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Ffnanzbedürfnifsen urtt) privatwirtschaftlichen Sonderinteressen d i e Bürgschaft für die Festigkeit der deutschen Währung und wird deshalb Versuche einer Aenderung des Reichsbankstatuts, durch die diese Sicherheit beeinträchtigt oder die fachmännische Leitung der Reichsbank in Frage gestellt werden könnte, bekämpfen. 3m Interesse der Ein­heitlichkeit der Reichspolitik und ihrer Vertretung nach außen und innen hält die Fraktion es jedoch für geboten, daß eine über ihre Zuständigkeit hinaus­gehende Einflußnahme der Reichs­bankleitung aus die Reichspolitik verhin­dert wird."

Kinanz-

und Berwaltungsreform.

Moldcnhauer und Luther zu dcnProblcmen des Tages.

Berlin, 26. Jan. (WB.) Der Reichsangestellten- lag der Deutschen Bolkspartei, an der u. a. Reichs- finanzministcr Dr. Moldenhauer und Reichs­kanzler a. D. Dr. Luther teilnohmen, befaßte sich mit der kommenden Finanzreform. Reichsminister Dr. M o l d e n h a u e r erklärte: Selten sei eine deutsche Delegation unter so ungünstigen Vorzeichen zu einer internationalen Tagung ge­fahren wie nach dem Haag. Uns fehlte der Mann, der so großes internationales Ansehen hatte wie Dr. Stresemann. Wenigstens war günstig, daß auf der anderen Seite ein starker Wille zur Ver­ständig un.g vorhanden war. Hier stand Tardieu als ein Mann, der sich vom ersten Tage an ehrlich bemüht hat, die Dinge zur Lösung zu bringen. Trotz­dem haben wir einen schweren Kampf zu kämpfen gehabt. Aber die Gegenseite hatte den Eindruck, wir gehen über die Grenzen des für uns Erträglichen nicht hinaus. Ich habe in diesen Tagen die Notwen­digkeit erkannt, daß eine selbständige Politik nur möglich ist, wenn man gesunde Finanzen hat. Reichsfinanzminister und Reichsbank sind auf eine ehrliche Zusammenarbeit angewiesen. Auf keinen Fall darf die finanzielle Unabhängigkeit der Reichsbank erschüttert werden. Das Ziel der Sanierung der Reichsfinanzen muß A b - deckung der schwebenden Schuld fein. Auch eine E n t l a st u n g der Wirtschaft muß eintreten. Eine große Finanzreform muß aber auch getragen sein von dem Verständnis der großen Mas­sen. Ich glaube, das deutsche Volk hat Verständnis dafür, daß nur ein [tarier Wille uns aus diesen Schwierigkeiten hinausführt. Ich habe die ab­solute Zuversicht, daß wir der Schwierigkeiten Herr werden. Es liegt bei uns, ob es wieder aufwärts geht. Reichskanzler a. D. Dr. Luther knüpfte an die großen Zusammenhänge zwischen Finanz­reform und Verwaltungsreform an und wies darauf hin, daß der Z i n s f u ß in Deutschland wesentlich höher ist als in seinen Nachbarländern. Wir müssen also eine Vertrauensprämie zahlen. Darum brauchen wir eine ganz andere E i n st e l l u n g zu den Dingen des öffentlichen Lebens. Diese Einstellung muß aus der Bevölkerung selbst herauskommen. Wir müssen durchstoßen durch die Zeit, in der man alles nur vom Interessenten- standpunkt aus sehen will. Nur vom festen natio­nalen Wollen kann man an die Rekchsreform Herangehen.

Die landwirtschaftliche Einheitssteuer.

