ßrocn. Rach ber Rnstchk hervvrragenber Fachgelehrter sim> störungsfreie Apparate nicht teurer als andere. GS ist nur nötig, eine Gruppe von Kondensatoren und Drosseln vorzuschalten und so zu verhindern, daß sich Funken bilden oder die dadurch erregten Wellen auf das ganze Reh zurückstrahlen. Die Rundfunkgesellschaft hat sich deshalb mit den Spitzenorganisationen der Fabrikanten elektrischer Apparate und der Installateure in Verbindung gesetzt.
Bedeutungsvoll ist ferner, daß der „Ausschuß für R u nd f un k st ö r u n gen" mit den Straßenbahndirektionen und den Elektrizitäts- werken zusammenarbeitet. 3n Kassel, Bonn, Mainz, Mannheim und Berlin hat man gewisse Abkommen mit den Strahenbahngcsellschaften getroffen. Die Straßenbahnen ärgern nämlich den Hörer am meistem Hebet die Konzerte, die sie unabsichtlich dauernd veranstalten, hat E p - Pens schon Anfang März 1924 Untersuchungen angestellt, als die Störungen in Berlln immer unerträglicher wurden. Richt die Motore senden die unangenehmsten Wellen, auch die Funken an der Drahtoberleitung sind nicht besonders peinlich. Die kräftigsten 3mpnlse werden ausgesendet, wenn der Strom im Motor ausgeschaltet ist, aber die Lampen noch brennen: dann bilden sich zwischen dem Fahrdraht und der Lei- tungsrolle durch den Lichtstrom Funken, und das ist die wichtigste Ursache des störenden Geräusches. Am meisten leidere also die Wohnungs- besitzer abends in der Rähe von Haltestellen, wenn die Wagen stromlos an die Haltepunkte fahren. Die Geräusche sind längs der Strebe fast vier Kilometer und zu beiden Seikn in einer Tiefe von .300 bis 400 Meter zu hören. Man müht sich schon lange, diesen Zustand zu ändern, etwa durch den Einbau von Dlock- konoensatoren, durch stärkeren Lichtstroni, durch anderes Material für die Rollen, durch veränderte Schleifbügel und ähnliche Dinge. 3n » Berlin werden jetzt die Wagen mit Mittelein- | gang, die durch ihr Klingelsystem Störungen hervorriefen, umgebaut. Auch abgenützte Rollen können zur Funkenbildung führen. Lehrreich war es kürzlich in Halle, daß die Straßenbahn einen durchreparierten Wagen wieder in Betrieb nahm, ohne zu bemerken, daß er noch technische Mängel aufwies: aber der Rundfunk stellte das sofort fest, und die Straßenbahn mußte ihm für den Hinweis dankbar sein.
Richt nur das Läutewerk der Straßenbahn stört die Radioübertragung: noch weit unangenehmer wirken zuweilen Klingelleitungen im Haus oder am Fernsprecher, die ebenso stören wie benachbarte Hochspannungsleitungen, durch die ein tiefer, brummender Ton verursacht wird. Beim Einschalten und Ausschalten von Glühlampen knackt es im Lautsprecher, und find die Lampen schlecht eingeschraubt, so wiederholt sich das Knacken bei jeder Erschütterung des Hauses. Weitere Störungsquellen sind Elektro- niotore, Dynamomaschinen, Rvntgenapparate und Hochfrequenzgeräte, ©ie sind oft mit mechanischen, rotierenden Gleichrichtern versehen, die als kräftige Funkensender wirken und etwa 60 Prozent aller Radiostörungen veranlassen. Sogar rasch bewegte Treibrieinen können durch Reibungs- elektrrzität störend wirken. Aber man kann dieser Rebengeräusche Herr werden. 3n Berlin wurden in den letzten Wochen 12000 Störungen gemeldet, von denen fast sofort 7500 von den gut ausgebildeten Funkhelfern behoben werden konnten.
Laten für Freitag, 28. Ntärz.
Sonnenaufgang 5.46 Ähr, Sonnenuntergang 18.25 Ähr. — Mondaufgang 5.38 Ähr, Monduntergang 16.27 Ähr.
