheideglut getränkt.
„Nun will ich von mir sprechen", sagte sie, als sie aus dem Gehölz heraustraten. Er sah sie dankbar an.
„Es ist mit wenig Worten gesagt. 3ch lebe getrennt von meinem Mann. Er ist schuldlos. Die Alleinschuldige bin ich."
Er schritt ruhig neben ihr' her und streifte sie nur ab und zu mit heimlichem Blick.
„3ch bin aus seinem Hause gegangen, weil ich fühlte, dah er meine Seele nicht versteht. Kein anderer Grund war es. 3ch brauche den tiefsten Zusammenklang zweier Seelen. Ohne den kann ich keine Ehe führen, wenn ich mich nicht selbst belügen soll. Eine solche Lüge ist eine dauernde Züchtigung, sehen Sie."
Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900.
Große Erfolge bei den Wetzlarer Jubiläumskampfspielen.
Ö. Die Veranstaltung des Wetzlarer Sportvereins 1905 hatte die erwartet gute Besetzung gefunden. Es entspannen sich äußerst hartnäckige Kämpfe, welche die Teilnehmer meist zur Hergabe des Letzten zwangen. Wenn die 1900er darin zu 4 ersten, 4 zweiten und 4 dritten Plätzen kamen, so spricht das deutlich für ihr gutes Können. Dabei hatten sie noch das Mißgeschick, auf ihren talentierten Hochspringer Weil verzichten zu müssen, der lediglich wegen Nichterfüllung einer formellen Bestimmung (auf Einspruch von gegnerischer Seite hin) nicht in Aktion treten durfte.
Nachstehend die Wettbewerbe, in denen die Spiel- vereinigungsleute siegten bzw. Plätze belegten.
Aktive:
Klasse I. 100 Meter: 1. Birkelbach, Sportfreunde Siegen, 11,5 Sek.; 2. Guyot, Gießen 1900, 11,8 Sek.; 3. Gerlach, Tv. Wetzlar, 12 Sekunden. Der Siegener gehört zu den besten westdeutschen Sprintern, so daß der Abstand, der ihn im Ziel von Guyot trennte, für letzteren keineswegs unrühmlich ist.
800 Meter: 1. Leunig, Eintracht Frankfurt, 2:06 Min.; 2. Bepperling, Gießen 1900, 2:06,1 M.; 3. Knöckel, S.C. 1880 Frankfurt. Die erste Runde wurde in mäßigem Tempo gelaufen, da Leunig, mit der beste Eintracht-Mittelstreckler, feinen Sieg wohl im Spurt herauszuholen gedachte. Er hatte sich jedoch beinahe verrechnet, denn Bepperling, der sich in punkto Schnelligkeit inzwischen stark verbessert hat, blieb dem Frankfurter dicht auf den Fersen und kam im Ziel Brustbreite an ihn heran.
Kugel st oßen: 1. Mohl, V.f.B. Gießen, 13,06 Meter; 2. Schäfer, Gießen 1900, 12,38 Meter; 3. Werner, Wetzlarer Sp.-V., 11 Meter. Mit einem Sieg Schäfers wurde von vornherein nicht gerechnet, denn der 1900er hat erst vorig« Woche das Training wieder aufgenommen und war durch diesen Umstand naturgemäß nicht in der Verfassung, sein volles Können zum Ausdruck bringen zu können.
Klasse II. 15 0 0 Meter: 1. Peters, Hans, Gießen 1900, 4:25,2 Min.; 2. Kaufmann, Fußballspv. Frankfurt, 4:29,2 Min.; 3. Heberling, Wetzlarer Sportverein, 4:31,4 Minuten. Ein äußerst eindrucksvoller Sieg. Etwa 200 Meter vor dem Ziel ließ der 1900er feine gewiß nicht schlechten Gegner einfach stehen und gewann in einer für die Bahn- und Witterungsverhältnifse recht ansprechenden Zeit.
Weitsprung: 1. Werner, Wetzlarer Sp.-D., 6,30 Meter; 2. Gerlach, Tv. Wetzlar, 6,12 Meter; 3. Knigge, Gießen 1900, 6,06 Meter. Knigge, der zwar seine beste Form nicht erreichte, belegte einen sicheren dritten Platz.