Berlin, 26.3an. (Priv.°Tel.) Um die zahl­reichen Klagen der Landwirtschaft über die Un­gerechtigkeit des sie betreffenden Steuersystems gründlich nachzuprüfen, und die Möglichkeiten einer Abänderung zu erwägen, hat man sich im vergangenen 3ahr entschlossen, eine besondere Kommission aus Sachverständigen zusammen­zusehen Unter dem Vorsitz von Hilferding, dem damaligen Reichsfinanzminister, hat diese Kom­mission, der u. o. Schiele, Hermes, Fehr, Aere- boe, Geriete, Brüning, Horlacher, Keil usw. an­gehören. im 3uni 1929 ein Arbeitspro­gramm aufgestellt. 3m Mittelpunkt der Er­wägungen steht die Frage einer Einheits- steuer für die Landwirtschaft. Seit der Bera­tung im vergangenen 3uni ist nun die Kom­mission nicht mehr zusammengetreten, aber die

Melodien, die sich begegnen.

Von Dr. Georg (Schott.

Don 3oseph Haydn stammt, wie jeder einiger­maßen Musikkundige weiß, die Vertonung der alten österreichischen und der neuen deutschen Rationalhymne. Anfang 1797 hat er seinKaiser­lied" (Gott erhalte ..") komponiert, und ge­raume Zeit später erhielten die Verse Hoff­manns von Fallersleben (Deutschland. Deutschland über alles .."), die nach dem Krieg durch den Reichspräsidenten Ebert zur offi­ziellen Hymne der deutschen Republik erklärt wurde, die gleiche Melodie. Haydn selbst hat die Weise, die ihn in zwei Ländern so volkstümlich machte, schon zweimal vorher erklingen lassen: im Bencdictus der Marienzeller Messe (1782) und im zweiten Sah derDisben Worte des Erlösers" (1785). Kurz nach dem Entstehen der Hymne ist ihr musikalischer Gehalt in das viel- gespielteKaiserquartett", op. 76 III (1797) über­gegangen. wo er die Variationen des Andante be­streitet. Was aber hat Mozart mit diesem Schema zu tun? Richt mehr und nicht weniger, als daß sich schon in einer seiner 3ugend- schöpfungen (1773) der Refrain (also die vier Takte am Strophenschluß:Deutschland, Deutsch­land über alles .") notengetreu vorfindet. Da die MotetteExultate, jubilate" gerade jetzt außerordentlich häufig im Konzertsaal zur Auf­führung gelangt, wird die ganz ausfällige Ent­sprechung (bei Mozart aus den Worten:Al- lelujah) den meisten Hörern kaum entgangen sein. Aber auch Mozart darf die Erfindung des The­mas nicht unbestritten für sich in Anspruch neh­men. Max Friedländer führt in seinem Deutschen Lied" noch ältere Parallelen in einem Rondeau für Cembalosolo von Georg Phllipp Telemann und in dem LiedLebe, liebe, trinke, lärme" des Johann Friedrich A g r i k o l a (1753) an und erwähnt auch die allerdings problematische Ansicht eines kroatischen For­schers. der als Vorbild der Hymne Volkslieder seines Landes angibt. Amüsant ist, daß dann genau dieselbe Stelle die ja an sich nur eine sequenzarlige Verwertung der Tonleiter bedeu- tet auch bei Schubert vorkommt. 3m Chor Rr. 3 desStabat water" nimmt dieser Meister die Telemann-Mozart-Hahdnsche Melodie auf die WorteLiebend neiget er fein Antlitz" auf. Was beweist das alles? 3mmerhin soviel, daß dieser

Wehrmacht und Diktatur in Spanien.

Eine Umfrage prima de Riveras über den Fortbestand der Diktatur.