1483: der Maler Raffael Santi in Ärbino geboren sgestorben 1520): — 1749: der Mathematiker und Astronom Graf Laplace in Beaumont- en-Auge geboren (gestorben 1827).
Die qefiederle Schlange.
Roman von Edgar Wallace.
10 Fortsetzung. !)lad)t)rutf verboten
Die beiden Frauen hörten, wie die Haustür geschlossen wurde. Ella stocherte böse mit einem Schüreisen in den Flammen.
„Was ist nur mit Billy los, daß er seine ruhige Besinnung vollständig verliert? Er ist weiter nichts mehr als ein Angsthase. Rehmen wir einmal an, sie wüßten es — welche Beweise haben sie denn gegen uns? Änd was für eine Anklage könnten sie gegen uns erheben?"
Paula Staines wählte mit großer Sorgfalt eine Zigarette aus dem Bcrnsteinetui und entzündete sie, bevor sie antwortete.
„Billy hat schon recht — es steckt irgend etwas Großes hinter dieser gefiederten Schlange. 3ch wünschte nur, daß ich Kraft zum Rachdenkcn hätte. Cs ist doch sonderbar ... ich habe jedes Rachtgefpenst gezeichnet, aber ich habe niemals die Zeichenfeder aufs Papier gesetzt, um eine gefiederte Schlange darzustellen."
Ella sah sie mit neugieriger Achtung an.
„Es muß doch wundervoll sein, wenn man so zeichnen kann. Wo hast du das eigentlich gelernt?"
Paula blies einen Rauchring zur Decke und wartete, bis er sich auflöste.
„Mein Vater unterrichtete mich darin - manchmal wünschte ich, er hätte es nicht getan." sagte sie ironisch. Aber plötzlich änderte sie ihren Ton. „Kannst du denn keinen Aufschluß geben, Ella? Erinnerst du dich denn nicht, daß Lane irgend etwas passierte, was mit der Schlange zu tun hat?"
„Lane? Der Wicht!" sagte Ella geringschätzig und böse. „Der ist doch gllicklicherweise tot."
Aber dann bewölkte sich ihr Gesicht wieder.
„3d) wünschte, daß Dewin nichts mit der Sache zu tun hätte — er ist einer der rührigsten Reporter außerdem erlauben sich diese Zei- tungsmenschen Dinge, die die Polizei nicht wagen würde - was war das?"
Man hörte ein schwaches Klingeln und gleich daraus die Schritte des müden Dieners, der den Gang entlang ging. Die Haustür öffnete sich, und Stimmen klangen gedämpft herüber. Dann kam der verschlafene Diener in das Zimmer.
„Draußen ist ein Mann, der Mr. Leicester Crewe sprechen möchte. Er sagt, daß er Hugg heißt."
Die beiden Frauen sahen sich bedeutungsvoll an.
„Es ist gut, lassen Sie ihn herein."
Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte,
Das Schiffenberg-Jubiläum.
Die Vorbereitungen zur 800-Jahrfeier des Schiffenbergs, die am 6. Juli auf dem Schiß fenberg ftottfinden wird, kommen jetzt immer stärker in Fluß. Gestern abend fand eine neue Sitzung des Vorstandes der ,F)eimatoereinigung Schiffenberg" mir einer Anzahl interessierter Bürger im .Hotel Köhler" statt, die den bisherigen ersten Vorbereitungen nunmehr bestimmte Form geben sollte.
Zunächst wurde in längerer Aussprache das Programm der Veranstaltung erörtert. Man einigte sich dahin, daß am Vorabend der Jubiläumsfeier, am Samstag, 5.1 u l i, auf dem Schiffenberg eine gesellige Abendveranstaltung stattfinden foll, zu der man olle Kreise brr Bürgerschaft als Besucher erwartet. Ein gut gewähltes Unterhaltungsprogramm soll den Besuchern angenehme Stunden bereiten. Für Sonntag, 6.1uli, dem Tag der Jubiläumsfeier, ist vorgesehen, daß um die Mittagsstunde die Gedenktafel für den bekannten Kulturhistoriker Wilh. .fjeinr. v. Riehl, der während seiner Gießener Studentenzeit auf dem Schiffenberg gewohnt hat, eingeweiht werden soll. Am Nachmittag soll dann die Jubiläumsfeier folgen, bei der die Gießener Gesangvereine in dem großen Hofe des Schiffenbergs zwei Massenchöre singen werden und nach einer Ansprache eine Festaufführung vor sich gehen wird, in der die Geschichte des Schiffenbergs oargestellt werden soll; die Aufführung wird in ihrem ersten Teil die alte Zeit, im zweiten Teil die neue Zeit der Schiffenberggeschichte behandeln. Konzert, Volksfest und Tanz sollen den Abschluß des Festtages bilden.