Speerwerfen: 1. Hopfenmüller, Gießen 1900, 45,20 Meter; 2. Koch, V.f.L. Wetzlar, 44,75 Meter; 3. Wagner, Tv. Wetzlar, 37,80 Meter. Ebenso wie bei den vom hiesigen Bataillon veranstalteten Klubkämpfen ließ sich der vielseitig« Spielvereinigungsmann das Speerwerfen nicht entgehen. Seine in Anbetracht der frühen Jahreszeit erzielten Wurfleistungen berechtigen für die weitere Saison zu den besten Hoffnungen. Guyot mußt« schon beim ersten Wurf wegen Armzerrung aufgeben.
O l y m p. Staffel: 1. Sp.-Vg. 1900 Gießen, 3:51 Minuten; 2. S.-C. 1880 Frankfurt a. M., 4:02,3 Minuten. Frankfurt 1880 und Gießen 1900 hatten das Rennen unter sich auszumachen. Eintracht Frankfurt trat, obwohl gemeldet und anwesend, nicht an. Wie'fast alle olympischen Staffeln, so wurde auch dieses Rennen bereits durch den 800- Meter-Mann entschieden. Peters I holte nach hervorragendem Lauf einen guten Vorsprung heraus, den die nachfolgenden Guyot, Geist (je 200 Meter) und Bepperling (400 Meter) auf etwa 70 Meter zu vergrößern mochten. Sie erlaufene Zeit ist beachtenswert.
Klaffe III. 3000 Meter: 1. Heberling, Wetzlarer Sp.-V., 9:50,4 Min.; 2. Hetzel, Fußballspv. Frankfurt, 10:35 Min.; 3. Günther, Gießen 1900, 10:52 Minuten. Der erstmals für die 1900er Far-
Er sagte hierauf gar nichts und sie war ihm dankbar, daß er schwieg.
Als sie sich trennten, war ein hoffnungsfreudiges Gefühl in ihrer Brust: Vielleicht würde die Zeit kommen, da dieser Mann ihre Worte in seine tiefsten Tiefen aufnahm und sie zum Erlebnis bei ihm werden würden!?
Dieser Tag schien der Auftakt gewesen zu sein für ein neues Leben Konstanzes. Die Stunden, die sie zusammen verbrachten, bedeuteten für sie ein Reich tiefster, beglückendster Erinnerungen.
Da kam die Stunde heran, da sie ihn besuchte.
Als sie vor dem düsteren Hause stand, empfand sie ein Grauen. Sie hatte sich seinen Wirkungskreis anders gedacht. Er wohnte im Hinterhaus, und sie mußte einen schwarzen Hof überschreiten. Hier befand sich eine Roßschlächterei. Es roch nach fadem Blut und Kadaver. Ein paar Metzger- gesellen mit hochgekrempelten Aermeln und blutbesprengten nackten Armen hantierten an einem frisch abgedeckten Tierkörper, der soeben von einem Händler beaugenscheinigt wurde. Die Gesellen betrachteten Konstanze mit neugierigen, frechen Blicken. Der Größere spuckte aus, machte zu seinem Kollegen eine Bemerkung und die beiden grinsten.
Konstanze fühlte sich angewidert und begann die ausgetretenen Treppen emporzusteigen. — Ein paar Weiberstimmen keiften irgendwo, ein Männerlachen dröhnte durch das Stiegenhaus.
Sie stieg drei Treppen hoch. Da stand aus einer Besuchskarte, die mit Reißzwecken an die Tür geheftet war, Peters Name. Sie klingelte, und schon stand er vor ihr.
Sie war außer Atem. Ihre Beine zitterten ein wenig. Er entschuldigte sich verlegen, daß er hier Hausen müsse.
„And das ist mein Atelier", rief er und ließ Konstanze eintreten.
Es war ein kleiner Raum. Eine gewisse legere Anordentlichkeit herrschte hier. Konstanze verglich sekundenlang diesen Raum mit Kurt Helbings pompösem Atelier und ein Mitleid mit Peter stieg in ihr empor.
Er hatte Tee bereitet und sie sahen sich gegenüber und sahen sich in die Augen.
Dann zeigte er ihr seine Werke.
Es waren viel halbfertige Bilder. - Nur ein paar Landschaften waren vollendet. Diese Arbeiten allerdings waren von tiefster Schönheit, und eine leuchtende, überaus edle Stimmung sprach aus diesen Bildnissen.