Madrid, 26.3an. (WTB.) 3n einem der Presse übermittelten Kommunique erklärt General Primo de Rivera, er wünsche zu wissen, ob das Regime der Diktatur noch immer auf das Vertrauen und die Unter ft ütjung der Armee und des Volkes rechnen könne. Da es unmöglich sei. sich auf direktem und zu­verlässigem Wege darüber zu unterrichten, so ermächtige die Regierung die zehn General­kapitäne. die an der Spitze der Militärbezirke stehen, sowie den Höchstkommandierenden der in Marokko stehenden Truppen, die drei General­kapitäne der Flotte und die kommandierenden Generäle der Gendarmerie, sich mit den Führern der ihnen unterstellten Truppeneinheiten zu besprechen und sowohl auf schriftlichem Wege, wie auch bei Ge­legenheit einer Zusammenkunft, die in Madrid unter dem Vorsitz einer maßgeblichen Persönlich­keit stattfinden soll, darüber Bericht zu erstatten, ob die Diktatur noch das Vertrauen der Armee und der Flotte besitze. Falls dieses verneint werde, werde Primo de Rivera mit den übrigen Mitgliedern des Kabinetts sofort dem König ihre Demission einreichen. Die Generale, die um ihre Ansicht angegangen wor­den seien, würden angesichts der heiklen und ernsten Lage gebeten, sich sobald wie möglich zu äußern. 3n der Rote, die Primo de Rivera an die Militärgouverneure gerichtet hat, beschäftigt er sich mit den studentischen Kundgebungen, den Versuchen, eine Finanzpanik hervorzurufen und den Gerüchten über angebliche Unruhen. Die

Rote erklärt, daß die Regierung in allen diesen Fällen davon absehen wolle, mit übertriebener Schärfe Unterdrückungsmaßnahmen zu ergreifen, daß sie aber ebensowenig sich mit ungenügenden Maßnahmen begnügen werde.

Heber die Vorgeschichte dieser Umfrage berich­tet dieMontagspvst" u. a. folgendes: Rachdem sich in den letzten Tagen wieder Alarmgerüchte über die Erschütterung über Primos Stellung verbreitet hatten, hätten verschiedene 3ourna- listen den Diktator um eine Unterredung gebeten. Primo habe ihrer Bitte entsprochen, ohne jede Scheu zu sprechen. Darauf sei er ge­fragt worden, ob es stimme, daß der König Primos Demission bereits angenom­men habe und daß der jetzige 3nnenminister, General A n i d o , sein Rachfolger werden solle, daß ferner ein aus drei Generälen bestehendes Verwaltungsdirektorium schon jetzt die tatsäch­liche Regierungsgewalt in Händen habe. Primo de Rivera habe zunächst laut aufgelacht. Als ihm aber nach und nach alle Gerüchte mitgeteilt wor­den seien, die im Umlauf seien, sei der Diktator plötzlich nachdenklich geworden und habe sehr ernst erklärt, er werde sofortzurücktreten, wenn er einen geeigneten Kandidaten f ü r seine Rachfolge müßte. Er kenne keinen und werde es sich nicht gefallen lassen, daß man ihm die Zügel gewaltsam entreiße. Rach der sehr zwanglos verlaufenen Unterredung sei Primo längere Zeit allein geblieben. Das Ergebnis seines Rachdenkens sei die Umfrage an d i e Offiziere gewesen.

einzelnen Referenten haben inzwischen außer­ordentlich umfangreiches Material gesammelt, das nach der Auskunft unterrichteter Kreise neue und wertvolle Ausschlüsse über die finanzielle und steuerliche Lage der Landwirtschaft bringen soll. Man beabsichtigt, die gesammelten Unter­suchungen in der nächsten Zeit zu veröffentlichen. Dagegen ist die praktische Weiter­arbeit vor allem hinsichtlich des Problems der Einheitssteuer einstweilen noch unge­klärt, da der neue Reichsfinanzminister Mol- denhaucr noch feine Zeit und Gelegenheit gefun­den hat, sich mit der Tätigkeit der Kommission zu beschäftigen.

Die Volkspartei fordert ein Roggenbrotgesetz.

Berlin, 25.3an. (WTB.) Wie die Ratio­nalliberale Korrespondenz mit teilt, hat der Ar­beitsausschuß der Deutschen Dolkspartei Verhand­lungen über die Möglichkeiten geführt, die zu einer Festigung des zusam mengebro- chenen Roggenpreises führen können. Der Ausschuß gibt der Ansicht Ausdruck, daß die Erhöhung des Eins uhrscheinwertes auf die volle Zollhöhe und eine Her­absetzung der Ausmahlungsquote für Roggen unter Prüfung der Frage eines angemessenen Kleiezolles sichergestellt werden müsse. Darüber hinaus erscheine die sofortige Einführung eines Roggenbrotgesetzes verbunden mit der entsprechenden Propaganda für Roggenbrotverzehr dringend erforderlich.