Aus Anlaß dieser Feier soll auch eine Fest schrist herausgegeben werden, in der von berufener Seite über den Schisfenberg und die mancherlei Interessengebiete, die mit ihm Zusammenhängen, berichtet werden soll.
Die Versammlung beschäftigte sich weiter mit der Bildung der Ausschüsse für dieses bedeutsame
Heimatfest. Für den Ehrenausschuß sollen als Mitglieder gebeten werden: Staatspräsident Dr. Ade- hing, Finanzminister Kirnberger, Landforstmeister Hesse, Ministerialrat Dr. Petri, Provinzialdirektor Graes, Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuni- versität Prof. Dr. Brüggemann, Oberbürgermeister Dr. Keller, Landgerichtspräsident Neuenhagen und Oberstleutnant Lüters. Für den Finanzaus- schuß werden gebeten die Herren: Universitäts- Bureaudirektor Erle, Bankdirektor Grießbauer, Steuerberater Jäoer, Unioersitäts-Bureaudirektor Keßler, Geschäftsführer Kirchner, Steuerinspektor Klemmrath, Kanzleiassistent Kraushaar, Vermal- tungsamtmann Martin, Kaufmann und Stadtrats- Mitglied Leopold Mayer, Oberinspektor Ritzert, Ober- insvektor Seyfferth. Der P r e s s e a u s s ch u ß soll be- stehen aus Redakteur Blumschein, Redakteur Bremer, Kaufmann Frech, Amtsgerichtsrat Gros, Rektor i. R. Müller, Bibliothekar Dr. Wallbrach. Für den Der- gnügungsausschuß sind vorgesehen: Messerschmiedemeister Betz, Unioersitäts-Bureaudirektor Erle, Kaufmann Haibach, Kullurbauinspektor Georg Heß (Leihgestern), Bankbeamter Hofmann, Sekretär Huber, stud. jur. Jung als Vorsitzender des „Asta", Kaufmann Katz, Rektor Kling, Amtsgehilfe Koch, Rechtsanwalt Peters und Kaufmann Weidig. In den Bauausschuß werden gebeten: Oberbaurat Berth, JStabtbaurat Gravert, Oberbauinspektor Haller, Stadtoberbauinspektor Höhn, Architekt und Stadtratsmitglied Nicolaus. Der G e s a m t v o r - st and der „Heimatoereinigung Schiffe n b e r g" besteht aus Forstrat Nicolaus, Beigeordneter Dr. Hamm, Rektor Müller, Geschäftsführer Kirchner und Kaufmann Weidig. Diese Herren und die Vorsitzenden der einzelnen Ausschüsse werden den geschäftsführenden Ausschuß bilden. Weiter ist die Bildung eines Festausschusses vorgesehen, über dessen Zusammensetzung zur Zeit noch nicht abschließend berichtet werden kann.
Konzert des Männergesangvereins „Cätilia" in Lich.
sch. Lich, 25. März. Der hiesige Männer-- gesangverein „Cacilia" veranstaltete am Soirntag in der Turnhalle ein Ehor- und Orchesterkonzert, zu dem sich eine zahlreiche und begeisterte Zuhörerschaft eingesunden hatte.
