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Eine Stiftung für das Liebig- Museu m. Dein Liebig-Museum in Gießen wurde von Herrn Dr. Ad. von den Velden in Weimar ein genealogischer Wandteppich mit
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 27. Januar 1930.
Oie Arbeit der NahrungSmittelpolizei in Gießen im Jahre 1929.
Die Nahrungsmittellontrolle wird im allgemeinen in der Oesfentlichkeit wenig bekannt. Hin und wieder verschafft ein ausfallendes Gcrichts- uileil einen Einblick in diese wichtige Ausgabe der Polizei. In welchem weit größeren Umfange sich diese polizeiliche Tätigkeit im Laufe eines Jahres aber auswirkt, möge — so schreibt uns das Polizei amt Gießen — zur Beruhigung der Bevölkerung und zur Warnung an gewissenlose Händler nach- ftehende Schilderung zeigen:
Es wurden im Jahre 1929 voin Polizciamt Gießen 517 Proben von Nahrungs- und Gcnußmitteln dem Chemischen Untersuchungsamt Gießen zur Nachprüfung übergeben. Es waren folgende (die Zahlen der Beanstandungen sind in
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Bornotizcn.
— Tageskalender für Monta g. Goethe bunt): 3. Oichteravend, Alfred Neumann liest aus eigenen Werten, 20 Uhr, Neue Aula. — Naturheilverein: katholisches Vereinshaus. Frauenvortrag über das Thema „Die Entstehung und Heilung der Frauenkrankheiten", 20 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Still wie die Nacht und tief wie das Meer soll meine Liebe sein", und „Die Geburtstagsüberraschung". — Astoria Lichtspiele: „Zirkus Trom boli" und „Rivalen in Alaska".
— A u s dem S t a d t t h e a t e r v u r e a'u >vird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, 28. Januar, findet die erste Wiederholung des erfolgreichen Kriegs- ftückes „Die andere Seite" statt, das unter der Spielleitung von Intendant Dr. Brasch auch in Gießen einen nachhaltigen, erschütternden Erfolg gehabt bot. — Am Mittwoch, 29. Januar, Lustspielpremiere „Du wirst mich heiraten!" von Berneuil. Spielleitung: Oberspielleiter Hans Tannert. — Am Donnerstag, 30. Januar, einmaliges Gastspiel Paul Wegener in „Der Gedanke" von Andrejew.
Klammern beigefügt):
Mehl-, Back- und Teigwaren
Konditoreiwaren, Fruchtsäfte, Obst und Obstkonserven
Wurst- und Fleischwaren
Milch und Milchkonservcn
Butter und Siäfe
Margarine und sonstige Fette und Oele Wein und Obstwein Bier und Branntwein
wobei ein Räuber Ramens Wichert erschossen wurde. Liesegang ist mit 15 Jahren Zuchthaus wegen Raubes mit tödlichem Ausgang und Garde mit 13 Jahren Zuchthaus vorbestraft Beide Angeklagten sind seinerzeit von dem erschossenen Wichert a u s d e r I r r e n- anstatt Buch befreit worden. Das Gericht kam zu der Entscheidung, daß die Angeklagten als Ueberzeugungstäter gehandelt hatten. Wenn es ihnen aus die Erlangung von Geld an- gekommen wäre, so hätten sic dies leichter bei anderen Einbrüchen erhalten können. Bei der volitischen Einstellung der Angeklagten -- Liese- gang bezeichnet sich als Anarchist und Garde als Linkskommunist — bestehe die Möglichkeit, daß sie bei dem Einbruch es auf Pläne abgesehen hätten, die ihnen irgendwie bei späteren Terrorakten nützlich sein könnten.
vorzügliches Verhallen des Kapitäns Dreyer.