Die,/Gefahrenoerneinschaft" der Sozialversicherungen.

Berlin, 26.3an. (Priv.-Tel.) Wie wir aus gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen hören, hat sich bei den leitenden Stellen des Reichsarbeitsministeriums bei einer Besprechung über eine Gefahrengemeinschaft der Sozialversicherungen zugunsten der Arbeitslosenversicherung im allgemei­nen eine ausgesprochene Stimmung, gegen die­sen Plan geltend gemacht. Auch der Reichs- arbeitsminister W i s s e l l äußerte seine Beden­ken, so daß der Vorschlag von dieser Seite wohl keine Unterstützung erfahren wird. Der Reichs- finanzminister wird in der nächsten Zeit zu diesem Problem Stellung nehmen, während

einfache glückliche Einfall drei Großmeister be­schäftigt hat; wir sind also beim Gesang der Strophen musikalisch in der besten Gesellschaft.

Bei dieser Gelegenheit seien aus dem uner­schöpflichen Bereich der musikalischen Parallelen einige charakteristische Beispiele zusammengetra- gen. Man soll ihre Bedeutung gewiß nicht über­schätzen und keine voreiligen Abhängigkeiten kon­struieren: ein ergötzliches Spiel des Zufalls blei­ben sie ein für allemal, und mitunter bringen sie doch den Beweis einer geistigen Wahlver­wandtschaft. Dies am ehesten wohl, wenn sich zwei Große in ihren Melodien begegnen. Da mag z. V. von einer melodischen Gemeinschaft die Rede sein, die Brahms und Schubert mehr­mals aufzeigen. Man wird den Beginn des Lie­des3ch frage keine Blume" aus Brahms D- Dur-Serenade (wo das Thema ohne Auftakt vorkommt) sofort heraushören, und auch der Schluß derSapphischen Ode" erinnert stark an die letzten Takte von SchubertsAm Meer", wobei beide Male das WortTränen" dieselbe Wendung erhält. Haydn und Wagner haben nun freilich nicht viel miteinander zu tun: trotz­dem findet sich im 3. Streichtrio Haydns bereits das Thema des Lohengrin-Brautchors vorgebiidet. Chopins kleine Oes-Dur-Elüde gemahnt in ihrer prägnanten Thematik an den letzten Satz einer Beelhoven-Sonatine, op. 79.Geheime An­ziehungskräfte" (Dynamiden» bewies ein so ge­nannter Walzer von Josef Strauß auf feinen großen Ramensvetter Richard, in dessen Rosenkavalier"-Walzer gerade dieser Walzer deutlich wiederklingt. Die einprägsame Eingangs­melodie des SchlagersFräulein Pardon" hat vor manchen Jahrzehnten bereits 3aques O f - fenbach in seiner entzückenden OperetteRach dem Zapfenstreich" gekannt.

Das von unserer 3ugend vielgesungeneWenn wir marschieren" hat für die Anfangsmelodie mit dem charakteristischen Rhythmus in Händels ArieLascia eh io pianga" eine klastische Vor­stufe. wie sich denn auch der GassenhauerMar­garete. Mädchen ohnegleichen", der vor zweiein­halb 3ahrzehnten sehr verbreitet war. auf Cho­pins l-Moll°Klavierphantafie, aber auch auf dos Andaiite von Beethovens E^-Dur-So- nate op. 27 I mit Fug berufen kann

Endlich zwei Beispiele von Melodien, die sich berühren, ohne daß irgendein unmittelbarer Zu­sammenhang anzunehmen oder auch nur denkbar wäre. Wer früher das LiedchenBüblein. wirst

in einzelnen Gewerkschaftskreisen die Gesahrengemeinschafk eine starke Befürwor­tung erfährt, da man auf diesem Wege einen Machtzuwachs für die Sozialver­sicherungen erwartet.