Zimmer und Stein: das waren zwei Chorleiter, die sich um die musikalische Entwicklung des Vereins die größten Verdienste erworben haben, deren Mimen in der „Cäcilia"- Vereinsgeschichte unvergänglich sein werden. Heute führt Ernst 3lge den Stab, ein begabter Chorführer, der mit jugendlichem Feuer und nimmermüdem Eifer seine Sängerschar siegreich über die steinigsten Klippen hinwegführt. Der ausgezeichnete Chor folgt bewundernswert seinen Intentionen, so daß alle Gesänge von starker Wirkung waren. Die großen Chöre, „Die beiden Särge" von Hegar und die „Gotentreue" von Wagner, gewannen dadurch die fundamentale Bedeutung, die ihnen im Aufbau des Ganzen zukommt. Wirkungsvoll in der Tongebung und Klanggestaltung, präzis in den Einsätzen, in der Stärke sorgsam abgewogen und in der Aussprache klar und deutlich, löste E. 3lge seine nicht leichte Aufgabe mit Sicherheit, Äm- sicht und Ruhe.
Der instrumentale Teil des Konzertes wurde von der Kapelle des 1. Batl. 15. 3nf.--Rgts. zu Gießen, unter Leitung des Obermufikmeifters Löb er ausgeführt. Die ewig-junge Freischütz- Ouvertüre eröffnete die Dortragsfolge und legte in der tadellofen Wiedergabe einen freundlichen Glanz von vornherein über die ganze Veranstaltung. Die „Meistersingerphantasie", die Melo
dien aus Gounods „Margarethe", das Mignonvorspiel erfuhren unter Löbers begeisternder Führung eine einwandfreie Interpretation und spendeten allen denen, die echte Musik zu hören und zu erleben kamen, Sonnenschein und beglückende Helle.
Aus dem Zusammenwirken aller Beteiligten ergab sich eine Veranstaltung von Qualität und nachhaltigem Eindruck.
Bahnhofsbeschwerden von der Strecke Nidda—Schotten.
Ober-Schmitten, 26. März. Die hiesige Bahnhossanlage erweist sich im Hinblick auf den gesteigerten Güterverkehr (zwei Papierfabriken) schon seit 3ahren als unzureichend. Die Rebengeleise sind zu kurz, um einen Güter- oder Personenzug bei Kreuzungen vollends aufnehmen zu können. Das hat zur Folge, daß der lange Güterzug sehr oft mitten in der Ortsstrahe halten muß, um den von Schotten kommenden Personenzug in den Bahnhof einfahren zu lassen, bevor ihm die Einfahrt möglich ist. 3n den Wintermonaten ist dies immer eine starke Belästigung der Bewohner der Bahnhofstraße. Der schon 5.30 Ähr ankommende Güterzug mutz nach dem Halt auf ansteigender Strecke anfahren, was sich unter schrillem Pfeifen und fürchterlichem Getöse der Maschine vollzieht. Die Kinder werden aus dem Schlafe geschreckt und auch die Erwachsenen klagen mit Recht über diesen Äebelstand. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Reichsbahn, die Bahnhofsanlagen entsprechend zu verlängern, um diesen unhaltbaren Zustand zu beseitigen. Man darf erwarten, daß die Arbeiten recht bald in Angriff genommen werden,
erhob sich Paula von dem Sofa und ging quer durch das Zimmer zum Kamin.
„Das ist der Mann, der an Billy schrieb," sagte sie leise. „Der Sträfling, der bei Lane war, als er starb "
Mr. Hugg trat ettoa? unsicher ins Zimmer, lächelte freundlich, sah aber doch so aus, als ob er sich entschuldigen müßte. Seine feuchte Stirne und sein glasig zerstreuter Blick verrieten, datz er getrunken hatte.
„Verzeihung, meine Damen — Mr. Crewe hier?" fragte er mit etwas belegter Stimme.
Paula brachte durch einen Wink den neugierigen Diener aus dem Zimmer.
„Rein, Mr. Crewe ist ansgegangen — er hat wegen beä Verbrechens zu tun, das heute abend hier verübt wurde. Sind Sie nicht der Mann, der bei William Lane war, als er starb?"
„3awohl, meine Dame," sagte Hugg. „Deswegen will ich ja gerade Mr. Crewe sprechen — ich habe ihn wiedergesehen?"