Die ruhige und wirkungsvolle Führung des Kapitäns Dreyer von der „M onte Cervan- t e s" während des Verlaufes der Schiffskata- strophe hat allgemeine Bewunderung gefunden. Kapitän Dreyer, der noch immer vermißt wird, wird in keiner Weise für die Katastrophe verantwortlich gehalten. Ein ähnlicher Unfall im Beagle-Kanal traf 1912 bereits den Dampfer .Sarmiento", der gleichfalls untergmg.
Ein Huhn verursacht ein Motorradunglück.
Zwischen Nordhorn und Lingen an der Ems flog einem Motorradfahrer plötzlich ein Huhn in das N a d. Die Maschine geriet ins Schleudern und raste I Kaffee, Tee, Kakao und Schokolade gegen einen Baum. Dabei wurde der Beifahrer Wasser und Mineralwasser getötet. Essig, Gewürze und Spezereiwaren
Die Mutter mit fünf Kindern verbrannt. Von sämtlichen untersuchten Proben
3n Atlanta (Michigan) kamen eine Mutter standet: 65 Proben - 12,6 v. H., gegen die im Bor- und ihre fünf Kinder im Alter von sieben bis jahre 14,7 v. H. Wie die Aufstellung ersehen laßt, 14 Fahren beim Brand eines Wohnhauses um. erstreckt sich ein sehr großer Teil der Untersuchungen Der Brand war durch einen überheizten auf Milch und Milchpräparate. Weiter wurden 1050
Milchproben durch die Nahrungsmittelkontrollbeamten vorgeprüft. In 12 Fällen, bei welchen die Milch verdächtig erschien,' mußten bei Landwirten in verschiedenen Ortschaften von unseren Kontrollbe- ointen in den Früh- und Abendstunden Stallproben erhoben werden. Wegen Nahrungsmittelfälschung, insbesondere wegen Milchsälschung, wurden ganz erhebliche Geldstrafen und in einem Falle 3 Wochen
Ofen entstanden.
Schweres Straßenbahnunglück in Stettin.
Ein schweres Straßenbahnunglück wurde dadurch verursacht, daß an einem Strahenbahn- zug die Koppelung des Anhängers sich aus unbekannten Gründen löste. Der Anhänger sprang aus den Schienen und prallte mit solcher Wucht gegen ein Gebäude, daß er s i ch , @ -än i5 „erhängt übcrJd)[ug. Oia^ Öen bisherigen polizeilichen Ordern wurden 1577 Revisionen in Feststellungen sind bei dem Unfall d re i M en - a n e n Gewerbebetrieben und Hand- sch en leben zu beklagen. Außer den drei (un in welchen Rahrungs- und Genuß- Todesopfern forderte das Unglück noch 2 4 Ber- I Berkaus stehen, gelagert und her-
letzte unter den Fahrgasten gestellt werden, z. B. auch in Backstuben, Mehl-
Cärmfaenen im Kino. fammern, Wurstküchen und Speiseeisherstellungs-
3n München kam es bei der Erstaufführung des räumen auf Reinlichleit, sachgemäße und vor- Tonfilmes „In einer kleinen Kon- schriftsmäßige Behandlung der Ware vorgenom- d i t o r e i“ im Phoebus-Palast zu schweren Lärm- men. Hier wurden zum Teil erhebliche Mängel szenen. Cs ertönten immer wieder die Rufe: sestgcstellt. Es wurden größere Mengen ver- ..Schluß! Auf hör en!" Sch'ießlich wurde das dorbener Fleisch- lind Wurstwaren vorgefunden, Ilebersallkommando alarmiert und eine Hundert- beschlagnahmt und der Abdeckerei zugeführt, schäft Schutzleute in das Theater entsandt. 2m Brotgewichtsrevisionen wurden 296 vorgenom- ^uschauerraum kam es zu Raufereien, wobei men. wobei auch das von auswärts zugefahrene einzelne Demonstranten mit Gewalt entfernt wer» Brot der Gewichtskontrolle unterzogen worden den mußten. Der Film konnte dann zu Ende ge- ist. 210 Brote, die Mindergewicht bis zu 160 spielt werden. Gramm hatten, wurden weggenommen und die
Von Wilddieben erschossen. betressenden Bäcker zur Anzeige gebracht. Auch
In Nieder-Mendig (Eifel) wurde der PolizeihaUpt- auf die Kohlen, welche in Säcken den Berbrau- wachtrneister Rohmann beim Kampf mit Wilddieben chern zugefahren werden, wurde ein besonderes durch einen Bauchschuß so schwer verletzt, daß er an Augenmerk gerichtet. Bei 132 Stichproben tonn- den Folgen der Wunde im Krankenhaus starb. Metz- ten strafbare Fälle von Mindergewichten in rere verdächtige Personen wurden bereits verhaftet, den Säcken nicht festgestellt werden. Ferner Jet
Cinf(ur}unglürf in einet ii«en Mtche.