Konstanze versenkte sich in seine Arbeiten. Die Werke erzählten von dem Leben dieses Mannes, von seinen Leiden und seinen Freuden. Es lag viel Leid in diesen Bildern.
Peter zündete sich umständlich eine Zigarette an und betrachtete die kunstbegeisterte Konstanze.
ben startende Günther ließ sich kecht gut an linb hatte bis zur vorletzten Runde die Spitze inne, konnte dann allerdings dem Endspurt von Heberling und Hetzel nicht standhalten. Bemerkenswert ist übrigens, daß Günther genau dieselbe Zeit lief wiü der Dritte der Klasse I, Kaufmann, Fußballsportv. Frankfurt.
S ch w e b« n ft a f f e (: 1. J.-G.-Farben-Sport- verein Frankfurt 2:11,6 M.; 2. S.C. 80 Frankfurt 2:14,6 M.; 3. Sp.-Vg. 1900 Gießen 2:16,8 Minuten. Obwohl 1900 nicht seine stärkste Mannschaft stellen konnte, schlugen sich Knigge, Peters II, Maus und Krämer recht tapfer und belegten einen ehrenvollen dritten Platz.
Jugend:
10 0 Meter: 1. Höhn, Weilburger F.-V., 11,9 Sek.; 2. Müller, Sportfreunde Siegen, 12 Sek.; 3. Schickedanz, Gießen 1900, 12,1 Sekunden. Der 1900er, der sich überraschend gut entwickelt hat, erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen.
4X200-Meter-Staff«l: 1. Sp.-Vg. 1900 Gießen, 1:39,8 M.; 2. Sp.-V. J.-G.-Farben Frankfurt, 1:41,4 M.; 3. V.f.B. Gießen, 1:46,8 Minuten. Die Spieloereinigung 1900 in der Aufstellung Koch II, Guthardt, Felsing, Schickedanz, war ihren Gegnern deutlich überlegen und siegte nach prächtigem Lauf in guter Zeit.
Frauen:
4X100-Meter-Stafsel: 1. J.-G.-Farben- Sportverein Frankfurt 54,2 Sek.; 2. Sp.-Vg. 1900 Gießen 56,8 Sek.; 3. V.f.L. Wetzlar 1. Mannschaft 57,4 Sekunden. Der Sieger stand von vornherein in den Frankfurtern fest. Den zweiten Platz ließen sich jedoch die 1900erinnen Frl. Lösch, Frl. Holstein, Frl. Knab und Frl. Nickel nach schönem Lauf und guten Wechseln nicht nehmen. Sie bewiesen damit, daß ihr Sieg über die Wetzlarer Vertreterinnen bei den Frauenkämpfen des V.f.B. Gießen am 3. Mai keine Zufallssache war. Die Zeit von 56,8 Sekunden ist recht befriedigend.
V.f.B. Leichtathletik.
Die Erfolge der D. f. B.er bei den Wetzlarer Kampfspielen: ein 1., fünf 2. und drei 3. Siege.
Wie vorausgesagt, war die Besetzung bei diesen Kämpfen erstklassig. V. f. B. nahm mit über! 30 Aktiven, Frauen und Jugendlichen teil unJ war bei fast allen Wettkämpfen vertreten. Wenn trotz der überaus starken Konkurrenz die V. f. B.er solch beachtenswerte Erfolge errangen, so stellt dies ihr Können deutlich unter Beweis, um so mehr, als die Hälfte dieser Erfolge in deck 1. Klasse, also bei schärfster Konkurrenz, erstritten wurden. Daß V.f.B. in einigen Disziplinen auf seine Besten wegen Krankheit verzichten muhte, bedeutete für ihn ein Handicap, ohne das er noch besser abgeschnitten hätte. Nachstehend die Konkurrenzen, in denen V. f. B. erfolgreich war:
400 Meter der 1.Klasse: 1. Hemmerich, Spcl. 1880 Frankfurt, 54,4 Sek.; 2. Husch, F. Sp. V. Frankfurt, 54,5 Sek.; 3. Büttner, V.f.B. 08, 55 Sek. Büttner war in guter Form und hättej bei anderer Taktik noch besser abschneiden können.