Paula starrte den kleinen Mann mit aufgerissenen Augen an
„3hn gesehen?" wiederholte sie langsam. „Wen?"
„William Lane", erwiderte Hugg.
„Der Kerl ist also nicht tot“, rief Ella dazwischen.
Der kleine Mann schüttelte den Kops mit Rachdruck.
„Er ist tot, das ist schon in Ordnung, ich habe ihn gesehen er ist tot", sagte er bestimmt. „Aber ich habe heute abend seinen Geist gesehen — er hat ein Mietauto gelenkt — nein, es fuhr nicht, es hielt an der Bordschwelle in der Cdgware Road. 3ch ging gleich zu ihm und sprach ihn an. Also ich sage: „Bist du nicht William Lane, der mit mir zusammen in der Abteilung D in Dartmoor saß?" und er sagt „ja". Er bat nicht einmal geleugnet, daß er tot war ober so etwas. Das ist das Merkwürdigste, was mir jemals begegnet ist. Also ich sage: „3d) bin sehr erstaunt über dich, William, daß du hier mit einem Auto herumfährst, nach dem, was das Stratzenschwein in Thatcham getan hat, das dich totfuhr."
Er schwankte ein wenig, und Ella sah gleich, was mit ihm los war.
„Sie sind betrunken", sagte sie.
Mr. Hugg schüttelte den Kops.
„3ch habe ein paar Gläschen aus nüchternen Magen hinuntergekippt". verteidigte er sich. „Betrunken? Rein - nur ein wenig die Kehle geölt, mein Fräulein. Änd ich war durchaus nicht betrunken, als ich William sah."
„Waren Sie bei der Polizei?" fragte Ella schnell.
Mr. Hugg lächelte verächtlich und sah sie vorwurfsvoll an.
„Meinen Sie denn, ich werde jemand bei der
Polizei verpfeifen, der sich womöglich nicht gemeldet hat, nachdem er aus dem Gefängnis kam? Ob er als Geist sich allerdings noch melden muß, weiß ich nicht."
Ella wußte, daß er von der Bestimmung sprach, nach der sich Sträflinge, die auf Bewährungsfrist entlassen sind, bei der nächsten Polizei- station melden müsfen.
„3ch fragte ihn, - was er denn da für einen Poften hätte", fuhr der betrunkene Hugg fort. Dabei schaute er sehr ernst und feierlich drein. „Änd er sagte mir, er wäre gerade unterwegs, um einen Mann abzufangen, der ihm übel mitgespielt hat — einen Kerl, nun habe ich doch wieder den Rainen vergessen - früher im Gefängnis hat er immer im Schlaf gesprochen — auch von Mr. Crewe... Bill ober Beale, so was ähnliches, ein Kerl, der ihm einen Streich mit einer Schlange gespielt hat, eine Schlange, verstehen Sie, eine richtige Schlange."
„Sie meinen die gefiederte Schlange?" fragte Paula.
Er nickte langsam und schwankte wieder.
„Das ist der Kerl - Beale — hat mächtig viel Geld. Dann frage ich ihn, ob er nicht Harry, den Vagabunden, gesehen hat. Denken Sie sich, meine Damen, den habe ich nach dem Anglück nicht wiedergesehen. 3ch habe nämlich im Krankenhaus gelegen.“
Er sprach zusammenhanglos weiter, bis Ella ihn unterbrach.
„Cs ist besser, daß Sie morgen früh zurück- loinmen und mit Mr. Crewe sprechen.“ Plötzlich kam ihr ein Gedanke. „Wo wohnen Sie?"
Er nannte ihr eine Adresse in einer gewöhnlichen Herberge, und. sie vermerkte sie kurz auf Leicester Crewes Rotizblock.
Paula schloß die Türe hinter ihm. Die Erregung war ihr deutlich anzusehen.
„Das verstehe ich nicht", sagte sie. Ella lachte.
„Wenn du nicht begreifst, welche Wirkung Alkohol auf einen Strolch hat, bann verstehst bu überhaupt nichts", sagte sie verletzend. „Er ist vollständig betrunken — er kam doch nur zurück, um mit feiner neuen Geschichte aus Billy noch mehr Geld herauszulocken. Wir haben doch den Totenschein gesehen. Mso. was verstehst du nun nicht?"