In der apulischen Hafenstadt B a r i ereignete rätigbaItcn bon Hackfleisch in der Sommerzeit ßch cm folgenschweres Unglück in bet Kirche un^ Fleischeinfuhr unter dauernder polizei- zum Heiligen Ricolaus. an deren Ausbesserung Iic^r Kontro'b: stehen. Wegen verbotswidrigem öur \LGltI gearbeltet^wtrd. Etn über dem Altar Borrätighalten von Hackfleisch wurden neun 1Hsckjg^n befindliches B a u g c r u st stürzte I Metzger angezeigt und bestraft.
unverhofft zusammen und begrub sieben Arbeiter ^in Ne Bevölkerung vor gesundheitlichen unter den Trümmern Bei den Rettungsarbeiten Schäden zu schützen, ist reichsgesehlich geregelt, tonnte einer nur noch a l s Le i che geborgen ^ß alle Tiere, deren Fleisch zum menschlichen
werden Ein Arbeiter erlitt einen Schadeibruch, @enuß ^stimmt ist, und nicht restlos im eigenen
an dessen folgen er starb. Haushalt verwendet wird, vor und nach der
• 50 Jahre Urheberschuhfrist. Schlachtung von einem amtlich verpflichteten
Der Reichsjustizminister hat in einer Konferenz Fleischbeschauer oder Tierarzt untersucht werden.
mit Vertretern der Akademie der Künste und den gn Gießen ist durch eine besondere Polizeiver- !Urheberverbänden in Aussicht gestellt, daß die vrdnung geregelt, daß alles frische Fleisch von heute 3 0 Jahre nach dem Tode betragende Bindvieh, Schweinen, Schafen, Ziegen, Pferden Arheberschuhsrist durch Gesetz auf 50 und Hunden, das von Metzgern, Händlern, Ho- Jahrc verlängert werden soll, jedoch mit tels und Wirten von außerhalb eingeführt und der Einschränkung, daß nach dem Ablauf restlos im eigenen Haushalt verwendet
von 25 Jahren nach dem Tode des Verfassers toirb, auf dem kürzesten Wege zur Rachschau in jeder das Werk nachdrucken darf, vor- £>cn städtischen Schlachthof zu verbringen ist. ausgesetzt, daß er dem Ztrheberberechtigten recht- S)jev fci zur Unterrichtung der Einwohnerschaft zeitig schriftlich davon Mitteilung macht und ihm „och erwähnt, daß die Einfuhr von frischem eine Tantieme von 10 v. H. des Preises Fleisch in Gießen in den Monaten April bis von jedem verkauften Eremplar des Werkes be- September nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr zahlt. Die Vorlage dieses neuen deutschen Ge- und von Oktober bis März nur von 7 bis setzes, das dem englischen Urhebergesetz von 1911 19 Uhr stattfinden darf. Anzeigen wegen Zu- nachgebildet ist, ist allerdings erst im näch - I Widerhandlung gegen diese Verordnung mußten ft en Jahre zu erwarten. in 9 Fällen erhoben werden. Gleichzeitig wird
Reue deutsche Großsender. darauf hingewiesen, daß auch auswärtige Metzger
Im Rahmen des Senderbauprogramms des Reichs- »nd Händler Fleisch- und Wurstwaren nach der postministeriums, zu dem die Errichtung von Labenschlußzeit ihren Kunden.in der Stadt ®ie» zwei Großsendern für Südwe st deutsch- ^eu picf)t mi^?y zubrmgen burfem
land und Ostpreußen gehören, schweben f Bei aller Strenge, welche die Polizei auf die- augenblicklich auch Verhandlungen über die Ernch- ^^wichtigen Gebiete Übt, ist die Be- tung von zwei neuen Großsendern für anstandungsziffer. 12.6 vH. IM Jahre 1929, Berlin und Leipzig. Die beiden Großsender gegen 147 vH. un Jahre 1923 immer noch für Südwestdeutschland und Ostpreußen sind vom ÜCf<Lan; v r ..