Um die Große Koalition in Preußen.

Berlin, 26. Ion. Am Samstag wurden nur die unverbindlichen Einzelbesprechungen fortgesetzt. Der preußische Ministerpräsident Braun hat der Errvartung Ausdruck gegeben, daß ihm am M o n - t a g nach Abschluß namentlich der demokratischen und volksparteilichen Fraktionssitzungen die Vor­schläge der Partei unterbreitet werden, damit er in der Lage sei, die entscheidenden Schritte zu tun.

Das Zentrum zum Haager Ergebnis.

Berlin, 26. 3an. (WB.) Dem Reichspartei­vorstand des Zentrums erstattete Reichsminister Dr. Wirth ein eingehendes Referat über die Haager Ergebnisse. Rach kurzer Aussprache wurde folgende Entschließung angenommen:Der Reichsparteivorstand sprach dem Herrn Minister Dr. Wirth und den anderen Ministern der Zen­trumspartei den Dank der Partei aus für ihre unermüdlichen Versuche, eine den politischen Auf­fassungen der Zentrumspartei entsprechende, den Lebens Notwendigkeiten des deut­schen Volkes Rechnung tragende Lö­sung der im Haag zur Beratung stehenden Fragen zu finden. Der Reichsparteivorstand hat volles Vertrauen, daß die Zentrumsfraktion des Reichstages, von den gleichen Voraussetzungen ausgehend, unter Berücksichtigung der ges amtpolitischen Lage ihre Entscheidun­gen treffen wird."

3m weiteren Verlauf der Aussprache wurden dann hauptsächlich die wirtschaftlichen, finan­ziellen und innenpolitischen Auswirkungen der Haager Beschlüsse erörtert. Eine Entschließung lenkt die Aufmerksamkeit auf die schwierigen Verhältnisse in den Grenzbezirken im Westen und Osten und fordert eine tatkräftige, sy st ematischeGrenz Bandförderung.

Zur Saarfrage wurde folgende Entschlie­ßung angenommen:Der Vorstand der Deutschen Zentrumspartei begrüßt die Fortsetzung der Pa-

du ein Rekrut" (Wer will unter die Soldaten") gelernt hat. dem wird sicher auffallen, daß in DerdisTraviata" die Warnung des alten Germont an seinen Sohn (Hat dein heimatliches Land") in Melodie und Rhythmus ganz entspre­chend gebildet ist.

Zwischen Tartarenmusik und Richard Wag - n e r aber dürfte auch die kühnste Phantasie kaum geistige Verbindungslinien konstruieren können. ilni) doch haben bei den Vorträgen von Professor D o e g e n . dem Direktor der Lautabteilung der preußischen Staatsbibliothek in Berlin, jedesmal die Hörer sofort herausgefunden, daß der Beginn eines tartarischen Chorliedes, das er aus feinen Grammophonbeständen Vorspielen ließ, unverkenn­bare Aohnlichkeit zum Beckmeller-Motiv auf­wies ...

Eine Sofort mit der chinesischen piraten-Königin. Wahrend das Räuberwesen in den früheren Hochburgen dieses Berufes immer mehr ver­schwindet, die Mafia in Sizilien ausgerottet ist, die Briganten auf dem Balkan und in' der Türkei feiern und nur in den Vereinigten Staaten sich merkwürdige neue Formen des Brigantenwesens bilden, erlebt dieses uralte Handwerk in China einen kaum je erreichtenAufschwung". Das Geschäft der Entführungen von reichen und mäch­tigen Persönlichkeiten, die große Lösegelder zahlen müssen,.blüht unter den herumziehenden Soldaten­horden, und selbst die Generale und Gouverneure beteiligen sich an diesen einträglichen Transaktio­nen. Daneben wird die Piraterei eifrig betrieben, und es ist ein Zeichen der modernen Zeit, daß auch die Frau sich auf diesem bisher den Män­nern vorbehaltenen Gebiet zu betätigen beginnt. Verschiedentlich hat man bereits gehört, daß die Banden, die Schiffe überfielen, von kühnen Damen befehligt wurden und es gibt sogar eine Piraten-Königin", die die von ihrem Vater ererbte Organisation bedeutend ausgebaut und verbessert hat. Ein Amerikaner Lilius hat die günstige Gelegenheit wahrgenommen, auf einem Schiff dieser Seeräuberin eine Fahrt zu machen, und diese interessante Persönlichkeit dabei näher kennengelernt.Was für eine Frau ist doch diese La: Choi San," erzählt er in befnAmerican Weekly Magazin". ..Diese Königin der Piraten, die Befehlshaberin einer Flotte von zwölf, mit