Paula wußte aus Erfahrung, daß es keinen Zweck hatte, sich mit Ella zu streiten.
Ella sah in den Spiegel „3ch werde morgen wie eine alte Frau aussehen, unb dabei habe ich eine Vormittagsvorstellung. Wie lange wird uns Crewe beim noch warten lassen?"
„Der arme, alte 3oe!" sagte Paula.
„Gr hat es btxf> herausgesordert!" Ellas Stimme klang nicht milde. „Warum muh er auch der gefieberten Schlange nachspüren? 3ch wette, baß 3oe ber einzige war. dem sie auflauerten. Er war in mehr schlechte Geschäfte der-
barntt im ftmrmenben Winter den Rnwvyrvrrr
der Bahnhofstraße ruhigere Morgenstunden betrieben sind. Der Schienenweg burch die Ort«- strahe mit seinen Änannehmlichkeiten und Gefahren ist schon Aergernis genug. Weitere Belästig gungen sollten vermieden werden.
Kirche und Schule.
Dorfkirchenvorstehertag in Windhansen.
§ Am Montag fand in Windhausen (Kreis Alsfeld) ein von der Dorfkirchenvereinigung für bas nördliche Oberhessen veranstalteter Dorfkirchentag statt. Von allen Seiten kamen Kirchenvorsteher unb Freunde der Sache in großer Zahl - es dürften etwa 300 Auswärtige gewesen sein — in dem mit Tannengrün festlich geschmückten Dorf zusammen.
Die Tagung begann vormittags mit einem Gottesdienst, den Oberkirchenrat Wagner (Gießen) in der dichtgefüllten Kirche abhielt. 3n seiner Predigt über 3efaia 62, V. 8 u. 7 zeigte er den Kirchenvorstehern eindringlich, wie sie als Gehilfen des Pfarrers zu Wächtern bestellt sind über die Gemeinde und mit ihrer Verpflichtung am Altar ein heiliges, verantwortungsvolles Amt übernehmen. Gegenüber den vielen Verfallserscheinungen unserer Zeit müssen sie wie Wächter im Krieg Helle Augen haben, um den Feind zu sehen, und ein mutige- Herz unb einen starken Arm, um ihm zu wehren. Die Predigt machte einen starken Eindruck auf die Hörer. Anschließend trug ber Männergesangverein unter Geltung von Lehrer Schaad bas Lied „Allein Gott in der Höh sei Ehr"' nach einer alten Weise sehr wirkungsvoll vor.
Äeber Mittag wurden die Auswärtigen in Windhausen selbst unb im benachbarten Kestrich sehr gastfreundlich ausgenommen unb bewirtet.
Äm 13.30 Ähr wurde die Rachversamm- l u n g in ber Kirche abgehalten, die bis zum letzten Platz beseht war. Ebenso wie der Gottesdienst wurde sie eröffnet durch einen Violinvo» trag des Ortsgeistlichen, Pfarrer Durst, Groß- Felda, mit Orgelbegleitung. Aach Gemeindegesang und einem Lied des Männergesangvereins hieß dessen Leiter, Lehrer S ch a a d, vom Altar aus in herzlichen, wohldurchbachten Worten die Versammelten in Windhausen, „dem höchsten Dörfchen des Kreises Alsfeld", willkommen. Besonders begrüßte er den oberhessischen Superintendenten, Oberkirchenrat Wagner, Kreisdirektor Dr. Stammler, Dernn Dr. Än - verzagt von Alsfeld und den Redner des Rachmittags, Direktor Pfarrer Röhricht, Darmstadt. Pfarrer Georgi, Ermenrod, ber Vorsitzende ber Dorfkirchenvereinigung im nördlichen Oberhessen, dankte für die herzliche Begrüßung, hierauf sprach der Direktor der 3nne- ren Mission in Hessen, Pfarrer Röhricht, über „üufere Aufgabe gegenüber den besonderen Gefahren unserer Zeit für die christliche Familie auf dem Dor f". Er zeigte die Erschlaffung ber sittlichen Kräfte in ber Gegenwart auf, wie sie in der vielfach zu beobachtenden Scheu ber jungen Leute vor Der Eheschließung, der Kinderscheu in der Ehe usw. zutage trete. Alle sittlichen Grundlagen Wanken: oas wird deutlich an der schrecklichen Haltlosigkeit in sämtlichen fittlichen Fragen, auch unter ber länblichen 3ugenb. Aus diesem Tiefstand kann nur eine Erneuerung ber religiösen Mächte in unserem Volk uns retten, eine Erneuerung aus dem Glauben heraus, die dem Christentum wieder den ihm gebührenden Platz gibt und eine neue Sittlichkeit schafft.