Reichspostministerium bereits in Auftrag gegeben S
worden. Der eine kommt an der Grenze von Baden ichtet aille ihnen bekan^ wcrvv.iden Mange
Ötelftna Ver iröeHc ro"rb 8U bungen. Sie Polizeibeamlen haben »eifuna ®inen S°ia°nb k "s OK'im U? va^Kön |7-
b er0 entfernt «dafen. SBie mir hören, find ’ 6 W -U
bereits die für die Errichtung dieser beiden Sender ' b notwendigen Maschinen in Auftrag gegeben worden, und auch das Gelände ist inzwischen von der Reichspost übernommen. Die A n t e n n e n l e i st u n g der beiden Großsender beträgt 60 bis 100 Kilowatt, so daß also die bisher vom'Rundfunk vernachlässigten Gebiete nunmehr in einen einwandfreien Genuß »on Rundfunkdarbietungen kommen können. Nach den vorliegenden Plänen soll der kommende Leip- ’iger Sender mehr als 50sach so stark wie der bisherige sein.
Die Universität Straßburg will den 100. Todestag Goethes feiern.
Die Straßburger Universität hat beschlossen, 1932 den Todestag Goethes als ehemaligen Studenten der früheren protestantischen Universität Straßburg festlich zu begehen. Es ist die Veröffentlichung eines W e r- l e s über Goethe in Aussicht genommen, ferner Vorträge, eine F e st v o r st e 11 u n g, eine Ausstellung von Büchern und Dokumenten über Goethe und ein Ausflug nach Sesen - heim. Eine Kommission bestehend aus Germanisten der Universität soll mit Unterstützung eines Vertreters der Gemeindebehörde von Sesen- heim und verschiedenen elsässischen Persönlichkeiten das Programm für diese Erinnerungsfeier ausarbeiten.
bet Darstellung der Ahnentafel von I. v. Liebig gestiftet. Das ausgezeichnete Werk des bekannten Künstlers ist der Ausstellung des Kunstvereins in Gießen eingereiht worden und kann dort besichtigt werden. Es bietet eine völlige Harmonie von Sinn, Form und Farbe und soll im Februar in einer öffentlichen Versammlung der Gesellschaft Liebig-Museuni erläutert werden.
** Jubiläums spende an bas Wohl- ahr t s a m t. Anläßlich des 25. (tzeichästsjubiläums spendete — wie uns vom Wohlfahrtsamt mitgeteilt wird — Herr Karl Zwang, Neustadt 49, in dankenswerter Weise dem Wohlfahrtsamt für die Armen der Stadt Gießen verschiedene Stoffe und Kleidungsstücke.
** Der Unfug der Kettenbriefe geht in unserer Stadt und in der Umgegend unverändert weiter, obwohl wir erst vor kurzem daraus hingewiesen hakten, daß es sich hierbei nur um groben Unfug und völlig sinnloses Treiben handele. Es wäre vernünftig, wenn jeder, dem ein solcher Wisch ins Hans fliegt, ihn dem Papierkorb ober dem Ofen einverleiben würde, anstatt auf solchen hahnebüchenen Unsinn noch etwas zu geben.