riser Verhandlungen zwecks Rückgliederung be8 Saargebietes. Er erwartet die r e st l o s e poli­tische und wirtschaftliche Wieder­eingliederung des Gebietes in den Verband des Reichs. Preußens und Bayerns. Diese Rückgliederung ist eine toe* fentließe Voraussetzung für eine wahr­hafte Verständigung zwischen Deutsch­land und Frankreich. Entsprechend dem Willen der gesamten Saarbevölkerung und den wiederholten Erklärungen des Reiches und der Länder Preußen und Vayem sind die Verhand­lungen über die Zukunft des Saarbergbaues so zu führen, daß die Gruben einschließlich aller erschlossenen und nicht erschlossenen Kohlenfelder in den uneingeschränkten Besitz des preußischen und bayrischen Staates gelangen. Bei der Regelung der zukünftigen Handelsbeziehungen müssen die Lebensinteressen des Saargebietes und der benachbarten deutschen Gebiete auf der Grundlage völliger Gleichberech­tigung gewahrt werden."

Llnabhängigkeitstag in Indien.

London, 26. 3an. (5U.) Bei der Feier des 3ndischen Unabhängigkeitstages kam es jn Bom­bay zu einem ernsten Zwischenfall. Dreihundert Baumwollspinnereiarbeiter, die dem Kommunis­mus nahestehen, suchten die Tribüne einer Massenversammlung zu stürmen. Dem Bestreben, die Kongreßfahne niederzuholen und die rote Flagge an ihrer Stelle zu hissen, folgten schwere Auseinandersetzungen zwischen den Kom­munisten und den Versammlungsteilnehmern, die so ernst wurden, daß die auf der Plattform befindlichen Frauen, unter ihnen die Frau des Präsidenten des 3ndischen Rationalkongresses, Rehru. in Sicherheit gebracht werden mußten. Den Kommunisten gelang es, sich vorübergehend der Tribüne zu bemächtigen, von wo aus sie Gandhi beschimpften. Sie wurden aber schließlich vertrieben. Die Zahl der bei den Zusammen­stößen Verletzten ist noch nicht bekannt.

Die Stadtverordnetenversammlung von Kal­kutta beschloß, am llnabhängigkeitstag die Flagge der indischen Rationalisten zu hissen. Bei allen festlichen Gelegenheiten soll in Zukunft ebenfalls diese Flagge gesetzt werden. Der Bürgermeister erklärte den Union 3ad als eine Beleidigung der nationalen Ehre 3ndiens und forderte die Bewohner auf, den Beschlüssen des Allindischen Kongresses in Lahore zu ge­horchen.

Für die Veranstaltungen im ganzen Lande ist eine in Hunderten von Sprachen und Dialekten verfaßte Entschließung vorbereitet worden, in der es heißt: Wir glauben an das unan­fechtbare Recht des indischen Volkes. Die bri­tische Verwaltung hat das indische Volk nicht nur seiner Freiheit beraubt, sondern hat sich durch die Ausbeutung der Massen bereichert und 3ndien wirtschaftlich, politisch, kulturell und geistig zugrunde gerichtet. Wir glauben daher, daß 3n- dien seine Verbindung mit Großbri­tannien zerschneiden und seine völ­lige Unabhängigkeit zurückgewin- nen muß. 3n der Entschließung wird weiter die Ueberzeugung vertreten, daß die Zurück­ziehung aller freiwilligen Hilfe für die britische Verwaltung und die Einstellung der Steuer­zahlung zum Ziele führen werde. Zum Schluß wird die feierliche Verpflichtung ausgesprochen, die Beschlüsse des indischen Rationalkongresses für die Herstellung der völligen Unabhängigkeit des Landes durchzuführen.