3n der Aussprache unterstrichen Pfarrer Kalbhenn, Maulbach, Lehrer Reeb, ®r.- Felda, Pfarrer Staubach, Watzenborn, u. a. wirksam die Gedanken des Redners und traten warm für die Stärkung christlicher Sittlichkeit und kirchlicher Sitte ein.
Kurz nach 4 Ähr schloß der Vorsitzende, Pfarrer Georgi, die eindrucksvolle Tagung mit Worten herzlichen Dankes
wickelt als irgend jemand in London und hatte Hunderte von Feinden. Sicher hat er den Täter einmal hereingelegt in früheren Zeiten!"
„Du hast doch einen verteufelt schlechten Charakter, Ellal" Paula sah sie gelassen an. „Gerade bu solltest doch die erste sein, die heute abenf» schweigen müßte.“
„Meinst bu?“ Ella wandte sich hastig um. „3ch habe mich schon seit 3ähren bemüht, von 3oe loszukommen. Weißt bu beim gar nicht, welche Chancen ich hatte, Paula? Dor drei 3ähren hätte ich einen Mann mit einem Millionenvermögen heiraten können."
„Du hättest dich ja von 3oe scheiden lassen können!"
„Mich von 3oc scheiden lassen!" fuhr Ella auf. „Glaubst du denn, ich würde es auch noch in die Zeitungen setzen, daß ich mit einem folchen Schuft verheiratet bin? 3oe hat zweimal gesessen, unb alle Welt tveiß das."
Das Gespräch verstummte. Paula setzte sich wieder ins Sofa, aber obwohl sie die Augen schloß, konnte sie nicht schlafen. Sie hörte auch zuerst das leise Geräusch, als sich ein Schlüssel in der Haustür drehte.
„Das ist Billy," sagte sie und ging ihm entgegen. i
Mr. Leicester Crewe erschien in einer merkwürdigen Verfassung. Sein Anzug war cm verschiedenen Stellen zerrissen, und seine Hosen zeigten an den Knien große Löcher. Sein Halstuch saß schief, und er sah so ans, al« ob er mit jemand gerauft hätte.
„Fragt mich nicht,“ sagte er verstört. „3ch gehe auf mein Zimmer, um mich umzukleiden “
Zehn Minuten später erschien er wieder in Pyjamas unb Schlafrock.
„Run, hast du den Schlüssel jetzt bekommen?" fragte Ella.
Er sah sie nur gequält an. Dann wandte er sich nach einer Pause an Ella.
„3ch bin ganz aus der Äebung - - ich versuchte alles, um in die Wohnung hineinzukommen. Vor zehn Fahren —"
..Warst du in seinem Zimmer?" fragte Paula.
„Unb babei hatte er noch verteufeltes Glück," erklärte er. „Sein Rame stand an ber Tür, die obendrein unverschlossen war. Er hatte fast nichts in seinen Taschen 3ch hatte seinen Rock noch nicht durchsucht, als er aufwachte und bas ganze Haus auf die Deine brachte. 3ch konnte gerade noch fortkommen, unb kaum war ich au« dem Haus, als ich eine Polizeipfeife trillern hörte. Glücklicherweife begegnete ich keinem Polypen auf meinem ganzen Rückweg."
„Hast du nun den Schlüssel?"' fragte Paula eindringlich.
,.3ch habe nichts bekommen — das sage ich euch doch," brummte er. ..War jemand hier?"
(Fortsetzung folgt.)