•* Vorführung deutscher Barock- musik. Man schreibt uns: In der am kommenden Freitag, 31. Januar, im Großen Hörsaal der Universität stattfindenden Vorführung deutscher Barockmusik durch das Musikwissenschaftliche Seminar gelangen vier- und fünfstimmige 3 capella-Chöre und Orchestersuiten von H. L. Haßler, M. Franck und 2. H. Schein, sowie eine Anzahl bedeutender Sololieber (mit Klavierbegleitung unb Orchesterzwischenspielen) von 21. Krieger zum Vortrag. In diesen Werken verkörpert sich dos Wesen der deutschen Musik aus der Zeit des 30jährigen Krieges, wenn auch nicht in ganzem Umfange, so doch in wesentlichen Zügen. Ganz im Gegensatz zu der berauschenden Pracht, dem überhitzten Affektstil und dem sinnlichen Kontrastreichtum der frühbarocken Musik in Italien um 1600 äußern sich in den Jntraden M. Francks, den Paduanen Scheins und nicht zuletzt den anmutigen Liebesliedern H. L. Haßlers bei aller klanglichen Fülle und allem melodischen Wohllaut eine Gemütstiefe unb Innerlichkeit des Empfindens, die beide der deutschen Seele entstammen. Durch köstlichen Humor zeichnen sich andererseits die Trinklieder I. H. Scheins, eines Vorgängers I. S. Bachs im Leipziger Thomas- fantorat aus, während die Trink- unb Liebeslieder des Dichterkomponisten 21. Krieger durch eine Mannigfaltigkeit der poetisch wie musikalisch gestalteten Seelenregungen überraschen, die lebhaft an F. Schubert oder H. Wolf erinnert. Gleich diesen Künstlern vermag auch Krieger die Vielzahl der Erlebnisse vom Innig-Religiösen über das Pathetische, Feierlich-Erhabene bis zum gemütvoll-humoristischen in Worte unb Töne zu fassen. Richt mit Unrecht hat man ihn daher auch schon den „Schubert des 17. Jahrhunderts" genannt. Man beachte die Anzeige in der vorigen Samstag-Ausgabe.
** Die Hinterbliebenenfürsorge aus der Invalidenversicherung. Das Reichsversicherungsamts hat in einer Revisionsentscheidung vom 20. Januar 1930 entschieden, daß für die Hinterbliebenen solcher Bersicherten der Invalidenversicherung, die vor dem 1. Januar 1912 verstorben sind, durch die Erstattung der Beiträge der Anspruch auf Hinterbliebenenfürsorge nicht ausgeschlossen wird.
** D i e nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei hielt am Mittwochabend im „Postkeller" eine gut besuchte öffentliche Versammlung ab. Nach einer kurzen Einleitung durch Studienrat Dr. Blank sprach Dr. Albrecht (Altenburg) über bas Thema: „Der Verrat am schaffenden Volk. Wie werden wir es besser ma= dien?" Zunächst wies der Redner darauf hin, daß
vielfach die Auffaffung vertreten sei, die Rettung | Deutschlands sei von kleinen politischen Tagesfragen, insbesondere von Berufsfragen, abhängig. Aus dieser Einstellung der politischen Parteien sei die jetzige Not unseres Volkes eingetreten. Er besprach dann die Frage: „Was haben die politischen Par- ieien und was die einzelnen Wirtschaftsgruppen bis heute zur Besserung der Uage erreicht?" und vertrat dabei die Auffassung, daß die Parteien bei ihrer Tätigkeit von einer falschen Plattform ausgegangen seien. Weiter suchte der Redner an Hand der Geschichte und unter Bezugnahme auf den Weltkrieg nachzuweisen, daß der Sieger stets zwei Ziele im Auge habe, nämlich die Wehrlosmachung unb wirtschaftliche Vernichtung des Besiegten. Der Besiegte müsse bezahlen, es komme nur auf das „Wie" an. Der Poungplan fordere die Zahlung der Repnra tionen von drei Generationen und bürde uns untragbare Lasten auf, an denen wir schließlich zugrunde gehen müßten. Weiter erläuterte der Redner kurz den Weg der Erfüllungspolitik, und zwar von der