30 0 0 - M e t e r - L au f der 1. Klasse: 1. Paul, Sportfreunde Siegen, 9,28 Min.; 2. Engelhard, Spcl. 1880 Frankfurt; 3. Kaufmann. F. Sp. V. Frankfurt; 4. Heise, V.f.B. 08, Handbreite zurück. Ein Achtungserfolg des V. f. D.ers. Leider lieh er sich säst im Ziel noch von dem bekannten Frankfurter Meisterläufer Kaufmann abfangen und um Handbreite auf den 4. Platz verweisen.
Hochsprung der 1.Klasse: 1. Cappello. V. f. L. Wetzlar, 1,72 Meter; 2. Jakob, V. f. B. 08. 1,60 Meter; 3. Philipp, Tv. Wetzlar, 1,55 Meter. Der V. f. B.er enttäuschte stark. Sichtlich unter Form springend, gab er bei 1,60 Meter auf. Er hat schon wesentlich besser gesprungen.
Kugelstoßen der 1. Klasse: 1. Mohl, D. f. B. 08, 13,06 Meter; 2. Schäfer, Spvg 1900, 12,38 Meter; 3. Werner, Spv. Wetzlar, 11,62 Mtr. Eine gute Leistung Mohls, die er aber in dieser Saison unter günstigeren Voraussetzungen weit überbieten sollte.
Ein heimlich-zärtliches Gefühl schwelte auf in ihm. Er schloß die Augen und dachte mit einem verflüchtenden Lächeln an die Zeit der zarten Liebe mit dieser herrlichen Frau.
„Sie träumen?" fragte Konstanze, indem sie sich von den Staffeleien abwandte. Er blickte sie groß an, als hätte er eine süße Vision.
„In der Tat. ich träumte", antwortete er mit einem halben Lächeln. „Denken Sie, ich träumte soeben von Klein-Giesow und Sie, Frau Konstanze, spielten in diesem Traum eine Rolle."
Sie fühlte, wie sich ihre Wangen röteten und lenkte sogleich von diesem Gespräch ab.
„Ich wundere mich, Herr Ahlstädt, daß Sie so viel unvollendete Bilder hier haben."
Ein harter Blick traf sie. Sein Gesicht schien plötzlich verändert.
„Ich deutete Ihnen schon einmal an, daß etwas ist, das mich an meiner Arbeit hindert. Etwas, das stärker ist, als all mein Schaffensdrang."
Er erhob die Stimme und fuhr in selbstanklagendem Tone fort: „Dieses eine aber ist mein Antergang und mein Verderben. — Blicken Sie doch um sich. Ich schäme mich maßlos vor Ihnen, daß Sie sehen, wie ich hause, dah Sie nun auch wissen, tote arm ich bin. — Es gibt Zeiten, da meine Seele, mein ganzes Innere zum Höhenflüge drängt. Dann greife ich zum Pinsel, dann stehe ich vor der Staffelei mit hohen, herrlichen Zielen im Auge, mit Welt- und menschheitsbeglückenden Zielen, aber dann — dann — sehen Sie, dann kommt das andere und hindert meine Schwingen und ich sinke flügellahm auf haltlosen Boden zurück."
Er hatte schnell gesprochen und seine Worte flatterten ängstlichen Vögeln gleich durch den niedrigen Raum. — Er hatte die Hände vors Gesicht gelegt. Er bot den Anblick eines Elenden. Da fühlte er ein sanftes Berühren seines Haares. Er blickte auf und sah, dah ihre Hand sanft auf feinem Scheitel lag. Ihr Auge ruhte voll milder Güte auf seinem zerrissenen Antlitz. Er fühlte den streichelnden Hauch dieser Frau. Er gewahrte wohl, wie sie sekundenlang schwärmerisch die Augen schloh.
„Wollen Sie sich mir nicht anvertrauen?" fragte sie endlich vorsichtig und es klang wie ein leises Flehen.
Er schüttelte den Kopf. „Sie würden mich nicht verstehen. Roch nicht. Später vielleicht."
Run wurden ihre Augen ganz traurig, und er versenkte sich lange, lange in diese verstehenden Augen. Da kam ein dämmerndes Ahnen in den unglückseligen Spieler: „War er nicht reich, da das Mitgefühl dieser herrlichen Frau ihm gehörte?" —
(Fortsetzung folgt.)