Aus aller Wett.

Schwere Zuchthausstrafen für Räuber.

Das Schwurgericht in Arnsberg verurteilte den Räuber Liesegang wegen schweren Rau- bis zu 6 !/2 3 obren Zuchthaus und seinen Komplizen Gard? wegen schweren Raubes und versuchten Totschlages zu einer Gesamtstrafe von 71/2 3 ahren Zuchthaus. Die Angeklagten waren am 25. Rovember v. 3. in das Verwal­tungsgebäude der chemischen Fabrik in Wock - lum eingedrungen und hatten dabei etwa 600 Mark erbeutet. Die Räuber waren dann geflohen. Zwischen ihnen und den verfolgenden Gendarme­riebeamten entwickelte sich ein F e u e r g e f e ch t.

alten Kanonen gespickten Kampfdschunken. Ziem­lich schlank und klein, das blauschwarze Haar durch zwei schöne 3ade-Radeln zu einem Knoten im Racken zusammengehalten, mit Ohrringen und Armbändern aus demselben apfelgrünen Edel­stein, goldene Ringe an der Hand so trat sie mit ruhiger Sicherheit auf mich zu. 3hr Gesicht und ihre dunklen Augen machen einen fingen Eindruck; sie sieht nicht sehr chinesisch aus, aber kühn und entschlossen. Sie ist vielleicht 40 3ahre und bewahrte in ihrer weißen Seidenrobe mit grünen 3adeknöpfen und in ihren weißen Deiden- pantofseln den Anstand einer Dame. Dabei ließ ihr Auftreten keinen Augenblick vergessen, daß sie zu befehlen gewohnt war. Meine Verbeugung beachtete sie kaum, sondern unterzog mich einem strengen Kreuzverhör, worauf sie mir gestattete, für 43 Dollar den Tag nach Macao mitzufahren. Ein Zollbeamter dieses Hafens gab mir später Aufschlüsse über sie. Sie hat ihr Geschäft von dem Vater geerbt. Dieser besaß sieben bewaffnete Dschunken, mit denen er die Spielhöllen und Banken von Macao gegen lästige Angriffe von feiten der Behörden schützte. Er hatte sich sogar den offiziellen Titel eines3nspe^tors" zuge­legt. Daneben führte er auch die Oberaufsicht über die Fischerflotten auf hoher See und brand­schatzte diese unter dem Vorgeben, sie gegen feindliche Angriffe zu sichern. Die Tochter hat dieses Geschäft weiter aufgebaut und gebietet heute über zwölf Dschunken, die mit vorsintflut­lichen Kanonen ausgerüstet sind und von denen jede eine bis an die Zähne bewaffnete Mann­schaft hat. Diese Piraten sind ihrerKönigin" un­bedingt ergeben und bilden eine stattliche Macht, mit der die Geschäftsleute und die Fischer von Macao rechnen müssen." Auf seiner Fahrt konnte der Amerikaner die Methode der Seeräuberin beobachten. Man sichtete eine Fischerflotte von etwa 100 Dschunken. Frau Lai Choi befahl, ruhig aus einer Kiste sitzend, den Angriff, worauf einige Schüsse auf die größte Dschunke abgefeuert wurden, die darauf sofort anhielt. Der Kapitän erschien an Bord des Piratenschiffes und über­reichte unter großen Ehrenbezeugungen einen -tribut. Das Seeräubergeschäft der Dame voll­zieht sich so in meist ruhigen und ungefährlichen Formen und unterscheidet sich sehr von den -Untaten der Piraten der Bias-Bai, die sich auf fremden Schiffen einschleichen, ganze Mannschaf­ten niedermeheln oder in die Gefangenschaft führen.