Anerkennung des Versailler Diktats bis zur Unterzeichnung des Poungplans. Er kritisierte in längeren Ausführungen die seitherige Erfüllungspolitik und vertrat die Auffassung, daß mit dieser jede Lebensmöglichkeit des deutschen Volkes ausgeschlossen jei. Weiter beschäftigte er sich mit den einzelnen politischen Parteien und ihrer Wirksamkeit, erläuterte die Grundgedanken des Nationalsozialismus mit dem Hinweis, daß nur durch die politische Macht etwas zu erreidjen sei. Er kam bann auf die Regierungsbildung in Thüringen zu sprechen, wo die Nationalsozialisten das Innenministerium besetzt haben unb entwickelte in längeren Ausführungen, in w.lcher Form eine Besserung der Verhältnisse möglid) sei. Weiter wies der Redner in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Oesterreid) Hinsichtlid) feiner Zahlungsverpflichtungen ein gün- ftiges Moratorium erhalten habe, während die Türkei überhaupt nichts bejahte, ein Zeichen, daß die Befürchtungen der Erfüllungspolitiker hinsichtlich der angedrohten Zwangsmaßnahmen keine besondere Berechtigung gehabt hätten. Er schloß mit den Worten: „Lieber das Leben opfern, als daß Deutschland zugrunde geht" Da fid) niemand zur Aussprache meldete, wurde die Versammlung mit einem Schlußwort des Referenten gegen 11.15 Uhr geschlossen.
' „Deutsche Musik unb deutscher San g". Unter dieses Motto hatte die Ortsgruppe Gießen im Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Verband einen Abend gestellt, der am letzten Dienstag im Cafe Leib stattfand. Etwa 600 Mitglieder mit deren Angehörigen, sowie eine Anzahl Gäste füllten den Saal, ilnter der bewährten Stabführung seines Dirigenten Weller brachte der Orchester-Verein Gießen 1908 Stücke deutscher Meister zum Vortrag, oft durch nicht endenwollenden Beifall zu Zugaben gezwungen. Vorzüglich gelangte die Ouvertüre zu Rosamunde, sowie zum Schluß die Baklettmusik aus dem gleichnamigen Stück von Schubert, zum Vortrag. Es war überhaupt eine glückliche Wahl. Schubert an den Anfang und das Ende der Vortragsfolge zu sehen. Gelangten im ersten Teile ernste Stücke zum Vortrag, so lockerte sich das Pro
gramm im zweiten Teile immer mehr auf. um mit den immer schönen Walzermelodien von Johann Strauß seinen Abschluß zu finden. Hervorgehoben sei aus den Musikvorträgen noch das Flötensolo über das Lied: An Alexis sende ich dich, das von Herrn P. K e h r m a n n meisterhaft vorgetragen wurde. Der Leiter der Männerchöre im D. H. V.. Herr T e b j e, Hamburg, trug mit einigen Liedern zur Verschönerung des Abends bei Mit seinem vollklingenden Bariton sang er u. a. Vätergruft von Liszt, Friedrich Rotbart von H. v. Wilm. Ueberaus starker Beifall dankte dem Sänger. Die Begleitung lag bei Fräulein Bock. Gießen, in guten Händen Zum ersten Male hatte der junge Männerchor Deutscher Sang im D. H. V. der Ortsgruppe Gießen Gelegenheit. sein Können in größerem Rahmen zu zeigen. Cs war erstaunlich, was dieser junge Chor seit einem Jahre seines Bestehens leistete, was wohl nicht zuletzt auf den vorzüglichen Chormeister G ö r 1 a ch. Gießen, zurückzuführen ist. 2llte deutsche Volkslieder wurden zu Gehör gebracht. Besonders gefiel: Ein Jäger aus Kur» Pfalz, Mein Mädel hat einen Rosenmund unb die Zugabe Horch was kommt von draußen rein. Der Chor dürfte noch durch gute Tenore verstärkt werden. Der anschließende Tanz hielt jung unb alt noch einige Stunben bei froher Stimmung zusammen. Die Vortragsfolge verriet, mit welcher Sorgfalt der Verband Bildungsarbeit leistet unb wie eine Gewerkschaft ihren Mitgliedern deutsches Kulturgut vermittelt.
Zezirksschöffengericht Gießen.
Gießen, 24. Jan. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde gegen einen Hausdiener aus Butzbach wegen Sittlichkeitsverbrechen verhandelt. Der wegen eines gleichartigen Verbrechens erhebstch vorbestrafte, betagte Angeklagte hat drei Kinder an sich gelockt und sich an ihnen vergangen. Rachdem er bei seiner ärztlichen Untersuchung seine Taten zugestanden hatte, wollte er sich heute an nichts mehr erinnern, er wurde aber durch die Beweisaufnahme über-, führt unb, da an seiner Zurechnungsfähigkeit nicht zu zweifeln ist, zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt.
Ein wegen Eigentumsvergehen mehrfach Dor* bestrafter Kaufmann war in einem Betrieb als Untervertreter angestellt, wurde aber wegen Unregelmäßigkeiten entlassen. Danach kassierte er in Büches einen Betrag von 17 Mk. ein. indem er sich als den Generalvertreter ausgab und stellte eine gefälschte Quittung aus. Das Geld behielt er für sich. Seine Bemühungen, die Sache abzuschwächen, scheiterten an den klaren Zeugenaussagen. Strafe: fünf Monate Gefängnis.
Ein stellen- und mittelloser Hausbursche kam nach Gießen, mietete sich unter falschen Vorspiegelungen bei einer Witwe ein. legte, um diese sicherer zu machen, gefälschte Urkunden vor, erschwindelte sich ein Paar Schuhe, versuchte eine Firma um einen Anzüg zu betrügen und stahl einer Freundin der Tochter seiner Wirtin eine Mark. Er war umfassend unb anscheinend reumütig geftänbig. Das Gericht ließ mit Rücksicht auf seine Jugenb unb Unbestraftheit große Milde walten. Strafe zwei Wochen Gefängnis.
Ein Viehhändler von Hainchen hat ein amtstierärztliches Zeugnis für Wanderschafherden verfälscht und einem kontrollierenden Gendarmen vorgezeigt. Seine Behauptung, er habe nicht in Bereicherungsabsicht gehandelt, sondern um zur rechten Zeit mit seinen Schafen in Lieh zu sein, war nicht zu widerlegen. Strafe: an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zehn Tagen hundert 211 a r l G e l d st r a f e.
Die Metierlaae.
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Wettervoraussage.
Der Einfluß des französischen Tiefdruckgebietes bestimmt die Wetterlage von Mitteleuropa. '21 n seinem nördlichen Teile herrscht eine mehr östliche Luftzu fuhr, welche Deutjd;land leichtes Frostwetter bringt. Verbreitete Nebelbildung^ aber auch Aufheiterung und durchweg trockenes Wetter ist zu erwarten.
Witterungsaussid)ten für Dienstag. Stellenweise Nebel, sonst heiter, trocken, Nachtfrost.
Amtliche Winterfportnachrichten.
Schwarzwald. Feldberg: Klar, 5 Grad, 20 cm Schnee, gekörnt, Ski- und Rodelmöglid;keit gut.
Alpe n. Berchtesgaden : Klar, 4 Grad, 5 cm Schnee, vereist, Sportmöglichkeit nur stellen weise.


